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Morddrohung gegen israelkritischen Journalist

(Anis Online, 19.11.06) Der in Zürich lebende Recherchejournalist Shraga Elam hat telefonische Morddrohungen erhalten. Am 16ten und 17ten November wurde er mehrfach von einem ihm unbekannten Mann angerufen. Schließlich hinterließ der mit einem russischen Akzent Deutsch sprechende Unbekannte eine Nachricht auf Elams Mailbox. Der Journalist versendete die Audiodatei mit dem Inhalt der 25-sekündigen Botschaft an einige Networker, die sie unter anderem an die Presse weitergeleitet haben. Dort heißt es: "Hallo Shraga, warum nimmst du den Hörer nicht ab bei deinem Mobilfunktelefon? Henryk-M-Broder-Brigaden haben dich zum Tod verurteilt. In deinem Hauseingang (Adresse) wirst du erschossen, wie Politkowskaja, Scheißkerl, Verräter". Die russische Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja war im Oktober einem Auftragsmord zum Opfer gefallen. Das Audio von Shraga Elam liegt der Redaktion vor. Wie der Bedrohte berichtete, habe es später an der Tür geklingelt, doch er habe nicht aufgemacht.

Shraga Elam, Autor von "Hitlers Fälscher" und Co-Autor von "Die Schweiz am Pranger. Banken, Bosse und die Nazis", ist ein Befürworter der Ein-Staat-Lösung in Palästina/Israel. Er ist in der Friedensbewegung aktiv und ein Kritiker der zionistischen Politik. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass er sein Leben der Aufgabe widmet, eine gewaltfreie Zeit in der internationalen Politik zu erreichen. Der in Berlin lebende Journalist Henryk Broder hat sich im Internet mehrfach polemisch mit Shraga Elam auseinandergesetzt. Zwar ist Broder nicht dafür verantwortlich, wenn jemand vorgibt, in seinem Namen oder in Verbindung mit seinem Namen zu sprechen, jedoch schüren Broders aggressive Äußerungen ein Klima, in dem Vorfälle wie der oben dokumentierte wie eine Konsequenz wirken können, wird doch von Broder das gezielte Töten von Menschen in Palästina, im Libanon und anderswo immer wieder öffentlich gerechtfertigt. So werden die Frameworks der nahöstlichen Konflikte zu uns nach Europa getragen.

Schon seit mehreren Jahren warnen alarmierte Networker vor dem Übereifer selbsternannter Antisemitismusjäger, doch die Öffentlichkeit hat dieses Phänomen noch nicht aufgegriffen, wohl weil sie damit in einen Wertekonflikt zu geraten fürchtet. Wenn es ähnliche Drohungen von Seiten gewaltbereiter islamistischer Eiferer gibt, steht es in der Zeitung, vielleicht sogar mit Hintergrundinformationen über die Ziele und Pläne der Ideologie, die dahinter steht. Unsere Pressefreiheit ist in Gefahr! heißt es dann, und: Unsere Journalisten werden bedroht, weil die andere Seite die demokratischen Spielregeln nicht einhält, nach denen man Kritik vertragen muss und nicht mit Gewalt darauf reagieren darf. - Es ist Zeit, über Grenzen zu sprechen. Einschüchterungen liegen jenseits der demokratischen Grenzen, auch wenn sie im Namen des "Kampfes gegen Antisemitismus" geschehen. Hier ist die Öffentlichkeit gefordert, die Politik der Kollateralschäden und Liquidierungen nicht in unsere Kultur einzulassen. Hier ist eine breite Front notwendig.

Ergänzungen im Palästina-Portal von Erhard Arendt

Life of Journalist Critic of Israel Threatened

(Anis Online, Nov. 19, 2006) The Zurich-based research journalist Shraga Elam received threats on his life in telephone calls. On November 16 and 17 he was repeatedly called by a man unknown to him. The stranger, who speaks German with a Russian accent, finally left a message on Elam's mobile mailbox. The audio file with the content of the 25 seconds long message was sent by the journalist to some networkers who forwarded it to the German press and to other networkers. The translation of the message is: "Hello Shraga, why don't you pick up your mobile phone? Henryk M. Broder Brigades have sentenced you to death. In the entrance of your house (address) you will be shot dead, like Politkowskaja, swear word, traitor". The Russian journalist and critic of the government Anna Politkowskaja became a victim in a hired killing in October. Shraga Elam's audio source is here with the editorial office. As the threatened reported there was a frontdoor bell ring later on, but he did not answer.

Shraga Elam, author of "Hitler's Forgers" and co-author of "Switzerland at the pillory. Banks, bosses and the Nazis", is an advocate of the one-state solution in Palestine/Israel. He is active in the peace movement and a critic of the Zionist policy. Without exaggeration, one can say that he is dedicating his life to work for a time without violence in international politics. Journalist Henryk Broder, who lives in Berlin, has several times polemically dealt with Shraga Elam on the internet. It is true that Broder is not responsible for people who claim to speak in or with his name, and yet Broder's aggressive utterances fuel a climate in which incidents like the one documented above almost appear like a consequence, for Broder uses to justify the targeted killings of human beings in Palestine, in Lebanon and elsewhere in public. In this way, the frameworks of Middle Eastern conflicts are being transferred to us in Europe.

Alarmed networkers have been warning of the overzeal of self-declared anti-Semitism hunters for years, but the public has not yet approached this phenomenon, probably in fear of getting into a conflict of values. When there are similar threats from violent Islamist bigots the newspaper report about it, maybe even with background information about the aims and plans of the underlying ideology. Our freedom of press is in danger! people will say, and: our journalists are threatened, because the other side does not comply with the democratic rules according to which one has to bear criticism and not react with violence. - It is time to talk about limits. Intimidations are beyond the democratic limits, even if they are carried out in the name of "battling anti-Semitism". Here the public is required to keep the policy of collateral damages and liquidations from entering our culture. Here a broad front is necessary.