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DIANAS ROOM
Und es gibt sie doch?
Zur Rolle der UN im israelisch-libanesischen Krieg 2006

von Diana al-Jumaili, 07. August 2006


Nach Angaben der World Health Organization (WHO) wurden seit dem 12. Juli 2006, dem Beginn des israelisch-libanesischen Krieges, 907 Libanesen ermordet und über 3293 verletzt. Mehr als 913.760 Libanesen wurden vertrieben, darunter schätzungsweise 405.000 Kinder.
1 In der Nacht zum 4. August 2006 hat Israel die letzten Verbindungswege zwischen Syrien und dem Libanon zerbombt. Hilfsorganisationen suchen verzweifelt nach Wegen, dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente zu den von der Außenwelt Abgeschnittenen vor allem im Süden Libanons zu bringen. Tausende Familien verfügen bei über 30 Grad Celsius nicht über Trinkwasser. Die Treibstoffvorräte gehen zur Neige; vor den Tankstellen bilden sich lange Schlangen.
Israels berichtet von 36 ermordeten Zivilisten und 58 toten Soldaten.2
In den besetzten Gebieten Palästinas kämpfen 1,4 Mio. Menschen, die Hälfte davon Kinder, bei katastrophalen humanitären Bedingungen ums Überleben. Seit dem 28. Juni wurden 175 Palästinenser ermordet, darunter wahrscheinlich 40 Kinder und acht Frauen. Allein im Gaza-Streifen wurden 620 Menschen verletzt.3

Doch es sterben nicht nur Menschen, sondern auch Hoffnungen.

Jan Egeland4 drückt es am 28. Juli 2006 so aus:

"The Middle East is at a crossroads. My fear is that more violence, more missiles, more terror, and more destruction creates more anger, more hatred, and more disillusioned youths, and ultimately leads to less security throughout the region. Civilians on all sides are the losers of this endless cycle of violence."5
Doch in diesem endlosen Kreislauf der Gewalt verlieren auch immer mehr die Vereinten Nationen. Schon oft hat die UN in Krisensituationen versagt. Aber nur selten wurde sie von einer Kriegspartei so demontiert, wie derzeit von Israel, unterstützt durch die USA.

Israel hat die Vereinten Nationen schon lange nicht mehr ernst genommen: Sechsundvierzig Empfehlungen der Generalversammlung und anderer Organisationen der UN hat Israel ignoriert. Vierzig Resolutionen, die Israels Verhalten verurteilen sollten, sind am Veto der USA gescheitert.6 In den arabischen Staaten sind die Vereinten Nationen aufgrund der doppelten Standards, mit denen man sie und Israel behandelt und die Resolutionen gegen die einzelnen Länder durchsetzt, zumindest umstritten.

Angesichts der aktuellen massiven Gewalt, den Ermordungen, den Vertreibungen und der Zerstörung jeder Infrastruktur im Libanon wirkt die UN nicht nur hilflos - sie ist selbst Angriffen hilflos ausgesetzt. Die Vereinten Nationen handeln nicht mehr, sie sind nur noch "tief erschüttert". Egal, wie viele Appelle der Generalsekretär und andere Persönlichkeiten der UN an den Sicherheitsrat, an die Staatengemeinschaft, an die Welt richten: Vetos, taube Ohren, blinde Augen lassen den Horror geschehen, der sich zynisch Selbstverteidigung nennt. So müssen wir nicht nur humanitäre und ökologische Katastrophen gegenwärtigen, sondern auch die Beerdigung einer Organisation, die einst angetreten war,

"den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen" (Art. 1 Nr. 1 der UN-Charta)

und so "künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die ... unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat" (Präambel zur UN-Charta).
Zur Unterstützung dieser Thesen werden nachfolgend einige Ereignisse des israelisch-libanesischen Krieges dokumentiert:

Dienstag, den 18. Juli 2006 UN-Generalsekretär Kofi Annan trifft in Brüssel den EU-Kommissionspräsidenten José Barroso, um die Lage im Nahen Osten, insbesondere den israelisch-libanesischen Krieg zu diskutieren. Annan fordert ein schnelles Handeln der Europäer. Er schlägt vor, den Einsatz der UN-Stabilisierungstruppe als Puffer zwischen Israel und Libanon auszuweiten. Laut Barroso haben bereits mehrere EU-Staaten ihre Bereitschaft erklärt, Soldaten zur Stabilisierung der Lage im Nahen Osten zu entsenden. Die Stabilisierungstruppe solle "deutlich größer" sein als die derzeitige Beobachtermission UNIFIL7 mit ca. 2000 Soldaten.

