Nachtrag am 29.04.2008: Der folgende Artikel handelt von Peter Scholl-Latour. Heute würde ich es nicht mehr so schreiben, denn Peter Scholl-Latour hat sich verändert. Man findet verstreut auf Anis Online Kommentare zum neuen PSL.
Aus: V. Klemm / K. Hörner (Hrsg.): Das Schwert des Experten. Heidelberg 1993, Palmyra Verlag
Auge um Auge oder: Die wundersamen Erzählungen eines
arabischen »Nahwest-Experten« Eine Satire Anis Hamadeh / Daniel Schwarz
Dumpf und monoton dröhnten die Kirchenglocken der christlichen
Gemeinde im Gotteshaus zu Paderborn. Die westfälische Stadt
ist eine religiöse Hochburg, die wie ein urbanes Relikt aus
der Zeit Karls des Großen anmutet, der hier einst ein Bistum
stiftete, um die Kirche als mächtiges Instrument des Heiligen
Römischen Reiches einzusetzen. Die unverkennbare und nicht
zu unterschätzende Solidarität zwischen der okzidentalen
katholischen Kirche und der regierenden christlichen Partei beweist
die Verstrickung von abendländischer Religion und Herrschaft,
die bis zum heutigen Tage von Bedeutung ist. Unüberhörbar
riefen die Glocken zum Kirchgang auf. Bedrohlich, obskur, ja fast
apokalyptisch wirkte das Orgelspiel im Inneren; eine bucklige Gestalt
hämmerte fanatisch auf das Instrument ein, damit die alemannischen
Gläubigen - überwiegend blond und blauäugig - in
ekstatischen Rhythmen und zu düsteren Gesängen ihrem Herrn
huldigen konnten. Es war Sonntag, der christliche Freitag, und der
Pfarrer, ein ganz in schwarz gekleideter Patriarch, stand auf der
Kanzel, um das Gebet vorzusprechen, das die Gläubigen als raunender
Chor wiederholten. Eingebettet in christliche Parolen hörten
wir die Predigt. Der Geistliche verlas emphatisch einige Aussprüche
des Propheten Jesus, der im Christentum ja bekanntlich die Rolle
des Gottessohnes einnehmen muss. Ein Blick in die düsteren
Gesichter der Menge verriet mir etwas über das historische
Band, das diese Gemeinschaft zutiefst zusammenhält und alle
Andersgläubigen ausschließt; und zwar nicht nur die muslimische
Minderheit, die dem neuerstarkenden Germanien zu einem guten Teil
zu seinem Wohlstand verholfen hat, sondern auch die undurchschaubar
vielen anderen Konfessionen der Bibelreligion, die sich über
jahrhundertelangen blutigen Zwist hinweg haben behaupten können.
Im Religionsfrieden von Augsburg wurde 1565 die Kirchenspaltung
festgeschrieben und den Herrschern das Recht gegeben, den Glauben
ihrer Untertanen selbst zu bestimmen. Die unzähligen Kriege, die
die Region dann noch lange zersetzen und erschüttern sollten, und
auch die Hunderttausende von brutal ermordeten Ketzern während der
Inquisition deuten auf die Instabilität der christlichen Dogmen
hin, die allerdings von den Massen akzeptiert wurden, als der Reichtum
späterer Kolonialzeiten den Wohlstand brachte.Dank meiner landesüblichen
Kleidung wurde ich in der üppig verzierten Bartholomäuskapelle,
die in Ausschmückung und Architektur nicht frei von Effekthascherei
ist, kaum als Fremdkörper wahrgenommen, ja, es schien mir sogar,
als könnte ich hinter dem martellischen Lächeln eines zahnlosen
Alten in der letzten Reihe die Gewissheit spüren, für einen der
Ihren gehalten zu werden. Die Kleidung ist, besonders im Gotteshaus,
von hoher Bedeutung. Der Prediger Johannes hatte mir während meines
ersten Aufenthaltes im Vatikan im Jahre 1958 zugeflüstert: 'Wenn
du nicht auffallen willst, dann poliere deine Stiefel und kleide
dich herrschaftlich!'
