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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
Pressezeit (4): Henryk M. Broder
Eine Online-Betrachtung von Anis Hamadeh, 2006
Kapitel 3

English Version
Inhalt:

Kapitel 3: Faked Interview: Erwin Al-Tuffaahi - Ein ungefähres Ende



- Faked Interview: Erwin Al-Tuffaahi -


Faked Anis: Hallo Erwin.
Erwin al-Tuffaahi: Tach
Faked Anis: Hast du die Brodergeschichte gelesen?
Erwin al-Tuffaahi: Jaja
Faked Anis: Und?
Erwin al-Tuffaahi: Naja
Faked Anis: Naja was?
Erwin al-Tuffaahi: Es weckt alte Erinnerungen.
Faked Anis: Wegen: "Wenn Sie mir schreiben, haben Sie selbst schuld?"
Erwin al-Tuffaahi: Es war eine Phase!
Faked Anis: Natürlich. Hat ja keiner was gesagt.
Erwin al-Tuffaahi: Ich hatte es als Überschrift auf meiner Homepage.
Faked Anis: Hm.
Erwin al-Tuffaahi: Wir hatten alles verloren.
Faked Anis: Was war denn nun eigentlich los damals?
Erwin al-Tuffaahi: Du hast es ja schon gesagt, im ersten Kapitel der Brodersatire.
Faked Anis: Die vergifteten Äpfel im Großhandel.
Erwin al-Tuffaahi: Die ganze Apfelbranche in Südmyr lag danieder.
Faked Anis: Die Leuten aßen Ananas.
Erwin al-Tuffaahi: Man machte UNS verantwortlich, wie idiotisch!
Faked Anis: Wieso idiotisch?
Erwin al-Tuffaahi: Weil niemand sich selbst so schaden würde.
Faked Anis: Klingt plausibel.
Erwin al-Tuffaahi: Nie hätten wir einen Vorteil davon haben können.
Faked Anis: Das stimmt.
Erwin al-Tuffaahi: Aber es gab einflussreiche Gerüchte.
Faked Anis: Die Sache mit dem Skorpion und dem Fluss?
Erwin al-Tuffaahi: So ähnlich.
Faked Anis: Das machte euch wütend.
Erwin al-Tuffaahi: Man nannte uns irrational.
Faked Anis: Wie gings weiter?
Erwin al-Tuffaahi: Die Apfelbauern, die Cidre-Winzer, die Apfelmusleute...
Faked Anis: Ja
Erwin al-Tuffaahi: Die Pflücker und Packer, die Trocken-Obst-Trockner
Faked Anis: Die Apfelchipshersteller
Erwin al-Tuffaahi: Die Saftmacher!
Faked Anis: Die Apfelschalen-an-die-Tiere-Verfütterer
Erwin al-Tuffaahi: Dann die Zulieferer. Und alle ihre Familien...
Faked Anis: Wie war ihr Los?
Erwin al-Tuffaahi: Sie wurden arbeitslos. Niemand aß Äpfel. Niemand!
Faked Anis: Es gab diese Artikel von einigen von euch in den Zeitungen...
Erwin al-Tuffaahi: Einige von uns wurden wütend.
Faked Anis: Ist ja auch verständlich.
Erwin al-Tuffaahi: Naja, einige haben übertrieben.
