(Update 30.11.2011) Erhältlich als Hörspiel-CD exklusiv auf Anis Online. Die CD mit musikalischer Untermalung, 14 Sprecherinnen und Sprechern sowie Textheft in DVD-Hülle und Dichter-Ansteck-Button ist knapp 70 Minuten lang und kostet 19,80 (ggf. plus Porto): shop ät anis-online.de
leute vom diwan - vater, sohn und ahn - hört nun einen - so wie keinen - ich erzähls von anfang an -- himmlisch war der meisterplan - der den menschen diesseits führte - ihn berührte - gottes hand - das ist jedem hier bekannt - daher ist der sinn der dichtung - die verrichtung - des gebets - anders jedoch stehts - mit qais - der trinkt wein - obwohl er weiß - es ist nicht fein - und obendrein - starrt er der fatima aufs bein - er spottet den propheten - und ihren exegeten - mit seiner schreierei - zum glück ists schon vorbei -- mein name ist zahid - ich singe euch mein lied - als ich kind war in der stadt - machte mich das brot nicht satt - die eltern hattens schwer - ich wollte immer mehr - gierig waren zunge - magen, herz und lunge - teure kleider - luxus und pracht - hatten mich leider - ganz weichlich gemacht - da fing ich an zu lesen - und langsam zu genesen - als wäre nichts gewesen - ich las den koran und viel hadith - wo ich auf tiefe weisheit stieß - und insbesondere auf dies: - das irdische leben ist zeitlich begrenzt - es wird durch ein dasein im jenseits ergänzt - das dauert ewiglich - und interessierte mich - ich lernte fasten und verzichten - eines tages wird gott richten ( )
DIE DICHTER (4): FATIMA DIE LEUCHTENDE
( ) nun zu mir - nummer vier - die den faden nach persien weiter spinnt - dann hanan - fängt gleich an - sie ist blind und ein brausender wirbelwind - und noch mehr - hört nur her - weil das spiel zwischen uns immer neu beginnt - manches spott - manches gott - hier ein mann, eine frau und ein dichterkind - manches lob - manches läuft - eine tobt - einer säuft - einer schont - eine sticht - sie ein mond - er sieht licht - keiner verliert - hier sein gesicht - wenns auch passiert - dass der bogen mal bricht - überall widerspruch, dann wieder nicht - ist schon ne morgenländische geschicht - überall widerspruch, dann wieder nicht -
ist schon ne morgenländische geschicht -- hört ihr den regen - mit dem ich befeuchte - bin ich zugegen - sagt man, dass ich leuchte - fatima bin ich - heller pinselstrich - kenne alle wissenschaften - jedes geschriebene wort - bleibt in meinem köpfchen haften - und ich sags sofort - ob medizin, philosophie - physik, musik oder chemie - algorithmie oder biologie - natürlich die ganze islamologie - und das wissen der sekretäre - in definition und anthologie - das leichte und das schwere - kommentare zum kommentar - bis keiner mehr weiß, wer denn welcher noch war - bibliotheken gibts hier schon ein paar - deshalb bin ich in bagdad ein ganzes jahr ( )
DIE DICHTER (5): DIE BLINDE HANAN
( ) manches wort bleibt ungeschrieben - vieles wird nicht publiziert - mancher kann nur wahrhaft lieben - wenn es schriftlich nie passiert - außer qais, der ist umtrieben - hat das spiel sehr gut kapiert - und wir alle zwei mal sieben - dichten hier improvisiert -- fatima hat schön gesungen - von den zungen - der wissenschaft - viele bücher voller kraft - hat sie schon verschlungen - wo aber liegt die gründlichkeit - in schriftlich- oder mündlichkeit? - das mündliche ist frei - das andre ziegelei -- beim sprechen erst füllt sich ein raum - durch unsere stapfenden schritte - wir sind völlig wach in dem traum - und nähern uns tapfer der mitte - kann man die stimmung auch schriftlich fixieren - wann man auch will ihre süße probieren - ist sie im buch leider gar nicht zu steuern - da ist nichts mehr zu befeuern - die lage bleibt stabil - wie anders ist es diese nacht - bei unsrem heiteren spiel - habt ihr darüber nachgedacht? - ein völlig andrer stil - wenn keiner das ergebnis kennt - nennt man das ein experiment - die kluft, sie klafft - zur wissenschaft - wenn buch und wissen nichts mehr trennt - dann bleiben die dinge statisch - das geht ganz automatisch - von den märchen aber kannten - viele leute varianten ( )
DIE DICHTER (6): DER MASKIERTE
