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Bambus Special
DAS HUHN
Sieben gereimte Geschichten
Anis Hamadeh, 2000

Das Pophuhn Gloria und seine beiden Adjutanten Fred und Klaus erleben die wundersame Geschichte eines Huhns, das goldene Eier legt. Und zwar zwei am Tag. Was der polnische Juwelier Laszlo damit zu tun hat, erfahren die geneigten Leser ebenso wie Details über die erstaunlichen Vorgänge auf der Andrea Doria sowie im Waldorf Astoria. In New York angekommen lässt Gloria es sich nicht nehmen, im Madison Square Garden aufzutreten. Meist muss das Pophuhn flüchten, denn Leichen pflastern seinen Weg. Inspektor Kitty aus New York City ist auf der Spur. In Miami wird das Tier aufgegriffen und landet beinahe für immer im Gefängnis, doch nennt es sich das Kubanische Huhn, sagt aus, dass es Victoria sei und nicht Gloria und drängt auf Auslieferung nach Havanna (zur Mama).

Die sieben Folgen der Serie mit dem Huhn wurden 2000 fertiggestellt. Weitere gereimte Serien sind: Champion Leo, Das Krokodil aus Kiel und Die Dichter. – „Bambus“ ist eine telegramm-ähnliche Textform mit Gedankenstrichen statt Satzzeichen und ohne Großschreibung. Inhaltlich handelt es sich um eine weit gefächerte Mischung aus Satiren, gereimten Geschichten, Dialogen, Märchen und Träumen, Rap-Gedichten, Meditationen, tagespolitischen Kommentaren und schwerer Dichtung. Anis' Bambustexte sind alle eine Seite lang.

Inhalt:
1. DAS HUHN
2. DAS HUHN II.
3. DIE RÜCKKEHR DES HUHNS
4. DAS HUHN IM MADISON SQUARE GARDEN
5. DAS HUHN MIT DEM MEGAFON
6. DAS HUHN IN MIAMI
7. DAS KUBANISCHE HUHN


HUHN 1 (4:37)
mp3


HUHN 2 (4:56)
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HUHN 3 (4:55)
mp3


HUHN 4 (4:35)
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HUHN 5 (4:33)
mp3


HUHN 6 (4:32)
mp3


HUHN 7 (4:12)
mp3
DAS HUHN
Part 1

ich hab' zwei freunde – fred und klaus – die kauften sich ein huhn – der eine lebte dann in saus – der andere in braus – durchaus – er lief in edlen schuh'n – doch nun – das huhn: – es trug einen persischen schleier – und legte zwei goldene eier – am tag – (mal um eins – mal um drei – wie's ihm lag) ...

DAS HUHN II.
Part 2

ein huhn mit namen gloria – nahm die andrea doria – und fuhr über das meer – ist noch nicht lange her – es lag dort auf dem liegestuhl – und war total entspannt – die sonnenbrille ultra-cool – so blieb es unerkannt – damit es kein reporter fand  – am schiffseigenen swimmingpool ...

Diese Texte stehen jetzt hier:

Robert –
und andere gereimte Geschichten, Satiren und Märchen
Von Anis Hamadeh
Verlag Donata Kinzelbach
ISBN: 978-3-942490-09-2
Broschiert: 140 Seiten
16,00 €
Mainz, Februar 2013

Amazon-Link

DIE RÜCKKEHR DES HUHNS
Part 3

Im Waldorf Astoria,
Downtown New York,
logierte einst Gloria,
das verkork-
ste Huhn
(unter falschem Namen,
denn keiner sollt was ahnen).
Sie trug Diamanten
unter den Schuhn
und hinter ihr rannten
der Klaus und der Fred,
ihre beiden bekannten Adjutanten.

Sie brachten Gerät
und dienten dem Pophuhn.
Wollten alles für es tun,
denn das Huhn legte goldene Eier
hinter seinem Schleier.
So dachten sie,
dabei machten sie
einen Riesenfehler,
denn die Eier waren in Wahrheit
von einem Hehler.
Der hatte jetzt viel Arbeit
und Millionen Schulden.
Das konnte er nicht dulden.
Sie wurden ihm gestohlen.

