(Deutsch)
Tariq Shadid: "Danke Anis, dafür, dass Du dieses tiefgründige Interview für uns zur Verfügung gestellt hast. Auch Dir/Ihnen Dank, Herr Shamir, dass Sie Ihre exzellenten Ansichten mit der Welt teilen.
Obwohl ich glaube, dass wir derzeit eine Minderheit unter denen sind, die mit dem Konflikt zu tun haben, wird die Anzahl der Befürworter der Ein-Staat-Lösung steigen, was zum Teil von unserer eigenen Anstrengung abhängt, sie publik zu machen. Für mich ist es und war es immer die einzige Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird.
Als Palästinenser und als jemand, der sein politisches Bewusstsein unter dem Einfluss der ursprünglichen Fata-Bewegung begann, war diese Lösung der fortwährende Antrieb für mich und meine politischen Ansichten. Die Sackgasse von Oslo ließ die Leute, die an eine Ein-Staat-Lösung glaubten, antiquiert aussehen, unrealistisch und destruktiv hinsichtlich israelischen Interessen, sowohl in den Augen politischer Analysten, als auch in den Augen der allgemeinen Öffentlichkeit.
Jetzt jedenfalls, wo Oslo von Scharon und seinen rohen Gesellen sichtlich zwei Meter unter dem Boden begraben worden ist, ist es die Zwei-Staaten-Lösung, die als eine versteckte Methode von Kolonialismus des 21. Jahrhunderts entlarvt wurde. Sie bewies ihren Mangel an Potenzial, Lebensfähigkeit und Haltbarkeit.
Besonders unter den Palästinensern, die bis zum Jahrhundertwechsel an die Ein-Staat-Lösung geglaubt haben, wird die Idee schnell Unterstützer finden, wenn es in angemessener Art publik gemacht wird, da es für die Mehrheit von ihnen nur bedeutet, einige Ideen wieder aufleben zu lassen, die während der Oslo-Jahre in den Schlummer-Modus gestellt worden waren.
Was die Israelis angeht, so glaube ich, dass die Unterstützung für die Ein-Staat-Lösung mehr Anstrengung erfordert, und es hängt weitgehend vom Ausmaß ab, in dem sie mit dem Versagen von Scharon's Regierung konfrontiert sind, mit besonderer Berücksichtigung von Israels internationalen Beziehungen. Sobald die Juden aus Israel realisieren, dass die Beibehaltung der Ghetto-Mentalität die Fortdauer von Reibungen und Abneigung garantiert, wird eine wachsende Anzahl von Leuten über die Idee nachdenken, die zionistischen Züge des Übermensch-Typs von Nationalismus abzulegen und die "Goyim" als ebenbürtig annehmen.
Eines Tages wird ein palästinensischer Flüchtling, der jetzt in einem Lager in Jordanien lebt, ein Haus in Tel Aviv kaufen und auf dem Land seiner Ahnen gehen. Und eines Tages wird ein Jude leichten Herzens nach Nablus gehen, fühlend, dass er schließlich Frieden in dem Land gefunden hat, das auch er seine Heimat nennt. Dieser Tag ist der Tag, wenn die Weisheit von König Salomon sich durchgesetzt haben wird, und die Liebe zum Land wird sich durch die Bewahrung seiner Einheit bestätigt haben." (05.10.2002)
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Mohamed, Redress-Redakteur:
"Israel Shamir ist ein mutiger Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit. Sein Mut brachte ihn sogar oft in Schwierigkeiten mit anderen Juden und auch mit einigen Arabern.
Shamirs aktuelles Interview mit Anis Hamadeh, veröffentlicht auf http://www.anis-online.de/1/orient-online/tale-of-two-states.htm gibt uns Hoffnung in einer ansonsten verzweifelt hoffnungslosen Situation. Als Stimme in der Wildnis ist er ein leidenschaftlicher Verfechter einer "Ein-Staat-Lösung" im Palästina-Israel-Konflikt, das heißt, in einer Lösung, die darauf basiert, Israel in einen säkularen demokratischen Staat umzuwandeln, in dem Juden und Palästinenser zusammen leben würden, in einem Staat, mit gleichen Rechten und Pflichten.
