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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
Pressezeit (4): Henryk M. Broder
Eine Online-Betrachtung von Anis Hamadeh, 2006
Kapitel 2

English Version
Inhalt:

Kapitel 2: Erhard Arendt - "Nur eine Pause im Krieg gegen Israel" - Reaktionen - Anis liest sich ein - Rupert Neudeck



- Erhard Arendt -

(30.06.06) Am 26. Februar 2006 schrieb Christian Meier in der Welt am Sonntag in der Rubrik Menschen & Medien unter dem Titel "Henryk M. Broder schlägt zurück" folgendes: "'Er betreibt eine Form der literarischen Polemik, die im deutschen Sprachraum einzigartig ist, und setzt damit eine jüdische literarische Tradition aus der Vorkriegszeit fort, die darin besteht, unaufhörlich anzugreifen, zu ironisieren und zu verspotten.' So schreibt der Schriftsteller Leon de Winter in der 'Jüdischen Allgemeinen' über den Publizisten Henryk M. Broder. Nun hat der 'Spiegel'-Autor vor dem Landgericht Berlin einen Dortmunder Frührentner verklagt. Broder publiziert auf seiner privaten Homepage Texte, in denen es um Deutschland, Antisemitismus und Antiamerikanismus, Israel und den Islam geht. Erhard Arendt, der im Internet ein 'Palästina-Portal' betreibt, hatte Broder auf seiner Webseite kritisiert und dazu Zitate aus dessen Feder gestellt. Ebenfalls hatte er von Broder montierte Foto-Collagen (Elfriede Jelinek als Hamster in einem Laufrad) seinerseits umgebaut und mit dem Bild Broders versehen. Broder fühlte sich in seinem Persönlichkeits- und Urheberrecht verletzt und erwirkte eine Einstweilige Verfügung. Nicht immer fühlt sich Broder von der deutschen Jurisprudenz korrekt behandelt: Unlängst hatte er im Zusammenhang mit einem anderen Prozeß gegen seinen ehemaligen Verleger Abraham Melzer ein Frankfurter Gericht als 'die Erben der Firma Freisler' bezeichnet. Roland Freisler war Präsident des Volksgerichthofes." www.wams.de/data/2006/02/26/851744.html)

Ich kenne Erhard Arendt recht gut. Wir waren schon zusammen im Westfalenpark in Dortmund und haben einander öfter besucht, als ich noch in Hamm wohnte. Er ist sehr nett. Wenn ich Computerprobleme hatte, konnte er mir oft weiterhelfen. Wir haben nicht nur beide einen Internetberuf, sondern malen auch beide. Als ich zum ersten Mal in Erhards Wohnung war, war ich überwältigt. Er hat eine ganz eigene Welt aus Formen und Farben gefunden in seiner langen Schaffenszeit. Schauen Sie mal seine Lichtobjekte an, für die habe ich ihm gleich einen PR-Text geschrieben, das war leicht. Auch seine Bilder und Zeichnungen, seine Wandreliefs und die anderen Objekte, wow, wirklich. Lange hat er Kunst auch unterrichtet. Wenn es Leute wie Erhard nicht gäbe, wäre das Leben in Deutschland nicht auszuhalten. Dass er etwas mit Antisemiten oder Nazis zu tun habe, weil er sich für Palästina einsetzt, ist nicht nur grober Unfug, sondern ein schwerer Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht. Das ist so, als würde jemand Erich Fried einen Nazi nennen, falls Sie den kennen. Es kann ja sein, dass Herr Broder die Seite nicht mag, die Erhard über ihn gemacht hat, aber das ist auch schon alles. Kann die Bildzeitung etwas dagegen tun, dass es die Seite
www.bildblog.de gibt? Nein. Kann man zu einer Zeitung gehen und sagen: Schreiben Sie nicht über mich? Nein. Das wäre ja noch schöner. Kritische Kultur ade wäre das. Zurück in die Dreißiger Jahre. In einem Interview, das ich vor zwei Jahren mit ihm führte, erklärte mir Erhard sein Engagement im Internet unter anderem so:

