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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
09.08.2006
Weiter 10.08.06

Erhalten am 09.08.06: Solidaritätserklärung mit den Menschen in Libanon und Palästina
Wortlaut der Üb. aus dem Englischen: "Der von den USA unterstützte Angriff auf den Libanon hat das Land erstarrt, schwelend und zornig zurückgelassen. Das Massaker von Qana und der Verlust von Menschenleben ist nicht einfach nur "unangemessen". Es ist, nach den geltenden Regeln des internationalen Rechts, ein Kriegsverbrechen. Die absichtliche und systematische Zerstörung der libanesischen Infrastruktur durch die israelische Luftwaffe war ebenfalls ein Kriegsverbrechen, geplant, um das Land auf den Status eines US-Protektorates zu reduzieren. Der Anschlag ist nach hinten losgegangen. Im Libanon unterstützen nun 87 % der Bevölkerung den Widerstand der Hizbullah, einschließlich 80 % der Christen und Drusen sowie 89 % der Moslems, während 8 % glauben, die USA unterstützten den Libanon. Aber diese Aktionen werden von keinem Gericht der "internationale Gemeinschaft" untersucht, solange die USA und ihre Alliierten an diesen schrecklichen Verbrechen beteiligt oder mitschuldig sind und sie zulassen. Es ist nun klar geworden, dass der Angriff auf den Libanon, um die Hizbullah auszulöschen, von langer Hand vorbereitet worden ist. Die USA und seine loyalen britischen Alliierten haben grünes Licht für die israelischen Verbrechen gegeben, trotz der Opposition zu Blair in seinem eigenen Land. Kurz: Der Friede, den der Libanon genossen hat, wurde beendet und eine paralysierte Gesellschaft ist gezwungen, eine Vergangenheit zu wiederholen, die sie eigentlich vergessen wollte. Der dem Libanon auferlegte Staatsterror wird im Ghetto von Gaza wiederholt, während die "internationale Gemeinschaft" zusieht und schweigt. In der Zwischenzeit wird der Rest Palästinas mit der direkten Teilnahme der USA und der stillschweigenden Zustimmung seiner Alliierten annektiert und demontiert. Wir erklären unsere Solidarität und Unterstützung den Opfern dieser Brutalität und denen, die dagegen Widerstand leisten. Für unseren Teil werden wir alle uns möglichen Anstrengungen unternehmen, die Komplizenschaft unserer Regierungen mit diesen Verbrechen aufzudecken. Es wird keinen Frieden im Nahen Osten geben, solange die Besetzung Palästinas und des Irak und die "kurzzeitig unterbrochenen" Bombardements auf den Libanon andauern. Erstunterzeichner: Tariq Ali, Noam Chomsky, Eduardo Galeano, Howard Zinn, Ken Loach, John Berger, Arundhati Roy London (Aus dem Englischen von Wilfried Hanser-Mantl). Weitere Unterzeichner: Mona Abaza - Faleh Abdul-Jabbar - Matthew Abraham - Bashir Abu-Manneh - Gilbert Achcar - Radwa Achour - Etel Adnan - Fabio Alberti - Gadi Algazi (Tel Aviv) - Anthony Arnove - Naseer Aruri - Aziz el-Azmeh - Nadia Baghdadi - Chris Bambery - Mourid al-Barghouti - Tamim al-Barghouti - David Barsamian - Helga Baumgarten - Joel Beinin - Walden Bello - Tony Benn - Hamida Bensadia - Daniel Bensaïd - Marco Bersani - Olivier Besancenot - Azmi Bishara (Haifa) - Luciana Bohne - Saïd Bouamama - Timothy Andres Brennan - Michaelle Browers - Suzanne de Brunhoff - Mauro Bulgarelli - François Burgat - Andrew Burgin - Judith Butler - Alex Callinicos - Paola Canarutto - Salvatore Cannavò - Vivek Chibber - Alberto Clarizia - Alexander Cockburn - Geraldina Colotti - Dan Connell - Jeremy Corbyn - Giorgio Cremaschi - Mahmoud Darwish - Liz Davies - Richard Falk - Mireille Fanon-Mendès France - Stefano Galieni - Elisabeth Gauthier - Irene Gendzier - Lindsey German - Fausto Gianelli - Rachel Giora (Tel Aviv) - Charles Glass - Nacira Guénif Souilamas - Serge Guichard - Habdellali Hajjat - Yassin al-Haj Saleh - Eric Hazan - Sherif Hetata - Ahmad Hissou - François Houtard - Sonallah Ibrahim - Salam Ismael - Emilie Jacir - Marcel-Francis Kahn - Assaf Kfoury - Michel Khleifi - Elias Khouri - Alain Krivine - Yitzhak Laor (Tel Aviv) - Francesco Locantore - Jennifer Loewenstein - Orly Lubin (Tel Aviv) - Moshe Machover - Piero Maestri - Kamil Mahdi - Yamin Makri - Luigi Malabarba - Henri Maler - Harriet Malinowitz - Nur Masalha - Gus Massiah - Anat Matar (Tel Aviv) - Norbert Mattes - Luisa Morgantini - Antonio Moscato - Luciano Muhlbauer - Fatimah Muhsin - Craig Murray - Karma Nabulsi - Cinzia Nachira - Ahmed Okasha - Ilan Pappe (Haifa) - Luigia Pasi - Walter Peruzzi - Paola Piacenza - John Pilger - Harold Pinter - Omar al-Qattan - John Rees - Tanya Reinhart (Tel Aviv) - Hilary Rose - Steven Rose - Eric Rouleau - Werner Ruf - Nawal el Saadawi - Dalia Sachs (Haifa) - Hannah Safran (Haifa) - Mariam C. Said - Catherine Samary - Maria Antonietta Saracino - Patrick Seale - Ronen Shamir (Tel Aviv) - Sandra Shattuck - Ahmed Shawki - Eyal Sivan - Ahdaf Soueif - William Thelin - Enzo Traverso - Lea Tsemel (Jerusalem) - Franco Turigliatto - Dominique Vidal - Gore Vidal - Pasquale Vilardo - Michel Warschawski (Jerusalem) - Salma Yaqoob - Stephen Zunes

