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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
10.08.2006
Weiter 11.08.06

10.08.06, Bildzeitung, "Vor Irren ist niemand sicher" Kommentar von Willi Schmitt
www.bild.t-online.de/BTO/news/standards/kommentar/2006/08/11/kommentar.html Über den vereitelten Terroranschlag in London. Darin: "Wir, die mündigen Bürger, müssen aber nun akzeptieren, dass Geheimdienste, Polizei und andere Staatsorgane bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten gehen dürfen. Datenschutz ist gut, Menschenleben retten und den Terror eindämmen ist viel wichtiger. Die Terroristen werden uns kein neues Denken aufzwingen." - Widersprüchlich. Erst nennt er das neue Denken, in dem Menschenleben retten wichtiger ist als Datenschutz, dann streitet er das neue Denken wieder ab.

10.08.06, FAZ.NET, "Libanon-Friedensplan. Verhandlungen über Resolution stocken." von FAZ.NET mit dpa
www.faz.net/s/Rub9854F8E42EB34E39AC7626E80C... Darin: "Seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli haben mehr als 100 Israelis ihr Leben verloren. Nach israelischen Angaben sind etwa 480 Hizbullah-Milizionäre getötet worden. Auf libanesischer Seite kamen nach Schätzungen der Regierung etwa tausend Menschen um." - Was bedeutet eigentlich das Wort "Seite" in dem Ausdruck "auf libanesischer Seite"? Ist nun die Hisbollah die andere Seite oder der Libanon? Oder der ganze Nahe und Mittlere Osten?

10.08.06, FAZ, Berlin, "Exillibanesen halten zusammen" von Mechthild Küpper
www.faz.net/s/RubB1888F47EE2C49C2906B43A158... Darin Nabil Rachid über die Demonstration am Samstag: "Die Demonstration versteht er als gemeinsame Friedenskundgebung von Deutschen, Arabern, Libanesen und Palästinensern. Die deutsche Friedensbewegung vertritt bei den Demonstrationsveranstaltern Hans Peter Richter, der in der 'Achse des Friedens' und dem 'Friedensrat' mitarbeitet."

10.08.06, junge Welt, Titel, S.1, "Israel will mehr Krieg. Olmert-Kabinett beschließt Ausweitung der Bodenoffensive gegen Libanon. Tote bei Angriff auf palästinensisches Flüchtlingslager. Drohungen gegen UNO-Helfer" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/08-10/037.php?sstr=

10.08.06, junge Welt, Inland, S.1, "Grüne: 'Zur Zeit"' keine Waffen an Tel Aviv. Wegen Kriegsführung im Libanon soll Bundesregierung Rüstungsexporte nach Israel aussetzen. Proteste in Berlin" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2006/08-10/038.php Darin: "Erst im vergangenen Monat hatte die Bundesregierung die Lieferung von atomwaffenfähigen U-Booten vom Typ Delfin freigemacht und der israelischen Armee ein Exemplar des Panzerfahrzeugs Dingo zum Test in den palästinensischen Gebieten geliefert."

10.08.06, junge Welt, Inland, S.2, "'Wir haben in den letzten Tagen viel diskutiert'. Arabische und deutsche Gruppen werden in Berlin gemeinsam gegen den Libanon-Krieg demonstrieren. Ein Gespräch mit Hans-Peter Richter" von Wera Richter
www.jungewelt.de/2006/08-10/041.php Darin Hans-Peter Richter, Sprecher der Berliner Achse des Friedens: "Unsere Grundforderungen sind von Anfang an dieselben geblieben. Vor allem geht es um einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand. Der Linkspartei war nicht deutlich genug formuliert, daß wir das Existenzrecht Israels und Palästinas anerkennen. Im Aufruf stand, daß wir für einen gerechten, dauerhaften Frieden auf der Grundlage aller UN-Resolutionen sind. Damit fanden wir das abgedeckt. Sie wollten das aber noch besonders betonen, weil uns in der Öffentlichkeit vorgeworfen wird, wir seien einseitig und würden für die Hisbollah demonstrieren." - Sehr interessantes Interview im Vorfeld der morgigen Demo in Berlin. Weiter heißt es: "Das Thema Israel ist immer von besonderer Brisanz. Viele trauen sich nicht, Kritik an Israel zu üben. Beim Irak-Krieg war es leichter zu sagen, wir wollen diesen Krieg nicht. Aber sobald Israel dabei ist, wird es schwierig." - Die Leute werden nämlich mit dem Antisemitismusvorwurf eingeschüchtert. Das ist bekannt.

