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(Update 30.11.2011) Erhältlich als Hörspiel-CD exklusiv auf Anis Online. Die CD mit musikalischer Untermalung, 14 Sprecherinnen und Sprechern sowie Textheft in DVD-Hülle und Dichter-Ansteck-Button ist knapp 70 Minuten lang und kostet 19,80 € (ggf. plus Porto): shop ät anis-online.de

Youtube-Trailer der CD "Die Dichter" (4:50 min)

Archiv und Ankündigungen von Lesungen siehe Terminseite

Fotos von der Lesung in Hamburg am 17. November 2011 (Arabische Literaturtage)

50 Dichter-Zeichnungen auf Buttons mit Sicherheitsnadel, 3,7 cm

Fotos von der Premierenlesung "Die Dichter" in Wien am 3. Dezember 2010

Fotos von der Premierenlesung "Die Dichter" bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin am 25. November 2010

Pressemitteilung (31.10.2010)

mp3: Audio-Trailer der CD "Die Dichter" (4:27 min) 4 MB

- Fotos von den Aufnahme-Sessions im Oktober 2010 im Zentralstudio Mainz

English Summary

Inhalt:

1. Qais bin Abbas (Lob auf Liebe und Wein) MP3
(Nicht die CD-Version)
2. Laila as-Sa'ida (Alchemistin der Poesie) MP3 (Nicht die CD-Version)
3. Zahid der Asket (Weg der Läuterung)
4. Fatima die Leuchtende (Lied der Wissenschaft)
5. Die blinde Hanan (Lob auf das gesprochene Wort)
6. Der maskierte Dichter (Das Rätsel und seine Lösung)
7. Die schöne Dunja (Gruß aus dem Diesseits)
8. Chalil der Jüngere (Lied der Jugend)
9. Anis der Unterhalter (Ernst und Unterhaltung)
10. Der wütende Harb (Krieg)
11. Salima die Heile (Frieden)
12. Die weise Latifa (Wissen aus Trance)
13. Luqa der Reisende (Abenteuer in der Ferne)
14. Chulud (Das Bleibende und das Vergehende)
- Anmerkungen
- Die Zeit der Dichter: Bagdad um das Jahr 1000 (Nachwort)
- Sprecher, Kontakt







"Die Dichter" wird empfohlen von:

Deutsch-Arabische Gesellschaft

Gesellschaft für Österreichisch-
Arabische Beziehungen

Deutsche Arbeitsgemeinschaft
Vorderer Orient DAVO



Leseproben (etwa die Hälfte der literarischen Texte):

DIE DICHTER (1): QAIS BIN ABBAS / MP3 (Nicht die CD-Version)

DIE DICHTER (2): LAILA AS-SA'IDA / MP3 (Nicht die CD-Version)

DIE DICHTER (3): ZAHID DER ASKET
leute vom diwan - vater, sohn und ahn - hört nun einen - so wie keinen - ich erzähls von anfang an -- himmlisch war der meisterplan - der den menschen diesseits führte - ihn berührte - gottes hand - das ist jedem hier bekannt - daher ist der sinn der dichtung - die verrichtung - des gebets - anders jedoch stehts - mit qais - der trinkt wein - obwohl er weiß - es ist nicht fein - und obendrein - starrt er der fatima aufs bein - er spottet den propheten - und ihren exegeten - mit seiner schreierei - zum glück ists schon vorbei -- mein name ist zahid - ich singe euch mein lied - als ich kind war in der stadt - machte mich das brot nicht satt - die eltern hattens schwer - ich wollte immer mehr - gierig waren zunge - magen, herz und lunge - teure kleider - luxus und pracht - hatten mich leider - ganz weichlich gemacht - da fing ich an zu lesen - und langsam zu genesen - als wäre nichts gewesen - ich las den koran und viel hadith - wo ich auf tiefe weisheit stieß - und insbesondere auf dies: - das irdische leben ist zeitlich begrenzt - es wird durch ein dasein im jenseits ergänzt - das dauert ewiglich - und interessierte mich - ich lernte fasten und verzichten - eines tages wird gott richten (…)

