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SILVIA'S ROOM
"Die Palästinenser werden sich niemals ergeben"
Interview mit Sattar Kassem, von Silvia Cattori, Nablus, 11.09.2006

Die Palästinenser haben bei den palästinischen Parlamentswahlen vom Januar 2006 massiv zu Gunsten der Hamas gewählt. Es war notwendig, diese Wahl zu respektieren. Die Europäische Union hat sie aber bestraft, indem sie ihre Hilfsgelder zurückzog. Diese Reaktion zwang Millionen von Palästinenser ins Elend und in den Hunger. Man muss betonen, dass der Sieg der islamischen Bewegung nicht nur den Regierungen, die auf den Sieg der Fatah gesetzt hatten, in den Rücken fiel, sondern auch den Parteien und Bewegungen der Progressiven, die es nicht vermocht hatten, dem palästinischen Volk und seinem wirklichen Anliegen zuzuhören. Wegen der Verzweiflung des palästinensischen Volkes ist es dringend nötig, den Palästinensern zu zuhören, die seit langem der palästinensischen Sache treu sind, und daraus Lehren zu ziehen. Herr Sattar Kassem, Professor für politische Wissenschaften an der Najah-Universität in Nablus, hat mit Offenheit und Mut auf die Fragen geantwortet, die ihm Silvia Cattori gestellt hat.

Silvia Cattori: Sie sind eine wichtige Stimme in Palästina, eine Stimme, die man aber in Französisch sprechenden Ländern nicht oft hört. Warum?

Sattar Kassem: Ich habe seit 26 Jahren keine Genehmigung der israelischen Behörden bekommen, um Palästina verlassen zu können. Ich verbrachte zwei Jahre in israelischen Kerkern und acht Monate, unter Arafats Regime, in einem palästinensischen Gefängnis. Ich wurde durch vier Kugeln verwundet, die von Helfershelfern abgefeuert wurden, rekrutiert von der Palästinensischen Behörde. Aber ich bin immer noch da, um mit meinen Worten meinem Volk zu helfen, seine Rechte zurückzugewinnen und um zu versuchen, eine Veränderung in der arabischen Welt zu bewirken. Ich glaube fest, dass die derzeitigen arabischen Regime verschwinden müssen, weil sie ausländische Interessen und nicht die Interessen ihrer Bürger verteidigen. Die meisten dieser diktatorischen Regime kollaborieren mit Israel, sie handeln also gegen die Rechte der Palästinenser und der Libanesen. Diese Regime sind die Marionetten gewisser Mächte, besonders die der Vereinigten Staaten.

Silvia Cattori: Sie sind unter dem Regime von Herr Yasser Arafat verhaftet worden und Sie waren Opfer eines Mordversuchs, weil Sie seine Politik kritisierten? Bedeutet das, dass es während seiner Regierungszeit keine Demokratie gab und Sie keine Freiheit hatten?

Sattar Kassem: Unter Arafats Regime gab es keine Demokratie und besonders keine Meinungsfreiheit. Sehr viele Leute wurden inhaftiert! 1999 unterzeichnete ich mit neunzehn anderen Personen eine Erklärung über die enorme Korruption im Land und dass Arafat der Erste war, der in sie verwickelt war.
1 Wir wurden darauf inhaftiert. Danach habe ich einen Artikel geschrieben mit der Überschrift: "Die Demokratie unter den Gefängnissen" worin ich Arafat wegen seinem undemokratischen Verhalten kritisierte. Aus diesem Grund schickten sie mir Helfershelfer, um mich zu erschießen. Arafat wollte nie irgendeine Art Demokratie einführen.

Silvia Cattori: Bedeutet das, dass die Wahlen von 1996 keine gerechten Wahlen waren?

Sattar Kassem: Sie waren in der Tat ungerecht, denn es gab viel Betrug bei dieser Wahl. Da es keine Opposition gab, interessierte es auch niemand.

Silvia Cattori: Jetzt gab es zum ersten Mal in der Region gerechte Wahlen, die von Hamas gewonnen wurden. Wir haben aber auch zum ersten Mal in der Geschichte gesehen, wie die Europäische Union mit Sanktionen ein Volk unter Besatzung bestraft.

Sattar Kassem: Das ist zutreffend und ein Paradox. Diese Frage sollte man Europäern stellen. Wir hatten gerechte und ehrliche Wahlen, aber wir hatten kein generelles Klima für Demokratie und das war ein gewichtiges Problem. Vermutlich haben auch Sie im Ausland bemerkt, dass, nachdem Hamas die Wahl gewonnen hatte, offenbar eine gewisse Anzahl von Persönlichkeiten - besonders von der Fatah-Partei - das Resultat der Wahl nicht akzeptierten.

Silvia Cattori: Glauben Sie, dass die Hamas-Bewegung es in einem so schwierigen Zusammenhang schaffen kann, das Klima für Demokratie zu schaffen, nach dem Sie verlangen?

Sattar Kassem: Ich glaube es nicht, nicht weil sie dazu nicht in der Lage wären, sondern weil sie von allen Seiten mit schwerwiegenden Problemen belastet werden. Die Israelis wollen nicht, dass diese Regierung funktioniert. Tatsächlich haben die Israelis die meisten Minister und Parlamentsmitglieder festgenommen.