10.08.06, junge Welt, Ausland, S.6, "Operation 'Gemeinsam vorwärts' in Phase 2. US-Besatzer erhöhen Truppenpräsenz in Bagdad. Luftangriffe auf Moschee und Wohnhäuser in Bakuba. Amerikanischer Soldat berichtet über wachsenden Drogenkonsum und 'Demoralisierung' der Truppe" von Raoul Wilsterer
www.jungewelt.de/2006/08-10/061.php

10.08.06, junge Welt, Ausland, S.7, "Aus für Joseph Lieberman. Stimmungsmacher für USA-Weltkriegspolitik fiel bei Vorentscheidung der Demokraten für Kongreßwahlen in Connecticut durch" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/08-10/067.php Endet mit: "Der linksliberale Flügel der Demokraten hatte Lamont gegen die Wünsche der Parteiführung und an deren etabliertem Propaganda-Apparat vorbei hauptsächlich mit Hilfe von Websites, Bloggern und Emails als Gegenkandidaten zu Lieberman aufgebaut." - Hier ist schön zu beobachten, wie sich die freie Öffentlichkeit gegenüber der frontalen Öffentlichkeit etabliert.

10.08.06, Spiegel Online, "Interview mit Ralph Giordano. 'Wer Gaarder zustimmt, ist Antisemit'. Israel habe die Legitimität seiner Existenz verspielt, hat der norwegische Schriftsteller Jostein Gaarder in einem Essay erklärt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Publizist Ralph Giordano über zulässige Kritik an Israel und die eigentlich Verantwortlichen für die Toten im Libanon." Interview: Anna Reimann
Darin Giordano: "Natürlich ist nicht jeder, der Israels Politik in diesem oder jenen Fall kritisiert - akut oder historisch- ein Antisemit. Israel steht nicht unter kritischem Naturschutz. Aber wir leben in einem Land, in dem 18 Prozent aller Menschen keinen jüdischen Nachbarn haben wollen und 30 Prozent sagen, sie hätten ein ambivalentes Verhältnis zum Antisemitismus." - Ralph Giordano gehört seit Jahren zu den unbedingtesten Israel-Aposteln in Deutschland. Er projiziert den historischen jüdischen Schmerz in die Nahostsituation hinein, wie man oben sieht und schreckt nicht davor zurück, auch Gewalt zu rechtfertigen, wenn es israelische bzw. jüdische ist: "Ich habe alle Höllen des Luftkrieges in Hitlerdeutschland miterlebt - bin ausgebombt und verletzt worden, aber mir war immer eines klar: Die Erstverantwortlichen für diesen Luftkrieg der anglo-amerikanischen Luftwaffe, der Hunderttausende Deutsche das Leben gekostet hat, waren Hitler und das nationale Kollektiv seiner Anhänger. Ich weigere mich, für diese 500.000 Opfer die anglo-amerikanische Luftwaffe verantwortlich zu machen. Genau das Gleiche gilt jetzt für Israel. Es ist fürchterlich was im Libanon geschieht, aber ich bin unfähig, die Hisbollah und deren Geldgeber aus Syrien und Iran von dieser Erstverantwortung freizusprechen." - Hisbollah + Iran + Syrien sind demnach jetzt Hitler und die Israelis sind die Guten. Das ist typisch Giordano. Klar, dass der Spiegel das bringt.