09.08.06, bildblog.de, "Die Opfer, die 'Bild' bringt (2)" von lupo
www.bildblog.de/?p=1622 Darin: "Am vergangenen Sonntag hatte 'Bild am Sonntag' die Mahnung zitiert, dass in einem Krieg 'jede der handelnden Parteien ein eigenes Interesse bei der Zurverfügungstellung von Informationen' habe, und Medien deshalb Distanz wahren und vermitteln müssten. Für die 'Bild'-Zeitung scheint das nicht zu gelten. Sie macht ohne Not aus unüberprüften Informationen einer der handelnden Parteien objektive Tatsachen – und schreibt sie ganz ohne Quellenangabe auf..." - Die Begleitung der Nahostberichterstattung im Bildblog nimmt eine Form an.

09.08.06, FAZ, S.34, "Israels Krieg im Krieg. Israels Intellektuelle haben Zeit gebraucht, um den Krieg, der immer mehr Opfer fordert, zu verurteilen. Und nachdem sie sich endlich dazu entschlossen, wurde daraus ein Streit der Generationen." von Joseph Croitoru
www.faz.net/s/RubB1888F47EE2C49C2906B43... Darin über Abraham B. Jehoschua: "Mit dem Krieg habe Israel, so der Romancier, schon jetzt zweierlei erreicht: Erstens habe man die Hizbullah aus dem unmittelbaren Grenzgebiet zurückdrängen können, und zweitens hätten die Libanesen verstanden, welch hoher Preis zu zahlen sei, wenn sie eine Kampforganisation wie die Hizbullah frei gewähren ließen. Ähnlich wie Amos Oz in dieser Zeitung schon bei Kriegsbeginn lehnt Jehoschua auch heute jegliche moralische Gleichsetzung von Israel und der Hizbullah strikt ab." - Gefährliche Gedanken. Jegliche moralische Gleichsetzung abzulehnen, strikt sogar, bedeutet, dass man die Menschenrechte und das Völkerrecht nicht mehr beachten muss. Oder was sonst? Es ist Teil der Rechtfertigungsstrategie.

