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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
12./13.08.2006
Weiter 14.08.06

13.08.06, ARD Tagesschau.de, 17:54 Uhr "Der blutige Weg zur Waffenruhe" Kommentar von Carsten Kühntopp, WDR, ARD-Hörfunkstudio Amman
www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5809704_REF_NAV_BAB,00.html Endet mit: "Israel behauptet gerne, die 'moralischste Armee der Welt' zu haben. Doch was ist das für eine Moral, jetzt noch einmal so viele Soldaten in Gefechte in den Südlibanon zu jagen? Was die Generalität zu leiten scheint, sind gekränkter Stolz, Wut und Rachsucht für einen Krieg, den man nicht gewinnen konnte." - Carsten Kühntopp hielt ich früher für nicht glaubwürdig. Das ändert sich. Ich habe inzwischen mehrfach Berichte von ihm gehört, die nicht schlecht waren.

13.08.06, Bild am Sonntag, "Alle Seiten stimmen Friedensresolution zu. Deutsche Soldaten sollen Israel schützen. Berlin stellt sich auf Truppen-Entsendung ein" von B. Kellner, M. S. Lambeck und A. Link
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/13/bun... Darin: "Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sagte BamS: 'Im Prinzip müssen wir bereit sein, zu einer Friedensregelung aktiv beizutragen. Zuerst und dringend brauchen wir ein klares Mandat des UN-Sicherheitsrates. Ein Anfang, an dem wir uns gegebenenfalls beteiligen müssen, ist, zu verhindern, dass iranische Bewaffnung für die Hisbollah über die syrische Grenze nach Libanon gelangt.'" - Ein kollektiver Wahn. Die Überschrift spricht davon, Israel zu schützen, nicht davon, Frieden herzustellen. Die Ziele der Truppenentsendung sind alles andere als klar. Es ist gefährlich, dass die deutsche Öffentlichkeit so einseitig proisraelisch ist, weil dies die Gewalt verstärkt. Der Artikel endet mit: "Israel weitete unterdessen seine Bodenoffensive im Libanon weiter aus. Soldaten rückten am Samstag bereits bis zu einem Dorf elf Kilometer hinter der libanesischen Grenze vor. Bei israelischen Luftangriffen auf den Libanon wurden am Samstag erneut mehrere Menschen getötet.

13.08.06, Spiegel Online, "Wie Israel beinahe den schärfsten Kritiker der Hisbollah ausschaltete. Bei einem Luftangriff auf ein Beiruter Schiitenviertel wurden auch große Teile des Hauses von Lokman Slim zerstört. Damit traf Israel einen der schärfsten Kritiker der Hisbollah. Das mit deutscher Unterstützung angelegte Archiv des Intellektuellen ist vernichtet." von Markus Bickel (Beirut)
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-430627

13.08.06, Spiegel Online, "Entführte Soldaten: Israel jetzt zu Verhandlungen bereit. Israel hat sich erstmals zu Verhandlungen über die Freilassung der beiden von der Hisbollah-Miliz entführten Soldaten bereiterklärt. Die Mutter einer der Geiseln sagte, Ministerpräsident Olmert plane einen Gefangenenaustausch." von cis/AFP
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-431486 Darin: "Mit ihrem Überfall auf einen israelischen Posten und die Entführung von zwei Soldaten hatte die Hisbollah vor einem Monat den Beginn der israelischen Großoffensive auf den Libanon provoziert." - Sätze wie dieser sind wichtig, weil sie den Kern des Krieges betreffen. Die Hisbollah hat also eine Großoffensive provoziert. Noch immer ist unklar, ob sich der Überfall auf israelischem oder libanesischem Gebiet ereignet hat. Der genaue Ort wird nirgends genannt. Ferner wird selten erwähnt, dass es viele Grenzzwischenfälle gegeben hat, auch von israelischer Seite ausgehende. Es ergibt sich der Eindruck, dass eher Israel einen Krieg wollte als dass die Hisbollah ihn auslöste.

