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Pressezeit (3): Die Blumendebatte
Eine Online-Kritik von Anis Hamadeh, 2006
English
Download (PDF): "Die Blumendebatte"
Inhalt: (Update 14.08.06)

Kapitel 1:
Einleitung - Interview mit Fritz Edlinger - Der Antisemitismusvorwurf - Rezensionen - Einige Links
Kapitel 2:
Gilad Atzmon - Shraga Elam - Israel Shamir - Reflexion über Rassismus
Kapitel 3:
"Blumen aus Galiläa" - Vorwort (S.10-14) - Warum ich die Rückkehr der Palästinenser unterstütze (S.15-16) - Fixe Idee (S.17-34) - Der grüne Regen von Yassouf (S.35-49) - Ode an Faris oder die Rückkehr des Ritters (S.50-56) - Unsere Schmerzensmutter (S.57-60)
Kapitel 4:
Die Oliven von Aboud (S.61-63) - Zu Besuch bei Joseph (S.64-69) - Die Mondstadt (S.70-74) - Die Stadt der Verehrten (S.75-85) - Die Invasion (S.86-89) - Die letzten Action-Helden (S.90-95) - Die Hügel von Judäa (S.96-98) - Die Mauer (S.99-106)
Kapitel 5:
Blumen aus Galiläa (S.107-113) - Die Zisterne von Mamilla (S.114-123) - April ist der grausamste Monat (S.124-128) - Ist die Intifada vorbei? (S.129-132) - Die Fiesta von St. Fermin (S.133-138) - Eine jiddische Medina (S.139-167) - Der große Aufbruch (S.168-180)
Kapitel 6:
Das Phantom des Terrors (S.181-184) - Halloween auf Bali (S.185-187) - Der Schatten von Zog (S.188-199) - Der weiße Rabe ist tot (S.200-203) - Sumud und Flux (S.204-214) - Fazit
Kapitel 7:
folgt - Exkurs über autoritäres Verhalten


- Einleitung -

(25.01.06) Bei der Untersuchung und Diskussion komplexer Fälle ist es manchmal hilfreich, sich der Sache literarisch zu nähern und sie allmählich einzuordnen in das Geflecht von Beziehungen und Emotionen, die damit verknüpft sind und die den Ursprung ihrer Einschätzung als komplexer Fall bilden. Besonders bei sensiblen Themen ist es geradezu unmöglich, objektiv zu sein. Für einen Dichter ist Subjektivität eine Selbstverständlichkeit, in der eigenen Arbeit und in der von anderen. Dies ist nicht a priori gleichzusetzen mit Voreingenommenheit, sondern bedeutet zunächst, die eigenen Wahrnehmungen und Parameter nicht zu verleugnen und sie mit einzubeziehen. Natürlich gilt das auch für Journalisten. Nur stehen Künstlern mehr Ausdrucksmittel und alternative Herangehensweisen zur Verfügung.

Aus dieser Philosophie heraus entstand im September 2004 die Rubrik "Pressezeit/Meet the Press" auf Anis Online. Das erste Studien-Objekt war die Süddeutsche Zeitung, die drei Wochen lang online begleitet wurde. Es folgten die Kieler Nachrichten im Dezember 2004.1 Dieser dritte Teil weicht von den vorigen insofern ab, als es sich nicht um die Online-Begleitung einer Zeitung handelt, sondern um eine Besprechung des umstrittenen Buches "Blumen aus Galiläa" von Israel Shamir sowie um die Rezeption des Buches und des Autors in verschiedenen Öffentlichkeiten. Der Titel "Pressezeit/Meet the Press" mag noch angemessen erscheinen, wenn der Begriff "Presse" im weitesten Sinne verstanden wird, der auch die Internet-Öffentlichkeit einschließt. Der "Live"-Charakter der Rubrik bleibt insofern bestehen als spontane Kommentare und Reaktionen in die Betrachtung einbezogen werden. Da der Untersuchungszeitraum dieses Mal länger sein wird und die Zwischenergebnisse im Netz stehen werden, scheint dies realistisch zu sein.

Zum Hintergrund der Blumendebatte: Am 30. Dezember 2005 wollte Fritz Edlinger, Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen, die "Dortmunder Erklärung" unterschreiben, die besagt, dass Israelkritik nicht mit dem Antisemitismus-Argument verboten werden darf. Dies kam nicht zu Stande, da ihm vorgeworfen wurde, die Übersetzung von Israel Shamirs umstrittenem Buch "Blumen aus Galiläa" in Österreich herausgegeben zu haben.2

Das Gespräch über diesen Fall stellte sich als schwierig dar. Tatsächlich ist es - was Shamir angeht - auch meiner Meinung nach notwendig, sich von einigen Äußerungen, Einstellungen und Handlungen zu distanzieren, weil sie zu weit gehen. In einer Dämonisierung und totalen Ablehnung steckt allerdings die Gefahr, dass es in der Übertreibung zu autoritären Nebenerscheinungen kommt. Wird sich auf die Abgrenzung vom Bösen berufen, kann es dazu kommen, dass demokratische Grundsätze relativiert werden. Also ist es wichtig, sich mit den Themen auseinanderzusetzen.

Nach mehreren Anläufen folgt daher hier - aus verschiedenen Warten betrachtet - die Blumendebatte.

Weiter in Kapitel 1


Fußnoten:

1: Siehe www.anis-online.de/1/m/pz/01 und www.anis-online.de/1/m/pz/02 (jeweils auch als PDF dort, die Süddeutsche auch auf Englisch) (zurück)
2: "Dortmunder Erklärung" unter www.steinbergrecherche.com/dortmundererklaerung.htm - Zu Edlinger siehe: "Der Standard" vom 21.12.05 (Herausgeber Edlinger distanziert sich von "antisemitischen Buch-Passagen": http://derstandard.at/?url=/?id=2281609) und die Stellungnahme von Fritz Edlinger vom 20.12.05 zu den Vorkommnissen im Zusammenhang mit einer Palästinaveranstaltung in Graz (4 Seiten, PDF-Datei): www.saar.at/pdf/Brief201205.pdf (zurück)