So etwa könnte es klingen, wenn ein arabischer Journalist bei einer Reportage über Europa eine Sprache und Symbolik verwendete, die derjenigen entspräche, derer sich Peter Scholl-Latour bei seinen Beschreibungen des Orients bedient. über einen Ausdruck wie "islamische Parolen" hört man leicht hinweg, wie aber käme es uns vor, wenn ein Pfarrer von der Kanzel herab seine Gemeinde mit "christlichen Parolen" anheizte? Das Weltbild und die Botschaft des Peter Scholl-Latour werden in ihrer Bedeutung erst richtig deutlich, wenn man den Spieß einmal umdreht. Man stelle sich einen arabischen Journalisten vor, der sich unter ähnlichen Voraussetzungen zum "Europa-Experten" entwickelt hat. Zu diesem Zweck muss allerdings zunächst etwas über den Werdegang von Scholl-Latour gesagt werden.
Er besuchte ein katholisches Internat in der Schweiz. Gleich nach dem
Zweiten Weltkrieg kämpfte er bis 1947 "aus Neugier und Abenteuerlust"
(alle biographischen Angaben aus: Munzinger Archiv / Internationales
Biographisches Archiv 1/88) als französischer Fallschirmjäger
in Indochina. Zurück in Deutschland, betätigte er sich als Journalist
und studierte nebenbei mit Unterbrechungen in Mainz und Paris Literatur
und Politikwissenschaft.
Unser imaginäres arabisches Pendant zu Scholl-Latour könnte zum Beispiel
nach Absolvierung einer ägyptischen Koranschule zwei Jahre lang
freiwillig als Söldner für verschiedene militante Untergrundorganisationen
gekämpft haben, um das Leben kennen zulernen und zum Mann zu werden.
Es könnte sich ein Studium der Politik und des islamischen Rechts
in Kairo und Khartoum daran angeschlossen haben.
Scholl-Latour ging nach weiteren zwei Jahren für drei Semester zur Erweiterung
seiner Ausbildung nach Bikfaya in den Libanon, um die arabische
Sprache zu erlernen, genauer gesagt, um sich einige Grundlagen anzueignen.
Mit den erworbenen Kenntnissen nämlich konnte er sich keineswegs
mühelos im arabischen Raum verständigen, vielmehr hatte er immer
noch "Schwierigkeiten, mit Taxifahrern und Straßenhändlern
zurechtzukommen" (Allah ist mit den Standhaften, S.386). Außerdem
"verflüchtigten sich", so Scholl-Latour selbst, "diese
Kenntnisse im folgenden Vierteljahrhundert" (ebenda), sie sollen
danach aber wieder aufgefrischt worden sein.
Man denke sich zum Vergleich den angehenden »Europa-Experten«, wie er
im Alter von zweiunddreißig Jahren damit beginnt, sich um das Erlernen
der französischen Sprache zu bemühen. Versetzen wir uns nun in ein
Fernsehstudio in Kairo dreißig Jahre später. Der arabische Journalist
sei durch seine Erfahrungen in Europa und durch seine fundierten
Sprachkenntnisse, die ihm den direkten Kontakt zu den Einheimischen
ermöglicht haben, zum anerkannten Fachmann herangewachsen. Im militärischen
Khakihemd, vielleicht mit einem umgebundenen Fedajin-Tuch, säße
er in heroischer Positur, aus erhöhter Position in die Kamera auf
den Zuschauer herabblickend, vor einer Landkarte Europas. So eingerichtet,
dürfte er vom "Krisenherd Europa" in mehrteiligen Fernsehserien
berichten, die nach einem apokalyptischen, aber leicht abgeänderten
Bibelspruch betitelt seien (etwa: Fürchtet euch!). Ohne mit
der Wimper zu zucken, trüge er dann einem beunruhigten ägyptischen
Fernsehpublikum Zitate aus der Bibel oder einen Satz von Voltaire
in französischer Sprache vor, während sich im Hintergrund mittlerweile
eine Landkarte von Holland oder Ungarn befinden mag. Die Entwicklungen
und die Geschichte Europas sind nämlich "zutiefst" und
"unentrinnbar" mit der Bibel und der französischen Revolution
verknüpft, nicht wahr? Dass sich dieser arabische Journalist nur
mit Hilfe zahlreicher übersetzer im abendländischen Europa bewegen
könnte, würde freilich nicht erwähnt. Trotzdem, "gemurmelte
Bibelverse" wirkten da manchmal Wunder, öffneten ihm so manches
Kirchentor und manche Klosterpforte. Immer wieder würde dem ägyptischen
Publikum vor Augen geführt, welche Mühen und Gefahren dieser renommierte
Journalist auf sich nähme, um aus dem Brennpunkt Europa mit seinen
vom Bürgerkrieg zerrütteten Regionen zu berichten. Einmal sähen
wir Fotos, die ihn auf einem Militärjeep in Nordirland zeigten,
ein anderes Mal, wie er in Jugoslawien aus einem Spähpanzer lugte,
oder wie er in seinem schlichten Khakihemd seinen ahnungsvollen
Blick über die Dächer San Sebastians im Baskenland schweifen ließe.
