DAS KROKODIL AUS KIEL
bambus # 125 - anis 08.08.01
das krokodil aus kiel - fraß ungewöhnlich viel - ihm war das recht egal - es war nicht sehr subtil - und lebte ganz banal - in der wik im nordostseekanal - es war nur ein reptil - doch fressen konnt es viel - mal fraß es einen aal - den es im wasser stahl - ein andres mal nen schokokuss - zum schluss einen touristenbus - wurde dennoch niemals satt - in der kleinen förde-stadt - ständig wars auf nahrung aus - irrte durch die straßen - wer ihn traf, dem wars ein graus - über alle maßen - oh dieser schauerliche tropf - er landet noch im suppentopf -- was konnte kroko denn dafür - dass er so disponiert war? - dass, kaum kam er durch die tür - man sofort irritiert war -- is wieder wind - is wieder wind - das krokodil liebt jedes kind - wenn du es siehst, dann lauf - geschwind um eine ecke - sonst frisst es dich noch auf - und wenn es ruft, verstecke dich - noch rasch hinter der hecke -- eines schönen tages kroch - das krokodil aus seinem loch - und ging zur stadtverwaltung - den beamten - die ihn schon kannten - erläuterte kroko seine haltung: - leihen sie mir bitte ihr ohr - ich schlage ihnen etwas vor - ich kenne nämlich das gekreische - wegen meines hangs zum fleische - ich habe ein mächtiges gebiss - und suche doch den kompromiss - wie wär es denn wenn ich die diebe - mir nur in den rachen schiebe? - ich könnte die halunken - in kapernsoße tunken - alle schurken würd ich schlurken - mit gewürz- und essiggurken - dann die finstren bösewichter - die vom richter - nicht erfasst - dennoch in der stadt verhasst - sind, an die halt ich mich - viel mehr brauche ich ja nicht - zur abwechslung vielleicht ein tourist - von denen, die niemand vermisst - das ist doch wohl ein deal - sagte das reptil - jedoch war die kieler stadtverwaltung - gegen des krokodils entfaltung - das ging etwas zu weit - zu dieser art der rechtsgestaltung - war man nicht bereit - man gab ihm einen guten rat: - versuch es nur - mit lit'ratur - was er dann schließlich tat: - er fraß die literaturmaus - aus dem literaturhaus - und einen schriftsteller mit bart - zwar war der arme literat - im nachgeschmack ein wenig fad - doch für den sieben-uhr-schmaus - hat es gerade noch gereicht - wie schnell manchmal die zeit verstreicht - bei lit'ratur und spiel - dachte das reptil - so ists geschehn bei meinem schwur - dem kieler krokodil entfuhr - ein wohliger laut - aus seiner haut - nach all der literatur -- das grüne krokodil - mag gerne eis am stiel - es kaut auch petersil - ich denk, ich glaub, ich schiel - es hat nen großen appetit - auf alles was nicht zeitig flieht - es ist nicht mehr zu retten - versteckt euch in den betten - kroko lockt euch in die falle - kroko mag die leute alle -- hört ihr bürger die geschicht - von der diese dichtung spricht - und fragt nach der moral - rechtfertigt denn des tieres pflicht - die hohe opferzahl? - ich glaub das ehrlich gesagt nicht - doch gingen die meinungen auseinander - wie zerstrittene salamander - den einen war er nicht geheuer - andern war er lieb und teuer - letztere argumentierten - mit dem persönlichkeitsrecht - die anderen insistierten - und fanden das krokodil schlecht - auch fürchteten sie den skandal - im kieler nordostseekanal - hier gab es niemals krokodile - meinten viele - andere verwiesen - auf finanzielle krisen: - ist das tier nicht eine chance - für unsre touristikbranche? - denn kommt der wanderer in die wik - dann denkt er an den grünen freak - dort lebt das krokodil - das krokodil aus kiel
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