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DER MINISTER
bambus # 22 - anis 26.09.99

im studio heut' der herr minister - 'ne leichte beute, oh, da ist er - schon - kommt grad - zur tür 'rein - ton - und kamera bereit! - wird langsam zeit -- geht alles übern sender - und später gehn die bänder - ins archiv - ganz tief - ins kollektivgedächtnis - ein richtiges vermächtnis - hat sich da angesammelt - alles, was recht und schlecht ist - es ist gerammelt - voll von dokumenten -
Zeichnung: Heinke Vollers
was gerecht ist - denn die konsumenten - sind die wähler - ist kein fehler - sie zu informieren - über renten - delinquenten - kinderquäler - beitragspflicht - sie gieren - g'radezu nach dem bericht - und die politiker verlieren - meist das gesicht - wenn wir sie konfrontieren - mit ihren äußerungen - und kritisieren - ist uns schon öfter mal gelungen -- der herr minister beispielsweise - der machte letztes jahr ne reise - nach oktobistan - ganz leise - mit der bummelbahn - er kam erst im november an - und er verkaufte waffen - die viel freude schaffen - für den traum vom sieg - leider gab es krieg - denn im dezember schon - legte sich oktobistan - mit dreiundzwanzig ländern an - und tausende von menschen floh'n - vor den massakern - da gab's dann viel zu gackern - für all die pazifisten - und die heilsarmisten - es war der reinste hohn -- waffendeal in kisten - die zuschauer vermissten - zum teil - die gerechtigkeit - ein paar fanden's auch geil - denn schlechtigkeit - bis hin zum beil - des krieges - ist schon vieles - wert - man muss schon was riskieren - auch wenn das schwert - den lohn bringt - singt das volk vor glück - ach, bringt - uns nur die gute zeit zurück! - wir können's tolerieren -- im ganzen war oktobistan - im grunde schon von anfang an - kein guter plan -- ich fang jetzt mit der sendung an - der herr politiker - braucht seinen kritiker - wie er da sitzt - und schwitzt - den hol ich mir - das ist geritzt - ich hab ihn mitten im visier -- willkommen, herr minister! - eines ihrer geschwister - hat uns geflüstert - dass der rüstungs-etat - gestern kleiner noch war - sagen sie mal, ist das wahr? -- nein nein, der ist bloß ein philister - sagt der minister - da ist er - auf ne ente - reingefallen - und die rente - die ist sicher - ich hab zahlen - und die sprechen wohl für sich - es ist ärgerlich - wir wurden falsch verstanden - es landen - falsche meldungen auf ihrem tisch - verzerrtes bild mit unwahrheit vermischt - wir geben unser bestes -- gut, herr minister, lässt es - sie aber kalt - wenn im wald - gemunkelt wird - sobald es dunkel wird - dass die wähler - und vermähler - ihrer koalition - am telefon - in sachsen - sagten, sie ha'm die faxen - mit ihrer partei langsam dicke? -- die stricke - die reißen - jedenfalls die meisten - was kann das nur heißen? - ich blicke - zwei wochen zurück - sprechen wir mal - von der landtagswahl - sie hatten da nicht sehr viel glück -- nun ja, herr journalist - wie das so manchmal ist - es dauert seine zeit - das volk ist noch nicht ganz bereit - für uns're sparmaßnahmen - und zu den urnen kamen - nur die drögen - die uns nicht mögen -- doch geht es hier wirklich um sachfragen? - da muss ich doch noch einmal nachfragen - die medien - schädjen - uns're partei - einerlei - ob dabei - was herumkommt - so dumm kommt - das an bei mir - woll'n uns erledigen - während sie predigen - woll'n, dass wir gleich gute nacht sagen -- hier - im studio - werd ich heut nicht mehr froh - ich geh lieber auf's klo - und zieh die register - he, ich bin der minister! - nun auf wiedersehn - ich werd gehn -- adios - herr minister - hoch zu ross - dabei ist er - mir schön in die grube gefallen - ich bin der boss - ihnen allen - eine gute nacht - und geben sie acht - denn am schluss müssen sie es bezahlen!