Wer wollte diesen überzeugenden Bilddokumenten, den Beweisen fremdsprachlicher
Kompetenz sowie den tiefgründigen, mit französischen Begriffen wie
egalité, dieu oder libération gespickten Analysen
noch widersprechen? Der "Europa-Experte" würde als Redner,
Berater und "Nahwest-Kenner" in Finanz-, Wirtschafts-
und Regierungskreisen ein gefragter Mann. Das ägyptische Fernsehen
hätte es nicht leicht, ihn zu einem aktuellen Anlass vor die Kamera
zu bekommen. Zahlreiche Zeitungen würden dem Mann breiten Raum einräumen,
ihm viele Seiten zur Verfügung stellen und froh sein, ihn für ihr
Blatt gewonnen zu haben. Eine arabische Konferenz zum Thema Ist
Europa friedensfähig? würde ihn zu einer Lagebeurteilung einladen,
führende Regierungsvertreter verschiedener arabischer Staaten wären
anwesend und hörten aufmerksam zu.
Wer hätte ahnen können, dass sich aus einem Sprachstudium von eineinhalb
Jahren eine "Sachkompetenz" entwickeln konnte, die später
einmal Einfluss auf der Ebene politischer Entscheidungen haben würde?
Nehmen wir an, das neue Buch Auge um Auge des arabischen "Nahwest-Experten"
sei auf dem Markt und habe innerhalb weniger Wochen die Spitze der
ägyptischen Bestsellerlisten erobert; hier das erste Kapitel "in
übersetzung":
Im Sommer 1990 ist die
Weltpolitik von Grund auf verändert worden. Alte Gewissheiten sind
zerbröckelt. Neue bedrohliche Perspektiven zeichnen sich ab. Während
in der Sturm-und-Drang-Phase des Kommunismus in Russland die Kirchen
geplündert und gesprengt wurden, entstehen heute, im Zuge des religiösen
Neuerwachens, Hunderte von neuen Gotteshäusern unter dem mystisch
erhobenen Zeigefinger westlicher Selbstgefälligkeit. Der europäische
Kontinent brodelt, von Nordirland bis nach Jugoslawien. Tatenlos
müssen wir zusehen, wie es den Okzident immer tiefer in das Moor
seiner Traditionen zieht. Jedes Jahr feiern die Iren auf konzentrierten
Massenkundgebungen den Tag der ehrwürdigen 'Battle of the Boyne'
in ritueller Erinnerung an die große Schlacht im Jahre 1689, als
der letzte katholische König von England gestürzt wurde. Den Toten,
die der martialische Religionskrieg in Nordirland bis heute immer
wieder fordert, bleibt nur das himmlische Paradies. Und auch in
Polen, wo die unter dem Deckmantel der Religion verborgene Opposition
sich verzweifelt gegen das Regime aufbäumt, sowie in Bulgarien,
wo, wie einstmals in Andalusien und während der Kreuzzüge, die Muslime
verfolgt werden, stehen die Zeichen auf Sturm.
Der fehlende Familienzusammenhalt und die Vereinsamung treiben breite
Schichten auf dem Kontinent in den unausweichlichen, verzweifelten
Kampf um die eigene Identität, ein Kampf, der vom Baskenland bis
hin nach Rumänien, dem drakulaischen Reich, die gesamte Region erfasst
hat. Die Massen drängen in ihrer Hoffnungslosigkeit an den Rand
der Gesellschaft, und, wie wir oft erfahren mussten, darüber hinaus.