"Let me say that the force will be larger the way I see it. Obviously it's a Council decision. It will be much larger than the 2, 000 man force we have there. They will have a different concept of operation and hopefully a different mandate from the Security Council that will allow them to operate in the south and help stabilize the situation whilst it gives the government of Lebanon time to organize itself and organize and prepare ... eventually, extend its authority throughout the territory including the south, and then give also time for them to sort out the question of the disarmament of the militia."8
Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, weist die Pläne von UN-Generalsekretär Kofi Annan zu einer UN-Friedenstruppe in Nahost zurück. Schon am Montag kündigte Ministerpräsident Ehud Olmert eine Fortsetzung der Kämpfe im Libanon an. Israel werde nicht ruhen, bis die Hisbollah-Miliz keine Bedrohung mehr für sein Land sei, sagte Olmert im israelischen Parlament. Die Offensive im Libanon sei ein "Akt der Selbstverteidigung in seiner wesentlichsten Natur". Er werde "niemals sein Einverständnis dazu geben, im Schatten der auf seine Bürger gerichteten Raketen zu leben".9

Eine Woche später: Dienstag, den 25. Juli 2006

Vorher:



UN patrol base in El- Khiam, East of South Lebanon, which received a direct areal bomb hit from IDF where four UN Observers lost their life. Southern Lebanon, July 2006. UN Photo10
Nachher:


UN patrol base in El- Khiam, East of South Lebanon, which received a direct areal bomb hit from IDF where four UN Observers lost their life. Southern Lebanon, 27 July 2006. UN Photo11


Während deutsche Politiker noch darüber debattieren, ob eine Teilnahme deutscher Soldaten an der vorgeschlagenen UN-Stabilisierungstruppe im Hinblick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts opportun ist, greifen israelische Jets sechs Stunden lang einen Stützpunkt der UNIFIL im südöstlichen Khiam an. Nach eigenen Aussagen haben die Blauhelmsoldaten den Israelis zehn Mal gefunkt, sie sollten mit ihren Attacken aufhören. Bei dem "offenbar absichtlichen Angriff" (Annan) wurden die vier Militärbeobachter der UNTSO12 Du Zhaoyu, Paeta Hess-Von Kruedener, Hans-Peter Lang und Jarno Makinen ermordet.

Der Nachrichtensender CNN berichtet:

"The timeline provided CNN by a U.N. officer in Lebanon showed the first bomb exploded about 200 yards from the U.N. outpost at 1:20 p.m. Tuesday, prompting the first call by the UNIFIL observers to their designated contact with the Israeli military. The officer said they were assured by the Israeli liaison that he would stop the attacks.

A series of about nine more bombs hit within 100 to 400 yards from the observers over the next several hours, with a call to the Israeli military following each explosion.

The U.N. base at Noqoura lost contact with the outpost at 7:40 p.m., apparently the time of the direct hit, the officer said."13
Annan verurteilt den Angriff scharf:

"I am shocked and deeply distressed by the apparently deliberate targeting by Israeli Defence Forces of a UN Observer post in southern Lebanon that has killed two UN military observers, with two more feared dead.

This coordinated artillery and aerial attack on a long established and clearly marked UN post at Khiyam occurred despite personal assurances given to me by Prime Minister Ehud Olmert that UN positions would be spared Israeli fire. Furthermore, General Alain Pellegrini, the UN Force Commander in south Lebanon, had been in repeated contact with Israeli officers throughout the day on Tuesday, stressing the need to protect that particular UN position from attack.