Ich bin selbst ein leidenschaftlicher Anhänger einer Ein-Staat-Lösung und lebe mit dieser Idee seit mindestens den letzten 25 Jahren. Allerdings, obwohl ich noch immer daran glaube, bin ich weniger optimistisch als Shamir, dass ich es noch miterleben werde. Der Grund für meinen Pessimismus ist einfach: wie könnte man ein Volk, dessen Staat stark genug ist, innerhalb von wenigen Tagen jedes vorhersehbare Manöver seiner möglichen Gegner zunichte zu machen, davon überzeugen, aufzugeben, was sie nicht gezwungen sind aufzugeben?
Eine Ein-Staat-Lösung ist nicht unmöglich. Aber wir können noch nicht einmal damit beginnen, israelische Juden von seinen Vorzügen zu überzeugen, es sei denn, dass erstens Israel seine überwältigende militärische Vormachtstellung über die Araber verliert, und zweitens, dass es die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten Staaten verliert. Aber vor allem wird es nicht geschehen ohne mutige Stimmen in der Wildnis wie Israel Shamir." (06.10.2002)
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Erhard Arendt:
(Deutsches Original) "Ein Staat - zwei Völker und die Waffe der gleichen Rechte. -
Geht man von den Medienberichten aus, hat der amerikanische Präsident zurzeit festgelegt, dass die Konfliktlösung Palästinas im Augenblick kein Thema für ihn ist, also hat die Welt zu schweigen. Es passt nicht zu den Bemühungen des 'heiligen Kampfes, Kreuzzuges'……..Öl für Blut.
Es ist eine wünschbare, erträumbare Utopie: 'Ein Staat und im Hinterkopf, irgendwann werden die Israelis assimiliert.' Israel wird sich nicht aufgeben wollen und ist den Palästinensern auch in der scheinbaren Unmöglichkeit, die Existenz des anderen zu akzeptieren und anzuerkennen, ähnlich. Abgesehen von der Stellung, die Israel dazu nehmen wird, wie können die alten und jungen Männer in Palästina damit leben, die nun ihr ganzes Leben der Idee eines Staates Palästina geopfert haben? Das ganze Blut ist umsonst geflossen, hat fließen müssen, um zu einer Erkenntnis zu kommen, die hätte am Anfang stehen können. Was zurzeit unmöglich erscheint, kann auch nur anders werden, wenn das Bewusstsein der Welt sich verändert, sieht, wahrnehmen will, was den Palästinensern geschieht. Die Menschen, die leiden und sterben, haben aber leider nicht so viel Zeit.
Ein engagierter, aber nicht beteiligter Europäer, der nicht persönlich die Gewalt, die Verachtung der Israelis erlebt hat, ist sicher freier in seinem Denken, kann leichter in seinem Kopf Brücken bauen. Ich bewundere die palästinensischen und israelischen 'Friedenskämpfer', die die Kraft haben, ihr Denken über die erklärliche Emotionen, Gewalt mit Gewalt zu beantworten, zu stellen.
Die Lösung ist einfach und doch so schwer, beide Seiten müssen anscheinend noch viel Blut sehen. Ja, die Palästinenser haben ein Recht auf ihre gleichen Rechte, das Bewusstsein dafür wird sicher wachsen, kein Ghetto ist ewig verschlossen ………. Die Augen unserer Medien sind überall, letztlich können beide Seiten nicht gegeneinander leben, nur miteinander........ Es kann sicher auch eine 'wirkungsvollere andere Waffe' sein, wenn man von 'gleichen Rechten' spricht, die Lösung liegt aber sicher nicht darin, eine neue Geheimwaffe zu finden.
Der Versuch, die Welt aufzuklären, ihr eine Wahrnehmung des Leidens der Palästinenser zu vermitteln, ist notwendig und langfristig eine wirkungsvollere Waffe als der Tod der Selbstmordattentäter. In einer E-Mail von Anis fand ich den Satz: 'Der Weg der Gewaltlosigkeit ist der Weg in die Öffentlichkeit'.
