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- Atomkrieg ohne Atompilz. Willige Vollstrecker oder Aufstand der Anständigen? , 08/2006

Atomkrieg ohne Atompilz.
Willige Vollstrecker oder Aufstand der Anständigen?

von Sabine Schiffer, 15.08.2006

Über die Bezeichnung "Friedenskanzler" für Gerhard Schröder" kann man streiten. Über eine ähnliche Bezeichnung für Angela Merkel nicht. Seit ihrem Machtantritt in Deutschland weht ein anderer Wind, der sich im aktuellen Libanonkrieg direkt und vernichtend niederschlägt. Über die Solidaritätsgefühle zu Israel ist man plötzlich zum Befürworter für Krieg geworden.

Mit ein bisschen Protest hier und ein bisschen Friedensdemo dort ist es nun nicht mehr getan, um die Empörung über den Verrat an unserer Idee von einem friedlichen Zusammenleben zum Ausdruck zu bringen. Offensichtlich haben wir alle unserem Wunsch nach Frieden nicht wirklich Nachdruck verliehen - die letzten Jahre und Jahrzehnte nicht und aktuell schon gleich gar nicht, denn während wir mit Diskussionen über Werte (sic!) und kulturelle Differenzen abgelenkt werden, wurden und werden Waffen von der menschenverachtendsten und -vernichtendsten Art stetig weiter entwickelt. Während man uns - mit dem Blick auf Iran - vor noch nicht entwickelten Atomwaffen warnt, ist der Atomkrieg - angeblich in unserem Interesse geführt - seit Jahren bereits in vollem Gange.

Die Folge ist, dass die Verseuchung der Erde mit abgereichertem Uran zunimmt - in Ex-Jugoslawien, Irak und Afghanistan geben die Missbildungen an Säuglingen und der natürlich nicht vorkommende Mehrfachkrebs als zunehmende Diagnose bei Erwachsenen und Kindern sowie ehemaligen Soldaten einen Vorgeschmack auf das, was uns weltweit erwartet. Derlei Munition - einst in Deutschland entwickelt - nun im Libanon einzusetzen, zeugt von der Verblendung der Täter, die nicht kapieren wollen, dass sie nicht nur den Gegner, sondern sich selbst gleich mit ausrotten. Teile Jugoslawiens, Irak und Afghanistan gelten in Fachkreisen bereits jetzt als unbewohnbar - die verbleibenden Menschen dort sterben wie die Fliegen. Auch der Truppenübungsplatz im fränkischen Grafenwöhr ist im Verdacht für gesteigerte Krebsraten in der Umgebung verantwortlich zu sein. Auch hier werden nach wie vor Informationen über die eingesetzte Munition zurückgehalten, die notwendige Bündelung von Daten verhindert. Prof. Siegwart-Horst Günther vom Gelben Kreuz International trägt derlei Beobachtungen seit Jahren zusammen. Dr. Doug Rokke, ehemaliger Zuständiger des U.S. Army Depleted Uranium Project kommt zu den gleichen Ergebnissen. Es gibt Aufrufe zur Ächtung dieser Waffen von Ärzte gegen Atomkraft und der Internationalen Koalition für ein Verbot von Atomwaffen (ICBUW) uvm.

Wie kommt es, dass wir angesichts der Bedrohung einfach zusehen? Ist es die bereits eingetretene Gewöhnung an den Krieg, die uns abstumpfen lässt? Vielleicht, weil wir ihn weit weg wähnen? Welch ein Irrtum. 2003 wurden in Großbritannien enorm erhöhte radioaktive Werte gemessen. In Irak hat man zu der Zeit tonnenweise Uranmunition ausgebracht. Ob als Blindgänger schlummernd in der Erde oder durch die Explosion beim "bunkerbrechenden" Aufschlag zu Uranoxid verdampft, es verstrahlt die Erde wie die Menschen - Zivilbevölkerung wie Soldaten - und hat eine Halbwertzeit von 4 ½ Mrd. von Jahren. Die entstehenden Nanopartikel sind durch nichts filterbar, auch nicht durch Schutzanzüge oder Gasmasken. Einmal in die Atmosphäre ausgebracht, verändern sie Zellen von Pflanzen, Tieren und Menschen, schädigen das Erbgut auf immer - und überall. Diese Fakten kaum ertragen zu können, darf nicht zu einem Wegsehen führen. Dies kommt lediglich Desinformationskampagnen vonseiten neokonservativer Kreise in den USA und ihrer Verbündeten weltweit zu pass. Die Friedensbewegung in den USA fühlt sich von Europa im Stich gelassen und die Bundesregierung hat daran einen unrühmlichen Anteil. Der Schulterschluss mit George W. Bush bedeutet Krieg, und dieser wird schon seit Jahren mit unerlaubten Waffen geführt.