Silvia Cattori: Wenn Sie sich über die "arabischen Regime" beschweren, schließen Sie auch die Palästinensische Autonomiebehörde mit ein?

Sattar Kassem: Ich schließe die ehemalige Palästinensische Autonomiebehörde und Abou Mazen (Mahmoud Abbas), den gegenwärtigen Präsidenten der Palästinenser, mit ein.

Silvia Cattori: Wenn Sie solch eine Behauptung abgeben, basiert sie auf überprüfbaren Tatsachen oder basiert sie auf Ihrer persönlichen Erfahrung?

Sattar Kassem: Ich bin seit mehr als 30 Jahren ein Gegner der parlamentarischen Führung der PLO. Durch meine persönlichen Beziehungen mit Arafat und aus meinen Nachforschungen über ihn erfuhr ich, dass er seine revolutionäre Aufgabe abgelegt hatte und dass er nicht für die Interessen der Palästinenser arbeitete, sondern in Wirklichkeit ein Filter für die Israelis war und er letztlich dafür arbeitete, das Image der Palästinenser in den verschiedenen arabischen Ländern, in denen er gelebt hatte, zu verletzen, wie auch die ethische und soziale Struktur des palästinensischen Volkes.

Silvia Cattori: Haben Sie ein Beispiel?

Sattar Kassem: Zum Beispiel schickte er junge, loyale und zuverlässige Palästinenser, die echte Kämpfer waren, in den Südlibanon, wo sie unausbleiblich getötet wurden. Warum? Weil einer von Arafats Gehilfen mit den Israelis in Verbindung stand, um sie über die Mission jener Kämpfer zu informieren; damit die Israelis nicht überrascht wurden. Auf diese Weise wurden diese jungen Leute von den Israelis getötet.

Silvia Cattori: Wollen Sie damit sagen, dass Herr Arafat von seiner Umgebung nie eine Diszipliniertheit verlangte?

Sattar Kassem: Was ich Ihnen sagen kann ist folgendes: Informationen flossen in israelische Hände, Arafat unternahm nie Vernehmungen innerhalb der PLO, um herauszufinden, wer den Israelis die Informationen lieferte. Wenn man auf ein solches Verhalten besteht, bedeutet das nicht, dass die undichte Informationstelle Zustimmung erhält? Aus diesem Grund kann ich sagen, ich wusste, dass er nicht revolutionär war, sondern mit dem israelischen Besatzer kollaborierte. Die aufrichtigen Palästinenser waren es gewohnt, mit unterschiedlichen Mitteln zur Seite geschoben zu werden, und Arafat umgab sich generell mit solchen Palästinensern, die nur ihre persönlichen Interessen wichtig nahmen.

Silvia Cattori: Laut Ihrer Meinung, waren die Führungskräfte mit denen sich Herr Arafat umgab, von Anfang an kompromittiert?

Sattar Kassem: Ja. Seit den Siebzigerjahren war Arafat immer von suspekten Leuten abhängig, welche, so denke ich, Beziehungen mit den israelischen Sicherheitsdiensten hatten. Sie waren korrumpiert, als sie im Libanon, in Tunesien, in Jordanien waren. Als Arafat sich in diesen arabischen Ländern aufhielt, benahmen sie sich unmöglich. Er verhinderte weder das schlechte Verhalten seiner Hilfskräfte noch viele andere schlimmere Sachen, die sie in der arabischen Öffentlichkeit zu tun pflegten. Als er beispielsweise zuließ, dass einer seiner Leute einen jordanischen Stammesführer demütigte, begann der ganze Stamm, die Palästinenser zu hassen. Als die PLO von der israelischen Armee aus Beirut gefeuert wurde, gingen sie nach Tunesien. Die Tunesier erklären uns, dass die Palästinenser Bordelle und Prostitution mit nach Tunesien brachten und die Bordelle florierten, weil es viele Klienten gab, palästinensische Klienten. Es waren hauptsächlich Palästinenser, durch die die Bars und andere Prostitutionsorte in Tunesien florierten. Die Tunesier, Libanesen, Jordanier und Kuwaitis denken, dass diese die wirklichen Palästinenser darstellen. Seit dieser Zeit werden wir in Tunesien, in Kuwait und im Libanon gehasst. Ich veröffentlichte einige Artikel über diese skandalöse Korruption und warnte davor, dass diese Anführer ihr Volk zu einem furchtbaren Ende führen werden. Mir glaubten sehr wenige, außer denjenigen, die unmittelbar Erfahrung mit diesen Führern hatten. Ab 1994, als Arafat sich im Westjordanland und Gaza niederließ, begannen die Leute festzustellen, dass ich ihnen die Wahrheit sagte. Es ist bedauernswert, dass sie die Wahrheit zu spät entdeckten. Ja sicher, er ist jetzt tot, aber wir leiden noch immer unter all seinen Taktiken. Folglich kann ich sagen, dass er nicht anders war als all die anderen arabischen Führer.