I call on the Government of Israel to conduct a full investigation into this very disturbing incident and demand that any further attack on UN positions and personnel must stop."14
Auf einer Pressekonferenz am 26. Juli 2006 in Rom erklärt Annan:

"The shelling of the UN position, which is long-established and clearly marked, started in the morning and went on till after 7:00 p.m., when we lost contact."15
Jane Holl Lute, UN Assistant Secretary-General for Peacekeeping Operations, berichtet:

Obwohl das IDF mehrfach aufgefordert wurde, die Angriffe einzustellen, hat Israel diese auch noch während der Rettungsarbeiten fortgesetzt.16
Alvaro de Soto, United Nations Special Coordinator for the Middle East Peace Process, sagt am 30.07.2006 in Jerusalem:

"The men we lost last Tuesday came from different nations, but worked together to carry out the difficult mission entrusted to them by the United Nations. They were also fathers, husbands, sons, brothers, friends and colleagues. They died at their post. All of us, their colleagues, must mourn them deeply, but must also be proud of their example. The United Nations will be forever in their debt...

The men who died on Tuesday at Patrol Base Khiyam were the eyes of the world, reporting in detail about military and militia actions in southern Lebanon, the most dangerous theatre of a conflict that has now engulfed the whole country, as well as a large part of northern Israel."17
Der israelische Botschafter in Deutschland Shimon Stein bedauert auf N24 zwar den Vorfall, zeigt sich jedoch vor allem von Annans Worten betroffen:

"Diese Äußerung ist eine Verleumdung, die wir wirklich nicht akzeptieren können."
Ebenso Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dan Gillerman:

"Ich bin überrascht von dieser voreiligen und falschen Behauptung des Generalsekretärs".18
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora fordert, die UN-Mission nach einem Waffenstillstand zu verstärken und mit einem geänderten Mandat zu versehen, damit diese auch humanitäre Hilfe leisten könne.19

Die UNIFIL weist darauf hin, dass in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 2006 eine UN-Station im Gebiet von Marwahin von einer Granatsalve der Hisbollah beschossen wurde. Es gab keine Verletzte und keine Zerstörungen. Seit Ausbruch der Kriegshandlungen sind nach UNIFIL-Angaben vier Militärbeobachter und ein Angehöriger der internationalen Zivilbediensteten der UNIFIL sowie dessen Ehefrau ermordet worden. Außerdem wurden vier Soldaten aus Ghana, ein Soldat aus Indien und ein Militärbeobachter durch feindliches Feuer verwundet.20

Donnerstag, den 27. Juli 2006 Australien zieht nach dem Angriff auf die UN-Beobachter zwölf seiner Soldaten aus dem unmittelbaren Krisengebiet ab. Nach Ansicht des australischen Verteidigungsministers Brendan Nelson sei es dort zu gefährlich.21

Die Nichtverurteilung Israels auf der Nahost-Konferenz der italienischen Regierung in Rom am Mittwoch interpretiert der israelische Justizminister Haim Ramon als Erlaubnis, die Angriffe auf den Libanon fortzusetzen. Um eigene Verluste bei den Bodentruppen zu verhindern, sollte - so sagt Ramon - die israelische Luftwaffe zunächst die Dörfer im Südlibanon dem Erdboden gleichmachen. Israel habe den Zivilisten im Südlibanon genügend Zeit gegeben, um das Gebiet zu verlassen. Deshalb könne nun jeder, der sich noch in den Dörfern aufhält, als Unterstützer der Hisbollah angesehen werden. Alle, die sich jetzt noch in Südlibanon befinden, sind Terroristen.

"`We received yesterday at the Rome conference permission from the world... to continue the operation,` Israeli Justice Minister Haim Ramon said.

Mr Ramon - a close confidant of Israeli Prime Minister Ehud Olmert - said `everyone understands that a victory for Hezbollah is a victory for world terror`.

He said that in order to prevent casualties among Israeli soldiers battling Hezbollah militants in southern Lebanon, villages should be flattened by the Israeli air force before ground troops moved in.

He added that Israel had given the civilians of southern Lebanon ample time to quit the area and therefore anyone still remaining there could be considered a Hezbollah supporter.