13.08.06, Welt am Sonntag, "Angriff auf die Integration. Die islamistischen Terroristen säen Unfrieden in der britischen Gesellschaft. In einem offenen Brief haben nun muslimische Abgeordnete Premierminister Tony Blair aufgefordert, seine Politik zu ändern." von Thomas Kielinger (London)
www.wams.de/data/2006/08/13/995897.html Darin über den offenen Brief der muslimischen britischen Gemeinde an Tony Blair: "Der Brief belegt, dass diese Versuche so gut wie fruchtlos geblieben sind. Er belegt, dass die führenden Muslime sich nicht mehr anders zu helfen wissen gegenüber der steigenden Flut der Radikalisierung unter der islamischen Jugend als sich an den Premierminister zu wenden mit der Bitte, er möge seine Außenpolitik ändern. Dabei müssen sie wissen, dass keine Regierung der Welt solchem Druck nachgeben könnte, was auf eine neue Art von 'Beschwichtigungspolitik' hinausliefe." - Ein häufiger Topos in der Presse: Ihr mögt vielleicht Recht haben, aber eine politische Veränderung ließe die Regierungen das Gesicht verlieren. Der Journalist lässt es so stehen, versucht nicht, es irgendwohin aufzulösen, so als wollte er sagen: Ja, wir sind Verdammte unseres Schicksals und werden untergehen. Im Grunde passt das überhaupt nicht in eine konservative Zeitung, aber gerade da findet man es häufiger.

13.08.06, Welt am Sonntag, "'Eine Entwaffnung der Hisbollah erscheint mir im Augenblick nicht möglich'. Uri Sagie, Ex-Chef des israelischen Militär-Geheimdienstes, über Friedenschancen im Nahen Osten und die Rolle Syriens." Interview: Silke Mertins
www.wams.de/data/2006/08/13/995719.html Darin im Vorspann über Syrien: "Der libanesische Nachbarstaat ist einer der gefährlichsten Feinde Israels." - Das ist eine Frage des Blickwinkels. Man könnte mit ebenso viel Recht über Israel schreiben: "Der libanesische Nachbarstaat ist einer der gefährlichsten Feinde Syriens." - Aber hier wird ja kein Syrer interviewt, sondern ein Israeli. Man wundert sich ein bisschen darüber, wie viele Ex-Geheimdienstchefs die deutsche Presse in den letzten Wochen ausgraben konnte. Speziell die Springerpresse.

13.08.06, Welt am Sonntag, "Popstar Nasrallah . Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sähe Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wohl lieber tot als lebendig. Doch in den Palästinenser-Gebieten von Gaza bis Ramallah ist Nasrallah ein Idol geworden." von Silke Mertins (Ramallah)
www.wams.de/data/2006/08/13/995727.html Darin: ""Einer Umfrage der Near East Consulting zufolge stimmen 97 Prozent der Palästinenser der Position der Hisbollah gegenüber Israel zu - und die ist eindeutig feindlich. (...) Die Palästinenser sympathisieren nicht zum ersten Mal offen mit den Schurken dieser Welt, sofern sie nur gegen Israel sind." - Ein böser Artikel. Die israelischen Konflikte werden mit Antisemitismus erklärt, auch hier: "Doch um Gefühl allein geht es nicht. Die Hisbollah ist für die Palästinenser weitaus mehr. Sie ist seit Jahren Vorbild im Kampf gegen den jüdischen Staat." - Israels Handlungen werden nicht als aggressiv erkannt, was durch Anführungszeichen angezeigt wird. Es bleibt bei Stereotypen. Dann: "Ist aber der Angriff auf den israelischen Armeeposten mit acht Toten und die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah, immerhin Auslöser des Krieges, nicht auch eine Aggression gewesen?" - Acht Tote?? Wo kommen die auf einmal her? Selbstverständlich war die Entführung eine Aggression, aber kein Kriegsgrund. Ein abwegiger, wahnhafter, gefährlicher Artikel.


