"Wenn man von all den zerstörten Dörfern und ihren Geschichten hört, etwa von Ihnen oder von http://palestineremembered.com, ist man erstaunt darüber, dass diese Fakten kaum jemals in offiziellen Friedensgesprächen erwähnt werden. Können Sie am Schluss ein Beispiel nennen für einen Dialog beim Treffen von palästinensischen Flüchtlingen und Juden, die auf deren früherem Land wohnen, oder auch eine Anekdote, die als Zeichen der Hoffnung interpretiert werden kann?"
Talia Fried:
"Bei vielen arabisch-jüdischen Jugend-Begegnungen, die ich (bei anderen Organisationen) miterlebt habe, war ich beeindruckt davon, wie weit die jüdische Seite gewillt ist zu gehen, wenn sie mit der palästinensischen Seite verhandelt. Meine eigene, persönliche Sicht ist, dass die Schwierigkeit für die jüdische Seite nicht so sehr das 'Verständnis' oder das Mitfühlen mit den Palästinensern ist. Ich glaube, die meisten Juden sind dazu in der Lage, ohne zu einer Begegnung zu kommen, oder sie können es recht früh in einer Begegnung lernen. Die Schwierigkeit liegt darin, das Fehlverhalten, das von ihrer Gruppe begangen wurde, anzuerkennen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, sowie wirkliche Zugeständnisse zu machen, um ein Kräftegleichgewicht herzustellen. Es ist ein langer Prozess, zwei Schritte nach vorn und ein Schritt zurück.
Wie ich zuvor bereits erwähnte, führte Zochrot eine ähnliche Art von Treffen durch zwischen den verdrängten palästinensischen Bewohnern des Dorfes Bir'em und den jüdischen Bewohnern des Kibbutz Baram, welches auf dem Land von Bir'em erbaut wurde. Diese Begegnung war das erste Projekt seiner Art, bei dem palästinensische Flüchtlinge und Juden, die deren früheres Land bewohnen, zusammensitzen und sich treffen.
Der Fall Bir'em/Baram ist einzigartig, weil die israelischen Gerichte in den 1950ern entschieden haben, dass die Bewohner von Bir'em und drei anderen palästinensischen Dörfern illegal vertrieben worden waren. Über die Jahre hat die israelische Regierung verschiedene Komitees eingesetzt im Versuch, dieses 'Problem' zu lösen. Etwa vor drei Jahren bot eines dieser Komitees diese Lösung für die Bevölkerung von Bir'em an: dass sie zu ihrem Dorf zurückkehren konnten, aber nur zu 600 Dunum des ursprünglichen Landes, und dass nur die erste Generation von Flüchtlingen plus zwei unmittelbare Verwandte pro Familie zurückkehren konnten. Aus offensichtlichen Gründen waren die Einwohner von Bir'em mit diesem Vorschlag nicht einverstanden.
Als sich die Leute aus Bir'em und Baram zum ersten Mal trafen, war die jüdische Seite vertraut mit dieser Geschichte, aber sie verstanden nicht, warum die Palästinenser das Angebot der Regierung abgelehnt hatten. Durch das Treffen konnten die Juden vom Kibbutz die Position der Palästinenser besser verstehen und schließlich stimmten sie sogar zu, dass die Palästinenser zum gesamten zur Verfügung stehenden Land des früheren Dorfes zurückkehren dürfen sollten - was in der Tat ungefähr 10.000 Dunum betraf - und ohne dass es eine Beschränkung der Familienmitglieder geben solle, die zurückkehren konnte.
Dieser Prozess war sehr ermutigend für uns, denn es zeigte, dass die jüdische Seite nicht nur verstanden hatte, dass die Forderungen der Palästinenser gerecht waren, sondern dass sie sogar bereit waren, eine gerechte Auflösung des historischen Unrechts zu unterstützen und dazu beizutragen, in einem Ort, der 'nah am Zuhause' war. Ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass das Treffen völlig idyllisch und in jeder Hinsicht perfekt zu Ende ging, jedoch ist nicht zu leugnen, dass diese Gruppe einen sehr bedeutungsvollen Schritt nach vorn gemacht hatte. Der Prozess war eine Herausforderung sowohl für die palästinensische als auch für die jüdische Seite.
Wir hoffen, dass wir weiterhin solche Treffen veranstalten können, auch mit Flüchtlingen, die jenseits der Grünen Linie leben, weil sie einen sehr einzigartigen und wichtigen Rahmen bilden, um das Recht auf Rückkehr voranzubringen."