vierzehn dichter - dreizehn gesichter - mögt ihr ein rätsel lösen? - will der mann - mit der maske vielleicht - nur unbemerkt tagsüber dösen? - oder kann - er unerreicht - mit seiner anmut blenden - ist sein gesicht gar - ein leuchtendes licht ja - das könnte den wettstreit beenden - so hab ich voraussehend an den wänden - die helle beleuchtung halbiert - hanan hat das richtig interpretiert - außerdem noch meine stimme verstellt - falls sie dem publikum zu gut gefällt - lenkt das von der dichtung ab - die ich hier im beutel hab - das mysterium - geht um - warum - ziehts uns zum rätsel hin - seit anbeginn? - wen intressiert schon das offenbare - das erwartete und klare? - das geheimnis viel mehr reizt - das mit erläuterungen geizt -
nicht wer wissen hat, der lebt - sondern der, der danach strebt - wissen ist beruhigend - weil man jeden winkel kennt - wissen kann man einschätzen - hinreichend bekannt - wimmelt von gemeinplätzen - schmeichelt dem verstand - das rätsel hingegen - kann jeden - bewegen ( ) ihr lieben leute vom diwan - ich höre jetzt auf - etwas neues fängt an - so ist der lauf - auf der dichterbahn - und bin ich fort, macht die lichter an - was folgt wird sicherlich wunderbar - es spricht die schöne dunya - die jeden mann betört - so hört nur, leute, hört
DIE DICHTER (7): DIE SCHÖNE DUNJA
ihr sänger des irak - ihr dichtet kühn und stark - im zentrum des imperiums - an diesem schönen tag ( ) ich stamme aus dem land am nil - sieht man genauer auf mein profil - erkennt man, ich verfüge - über ägyptische züge - einmal ging ich mit wesiren - wohl gelaunt am fluss spazieren - als einer von ihnen befand - ich sei wohl die schönste im land - die schöne dunja - da war der ärger da - die männerwelt hofierte mich - die frauen ignorierten mich - ich war das schönheitsideal - am marterpfahl - denkt bloß nicht - es sei eine ehrenvolle - pflicht - die ich begehren solle - es fördert nur meine migräne - wie neulich an der fontäne - als ich mit qais und fatima - gelangweilt in den himmel sah - kein wunder dass ich kopfschmerz habe - wenn mir jede küchenschabe - sagt wie schön ich sei - ist mir einerlei - ab und zu würd ich es lieben - aber nicht so übertrieben - "oh, da kommt die königin - wie doch hin und weg ich bin" - derlei hör ich jede stunde - aus verführerischem munde - eben noch wars der maskierte - als er darauf insistierte - dass ich jeden mann betöre - wenn ich so etwas schon höre - gratis zu jedem glas tee - erhalt ich ein zartes klischee - das etikett - klebt an mir noch im bett - wenn ich abends schlafen geh - schönheit ist nichts, was man tut - so wie güte, treue, mut - das sind wahre qualitäten - für poeten und ästheten - und die schönheit im gesicht - eben nicht ( )
DIE DICHTER (8): CHALIL DER JÜNGERE
( ) ach wie langweilig die alten - ihre abende gestalten - jugend übt die rebellion - heimlich in der kammer schon - auf zu heldenhaften taten - mit dem schnell beschafften spaten - stecken wir das land neu ab - halten wir die stadt auf trab ( ) niemand kann die welt befrein - mit diversen zipperlein - es muss ziemlich bitter sein - wenn man nichts mehr halten kann - darum sind die alten dann - stets latent frustriert - desillusioniert - sicher wirds auch mir so gehen - doch bis jetzt kann ich noch stehen - habe auch genug respekt - in den alten nämlich steckt - allerlei erfahrung - selbst wenn ihre nahrung - meist aus brei besteht - sind sie nebenbei bestrebt - ihre weisheit uns zu sagen - wissen aus vergangnen tagen - oft vermischt mit altersklagen ( )
DIE DICHTER (9): ANIS DER UNTERHALTER
( ) einst traf ich einen frommen mann - aus dem fernen chusistan - der sagte mir vertraulich: - anis, dein lied ist zwar erbaulich - leicht verdaulich - dennoch jaul ich - denn es kann ein sündig lachen - schnell im publikum entfachen - übertriebne heiterkeit - spottet der moral - wer sich so die zeit vertreibt - ist nicht ganz normal - ich hab dem mann aus chusistan - da offen widersprochen: - was gehn dich meine witze an - ich hab doch nichts verbrochen - auch ein frommer und gerechter - braucht befreiendes gelächter - um ein mensch zu sein - da fällt mir die geschichte ein - wie dem prophet, gott segne ihn - einmal ein junger gast erschien - der ihn zum staunen brachte - bis er ungezügelt lachte - alle die dabei warn sahn - des propheten backenzahn - und es gibt nen zweiten fall - der uns das belegt - lest die überliefrung mal - wenn ihr zweifel hegt - einmal lachte der prophet - so heftig wie es eben geht - bis er nicht mehr weiter wusste - an die wand sich stützen musste - um nicht umzufallen - so bewies er damals allen - dass er spaß verstand - backenzahn und wand - ich hab mir das nicht ausgedacht - er hat es wirklich so gemacht ( )