12.08.2006 Berlin: 15 Uhr Demonstration, Treffpunkt vor dem Roten Rathaus, Neptunbrunnen (Nähe Alexanderplatz). Die Demonstration wird von mehr als 50 Organisationen bzw. Bündnissen unterstützt, u. a. von der Achse des Friedens, der Friedenskoordination, dem Dachverband Arabischer Vereine, der Linkspartei.PDS , der WASG, ver.di Bezirksvorstand Berlin, Jüdische Stimmen für einen gerechten Frieden. 12. August: Internationaler Tag des Protestes und der Solidarität "Für einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand - gegen den Krieg in Libanon und Palästina" Demo in Berlin, 15 Uhr Rotes Rathaus. Wir fordern: 1. einen sofortigen, bedingungslose Waffenstillstand, der den vollständigen Rückzug der israelischen Truppen aus Libanon und dem Gaza-Streifen sowie die sofortige Einstellung jeglicher Kampfhandlungen aller Seiten beinhalten muss - 2. umfassende humanitäre Hilfe einschließlich der Aufnahme von Verletzten und Kranken in Deutschland - 3. die unverzügliche Einleitung eines politischen Verhandlungsprozesses zwischen allen Beteiligten für einen gerechten, dauerhaften und umfassenden Frieden auf der Grundlage aller diesbezüglichen UNO-Resolutionen - 4. den unverzüglicher Stopp aller Waffenlieferungen in die Region des Nahen Osten einschließlich der deutschen Waffenlieferungen an Israel - 5. die Gewährleistung der friedlichen Koexistenz eines unabhängigen und lebensfähigen Staates Palästina an der Seite des Staates Israel in sicheren Grenzen und ohne Bedrohung durch andere - 6. die Rückkehr aller Flüchtlinge in ihre angestammten Orte im Südlibanon und ihre Entschädigung. - 7. keine NATO-Truppen in den Libanon. - Auftaktkundgebung 15 Uhr vor dem Roten Rathaus (Neptunbrunnen), die Route führt über die Straße Unter den Linden, Friedrichstr., Leipziger Str. zur Abschlusskundgebung am Potsdamer Platz. Internet: www.Achse-des-Friedens.de

12.08.06, Link zu: NISCVT: Libanonkrieg Tag 25-30 (Erhalten von Flüchtlingskinder im Libanon e.V.: www.lib-hilfe.de)

12.08.06, junge Welt, Ausland, S.1, "Zustimmung für Olmerts Kriegskurs sinkt. Kritik an Israels Premier wächst. Weltweit Antikriegsproteste gegen Libanon-Feldzug" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2006/08-12/026.php

12.08.06, junge Welt, Schwerpunkt, S.3, "'Es ist die Hölle'. Einen Monat nach Kriegsbeginn: israelische Offensive gegen Libanon geht weiter." von Gerd Schumann
www.jungewelt.de/2006/08-12/035.php Darin: "Am 12. Juli um 9.49 Uhr hatte die Agentur AP mit 'Eil'-Vermerk gemeldet: 'Die libanesische Hisbollah-Miliz hat offenbar zwei israelische Soldaten entführt.' Wo genau dies geschah, ist bis heute ungeklärt. (...) Um 10.24 Uhr dann meldete AFP mit 'Dringend'-Vermerk: 'Die israelische Armee ist nach eigenen Angaben mit Luft- und Bodentruppen in den Libanon vorgerückt. Ein Militärsprecher sagte am Mittwoch, damit reagierten die Streitkräfte auf die von der libanesischen Schiitengruppe Hisbollah kurz zuvor bekanntgegebene Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten.'" - Wichtiges Resümee.

12.08.06, junge Welt, Schwerpunkt, S.3, "Somiaas zerbrochene Wippe. Bericht aus dem Jabalya-Flüchtlingscamp im besetzten Palästina" von Mohammed Omer, Üb. Jürgen Heiser
www.jungewelt.de/2006/08-12/036.php Beginnt mit: "Im Schatten des Libanon-Krieges führt Israel seinen Feldzug gegen die Palästinenser fort." - Augenzeugenbericht

12.08.06, junge Welt, Ansichten, S.8, "'Hinweise auf Herkunft oder Hautfarbe stigmatisieren'. Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert Diskriminierungsverbot. Ein Gespräch mit Fritz Greußing" Interview: Nick Brauns
www.jungewelt.de/2006/08-12/048.php Endet mit: "Es gab 1935 den Erlaß von Reichsinnenminister Frick an alle Behörden, 'bei allen Mitteilungen an die Presse über Straftaten von Juden die Rassezugehörigkeit hervorzuheben'. Dieser Erlaß wurde in der Praxis genauso auf Sinti und Roma - damals Zigeuner - angewendet und war ein wesentliches Element der nationalsozialistischen Rassenpropaganda." - Fritz Greußing ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und einer der Sprecher des Verbandes.

12.08.06, junge Welt, Wochenendbeilage, "Flugblätter, Bomben, aber keine Hilfe für die Libanesen. Vereinte Nationen warnen vor einer 'humanitären Katastrophe' im Süden des Landes" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2006/08-12/004.php Darin: "Wer fühlt sich da nicht an das Kriegsverbrechen in Varvarin erinnert. NATO-Bomber hatten am Pfingstsonntag 1999 bei einem Doppelangriff in Zentralserbien das Leben der damals 16jährigen Sanja Milenkovic ausgelöscht. Neun weitere Varvariner, zum Teil als Helfer herbeigeeilt, wurden getötet, 17 verletzt. Bis heute ist das Mordwerk ungesühnt, warten die Hinterbliebenen und Überlebenden auf eine Entschuldigung - auch der Bundesregierung - und auf eine Entschädigung. Wie lange werden die Libanesen warten müssen, bis es keine Flugblätter und Bomben mehr regnet, ihnen Gerechtigkeit widerfährt?"