`All those now in south Lebanon are terrorists who are related in some way to Hezbollah,` Mr Ramon said."22
In einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen sagt der Martin van Crefeld, international bekannter Militärhistoriker an der Hebräischen Universität Jerusalem:

"Wir können die Hisbollah nicht auslöschen. Aber wir können ihr schwere Verluste beibringen und libanesisches Territorium einnehmen, um es als Verhandlungsmasse zu nutzen. Nebenbei können wir einigen unserer lieben Nachbarn, etwa Syrien, zeigen, daß es uns nur einige Stunden kostet, ihr Land in eine Ruinenlandschaft zu verwandeln. Ein Sprichwort besagt: `Was man mit Gewalt nicht erreichen kann, erreicht man vielleicht mit etwas mehr Gewalt.`" 23
Freitag, den 28. Juli 2006 UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland fordert von Israel eine 72-stündige Waffenruhe. Diese Zeit sei nötig, um ältere Menschen, Kinder und Verwundete aus dem Krisengebiet zu bergen und die Zivilisten mit dem Nötigsten zu versorgen. Israel lehnt die Waffenruhe ab: sie sei nicht nötig, das eigentliche Problem sei die Hisbollah. Die Hisbollah verhindere die Hilfslieferungen in den Süden Libanons.

Ein Hilfskonvoi aus dem Dorf Rmeisch nach Tyrus wird von einer israelischen Rakete getroffen. Das Geschoss schlug neben dem Wagen der deutschen N24-Reporterin Katrin Sandmann und ihrer Kollegen ein. Zwei arabische Mitarbeiter des Nachrichtenkanals wurden verletzt. Der Konvoi bestand unterschiedlichen Angaben zufolge aus 40 bis 150 Fahrzeugen. Er sollte Kranke und Alte aus dem umkämpften Dorf in Sicherheit bringen.

Eine Verurteilung des israelischen Angriffs auf die UNIFIL-Beobachter durch den UN-Sicherheitsrat als "inakzeptabel" scheitert an den USA. Die Mitglieder des Sicherheitsrates zeigten sich lediglich "tief schockiert und erschüttert". Der israelische UN-Botschafter Gillerman bezeichnete die Erklärung als "sehr ausgewogen und fair". Eine Beteiligung der UN an der Untersuchung des Vorfalls lehnt Gillerman ab.

Aufgrund des fortgesetzten Beschusses sieht die UN sich gezwungen, ihre unbewaffneten Beobachter aus dem unmittelbaren Grenzgebiet zu Israel abzuziehen. Die Beobachter werden im südlibanesischen Naqoura am Mittelmeer stationiert.24

Die Situation erinnert an den Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad am 19. August 2003. Dabei kamen 22 UN-Mitarbeiter und Besucher ums Leben, darunter der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Sergio Vieira de Mello. Erst fünf Tage zuvor, am 14. August, war mit Resolution 1500 des UN-Sicherheitsrates die United Nations Assistance Mission for Iraq (UNAMI) eingerichtet worden. Zwar entschied Annan nach dem Attentat, seine Mitarbeiter zunächst in Bagdad zu belassen. Da sich die Sicherheitslage aber immer weiter verschlechterte, musste im November 2003 das gesamte internationale Personal der UN nach Jordanien verlegt werden.25

Eine junge Irakerin schreibt am 20. August 2003 in ihrem Internetblock:

"Sergio de Mellos Tod ist eine Katastrophe. Wir sind alle ein bisschen benommen. Es schien, als wäre er seit vielen Monaten das Beste gewesen, was dem Irak passierte. Obwohl die Vereinten Nationen den Krieg nicht verhindern konnten, hat die Aussicht auf jemanden wie de Mello den Leuten so etwas wie eine schwache Hoffnung gegeben. Man hatte das Gefühl: Nein, die Amerikaner können in Bagdad nicht Amok laufen, ohne dass die internationale Staatengemeinschaft davon erfährt … Bei uns waren die Vereinten Nationen oder ausländische Botschaften nie das Ziel von Bombenanschlägen, egal wie verfahren die Lage war. Die UNSCOM (Sonderkommission der UN) war hier in der Tat unbeliebt, aber sie stand unter Schutz. Als Besatzungsmacht ist Amerika für die Sicherheit und den Schutz dessen verantwortlich, was von diesem Land noch übrig ist. Es ist verantwortlich für die Sicherheit und den Schutz aller internationalen humanitären Organisationen, die ins Land gekommen sind, um den Menschen zu helfen. Die Amerikaner haben sich auf schreckliche Weise vor dieser Pflicht gedrückt. Jemand wie Sergio de Mello hätte etwas Besseres verdient.
Ich bin entsetzt. Wenn jemand wie de Mello nicht beschützt werden konnte, oder einfach nicht beschützt wurde - was passiert dann mit den Millionen Menschen im Irak, die Schutz brauchen? Wie konnte so etwas zugelassen werden? Irgendein Nachrichtensender hat eben berichtet, Bremer sei beim Erhalt der Nachricht weinend zusammengebrochen. Wieso eigentlich? Es war nicht sein Verlust... verloren hat nur der Irak."26
Wenn nicht einmal UN-Soldaten, die an den Raketenangriffen der Hizbollah auf Israel nun überhaupt keine Schuld tragen, vor Angriffen der israelischen Luftwaffe sicher sind - was passiert dann mit den hunderttausenden anderen Unschuldigen, Kindern, Frauen, Männern, Alten, Kranken im Libanon?