10.08.06, Süddeutsche Zeitung, "Im Tiefflug zwischen Krieg und Frieden. Wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Beirut und Jerusalem zu vermitteln versucht - und dabei nicht viel Ermutigendes erlebt." von Christiane Schlötzer
www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/463/82381/ Darin über den libanesischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri: "Berri blafft Steinmeier erst einmal an. Er habe ja schon viele Kriege erlebt, sagt der fast 70-Jährige, und zählt die Daten aller nahöstlichen Konflikte der vergangenen 30Jahre auf. 'Das jetzt aber ist gar kein Krieg, sondern ein Massaker in jedem Dorf, und in manchem Dorf sind es zwei', poltert Berri." - Die Verben blaffen und poltern erzeugen eine Stimmung, so als hätte Herr Berri zwar vielleicht Recht mit dem, was er sagt, nur ist er halt unsympathisch. Er wird auch "sperrig" genannt. So fällt es leichter, die Opfer des Feindes zu verdrängen. Wobei der Artikel zum Schluss hin (relativ) besser wird.

10.08.06, SZ, "Israelis auf der Flucht: Zimmer im Süden, verzweifelt gesucht" von Thorsten Schmitz
www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/462/82380/5/ Darin: "Jeder Flüchtling hat einen Zettel im Auto, um Strafzettel zu vermeiden: 'Lieber Polizist, wir sind aus dem Norden nach Tel Aviv geflüchtet.' Die Stadtverwaltung zeigt sich kulant und verteilt keine Tickets." - Das ist wirklich kulant. Normalerweise, wenn jemand falsch parkt, bekommt er ein Ticket. Dann: "An vielen Autos wehen israelische Flaggen, mit denen man eigentlich im Frühjahr die Gründung des Staates Israel feiert. Jetzt sollen sie das Nationalgefühl stärken. Die Bank Leumi hat in den Städten einen Satz plakatiert, den auch die Regierung in Jerusalem jeden Tag wiederholt: 'Wir werden siegen'." - Woran erinnert mich das? Mir kommt das irgendwoher bekannt vor, mit den Flaggen und dem Siegen. Wo war das noch? Dann, Lis, die Zehnjährige aus Haifa: "'Wir kämpfen gegen Nasrallah, weil er uns umbringen will'", sagt sie und rückt ihre Brille zurecht. "'Wir müssen stark sein. (...) Weil wir Juden sind, hasst uns Nasrallah.'" - So lernen es also die Kleinen. Sehr traurig, das. Noch trauriger dies: "Und dann sagt sie noch einen irritierend vernünftigen Satz für eine Zehnjährige: 'Es ist okay, wenn jemand uns hasst. Aber warum muss man uns denn umbringen?'" - Für diesen Satz ist Herr Schmitz zu tadeln, denn was ist am Hass vernünftig? Lieber Herr Schmitz, was ist mit Ihnen eigentlich los in den letzten Tagen? Das scheint Sie alles ziemlich mitgenommen zu haben, ist es so?

10.08.06, SZ, "Wie Berichte über Krisen und Kriege entstehen. Wahrheit in der Wüste. Wie aus Todes-Schwadronen 'Elite-Formationen' werden: Die Regierungen im Nahen Osten sind Meister der Desinformation - viele Medien sind nicht in der Lage, die Lügen aufzudecken." von Rudolph Chimelli
www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/464/82382/ Darin: "Das erste Opfer jedes Krieges ist bekanntlich die Wahrheit, dicht gefolgt an zweiter Stelle von der Sprache. Vielfach entrichten Medien dabei freiwillig ihre Quellensteuer. Der gegenwärtige Krieg im Libanon begann vor einem Monat, als die radikal-islamische Hisbollah zwei israelische Soldaten in ihre Gewalt brachte." - Begann mit der Entführung wirklich der Krieg? Wenn die Hisbollah den Krieg erklärt hätte okay, aber die sagte explizit, sie wolle Geiseln freipressen, die Israel seinerseits genommen hatte. Ist der Grenzzwischenfall der Kriegsbeginn gewesen? Das widerspricht der Realität insofern, als Israel oft die libanesische Grenze verletzt hat. Warum wird diese These also in der deutschen Presse geheiligt? Herr Chimelli sagt selbst, dass die Medien eine freiwillige Quellensteuer entrichten und dass die Wahrheit das erste Opfer ist. Wahrscheinlich meint er das damit. Darauf deutet auch der (selbstkritische?) Schluss: "Heute berichten 'eingebettete Journalisten' - ein neues Wort aus dem Irak-Feldzug - zwangsläufig mit militärischen Scheuklappen. Sie sehen das Geschehen durch das Visier des Schützen, nicht mit den Augen des Getroffenen."