DIE DICHTER (4): FATIMA DIE LEUCHTENDE
(…) nun zu mir - nummer vier - die den faden nach persien weiter spinnt - dann hanan - fängt gleich an - sie ist blind und ein brausender wirbelwind - und noch mehr - hört nur her - weil das spiel zwischen uns immer neu beginnt - manches spott - manches gott - hier ein mann, eine frau und ein dichterkind - manches lob - manches läuft - eine tobt - einer säuft - einer schont - eine sticht - sie ein mond - er sieht licht - keiner verliert - hier sein gesicht - wenns auch passiert - dass der bogen mal bricht - überall widerspruch, dann wieder nicht - ist schon ne morgenländische geschicht - überall widerspruch, dann wieder nicht -
ist schon ne morgenländische geschicht -- hört ihr den regen - mit dem ich befeuchte - bin ich zugegen - sagt man, dass ich leuchte - fatima bin ich - heller pinselstrich - kenne alle wissenschaften - jedes geschriebene wort - bleibt in meinem köpfchen haften - und ich sags sofort - ob medizin, philosophie - physik, musik oder chemie - algorithmie oder biologie - natürlich die ganze islamologie - und das wissen der sekretäre - in definition und anthologie - das leichte und das schwere - kommentare zum kommentar - bis keiner mehr weiß, wer denn welcher noch war - bibliotheken gibts hier schon ein paar - deshalb bin ich in bagdad ein ganzes jahr (…)

DIE DICHTER (5): DIE BLINDE HANAN
(…) manches wort bleibt ungeschrieben - vieles wird nicht publiziert - mancher kann nur wahrhaft lieben - wenn es schriftlich nie passiert - außer qais, der ist umtrieben - hat das spiel sehr gut kapiert - und wir alle zwei mal sieben - dichten hier improvisiert -- fatima hat schön gesungen - von den zungen - der wissenschaft - viele bücher voller kraft - hat sie schon verschlungen - wo aber liegt die gründlichkeit - in schriftlich- oder mündlichkeit? - das mündliche ist frei - das andre ziegelei -- beim sprechen erst füllt sich ein raum - durch unsere stapfenden schritte - wir sind völlig wach in dem traum - und nähern uns tapfer der mitte - kann man die stimmung auch schriftlich fixieren - wann man auch will ihre süße probieren - ist sie im buch leider gar nicht zu steuern - da ist nichts mehr zu befeuern - die lage bleibt stabil - wie anders ist es diese nacht - bei unsrem heiteren spiel - habt ihr darüber nachgedacht? - ein völlig andrer stil - wenn keiner das ergebnis kennt - nennt man das ein experiment - die kluft, sie klafft - zur wissenschaft - wenn buch und wissen nichts mehr trennt - dann bleiben die dinge statisch - das geht ganz automatisch - von den märchen aber kannten - viele leute varianten (…)

DIE DICHTER (6): DER MASKIERTE
vierzehn dichter - dreizehn gesichter - mögt ihr ein rätsel lösen? - will der mann - mit der maske vielleicht - nur unbemerkt tagsüber dösen? - oder kann - er unerreicht - mit seiner anmut blenden - ist sein gesicht gar - ein leuchtendes licht ja - das könnte den wettstreit beenden - so hab ich voraussehend an den wänden - die helle beleuchtung halbiert - hanan hat das richtig interpretiert - außerdem noch meine stimme verstellt - falls sie dem publikum zu gut gefällt - lenkt das von der dichtung ab - die ich hier im beutel hab - das mysterium - geht um - warum - ziehts uns zum rätsel hin - seit anbeginn? - wen intressiert schon das offenbare - das erwartete und klare? - das geheimnis viel mehr reizt - das mit erläuterungen geizt -
nicht wer wissen hat, der lebt - sondern der, der danach strebt - wissen ist beruhigend - weil man jeden winkel kennt - wissen kann man einschätzen - hinreichend bekannt - wimmelt von gemeinplätzen - schmeichelt dem verstand - das rätsel hingegen - kann jeden - bewegen (…) ihr lieben leute vom diwan - ich höre jetzt auf - etwas neues fängt an - so ist der lauf - auf der dichterbahn - und bin ich fort, macht die lichter an - was folgt wird sicherlich wunderbar - es spricht die schöne dunya - die jeden mann betört - so hört nur, leute, hört