Silvia Cattori: Gehörten diese Leute aus Arafats Umgebung zum politischen Personal, das 1994 nach Palästina zurückkam?

Sattar Kassem: Ja, leider.

Silvia Cattori: Aber wusste Herr Arafat, dass seine Hilfskräfte sich so aufführten? War er sich bewusst darüber, was um ihn herum geschah?

Sattar Kassem: Ja, er war sich bewusst und sah alles sehr klar. Wenn man mehrmals herausgefordert wird und man daraufhin sein Verhalten nicht ändert, dann beabsichtigt man ein solches Verhalten. Arafat wurde hundert Mal von so vielen Leuten über seine Mitarbeiter, die sich unmöglich benahmen, gewarnt, aber er tat nichts, um dem ein Ende zu setzen. Er wurde durch das Geld unterstützt, das er aus arabischen Ländern wie Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Emiraten erhielt. Arafat war der Mann Israels und Amerikas, also wurden diese Länder gebeten, ihn zu finanzieren. Er hatte eine Menge Geld; er war der reichste so genannte "revolutionäre Mann" der Welt. Wie kann das sein, denn Revolutionäre befinden sich im Allgemeinen unter Belagerungszustand? Ohne die Zustimmung von Israel und von Amerika würden diese Länder ihm kein Geld geben, denn es sind keine unabhängigen Länder. Nun geschieht auf Geheiß Israels und der USA, dass Hamas kein Geld gegeben wird.

Silvia Cattori: Haben Sie mit Leuten von Herrn Arafats Gefolge zusammengearbeitet?

Sattar Kassem: Ja. Ich arbeitete mit ihnen während einiger Zeit zusammen und lernte, was ich Ihnen hier erkläre. Das ist die Wahrheit.

Silvia Cattori: Haben Sie darüber geschrieben?

Sattar Kassem: Ja. Ich schrieb ein Buch auf Arabisch mit dem Titel "Der Weg zur Niederlage" (The Road to Defeat), über die Gewohnheiten von Arafat und seiner Umgebung.

Silvia Cattori: Wenn ich Sie richtig verstehe, bedeutet das, dass Herr Arafat von der Realität und von den wirklichen Erwartungen seines Volkes weit entfernt war?

Sattar Kassem: Ich glaube, dass die Israelis ihn ausnutzten. Es ist die Art und Weise, wie sie mit ihren Agenten und Kollaborateuren umgehen; sobald sie verbraucht sind, werfen sie sie weg. Ich denke, die Israelis sind so mit Arafat umgegangen: Nachdem sie ihn kompromittiert hatten, warfen sie ihn weg, weil er für sie nicht mehr von Nutzen war.

Silvia Cattori: Als ich Herrn Arafat im April 2002 traf, hatte ich das Gefühl, dass er von einer Menge Opportunisten umgeben war. War er nicht das Opfer der schlechten Berater?

Sattar Kassem: Ja, aber er war der Chef, der Mittelpunkt. Er versuchte nie, sich mit ehrlichen Beratern zu umgeben, er zog es vor, mit Ganoven zu leben. Dubiose Personen geben immer zweifelhaften Rat. Ich habe sogar eine persönliche Definition dafür: "Arafatismus" und ich verbreite sie international. Der Fachausdruck "Arafatismus" wurde speziell entworfen, um die Verhaltensweise Arafats einzustufen, die auf Anwendung von Korruption beruht als Mittel, um die Palästinenser in die Knie zu zwingen.

Silvia Cattori: Aber in den Augen der Solidaritätbewegung zum Beispiel, oder des Schriftstellers Uri Avnery, für den er ein persönlicher Freund war, war Herr Arafat ein großartiger Mann, der in einer sehr frugalen Weise lebte. Der "Partner, um eine neue Hoffnung zu errichten."

Sattar Kassem: Das ist zutreffend; er lebte ein sehr einfaches Leben. Aber ich glaube, dass Arafats Mission den Israelis und nicht den Palästinensern diente. Sein Leben war sehr einfach, aber seine Mitarbeiter waren sehr reich; einige von ihnen lebten auf Dauer in 5-Sterne-Hotels und fuhren nach Monte Carlo und Las Vegas. Sie wissen selbst, wie schwierig das Leben in Palästina ist. Ich lade die Leute ein, die Arafat unterstützten und glaubten, dass er ehrlich zu den Palästinensern war, über seine politischen Richtlinien öffentlich zu diskutieren. Ich bin dazu bereit.

Silvia Cattori: Aber wie kann man glauben, dass es Herrn Arafats Aufgabe war, das zu tun, was die Israelis wollten.

Sattar Kassem: Für mich zumindest stellte sich heraus, dass alle meine Erwartungen Arafat betreffend zutreffend waren. Ich bin überzeugt von dem, was ich sage. Zum Beispiel schrieb ich 1979, dass die PLO im Begriff war, Israel anzuerkennen. Zu dieser Zeit glaubten mir die Leute nicht und fingen an zu sagen, ich sei ein Spion, weil ich Zweifel an Arafat schürte. Als 1994 Arafat nach Palästina kam, um sich hier niederzulassen, habe ich geschrieben, dass er die gleichen Sachen machen würde, die er gewohnt war im Libanon zu tun; dass er Bordelle eröffnen und die palästinensische, ethische und soziale Struktur beschädigen würde und dass er in puncto Sicherheit mit den Israelis kollaborieren würde. Leider war alles, was ich schrieb, zutreffend. Ich sprach all das frei vor der Regierung aus: Deshalb wurde auf mich geschossen.

