1 Miral
| Wir waren im Grillon, einem Restaurant, in dem manchmal Schriftsteller sitzen, oder verkehren. Ich war zuerst ganz verkehrt, im zehnten Stock des Odeon, es klang am Telefon so ähnlich. Jürgen meinte vorher in einem anderen Restaurant namens "Aubergine" im Stadtteil Zamalek, dass er von einem "Gurion" noch nie etwas gehört habe, und Jürgen kennt sich gut aus in der Stadt. Mir kam Gurion sowieso von Anfang an komisch vor, weshalb ich mich auf das Odeon einließ. Ich hatte nicht mit dem Französischen gerechnet. Grillon heißt Grille.
Miral saß im Grillon mit einer Wasserpfeife, umgeben von drei ebenso rauchenden Männern, die ihre Schriftstellerkollegen waren. Zum Beispiel Ezzat al-Qamhawi. Ich hielt mich beim Gespräch zurück, versuchte, gegen das Plätschern eines Gewässers, Tisch-Gespräche und ein monumentales Fernsehgerät anzulauschen. Sie sprachen leise, aber dafür schnell. Ich verstand wohl einiges, es ging um alte Mythen und um Deutungen des Islam. Aber auch um Mirals bevorstehende dreimonatige Indienreise. Ich habe mir zwei ihrer Bücher in Kairo besorgt und ließ mir nette Sachen reinschreiben. Mit Ezzat habe ich mich am meisten unterhalten, er saß gleich neben mir, das war akustisch vorteilhaft. Jetzt habe ich endlich einen Grund, um wieder mehr Arabisch zu machen. Miral traf ich zuerst im Supreme Council for Culture, dort lernte ich auch Fatma Qindil und Montasser el-Qaffash kennen. Wir hatten dort eine Art Podiumsgespräch zum Thema Multikultur.
Für eine längere Zeit habe ich kaum Literatur gelesen, weil ich auch so viel geschrieben habe. Eigentlich sind mir die Geschichten fast egal. Außer bei Märchen und Sagen. Aber die Menschen sind oft interessant. |