DIE DICHTER (7): DIE SCHÖNE DUNJA
ihr sänger des irak - ihr dichtet kühn und stark - im zentrum des imperiums - an diesem schönen tag (…) ich stamme aus dem land am nil - sieht man genauer auf mein profil - erkennt man, ich verfüge - über ägyptische züge - einmal ging ich mit wesiren - wohl gelaunt am fluss spazieren - als einer von ihnen befand - ich sei wohl die schönste im land - die schöne dunja - da war der ärger da - die männerwelt hofierte mich - die frauen ignorierten mich - ich war das schönheitsideal - am marterpfahl - denkt bloß nicht - es sei eine ehrenvolle - pflicht - die ich begehren solle - es fördert nur meine migräne - wie neulich an der fontäne - als ich mit qais und fatima - gelangweilt in den himmel sah - kein wunder dass ich kopfschmerz habe - wenn mir jede küchenschabe - sagt wie schön ich sei - ist mir einerlei - ab und zu würd ich es lieben - aber nicht so übertrieben - "oh, da kommt die königin - wie doch hin und weg ich bin" - derlei hör ich jede stunde - aus verführerischem munde - eben noch wars der maskierte - als er darauf insistierte - dass ich jeden mann betöre - wenn ich so etwas schon höre - gratis zu jedem glas tee - erhalt ich ein zartes klischee - das etikett - klebt an mir noch im bett - wenn ich abends schlafen geh - schönheit ist nichts, was man tut - so wie güte, treue, mut - das sind wahre qualitäten - für poeten und ästheten - und die schönheit im gesicht - eben nicht (…)



DIE DICHTER (8): CHALIL DER JÜNGERE
(…) ach wie langweilig die alten - ihre abende gestalten - jugend übt die rebellion - heimlich in der kammer schon - auf zu heldenhaften taten - mit dem schnell beschafften spaten - stecken wir das land neu ab - halten wir die stadt auf trab (…) niemand kann die welt befrein - mit diversen zipperlein - es muss ziemlich bitter sein - wenn man nichts mehr halten kann - darum sind die alten dann - stets latent frustriert - desillusioniert - sicher wirds auch mir so gehen - doch bis jetzt kann ich noch stehen - habe auch genug respekt - in den alten nämlich steckt - allerlei erfahrung - selbst wenn ihre nahrung - meist aus brei besteht - sind sie nebenbei bestrebt - ihre weisheit uns zu sagen - wissen aus vergangnen tagen - oft vermischt mit altersklagen (…)

DIE DICHTER (9): ANIS DER UNTERHALTER
(…) einst traf ich einen frommen mann - aus dem fernen chusistan - der sagte mir vertraulich: - anis, dein lied ist zwar erbaulich - leicht verdaulich - dennoch jaul ich - denn es kann ein sündig lachen - schnell im publikum entfachen - übertriebne heiterkeit - spottet der moral - wer sich so die zeit vertreibt - ist nicht ganz normal - ich hab dem mann aus chusistan - da offen widersprochen: - was gehn dich meine witze an - ich hab doch nichts verbrochen - auch ein frommer und gerechter - braucht befreiendes gelächter - um ein mensch zu sein - da fällt mir die geschichte ein - wie dem prophet, gott segne ihn - einmal ein junger gast erschien - der ihn zum staunen brachte - bis er ungezügelt lachte - alle die dabei warn sahn - des propheten backenzahn - und es gibt nen zweiten fall - der uns das belegt - lest die überliefrung mal - wenn ihr zweifel hegt - einmal lachte der prophet - so heftig wie es eben geht - bis er nicht mehr weiter wusste - an die wand sich stützen musste - um nicht umzufallen - so bewies er damals allen - dass er spaß verstand - backenzahn und wand - ich hab mir das nicht ausgedacht - er hat es wirklich so gemacht (…)