Silvia Cattori: Was meinen Sie genau, wenn Sie von der "palästinensischen, ethischen und sozialen Struktur" sprechen?

Sattar Kassem: Alle Völker sollten mit einem Ehrenkodex leben, der dazu führt, andere zu respektieren und mit ihnen zusammenzuleben. Wenn der Ehrenkodex abwesend ist, dann wird jeder der Feind von jedem. Wie können wir zusammen leben, wenn es keine Moral gibt? So war es während der Zeit Arafats. All die schlechten Leute und Ganoven wurden stark und all die Guten blieben zu Hause. Zu Arafats Zeit etablierte sich ein System von schlechten Werten, die dazu führten, dass der Respekt zwischen den Leuten schwand.

Silvia Cattori: Trotz all dem scheint es, dass es den PLO-Führern gelang, die Sympathie der Linken auf der ganzen Welt zu gewinnen. Bis zum heutigen Tag betrachten die meisten linksgerichteten Parteien Arafat und die PLO-Vertreter als revolutionäre Führer, sie unterstützen sie weiterhin und misstrauen den Hamas-Behörden.

Sattar Kassem: Generell gesehen wurde Arafat damit betraut, dieses Image wiederzugeben. Aber er war überhaupt nicht ehrlich. Selbstverständlich war Arafat nicht der einzige Führer in Palästina. Es gab auch linksgerichtete Führer wie George Habasch zum Beispiel, den Führer der Palästinensischen Volksbefreiungsfront (FPLP) oder Nayef Hawathme, welcher der Führer der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) ist. Arafat und seine Mitarbeiter - obgleich sie vorher wussten, dass die internationale Gemeinschaft nicht im Begriff war, Palästina zu befreien - gaben dieses falsche Image ab, als ob sie wirklich mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft für Palästina arbeiten würden. Die Führer Palästinas und die arabischen Führer im Allgemeinen sorgen dafür, der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, wie sie sich für ihr Volk interessieren. In Wirklichkeit sind sie die treuen Verbündeten Israels.

Silvia Cattori: Wenn, wie Sie sagen, die PLO-Vertreter schädlich für die Interessen der Palästinenser sind, warum beruft die Hamas-Regierung sie nicht ab?

Sattar Kassem: Von dem Zeitpunkt an, an dem Hamas die Wahlen gewonnen hat, fingen die Fatah-Führer mit Unterstützung ihrer Vertreter im Ausland damit an, unermüdlich gegen die neue Regierung zu arbeiten. Sie kooperierten mit den Vereinigten Staaten, Israel und arabischen Ländern - besonders Ägypten und Jordanien -, um die Hamas-Regierung zu stürzen. Selbstverständlich gehört das zur Hinterlassenschaft von Arafat. Sie arbeiteten unermüdlich, um Hamas die Machtbefugnis zu rauben und um die Regierung zu stürzen. Deshalb konzentrieren sie sich erst seit dem Wahlerfolg der Hamas auf die PLO: Die PLO wurde von Arafat und seinen Mitarbeitern ignoriert, - denn die PLO interessierte sie nicht - und für die Palästinensische National-Charta hatten sie auch kein Interesse. Als sie den Oslo-Vertrag trotz der Tatsache unterzeichneten, dass diese Vereinbarung der Palästinensische National-Charta widersprach, interessierte es keinen von ihnen. Sie interessieren sich jetzt dafür, denn sie wollen Hamas die Machtbefugnis aberkennen. Das gehört zu der Verschwörung. Es ist eine internationale Verschwörung.

Silvia Cattori: Wollen Sie damit sagen, dass die PLO-Vertreter eine Rolle in der Verschwörung gegen Hamas spielen?

Sattar Kassem: Ja.

Silvia Cattori: Betrachten Sie Frau Leila Shahid - die seit mehr als zwanzig Jahren die PLO-Vertreterin in Frankreich ist und die vor kurzem von Herrn Abou Mazen an die Europäische Union nominiert wurde, als Teil dessen, was Sie eine "Verschwörung" nennen?