"Ein Beweggrund wurde sicher auch, dass ich in einer Stadt aufwuchs, in der bis zum Ende des 2. Weltkrieges Kriegsgefangene unter sehr menschenunwürdigen Umständen kaserniert waren. Als ein fast dreijähriger Junge stand ich am Fenster unserer Wohnung und sah, dass da eine elendige Masse von Menscheln, bittend und bettelnd, merkwürdig gekleidet, am Fenster vorbeigetrieben wurde. Das trage ich immer noch mit mir herum. Später kam dann über Jahrzehnte hinweg die bewusste Verarbeitung der Verbrechen im Nazireich hinzu. Als Jahrgang 1941 war ich daran nicht beteiligt, ich musste aber lernen zu verstehen, dass eigentlich fast alle um mich herum durch ihr Schweigen, ihr Nicht-Sehen, Nicht-Wissen-Wollen sich mitschuldig gemacht haben an Verbrechen, die begangen wurden. Aus der Wahrnehmung der Lüge: 'WIR HABEN ES NICHT GEWUSST' wurde für mich ein 'NIE WIEDER' und auch ein: 'SCHWEIGEN KANN EIN VERBRECHEN SEIN'." (Das ganze Interview und Foto: www.anis-online.de/1/orient-online/erhard.htm)

Natürlich sind Erhard und ich nicht immer einer Meinung, auch politisch nicht. Er kommt aus dem sozialdemokratischen Feld, ich aus dem liberalen. Er war Mitglied der SPD, ich eine kurze Weile in der FDP, bis ich aus dieser Partei wieder ausgetreten bin, weil sie in meinen Augen völlig versagt und mit den eigenen Grundsätzen schon lange nichts mehr zu tun hat. Diese Erfahrung musste ich erst einmal machen. Herr Koppelin zum Beispiel, von dem hätte ich mehr erwartet. Er hält sich immer so dezent im Hintergrund, dass man ihn kaum merkt. Inzwischen bin ich froh darüber. Aber ich schweife ab.

Es ist bedauerlich, dass die politische Kultur in Deutschland es zulässt, dass reiche und einflussreiche Leute so leicht mit Klagen drohen können, um ihnen unbequemen Menschen zu schaden. Noch dazu, wenn es sich um Leute wie Erhard handelt. Auch die Gepflogenheiten von Gruppen wie "Honestly Good Guys" sind tadelnswert. Da ist zu viel Autoritäres, das Menschenrechtler sich gefallen lassen müssen. Das hat mit demokratischen Werten wenig zu tun. Sollten Sie übrigens zu der Ansicht gelangen, dass Erhard als Mensch, als Journalist und als Künstler zu fördern ist, können Sie ja eines seiner Lichtobjekte zu Weihnachten verschenken. Da haben Sie noch genug Zeit zum Sparen :-)





- "Nur eine Pause im Krieg gegen Israel" -

(02.07.06) Kürzlich ist es b. gelungen, einen Artikel auf SPIEGEL Online zu veröffentlichen. Glückwunsch! Wie schrieb doch Rüdiger Göbel gestern in der jungen Welt: "Mit der Zerstörung des größten Elektrizitätswerks im Gazastreifen zu Invasionsbeginn am Mittwoch traf die israelische Armee den Lebensnerv der Bevölkerung. 'Ohne Strom fallen Wasserpumpen aus, der Sprit für Generatoren wird knapp, Kliniken haben nicht genügend Medikamente', faßte Spiegel online, der Sympathie für die Palästinenser unverdächtig, die Situation am dritten Kriegstag zusammen." (Artikel: "Berlin billigt Israels Angriffskrieg") Der Sympathie unverdächtig. Schön ausgedrückt, oder? Der Kommentar von Henryk M. Broder erschien am 28. Juni 2006, heißt "Nur eine Pause im Krieg gegen Israel" und ist unter
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,424012,00.html zu finden. Untertitel: "Das Abkommen zwischen Hamas und Fatah schürt wieder einmal die Hoffnung auf Frieden in Nahost. Aber eine Anerkennung Israels haben die Palästinenser ernsthaft nicht im Sinn. Dem Judenstaat bleibt nichts anderes, als Härte zu zeigen."