DIE DICHTER (10): DER WÜTENDE HARB
ihr leute vom diwan - es spricht euch nunmehr an - der wütende harb - dessen zuversicht starb - dass die menschen sich gütlich vertragen - denn in ausweglos düsteren lagen - scheint unser sinn für das recht zu versagen (…) erst spürt man ein leichtes drücken - wie nen muskelschmerz im rücken - plötzlich wittert man gefahr - wo zuvor noch keine war - wolken ziehn am himmelszelt - bis endlich der regen fällt - fürchte die entscheidung nicht - zeige tapfer dein gesicht - hattest dich ja vorbereitet - auf den schuft - der mit dir streitet - der dich ruft - und nach dir sucht - der dich öffentlich verflucht - immer wirds so einen geben - das ist krieg das ist das leben - eigentlich ja sonnenklar - doch es gibt da offenbar - leute die ganz anders denken - die dem feind vertrauen schenken - sufis zum beispiel vermeiden das schwert - sie leben ihr leben nach innen gekehrt - behaupten dabei - dass der wahre dschihad - der kampf sei - gegen den eignen verrat - so zeige sich ihnen der heilige pfad - wie einer wüste nach der befeuchtung - genannt wird das mystische erleuchtung (…)


DIE DICHTER (11): SALIMA DIE HEILE
leute vom diwan - fieber, wut und wahn - mit nem kribbeln fängt es an - dann überkommts den ganzen mann - mein vorredner hats so gesagt - und mich beim frühstück schon geplagt - mit seinen obsessionen - er sollte uns verschonen - diese lüsternheit nach krieg - die den höchsten berg bestieg - ist doch nicht gescheit - sie bringt den menschen übelkeit - verlust und angst und leid - er lockte die gaffer - mit seiner metapher - vom reinigenden regen - ja von wegen! - kriegsgewitter reinigt nicht - es schlägt wunden ins gesicht - wer gewalt derart verklärt - hat sich lang davon ernährt (…) was wir von uns selbst verstecken - werden wir im feind entdecken - dies entlastet von der bürde - einer selbstkritik - also opfern wir die würde - für den nächsten krieg - der blick in den spiegel ist schmerzhaft und schwer - doch gleichzeitig brennt unser herz so sehr - wir drehen den spiegel ein kleines stück - und sehn jemand anderen, das ist der trick - diese realität - sah schon der prophet - als er mit einer kleinen schar - in mekka in bedrängnis war - sie wurden verspottet und angegriffen - getreten, verachtet und ausgepfiffen - man sah in muhammads führergestalt - die tiefere ursache für die gewalt - die mekka damals plagte - weshalb man die muslime bald - von diesem ort verjagte - muhammad erkannte die aktion - als unbewusste projektion - und ließ sich nicht beirren - von den kriegerischen wirren - die grassierten wie ein fieber - frieden war dem manne lieber - so entzog er sich ganz klar - der großen ansteckungsgefahr - von täuschung und von mord - "frieden ist das wort - eines barmherzigen herrn" - diesen koranvers zitiere ich gern - gegen selbstjustiz und hetze - brachte der islam gesetze - gegen folterung und qual - gab er uns eine moral - jetzt liegts an uns und dem guten willen - diese form mit sinn zu füllen - denn von nachdenklichen stunden - sind wir keineswegs entbunden - es ist nicht nur der sufis rat - den dschihad - bei jeder tat - an sich selbst zuerst zu testen - statt die andren zu verdammen - das gelingt nur unsren besten - also fasse ich zusammen: - möchtest du in frieden leben - musst du andren frieden geben