Welchen Grund hat aber wiederum die Welt, haben die Medien, über den Nahostkonflikt zu berichten?
Wie notwendig ist das Leiden der Palästinenser, die kriegerische Zerstörung ihres Landes, die Armee der Selbstmordattentäter, um die Weltöffentlichkeit aufzuwecken? Gerade höre ich die Tagesschau, wieder ein Selbstmordattentäter. Kein Bericht darüber, dass die Kinder in Palästina nicht in die Schule gehen können. Angehörige ihre Kranken von Checkpoint zu Checkpoint tragen müssen, und ….und … und.
Welcher Zynismus liegt darin: 'Mein Kind muss sterben, damit es leben kann.'
Eigentlich müsste die ganze Welt das Unrecht, das diesem Volk geschieht, wahrnehmend aufschreien. Die Moral ist aber leider zu oft mit dem: 'was nützt es uns' verbunden. Amerika, die 'Stimme der Welt' (?), wird sich psychologisch gesehen schwer tun, wahrzunehmen was den Palästinensern geschieht, es hat 'seine eigenen Leichen im Keller'. Wie soll dieses 'freiheitsliebende', 'für die Freiheit kämpfende' Land damit leben, dass es die wahren Herren Amerikas, die Indianer, geschlachtet, und die Schwarzen versklavt hat. Noch nie hat man wie jetzt im Irak-Konflikt gesehen, wie scheinbar offensichtlich Ölmultis das Drehbuch schreiben.
Das Handeln der Staaten nicht nur des Westens ist bestimmt vom Eigennutz. Was hat ein palästinensischer Staat, eine Lösung des Palästina-Konflikts, der Welt zu bieten, ein 'vereinigter Staat'? Wird er dem Westen ein 'zuverlässiger Partner' sein? Wie schwach ist die (wenigstens) Drohkulisse einer 'vereinigten islamischen Welt', in der der Westen eine Bedrohung, eine wirtschaftliche, militärische Kraft sehen kann? Wie uneinig in sich lassen die arabischen Staaten ihre Brüder verbluten?
Zu sehen ist, dass ähnlich, wie es dem Volk der Kurden ergeht, wenige westliche Völker sich etwas von einer Lösung des Nahostkonfliktes, einem Palästinenserstaat versprechen. Erst wenn mit Hilfe der Medien das Gewissen der Menschenmassen eine Lösung fordert, wird die Politik sich bewegen. Das noch politisch und militärisch schwache Europa, das begann, auch auf Israel Druck auszuüben, wird, wenn es will, es schwer erreichen, dass der 'Riese Amerika' das deutlich erkennbare Streben nach den gewünschten wirtschaftlichen Ressourcen (Öl) gegen ein moralisch verantwortliches Handeln tauscht.
'Wenn man Berge sieht, heißt es nicht: kehre um, sondern: bereite dich darauf vor.' Immer wieder und sicher verständlich, zu groß ist auf beiden Seiten das Bedürfnis, den anderen zu besiegen, zu klein noch das Bedürfnis Frieden, Verständigung zu finden. Wer weiß wie viel Blut noch fließen muss, bis das Maß voll ist und die Menschen wissen, was Bertha von Suttner sagte: 'Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tinte mit Tinte wegzuwischen, aber Blut versucht man noch immer mit Blut zu entfernen.' Das wissen alle und doch.......... Der eine Staat, in dem auch die Palästinenser (viele) der gleichen Rechte haben, würde den Nahostkonflikt befrieden. Der linke und rechte Fuß kann nicht an der gleichen Stelle stehen, aber nebeneinander.
Israel Shamir sagt: 'Es gibt mehr Wege als bloße Gewalt, um den Gegner zu schlagen, Integration ist eine davon.'