Es geschah in Polen.
Man nannte ihn Laszlo, das Tier.
Er war ein renommier-
ter und hochpolitisier-
ter Juwelier aus Plock
und wer ihn übers Ohr haute,
spürte seinen Stock,
dass sogar ein Tor schaute,
dass er keinen Fehler machte,
keinen sinnlosen Streit entfachte
mit dem Juwelier,
mit Laszlo dem Tier.

Einmal kam ein Huhn,
als hätt' es nichts besseres zu tun
in seinen Juwelen-Saloon.
Es hob die Pistole
und sagte ihm: „Hole
die Eier aus edlem Metalle
aus deinem Keller!
Und mach es mal schneller!
Und bring mir nicht eines
und nicht nur ein kleines,
nein, bring sie mir bitte gleich alle!
Du sitzt immerhin in der Falle.
Ich kralle
mir den Schatz
und geh zurück auf meinen Platz.“

Der Juwelier aus Plock
bekam einen heftigen Schock,
doch konnte er nichts tun
und so gewann das Huhn.
(Später auf der Wache
sann Laszlo schon auf Rache.)

Lange hat er dann recherchiert
und seine Leute instruiert.
Es sollte tragisch zuende gehen
wie auf der Andrea Doria.
Man sah es in der Zeitung stehen:
Ein Pophuhn namens Gloria
erschoss den Kapitän
kurz vor den Kanaren.
Da waren
die Häscher des Laszlo
froh.
Sie warteten nur
auf genau diese Spur
und verfolgten sie bis nach Amerika,
über Kontaktfrau Erika
aus dem Esoterikladen.

Aber nun
das Huhn:
Es saß gemütlich
in der vorzüglichen Fürstensuite
und hatte 'nen fürstlichen Appetit.
Die Ober brachten Braten mit Tomaten
und alle Arten
von Spinaten
aus dem Garten.
Dazu Pasteten
und Diät-Pastillen
sowie gegrillte Dill-Delphine.

So mancher fragte sich, wie das wohl geht,
dass all das Volk bis abends spät
und inklusive Klaus und Fred
das Vogeltier derart verwöhnen.
Zu Niedrig-Löhnen
frönen sie Gloria.
Sei es nun hier im Astoria
oder der Andrea Doria.
Was für ein seltsamer Fall!

(Für Gloria ist das egal,
denn sie nimmt sich überall
bloß das, was sie haben will,
wie sie's alle tun.
Wer Gaben haben will,
muss still
und leise geh'n in seinen Schuh'n,
so wie das Huhn.)

Sie fleezte sich auf dem Diwan
und sah sich ein Actionvideo an,
das Fred frisch geholt hat
vom Videomann.
Es war Rambo Vier.
Da plötzlich stand Laszlo das Tier vor ihr,
der Juwelier aus Plock.
Er schwang seinen Stock
und zog die Pistole,
sagte: „Wenn ich dich nicht kenne!
Du bist die verfluchte Henne,
die ich mir jetzt hole!
Jetzt schieße ich dich endlich tot!“

Der Vogel lief in seiner Not
und stellte sich schnell hinter Klaus,
der hielt nämlich ganz schön 'was aus.
Wiewohl die Kugel aus dem Revolver
nun doch zu doll war.

Dann kam die Polizei
und alles war vorbei.
Sie nahm den Juwelier
und ließ das Hühnertier
auf freiem Fußmit einem Gruß.

DAS HUHN IM MADISON SQUARE GARDEN
Part 4

Downtown New York
im Waldorf Astoria
lebte das verkork-
ste Huhn Gloria,
schon seit einer Weile.
Sie hatte keine Eile.
Es war nobel und hell
in dem Nobel-Hotel.
Nur neulich gab's 'nen Skandal im Haus,
denn ein Juwelier erschoss den Klaus.
Der war der Henne treuer Lakai.
Der Arme starb,
es war vorbei.
Sie legte ihm ein gold'nes Ei
ins kühle Grab

und blieb allein mit Freddie,
schenkte ihm einen Teddy,
dass er nicht so allein war.
Sie selbst ging zur Hotel-Bar
und betrank sich heftig.
Der Wirt war sehr beschäftigt
damit, ihr nachzuschenken.
Er konnte sich denken,
wie Gloria trauerte,
was er bedauerte.