DIE DICHTER (12): DIE WEISE LATIFA
(…) ob im osten oder westen - unter uns oder vor gästen - uns verbindet die kultur - wie eine feine nabelschnur - vom fernen andalusien - das ich aus meiner kindheit kenn - bis nach bagdad und noch weiter - reite mit dem schnellsten reiter - wochenlang nur im galopp - ohne pause ohne stopp - land und wüste, stadt und fluss - jeder kennt den hochgenuss - arabischer gedichte - wie kulinarische gerichte - der islamischen geschichte - sind die hiesigen abbasiden - von den herrschenden bujiden - im detail auch sehr verschieden - ebenso die fatimiden - die in kairo reime schmieden - und den umajjaden - schaden - die in andalusien baden - finden sie doch alle frieden - in balladen - und qasiden (…)




DIE DICHTER (13): LUQA DER REISENDE
(…) wie ein getriebener - heißblütig liebender - fahr ich übers meer - von kluftigen küsten - durch luftige wüsten - zu kühlen oasen - mit wärmenden betten - gewühl in den straßen - in lärmenden städten - gebetsrufe schallen - von den minaretten - in schattige hallen - fremder basare - zu händlern und ware - ich schlender und fahre - und zähl nicht die jahre -- einmal kam ich zu den franken - und behandelte die kranken - statt das bein zu amputieren - könnte man es reparieren - staunend willigten sie ein - und ich begann bei kerzenschein - das bein zu therapieren - am ende wollten die franken - nicht aufhören mir zu danken - es schien - als sei die medizin - in diesem land nicht weit gediehen - und viele franken stanken -- anders wars in afrika - wo ich das gold des südens sah - der schwarze könig suchte rat - so diente ich als diplomat - bis seine intrigante - tante - auf die bühne trat - ich rannte - schnellstens weg - zu den tuareg - und vergaß bald den verrat -- als ich durch die wüste - düste - hörte ich, wie man mich grüßte - eine karawane kam - ganz zahm - über den sand - freundliche seelen - auf hohen kamelen - aus einem fernen land - sie sagten wir nehmen - dich mit in den jemen - und bis nach samarkand (…) ne weile lang bin ich zur see gefahren - verfasste sodann meine memoiren - die las der kalif - der gab sie dem wesir - dieser wurde aktiv - und nun bin ich hier - als experte für geografie - führe ich eigenhändig die regie - bei der zeichnung seltener karten - die alle orte der welt verraten - luqa der reisende werd ich gerufen - oder der mann mit den brennenden hufen (…)

DIE DICHTER (14): CHULUD
ihr männer und frauen - mal ganz im vertrauen - ich hebe die brauen - und muss erst verdauen - was dreizehn genossen - hier vor mir vergossen - an weisheit und possen -- nicht nur, dass auf meinen namen - schon diverse reime kamen - nein, auch noch geheime damen - soll ich aufspüren für qais - auf geheiß - der hofpoeten - die soeben aufgetreten (…) die heutige lebendigkeit - geht ein in die geschichte - wo sie stets lebendig bleibt - durch unsere gedichte - sieh doch wie die zeit verstreicht - und das leichte bleibt ganz leicht - ob dus heute schon genießt - oder in tausend jahren liest - nur deine erinnerung - hält uns dichter immer jung



(Das obige Dichter-Logo ist hoch auflösend und frei zum Download. Die Dichter freuen sich über Verlinkungen.)





