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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
11.08.2006
Weiter 12.08.06

11.08.06, Bildzeitung, "Exklusiv-Interview mit Israels Vize-Premier Shimon Peres. 'Sie sind bereit, alles zu töten'." von Hans-Jörg Vehlewald
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/12/terror... Darin Peres: "Auch mich haben die Anschlagspläne zutiefst schockiert! Diese Leute sind gottlose Kreaturen, die an nichts mehr glauben. Sie scheuen vor nichts zurück, sind bereit, alles zu töten, sogar ihre eigenen religiösen Werte. Die Welt muss lernen, sich gegen diese globale Gefahr zu rüsten, die alles und jeden vernichten will. Alles andere wäre eine Katastrophe!" - Das Feindbild heißt "fanatischer Islam", hauptverantwortlich laut Peres ist der Iran. Jegliche Kritik am israelischen Vorgehen im Libanonkrieg lehnt er ab: "Diese Kritik beeindruckt mich nicht. Der Vorwurf lautet, wir würden 'unangemessen' vorgehen. Aber sind täglich über 200 Raketen der Hisbollah gegen unser Volk angemessen? Attentate auf Schulen, Wohnhäuser, Restaurants. Wer legt solche Maßstäbe fest?" - Dieser Mann ist eine Gefahr.

11.08.06, Frankfurter Rundschau, "'Wir akzeptieren nicht, was geschieht.' Interview mit Navid Kermani." von Harry Nutt
Darin Kermani: "Intellektuelle und Schriftsteller, die lauter bellen als das Rudel, machen mich immer sehr skeptisch" - Er sagt hier, dass er mit den Wölfen heult. So etwas wiederum macht MICH skeptisch. Es geht um den Aufruf zum Frieden, der gerade in der Presse herumgeistert, weil er von vielen Intellektuellen unterschrieben wurde. Kermani sagt hier im Interview: "Nun zu den Schuldzuweisungen: In dem Augenblick, wo der andere weiß, dass ich die Verheerungen und Missstände in der eigenen Gesellschaft, der eigenen Kultur benenne, aus der Binnenwahrnehmung deutlicher benenne, als ein Außenstehender es vielleicht je vermöchte, ist in der Regel auch augenblicklich die Bereitschaft da, Kritik anzunehmen." - Ich denke, er macht sich etwas vor. Was Kermani Selbstkritik nennt, ist Kritik an der HIsbollah: "Ich selbst denke (und das ist wirklich nur meine persönliche Meinung, nicht die der Unterzeichner), dass man jetzt kurzfristig unbedingt versuchen sollte, den libanesischen Vorschlag aufzugreifen und für einen Waffenstillstand und die Stationierung libanesischer Soldaten einen Konsens zu finden, womöglich unter Einbeziehung einer internationalen Friedenstruppe. Man muss weitere Opfer und Zerstörungen verhindern, aber auch, dass die Hisbollah und das Regime in Teheran als Sieger aus dem Konflikt hervorgehen." - Über die Zerstörung des Libanon und dessen Zerstörer wird nichts gesagt. Kermani nennt das: "Der Aufruf ist bewusst unpolitisch gehalten."

11.08.06, Freitag, "Wächst mit dem Libanon-Krieg die Gefahr eines Militärschlages gegen den Iran? Der Politikwissenschaftler und Nahost-Experte Mohssen Massarrat über die erste, zweite und dritte Front im Nahen und Mittleren Osten." Interview: Lutz Herden
www.freitag.de/2006/32/06320301.php Darin: "Frage: Ist die Belebung des so genannten Nahost-Quartetts aus den USA, Russland, der EU und der UNO, wie das Ex-Außenminister Fischer gerade vorgeschlagen hat, ein Weg in diese Richtung? Massarrat: Die Frage ist: Was soll dieses Quartett tun? Wenn es nach wie vor an seiner unseligen Road Map festhält, kann man das vergessen. Die Road Map war ein israelischer Fahrplan, nicht mehr. Danach sollten die Palästinenser durch Gewaltverzicht und die Anerkennung Israels erhebliche Vorleistungen erbringen, während Israel die Gründung eines palästinensischen Rumpfstaates lediglich als Möglichkeit in Aussicht stellte. Fischer muss endlich einsehen: Israel wird zu noch mehr Gewalt ermutigt, wenn nur die bedingungslose Umsetzung seiner politischen Ziele befördert wird. Und das führt in die Katastrophe - wir stehen kurz vor dieser Katastrophe."