Erinnert Sie das an etwas? Ich meine, Sie kennen b. ja nun schon ein bisschen, was halten Sie von dem Satz: "Dem Judenstaat bleibt nichts anderes, als Härte zu zeigen"? Und diese grotesk übertriebene Einforderung von "Anerkennung"? Projiziert b. hier vielleicht seine persönlichen Gefühle und Umstände auf die Weltpolitik? Könnte sein. Immerhin bedarf Israel keinerlei Anerkennung mehr, der Staat existiert und kann sich sogar Dinge erlauben, die sonst kein anderer Staat darf, wie etwa das Töten von Menschen auf offener Straße. Was soll also dieses Anerkennungsdrama andauernd? Wann sind die endlich zufrieden? Und wann wollen sie selbst auch mal jemanden anerkennen, zur Abwechslung? Falls es hier tatsächlich um Israel geht.

Der erste Satz klingt weltfremd: "Wieder einmal sind die Palästinenser dabei, die Israelis Mores zu lehren." Ich finde es zwar betrüblich, dass das Niveau dieser Studie so heruntergezogen wird, aber eine Auseinandersetzung mit seiner politischen Meinung gehört logischerweise zum Gesamtbild. "Sie haben den Israelis die Grenzen ihrer Macht vor Augen geführt." Von wem redet der? Er schreibt selbst: "Bis jetzt haben die Palästinenser selbstgebaute Kassam-Raketen mit geringer Reichweite aus Gaza nach Israel gefeuert, worauf die Israelis mit 'gezielten Tötungen' reagierten, bei denen allerdings meistens Unschuldige und Unbeteiligte ums Leben kamen." Außer, dass nicht "die Palästinenser" Kassam-Raketen abfeuern, ein aufschlussreicher Lapsus. (Für SPIEGEL Online kein Problem).

Broder ist der Ansicht, dass es "den militanten Palästinensern" um "Alles oder Nichts" gehe, "um die Kontrolle". Die Kontrolle haben seit Jahrzehnten die Israelis und wenn jemand in der Region nicht wusste, was Kontrolle überhaupt bedeutet, dann wusste er es seitdem. Deshalb kann man diese Passage so verstehen, dass hier von Kontroll-Ängsten die Rede ist (wessen auch immer) und eher nicht dahingehend, dass politische Konstellationen analysiert werden. Broder schreibt dann, erneut völlig von einem anderen Stern: "Würden die Palästinenser nur einen Bruchteil der Energien, die sie in interne Kämpfe und 'Widerstandsaktionen' gegen Israel investieren, in den Aufbau ihres Landes stecken, sähe es in der Westbank und in Gaza anders aus." Ich glaube, der kennt überhaupt keine Palästinenser. Den Aufbau des Landes. Das schreibt er, während die Armee seines Schützlings Gaza in Schutt und Asche legt. Deshalb meine ich: Wir erfahren hier möglicherweise Details über b.s Innenleben. Hören wir weiter zu.

"Wie immer in solchen Momenten, da der Tunnel am Ende des Lichts immer näher kommt, bekommen es die Mitreisenden mit der Angst zu tun. Die Europäer sind wieder dabei, sich die Situation schönzureden." - Da ist von einer Angst vor Frieden die Rede, die auszusprechen ihm etwas peinlich ist, was mit Schüler-Humor gelöst oder auch überspielt wird: Tunnel am Ende des Lichts statt: Licht am Ende des Tunnels.

"Auch nach fast 40 Jahren Besatzung sind die Palästinenser noch nicht in der Wirklichkeit angekommen und träumen weiter von einer Rückkehr zum Status quo ante." - Es wird also eine Anerkennung der Besatzung gefordert, jetzt verstehe ich es schon besser. Ich dachte erst, es ginge um das "Existenzrecht" Israels. Aber hier wird suggeriert, es solle die Strafe oder der Druck oder die Gewalt anerkannt werden, damit sie schließlich aufgehoben werden kann. Klingt wie ein verrückter Gedanke, kann ich nicht anders sagen.