Faked Anis: Auch verständlich.
Erwin al-Tuffaahi: Naja, sie haben schon ZIEMLICH übertrieben.
Faked Anis: Ach so.
Erwin al-Tuffaahi: Ich merkte das selbst irgendwie.
Faked Anis: Du hattest damals diese Homepage.
Erwin al-Tuffaahi: Und so einen ähnlichen Satz wie Herr Broder.
Faked Anis: Na gut, aber das ist doch ein völlig anderer Zusammenhang.
Erwin al-Tuffaahi: Selbstverständlich. Nur die Gefühle sind ähnlich.
Faked Anis: Wirklich?
Erwin al-Tuffaahi: Außerdem habe ich damit jede Menge Müll angezogen.
Faked Anis: Du meinst das Feedback?
Erwin al-Tuffaahi: Einige schrieben mir: Scheiß auf die ganze Apfelindustrie...
Faked Anis: Wirklich?
Erwin al-Tuffaahi: ...und die Birnenindustrie noch dazu!
Faked Anis: Es hat dich wohl frustriert.
Erwin al-Tuffaahi: Ich fühlte mich damals bestätigt: Alle hassen uns.
Faked Anis: Was denkst du über Broder?
Erwin al-Tuffaahi: Also ich mag ihn.
Faked Anis: Tatsächlich?
Erwin al-Tuffaahi: Außer was er mit den Palästinensern und Leuten wie Erhard macht. Aber das merkt er nicht.
Faked Anis: Hast du gelesen, was Abi Melzer über ihn geschrieben hat?
Erwin al-Tuffaahi: Der sucht nach etwas Neuem.
Faked Anis: Es war vernichtend.
Erwin al-Tuffaahi: Er hat es selbst veröffentlicht, der will Veränderung.
Faked Anis: Der?
Erwin al-Tuffaahi: Klar.
Faked Anis: Ich würde lieber nackt durch die Innenstadt von Bagdad laufen als so etwas über mich zu veröffentlichen.
Erwin al-Tuffaahi: Ja du! Aber er ist anders.
Faked Anis: Das habe ich auch schon gemerkt.
Erwin al-Tuffaahi: Es ist seine Art, sich auszudrücken.
Faked Anis: So wie deutsche Gerichte "die Erben der Firma Freisler" zu nennen?
Erwin al-Tuffaahi: Ist doch schön. Hat er nicht Recht?
Faked Anis: Wie bitte? Oder einen Richter zu beleidigen.
Erwin al-Tuffaahi: Ist doch lustig. Hat er nicht in einigem Recht?
Faked Anis: Es gibt Dinge, mit denen er schwer daneben liegt.
Erwin al-Tuffaahi: Das habe ich aber nicht gefragt.
Faked Anis: Und wieso magst du den Typ?
Erwin al-Tuffaahi: Weiß auch nicht. Einfach so.
Faked Anis: Ich hätte nicht gedacht, dass dieses faked Interview einen solchen Verlauf nimmt.
Erwin al-Tuffaahi: Tja, selber schuld.
Faked Anis: Wieso das denn jetzt?
Erwin al-Tuffaahi: Wenn du es so schreibst.
Faked Anis: Oh Mann, das kann ich doch so nicht veröffentlichen.
Erwin al-Tuffaahi: Tja.