Wann wird die Naht zwischen Orient und Okzident aufreißen? Der religiöse
Unsicherheitsfaktor, die rechtsextremen Fanatiker aus allen Gruppen
des Volkes und des Staates, die sich mehrende Gewalt von Rostock
bis Bosnien - das alles nagt beinahe zwangsläufig an dem seidenen
Faden, an dem das rächende Damoklesschwert bedrohlich pendelt. Der
große abendländische Chronist und Historiograph Machiavelli, dessen
holpriges Italienisch heute befremdlich wirkt, erkannte schon im
sechzehnten Jahrhundert die Spielregeln westlicher Kultur. Macht
und Verbissenheit sichern das Erbe der Mosaikvölkerschaften, aus
denen die heutigen Staaten Europas zusammengestückelt sind. Denn
Macht über fremde Völker soll die eigene Orientierungslosigkeit
verdrängen, und die Zeitbombe tickt.
Wegen der zutiefst verwurzelten christlichen Frömmigkeit und der eigenen
Gesetzmäßigkeiten, denen die Logik der Abendländer unterliegt, ist
die journalistische Arbeit, besonders für Ausländer oder 'étrangers'
wie die Hugenotten sagen, immer mit unkalkulierbaren Risiken verbunden.
'Itzo muoz dasz Reich dem Bösen truzen', mag schon Walther von der
Vogelweide, der berühmte Barde, auf seinem Baum gesungen haben,
und die Bibel sagt:
'Lasst uns laufen mit Geduld
in dem Kampf, der uns bestimmt ist' (Hebräer 12). Während meiner
abenteuerlichen Reise wollte ich hinter die Kulissen der oft insgeheim
säkularistisch wirkenden Staaten der europäischen Landmassen schauen,
denn es hat sich dort ein gewaltiges revolutionäres Potential angestaut,
das sich jetzt Ventile sucht. In Berlin, einer der vielen Stationen
meiner Odyssee, sprach ich in der Ausländerbehörde mit einer Beamtin
mit streng zurückgekämmtem Haar, die in ihrer typisch deutschen,
cholerischen Art hervorstieß: 'Die Toleranz der Ausländer passt
nicht zu unseren Traditionen. Manchmal denke ich, wir werden damit
einfach nicht mehr fertig. Der blanke Terror, das gesellschaftliche
Chaos bahnt sich unaufhaltsam an'. Die ekstatische Preußin, die
ihre Rundungen unter dem knappen Rock nur schwerlich verbergen konnte,
sprach aus, was viele insgeheim befürchten: Das apokalyptische Armageddon
steht Europa bevor und wird auch uns kopfschüttelnde Araber nicht
verschonen. Der christliche Religionszusammenhalt und die wirtschaftliche
Prosperität täuschen eine Einigkeit vor, die nie, nicht einmal in
den Glanzzeiten des Christentums, wirklich Bestand hatte. Wir werden
darüber hinweggetäuscht, dass der Europäer seinem Wesen nach ein
Einzelgänger ist.
In einem UEFA-Cup-Endspiel in der Westkurve des Hamburger Volksparkstadions,
nur einige Steinwürfe von der Sankt-Michaelis-Kirche entfernt, erlebte
ich mit eigenen Augen, was unausweichlich geschieht, wenn die Massen
aufeinandertreffen. Eingeladen hatte mich der damalige Finanzberater
des Senats, ein dickbäuchiger, lakonisch-jovialer Hanseate, der
sich liberal gab. Visionen der Schlacht von Waterloo erschienen
unwillkürlich vor meinem geistigen Auge, während der kalte Nordwind
mein Haar durchfuhr. Fanatische Randalierer in Einheitstracht ließen
die Arena durch lärmende Sprechchöre erzittern, bis einige mit Bierflaschen
zu werfen begannen. Schon im alten Rom hatte es solche Kampfplätze
gegeben, und einige der erhaltenen Relikte werden übrigens heute
noch benutzt. Die verzerrten Blicke sah ich schon bei Demonstrationen
von kahlgeschorenen sogenannten 'Skinheads', und das Höllenszenario
konnte von der Polizei nur mühsam unter Kontrolle gehalten werden.