Sattar Kassem: Alle diese Vertreter kooperieren mit den europäischen Staaten, den Vereinigten Staaten und Israel gegen unsere wirklichen Staatsinteressen. Persönlich glaube ich, dass Leila Shahid zu Arafats Kamarilla gehört. Für mich als Palästinenser ist Leila Shahid keine zuverlässige Person. Ich vertraue ihr nicht. Wenn ich eine Verantwortung in der Palästinensischen Autonomiebehörde hätte, würde ich sie entlassen, denn was sie außerhalb Palästinas seit all den langen Jahren redet, ist eine Art Kapitulationserklärung und das wird den Palästinensern keinen gerechten Frieden bringen. Wir wollen Frieden. Aber der Frieden, an den wir glauben, ist ein Frieden, der den Palästinenserflüchtlingen das Recht gibt, nach Palästina zurückzukehren. Ansonsten haben wir nichts zu verhandeln, auch wenn sie das Gegenteil sagt. Alle Palästinenser, die am Oslo-Vertrag beteiligt sind, werden von uns nicht anerkannt, sie gehören zu Arafats Taktiken, zur Korruption und kollaborieren mit den Israelis. Natürlich werden Leute sagen, dass sie uns einige Sympathisanten eingebracht haben, aber auch wir sind dazu fähig: Wir können sowohl Sympathisanten gewinnen als auch unsere Situation erklären, jeder kann die Schwierigkeiten und das Elend, dem die Palästinenser seit Jahren ausgesetzt sind, erklären. Was die Linken und die Rechten anbetrifft, können wir auch mit ihnen reden und versuchen sie von unserer wirklichen Zielsetzung zu überzeugen. Es reicht nicht aus, einige Anhänger in Europa zu gewinnen. Leila Shahid und alle anderen, die ihr folgen, tragen zur Liquidierung der Palästinensischen Sache bei. Deshalb unterstützen die meisten Palästinenser heute Hamas.

Silvia Cattori: Haben Sie für Hamas gewählt?

Sattar Kassem: Ja. Ich wählte Hamas. Warum? Weil wir die Palästinensische Sache wieder zurückgewinnen wollen, weil wir unsere gerechte Sache am Leben halten sollten. Die Palästinensische Sache ist nicht die Etablierung der so genannten "Palästinensischen Autonomiebehörde"; dafür interessieren wir uns nicht. Wir interessieren uns für die Rückkehr von fünf Millionen Flüchtlingen, die seit mehr als sechzig Jahren leiden und die unter sehr schwierigen und furchtbaren Bedingungen in den Flüchtlinglagern leben. Das ist unser Interesse. Arafat und Fatah und alle diese PLO-Leute, die vortäuschen uns zu vertreten, haben außerdem auch gegen andere arabische Länder wie Syrien und den Libanon konspiriert. Sie halfen Israel und den Vereinigten Staaten in der Propaganda. Sie waren auch gegen Iran, obgleich Iran den Palästinensern so viel Hilfe leistete. Lasst uns erneut über die finanziellen Hilfsmittel reden, die wir von Europa erhalten sollten, worauf diese Leute beharren, aber das ist reine Spekulation. Wie können ich und mein Bissen Brot von Europäern abhängig sein? Denn jederzeit, wenn sie auf mich wütend sein werden, sagen sie: O.K. ich drehe den Hahn zu und genau so geschah es auch. Obwohl die europäischen Staaten auf Demokratie bestehen, hat es nicht den Anschein, dass sie die Demokratie verteidigen. Sie wollen für uns keine Demokratie, sondern sie wollen eine Demokratie, die maßgeschneidert für ihre eigenen Interessen handelt. Wenn wir überleben wollen, müssen wir von uns selbst abhängig sein. Außerdem, ist es unter Besatzung die Verantwortung von Israel, genügend Nahrung zur Verfügung zu stellen und die Gehälter für ein Volk unter Besatzung zu gewährleisten. Das ist das internationale Gesetz. Wenn man Hilfe und finanzielle Unterstützung benötigt, sollte man sie zudem von Freunden erhalten und nicht von denen, die Israel unterstützen.

Silvia Cattori: Wer sind diese Freunde?

Sattar Kassem: Wir könnten sie zum Beispiel von Malaysia bekommen, vom Iran. Ich war Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2005, ich erklärte dem Volk: Wenn ich gewählt werde, werde ich keinen Cent von denen nehmen, die nicht unsere Freunde sind, denn sie können uns jederzeit bedrohen. Ich möchte sicher sein, morgen etwas Nahrung zu haben.

Silvia Cattori: Sind die Leute, die die Nachfolge von Herrn Arafat angetreten haben, besser?

Sattar Kassem: Abou Mazen ist eine sehr unfähige Person und er hat keine Zukunftvision. Alle Palästinenser kennen ihn. Ich persönlich kenne Abou Mazen seit mehr als dreißig Jahren und ich weiß, dass er immer gegen den Widerstand gewesen ist. Deshalb hat Arafat ihn dort hingestellt, bis die Zeit gekommen war.

Silvia Cattori: Ist er Ihrer Meinung nach ein ehrlicher Mann?

Sattar Kassem: Ich glaube, er ist besser als Arafat; aber er ist sehr unfähig. Er ist ein Werkzeug. Die Fatah-Leute unterstützten ihn, damit sie an der Macht bleiben, besonders seitdem sie herausfanden, dass er unbedeutend ist.

Silvia Cattori: War er nicht der Mann, den Israel und die Vereinigten Staaten von 2003 an förderten?

Sattar Kassem: Er wurde von Israel ausgesucht, aber alle diese einflussreichen Leute der Fatah sind Männer von Israel und den Vereinigten Staaten. Diese Drei haben ihn erwählt, aber diese Person ist sehr unbedeutend und nicht kompetent.