"Die Palästinenser wollen in der Tat eine Zwei-Staaten-Lösung." - Also viele, die ich kenne, sind für einen Staat, weil anders die Probleme des Rassismus und der Flüchtlinge nicht gelöst werden können. Israel ist ja kein demokratischer Staat. Er nennt sich so, aber er akzeptiert zum Beispiel die UNO nicht. Die UNO hatte gesagt: Wenn Ihr die Resolutionen befolgt, nehmen wir Euch auf. Israel hat Ja gesagt, ist aufgenommen worden, hat aber die Resolutionen bis heute nicht erfüllt. Deshalb zum Beispiel ist es kein demokratischer Staat. Auch wenn ein Staat Menschen tötet und Besatzungen macht, ein Riesen-Ghetto für Palästinenser baut, hat es seine demokratische Legitimität verloren. Zu einem Staat gehören auch definierte Grenzen. In einer Demokratie gibt es keine rassistischen Gesetze. Zum dem Thema habe ich viel Material, aber hier geht es um den Kommentar von Broder, der hier möglicherweise unbewusst über seinen Seelenzustand schreibt.

"Israel kann gar nicht anders, als Härte zu demonstrieren, weil ihm jedes Nachgeben, jeder Rückzug als Schwäche angerechnet wird. Zudem ist das Wort 'Kompromiss' in der arabischen Welt ein Fremdwort. Man setzt sich entweder durch oder geht heldenhaft unter." - Gähn.

"Deswegen ist ein 'Waffenstillstand' das Äußerste, wozu die Hamas gegenüber Israel bereit ist, was die Europäer bereits als den ersten Schritt zur Anerkennung missverstehen wollen. Es ist nur eine taktische Verschnaufpause im Krieg gegen Israel." - Den Waffenstillstand hat Israel leider gebrochen. Das war eine echte Chance. Hat da jemand Angst vor Frieden? Den "Krieg", von dem Broder spricht, führen die Israelis. Deshalb haben sie ja keine definierten Grenzen, weil sie sich die gerade noch "heldenhaft erkämpfen". Denken Sie mal jetzt in der WM™-Euphorie an die Euphorie von 1967 zurück, als Israel die Westbank, Jerusalem und Gaza besetzt hat. So viel zum Thema "Der Krieg gegen Israel".

"Die Nachrichten von der neuen Konfrontation an der Grenze von Gaza nach Israel haben die Berichte von der 'humanitären Katastrophe', die in Gaza droht, weitgehend verdrängt. Dabei wäre es doch wichtig zu erfahren, woher eine Regierung, die die eigene Bevölkerung nicht versorgen kann, die Mittel nimmt, um eine neue 3000-Mann-Truppe aufzustellen, sie einzukleiden und zu bewaffnen. Und wer die hyperagilen jungen Männer ausrüstet und bezahlt, die mit Masken im Gesicht und Panzerfäusten über der Schulter durch die Straßen stürmen. Sieht so die 'humanitäre Katastrophe' aus?" - Es klingt wie die Fixierung auf den Feind unter Ausschluss jeglichen Mitgefühls. Man kann hier schön sehen, wie kalt den Autor die Tragödie der palästinensischen Bevölkerung lässt. Die Ängste, über die er schreibt, sind so zentral, dass alles darum herum in einen Schleier der Abstraktion gehüllt und emotional von sich ferngehalten wird. Die palästinensischen Waffen aufzuzählen ist angesichts der militärischen Supermacht Israel ein Indiz auf Dinge, die zur Welt des Wahnhaften gehören und auf den anscheinend vollständigen Mangel, sich selbst als Agens und Verursacher von Dingen erkennen zu können. Existenz-Angst, kein Zweifel, es bleibt die Frage, ob und inwiefern sie berechtigt ist und wenn sie berechtigt ist, zu welchen Aktionen das führen darf und zu welchen Aktionen es nicht führen darf.