So trank sie und trank sie
und bald schon sank sie
von ihrem Hocker.
Der Wirt nahm es locker,
denn diese wie jede andere Nacht
hatte die Henne ihm Dollars gebracht.
Man legte Gloria dann wie immer
in ihr Zimmer.

Am nächsten Morgen
gab es Sorgen.
Die Direktion
bestätigte zwar ihre Diskretion,
was die Bar betraf
sowie den Vorfall mit Klaus.
Doch fragte man scharf
und geradeheraus,
wie es denn stünde mit der Miete
für die fürstliche Fürstensuite
und all die Feten
und all die Pasteten.

Das Huhn wurde schließlich zur Kasse gebeten.
Man sagte ihr,
dass man bis morgen um vier
eine ernsthafte Lösung erwartete.
Gloria startete
gleich eine Sammelaktion.
Am Telefon
bat sie den Fred:
„Mein Junge, wenn es eben geht,
bring mir ein goldenes Ei
aus dem Vorratsraum.
Komm, sei so frei.“

Doch Fred meinte nur:
„Das geht wohl kaum,
denn rund um die Uhr
verprasst du das Geld,
das nicht lange hält.
Die Eier sind aus.
Das letzte ging 'raus
für den Leichenschmaus
von Bruder Klaus.
Nun ist es an dir,
mein Hühnertier.
So nimm deinen Schleier
und leg ein paar Eier!“

Doch nun
das Huhn:
Es dachte bei sich: „Au weia!
Was soll ich denn jetzt tun?
Ich leg' doch gar keine goldenen Eier,
sondern besorgte sie mir
von dem Juwelier.“
Sie sagte verzweifelt: „Mensch, Fred,
schon morgen um vier
ist alles zu spät.
So glaube mir,
ich kann keine Eier mehr legen
aus Trauer
um den armen Klaus.
Die Legekrise ist von Dauer:
Ich kriege gar kein Ei mehr 'raus.“

Da fasste sich Fred ein Herz
(für Gloria war das alles ein Scherz)
und sagte: „Ich werde nicht ruh'n,
bevor du nicht auch ruhst,
mein Lichthuhn!
Ich habe auch schon einen Plan.
Wir fangen sofort damit an.
Wir geben ein Friedenskonzert,
das unsere Dollars vermehrt.
Nun hör mal her,
das kann nicht schaden:
Wir fahren zum Madison Square
Garden.“

Und so wurd's getan.
Das Pophuhn zog den Lamé-Anzug an
und so kamen sie beim Konzerthaus an.
Dort standen die Leute für Bobby, den Star,
der ein berühmter Rocker war.
Das Huhn fand ihn in der Garderobe
bei seiner allerletzten Probe.
Es schlich sich unbemerkt hinein
und keiner hörte Bobby schrei'n,
der in die Fänge des Huhns geriet.
Die Presse sprach später von Suizid,
weil die ja auch nicht alles sieht,
und dann sprach sie auch noch
vom Identitätsloch
und von einer schwindenden Lobby
für Bobby.

Danach ging es nur noch um Gloria
mit Donner und mit Doria.
Die Henne ließ sich auf der Bühne blicken
und nannte sich das Hard-Rock-Chicken,
benahm sich völlig daneben.
Das Publikum konnte erleben
wie ein verrücktes Huhn
in verrückten Schuhn
den Chicken-Tanz tanzte
und sich verfranste.
Es nahm einen albernen Hut
und alle fanden es gut.
Selbst das Waldorf Astoria
gratulierte Gloria,
die nun ja wieder flüssig war.

