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Wie sich Henryk M. Broder, "Edelfeder" des SPIEGEL, dekonspiriert und
dabei indirekt den Beweis geführt hat, dass der israelische
Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem Hariri-Attentat stecken könnte.
von Georges J.Marat, 26.09.2006
Das international Aufsehen erregende Interview unter dem Titel "Juristischer Kolonialismus - Attentat auf Rafic Hariri: Ziehen diejenigen, die den Abzug betätigt haben, jetzt die Fäden? (Colonialisme judiciaire - Attentat contre Rafic Hariri: Une enquête biaisée?)", das die italienisch-schweizerische Journalistin Silvia Cattori mit dem Autor Jürgen Cain Külbel für das französische Reseau Voltaire führte, brachte den SPIEGEL-Autor Henryk Modest Broder, schreibender "Anwalt" der modernen Politik des Staates Israel, der dessen jüngste Kriegsverbrechen im Libanon in der deutschen Medienlandschaft heilig schreiben durfte, so auf die Palme, dass er es sich offenbar nicht verkneifen konnte, eine mediale Schlacht gegen den Interviewten anzuzetteln.
Das neunzehnseitige Dokument, das vergangenen Freitag auf englisch und
französisch in den elektronischen Weltäther ging, deutsche, spanische und
arabische Variante folgten Tage später, wurde bereits als "historisches
Dokument" ausgelegt, weil es neue Hinweise auf Beteiligung des
israelischen Geheimdienstes Mossad an der Tötung des libanesischen
Ex-Premiers Rafik Hariri am 14. Februar 2005, auf manipulierte
Untersuchungsprozesse innerhalb der vom Berliner Oberstaatsanwalt Detlev
Mehlis und dem Belgier Serge Brammertz geleiteten UN-Kommissionen und neue
Erkenntnisse der Zusammenarbeit zwischen Mehlis und internationalen
Geheimdiensten in Sachen Bombenanschlag auf die ehemalige Berliner
Diskothek "La Belle" in Berlin-Friedenau im April 1986, bei dem zwei
US-Soldaten und eine junge Türkin starben, enthält. Mehlis hatte, auch
aufgrund von umstrittenen Telexbotschaften, die aus Libyen stammen sollten
und an die Attentäter gerichtet waren, die Regierung Ghaddaffy als
Auftraggeber des Attentats "ermittelt". Külbel liefert neue
Gegenargumente.
Der Autor, der im März 2006 das Buch "Mordakte Hariri - Unterdrückte
Spuren im Libanon" publiziert hatte, steht international unter Beschuss,
hatte er doch auf ein Netzwerk von amerikanischen Neokonservativen,
rechten Israelis, Exillibanesen aufmerksam gemacht, das nach seiner
Überzeugung das Mordkomplott ausheckte und in die Tat umsetzte. Das steht
im Widerspruch zu den Wünschen der US-Administration, die ihren
Lieblingstäter Syrien überführt sehen möchte.
So sah sich der britische Premier Tony Blair nach dem Siegeszug der
arabischen Übersetzung des Buches gezwungen, am 8. Juni 2006 auf der
monatlichen Pressekonferenz in der Downing Street Number 10, Inhalte und Kernaussagen der Arbeit charmant als "Verschwörungstheorie" abzutun. Auf
die Frage eines Journalisten, was er denn von den Thesen des deutschen
Autors "Jorgen Kolbol" halte, der "CIA und Mossad" als Drahtzieher des
Morder ansieht, was der Autor wiederum nie behauptet hatte, fragte Blair
überrascht nach "CIA and Mossad?", fasste sich jedoch sogleich, um
abzuschmettern: "Die üblichen Verschwörungstheorien, die jeder Diskussion
nicht weniger hinzufügen als Unfug." Der Premier, der sich vehement gegen
die Analyse des Autors wehrte, musste allerdings zugeben, das Buch nicht
gelesen zu haben. Neokonservative in New York, das United States Committee
for a Free Lebanon USCFL, die rechtsgerichtete "Exilregierung des Libanon"
in Jerusalem hatten den Autor zuvor schon in konzertierter Aktion als
"deutschen 'Kriminologen' Jergen Jerky Kulbell" herunter. ( Jerk heißt
übersetzt Dummkopf, Narr )
Broder, für seine Unartigkeiten und Affekte bekannt, wenn es um die Ehre
seiner mentalen Heimat geht, schoss allerdings den Vogel ab. Der ehemalige
kommunistische Agitator betitelte ihn auf seiner Webseite sogar als
"Soziopathen". Seine Blogger-Crew, selbstverständlich anonym arbeitend,
ließ nach der Broderschen Vorgabe rein gar nichts aus, um Jürgen Cain
Külbel privat, beruflich, familiär, sogar sexuell zu diagnostizieren. Die
Elaborate, "journalistische" Schweinereien, die aus berufs-ethischen
Gründen nicht zitiert werden, die Broders anonyme Wachhunde unverfroren
ins Internet stellten, werden, wie man mir sagte, momentan unter
strafrechtlichem Gesichtspunkt begutachtet.