Doch was wäre das für eine Lösung, wenn es darum ginge, letztlich den anderen in sich aufsaugen zu wollen, so doch 'zu siegen'. Für einen Europäer wie ich es bin lässt es sich unbeschwerter sagen. Nur die auch echte ehrliche wechselseitige Annahme des Anderen, das auch Akzeptieren der Lebensrechte der Palästinenser und Israelis kann eine wirkliche Lösung bringen.
Es heißt auch, den Männern in Palästina, die auf Kosten ihres Volkes über Jahrzehnte nur eine Zweistaatenlösung sehen, die Waffen aus der Hand zu nehmen.
Es heißt, Schmerz, Wut, Angst, Misstrauen und Ohmacht in sich selber zu überwinden. Ehrlich und offenen Herzen, das Gegensätzliche wahrnehmend, nicht vergessend, aber überwinden wollend die Hand zu öffnen.
Man kann nur miteinander leben wenn man aufhört gegeneinander zu leben." (Deutsches Original, 10.10.02)
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Modar Shalabi:
"Danke dafür, dass Du mich in dem Interview erwähnt hast. Oh wirklich, bin ich jetzt berühmt!? Es gefällt mir, und es freut mich, von Dir zu hören, dass es Dir wichtig ist, was ich sage, oder auch 'Kritik', wie Du es nennst. Weißt Du, Cousin, D kannst Bücher und sogar Romane schreiben über die Sorgen der Leute hier, und wie Du mir in einer Mail geschrieben hast: 'Wenn ich jetzt in Birqin wäre, würde ich anders schreiben'.
Ja, das ist die Wahrheit, niemand kann fühlen, geschweige miterleben, wie die Palästinenser leiden. Israel macht ihnen das Leben zur Hölle, und wie ein großes Gefängnis. Das Hauptziel für sie sind jetzt die Zivilisten. Genau gesagt zielen sie auf alles, was Palästinenser heißt. Wenn du in die palästinensischen Dörfer gehst, siehst du dieselbe Szene, überall Zerstörung, Panzer versperren die Straßen und bewegen sich in einer fürchterlichen Art, wild nach Terroristen schießend, eine harte Ausgangssperre beendet jede Art des täglichen Lebens. Außerdem wirst du sehen, wie die Leute versuchen, sich ihrem neuen Lebensstil anzupassen. In Jenin ist es ähnlich: nachts sehen die Leute das lokale Fernsehen, um zu wissen, ob die Ausgangssperre aufgehoben wird oder nicht, und wenn ja, von wann bis wann. Der Gouverneur informiert das Fernsehen, sobald er von der israelischen Seite informiert worden ist. Manchmal heben sie sie von 20 Uhr bis 6 Uhr auf, aber am Morgen oder einige Stunden später kommt die Armee in die Stadt und verhängt wieder eine Ausgangssperre. Manchmal benutzen sie dabei eine sehr unanständige Sprache. Du hörst einen Soldaten die Leute anschreien: 'Geht nach Hause, ihr Hurensöhne.
Hyder (Der Gouverneur) ist ein Lügner. Geht nach Hause, oder ihr werdet umgebracht. Wenn wir hier noch jemanden sehen, dann wird er 'shahidan shahidan shahidan' (Märtyrer - wie Arafat sagte, als er im letzten April in seinem Gebäudekomplex belagert war.) Schließlich wird die Ausgangssperre nicht aufgehoben, und die Leute haben es geschafft, sie zum umgehen, oder vielleicht mit ihnen zu leben, Märkte, Schulen, und Ämter begannen wieder zu öffnen, jedoch vorsichtig, die angekündigte Invasion erwartend. Du siehst Studenten unter Feuer, Geschäftsinhaber, die draußen vor ihren Läden stehen, bereitstehend, um die Menschen vor der aggressiven Armee zu beschützen, Männer, Frauen und alte Leute, die auf der Straße laufen, Verkehrsstaus, Kinder, die nach ihren Müttern schreien, und andere, die Steine auf Panzer werfen. Die Panzer schießen wild, besonders an überfüllten Orten, zerstören alles, was sie sehen, Ambulanzen, die sich vorsichtig bewegen, um Verletzte aufzuheben.....