DAS HUHN MIT DEM MEGAFON
Part 5

Ein Pophuhn namens Gloria
saß im Waldorf Astoria
und lebte ein irres Hühnerleben.
Musste Autogramme geben.
Sie war das heilige Huhn
und trug Diamanten
unter den Schuh'n.
Vor Kurzem gab sie ein Konzert.
Die Presse hat sie hoch geehrt.
Sie war begehrt
und alle kannten nun
das goldene Rampen-Huhn.

Heut wollte sie etwas besonderes tun.
So nahm sie ein riesiges Megafon
von des Zimmermädchens Sohn,
der daraufhin weinte.
Gloria meinte:
„Heule nicht,
sonst verbeule ich
dein Megafon.“

Schon stieg sie auf die Feuerleiter
und steuerte weiter
nach oben an der Hauswand.
In der einen Hand
das Megafon
von des Zimmermädchens Sohn.
Sie kletterte schnell
auf das Hotel
und stand dann auf dem Dach
des Waldorf Astoria
und dachte eine Weile nach,die Gloria.

Breitbeinig stand sie da
mit dem Beschallungsgerät,
als zur gleichen Zeit Fred
auf dem Dach ankam und fragte:
„Was ist los, mein Lichthuhn?
Du solltest dies hier nicht tun!“
Doch die Henne sagte:
„Gut, dass du immer zur Stelle bist,
wenn es einmal brennt, Mann.
Sag du mir, weil du doch so helle bist:
Wie geht dieses Instrument an?“
Fred merkte mit Schrecken,
dass sie sternhagelvoll war.
Und sie hatte 'nen Revolver
innen in der Weste stecken.

Plötzlich kam ein Ton
aus dem Megafon,
kreischend laut und schief.
Das torkelnde Huhn in New York, es rief:
„Hey Alter,
da ist ja ein Schalter!
Den musst' ich
erst entdecken.
Jetzt wird's lustig.“

Fred sah Gloria sich recken
und blechern tönte es über der Stadt
mit etwa siebenhundert Watt:
„Achtung, Achtung, Hühner-Ei,
hier spricht die Hühnerpolizei!
Verlassen Sie bitte schnell
das Astoria-Hotel,
hier grassieren gerade die Pocken.
Nun machen Sie sich auf die Socken!
Wohin soll das sonst führen?
Nehmen Sie gebühren-
den Abstand
von diesem Ort.
Geh'n Sie lieber nach Kapstadt,
sonst trägt es sie ins Jenseits fort.
Ende der Durchsage.“

In dieser schwierigen Lage
meinte Fred: „Ach Gloria,
du weißt,
ich find dich wunderbar.
Wir sind auch weit gereist.
Aber mal ehrlich:
Das war jetzt gefährlich.
Das war kein Spaß,
das war entbehrlich.
Du hast im Übermaß
getrunken,
ohne Funken von Respekt.
Was hast du da jetzt ausgeheckt?
Was soll denn nun geschehen?“
Das Huhn meinte versunken:
„Lass uns nach unten geh'n und lachen.
Mal sehen, was die da so machen!“

So stieg sie wieder heiter
auf die teure Feuerleiter.
Dabei aber fiel
das Beschallungs-Utensil
herab
und verfehlte knapp
den Sohn von Gretchen,
dem Zimmermädchen.

„Was war das für ein Krach
dort oben auf dem Dach?“,
fragte die Direktion.
„Es war das Megafon!“,
rief da traurig
Gretchens Knabe.
„Das Huhn, das ist ein Rabe,
glaub ich.
Es hat es mir stibitzt
und ist dann weggeflitzt.“

Aber nun
das Huhn:
Als die verrückte Gloria
schließlich wieder unten war,
liefen panische Massen
auf den Terrassen.
Sie rasten auf die Straße raus,
aus dem Hotel und dem Nachbarhaus.
Es war so grell,
es ging so schnell,
man hielt es kaum im Kopfe aus.

Der ganze Tumult
war Glorias Schuld,
die heute wie toll war.
Sie nahm den Revolver
und schoss auf die ganze Direktion
und auf des Zimmermädchens Sohn,
die alle zu viel wussten.
Fred und das Huhn,
sie mussten
dann wieder einmal flieh'n,
und ziemlich schnell sogar,
wie's schien.

