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FAKED FRAU SHALEV INTERVIEW
Anis, 25. Januar 2003
Nach einem Interview in der Frankfurter Rundschau am 25.01.03:
http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_ausland/der_nahost_konflikt/?cnt=97696

Faked Reporter: Wie geht's weiter, Frau Shalev?
Faked Frau Shalev: Es ist zum Verzweifeln.
FR: Sie sind israelische Schriftstellerin. Werden Sie wählen gehen?
Faked Frau Shalev: Ich werde der Arbeiterpartei eine Chance geben. Aber es nützt nichts.
FR: Aha.
Faked Frau Shalev: Ich bin ein Nervenbündel. Hier in Jerusalem ist immer Intifada Intifada.
FR: Wirklich?
Faked Frau Shalev: Ja, ich schütze mich bereits vor den Nachrichten, sie machen mir nur Angst.
FR: Warum ziehen Sie nicht nach Tel Aviv, da ist es ruhiger.
Faked Frau Shalev: Ach, wissen Sie, ich mag Jerusalem. Obwohl es eine Terrorstadt ist.
FR: Eine Terrorstadt?
Faked Frau Shalev: Ja, man kann von einer auf die andere Minute tot sein.
FR: Oder ins Ausland?
Faked Frau Shalev: Nein, es ist meine Pflicht, in Israel zu bleiben. Dafür haben wir das Land ja gemacht.
FR: Um in Sicherheit leben zu können.
Faked Frau Shalev: Ja, um in Sicherheit leben zu können. Und nun das!
FR: Träumen Sie vom Frieden?
Faked Frau Shalev: Nein, ich träume fast immer von Terrorattacken und denke an die schlimmsten Sachen.
FR: Fühlen Sie sich sicher in West-Jerusalem?
Faked Frau Shalev: Eigentlich nicht. Aber diese Angst grenzt auch manchmal ans Lächerliche.
FR: Und Ihre Kinder?
Faked Frau Shalev: Sie leiden natürlich sehr.
FR: Wie gehen die Kinder mit dem palästinensischen Problem um?
Faked Frau Shalev: Die Palästinenser haben sie komplett verkorkst.
FR: Freunde im Ausland haben vorgeschlagen, sie in Sicherheit zu bringen.
Faked Frau Shalev: Natürlich ist es traurig, dass wir so ein Leben führen müssen, aber wir sind ja unschuldig.
FR: Was denken Sie über Deutschland?
Faked Frau Shalev: Nun ja, ein bisschen erinnert es mich schon noch an die Nazizeit. Achtung Achtung! etc.
FR: Das reicht schon aus, um Ihnen Angst zu machen?
Faked Frau Shalev: Ich sag ja, ich bin ein Nervenbündel.
FR: Es tut uns Leid.
Faked Frau Shalev: Aber irgendwann werde ich Euch verzeihen können. Das kriegen wir schon.
FR: Kritiker sagen, die deutsche Presse sei pro-palästinensisch...
Faked Frau Shalev: Natürlich ist sie das. Die Journalisten sind zu dumm, um die Zusammenhänge zu verstehen.
FR: Ach so.
Faked Frau Shalev: Die Europäer wissen nicht, wie viel für uns auf dem Spiel steht.
FR: Ach so.
Faked Frau Shalev: Die Europäer kennen die Fakten nicht und urteilen schnell über uns.
FR: Zum Beispiel?
Faked Frau Shalev: 1. D-e-n-T-e-r-r-o-r-g-a-b-e-s-s-c-h-o-n-v-o-r-d-e-r-B-e-s-e-t-z-u-n-g-!
FR: Frau Shalev, alles in Ordnung?
Faked Frau Shalev: 2. D-i-e-I-s-r-a-e-l-i-s-w-a-r-e-n-z-u-e-r-s-t-d-a-!
FR: Au weia.