Vor ein paar Tagen wurden 5 Menschen getötet und mehr als 20 verletzt - die meisten waren Schuljungen und -Mädchen - als israelische Panzer in eine Schule eingefallen sind und die Hauptbushaltestelle. Die Situation in anderen Dörfern ist nicht viel besser. Nablus ist jetzt seit mehr als 115 Tagen unter Ausgangssperre, in Gaza ist das Blut der letzten Opfer noch feucht...
Gestern waren mein Bruder Ahmad und ich in Jenin. Wir mussten eine Ersatz-Straße nehmen, um dort hinzukommen. Die Hauptstraße war von Panzern versperrt, alle Hauptstraßen waren geschlossen, Leute aus anderen Dörfern und Städten mussten dieselbe Straße nehmen. Um 12 Uhr war der Weg versperrt und wir kamen nicht weiter! Um wieder nach Hause zu kommen, mussten wir einen sehr langen und harten Weg gehen, ungefähr 20 KM. (Die Hauptstraße ist etwa 4 KM lang.) Es dauerte 2 Stunden, mit Wachsamkeit, natürlich, denn die Panzer waren nicht so weit. Als wir nach Hause gekommen waren, waren wir weiß vom Staub, müde, lachten, und es ging uns elend, alles zur selben Zeit!!!!
Es kommen große Fragen auf: Gibt es einen wirklichen Frieden, der in dieser Region stattfinden wird? Können all diese Ereignisse vergessen werden? Was erwarten die Israelis von dieser neuen Generation, nachdem sie sie ihrer süßesten Jahre ihres Lebens beraubt haben und ihr land in ein Schlachtfeld verwandelt haben? Und gibt es hoffnungsvolle Träume, um die Albträume wegzustoßen?
Derzeit fangen die Leute hier mit der Oliven-Ernte an. Es ist ein essenzieller Rohstoff in der lokalen Wirtschaft, vielleicht ist es eine der letzten Hoffnungen für sie, um den nächsten Tagen zu begegnen. Aber jedes Jahr in dieser Zeit müssen wir mehr und mehr Aggressionen gegen die Bauern erwarten, begangen von Siedlern und auch von Soldaten." (11.10.02)
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Gush Shalom:
"Gush Shalom glaubt, dass in den gegenwärtigen Umständen der Ruf nach einer Ein-Staat-Lösung, so idealistisch er auch aufgemacht sein mag, vom Kampf zur Beendigung der Besatzung ablenkt. Der Ruf nach einer Ein-Staat-Lösung vor einer fundamentalen Veränderung der Beziehungen zwischen Nationen - in der Region und in der Welt allgemein - dient sogar dem unnachgiebigen Teil der stärkeren Seite in dem Konflikt, in diesem speziellen Fall: den israelischen Ultra-Nationalisten, die ebenfalls von einem einzigen Staat träumen, vielleicht sogar einem Gleichheitsstaat, aber dann unter Ausschluss der Palästinenser.
Wir denken, dass es mit dem Level von nationalistischem Bewusstsein auf beiden Seiten keine andere Lösung gibt als eine Zwei-Staaten-Lösung.
Wir denken, dass die Zwei-Staaten-Lösung die einzige Hoffnung ist, um vielleicht noch rechtzeitig einen dringenden Ausweg zu finden, heraus aus einer unerträglichen und extrem explosiven Situation. In unserem Ausblick sind die beiden Staaten, die friedvoll nebeneinander leben, getrennt durch eine offene Grenze, die einen Personen- und Güterverkehr zulässt und keine 'eisernen Mauern' hat... " (Beate Zilversmidt, 12.10.02)
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Bundesverband jüdischer Studenten in Deutschland e.V. (BJSD):
"Obwohl der BJSD sicherlich auf ein friedlichen Miteinander zwischen
Palästinensern und Juden hofft, gehen die Interviews und die Essays so
extrem weit an der Realität vorbei, sind in ihrer Machart so einseitig,
dass wir leider nicht viel mit anfangen können...