Nun, das war doch ein lohnender Kommentar. Schön. Journalistisch nicht besonders relevant, aber aufschlussreich allemal.





- Reaktionen -

(Montag, 03.07.06) In der vergangenen Woche waren 646 Klicks auf der Introseite, 315 auf dem ersten Kapitel und 127 auf dem zweiten Kapitel. Es folgen einige Reaktionen.

Eine Journalistin schreibt zu dem SPIEGEL Online-Artikel: "Mir stößt noch Broders ständige (Selbst-)Markierung 'des Jüdischen' auf - wie in 'Der Judenstaat...'. Damit erreicht er natürlich eine Art Solidaritätsverpflichtung bei vielen Menschen, aber gleichzeitig schadet er der Gesamtsache, weil die Politik dann als 'jüdische' wahrgenommen wird, was langfristig wieder das Bild vom 'soundso-Juden' nährt - er betreibt also Antisemitismus."

"Hallo, ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt ein feedback zu ihrem artikel haben möchten. ich habe ihn gerade gelesen und wollte sie an meinen gedanken dazu teilhaben lassen. grundsätzlich: wenn sie eine satire schreiben wollten, dann ist das ganze - bisher - ziemlich in die hose gegangen. ihr artikel ist furchtbar ermüdend für mich gewesen (bitte entschuldigen sie die offenheit). sie schreiben im schönsten plauderton, leider ohne pointe und erkennbaren sinn. was hat sie denn letztendlich so an herrn broder gefesselt? wo liegt eigentlich ihre motivation? diese fragen scheinen sich zu klären, wenn man ihre besprechung von broders spiegelkommentar liest. anders als von ihnen dort geschrieben, kann man hier viel über ihr inneres herauslesen, nicht über das von herrn broder. ihre meinung zum palästinakonflikt, die zwischen den zeilen anklingt ist übrigens ausgesprochen einseitig und womöglich stark von persönlicher sympathie für eine der beiden konfliktparteien geprägt. hier kann ich nur vermuten. die alternativen wären aber, dass sie von der thematik nicht viel verstehen oder aber sehr einseitige informationsquellen genossen haben. zum thematischen aspekt ihrer besprechung mag ich mich nicht ausführlicher äußern - welchen vorteil können sie von meiner sicht des palästinakonfliktes haben? wohl keinen. ich denke aber, dass sie das, was sie da so von sich gegeben haben, noch einmal durchdenken sollten. zumindest ist das satzweise auseinanderpflücken eines kommentars höchst - ja, wie soll man es schreiben, "billig" ist das beste wort, das mir einfällt. wenn das ihre form von satire ist, haben wir wohl eine unterschiedliche auffassung von der bedeutung dieses wortes. ihre anmerkungen sind hier übrigens sehr aggressiv, ganz anders als im bisherigen teil ihres, in meinen augen viel zu langen, artikels. deshalb meinte ich, wird hier eher etwas über ihr inneres offenbar. tja, soweit erstmal, viele grüße von einem für sie unbekannten sporadischen leser ihrer website."

Auf der Homepage des Journalisten Daniel Reitzig
www.danielreitzig.de findet man folgenden Artikel: "29.06.06, Medien: 'Auch nach fast 40 Jahren Besatzung noch nicht in der Wirklichkeit angekommen'. Er ist ein gern gelesener Autor. Nicht nur, weil er zu seinen Überzeugungen steht. Publizist Henryk Broder glaubt in seinem Kommentar für den SPIEGEL, die Palästinenser würden den Frieden nicht lange halten können. Im Grunde trauerten sie noch immer dem 'Status quo ante' nach. Und würden sich unterdessen an den falschen Fronten versuchen. 'Würden die Palästinenser nur einen Bruchteil der Energien, die sie in interne Kämpfe und 'Widerstandsaktionen' gegen Israel investieren, in den Aufbau ihres Landes stecken, sähe es in der Westbank und in Gaza anders aus', schreibt Broder. Wenige Stunden später gab die Armee Israels bekannt, in Vergeltung für die Entführung eines Soldaten unter anderem das einzige Elektrizitätswerk im Gaza-Streifen bombardiert zu haben. Energie- und Wasserversorgung seien zunächst unterbrochen. Um bei Broder zu bleiben: Einen interessanten Versuch, sich ihm zu nähern, unternimmt der Autor Anis Hamadeh. In seiner 'Pressezeit 4' wirft Hamadeh einen satirisch-kritischen Blick auf den in Berlin lebenden Journalisten. Broder selbst stellt sich und seine Arbeit auf seiner Homepage vor."

