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SILVIA'S ROOM
Palästina: Die schädlichen Auswirkungen des kriminellen Boykotts
von Silvia Cattori, 11. Mai 2007

Der seit länger als einem Jahr andauernde Wirtschaftsboykott, der dem palästinensischen Volk von den USA und der Europäischen Union auferlegt wurde, soll dieses Volk erdrosseln und den Forderungen Israels unterwerfen.

Das Leben der Einwohner des Westjordanlands und Gazas war schon vor dem Boykott grauenhaft. Doch dieser Boykott, der Menschlichkeit unwürdig, hat das tägliche Leben noch viel grauenhafter gemacht.

Die demokratischen Staaten, die behaupten, sich für Freiheit und Menschenrechte einzusetzen, sind so weit gegangen, einem Volk, welches auf Grund der israelischen Besatzung schon seit langen Jahren unter Entbehrungen leidet, alle Existenzmittel zu entziehen. Es ist ein Verbrechen. Es ist skandalös. Es muss beendet werden.

Die erschreckenden, unerbittlichen Ergebnisse liegen vor unseren Augen.

Dieser Boykott hat die gesamte Gesellschaft zerstört und die Situation, die bereits extrem ernst war, noch verschlimmert. Es ist eine geplante menschliche Katastrophe.

Durch diesen ungerechten wie auch illegalen Boykott, hat die Weltgemeinschaft vorsätzlich Millionen von Palästinenser versklavt, weil sie die politischen Organe gewählt haben, die sie für fähig befanden, ihre Interessen zu vertreten. Einige Sklaven konnten während der Sklaverei ihren Henkern manchmal entkommen, aber die Palästinenser von Gaza, die durch die israelischen Militärbesatzer in einem riesigen Gefängnis eingesperrt leben, können nirgendwohin fliehen.

Da leiden heute hunderttausende Kinder unter schlechter Ernährung; da sind die Mütter am Ende ihrer Ressourcen und sind heute gezwungen sich zu prostituieren, um ihre Sprösslinge zu ernähren; da sind die Väter ohne Lohn, die, nachdem sie die wenigen verkäuflichen, persönlichen Sachen, die in ihrem Besitz waren, verkauft haben, nun in Verzweiflung versetzt sind, erniedrigt, weil sie ihren Familien kein annehmbares Leben bieten können. In ihrer Manneswürde verletzt gleiten sie in den Wahnsinn ab. Es ist tatsächlich nicht selten, untätige Männer zu sehen, die scheinen, als ob sie den Verstand verloren haben, die, mit sich selbst redend, in der Öffentlichkeit umherirren.

Welcher Vater und welche Mutter kann es ertragen, seine Kinder ausweglos dahinsiechen zu sehen? "Für unsere Gesellschaft ist es entsetzlich. Wir sind ins Extrem gedrängt worden. Prostitution ist nicht allgemein üblich in Gaza. Es wird wie eine immense Beleidigung empfunden, eine immense Erniedrigung. Es ist eine schreckliche Kränkung für eine Gesellschaft wie die unsere, wo die Frau geschützt ist und wo Prostitution nicht existiert hat" bedauert diese Frau, die nicht ohne Vorbehalt akzeptiert hat, dieses Übel zu erwähnen.

Es bricht uns das Herz, sich bewusst zu sein, dass der Wirtschaftsboykott der "westlichen" Welt es fertig gebracht hat, einige von diesen stolzen, widerstandsfähigen Müttern zu diesem Ende zu drängen, zu diesem Verfall! Es bricht uns das Herz, sich bewusst zu sein, dass diese Mütter auf das Einzige, was ihnen übrig bleibt, ihre Würde, verzichten müssen, um das Einzige, was für sie Bedeutung hat, zu retten, das Überleben ihres Kindes.

Wo sind die Solidaritätsbewegungen angesichts dieser immensen Tragödie, die die Palästinenser, Opfer der israelischen Unterdrückung, verteidigen müssten? Warum hört man nicht ihre Stimmen?

Wäre es nicht endlich Zeit, dass diese Bewegungen, die unpassenderweise die Oslo-Abkommen unterstützt haben und auch jene, die in Palästina weitgehend auf Kosten des Volkes davon profitierten, die bitteren Lehren daraus ziehen?

Warum rufen die Verantwortlichen dieser Vereine, die die Verteidiger der Palästinenser sein wollen, Verteidigern ihrer Rechte, nicht massiv zu einem Boykott von Israel auf? Warum handeln sie anders und neutralisieren die Stimme von jenen, die seit langem verlangen, dass der Apartheidstaat Israel genauso behandelt wird, wie Südafrika - was erfolgreich war?

Warum führen sie keine breite Kampagne, die darauf abzielt, Druck auf die "westlichen" Regierungen auszuüben, damit sie den unmoralischen Finanzboykott und den politischen Boykott der demokratisch gewählten Hamas-Mitglieder beenden, der gleich alle Palästinenser sanktioniert?

Wäre die Antwort auf diese Frage nicht, dass die Stimmen der zahlreichen Solidaritätsvereine mehrheitlich vom israelischen "Friedenslager" kontrolliert werden, die besorgter sind, die Interessen Israels zu bewahren, als die Rechte der Palästinenser zu verteidigen?

Deutsche Übersetzung : Monica Hostettler

Originalfassung:
www.palestine-solidarite.org/analyses.Silvia_Cattori.120507.htm