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WAEL'S ROOM
FAZ-Leserbrief zu "Friedensuche mit Fajad" von Herrn Bremer, vom 21.06.07, Seite 1
Wael Al Saad

Vorausschicken möchte ich, dass ich als Palästinenser schon lange in Deutschland lebe und Teile meiner Familie immer noch in Palästina leben.

Bei einigen Dingen hat Herr Bremer gewiss Recht, aber leider stehen viele Fakten unpräzise in seinem Artikel. Ich möchte nur einige wenige Aspekte herausgreifen.
Es ist in der deutschen Presse nirgends etwas über die Existenz von den mittlerweile 2 Fatahs, d.h. pro/contra Oslo "oder" mit/ohne USA zu lesen. Gleiches gilt für die Tatsache, dass die über ein Jahr lang in Gaza geführten mörderischen Kämpfe nur zwischen Hamas und einer kleinen Splittergruppe der Fatah-Fraktion (Abbas/Dahlan-Sicherheitsapparat) stattfanden. Keineswegs beteiligte sich die gesamte Fatah daran.

Ist mein Eindruck richtig, es solle ein Bürgerkrieg förmlich "herbeigeschrieben" werden? Die Palästinenser wären sich untereinander todfeind? Alle Einigkeit der Palästinenser sei verloren und es gebe nur noch die Egoismen einzelner Gruppen? Dies mag ein Wunschdenken bestimmter Kreise sein. Warum das? Die israelische Regierung und ihre Unterstützer wollen uns nicht nur geographisch, sondern auch gesellschaftlich und ideologisch zerreißen. Die palästinensische Identität soll vernichtet werden und somit die Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat von Millionen von Palästinenser.

Warum soll eigentlich die Anerkennung Israel selbstverständlich sein, nicht aber das Recht der Palästinenser auf die Rückkehr in die Heimat? Mindestens eine bedingte Anerkennung soll es geben. Wie kann das mit dem derzeit regierenden Zionismus funktionieren? Ob der Friedensuche Fajad's ohne die Beantwortung diese Frage gelingt, bezweifle ich.

Solange die internationale Gemeinschaft den Aspekte einer beidseitigen Anerkennung nicht gleichstellt, sondern die Asymmetrie sogar während aller Konflikte einseitig zugunsten Israels fördert, wird es keinen Frieden geben. Mir erscheinen die Bemühungen des Westens mehr als einseitige Interessensbekundung zugunsten Israels denn als Politik.

Gerechten Frieden wird es im übrigen auch nicht geben, solange keine einheitliche identitätsbezogene palästinensische Strategie ausgearbeitet ist. Hierin sehe ich eine dringliche Aufgabe für alle Palästinenser. Diese Strategiefindung sollte im regionalen und globalen Kontext stattfinden. Ob diese von einer ohnmächtigen PLO angestoßen wird, glaube ich nicht. Mehr zähle ich auf die Palästina-NGOs und individuellen Aktivisten.

Salam

Wael

SZ-Leserbrief: Bluttriefende Geschichte
Wael Al Saad, 20. September 2006

Herr Stefan Ulrich schreibt in seinem SZ-Artikel vom Montag 18.09 auf Seite 4: " Gerade wer die islamische Welt ernst nimmt, wird ihr in diesen Zeiten die Gretchenfrage stellen: Wie haltet ihr (Muslime) es mit der Gewalt?"

Ein Sprichwort besagt: "Jener, dessen Haus aus Glas ist, bewirft die anderen nicht mit Steinen!" Was du nicht willst, dass dir angetan wird, das tust auch keinem anderen an!

Herr Ulrich, haben Sie jemals ein Blick auf die Geschichte der letzten Jahrhunderte geworfen und sich gefragt von welchen Parteien Machtstreben, Gewalt und Kriege maßgeblich ausgegangen sind ?

Angefangen mit den gegenwärtig noch andauernden militärischen Interventionen der Vereinigten Staaten und ihrer "Achse der Willigen" im Nahen Osten, um die arabische Region nach ihrem Gutdünken zu formen, über die massive Bombardierung vornehmlich ziviler Ziele im Libanon, bis hin zur täglichen Tötung von sogenannten "Terroristen", die oftmals, wie sich im Nachhinein herausstellt, in Wirklichkeit unschuldige Zivilisten sind. "Terror", "Fundamentalismus" und "militanter Islamismus" sind zuweilen Begriffe, die insbesondere in der Tagespresse regelrecht inflationär verwendet werden, um Mord, Totschlag und Kriege zu legitimieren. Manch einem mag sich in solchen Zeiten die Frage stellen, wo der kritische und investigative Journalismus abgeblieben ist.

Aber die Liste der Abscheulichkeiten lässt sich weiter fortsetzen: Der Einsatz von mit Uran angereicherte Waffen im ersten Irakkrieg, die noch heute für Erkrankungen und den Tod vieler verantwortlich sind. Das Irak-Embargo, welches für den Tod unzählige Menschen verantwortlich ist. Wie sieht es aus mit Vietnam, Kambodscha, Hiroshima und Nagasaki?. Der zweite Weltkrieg und der Holocaust mit ihren 70 Millionen Opfern. Die menschenverachtende Versklavung der Afrikaner während der Kolonialzeit. Die regelrechte Ausrottung der Indianer in Südamerika. Die Jagd auf Muslime und wohlgemerkt Juden in Spanien unter Phillip II. Die blutigen Kreuzzüge. Kriege gegen Glaubenbrüder im 15. und 16. Jahrhundert in Europa. Und so weiter und so fort....

Alles im Namen des Islam? Könnte es nicht sein, dass diese Geschichte heute auf Europa zurückfällt? Denn hinter all dieser menschenverachtenden Brutalität und dem Blutvergießen standen meistens Leuten, die sich Christen nannten, nicht jedoch Muslime. Dieser Rückblick zeigt, dass die islamische Lehre Gewalt und Krieg keineswegs in sich trägt. Auch wenn der Islam nicht der Inbegriff des Pazifismus ist, so bin ich der Meinung, dass sich aufgrund dieser nicht gerade unblutigen Geschichte die westliche Hemisphäre die Frage nach der Vereinbarkeit von Gewalt, Menschlichkeit und Religion selbst stellen sollte. Und ich bitte ebenfalls zu berücksichtigen, die gegenwärtige Frustration in der islamischen Welt nicht zu vergessen - eine Frustration, die sich aus der Hilflosigkeit und Ohnmacht als Randfiguren im Spiel der Wirtschaftmächte speist und oftmals zu Überreaktionen führt.

Wael Al Saad