DAS HUHN IN MIAMI
Part 6

Das Pophuhn namens Gloria
und ihr bekannter Adjutant,
der Fred,
lagen in Florida
am Strand.
Sie waren querbeet
durch die Staaten gefloh'n,
gleich nach dem Skandal mit dem Megafon.

Es hatte vor der Reise
bedauerlicherweise
einige Tote gegeben.
Es ließen in New York ihr Leben:
des Zimmermädchens kleiner Sohn
und die gesamte Direktion
des Waldorf Astoria.

Die verruchte Gloria
versuchte, unentdeckt zu bleiben
und sich im Stillen die Hände zu reiben.

Bereits nach dem Problem
auf der Andrea Doria
wurd' es ihr unbequem.
Sie nannte sich deshalb Victoria.
Wenn sie in Bedrängnis war,
nahm sie den zweiten Pass.
Ihr letztliches Verhängnis war
der kleine Spaß
auf dem Astoria,
der Krach
dort auf dem Dach.

Ja, so ein leben als Megastar
hatte schon seine Tücken.
Sie litt an unverrückbaren,
unüberbrückbaren
Gedächtnislücken.
So konnte es glücken,
dass niemand ihr auf die Schliche kam.
Es war zwar infam und Schande und Scham,
doch immer noch war sie ganz frei.

Indessen fand die Polizei
von New York City
unter einigen Spaghetti
den gemogelten
Ausweis des Vogels
mit einem Graffitti darauf.
Inspector Kitty aus New York City
schlug den Pass dann auf.
Er hatte bis auf Weiteres
die heitere Leitung
dieses Falls
und war grad bei der Vorbereitung.
Es ging um einen Mörderhals.

Er las den Namen Victoria
und wusste nun,
woran er war.
Das Killer-Huhn,
das war ihm klar,
musste geflohen sein.
Da schwor er Stein und Bein
die Rache
und machte die Henne zur Chefsache.

Aber nun
das Huhn:
Es stand auf einem Bein
im Sonnenschein
und ließ die Sorgen Sorgen sein.
Stattdessen gab es Remmidemmi
in Miami:
Das Huhn und ihr Freund,
sie rauchten 'nen Joint.
Denn so viel lernte Gloria wohl:
Sie war ganz weg vom Alkohol.

So saßen sie unter dem Sonnenschirm,
die Mützen weit über die Stirn,
und zogen sich Marihuana ins Hirn.
Nach dieser hektischen Flucht
hat man sich ein Eckchen gesucht.

„Was ist denn das hier für ein Duft
zwischen der frischen Meeresluft?“,
fragte der Mann von der Strandwache.
„Interessante Fundsache!
Ich mach' mich gleich mal auf
und lauf'
und meinen Wasserschlauch,
den brauch ich auch
für all den Rauch.“

Mit Gekicher und Gelächter
sah das fette Huhn den Wächter
über den sandigen Strandweg kommen.
Er schien beklommen,
doch sagte er schroff:
„Mein Name ist David Hesselhoff.
Von California
kam ich vorbei nach Florida,
und Sie sind hoffentlich nicht besoffen,
Sie kucken nämlich so betroffen.“
Er verlangte die Papiere
von dem Tiere,
doch Gloria, sie schrie:
„Das können Sie nicht tun!
Was denken Sie!
Ich bin das heilige Huhn
und trag' Diamanten unter den Schuh'n.
Ich lege Eier aus Gold
und pflege meinen heiligen Colt.
Also woll'n
Sie sich wohl troll'n!“

Da sah der Hesselhoff die fette
Zigarette
zwischen Gloria und Fred
und alles war zu spät:
Er schlug die beiden rauh
und warf sie in den Bau.

David war so schlau
und verglich
das Gesicht
der Hühnerfrau
mit einem Fahndungsbild
der Polizei.
Das wilde Huhn, das Leute killt.
Er schickte schon um drei
seinen Bericht nach New York City
zu Inspector Kitty.