Anmerkungen
(1) "diwan": a. versammlungsort, b. register, c. rat, ministerium, d. gedichtband - "abu nuwas" (starb 815): berühmter arabischer stadt- und hofdichter in bagdad (2) "wesire": etwa wie minister - "malaka": besondere gabe (3) "exegeten": ausleger, erklärer - "hadith": muhammads worte und ihre überlieferung - "siegel der propheten": nach islamischem glauben war muhammad der letzte der propheten - "von mekka nach medina": die auswanderung von 622, das jahr eins des islamischen kalenders - "kolloquium": (wissenschaftliches) gespräch - "equilibrium": gleichgewicht, balance (4) "abbasiden": kalifenfamilie, die zwischen 750 und 1258 in bagdad lebte - "gundashipur und hamadan - nihawand kerman churasan" städte und gebiete im iran - "sibawaih" (starb ca. 796): iranischer linguist, der die arabische nationalgrammatik schrieb - "barmakiden": einflussreiche iranische politikerfamilie am abbasidenhof, fielen 803 in ungnade (5) "dschinnen": aus feuer geschaffene wesen, laut koran mit den menschen verwandt - "adab": a. literatur, b. gute sitten - "wo aber liegt die gründlichkeit - in schriftlich- oder mündlichkeit?": diese frage hat die araber besonders in frühislamischer zeit sehr beschäftigt, wegen der autorität des trägers von texten, vor allem hadithen (6) "vielleicht entstammt die rätsel-rubrik - der griechischen logischen mathematik": aristoteles und die griechen waren zu dieser zeit bereits in die eigene kultur integriert - "geschichten von wichten - die tragisch ihr los beginnen - und schließlich der not entrinnen": eine literaturgattung, die kurz zuvor in bagdad von tanukhi (starb 994) vorgestellt worden war, siehe at-tanukhi: ende gut, alles gut. das buch der erleichterung nach der bedrängnis. übersetzung arnold hottinger, zürich 1979 (9) "anis heißt der, der unterhält": wie bei einigen anderen dichtern wird die wortwurzel des namens beschrieben. von der wurzel '-n-s stammt auch das wort "insan" für mensch, der mensch ist demnach laut arabischer semantik durch zahmheit und gemeinschaft charakterisiert - "chusistan": iranische provinz mit der hauptstadt ahvaz - "franken" (auch in nr. 13) damit sind europäer gemeint, der begriff wurde später zum standard für die bezeichnung der kreuzfahrer - "laute": diese frühe gitarre geht auf das arabische instrument al-'ud zurück, von der der name stammt - "abu l-faradsch al-isfahani - autor des kitab al-aghani" starb 967 in bagdad (10) "byzanz": das oströmische reich, das mit der eroberung von konstantinopel durch die osmanen 1453 endete - "al-mansur": zweiter kalif der abbasiden, er gründete bagdad am 1. august 762 - "sufis": die mystiker des islam - "dschihad": komplexer begriff aus dem koran, dessen bedeutung von selbstreinigung bis zum kampf gegen äußere feinde reicht (11) "seldschuken": türkische dynastie, die 1055 bagdad eroberte - "frieden ist das wort - eines barmherzigen herrn": koran sure 36 vers 58 (12) "andalusien": das arabische spanien zwischen 711 und 1492 - "bujiden": schiitische iranische dynastie, die 945 bagdad eroberte. der (abbasidische) kalif hatte seitdem kaum noch politische macht und war beschränkt auf das amt des geistlichen oberhaupts der muslime, das ihm zudem von den gegen-kalifen in kairo und cordoba streitig gemacht wurde. die bujiden wurden von den seldschuken in bagdad abgelöst - "fatimiden": schiitische dynastie von 909 bis 1171 in nordafrika. 973 wurde die neu erweiterte stadt kairo zur hauptstadt der fatimiden - "umajjaden": frühislamische kalifendynastie, die von den abbasiden 750 abgelöst wurde und sich ins ferne andalusien absetzte, wo sie neuen glanz erreichte - "qaside": arabische gedichtform - "abdu r-rahman der dritte": errichtete 929 das kalifat von cordoba in andalusien, das bis 1031 bestand hatte (13) "die ersten verse": in vorislamischer zeit trafen sich die arabischen stämme alljährlich in mekka. man hielt einen dichterwettstreit ab und kürte jedes jahr einen sieger. die wichtigsten dieser "mu'allaqat" genannten gedichte sind überliefert - "gold des südens": afrikanisches gold war im islamischen mittelalter legendär, besonders nachdem könig mansa musa aus mali 1324 nach kairo und mekka gereist war, wobei er unvorstellbare summen ausgab. goldabbau gab es auch schon zu luqas zeit, also 320 jahre zuvor - "tuareg": berbervolk in der sahara - "samarkand": stadt in usbekistan - "ne kurze frist": jerusalem stand vor großen problemen: am 18. oktober 1009 zerstörte der sechste fatimiden-kalif al-hakim die grabeskirche in jerusalem. die christlichen kreuzzügler aus europa beriefen sich unter anderem auf diesen vorfall. 1099 eroberten sie jerusalem in einem fürchterlichen blutbad - "beichte": dieses wort lässt erkennen, dass luqa (= lukas) christ ist