Um den Konflikt in Israel / Palästina zu verstehen und lösen zu wollen,
muss man die Ängste und Sorgen der Mehrheitsgesellschaft (!) auf beiden
Ernst nehmen und beachten... stattdessen benutzt ihr eine sehr naive und
kleine Minderheit innerhalb der israelischen Friedensbewegung um eure
Abneigung gegenüber dem Staat Israel ansich Ausdruck zu verleihen...
Das ist nicht nur schade sondern auch ignorant, und es scheint mir damit
ist keiner der beiden bedauernswerten Seiten geholfen." (Uriel Kashi, Deutsches Original, 19.10.02)
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Sabine Yacoub:
"Als ich Israel Shamirs Artikel "The Tale of Two States" und das Schach-Interview las, erfuhr ich zum ersten Mal, dass es sowohl auf jüdisch-israelischer, wie auch auf palästinensischer Seite bedeutende Vertreter gab, die in einem gemeinsamen Staat eine, ja die einzig realistische Lösung sahen. Ich war zunächst skeptisch. Es klang für mich wie eine schöne nicht umsetzbaren Utopie. Doch die Argumentation im Schach-Interview ist in vielen Punkten schlüssig. Vor allem aus Sicht der Palästinenser. Shamir zeigt ihnen einen Weg auf, wie sie zu Gleichberechtigung und Freiheit gelangen können. Außerdem könnten sie durch einen gemeinsamen Staat auch wieder ganz Palästina als ihre offizielle Heimat sehen.
Betrachtet man die israelische Seite, so vermute ich, dass Shamir die Mehrheit der Israelis nicht überzeugen kann. Er berücksichtigt ihre Wünsche und vor allem ängste (seien sie nun berechtigt oder unberechtigt) zu wenig und er spricht nicht als einer von ihnen. Er spricht als Freund und Bewunderer der Palästinenser und als Feind der Juden. So bestreitet er die Existenz einer starken jüdischen Identität, während er von der palästinensischen Identität schwärmt. Damit schließt er sich geradezu selbst aus der jüdisch-israelischen Gesellschaft aus, was wohl dazu führt, dass seine Argumente von jüdischer Seite besonders skeptisch betrachtet werden. Außerdem führt es dazu, dass er meines Erachtens überzeugendere Argumente für die Palästinenser als für die jüdischen Israelis findet, denn hier herrscht die Argumentation vor, dass durch die Forderung nach einem gemeinsamen Staat der Druck von außen auf Israel erhöht wird. Doch ich denke, man kann die Israelis von einem gemeinsamen Staat nur dann überzeugen, wenn man ihnen aufzeigt, dass sie darin ebenfalls ihre Identität erhalten können und keine Angst davor haben müssen, von einer entstehenden palästinensischen Mehrheit benachteiligt zu werden. Der Staat Israel wurde gegründet, um Juden, die in Europa - am grausamsten in Deutschland - verfolgt wurden, eine sichere Zuflucht zu gewähren. Dieses Bewusstsein scheint mir noch eine sehr große Rolle im Selbstverständnis des Staates und seiner jüdischen Bürger zu spielen. Deshalb muss dieser Aspekt gebührend berücksichtigt werden, sonst wird es mit den Israelis (und Juden auf der Welt) keinen Frieden geben können.
Trotz meiner kritischen Worte sehe ich, dass Israel Shamir wichtige Arbeit leistet. Er beschäftigt sich mit und kämpft leidenschaftlich für eine Lösung des Konflikts und die Beendigung des Krieges. Und er zeigt dabei Alternativen auf und stellt Ansichten in Frage, die als selbstverständlich gelten. Ich selbst bin mir nicht sicher, welchen Weg (ein Staat/zwei Staaten) ich für den realistischeren halte, bin aber auf jeden Fall auf Seiten derer, die Frieden - basierend auf Gleichberechtigung - wollen, und hoffe, dass die verschiedenen Lösungsansätze nicht dazu führen, dass sich die Friedensleute untereinander bekämpfen, denn das hilft nur den Kriegsbefürwortern." (Deutsches Original, 29.10.02)
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