Die Aufgeregtheit Broders, die Wucht der Denunziation, der gewählte
Zeitpunkt, die erfolgten Angriffe auf Buch und politische Arbeit sind
unzweifelhaft Indiz dafür, dass Jürgen Cain Külbel mit seinen Ermittlungen
auf dem richtigen Weg ist und in ein Wespennest gestochen hat. Broder hat
das eigene Feld flächendeckend zerbombt, weil er nämlich indirekt
entblößte, wer Interesse daran hat, Külbels Recherchen, die ein syrisches
Militärgericht am 11. Mai zum Beweismittel erhoben und der UN-Kommission,
die den Hariri-Mord untersucht, zukommen ließ, gnadenlos zu bekämpfen.
Offenbar kein Zufall, dass der Name des SPIEGEL-Autors immer wieder im
Zusammenhang mit dem Institut Middle East Media Research Institute (MEMRI)
- in den USA weitgehend als "Mossad-Front" bezeichnet - auftaucht;
zumindest bietet Broders Webseite Belege dafür. Der Gründer von MEMRI,
Yigal Carmon, israelischer Geheimdienstagent, später Terrorismusberater
seiner Regierung, hatte die Truppe 1998 mit Meyrav Wurmser, Anhängerin von
Ze'ev Jabotinsky, Vater der Idee einer vollständigen Vertreibung der
Palästinenser und Vordenker eines ethnisch rein jüdischen Staates Israel,
gegründet. Wurmser ist Leiterin der Nahostabteilung des "Hudson
Institute", dessen Führung auch Richard Perle angehört. Perle galt als
treibende Kraft hinter der Nahostpolitik der gegenwärtigen US-Regierung.
Wurmser gehört auch dem "Middle East Forum" von Daniel Pipes an, der
wiederum mit Carmon befreundet ist, weil sie der Araberhass eint. Wurmsers
Mann David wiederum ist Nahost-Berater von Dick Cheney. Verwirrend und
inzestiös!
Doch viel brisanter: Carmon war im israelischen Militärgeheimdienst einer
der führenden Offiziere der "Unit 504", auch als "Mini-Mossad" bekannt.
Die Truppe war für die Anwerbung von Informanten in arabischen Staaten
zuständig und nach Aussage des Kommandeurs der UN-Truppen im Südlibanon,
Timur Göksel, für die Führung der "Südlibanesischen Armee" zuständig. Die
angeworbenen Araber wurden "für den Guerillakampf ausgebildet, für Mord,
Infiltration und die Benutzung der modernsten Methoden beim Bau von
Autobomben". Die Einheit wurde im Jahre 2000 reaktiviert und steht in dem
Ruf, an den jüngsten Autobombenanschlägen im Libanon beteiligt gewesen zu
sein. Der libanesische Militärgeheimdienst hatte im Mai und Juni mehrere
dieser "Mossad-Netzwerke" ausräuchern können.
Die jüngste Aufgabe dieses Carmon, nachweislich ein Befürworter der
Folter, scheint zu sein, anhand selektiver Auswahl aus der arabischen
Presse die öffentliche und veröffentlichte Meinung der arabischen Welt als
antisemitisch darzustellen und ein Bedrohungsszenario für Israel zu
behaupten. Zudem sollen Palästinenser und Araber als antisemitisch,
fanatisch, irrational und zum Dialog unfähig dargestellt werden.
Dass Broder in diesem Club mit der kurzen Befehlskette angekommen ist, mag
man fast annehmen. Ob er beauftragt wurde, die Kampagne zu starten, weil
Jürgen Cain Külbel diesmal den Mossad handfester ins Visier nimmt, bleibt
ebenso unbewiesen. Aber eins steht fest: Broder wäre nach der Schlappe,
sich auf so dümmliche Art und Weise zu outen, wenn er denn da mitmachen
würde, für den operativen Dienst nicht mehr geeignet und sollte fortan nur
noch für den SPIEGEL schreiben.
Übersetzung : E.V.U
Das Interview in voller Länge:
englisch: http://www.voltairenet.org/article143460.html
französisch: http://www.voltairenet.org/article143440.html
deutsch: http://www.voltairenet.org/article143544.html
spanisch: http://www.voltairenet.org/article143556.html
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