12.08.06, Süddeutsche Zeitung, "Günter Pleuger im Interview. 'Die Entwaffnung der Hisbollah ist Selbstmord'. Der frühere Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gunter Pleuger, über Blauhelme im Nahen Osten, das Scheitern der UN-Reform und den iranischen Atomkonflikt." Interview von Nicolas Richter
www.sueddeutsche.de/,tt1m3/ausland/artikel/631/82549/ Darin Pleuger: "Die Grenze zum Libanon war nie ruhig. Nun hat Israels Regierung die Entführung zweier Soldaten zum Anlass genommen, große Teile des Landes und seiner Infrastruktur zu zerstören." - Gunter Pleuger war bis vor wenigen Wochen deutscher Botschafter bei der UNO. Er sagt hier, dass Israel den Krieg begonnen hat. Über den US-Botschafter der UNO John Bolton sagt er auf Anfrage: "Er ist einer der schwierigsten Kollegen, mit denen ich je zu tun hatte. Er ist sehr ideologisch geprägt, er argumentiert nicht politisch, sondern in Kategorien von Richtig und Falsch oder Gut und Böse. Das sind moralische Begriffe, während in der Politik über Alternativen und Kompromisse entschieden wird." - Zum Iran sagt er: Wenn der Rat nun aber Sanktionen verhängen sollte, nur weil Iran das Atomprogramm fortsetzt, dann würde er Iran elementare Rechte aus dem Atomwaffensperrvertrag nehmen." - Wichtiges Interview mit einem Menschen, der niemandem mehr verpflichtet, der frei ist, seine Meinung zu sagen.

12.08.06, Süddeutsche Zeitung, "Olmert unter Druck. 'Wenn er wegläuft, kann er nicht einen Tag länger Premier bleiben.' Die Aussicht auf Waffenruhe im Nahost-Krieg birgt für den Ministerpräsident innenpolitisch ein hohes Risiko: Der Regierungschef initiierte den Krieg, nun will die Nation einen Sieg." von dpa/Carsten Hoffmann
www.sueddeutsche.de/,tt1l3/ausland/artikel/611/82529/ Darin: "Einen Sturm der Entrüstung unter jüdischen Siedlern löste er mit der Erklärung aus, der Libanon-Krieg befördere auch den geplanten israelischen Rückzug aus dem Westjordanland. Die Erklärung gilt inzwischen als eine von mehreren Ungeschicklichkeiten des Regierungschefs." - Die deutsche Presse transportiert häufiger diese Ebene als die Ebene der Besatzung. Sie kennt auch keine Besatzung, weiß nicht, was man sich darunter vorstellen soll. Sie hat wohl schon davon gelesen, auch einige Filme gesehen, aber sie versteht nicht wirklich, warum Besatzung eine schlechte Sache ist.

12.08.06, taz, S.4, "Tod, Zerstörung, Flucht. Nach einem Monat Krieg im Libanon halten sich beide Seiten mit Ankündigungen über einen schnellen Sieg zurück" von Kerstin Speckner
www.taz.de/pt/2006/08/12/a0113.1/text Chronologie des Krieges