Sonntag, den 30. Juli 2006, gegen 1.00 Uhr nachts im südlibanesischen Dorf Qana In einem primitiven Bunker schlafen 63 Zivilisten, darunter mehr als 27 Kinder. Die anderen sind Frauen, Alte, Behinderte. Bomben reißen sie aus dem Schlaf. Der Bunker wird getroffen. Über 50 Menschen sterben, die meisten davon sind Kinder.27

Im Internetblog Beirut Journal erscheinen folgende Zeilen:

"Qana - Sunday July 30th , 2006 Only to let you know that these are 55 civilians, all killed, 20 of them are kids between 7 months and 12 years old. Only to let you know that a number of these children are handicapped, they were hit in the last Qana massacre in 1996. Only to let you know CNN and BBC are hosting IDF spokespeople who tell the world that these civilians were warned to leave, but they just didn't. Only to let you know the air strikes took place at 1:00 am, all they people were sleeping, in their pyjamas, bare feet, in a shelter. The house was hit twice. Twice. To make sure they will all die. Only to let you know that despite the fact that we're animals, but it would have been impossible for animals to sleep had there been any shelling from anywhere close , as the IDF alleges. Only to let you know you free media won't show you these pictures. Only to let you know that this is not the first time this happens , and I can promise you it won't be the last time. .. H.."28
Die amerikanische Außenministerin Rice hält sich zum Zeitpunkt des Massakers im Libanon auf. Sie wird von der libanesischen Regierung aufgefordert, abzureisen. Regierungschef Sinoria in Beirut: "Es gibt jetzt keinen Raum mehr für Diskussionen, bis es eine sofortige bedingungslose Waffenruhe gibt."29

Voller Wut stürmen hunderte Libanesen das Hauptquartier der UN in Beirut. Fensterscheiben gehen zu Bruch. Auch in Gaza-Stadt stürmen Palästinenser ein Gebäude der UN. Die Hamas kündigt einen verstärkten Widerstand gegen Israel an.

Kofi Annan fordert den UN-Sicherheitsrat auf:

"Action is needed now, before many more children, women and men become casualties of a conflict over which they have no control.

Therefore, I reiterate my call for an immediate cessation of hostilities, to allow desperately needed humanitarian relief to reach the victims. While that is happening, we can work together on the political framework needed for a lasting ceasefire and a sustainable solution: the strengthening of Lebanon's government, the disarming of all militias, and the implementation of all Security Council resolutions, including 1559 and 1680. I will work with you in the development and deployment of a stabilisation force to support the Government of Lebanon in its decision and responsibility to extend its authority throughout the country.

I know there are differences among the Council's members about the precise sequence of actions needed. I beg you to set those differences aside, and come together on the most urgent point - the immediate cessation of hostilities...

Let me conclude, Mr. President, by stating very clearly and briefly that the authority and standing of this Council are at stake. People have noticed its failure to act firmly and quickly during this crisis. Today's events at ESCWA were in part an expression of that frustration. For the sake of the people of the region and of this Organization, I urge you to act, and to act now."30
Eine Verurteilung Israels für das Massaker in Qana scheitert am Veto der USA.