11.08.06, junge Welt, Titel, S.1, "Bodenoffensive hält an" von Rainer Rupp und Raoul Wilsterer
www.jungewelt.de/2006/08-11/043.php Darin: "Die israelischen Angriffe auf den Libanon gingen am Donnerstag mit unverminderter Intensität weiter."

11.08.06, junge Welt, Schwerpunkt, S.3, "Hilfe im Flüchtlingslager. Israels Invasion im Südlibanon zwingt Hunderttausende zur Massenflucht" von Karin Leukefeld (Burj Al Barajneh)
www.jungewelt.de/2006/08-11/015.php reportage über das Flüchtlingslager in Burj Al Barajneh. Darin der Nachsatz: "Die Nachrichtenagentur AP meldete am Donnerstag nach Abschluß der Reportage, die israelische Armee habe auf Flugblättern die Bombardierung Burj Al Barajnehs angekündigt."

11.08.06, junge Welt, Schwerpunkt, S.3, "Aufruf: Waffenstillstand und Rückzug Israels" von jW
www.jungewelt.de/2006/08-11/016.php Darin: "Ebenfalls am Donnerstag und in Berlin präsentierten der deutsch-iranische Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani und die Leiterin des Potsdamer Einstein-Instituts, die Philosophin Susan Neiman, einen internationalen Aufruf jüdischer und muslimischer Intellektueller gegen den Krieg im Libanon. In dem Aufruf heißt es unter anderem: 'Wir, Juden und Muslime, Künstler, Intellektuelle und Weltbürger, verabscheuen die Gewalt, Militarisierung und das Blutvergießen unschuldiger Menschen, das derzeit zwischen Israel und seinen arabischen und muslimischen Nachbarn stattfindet. Wir lassen es nicht zu, daß unsere jeweiligen kulturellen und religiösen Traditionen für einen großangelegten militärischen Konflikt vereinnahmt werden.' Die Unterzeichner rufen auf 'inmitten der sich abzeichnenden Katastrophe im Nahen Osten zur sofortigen Waffenruhe und zur Weiterführung eines fruchtbaren und von Respekt geprägten Austauschs'." Der ganze Text steht unter www.medico-international.de/projekte/nahost/20060809_keinkrieg.asp. Er ist von vielen Prominenten mitunterschrieben, was auch kein Wunder ist, denn es steht nichts drin außer: Wir wollen keinen Krieg. Immerhin, könnte man sagen, aber mir gefällt es nicht. Vom Rückzug Israels ist darin keine Rede.

11.08.06, junge Welt, Ausland , S.6, "Vergessener Krieg in Gaza. Palästinenser diskutieren Möglichkeit der Selbstauflösung der Autonomiebehörde" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/08-11/021.php Darin: "Das Töten von Zivilisten, einschließlich vieler Kinder in Gaza, durch die Israelis sei 'durch absolut nichts zu rechtfertigen', erklärte Annans Sprecher. Auch am Mittwoch gab es wieder drei Opfer, als zwei Erwachsene und ein kleines Mädchen bei einem israelischen Luftschlag gegen ein Wohngebiet im Gazastreifen getötet wurden. Seit Beginn der massiven Militärüberfälle am 28.Juni haben die israelischen Truppen bereits mehr als 170 Menschen umgebracht."