Die Zeit der Dichter: Bagdad um das Jahr 1000 (Nachwort)

"Die Dichter" erinnert der Form nach - und teilweise auch inhaltlich - an die Canterbury Tales, die um 1400 entstanden. Dort sind es englische Pilger, die sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen. Hier sind es vierzehn Dichterinnen und Dichter, die ins mittelalterliche Bagdad entführen.
Hat es solche Dichterwettkämpfe wirklich gegeben? Die Figuren von Qais bis Khulud sind frei erfunden, doch es haben sich tatsächlich Poeten zum Spiel getroffen, sei es am Hof, sei es im Haus eines der gebildeten Sekretäre. Auch Frauen waren darunter, wenn sie auch nicht die Hälfte ausgemacht haben dürften.
Bildung war ein hohes Gut und die Dichtung gehörte dazu als eine der wichtigsten Disziplinen. Um das Jahr 1000 erinnerte man sich in Bagdad noch lebhaft an den Dichterkönig Mutanabbi, den einige der Älteren noch leibhaftig erlebt hatten. Natürlich, die Reime und Rhythmen klingen auf Arabisch anders. Solch ein lyrischer Abend konnte so aussehen, dass eine Person mit einem Vers begann, den der Nachbar dann reimend ergänzen musste. Insofern ist das Prinzip der Stegreifdichtung durchaus bekannt gewesen.
Die glänzenden Jahre Bagdads, als der legendäre Harun al-Raschid zum Sinnbild des muslimischen Herrschers wurde, lagen bereits zweihundert Jahre zurück. Er war der erste Kalif, der sich nicht mehr hauptsächlich mit Tagespolitik beschäftigen musste und so Zeit hatte, um zum Beispiel die Wissenschaften zu fördern und Papier als Schreibstoff zu etablieren, was einer kulturellen Revolution gleichkam.
Schon entwickelte sich der Adab, die erbauliche und schöngeistige Literatur mit Gedichten, Satiren, Märchen und Geschichten, die auch die entstehenden Großstädte dokumentierten, wie Damaskus, Bagdad oder Kairo. Bis zum Jahr 1000 waren enorme Bibliotheken entstanden, auf die die Menschen zu Recht stolz waren.
In zwei großen Wellen hatten die Araber griechische Philosophie übersetzt und fortgeschrieben. In Medizin, Mathematik, Optik und anderen Disziplinen setzten sie neue Maßstäbe. Dies gelang auch durch die Offenheit, mit der Kulturen integriert und assimiliert wurden, so auch die persische und die indische.
Von den Kreuzzügen war die Zeit der "Dichter" noch ein Jahrhundert entfernt. Politisch war der Kalif in Bagdad schon seit zwei Generationen nicht mehr zentral und die politisch-geografische Einheit der Muslime passι, auch durch die Errichtung von Gegenkalifaten. Persische und türkische Gruppen übernahmen vielerorts die Macht und nahmen sie einander ab, bis die Mongolen ein neues Weltreich gründeten und die große Bibliothek von Bagdad 1258 unterging.
In der Literatur aber, in der Wissenschaft, der Medizin und der Philosophie hat die islamische Welt auch nach dem Jahr 1000 viel Substanzielles auf Arabisch festgehalten und überliefert. Dazu gehört auch die florierende Reiseliteratur, von der Luqas Bericht eine Vorstellung geben mag.
"Die Dichter" stellt den Bezug zwischen Orient und Okzident her, den Goethe noch klar vor Augen hatte, und mit ihm Generationen von Dichtern, Denkern und deutschen Islamwissenschaftlern. Durch die spielerische Identifikationsmöglichkeit mit dem arabischen Orient soll "Die Dichter" daran erinnern, dass die deutschen Verbindungen zum Morgenland bis mindestens ins Jahr 802 reichen, als Harun al-Raschid Karl dem Großen in Aachen einen Elefanten namens Abul-Abbas geschenkt hat - den ersten namentlich belegten Elefanten nördlich der Alpen.