Silvia Cattori: Sind die Behörden der Hamas-Regierung kompetenter?

Sattar Kassem: Die Hamas-Regierung hat nichts mit der ehemaligen Fatah-Regierung zu tun. Sie hat noch nicht die Gelegenheit wahrnehmen können, um ihre Kompetenz zu zeigen. Seit Hamas die Parlamentswahlen gewonnen hat entstehen verschiedene Probleme, um diese Regierung zu blockieren und um sie davon abzuhalten, ihren Verpflichtungen nachgehen zu können. Hamas hat also noch nicht die Gelegenheit gehabt, sich zu bewähren und wir können nicht urteilen, wir müssen abwarten. Aber allgemein kann man sagen, dass Hamas nicht in die Offensive ging; sie haben Angst. Was ich mit Offensive meine, bedeutet selbstverständlich nicht, Waffen zu tragen und jeden zu töten.

Silvia Cattori: Wenn Sie an Offensive denken, meinen Sie die gegen die Korruption? Erwarteten Sie, dass die Hamas-Regierung sofort nach Amtsantritt Akten anlegen würde, um die korrupten Politiker festzunehmen?

Sattar Kassem: Ja. Die neuen Behörden sollten die Akten der Korruption mindestens öffnen. Aber sie taten es nicht. Sie redeten noch nicht einmal darüber. Sie haben Angst. Die neue Regierung hätte all die Autos einziehen sollen, die Arafat an seine eigenen Leute verteilte und sollten sie verkaufen und dieses Geld benutzen, um einige Gehälter der Angestellten zu zahlen, die seit Monaten ohne Einkommen gewesen sind.

Silvia Cattori: Warum zog die Hamas-Regierung diese Autos nicht ein? Haben sie Angst, einen Bürgerkrieg auszulösen?

Sattar Kassem: Wie ich Ihnen schon sagte haben sie eine große Angst. Wenn man sie dazu auffordert, die Situation zu beheben, erklären sie, dass Konfrontation zu einen Bürgerkrieg führt. Das ist keine Entschuldigung, denn wenn sie die Korruptionsakten öffnen würden, würden sie in der Lage sein, alle Fatah-Leute das Land verlassen zu lassen.

Silvia Cattori: Wie könnte die Hamas-Regierung das Risiko einer Konfrontation eingehen, wenn die wirkliche Macht, sowie die Sicherheitsdienste, noch unter dem Befehl von Herrn Abou Mazens sind?

Sattar Kassem: Ich glaube, dass unsere Regierung gute Absichten hat, aber sie können nichts tun, denn was immer sie auch sagen oder unternehmen, sie werden auf internationaler Ebene als "Terroristen" betrachtet. Wenn sie aber die Korruptionakten geöffnet hätten, dann hätten die meisten korrupten Fatah-Führer das Land verlassen. Das wäre kein "Terrorismus", denn es hat mit einem internen Problem zu tun.

Silvia Cattori: Haben Sie Kontakt mit Mitgliedern der Hamas-Regierung?

Sattar Kassem: Ich sehe sie, treffe sie und ich telefoniere mit ihnen in Gaza und hier im Westjordanland.

Silvia Cattori: Die israelischen Beamten haben die Gewohnheit, sie als wilde Leute zu bezeichnen? Wie sind sie denn in Wirklichkeit?

Sattar Kassem: Sie sind nette Leute. Sie sind ehrlich und sie möchten den Palästinenser dienen. Leider stehen ihnen aber viele Hindernisse im Weg und sie werden als "Terroristen" angeklagt, das ist das Problem.

Silvia Cattori: Glauben Sie, dass die Europäische Union den Boykott der Vereinigten Staaten gegen die Hamas-Regierung mit der Absicht unterstützt, den Israelis zum Sieg zu verhelfen, indem sie die Palästinenser zwingen, ihre Rechte aufzugeben? Setzte nicht außerdem Frankreich im Jahre 2004 die Resolution 1559 durch, um die einzige Widerstandskraft zu unterdrücken, die fähig ist, Israel zu zwingen, sich zurückzuziehen?

Sattar Kassem: Ja. Betrachten Sie die Europäer: Sie wollen eine entwaffnete Hamas; sie wollen einen entwaffneten Islamischen Dschihad, sie wollen eine entwaffnete Hizbollah, sie wollen, dass Syrien und Iran entwaffnet werden. Und wer wird die Araber verteidigen? Warum sollte nicht Israel entwaffnet werden? Das ist total unfair, es ist völlig unvernünftig und unannehmbar. Ich möchte mich selbst verteidigen. Wer könnte so verrückt sein und akzeptieren, sich vernichten zu lassen ohne zurückzuschlagen? Wie in aller Welt können sie nur verlangen, Hizbollah zu entwaffnen, während Israel bis an die Zähne bewaffnet wird? Die Europäischen Staaten nehmen zurzeit den israelischen Standpunkt an, sie haben keinen gerechten und ausgeglichenen Standpunkt, sie sind schlichtweg parteiisch. Wenn sie uns entwaffnen wollen, sollten sie auch von Israel fordern, sich zu entwaffnen. Dann gäbe es eine Art Gerechtigkeit.

