Weiter Oktober 2006
29.09.06, Neues Deutschland, "Honesty heißt Ehrlichkeit. Gibt es einen neuen Judenhass - in Deutschland, Europa, der Welt?" von Horst Helas Dazu Günter Schenk: Schon bei der unkritischen Übernahme des Antisemitismus-Begriffes
durch Ihren Rezensenten gerät er in eine sprachliche Falle, aus der zu entrinnen von den Protagonisten des Sammelbandes, bei H.C. und anderen, nicht vorgesehen ist. Wäre es nicht besser, von Judeophobie zu sprechen? Schließlich ist die Gleichsetzung von europäischem Antisemitismus mit einer, wie ärgerlich und verurteilungswürdig auch immer,
summarischen Ablehnung von "Jüdischem" im Nahen Osten weder durch die Geschichte, noch von der Motivation her zielführend. Das war ja nicht immer so.
Im Orient gab es zu keiner Zeit aus der dortigen Kultur gespeisten
Judenhass. Die erste sicher dokumentierte Erscheinung dieser Art
gab es mit der Affaireder von französischen Christen erfundenen
"Ritualmorde von Damaskus" (beschrieben von Heinrich Heine) Im
Gegenteil, irakische Juden lebten, oft wohlhabend und gebildet
unter ihren Nachbarn, in Syrien, (dazu gehörte kulturell auch das
jetzige Palästina) Ägypten und im gesamten Maghreb gab es zu allen
Zeiten zahlreiche schöne Synagogen und von einer Behinderung des
Glaubens, oder der Zugehörigkeit konnte, abgesehen von einer
Sondersteuer von Christen wie auch Muslimen bei den Osmanen, keine
Rede sein. Wie anders im christlichen Ost-, später in Mittel- und
Westeuropa!
Das änderte sich mit der Einwanderungswelle durch aschkenasische
(europäische) Juden, beginnend im ausgehenden 19. Jahrhundert aus
dem zaristischen Russland! Spannungen im britischen Mandatsgebiet
kamen auf, nachdem für die alt-eingesessene Bevölkerung immer
deutlicher wurde, dass es vielen der zugewanderten Juden nicht um
ein Miteinander ging sondern um Verdrängung. Selbst der Aufstand
der Palästinenser vor der Staatsgründung war nicht allein gegen die
kolonialistischen Einwanderer gerichtet, sondern ebenso gegen die
kolonisierenden Briten. All dies könnten die Autoren des
Sammelbandes wissen (siehe Bericht der königlich-britischen
Kommission des Earl Peel), wenn sie es denn wollten.
Der Augenblick unversöhnlicher Feindschaft, dieses Mal gegen die
zionistischen Zuwanderer, war dann mit den Massakern und
Vertreibungsaktionen durch jüdische Terrorgruppen (Höhepunkt: Deir
Yasssin ) erreicht. Nun wurden von Palästinensern, muslimischen wie
christlichen, "Jehudin" (Juden) nur noch als feindliche
Eindringlinge, Landnehmer, Terroristen wahrgenommen, was zu einer
zunächst unversöhnlichen Ablehnung des britischen, später UNO-
Teilungsplanes führte.
Seitdem ist es in Palästina, aber auch im gesamten Orient,
schwierig geworden, den betroffenen Menschen klar zu machen, dass
es sich bei Juden nicht automatisch um diejenige handelt, die ihnen ihre
Existenz nehmen, die sie ihrer Häuser, ihrer Felder und ihrer
Heimat berauben. Dass in der so
entstandenen Atmosphäre Zeichen pauschaler, kollektiver Ablehnung
entstehen, besonders bei den täglich zionistisch begründeter Gewalt
ausgesetzten Kindern und Jugendlichen, ist ärgerlich, wiewohl
verständlich. Es ist richtig, sich diesen Tendenzen ohne
Einschränkung zu widersetzen. Sie jedoch mit
europäischem Antisemitismus gleichzusetzen erscheint mir unredlich.
Wenn Ihr Rezensent darüber hinaus "per Ordre du Mufti" dekrediert,
Vergleiche zwischen aktueller Politik (richtig müsste er sagen:
militärischer und polizeistaatlicher Machtpolitik!) mit der NS-Zeit
verbiete sich à priori, so verfällt er in eine unsachgemäße
Verwechslung. Vergleichen heißt ja nicht Gleichsetzen! Vergleiche,
anders als Gleichsetzung, die sicher eher einer bequemen
"Entschuldigung" eigener Verbrechen dient, sind sogar notwendig.
Nur indem an vergangene schwere Verbrechen erinnert wird, neue
Verbrechen möglicherweise damit verglichen werden, ist eine
heilsame Wirkung der Erkenntnis aus der Vergangenheit möglich. Wozu
sonst sollte z.B. staatsbürgerliche Erziehung, Aufklärung über
vergangene Verbrechen, dienen, wenn nicht als Maßstab dafür, was, auch in Ansätzen nie mehr geschehen darf?
Wenn der Rezensent schließlich Wert darauf legt, auf eine "in den
Medien weit verbreitete selektive Wahrnehmung...." hinzuweisen, und
damit einzelnen Beiträgen zuzustimmen, so ist dies nur zu
unterstützen. Tatsächlich wird allzu oft, bei Verbrechen der Einen
und der Anderen, in unseren Mainstream-Medien
mit zweierlei Maß gemessen. Ein Aspekt fehlt mir in jedem Falle im
vorgelegten Sammelband: die Bedeutung, hier, im aufgeklärten
Westen, wie dort, in der
östlichen Welt, der jüdischen Kritik an unerträglicher staatlicher
Gewaltpolitik durch Israel. Jene Juden, die aufstehen und der
Gerechtigkeit anstelle kollektiver Zugehörigkeit eine Stimme geben,
sind sicher bessere Garanten gegen jede Form von aufkeimendem
Antisemitismus hier, Judenhass dort, als
jene, die in alten Schuldzuweisungen verharren. Gerade in dieser
Falle aber scheinen sich einige der Autoren des Sammelbandes zu
befinden
27.09.06, Anis Online, "Deutschland-Essay (3): Was war schlimm am Nazistaat?" von Anis Hamadeh www.anis-online.de/1/essays/20.htm
27.09.06, Anis Online, "Zum Besuch des Papstes in Bayern, zur Rede in Regensburg und zur Berliner Rede von Kardinal Lehmann" von Friedrich Hitzer www.anis-online.de/1/essays/gastessays/19.htm
26.09.06, Anis Online, "Wie sich Henryk M. Broder, "Edelfeder" des SPIEGEL, dekonspiriert und dabei indirekt den Beweis geführt hat, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem Hariri-Attentat stecken könnte", von Georges J. Marat www.anis-online.de/1/ton/30.htm
Gesehen 20.09.06, Website: Der israelische Überfall auf den Libanon. Links zu Artikeln, Meinungen, Organisationen:
www.mynetcologne.de/~nc-heisinan/radio/libanon/leb_1_de.html
14.09.06, Anis Online, "Deutschland-Essay (2)" von Anis Hamadeh www.anis-online.de/1/essays/19.htm
11.09.06, Anis Online, "Die Palästinenser werden sich niemals ergeben".
Interview mit Sattar Kassem, von Silvia Cattori (Nablus)
11.09.06, Anis Online, Likud Party Discovers Brazilian Artist Latuff
(2.175 visitors in the first week)
02.09.06, Anis Online, "Deutschland-Essay" von Anis Hamadeh www.anis-online.de/1/essays/18.htm
Weiter August 2006
| |