( ) ob im osten oder westen - unter uns oder vor gästen - uns verbindet die kultur - wie eine feine nabelschnur - vom fernen andalusien - das ich aus meiner kindheit kenn - bis nach bagdad und noch weiter - reite mit dem schnellsten reiter - wochenlang nur im galopp - ohne pause ohne stopp - land und wüste, stadt und fluss - jeder kennt den hochgenuss - arabischer gedichte - wie kulinarische gerichte - der islamischen geschichte - sind die hiesigen abbasiden - von den herrschenden bujiden - im detail auch sehr verschieden - ebenso die fatimiden - die in kairo reime schmieden - und den umajjaden - schaden - die in andalusien baden - finden sie doch alle frieden - in balladen - und qasiden ( )
DIE DICHTER (13): LUQA DER REISENDE
( ) wie ein getriebener - heißblütig liebender - fahr ich übers meer - von kluftigen küsten - durch luftige wüsten - zu kühlen oasen - mit wärmenden betten - gewühl in den straßen - in lärmenden städten - gebetsrufe schallen - von den minaretten - in schattige hallen - fremder basare - zu händlern und ware - ich schlender und fahre - und zähl nicht die jahre -- einmal kam ich zu den franken - und behandelte die kranken - statt das bein zu amputieren - könnte man es reparieren - staunend willigten sie ein - und ich begann bei kerzenschein - das bein zu therapieren - am ende wollten die franken - nicht aufhören mir zu danken - es schien - als sei die medizin - in diesem land nicht weit gediehen - und viele franken stanken -- anders wars in afrika - wo ich das gold des südens sah - der schwarze könig suchte rat - so diente ich als diplomat - bis seine intrigante - tante - auf die bühne trat - ich rannte - schnellstens weg - zu den tuareg - und vergaß bald den verrat -- als ich durch die wüste - düste - hörte ich, wie man mich grüßte - eine karawane kam - ganz zahm - über den sand - freundliche seelen - auf hohen kamelen - aus einem fernen land - sie sagten wir nehmen - dich mit in den jemen - und bis nach samarkand ( ) ne weile lang bin ich zur see gefahren - verfasste sodann meine memoiren - die las der kalif - der gab sie dem wesir - dieser wurde aktiv - und nun bin ich hier - als experte für geografie - führe ich eigenhändig die regie - bei der zeichnung seltener karten - die alle orte der welt verraten - luqa der reisende werd ich gerufen - oder der mann mit den brennenden hufen ( )
Musik:
"Alhambra"/"Die Leute am Boot" aus den "Aphasic Nights" und Schlusslied "Morgenländische Geschicht"
Gitarre: Anis Hamadeh
Querflöte: Lorenzo Colocci, Mainz, www.myspace.com/lorenzcolocci
Darbuka (Trommel): Clinton Heneke, Mainz
Studio:
zentralstudio Musikproduktion Tobias Paldauf, Mainz, www.zentralstudio.de
Aufnahmen im Oktober 2010
Regie und Produktion:
Alle Texte, Zeichnungen und Musik von Anis Hamadeh
Regie, Produktion und Herausgeber: Anis Hamadeh
CD-Layout: Sabine Yacoub, www.sabine-yacoub.de.
Kontakt, Bestellung, Rezensionsexemplare:
Anis Hamadeh, Moselstr. 1-3, 55118 Mainz, t 06131-4809263, m 0151-17856928, anis ät anis-online.de
Anis Hamadeh (* 1966) ist Songwriter, Schriftsteller, Maler und Islamwissenschaftler. Bei seiner Themenwahl kommt Anis immer wieder auf den Orient zurück, die Heimat seiner Väter, sei es in Essays zu Nahost, in Free-Gaza-Songs, Palästina-Zeichnungen oder Literatur wie "Die Dichter". Zu den Orten, an denen Anis aufgetreten ist, gehören das Gewandhaus in Leipzig, die View Two Gallery in Liverpool und die Bibliothek von Alexandria. Website: www.anis-online.de
Flyer: www.anis-online.de/office/promo_flyer.pdf
Die Dichterpflänzchen
sind ein privater Kreis von Poesieliebhabern, die Interesse an Poesie wecken und sich und anderen Menschen mit Gedichten Freude bereiten möchten. Sie haben zu diesem Zweck den Verein "Dichterpflänzchen e.V." in Wiesbaden gegründet. Website: www.dichterpflaenzchen.com
Der Gonzo Verlag in Mainz ist ebenfalls Kooperationspartner der Dichter.