"Ich hoffe, das Schreiben hat Dir so viel Genugtuung bereitet wie mir das Lesen."

"was mir gerade einfällt... der vollständige name von broder ist: Henryk Modest Broder, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Henryk_M._Broder"

"Genial und köstlich!"

"Lieber Anis, Du sammelst doch, wenn ich das richtig verstanden habe, auch Erinnerungen an HB's Lehr- und Wanderjahre. Dazu gehört, dass er vor ca. 35 Jahren eine Kolumne im Pardon - wenn ich mich richtig erinnere? - hatte, als deren Markenzeichen er die bekannten 'Klassikerköpfe' führte. Marx, Engels, Lenin und als vierten in der Reihe Henryk Broder. Er muss also mal Selbstironie besessen haben - oder er hat, ausschließen kann man's nicht, diese Sache ganz ernst gemeint. Broder, der schon damals gern mit der Justiz eine Lanze brach, hat in der ersten Hälfte der 70er Jahre u.a. auch mit der Antifa-Kommission unseres Kommunistischen Bundes und mit unserer Monatszeitung Arbeiterkampf zusammengearbeitet. Berührungsängste setzten erst später ein. Und dann kam plötzlich der Moment - war es 1976 nach Entebbe oder schon etwas früher? - wo Broder verkündete, es in Deutschland nicht mehr auszuhalten und ins Land seiner Bestimmung, Israel, überzusiedeln. Lange hat er es da aber nicht ausgehalten. Er hat dort damals seine besten Reportagen zum Thema Israel-Palästinenser geschrieben. Von seiner Psycho-Struktur her ganz natürlich: Er ärgert gern seine Umwelt, provoziert und schwimmt gegen den Strom. So wird er halt in Israel zum Israel-Kritiker."

"Wenn du es nicht geschrieben hättest, würde man sich wünschen ähnliches zu lesen."

Ein Journalist: "Ich bewundere Anis für seine Feinfühligkeit und gekonnte Ironie. Ich wünschte, ich hätte davon nur einige wenige Prozent."

Der Journalist mit der Geschichte, die ich nicht veröffentlichen darf, schreibt: "Dass er so rumkaspert und sogar droht, statt einfach zu sagen: 'Mensch Leute, das ist 30 Jahre her, das ist doch schon alles gar nicht mehr wahr. Habt ihr nie Fehler gemacht?' - Da fehlt anscheinend wirkliches Selbstbewusstsein. Er erinnert mich an ein Kind, das nicht erwischt werden möchte und sich in ein immer wackligeres Gebäude von Lügen verstrickt. Dadurch kriegt diese uralte Geschichte doch überhaupt erst ne gewisse Bedeutung."

"Hallo Anis, Du willst dich also mit dem Broder befassen - der wird sich drüber freuen. Ich meine, mit dem sollte man sich gar nicht befassen... Er ist es nicht wert, so wie er mit andern umgeht..."

"deine broder texte finde ich sehr gut. du begegnest ihm in einer form, die du und die nicht er bestimmt. man ist neugierig darauf weiterzulesen."

