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(08.05.02) "Gewalt führt zu Schuld" ist die Einleitung zu einer philosophischen Diskussion. Die Standard-Gewaltdefinition hat der Soziologe Johan Galtung entwickelt. Er unterscheidet physische von struktureller Gewalt. Chancenungleichheit oder repressive Gesetze etwa zählen zur strukturellen Gewalt. Später stellte Galtung dem noch eine kulturelle Gewalt dazu, die gewissermaßen den ideologischen Überbau darstellt.
Wenn ich hier sage: Gewalt führt zu Schuld, wird man mir widersprechen. Es gibt gerechte Gewalt, wird man sagen, und: Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Deshalb führt auch nur ein Teil der Gewalt zu Schuld. Mag sein. Wäre der traditionelle Gewaltbegriff gut definiert, sodass man zum Beispiel "Terrorismus" politisch verwertbar definieren könnte, was offensichtlich noch nicht geglückt ist, dann wäre es auch müßig, über neue Ansätze in der Gewaltdefinition nachzudenken.
Über den Begriff der physischen Gewalt besteht kaum eine Kontroverse, und unser Justizsystem käme ohne ihn auch nicht aus. Die strukturelle Gewalt ist in der Theorie recht gut definiert, doch gelangt sie weder ins Kollektivbewusstsein, noch in die Politik und Justiz. Angesichts dieser Mängel und dem international aktuellen Bedarf nach Konfliktlösungen, versuche ich eine neue Betrachtung.
Dass Gewalt und Schuld miteinander zu tun haben, wird kaum jemand bestreiten. Dabei ist "Schuld" in manchen Hinsichten besser zu definieren als "Gewalt". Wie ist es, wenn man Gewalt als all die Dinge definiert, die zu Schuld führen? Führt es vom Gewaltdiskurs weg, oder bringt es neue Erkenntnisse? Ich weiß es auch nicht, aber es scheint mir einen Versuch wert zu sein. Wenn Sie gute Ideen haben, nur her damit!
Johan Galtung
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Aufsatz: "Terror & Gegen-Terror" von Prof. Georg Meggle (Uni Leipzig) (Nicht mehr online)
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(Sabine Yacoub 24.05.02:) Schuld und Vertrauen
Ein Grund, warum es vielen schwer fällt, Schuld zuzugeben, ist das Fehlen von Vertrauen. Vertrauen auf Gerechtigkeit, Vertrauen in andere Menschen. Wenn ich Schuld eingestehe, zeige ich Schwäche. Der Andere kann die Situation dazu nutzen, mich zu erniedrigen, mich (vor Anderen) bloßzustellen. Statt die Situation z. B. durch eine gerechte Strafe oder Entschädigung aufzulösen, kommt es dazu, dass der Andere mir die Schuld noch lange vorhält, meine Schuldgefühle immer weiter am Leben hält, um damit Macht über mich zu bekommen.
Besteht jedoch ein Vertauensverhältnis und der Wunsch der Beteiligten Gerechtigkeit herzustellen, dann kann ich meine Schuld eingestehen. Denn dann weiß ich, dass das Eingeständnis dazu beiträgt, die Situation zu klären und meine Schuldgefühle zu überwinden.
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(25.05.02) Was ist Schuld?
"Was ist Schuld?" ist die fundamentale Frage der Ethik. Wir brauchen eine Antwort, um dann weiterfragen zu können: "Wie kann Schuld vermieden und abgebaut werden?"
Wenn ein Täter X ein Opfer Y tötet, verletzt, beraubt oder betrügt, macht sich X schuldig. Es gibt prototypische Fälle, wo das Urteil leicht fällt, ob eine Schuld vorliegt, und es gibt Zweifelsfälle.
- Eine Handlung kann eine Gewalttat sein, auch wenn der Täter kein Schuldbewusstsein hat.
- Auch Nicht-Handlungen können zu Schuld führen, etwa das Ignorieren von Tatsachen wie UNO-Resolutionen oder, auf der privaten Ebene, von Gefühlen.
- Typische Gewalt liegt nur vor, wenn das Opfer die Tat nicht wollte. Das ist nicht immer eindeutig, besonders dann, wenn das Opfer während und nach der Tat schweigt, wenn es den Täter nicht belasten will, oder auch, wenn es nicht genau weiß, was es will.
Zu berücksichtigen ist ferner, dass wir alle nur Menschen sind und damit, dass wir Fehler machen, wir uns schuldig machen. Schuld ist nicht gleich ein Weltuntergang. Aufgestaute Schuld allerdings vergrößert sich. Um entscheiden zu können, wann etwas eine Gewalttat ist, braucht man Grundsätze. Das Bundesgesetzbuch zum Beispiel. Oder die christlichen Gebote. Oder die Scharia. In jedem Fall wird und wurde die Rechtsprechung wesentlich beeinflusst durch Präzedenzfälle und überhaupt Fälle aus der Rechtspraxis. Um der Frage nach der Schuld näherzukommen, werde ich einige Beispiel-Fälle heranziehen und einige andere konstruieren, die der Alltag hergibt. Dabei werde ich die mir relevant erscheinenden Faktoren der Situationsanalyse entwickeln. Die Beispiele wähle ich aus der Politik ebenso wie aus dem Privatleben, da ich annehme, dass es allgemein gültige Mechanismen und Analysemöglichkeiten gibt.
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