10.08.06, SZ Online, "Humanitäre Katastrophe. Hilfsorganisationen: Deutsche lässt das Leid im Libanon kalt. Der Nahost-Konflikt sei Europa so nahe wie kein anderer Krisenherd, trotzdem löse das Leid keine große Hilfswelle aus, klagen Caritas, Rotes Kreuz, Diakonie und UNICEF. Schuld sei auch die Angst politisch Stellung zu beziehen." von AP/AFP
www.sueddeutsche.de/,tt2l1/ausland/artikel/531/82449/ - Das heißt wohl die Angst, etwas gegen Israel zu sagen? Und zu wessen Kosten geht das? Und wird das nicht Unfrieden stiften? Und ist das in Ordnung? Wie viele Menschenleben hat das bereits gekostet? Und wie viele sollen es noch werden?

10.08.06, SZ, "Schriftsteller Menasse über den Krieg im Nahen Osten: Bitte noch mehr Bomben! Warum ich als Pazifist für den Krieg Israels gegen die Hisbollah bin." von Robert Menasse
www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/452/82370/ Darin: "Und was mir zum Kotzen ist: Moralisten. Die ihre Moral jetzt entdecken, da Israel seine schiere Existenz verteidigt." - Du meine Güte, der ledert aber ganz schön ab. Erstaunlicherweise sieht er den Staat Israel mit großem Pathos und durch die rosa Brilla: "Denn so komplex die Lage im Nahen Osten auch ist, eines ist bestürzend simpel: kein einziger israelischer Soldat wäre heute im Libanon, keine einzige israelische Bombe würde über einem Nachbarstaat Israels abgeworfen werden, wenn Israel in Ruhe leben könnte, ohne Raketeneinschläge auf seinem Territorium, ohne terroristische Attentate in seinen Städten. Das muss, denke ich, die Welt doch begreifen! Shalom Israel mit seiner bunten - nicht zu vergessen: auch arabischen - Bevölkerung, Shalom Israel mit der einzigen Demokratie in dieser Weltregion, Shalom Israel, Kind von sechs Millionen Toten." - Shalom Israel mit fünf Millionen Vertriebenen und Enteigneten, Shalom Besatzung, Shalom Mauer, Shalom gezielte Tötungen. Shalom Hass auf Araber und Muslime und Christen, Shalom Israel. Jetzt wieder Menasse: "Kein Israeli hat je das Existenzrecht eines anderen Staates in Frage gestellt. Wenn aber andere Staaten die Existenz Israels in Frage stellen, dann muss Israel diesen Krieg führen. Einen - verdammt, ich bringe das Wort kaum heraus: - gerechten Krieg. Dieser Krieg will kein Opfer in Israel und im Libanon. Deshalb muss er gewonnen werden. Kann er gewonnen werden? Wahrscheinlich nicht. Darf er aufgegeben werden? Nein, auf keinen Fall." - Jawohl Kameraden, rüstet euch zum Endkampf. Wir werden sterben, aber egal Kameraden. Kein Israeli hat je das Existenzrecht eines anderen Staates in Frage gestellt. Außer vielleicht der Palästinenser, aber die zählen nicht. Herr Menasse scheint ein wenig die Übersicht verloren zu haben. Zum Glück hat er nicht "Heil Israel" geschrieben in seinem Rausch. Endet mit: "Ich sitze vor dem Fernseher und weine und bin nicht ich: ein Pazifist, der Daumen drückt bei einem Krieg!" - Zumindest hier kann man Menasse beruhigen: Ein Pazifist ist er sicher nicht. Zwischen Pazifismus und Philosemitismus besteht schon noch ein Unterschied. Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse veröffentlichte zuletzt den Roman "Die Vertreibung aus der Hölle" und die Frankfurter Poetikvorlesungen "Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung" (beide bei Suhrkamp).