"Lieber Anis, Für Ihre Auseinandersetzung mit b wünsche ich viel erfolg - und genügend stärke des geistes, b OHNE seine eigenen waffen zu schlagen. Auf seiner homepage besticht mich das schreiben seines freundes abi melzer, bei näherem hinsehen scheint b sich eine persiflage auf sich selbst zu schreiben: www.henryk-broder.de/schmock_der_woche/ Bitte halten Sie mich gern auf dem laufenden :) Grüße aus Berlin. P.S.: Ihre Serie zu b fasziniert mich weiterhin. Dranbleiben!"





- Anis liest sich ein -

(03.07.06) Unter
www.henryk-broder.de/tagebuch/anis.html findet sich in der Rubrik "Das Letzte" ein Beitrag, aus dem ich hier zitiere. Titel: "Anis liest sich ein"

"Ich weiß, man kann sich seine Verehrer nicht aussuchen. Trotzdem finde ich, ich habe Besseres verdient. Zuerst war da Herr bzw. Frau K. (Name gestrichen, AH), der / die sich in mich verbissen hatte. Dann kam mein alter Freund Abi Melzer, der größte Verleger aller Zeiten, der mich unter dem Pseudonym Helga Melzer belästigte. Anschließend eine Knallcharge namens O.K. (Name gestrichen, AH) aus Potsdam, der sich über alles aufregte, was er von mir auf achgut gelesen hatte. Und nun ist es Anis Hamadeh, der in Mainz weltberühmte Dichter, Maler und Musiker. Weil in Mainz die närrische Saison noch nicht angefangen hat, haut er schon mal allein auf den Putz und schreibt mir eine Mail: Hallo Herr Broder, weiterhin verfolge ich Ihr Verhalten gegenüber Kritikern ... (Text ist bekannt, AH)".

"Diese Drohung hat mir fast ein Wochenende in Reykjavik vernagelt, aber es kam noch besser. Anis Hamadeh bat mich darum, ihm bei den Recherchen über mich zu helfen: 'Salamaat, und zwar habe ich auf mein heutiges Update ungewöhnlich schnell Antwort bekommen. Ich gedenke den unteren Teil ab QUOTE zu veröffentlichen auf dem Weg. Also demnächst. Es ist mir zwar noch nicht frühgeschichtlich genug, aber ein Anfang. Gibt es vielleicht Schulkameraden von Ihnen, die ich befragen kann, oder Verwandte? Ich hoffe, weiterhin Ihren Erwartungen entsprechen zu können. Gruß, Anis'"

Es folgt der Abdruck der verbotenen Geschichte - an der ich bereits kein Interesse mehr habe - und eine Replik darauf. Dann: "Jetzt warte ich nur noch darauf, dass Hamadeh rausfindet, dass ich ebenfalls Ende der 7oer wegen Beleidigung eines Richters (V.H.S., Name gestrichen, AH) von einem Kölner Gericht zu 3.ooo,- Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Falls er über diesen Fall etwas im ND findet."

Er hat wieder gesprochen, wow.





- Rupert Neudeck -

(04.07.06) Gestern habe ich Rupert Neudeck kennen gelernt. Er ist ein Menschenrechtler und wurde durch sein "Cap Anamur"-Projekt in Deutschland und im Ausland bekannt. Herr Neudeck hat einen Vortrag an der Uni Mainz gehalten über Palästina und dabei sein neues Buch vorgestellt: "Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina. Mit einem Vorwort von Norbert Blüm". Der Vortrag war bewegend. Draußen standen einige junge Leute und verteilten Flugblätter mit dem Titel: "Das interessierte Gespräch mit AntisemitInnen verhindern! Gegen die Lesung von Rupert Neudeck an der Uni Mainz." Nach zwei Seiten Text stehen unten die Parolen: "Antisemitismus verhindern! Deutschland das Existenzrecht entziehen! Solidarität mit Israel!" Gezeichnet ist es von einem "AK Antifa Mainz" ViSdP W. Urst. Ich redete mit den Leuten und fragte sie, was das alles bedeuten soll. Ja, wurde mir gesagt, Israel ist der Nachfolger der Holocaust-Opfer und die Hamas will die Juden ins Meer werfen ...