Silvia Cattori: Die Schweizer Diplomatie finanziert immer noch die Förderung der "Genfer Initiative", die von Herrn Abed Rabbo stammt, eine "Initiative", die die Mehrheit der Palästinenserfraktionen heftig abgelehnt haben.2 Macht es die Palästinenser nicht betroffen, dass Ihre Hoffnungen verweigert werden?

Sattar Kassem: Ich glaube, dass diese Schweizer Initiative nicht die Palästinenser vertritt sondern Einzelpersonnen, die mit Israel und USA kompromittiert sind. Die westlichen Machthaber glauben, dass es eine Art Demokratie gibt, die für ihre eigenen Interessen und die Interessen des liberalen Neokapitalismus maßgeschneidert ist. Wenn man davon abweicht, dann ist es keine Demokratie. Das ist unzumutbar. Wie Sie wissen, denken sie, dass sie es mit unreifen und halbwüchsigen Menschen zu tun haben. Nein, wir sind mündig, wir haben unsere eigenen Gelehrten, unsere eigenen Intellektuellen, wir können Tatsachen analysieren und sie auf richtige Art und Weise lesen. Was diejenigen Palästinenser machen, die mit Israel, den europäischen Ländern und den Amerikanern kollaborieren, um Hamas zum Stillstand zu bringen, das ist Verrat. Wie können solche Leute wie Rabbo gegen Hamas hetzen, indem sie sagen: "Wenn ihr nicht die Genfer Initiative unterstützt, wenn ihr diejenigen nicht unterstützt, die sie fördern, dann werden die Hamas-Extremisten an die Macht kommen"?

Silvia Cattori: Aber jetzt ist doch die Hamas-Regierung an der Macht. Warum verurteilte Hamas nicht die Haltung jener Leute, die weiterhin in Verachtung der Demokratie an den Maskeraden teilnehmen?

Sattar Kassem: Hamas hat nicht die Macht. Hamas hat bis jetzt nicht die Macht. Alle Sicherheitsdienste sind unter der Führung von Abu Mazen und seit den Wahlen hat Fatah Hamas so viele Schwierigkeiten gemacht, dass sie keine Zeit hatten, zu planen und nachzudenken. Fatah beschäftigt Hamas mit täglichen Problemen, außerdem hat Abu Mazen alle Sicherheitsdienste monopolisiert; von wem hängen sie also ab? Fatah hat so ein reales Problem produziert, nicht nur für Hamas, sondern auch für das Volk. Zum Beispiel, wenn Sie jetzt in die Stadt gehen, werden Sie bewaffnete Leute sehen. Wer sind sie? Das sind Leute von Fatah: Sie sind bewaffnet, sie fügen dem Volk Schaden zu, sie stehlen, bedrohen, erpressen das Volk, und manchmal töten sie. Ich wurde von diesen Leuten 1995 angeschossen.

Silvia Cattori: Tun sie immer noch das Gleiche?

Sattar Kassem: Ja, sicher tun sie noch das Gleiche. Sie wurden von Yasser Arafat versorgt und finanziert und viele von ihnen gehören jetzt zu den Sicherheitsdiensten. Sicherheitsdienste sollten die Sicherheit des Volkes wahren und überwachen, stattdessen bedrohen sie die Sicherheit des Volkes.

Silvia Cattori: Das bedeutet also, dass unter Herrn Arafats Macht, so wie zuvor, das Volk Angst hat, weil die Fatah-Leute noch einflussreich sind?

Sattar Kassem: Ja. Wir haben Angst vor den Israelis und vor den Fatah-Leuten. Beide bedrohen unsere Sicherheit.

Silvia Cattori: Fassen wir zusammen: Es sind zwei Parteien, die Seite der Fatah, die dafür kämpft, nicht ihre Macht zu verlieren und auf der anderen Seite Hamas, die die Interessen des Volkes verteidigen möchte, aber machtlos ist?

Sattar Kassem: Ja, das stimmt, aber die Partei von denen, die gegen unsere eigenen Leute sind, ist sehr mächtig, da sie von Israel, von den Vereinigten Staaten und von den europäischen Ländern unterstützt werden. Herr Bush sagte öffentlich: "Wir unterstützen Abu Mazen finanziell und militärisch". Sie liefern ihm Waffen. Waffen, die gegen wen verwendet werden? Gegen Israelis? Nein, natürlich nicht, sondern selbstverständlich gegen Hamas!

Silvia Cattori: Heißt das, wenn Herr Abu Mazen und die PLO-Vertreter die neue Hamas-Regierung aufrufen, das Resultat der Vereinbarungen, die mit Israel verhandelt wurden, zu respektieren, sie es deswegen machen, um ihre erhaltenen Privilegien zu bewahren?

