home    homenglish    français    عـربي    sitemap    sitemap 2    bambus
     heft 28      english
DER AFFE MIT DEM BANJO
bambus # 196 - anis 20.12.01 - für f. k.

es waren einmal zwei kinder - tony und amica - die hatten ein äffchen - das war aus dem tiefsten afrika - und noch ganz klein - es wohnte mit ihnen im haus - für die eltern von tony und amica - war das okay - sie nannten das äffchen rasputin - weil es so viele haare hatte - rasputin fühlte sich schnell wohl - er hatte einen eigenen käfig - doch meistens hielt er sich - im wohnzimmer auf - bald verstand er die fernbedienung - des fernsehgerätes - und die des videogerätes - und den weg zum kühlschrank - er sprang in den bäumen im garten herum - und lernte von tony und seinem vater - das schachspiel - wobei er jedesmal verlor - oder remis geben musste - so vergingen die jahre - an einem donnerstag dann - besiegte er den vater - mit einer seltenen variante - des königsgambits - niemand konnte sich erklären - woher raspu von dieser variante überhaupt wusste - der vater wurde logischerweise sehr zornig - und er sperrte den affen - auf den staubigen dachboden - dort entdeckte raspu alte hüte und plüschkleider - die er anzog - und im spiegel betrachtete - er fand auch das banjo - es gehörte eigentlich tony - aber der war es schnell leid gewesen - es war völlig verstimmt - und der affe musste zuerst den quintenzirkel lernen - aus alten musikbüchern - die neben dem grammophon standen - da lagen auch ein paar dixielandplatten - aus der ddr - auf dem dachboden herum - die keiner mehr hören wollte - und raspu übte vor sich hin - als sich dann der zorn des vaters - nach vier monaten - etwas gelegt hatte - und man rasputin wieder herunterließ - konnte er das banjo - einigermaßen fehlerfrei spielen - wenngleich er zur freien improvisation - bei weitem nicht fähig war - tony, amica, ihre eltern und der großvater - der bisher in der geschichte noch nicht vorgekommen ist - ließen dem affen sein instrument - in das er ganz vernarrt zu sein schien - rasputin spielte jeden tag dixieland-musik - und sang dazu - erst im wohnzimmer - dann im keller - dann hinten im garten - und schließlich sogar - auf einer autobahnraststätte - tony und amica hatten inzwischen - ganz andere interessen entwickelt - sodass eine gewisse entfremdung - zwischen ihnen und rasputin stattgefunden - und man sich immer weniger zu sagen hatte - dann kam das weihnachtsfest - alle waren in versöhnlicher stimmung - und feierten zusammen - abends saßen sie am kamin - nach einem guten essen - und selbst als rasputin einmal aus versehen - den schweren und mit echten kerzen geschmückten baum umwarf - sahen alle darüber hinweg - denn die geschenke waren - noch gar nicht ausgepackt - nach der bescherung war rasputin - der glücklichste affe im ganzen land - er bekam nämlich die partitur des weihnachtsoratoriums geschenkt - sofort probierte er sie am klavier aus - bis er sich - wie im rausch - und ohne an die anderen zu denken - zu sehr komplizierten phrasierungen verstieg - die mehrere stunden dauerten - harmonisch zwar fürs ohr - aber doch ein deutlicher affront - gegen die anderen mitglieder der familie - der affe war überhaupt nicht zu bremsen - tony sah amica - wie sie den offenen kamin betrachtete - und zu rasputin herübersah - und da hatte tony den affen auch schon am nacken gepackt - und hineingeworfen - schnell hielt er das gitter davor - und raspus fell fing sofort feuer - er versuchte noch - sein leuchtendes gesicht - durch das gitter zu quetschen - doch es gelang ihm nicht - das war nun die strafe - für das undankbare tier