Mittwoch, den 2. August 2006

Ehud Olmert sagt im Interview für die Süddeutsche Zeitung:

"Wir haben nie um eine Waffenruhe gebeten. Wir mögen es zwar nicht, dass jeden Tag 180 Raketen auf unsere Köpfe fallen. Aber die Hisbollah stellt für Israel keine Bedrohung mehr dar. Wir haben nicht um Mitleid und um einen Stopp des Raketen-Beschusses gebeten, sondern gesagt: Zur Hölle mit euch! Wir werden mit den härtesten Maßnahmen auf euch reagieren … Wir kämpfen ohne zu zögern, unerbittlich und mit allen Mitteln. Niemand kann uns stoppen. Wir kämpfen hart und konsequent." 31
Diese Chronik ist nicht vollständig. Sie könnte detaillierter sein und kann fortgesetzt werden. Sie beantwortet nicht, warum Israel, die USA und die westlichen Staaten, die die Vereinten Nationen dominieren, alles unternehmen, um sie zu schwächen. Die Chronik gibt keine Empfehlungen, wie die UN gestärkt werden kann. Dies alles könnten Themen weiterer Artikel sein.

Aber: Eine starke UN, welche die ihr in der Charta gestellten Aufgaben auch erfüllen kann, könnte eine bedeutende Rolle für einen wirklichen Frieden im Nahen Osten spielen. Jede westliche Armee, die auf libanesischem Boden die israelischen Grenzen schützen soll, wird als Besatzungsmacht angesehen und bekämpft werden. Mit noch mehr Gewalt wird Israel nur eine Ruhe an seinen Grenzen erreichen: Friedhofsruhe nach einer weiteren Nakba.32

Jede Form von Gewalt ist ungeeignet, Frieden zu schaffen.

Auf dem Weg zum Frieden braucht die Welt keine UN, die nur empfiehlt und nicht beschließt. Und wenn sie beschließt, dann nur das, was die USA und andere Westmächte mit ihrem Veto nicht verhindern bzw. was sie ihr diktieren. Wenn die UN nur Legitimations- und Vollzugsorgan westlicher Interessen sein soll - dann ist es besser, sie wird zu Grabe getragen.

Vereinte Nationen im Sinne ihrer Charta jedoch, die ihren Auftrag ernst nehmen, sich nicht verhalten, als würden sie Vereinte Staaten von Amerika heißen, und die ohne Ansehen der Macht, die Kriegsverbrechen begeht, und ohne Ansehen der Menschen, die leiden, handeln - diese könnten uns helfen, die Welt tatsächlich friedlicher zugestalten.

Friedlicher wird der Nahe Osten nicht durch weitere Opfer und Gewalt. Der Weg zum Frieden könnte stattdessen mit einem KSZN-Prozess - einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten - beginnen.