(05.07.2006, siehe auch "Faked Interview (11): Erwin al-Tuffaahi":
www.anis-online.de/2/literatur/fakedinterviews/11.htm)




- Ein ungefähres Ende -

(08.07.2006) Wie mag sich jemand fühlen, der Angst vor Frieden hat? Muss er nicht immer wieder den Krieg anheizen, um nicht in die Nähe des Friedens zu geraten?

Kommen wir noch einmal zurück zu Norbert Blüm. Auf der besagten Seite
www.henryk-broder.de/html/tb_bluem.html, die den humorvollen Briefwechsel zwischen Blüm und Broder aufbahrt, ist auch ein Foto von Herrn Blüm. Was mich daran wundert ist, dass Broder ein unvorteilhaftes Foto gewählt hat. Naja, wenn Herr Blüm schon mitspielt, dann könnte man dem in der Wahl des Fotos Respekt zollen, ohne sich dabei inhaltlich etwas vergeben zu müssen.

Was Broder angeht, so scheint mir, dass alles Wesentliche über ihn bereits gesagt ist. Sicher, man könnte aus dem vorliegenden Material viele Erkenntnisse ziehen und seitenweise beschreiben. Das bekomme ich aber nicht bezahlt. Erwin al-Tuffaahi mag Recht damit haben, dass Broder Veränderung sucht, aber ich bin weniger zuversichtlich, dass er sie findet. Und wenn Broder nicht über die Vergangenheit sprechen will, dann gibt es für mich auf dieser Baustelle außer ein paar Ergänzungen nichts mehr zu tun.

Zu den Ergänzungen gehört ein Gruß an die Arbeitsgemeinschaft Palästina an der Uni Mainz, die den Rupert-Neudeck-Vortrag organisiert hat. Besonders an Eyad, weil ohne seinen Anruf hätte ich es glatt verschwitzt hinzugehen.

Dann hat Erhard Arendt mir erzählt, dass er kleine Katzen-Skulpturen hergestellt hat. Wenn Sie gerade bei den Lichtobjekten wegen des Weihnachtsgeschenks für Tante Klara kucken, halten Sie dabei auch Ausschau nach Katzen. Wir wollen nicht vergessen, was der Anlass dieser Satire war.

Interessant ist die Wikipedia-Seite über Broder. Anders als normale Wikipediaseiten ist diese für Veränderungen gesperrt. Es handelt sich um eine positive Darstellung der Person, eine Art Denkmal. Früher nannte man so etwas Hagiografie, heute heißt es Enzyklopädie.

Dann hatte ich versprochen, einen Blick in die "Achse des Guten" zu werfen. Gestern schrieb b. einen neuen Eintrag, hier: www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=2732&ref=0. Ich irrte allerdings, als ich annahm, dass es sich bei der "Achse des Guten" um etwas Substanzielles handelt. Es ist derselbe Gedanke wie sonst auch, mit der gleichen provokativen Pose: "Seit dem jüdischen Aufstand gegen die römische Besatzung im Jahre 73, der mit dem Fall von Masada endete, bis zum Aufstand im Warschauer Ghetto 1943, haben sich die Juden 187o Jahre lang brav und widerstandslos umbringen lassen. (...) Da hatten die Juden noch Anstand und Manieren. Doch dann beschlossen sie, aus der Geschichte auszusteigen und als Opfer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Seitdem schlagen sie zurück, wenn sie angegriffen werden, manchmal auch schon vorher." Irgendwie ist es Broder gelungen, mich in diese Gedanken erwähnend einzubinden. Er versucht auf diese Weise zu provozieren und Aufmerksamkeit zu bekommen, um immer so weiter zu machen. Das ist langweilig. Warum sollte ich seine sich ständig wiederholende Nabelschau mitverfolgen? Es gibt wichtigere Aufgaben, die auf mich warten. Die Blumendebatte zum Beispiel, das ist Pressezeit 3. Israel Shamirs Buch ist deutlich lohnender als das Broderdrama.

Ein Bekannter von mir outete sich übrigens in der Zeit der Satire als "kritischer Broder-Fan". Er polarisiere so schön, war die Begründung. Natürlich, das Befürworten von Gewalt und von doppeltem Standard kann man als polarisierend bezeichnen, wenn man möchte. Dass das allerdings ein Wert ist, wage ich zu bezweifeln. Hitler hat auch polarisiert, das allein kann es also nicht sein. Die Artikel von Henryk M. Broder spiegeln ein ambivalentes Verhältnis zur Gewalt wider und sie sind oft schädlich, weil sie im Zusammenhang mit einer jüdischen Identität Gewalt befürworten und fordern wie in "Der Judenstaat muss Härte zeigen". Broder hat keine Vision, kein Ziel, er hat nur Waffen und Schmerz.

Sagen Sie mir gern Bescheid, wenn es etwas Neues von Broder gibt, dann schreibe ich noch ein Kapitel dazu. Aber nur, wenn es etwas Neues ist. Ich denke, das steht in der nächsten Zeit nicht zu erwarten.

ENDE
 
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