Hans Stramm, ein
befreundeter Obrist, erzählte mir von seiner Heimatstadt Berlin:
'Die türkische Gemeinde hier ist der Beweis dafür, dass Europa friedensfähig
ist. Zwar gibt es zahlreiche übergriffe seitens der einheimischen
Bevölkerung, doch im großen und ganzen herrscht Ruhe und Ordnung'.
Ich merkte, dass sich der schneidige Offizier mit dem Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart
nicht sehr wohl fühlte, allein schon deshalb, weil er erst nach
drei Litern Bier redselig wurde.
Nach fünfhundert
Jahren schließt sich heute der Zirkel der christlichen Expansionsgelüste,
denn im Jahre 1492 wurde nicht nur die muslimische Hochkultur in
Andalusien von dem katholischen Kastilianer Ferdinand von Aragon
in Grund und Boden gestampft, nein, auch Amerika geriet zu jener
Zeit in die fanatischen Turbulenzen der europäischen Entwicklung,
die sich in einem ständigen Kreislauf zu bewegen scheint. In den
sich abzeichnenden Komplikationen schlummern tiefe ängste, die sich
mit einer schrecklichen Niederlage des Geistes von biblischen Ausmaßen
den Weg brechen werden. Mächtige Mythen erheben wieder ihr Haupt.
Wir können nur warten und hoffen, dass sich das rationale Element
als das stärkere entpuppen wird, und sollten die Region solange
in ihrem eigenen Saft schmoren lassen. Was wird die Zukunft bringen?
Wir können es nur ahnen, denn am Ende steht der Obskurantismus.
Wer wäre ob dieser Wortgewalt
nicht 'zutiefst' beeindruckt? Wir möchten allerdings anmerken, dass
wir einige Satzfragmente, darunter die ersten drei Sätze, unverändert
aus Peter Scholl-Latours Opus Das Schwert des Islam übernommen
haben, um größtmögliche stilistische Authentizität zu gewährleisten.
Für alle, die vielleicht selbst einmal durch journalistische Arbeit
zur Meinungsbildung beitragen möchten, haben wir das "scholllatour'sche
Geheimrezept für scharfsinnige Delikatessen" ermittelt. Man
nehme:
· zwei bis drei Schlüsselerlebnisse aus der Jugend
· eine ideologische Kernaussage
· ein möglichst umfassendes Geschichtsbuch
· vier bis fünf kg düstere, bedrohliche und mystische Adjektive
· mindestens einen opportunistischen Fotografen oder Kameramann aus dem Bereich der Sensationspresse
· ein respektables äußeres (wird mit zunehmendem Alter leichter)
· ein kg Hefe
Zubereitung:
Die kleingehackten Schlüsselerlebnisse mit der Hefe in einen Topf geben und mit der Kernaussage solange erhitzen, bis sie ein unverkennbares Aroma entwickeln (nicht zu heiß, damit die Hefe wirkungsvoll bleibt). Während dieses Vorgangs reichlich Ausschnitte aus dem Geschichtsbuch hineinraspeln. Bitte hierbei nicht unnötig zögern, der Sinn ergibt sich am Ende ganz von selbst. Unter ständigem Rühren nun die sättigenden Adjektive in den Brei streuen, bis sie sich auf dem Boden abzusetzen beginnen. Das Ganze solange ziehen lassen, bis eine kompakte Masse entsteht, die jetzt zu verschiedenen Gerichten geknetet werden kann - zu Zeitungsartikeln, Interviews, Fernsehserien mit Begleitbüchern etcetera. In wunderbarer Weise sorgt die Hefe dafür, dass der Teig sich immer wieder regeneriert. Als Würze empfehlen wir, neben den liebevoll ausgewählten Fotografien, Marotten und Macho-Attitüden nach Belieben.
Dank diesem Rezept können Sie sich nun erfolgreich und mit der Aura eines Experten darüber auslassen, wie kriegerisch der Islam sei, dass de Gaulle besser sei als Nasser, oder auch, dass die Frau dem Manne grundsätzlich unterlegen sei. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
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