10.08.06, taz , S.9, "Das Ende der Isolation. Die Libanonkrise hat die Grundfehler der internationalen Nahostpolitik offenbart. Ohne Einbindung Syriens, des Iran und der Hisbollah wird es keinen Frieden geben" Kommentar von Kirsten Maas
www.taz.de/pt/2006/08/10/a0149.1/text Darin: "Israel wird sich irgendwann aus den besetzten Gebieten in Palästina ebenso wie aus dem Golan und den Schebaa-Farmen im Südlibanon zurückziehen müssen. Im Gegenzug könnte den arabischen Staaten so aber auch eine unmissverständliche Anerkennung des israelischen Existenzrechts und eine Garantie für die Sicherheit des Staates in ihrer Mitte abgerungen werden, wie es schon der saudische Friedensplan aus dem Jahre 2002 vorsah." - Ganz guter Kommentar.

10.08.06, taz , S.9, "Dem Irak droht die Teilung. Die USA können das nicht verhindern. Regierung ohne Rückhalt" Kommentar von Inga Rogg
www.taz.de/pt/2006/08/10/a0144.1/text Darin: "Dreieinhalb Jahre nach dem Sturz des Saddam-Regimes scheint die Saat des Terroristenführers Abu Mussab al-Sarkawi aufgegangen zu sein." - Wessen Saat? Nicht vielleicht die der Invasoren?

10.08.06, Die Welt, "Terror-Alarm: Bush: 'Wir sind im Krieg mit den Islam-Faschisten'. Die britische Polizei hat einen Anschlag vereitelt, der Hunderte von Toten zur Folge gehabt hätte. Mehrere Flugzeuge sollten durch Explosionen zum Absturz gebracht werden. Die Drahtzieher sind gefasst. Die USA vermuten al-Qaida hinter den Terrorplänen." von WELT.de
www.welt.de/data/2006/08/10/992863.html Darin: "Die Aufdeckung der Terrorpläne ist laut US-Präsident George W. Bush 'eine starke Erinnerung, dass wir eine Nation sind, die sich im Krieg mit den Islam-Faschisten befindet'. Diese Feinde würden alles tun, um die Freiheit zu bekämpfen und 'unserer Nation Schaden zuzufügen.'" - Amen. Bushs neues Lieblingswort: Islam-Faschisten. Danach: "Die USA vermuten das radikal-islamische Netzwerk al-Qaida hinter den Anschlagsplänen." - Die USA vermuten also.

10.08.06, Die Welt, "EU nimmt Hisbollah nicht auf ihre Terrorliste. Europa ist sich einig: Die Schiitenmiliz hat den Krieg begonnen - Doch Konsequenzen will der Europäische Rat bislang nicht ziehen." von Bruno Schirra
www.welt.de/data/2006/08/10/991951.html Darin: "Hassan Nasrallah, der Führer der islamistischen Hisbollah des Libanon, die durch die Entführung zweier israelischer Soldaten und den zeitgleichen Raketenbeschuss israelischen Territoriums den derzeitigen Nahostkrieg verursacht hat." - Zeitgleicher Raketenbeschuss? Wo kommt das auf einmal her? Das lese ich zum ersten Mal. Dann: "Die Hisbollah hat seit ihrer Gründung 1982 weltweit mehr als 1000 Zivilisten, UN-Friedenssoldaten durch Selbstmord- und Bombenattentate ermordet, unzählige Menschen schwer verletzt - und wird dennoch als Partner im politischen Gespräch von der Uno, aber auch der EU akzeptiert." - Deshalb soll die UNO-Resolution 1553 auch umgesetzt werden, ebenso wie die Resolutionen, die Israel betreffen. Die Ausgrenzung der Hisbollah ist Teil des "Kriegs gegen den Terror", von dem jeder weiß, dass so etwas nicht funktioniert.