Sattar Kassem: Ja. Sie wollen, dass Hamas den Oslo-Vertrag akzeptiert, damit sie ihre persönlichen Interessen und Privilegien bewahren. Die Europäer und die Israelis benötigten Befürworter für den Oslo-Vertrag. Deshalb unterstützten sie die Korruption, die von Arafat im Westjordanland und im Gazastreifen etabliert wurde. Für die Vereinigten Staaten, Israel und die europäischen Länder war die Korruption ein Instrument, um Befürworter zu bekommen. Von dem europäischen Geld wurde so viel für die korrupten Leute vergeudet. Palästinenser glauben nicht, dass die Verhandlungen für sie produktiv gewesen sind, im Gegenteil. Deshalb wollen sie keine Verhandlungen mehr.

Silvia Cattori: Glauben Sie, dass die Europäische Union seine Strategie ändern und die Legitimität der Hamas anerkennen wird?

Sattar Kassem: Nein. Die europäischen Länder werden nie Hamas anerkennen, nie! Die europäischen Staaten sind Instrumente in den Händen der Israelis und der Amerikaner. Sie sind nicht unabhängig. Sie sind nicht vereint. Wenn Hizbollah den Krieg gewinnt, wird sich die Bewegung innerhalb der arabischen Länder ausbreiten.

Silvia Cattori: Worin liegt der Unterschied zwischen Hamas und Hizbollah?

Sattar Kassem: Hamas hat weder eine starke Organisation, noch Waffen, noch Training, und Hamas ist unter Besatzung. Palästinenser leiden, aber sie werden den Kampf ohnehin fortsetzen. Sie werden sich nie ergeben. Was Hizbollah betrifft, wird Israel nicht fähig sein, sie zu entwaffnen oder sie stillzulegen. Hizbollah wird stark bleiben. Aber was jetzt für den Libanon wichtig ist, ist, dass die Menschheit wissen sollte, wie entsetzlich Israel sich gegen dieses Land aufführt, sowie gegen Palästina. In Wirklichkeit zerstört Israel nicht Hizbollah. Israel schädigt die libanesische Zivilbevölkerung. Der Angriff auf den Libanon war überdimensional, aber Israel traf die Zivilisten und nicht Hizbollah. Tausende von Zivilisten sind getötet und verletzt worden, zigtausend Häuser, sowie Brücken, Fabriken, Generatoren sind zerstört worden. Die Menschen müssen über die Mentalität der Israelis Bescheid wissen und über deren zerstörende Handlungsweise. Deshalb glaube ich, dass wir aus der Palästinensischen Sache eine arabische und islamische Sache machen müssen. Hizbollah hat eine ausgezeichnete Organisation, eine gute Verwaltung, ein gutes Konfliktmanagement. Israel versuchte mehrmals Angriffe gegen Hizbollah in Gang zu setzen, dieses ist nicht der erste Angriff. Jedes Mal erweist sich Hizbollah als der Sieger. Das Problem für uns ist, den Europäern und den Amerikanern begreiflich zu machen, dass wir Recht auf Widerstand haben, er aber unmöglich ist, da wir nicht stark genug sind. Solange wir nicht stark genug sind, können wir niemanden überzeugen.

Silvia Cattori: Sie kommen zur gleichen Schlussforderung wie der libanesische Politikanalytiker Youssef Aschkar3, der glaubt dass der so genannte "Krieg gegen den Terrorismus" ein Krieg gegen Gesellschaften und gegen Gemeinschaften ist, ein Krieg, der zynisch entworfen wurde, um ganze Länder und Völker zu zerstören. Und dass die Letzteren nicht mehr von ihren Regierungen geschützt werden?

Sattar Kassem: Ja, das ist leider richtig. Es ist nicht ein Krieg gegen "Terrorismus", wie es Bush und Blair sagen, sondern es ist ein Krieg gegen uns alle.

Deutsche Übersetzung: Monica Hostettler & Anis Hamadeh

Französische Version: www.ism-suisse.org/news/article.php?id=5456&type=analyse&lesujet=Interviews

Englische Version: http://signs-of-the-times.org/signs/editorials/signs20060912_22Palestinianswillneversurrender22.php

Spanische Version: http://www.rebelion.org/noticia.php?id=37515


Fußnoten: 1: Es geht hier um den "Aufruf der 20", der von Mitgliedern des Legislativrates verfasst wurde: unter ihnen Hussam Khader, der von Israel im Jahre 2003 entführt wurde und der seitdem inhaftiert ist. Dieser Aufruf prangerte die Zugeständnisse von Herrn Arafat mit dem israelischen Besatzer an, die Korruption und die Schwierigkeiten, die der Oslo-Vertrag generiert hat. (zurück)
2: Die "Initiative von Genf", die in Genf im Dezember 2003 unterzeichnet wurde, ist das Resultat von Verhandlungen, die zwei Jahre gedauert haben. Diese "Initiative" scheint noch ungerechter und nachteiliger für die Palästinenser zu sein als der Oslo-Vertrag. Der Israeli Yossi Beilin und der Palästinenser Abed Rabbo waren die wichtigsten Unterhändler, an der Seite vom pro-israelischen Alexis Keller, der von der Schweiz beauftragt war, diese Initiative zu führen. (zurück)
3: http://www.voltairenet.org/article136760.html (zurück)
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