09.08.06, FAZ, "Nahost-Krieg. Panarabischer Aktionismus" von Hans-Christian Rößler
www.faz.net/s/RubB1888F47EE2C49C2906B43A1585B7C24/Doc~EFB... Darin: "Die Hizbullah habe mit ihren Aktionen die 'Würde des Widerstands wiederhergestellt, die wir schon lange verloren haben', zitieren Agenturen zum Beispiel ein Mitglied der ägyptischen Oppositionsbewegung 'Kifaja' (Genug). Die dramatische Berichterstattung in den internationalen Medien trug aber auch zu einer Solidarisierung über die arabische Welt hinaus bei." - Ist es die dramatische Berichterstattung, oder sind es die Taten selbst? Die Taten sind wohl dramatisch genug. Auch das Wort "Aktionismus" im Titel weist auf eine allgemeine Einfärbung des Artikels.

09.08.06, FAZ, "Libanons Friedensplan: Vernünftiger Vorschlag aus Beirut" von Wolfgang Günter Lerch
www.faz.net/s/RubB1888F47EE2C49C2906B43A1585B7C24/Doc~EFB... Endet mit: "Für Israel ist der Waffengang nicht eine Militäraktion wie frühere, etwa 1978 die Operation Litani; man nimmt vielmehr die Vernichtungsphantasien und Drohungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadineschad bitterernst. Da hat sich etwas verändert seit dem vorigen Jahr. Das wird auch Außenminister Steinmeier bei seiner neuen Reise in den Nahen Osten bemerken. Selbst die israelische Friedensbewegung demonstriert kaum gegen den Kurs der Regierung." - Die Kriegsziele scheinen sich täglich zu ändern. Nun ist der Iran das Ziel.

09.08.06, Frankfurter Rundschau, "Diskret und wohlgelitten. Die deutsche Rolle in Nahost" von Richard Meng
Darin über Fischer: "Der grüne Außenminister war zufällig während eines schweren Anschlags in Israel, in bewegenden Momenten der Gesprächspartner des damaligen Regierungschefs Ariel Scharon. Und konnte bei Scharon seitdem auf stabilem menschlichem Vertrauen aufbauen, bei allen Meinungsunterschieden." - Oh, Scharon hat dem Deutschen vertraut, wie schön. Was für ein Lob für Deutschland, das Vertrauen dieses Ehrenmannes zu genießen... Der gesamte Kommentar fließt über vor Lob auf Deutschland, wie es seit der WM Mode ist: "Dass deutsche Diplomaten als ehrliche Makler wahrgenommen wurden, hängt letztlich aber immer auch mit der starken zivilen Komponente der Bonner/Berliner Außenpolitik zusammen. Sie hat nicht zuletzt historische Wurzeln und hängt immer auch mit einem als glaubwürdig empfundenen Umgang mit der deutschen Vergangenheit zusammen." - Wer einen Hauch Ahnung von Geschichte hat, kann bei so etwas nur das Kotzen bekommen. Zum glaubwürden Umgang mit der deutschen Vergangenheit würde Respekt vor den Menschenrechten gehören, und zwar der Rechte ALLER Menschen, auch palästinensischer Menschen. Die Rache an Hitler, die die Palästinenser seit den Vertreibungen von 1947 am eigenen Leib spüren, liegt mit in deutscher Verantwortung. Ich frage mich sowieso, wofür es die FR noch gibt, wo es doch eine SZ gibt. Wofür brauchen wir eine FR überhaupt?

09.08.06, Frankfurter Rundschau, "Initiative aus Beirut" Kommentar von Inge Günther
Darin: "Die Stationierung israelischer Soldaten in einer 'Sicherheitszone' in Libanon liefert den 'Gotteskriegern' eine willkommene Gelegenheit, sich als Befreiungskämpfer gegen feindliche Eindringlinge zu geben." - Ja nee, die wären dann tatsächlich Befreiungskämpfer, denn die israelische Verletzung libanesischen Territoriums ist real. Diese Nuance wird gern übersehen bei der Fixierung auf den Feind.