12.08.06, taz, S.11, "Das Erbe des Revolutionsführers. Der Antisemitismus hat im Iran eine lange Tradition - nicht erst seit Ajatollah Chomeini. Eine genozidale Dimension, wie gegenwärtig oft behauptet wird, besitzt er aber nicht" Kommentar von Michael Kiefer
www.taz.de/pt/2006/08/12/a0129.1/text Darin: "Die antisemitischen Tiraden des iranischen Präsidenten, die in Form eines militanten Antizionismus daherkommen, sind im Iran kein skurriles Randphänomen, sondern ein fester und wichtiger Bestandteil der Revolutionsideologie, die seit mehr als 25 Jahren von den Propagandaabteilungen des islamistischen Regimes verbreitet wird. Es ist das Programm des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini, der schon während der Islamischen Revolution in den Jahren 1978/79 die Parole ausgab: 'Heute befreien wir den Iran; morgen werden wir Palästina befreien.'" - Einer der schlechtesten Kommentare, die die taz in letzter Zeit zugelassen hat. Acht mal kommt das Wort "Antisemtismus/antisemitisch" darin vor, ein Wort, mit dem man die Nazigräuel an den Juden assoziiert. Es ist falsch, dieses Wort für heutige Situationen zu verwenden, speziell in Nahost. Bei Kiefer wird zudem fröhlich Antizionismus als getarnter Antisemitismus erwähnt und die Befreiung Palästinas als antisemitischer Akt. Der ganze Artikel ist widersprüchlich und ideologisch. Die Juden werden als historisch unveränderliches (leidendes) Kollektiv gesehen, das heute im Staat Israel repräsentiert wird. Zuerst heißt es, es habe im Iran Massenmord und Massenvertreibung von Juden gegeben, auch einen Massenexodus (Zahlen werden nirgends genannt), dann wird der "islamistisch gefärbte Antisemitismus" erwähnt. "In Palästina herrschten Juden über Muslime, was allen Geboten des Islam zuwiderlaufe" heißt es da, als gäbe es nur Gruppen und keine Sachverhalte. Sachverhalt ist die Unterdrückungssituation der Palästinenser, hier sieht man, wieso unsere Kultur so etwas zulassen kann. Zum Schluss hin gibt Kiefer dann entgegengesetzte Hinweise: dass der Iran "größte jüdische Gemeinde aller islamischen Staaten beherbergt." Auch: "um eine vollständige Vertreibung oder gar Vernichtung der iranischen Juden ging es den Machthabern in Teheran nie." Dann: "Solange die Juden Irans sich nicht für Israel aussprachen oder gar betätigten, ließ das Regime die jüdischen Gemeinden weitgehend unbehelligt. Die Verfassung der Islamischen Republik Iran zählt sie zu den anerkannten religiösen Minderheiten, die nach Artikel 14 'gut und gerecht' zu behandeln sind. Darüber hinaus billigt ihnen die Verfassung auch das Recht der Vertretung im Parlament zu." - Was beim Leser am Schluss übrig bleibt ist die Assoziation mit dem Antisemitismus, also mit Hitler.

12.08.06, taz , S.5, "Flucht zu Flüchtlingen" von Markus Bickel (Saida)
www.taz.de/pt/2006/08/12/a0118.1/text Darin: "Über zweitausend Flüchtlinge hat Ain al-Helweh, die von engen Gassen mit zerschlissenem Belag durchzogene Siedlung am Ostrand der historischen Hafenstadt Saida, seit Kriegsbeginn aufgenommen. Eine seltsame Wendung der Geschichte: 1948 flohen in die heute 70.000 Einwohner große Stadt viele aus Israel vertriebene Palästinenser. Trotz Jahrzehnten im Exil weigert sich der libanesische Staat bis heute, ihnen die vollen Bürgerrechte zuzugestehen." - Ingrid Rumpf kommentiert: Taz-Artikel zur Situation im palästinensischen Flüchtlingslager Ein Al-Helweh bei Saida, das am Mittwochmorgen von israelischen Flugzeugen beschossen worden ist. Kleine Korrektur von mir: Nicht 2000 Flüchtlinge sind aufgenommen worden, sondern 2000 Familien, was ungefähr 10.000 - 12.000 Menschen entspricht. Ca. 350 Familien sind in den UNRWA-Schulen untergebracht, der Rest bei Verwandten und Freunden in den engen Behausungen der palästinensischen Flüchtlinge.

12.08.06, Die Welt, "NAHOST-KONFLIKT: Beistand im Krieg. Ein syrischer Schmugglerkönig berichtet von den Waffenlieferungen an die Hisbollah - Gingen auch Al-Qaida-Kämpfer über die Grenze?" von Boris Kalnoky
www.welt.de/data/2006/08/12/994381.html Darin am Schluss: "Ob diese Männer etwas mit al-Qaida zu tun hatten, ist jedoch eher unwahrscheinlich - denn sie hatten keine Kontakte, um zum Ziel zu kommen, sondern mussten sich an einen Schmuggler wenden. Auch ihr Aussehen (langbärtig und langhaarig, mit Ausnahme zweier Schwarzer) ähnelt zwar dem Stil Bin Ladens, deutet aber eher auf Frömmler hin denn auf Terroristen. Diese rasieren sich oft, um nicht aufzufallen." - Also doch keine al-Qaida. Trotzdem steht es in der Überschrift. Man nennt halt alle Begriffe, die man mit der Problematik assoziiert.

Weiter 11.08.06
 
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