11.08.06, junge Welt, Ansichten, S.8, "Lafontaine antwortet Kritikern. Linkes Kriegselend" von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2006/08-11/038.php Pirker nennt Oskar Lafontaine feige: "Aufgabe der Linken, so Lafontaine, sei es, 'für die Existenz des Staates Israel ebenso einzutreten wie für einen unabhängigen funktionsfähigen Palästinenserstaat'. Das Exstenzrecht Israels steht immer an erster Stelle. Und weil dem so ist, gibt es immer noch keinen Palästinenserstaat. Niemand wäre je auf die Idee gekommen, die Solidarität mit der indigenen Bevölkerung Südafrikas an eine Anerkennung des Apartheidregimes durch den ANC zu knüpfen. Das weiße Südafrika gibt es nicht mehr. Und einen funktionsfähigen Palästinenserstaat wird es erst geben, wenn der Zionismus besiegt ist."

11.08.06, Spiegel Online, "Muslime in London. 'Die Leute haben Angst vor mir.' Die Blicke werden wieder skeptisch. Nach der Vereitelung der Terroranschläge auf Flugzeuge in die USA wird mancher Muslim in London scheel angeschaut. Die kennen das seit dem 7. Juli 2005 bereits." von Beth Gardiner, AP
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-431257 - Die Anschläge werden auf den Islam projiziert und treffen auf ein etabliertes Feindbild. So lange Muslime und Araber als "Andere" wahrgenommen werden, bleibt die Kluft. Auf der anderen Seite gehört Israel zur "Wir"-Gruppe und hat insofern fast einen Freifahrtschein.

11.08.06, SZ, "Der Libanon - Israels Vietnam. Untrainierte Reservisten als Kanonenfutter für die Hisbollah: Was als kurzer Vergeltungsschlag gegen die Terrorgruppe gedacht war, wird zum militärischen Desaster. Nun bleibt die Wahl zwischen zwei Übeln." Kommentar von Thorsten Schmitz
www.sueddeutsche.de/,tt2m3/ausland/artikel/547/82465/ Darin: "Was als kurzer Vergeltungsschlag gegen die Hisbollah geplant war, entpuppt sich für Regierungschef Olmert und seinen Verteidigungsminister Peretz zunehmend als Israels Vietnam. Eine Falle." - Sehr poetisch. Daran anschließend: "Vieles deutet darauf hin, dass Peretz und Olmert, beide in militärischen Dingen unerfahren, überstürzt die Truppen in den Südlibanon entsandt haben." - Was denn nun? Eine Falle oder Überstürzung? Dann wieder literarisch: "Israel führt diesen Krieg aus Versehen." Begründung: "Für diese Annahme sprechen auch die sich widersprechenden Kriegsziele." - Dieser Kommentar von Herrn Schmitz ist besser als der letzte (über die UNO und Israel). Hier gibt es zumindest etwas zu lachen.

11.08.06, taz, S.1, "In Israel wachsen die Zweifel" Kommentar von Susanne Knaul
www.taz.de/pt/2006/08/11/a0103.1/text Darin: "Aus 18 Jahren Besetzung im Libanon hätte Israel eigentlich Lehren ziehen müssen. Die Armee zog im Jahr 2000 aus dem Südlibanon ab, weil klar war, dass man die Hisbollah nicht in den Griff bekommen würde. Wie kann das in so kurzer Zeit in Vergessenheit geraten sein?" - Na gut, Susanne Knaul hatte es selbst zunächst vergessen. Ich bin bei ihr auch skeptisch, weil sie schon sehr schlimme Sachen geschrieben hat im Lauf der Zeit. Das vergisst man auch nach Jahren nicht. Aber so weit muss man nicht zurückgehen. Dieser ihr Kommentar jedenfalls ist ganz gut.

11.08.06, taz, S.2, "portrait. Christlicher Fundamentalist für Israel." von Bernd Pickert
www.taz.de/pt/2006/08/11/a0112.1/text Darin: "John Hagee, genauer: Pastor John Hagee, ist einer der einflussreichsten evangelikalen Christen in den Vereinigten Staaten. (...) John Hagee hat eine Mission: Israel. Das Heilige Land ist für ihn der Schauplatz des Endkampfes zwischen Gut und Böse. Israel ist im Kampf gegen den Islam demnach der Hauptkrieger gegen die Kräfte Satans." - So etwas ähnliches muss es wohl sein, denn diese Geisteshaltung spricht aus einigen Artikeln und Aussagen, auch in der deutschen Presse.