Wie es weitergeht, ihr Lieben,
erzähl' ich in Part Sieben.

DAS KUBANISCHE HUHN
Part 7

Hinter Gittern in Florida
zitterten Fred und Gloria.
Man hatte sie erwischt
und frisch vom Strand gefischt.
Fred wurde langsam nervös
und eigentlich auch bös'
auf diese heilige Henne.
Er dachte bei sich: „Ich erkenne,
dass hier etwas nicht stimmt,
so wie sich Gloria benimmt.
Jetzt sitzen wir im Knast
und haben unsere Chance
verpasst.
Wir waren nur in Trance
und dann gab es urplötzlich Zoff:
Wir trafen auf David Hesselhoff.
Nun habe ich eine schmerzende Delle
und nicht einmal eine eigene Zelle.“
So sagte Fred zu Gloria:
„Wir müssen raus aus Florida!
So lass dir etwas einfallen.
Ich will nicht wieder reinfallen.“

Das Huhn, es sagte: „Tut mir leid.
Nimm es mit Heiterkeit!
Vergiss den lästigen Kummer,
jetzt kommt meine beste Nummer!
Und bitte sag nicht 'Gloria',
denn ich bin Victoria,
dann ist bald alles wieder klar.
Mein Fred, vertraue mir!
Ich bin das heilige Hühnertier.“

Indessen erreichte in New York City
des Strandwächters Bericht
Inspector Kitty.
Und lange brauchte dieser nicht,
um nach Miami zu reisen,
den Vogel zu verspeisen.
Er hatte geschworen
beim Jüngsten Gericht
und bei seinen Ohren
und seinem Gesicht,
bei all seinen Poren
und bei seiner Pflicht,
die Mörderhennne zu durchbohren –
vor Gericht.

Auch die Presse
wurde gehässig,
sie fühlte sich verschaukelt.
„Was hat uns das Pophuhn da vorgegaukelt?“
Man traf sich am Gefängnistor
und hatte ernstlich vor,
die Wahrheit zu erfahren
über die fahrigen Gebaren
des inhaftierten Tieres.

Doch nun
das Huhn:
Es saß cool
auf einem Stuhl
im Vernehmungsraum
und gab sich zu dem Thema kaum
gerührt.
Es sagte sicher wie im Traum:
„Man hat mich gar nicht überführt,
ich bin es nicht gewesen.
Sie haben das bloß falsch gelesen.
Ich bin gar nicht die Gloria.
Ich heiße doch Victoria
und stamme aus Havanna.
Dort lebt auch meine Mama.
(Mein Vater stammt aus Portugal,
doch das ist hier jetzt ganz egal.)
Was kann denn ich dafür?
Das böse Killerhuhn
schlich sich in leisen Schuh'n
an meine Tür
und nahm von mir den Pass.
Ich dachte: Besser
das,
als das Messer.
So hat mich Gloria betrogen.
Das ist jetzt wirklich nicht gelogen.
Ich liebe mein Land
und ich bin dort bekannt
als das Huhn, das goldene Eier legt.
Sie machen mich ganz aufgeregt.“

Und so ging es über den Sender
in alle Herren Länder.
Die Kubaner meinten: „Gemein!
Wir müssen das Huhn befrei'n!“
Die Zeitungen schrieben:
Victoria
wurde vertrieben
nach Florida.
Sie sei das kubanische Huhn.
Man würde alles für sie tun.
Selbst Maestro Castro
fasste den Entschluss:
„Das Huhn, es muss
zurück zur Mama
nach Havanna.“

Auf internationalen Druck
gab sich Inspector Kitty
aus New York City
einen Ruck.
Auch der Gouverneur
kratzte sich am Öhr
und beklagte
die wachsende Rate
der Wählerstimmen,
die von ihm gingen,
weil alle an der Henne hingen.

Sie nannten sie das heilige Huhn.
Sie trug Diamanten unter den Schuh'n
und konnte es nicht lassen.
Gloria Victoria
machte die Massen
ganz panisch.
Und nun war sie auch noch kubanisch!

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