Bei so gut wie jeder Palästina-Veranstaltung gibt es diese Leute. In Kiel war es die Gruppe "Waffen für Israel"
1, siehe www.verteidigt-israel.de. Die wollten einen Film verhindern. Sie haben die israelische Botschaft auf Ihrer Frontseite verlinkt und schreiben über ihre Ziele: "Wir solidarisieren uns mit dem Staat Israel, ohne Wenn und Aber. Und deshalb gilt unsere Solidarität auch den IDF (Israel Defence Forces). Ohne seine Armee wäre Israel längst vernichtet worden. Im Sinne dieser Ideen wollen wir im Kleinen wie auch im Großen die Wahrnehmung der Bürger in Deutschland und der Politik verändern." Schon vor Jahren habe ich die Kieler Bürger darauf aufmerksam gemacht, aber sie wollten es nicht hören. Auch in Mainz gibt es solche Gruppen also. Sie verwechseln die Opfer des Genozids mit einer Regierung. Dies war übrigens eines der Hauptthemen von Neudeck.

Nach der Veranstaltung saßen wir noch im Biergarten und ich war für ein paar Minuten fast allein mit Herrn Neudeck. Er erinnert stark an Uri Avnery. Sowohl äußerlich, als auch inhaltlich. Ja, meinte er schmunzelnd, er sei in Palästina und Israel schon von Leuten angesprochen worden, ob er Uri sei. "Und da haben Sie gesagt: fast", fragte ich und wir mussten beide lachen.

Ja, der Broder... Er fing an zu erzählen. Früher habe er mal eine Zeit lang engeren Kontakt zu Broder gehabt. Er habe sehr viel drauf gehabt, gute Sachen gemacht. Er lobte ihn über den grünen Klee. Das wunderte mich. Irgendwann, so meinte Neudeck dann, habe sich Broder verändert. Es habe einen Bruch gegeben.

Ich frage mich, was da genau passiert ist. Mehrere Leute sprechen über diesen Wendepunkt im Leben von b. Ob er selbst uns darüber Auskunft geben möchte? Wir können ihn ja mal fragen, so aufgeschlossen, wie er ist. Oder wird er es wieder als Drohung auffassen? Haben Sie gesehen, wie er schrieb, ich hätte ihn bedroht? Haben Sie auch gesehen, wie er mich in eine Reihe stellt mit Personen, die nichts mit mir zu tun haben? Erst kommt der A, dann der/die B, der C, der D und nun Anis. Was habe ich mit seiner Biografie zu tun? Ich kenne ihn erst seit Neujahr. Und was hat es zu bedeuten, dass er mich wegen eines Textes zu verklagen droht, den er dann selbst vollständig veröffentlicht? Übrigens ohne ihn im Mindesten widerlegen zu können.

Natürlich will ich niemandem Reykjavik vernageln. Wie hätte ich das ahnen sollen? Er forderte mich ja schriftlich auf, die Satire vorzuziehen. Reykjavik... Fischer gegen Spasski 1972. Kennen Sie das Buch zu dieser Schachweltmeisterschaft? Nicht? Ist sehr zu empfehlen, ein echter Krimi. Und dazu superlustig.

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Fußnote:
1: Ein besorgter Leser schrieb dazu am 02.09.06: "Dazu möchte ich folgendes anmerken: In Kiel gab es nie eine Gruppe 'Waffen für Israel'. Sie meinen damit wahrscheinlich die 'Initiative Verteidigt Israel', auf deren veraltete Homepage Sie verweisen. Akutuelle Seite: verteidigtisrael.blogsport.de. Eine Gruppe, deren Name klar aus dem Link hervorgeht, plakativ umzubenennen, das nicht 'ein genialen Einfall', die von Ihnen kritisierte Position 'ein bisschen schärfer zu formulieren', um nicht zu sagen 'umzufälschen'? Es stellt sich die Frage, ob nicht auch die anderen Zusammenhänge, über die Sie schreiben, ähnlich genau darstellen." (Anis: Thanx, never mind the grammar) (zurück)
 
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