09.08.06, Frankfurter Rundschau, "Steinmeier macht Druck in Nahost. Außenminister wirbt für UN-Resolution / Libanon will Armee einsetzen. Mit einer Kurzreise nach Beirut, Jerusalem und Ramallah hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sich in die Nahost-Diplomatie eingeschaltet. Er hoffe, dass der Weg zu einer UN-Resolution kurzfristig frei werde, sagte er in Beirut." von Richard Meng
Schön ironischer Titel. Steinmeier macht natürlich alles andere als Druck in Nahost, das ist wirklich lächerlich.

09.08.06, The Independent, "What do you say to a man whose family is buried under the rubble?" by Robert Fisk
http://news.independent.co.uk/world/fisk/article1217826.ece Endet mit: "Perhaps there are two moral lessons from this, one obvious, the other familiar. Don't shoot at drones. And don't believe for a moment the Israelis will care about firing missiles into your home when their little toy spots a man with a gun."

09.08.06, junge Welt, Titel, S.1, "Kliniken ohne Strom" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2006/08-09/042.php Beginnt mit: "Mit Beginn der fünften Kriegswoche im Libanon schlagen mehrere UN-Organisationen Alarm."

09.08.06, junge Welt, Ansichten, S.8, "Steinmeier wirbt für US-Position. Unehrlicher Makler" von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2006/08-09/038.php Endet mit: "Von allen Kriegstreibern ist die Bundesrepublik gegenwärtig der zurückhaltendste. Das hat vor allem etwas mit der Stimmung in der deutschen Bevölkerung zu tun, die wenig Begeisterung für israelische Massaker aufzubringen vermag. Die deutsche Rückendeckung für die Aggression ist demokratisch nicht legitimiert. Von den Wählern legitimiert wäre einzig eine aktive Friedenspolitik. Aber dann wäre Deutschland nicht mehr das Deutschland, das es ist."

09.08.06, junge Welt, Ausland , S.7, "Lizenz zum Krieg. Der Entwurf der UN-Resolution zum Libanon stellt sich auf die Seite Israels" von Peter Strutynski
www.jungewelt.de/2006/08-09/021.php Darin: "Die vorliegende UN-Resolution ist so asymmetrisch wie der Krieg, den es zu beenden gilt." - Wichtige, präzise Analyse der UNO-Resolution. Der vollständige Text unter: www.uni-kassel.de/fb5/frieden/. Peter Strutynski ist Mitglied der AG Friedensforschung an der Uni Kassel; außerdem ist er Sprecher des "Bundesausschusses Friedensratschlag".

09.08.06, Netzeitung, Bücher-News "Entsetzen über Israel-Essay von Jostein Gaarder. Ein Artikel über Israel des Schriftstellers Jostein Gaarder ist in Norwegen mit Erschütterung aufgenommen worden. Der Autor des Bestsellers "Sofies Welt" hatte Israel das Existenzrecht abgesprochen." von nz
www.netzeitung.de/buecher/buechernews/431188.html Darin: "Der 54-jährige Autor hatte am Wochenende in der gleichen Zeitung (Aftenposten, A.H.) vor dem Hintergrund des seit vier Wochen tobenden Libanon-Konflikts einen extrem scharfen Angriff gegen Israel veröffentlicht, in dem er dem Staat das Existenzrecht ausdrücklich absprach: 'Wir erkennen den Staat Israel nicht länger an.'" - Den Staat Israel in dieser aggressiven Form. Gaarder schrieb auch, dass "Israel mit seiner skrupellosen Kriegskunst und seinen widerwärtigen Waffen die eigene Legitimität massakriert hat". Die Umwelt solle besonnen und barmherzig reagieren, wenn nun "die gesamte israelische Nation aus eigener Schuld zu Fall kommt und Teile der Bevölkerung aus von ihr besetzten Gebieten in eine neuerliche Diaspora flüchten müssen." - Der Artikel in der Netzeitung weist darauf hin, dass die meisten Leserreaktionen positiv ausfielen.