Diana Al-Jumaili
Leipzig, den 6. August 2006


1: Report der WHO vom 05.08.2006: http://www.who.int/hac/crises/intam 12. Juli 2006 ernational/middle_east/en/index.html (06.08.2006) sowie Sabine Dolan: Latest violence cuts off most humanitarian access to Lebanon, http://www.unicef.org/emerg/index_35232.html (05.08.2006). Siehe auch: http://www.emro.who.int/eha/lebanon.htm. (zurück)
2: Laut Haaretz vom 06.08.2006: http://www.haaretz.com/hasen/spages/746936.html (06.08.2006), siehe auch: Israelisches Außenministerium, http://www.mfa.gov.il/mfa. Wie viele Menschen aus dem Norden Israels geflohen sind, ist nicht bekannt. UNIFIL schätzt ihre Zahl auf 200.000. (zurück)
3: Siehe: Statement on Gaza by United Nations Humanitarian Agencies working in the occupied Palestinian territory, 3. August 2006, http://www.mfa.gov.il/mfa (05.08.2006). (zurück)
4: Untergeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten und Nothilfekoordinator (OCHA) der UN. (zurück)
5: Statement of Mr. Jan Egeland to the UN-Security Council, 28. Juli 2006, https://ochaonline.un.org (03.08.2006). (zurück)
6: Zahlen nach Eduardo Galeano: Wie lange noch? In: Neues Deutschland, 61. Jg., Nr. 181, 05./06.08.2006, S. 1. (zurück)
7: United Nations Interim Force in Lebanon, Mandat: Überwachung des Waffenstillstandes in Libanon seit 1978. Am 31.05.2006 bestand die Truppe aus 1.990 Soldaten, unterstützt von 50 Militärbeobachtern der UNTSO und einem internationalen Zivilpersonal von 95 sowie 304 einheimischen Zivilisten. Weitere Informationen siehe: http://www.un.org/Depts/dpko/missions/unifil/index.html. (zurück)
8: Kofi Annan auf der Pressekonferenz in Brüssel am 18.07.2006, http://www.un.org/apps/sg/offthecuff.asp?nid=907 (30.07.2006). (zurück)
9: http://www.n24.de/politik/ausland/index.php/n2006071719273100002 (30.07.2006). (zurück)
10: Bildquelle: http://www.un.org/Depts/dpko/photos/unifil/index.html (30.07.2006). (zurück)
11: Bildquelle: http://www.un.org/Depts/dpko/photos/unifil/index.html (30.07.2006). (zurück)
12: United Nations Truce Supervision Organization. Weitere Informationen: http://www.un.org/Depts/dpko/missions/untso/index.html (30.07.2006). (zurück)
13: http://www.cnn.com/2006/WORLD/meast/07/26/mideast.observers/index.html (30.07.2006). (zurück)
14: http://www.un.org/apps/sg/sgstats.asp?nid=2149 (30.07.2006). (zurück)
15: http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=19314&Cr=leban&Cr1= (03.08.2006). (zurück)
16: http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=19314&Cr=leban&Cr1= (03.08.2006). (zurück)
17: Mr. Alvaro de Soto, United Nations Special Coordinator for the Middle East Peace Process, am 30.07.2006 in Jerusalem, http://www.un.org/apps/sg/sgstats.asp?nid=2151 (30.07.2006). (zurück)
18: http://www.n24.de/politik/ausland/index.php/a2006072610180897053 (30.07.2006). (zurück)
19: Information und Zitate nach Neues Deutschland, 61. Jg., Nr. 173, 27.07.2006, S. 1. (zurück)
20: UNIFIL, press release.26July'06.doc, http://www.un.org/Depts/dpko/missions/unifil/pr010.pdf (03.08.2006). (zurück)
21: Nach: Neues Deutschland, 61. Jg., Nr. 174, 28.07.2006, S. 1. (zurück)
22: BBC News am 27.07.2006, http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/5219360.stm (31.07.2006). (zurück)
23: "Israel wird Nasrallah überleben". Matrin van Crefeld über den Kampf gegen Hamas und Hisbollah, in: Jüdische Allgemeine, 61. Jg., Nr. 30, 27.07.2006, S. 2. (zurück)
24: Nach: Neues Deutschland, 61. Jg., Nr. 175, 29./30.07.2006, S. 1. (zurück)
25: Nach: Der Fischer Weltalmanach 2005, S. 210. (zurück)
26: Riverbend: Bagdad Burning. Ein Tagebuch, Residenz Verlag, St. Pölten - Salzburg, 2006, S. 13. Riverbends Internet Blog aktuell: http://riverbendblog.blogspot.com (6.8.2006). (zurück)
27: Weitere Informationen: The Independent vom 31.07.2006: http://news.independent.co.uk/world/middle_east/article1204845.ece (31.07.2006) und Bilder des Massakers unter: http://www.informationclearinghouse.info/article14273.htm (31.07.2006). Andere Quellen berichten später von 28 Toten. (zurück)
28: http://beirutjournal.blogspot.com (31.07.2006). (zurück)
29: Neues Deutschland, 61. Jg., Nr. 176, 31.07.2006, S. 1. (zurück)
30: http://www.un.org/apps/sg/sgstats.asp (30.07.2006). (zurück)
31: Ehud Olmert: Niemand kann uns stoppen, in: Süddeutsche Zeitung, 62. Jg., Nr. 178, 4.8.2006, S. 5. (zurück)
32: Die Palästinenser nennen ihre Vertreibung und Flucht aus Palästina nach der israelischen Staatsgründung am 14. Mai 1948 Nakba. (zurück)
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