Anis Hamadeh, Mainz am 22.09.2010

Lese-Empfehlung (auch für Erwachsene):
Anis Hamadeh: Islam für Kids, 2007
345 S., ISBN 978-3-8266-8638-2
€ 21,95

Sprecher, Kontakt
Sprecher:
1. Qais - Lutz Schauerhammer, Dichterpflänzchen e.V., Wiesbaden
2. Laila - Ulla Cicconi, Dichterpflänzchen e.V., Wiesbaden
3. Zahid - Benjamin Dickert, Mainz
4. Fatima - Andrea Stinner, Mainz
5. Hanan - Miriam Spies, Mainz, www.gonzoverlag.de
6. Der Maskierte - Max Rohland
7. Dunja - Corinna Klumbis, Wiesbaden
8. Chalil - Heiko Seelbach, www.wir-schauen-nicht-weg.de
9. Anis - Anis Hamadeh, Mainz
10. Harb - Jonas Eberlein, Dichterpflänzchen e.V., Mainz
11. Salima - Sabine Yacoub, Mainz, www.sabine-yacoub.de
12. Latifa - Martha Schauerhammer, Dichterpflänzchen e.V., Wiesbaden
13. Luqa - Renι el-Saman, Bonn
14. Chulud - Carla Horn-Friesecke, Dichterpflänzchen e.V., Wiesbaden

Musik:
"Alhambra"/"Die Leute am Boot" aus den "Aphasic Nights" und Schlusslied "Morgenländische Geschicht"
Gitarre: Anis Hamadeh
Querflöte: Lorenzo Colocci, Mainz, www.myspace.com/lorenzcolocci
Darbuka (Trommel): Clinton Heneke, Mainz

Studio:
zentralstudio Musikproduktion Tobias Paldauf, Mainz, www.zentralstudio.de
Aufnahmen im Oktober 2010




Regie und Produktion:
Alle Texte, Zeichnungen und Musik von Anis Hamadeh
Regie, Produktion und Herausgeber: Anis Hamadeh
CD-Layout: Sabine Yacoub,
www.sabine-yacoub.de.

Kontakt, Bestellung, Rezensionsexemplare:
Anis Hamadeh, Moselstr. 1-3, 55118 Mainz, t 06131-4809263, m 0151-17856928, anis ät anis-online.de

Anis Hamadeh
(* 1966) ist Songwriter, Schriftsteller, Maler und Islamwissenschaftler. Bei seiner Themenwahl kommt Anis immer wieder auf den Orient zurück, die Heimat seiner Väter, sei es in Essays zu Nahost, in Free-Gaza-Songs, Palästina-Zeichnungen oder Literatur wie "Die Dichter". Zu den Orten, an denen Anis aufgetreten ist, gehören das Gewandhaus in Leipzig, die View Two Gallery in Liverpool und die Bibliothek von Alexandria. Website: www.anis-online.de
Flyer: www.anis-online.de/office/promo_flyer.pdf

Die Dichterpflänzchen
sind ein privater Kreis von Poesieliebhabern, die Interesse an Poesie wecken und sich und anderen Menschen mit Gedichten Freude bereiten möchten. Sie haben zu diesem Zweck den Verein "Dichterpflänzchen e.V." in Wiesbaden gegründet. Website: www.dichterpflaenzchen.com

Der Gonzo Verlag in Mainz ist ebenfalls Kooperationspartner der Dichter.

   
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