10.08.06, Die Welt, "Syrien wappnet sich. Scud-Raketen sind die größte Gefahr für Israel im Falle eines Krieges - Furcht vor chemischen Waffen." von Boris Kalnoky
www.welt.de/data/2006/08/10/991954.html Darin: "Das Problem ist, dass Damaskus nach Meinung von Sicherheitsexperten wahrscheinlich über chemische Munition verfügt, diese vielleicht auch selbst herstellt (Sarin und VX)." - Faktisch verwendet Israel derzeit ABC-Waffen. Mehrere Medien berichteten dies. Statt es zu erwähnen, wird hier über die Syrer spekuliert. Aufschlussreich.

10.08.06, Die Welt, "Steinmeier in Israel: Diplomatische Chancen nicht gefährden" von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2006/08/10/991953.html Darin: "Verteidigungsminister Amir Peretz hatte am Morgen erklärt, Israel kämpfe gegen die Hisbollah, die als Vorhut des Irans gegen den Westen zu verstehen sei." - Wenn die offiziellen Israelis den Krieg derart hochschaukeln, ist es nicht abwegig anzunehmen, dass sie auch den Beginn dieses Krieges in dieser Form erreicht haben.

10.08.06, Die Zeit, "Da platzt der Krieg hinein. In Haifa wird niemand als Feind betrachtet, meint Sami Michael. Ein Gespräch mit einem der prominentesten Autoren Israels über Raketen und den Traum vom Frieden" Interview: Gisela Dachs
www.zeit.de/2006/33/Interview-Haifa?page=all Darin: "ZEIT: Welchen Traum haben Sie noch? Michael: Dass sich die arabische Welt verändert, dass sich hier etwas verändert. Ich komme ja selbst aus diesen beiden Kulturen - die eine hat Hisbollah hervorgebracht, die andere den Zionismus." - Er hat vergessen zu erwähnen, dass zu einem guten Teil der Zionismus die Hisbollah hervorgebracht hat. Dann die Frage: "ZEIT: Haben Sie eine Erklärung für den besonderen Hass von Iran und Hisbollah auf Israel?" - Das Dogma. Es sind die Anderen, die hassen. Die Frage, warum so viel Hass in Israel besteht, darf nicht gestellt werden, weil sie antisemitisch gedeutet werden kann. Sami Michael sagt darauf: "Die Iraner hassen Israel nicht." - Die Hauptursache für den Konflikt sieht Michael letztlich auf der arabisch-islamischen Seite: "Es ist ein Krieg gegen die Antikultur. Es handelt sich um Anhänger einer dumpfen und extremistischen Religion, die Mord und Zerstörung predigt. Dem gegenüber steht eine demokratische Welt, die sich vor dieser dunklen Welle zu schützen sucht." - Die Tragweite der israelischen Gewalt ist ihm anscheinend nicht bewusst, er sieht eine Verschwörung im Gang: "Ich habe das Gefühl, dass 90 Prozent des Drucks auf Israel lasten, und genau das weiß die andere Seite. Sie fängt mit dem ersten Schlag an, darauf setzend, dass Israel reagiert und es dann von der Welt aufgefordert wird, die Offensive zu stoppen." - Eine Fehlwahrnehmung, denn Grenzvorfälle dieser Art hat es schon oft gegeben, von beiden Seiten, den Krieg jedenfalls begann Israel.



Weiter 09.08.06

 
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