Massiven Interessen im Energie- und Politsektor werden Menschen geopfert - egal ob Israeli oder Palästinenser, amerikanischer Soldat oder iranischer Despot. Als lange trainiertes Medienpublikum haben wir uns auf das unbeteiligte Zusehen verlegt und treten nicht zum Schutz für uns und unsere Nachfahren ein. Nicht lange nach dem Schock über die nationalsozialistische Diktatur und das Mitläufertum in Deutschland müssen wir feststellen, dass wir zum großen Teil wieder schweigen. Wir brauchen die ältere Generation nicht mehr zu fragen: "Warum habt Ihr nichts dagegen getan?" Wir können es hier und jetzt aktuell erfahren, wie es kommt, dass man durch Schweigen einer Entwicklung zustimmt, für die man schließlich mit verantwortlich ist im Informationszeitalter medialer Demokratie. Solange wir uns noch frei äußern können, haben wir die Pflicht, dieses zu tun und von unserer Regierung menschenwürdige Volksvertretung zu verlangen oder sie abzusetzen. Die demokratischen Möglichkeiten werden jedoch kontinuierlich eingeschränkt, und auch dies lassen wir geschehen. Welche Sicherheit vor zellzerstörenden radioaktiven Nanopartikeln soll uns aber der Einsatz der Bundeswehr im Inland oder der große Lauschangriff geben? Einsichten in die Wirkung von Dauerniedrigstrahlung haben wir mindestens seit den Atombombenversuchen in Polynesien.

Neben Mitläufern aus Unwissenheit scheint es auch einige Mittäter aus Gleichgültigkeit oder kurzsichtiger Profitgier zu geben - oder aus falsch verstandener Solidarität, der gerade wieder einige Israelis aufsitzen. Natürlich wird man zunächst und gerne die Übeltäter aus Überzeugung verurteilen - zur Entlastung seiner selbst. Aber auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Die Strafe wird für viele von uns die Todesstrafe sein - das Urteil lassen wir gerade sprechen, statt die wirklichen Verbrecher an der Menschheit vor Gericht zu zerren und diese alles vernichtende Kriegsführung mit Langzeiteffekt zu stoppen. Es herrscht eine Tendenz zum Global War vor - zur Macht- und Ressourcensicherung und als Ablenkungsstrategie vom wirtschaftlichen Weltmachtstreben, so kurzsichtig es auch ist - vorbei an nationalen, religiösen und ethnischen Grenzen. Bombennutzung sichert weiteren Absatz. Die Nationalität der Macher heißt "Profit" und der Gott der gnadenlosen Kriegstreiber "Geld". Sie sind international organisiert und kennen keine kulturellen Berührungsängste. Dies erklärt auch, warum sich Waffenverkäufe nicht auf den "Freund" beschränken - auch beim "Feind" macht man Geschäfte. Angesichts der Erkenntnis, dass die Opfer der perfiden Waffensysteme eh im gleichen Boot der nachhaltigen Verseuchung sitzen, erhält der Zynismus des Gegeneinanderaufhetzens noch eine ganz eigene Qualität. Business as usual: Militärausrüstung steigert den Umsatz - auch bei uns in Deutschland. Börsenkurse steigen und fallen und schütten für die kalkulierenden Macher ihre Gewinne aus. Übrigens, der Uranpreis steigt auf Grund der erhöhten Nachfrage.

Weitere Informationen zum Thema:
www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/DU-Geschosse/reinecke.html
www.zeit-fragen.ch www.newsatelier.de/html/du-munition.html
www.bandepleteduranium.org
www.ippnw.de/Frieden/Uranmunition/?swip=5f71cb37370bd4841c9859f66c80cddc
www.physik.uni-oldenburg.de/Docs/puma/radio/Uran_Munition.html
www.urankonferenz.de
The Israeli Committee for a Middle East Free from Atomic, Biological Chemical Weapons, P.O.Box 16202 Tel Aviv 61161, Israel (Gideon Spiro Tel. +972-(0)3-5238584)

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