Faked Frau Shalev: 3. D-i-e-P-L-O-w-a-r-k-e-i-n-e-R-e-a-k-t-i-o-n-a-u-f-d-i-e-B-e-s-e-t-z-u-ng-!
FR: Sind Sie für einen palästinensischen Staat?
Faked Frau Shalev: Nein. Das wäre leider ein Terrorstaat. Terror! Terror! Verstehen Sie?
FR: al-Qaida und so?
Faked Frau Shalev: Ja! Hören Sie, ich bin sehr selbstkritisch und will eigene Fehler nicht entschuldigen.
FR: Ja.
Faked Frau Shalev: Wir, ich, mein, unser...
FR: Andere Leute sympathisieren mit den Palästinensern, weil Israel übermächtig ist.
Faked Frau Shalev: Quatsch! Natürlich sind wir militärisch stark, aber wir haben ja auch solche Angst.
FR: War nur so ein Gedanke.
Faked Frau Shalev: Auf die Davidgegengoliathromantik war ich vorbereitet.
FR: Diese Angst führt natürlich auch zu israelischer Gewalt.
Faked Frau Shalev: Quatsch!
FR: Manche Juden sagen, es gäbe gar keine Palästinenser.
Faked Frau Shalev: Das ist alles Quatsch. Das hat Golda Meir schon vor 30 Jahren gesagt.
FR: Äh, ich verstehe das Argument nicht.
Faked Frau Shalev: Das Argument ist, dass sie Premierministerin war.
FR: Hm.
Faked Frau Shalev: Sie verstehen das vielleicht nicht alles, weil Sie nicht so viel leiden wie ich.
FR: Dann erklären Sie es mir bitte.
Faked Frau Shalev: Also: Die meisten Israelis wollen wirklich Frieden mit den Palästinensern.
FR: Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann.
Faked Frau Shalev: Das Problem ist, es sind Terroristen.
FR: Ach so!
Faked Frau Shalev: Sie haben eine k-o-r-r-u-p-t-e-F-ü-h-r-u-n-g.
FR: Ja, Frau... äh
Faked Frau Shalev: E-s-i-s-t-i-h-r-e-T-r-a-g-ö-d-i-e-w-i-e-u-n-s-e-r-e.
FR: Erzählen Sie bitte, wie es früher für Sie war.
Faked Frau Shalev: Ganz fürchterlich! Traumatisch und voller Angst.
FR: Sie kennen also kein Leben ohne Terror.
Faked Frau Shalev: Nein, ich bin total arm dran, das sage ich ja die ganze Zeit.
FR: Jetzt verstehe ich Sie schon besser.
Faked Frau Shalev: Sehen Sie?
FR: Puh, jetzt haben wir aber gute Bewältigungsarbeit gemacht.
Faked Frau Shalev: Und diese Albträume. Väter bringen ihre Töchter um.
FR: Der Sechs-Tage-Krieg, Sie waren noch ein Kind.
Faked Frau Shalev: Es war eine Katastrophe.
FR: Lassen Sie uns jetzt lieber über die Literatur sprechen.
Faked Frau Shalev: Die Literatur ja, die Literatur.
FR: In Ihrem ersten Buch überwiegen Trauer und Melancholie.
Faked Frau Shalev: Logischerweise, ja.
FR: Die leidgeprüfte Heldin geht am Schluss in eine...
Faked Frau Shalev: Sie geht in eine Bibliothek und liest ein Buch.
FR: Ja.
Faked Frau Shalev: Ja. Immer nur Terror, Terror, Terror, verstehen Sie?
FR: Ist es ein optimistisches Buch?
Faked Frau Shalev: Nein, für Optimismus habe ich einfach zu viel Angst.
FR: Aber das Buch heißt "Liebesleben".
Faked Frau Shalev: Ja.
FR: Frau Shalev, wird Ihr dritter Roman politischer sein?
Faked Frau Shalev: Nein. Das wird mir alles zu viel. Es ist wegen...
FR: ... der Palästinenser, seufz. Ich weiß.


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