11.08.06, taz, S.6, "Raus aus der Opferrolle. Jüdische und muslimische Intellektuelle fordern einen sofortigen Waffenstillstand - von Israel und der Hisbollah. Schuldzuweisungen an beide Seiten klammern sie bewusst aus. So wollen sie die Logik der Opferkonkurrenz durchbrechen" von Stefan Reinecke (Berlin)
www.taz.de/pt/2006/08/11/a0126.1/text Darin: "Wir haben, so der deutsch-iranische Publizist Navid Kermani gestern in Berlin, 'bewusst auf Schuldzuweisungen verzichtet und anstelle dessen auf Selbstkritik gesetzt'". Was für eine Selbstkritik? Siehe Link zum text oben, junge Welt 11.08.06, S.3. Dann: "Die jüdische US-Bürgerin Susan Neiman, die in Potsdam das renommierte Einstein Forum leitet, unterstützte diese Interpretation des Aufrufs. Schuldzuweisungen zementierten stets 'eine Opferkonkurrenz', deren Logik gerade durchbrochen werden müsse. Denn solange sich die Konfliktparteien als Opfer fühlen, werde der Krieg in Schwung gehalten. Deshalb, so Neiman, habe man bewusst das Positive der religiös-kulturellen Tradition betont." - Klingt nett, ist aber meiner Ansicht nach an diesem Ort Quatsch, weil es Schuld relativiert. Außerdem kommt man nur mit solchen Wischi-Waschi-Erklärungen überhaupt in die Medien. Die wollen so etwas hören. Keine Schuldzuweisungen an Israel etc. Letztlich geht es aber doch genau um Schuldzuweisungen: "Neiman gab jüdischen Befürwortern des Krieges zu bedenken, dass auch, wer die Aktionen Israels für eine legitime Antwort auf die Hisbollah halte, sich fragen müsse, 'ob dieser Krieg auch klug ist'." - Hier noch mehr als Schuldzuweisung: "Dass die militante Hisbollah am Ende von dem Krieg politisch profitierten wird, macht auch Kermani Sorgen. Denn, so der Publizist, 'für uns Muslime ist die Hisbollah der ideologische Gegner'." - Das ist also die Selbstkritik. Artig deutsch dann, an der Schwelle zum selbst-ironisch Humorvollen: "Laut Kermani ist der Aufruf kein Schnellschuss, sondern Resultat eines jahrelang gewachsenen kommunikativen Netzwerkes von jüdischen und muslimischen Intellektuellen." - Oh, sie haben jahrelang daran gearbeitet. Herzlichen Glückwunsch.

11.08.06, taz, S.11, "Die falschen Freunde. Nicht erst seit dem Libanonkrieg liegen Israel und die USA politisch ganz auf einer Linie. Doch auf beiden Seiten mehren sich die Stimmen, die diese Allianz für gefährlich halten" von Tsafrir Cohen
www.taz.de/pt/2006/08/11/a0219.1/text Endet mit: "Dafür müsste sich Europa von den USA emanzipieren und auf eine Politik verständigen, die auf kritische Distanz zu Israel geht. Leider sind gerade die deutschen Eliten dabei, ihre traditionell friedensorientierte Nahostpolitik zugunsten einer stärken Anlehnung an die USA aufzugeben - auch aus einer falsch verstandener Solidarität mit Israel heraus, deren Kehrseite eine wachsende Islamophobie ist." - Sehr guter, langer Kommentar, in dem auch Essay der Harvard-Professoren John Mearsheimer und Stephen Walt über den Einfluss der Israel-Lobby diskutiert wird. Der ist schon ein paar Monate alt und wird langsam in der allgemeinen Öffentlichkeit wahrgenommen.

Weiter 10.08.06
 
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