09.08.06, Spiegel Online, "GROSSOFFENSIVE GEPLANT: Israel kalkuliert mit Hunderten toten Soldaten. Das israelische Sicherheitskabinett berät zur Stunde über die Ausweitung der Offensive im Libanon. Israelische Zeitungen berichten von Plänen, nach denen 30.000 Mann vorrücken sollen. Unterdessen tauschte Israel seinen Kommandeur für die Bodenoffensive im Libanon aus - weil er zu vorsichtig war." von ler/Reuters/AP/dpa
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,430858,00.html Darin: "Die Bundesregierung hat bislang eine direkte Kritik des israelischen Vorgehens vermieden und das Recht des jüdischen Staates auf Selbstverteidigung betont."

09.08.06, Süddeutsche Zeitung, "Auf dem Weg in die Libanon-Falle. Europa sollte sich vor der Beteiligung an einer Friedenstruppe hüten, weil die Risiken zu groß sind." Kommentar von Rudolph Chimelli
www.sueddeutsche.de/,tt1l4/ausland/artikel/372/82290/ Darin: "Allein die Vorstellung ist absurd, dass ein internationales Mandat die Vollmacht enthalten könnte, auf israelische Soldaten zu schießen." - Zumindest gibt er es zu. Israelis sind eine Art heilige Wesen, auf alle anderen kann geschossen werden. Dann: "Wer eine haltbare Lösung sucht, darf nicht nur mit Freunden reden. Er muss Feinde und Rivalen mit an den Tisch nehmen, die Hisbollah, Syrien, Iran. Erst so wäre eine Lösung nach allen Seiten abgesichert. Sie würde freilich Konzessionen kosten, und bisher sieht es nicht so aus, als ob der Westen bereit wäre, einen hohen Preis zu zahlen. Den Blutzoll entrichten jeden Tag die Libanesen." - Also der Chimelli ist manchmal gar nicht so schlecht. Es fehlt die Vision, aber dennoch. Jedenfalls ein anderes Kaliber als der Schmitz.

09.08.06, SZ Online, "Kritik an Israel. 'Zehn Libanesen für einen toten Israeli'. Erstmals übt ein Landesvorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland Kritik an den Angriffen Israels auf den Libanon. Dafür erntet er heftigen Widerstand." von Christopher Stolzenberg
www.sueddeutsche.de/,tt1l2/deutschland/artikel/343/82261/ Darin: "'Mir geht es auch um das Wohl Israels', erwidert Verleger. Das Vorgehen der Regierung Olmert gegen Libanon sehe er aber als Schaden für Israel. Nur der deutsch-jüdische Publizist Uri Avnery habe sich bislang solidarisch mit seiner Kritik gezeigt, sagt der alleinstehende Kritiker zu sueddeutsche.de. Avnery habe hervorgehoben, dass Verleger erfülle 'eine Mitzwa, eine jüdische Pflicht'." - Siehe auch taz gestern. Schön hier der Ausdruck "alleinstehender Kritiker" sowie die einfühlsam jiddisierende Stellung des Verbs im letzten Satz.

09.08.06, taz, S.1, "Die libanesische Lösung" Kommentar von Georg Baltissen
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0045.1/text Darin: "Der Beschluss der libanesischen Regierung, eine eigene Stabilisierungstruppe von 15.000 Mann im Süden des Landes zu stationieren, könnte einen Durchbruch bei den Beratungen im Sicherheitsrat bewirken."

09.08.06, taz, S.3, "Das Papier ist durchlöchert. In der UN heißt es 'Zurück auf Start'. Paris und Washington beugen sich der Kritik am gemeinsamen Resolutionsentwurf für den Sicherheitsrat." von Andreas Zumach
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0134.1/text Darin: "Unter dem Eindruck der massiven Kritik an dem Resolutionsentwurf signalisierten Frankreich und die USA am Montagabend schließlich Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen." - Die Franzosen haben also mitgeholfen, dass die Israelis mehr Zeit für ihre Militäraktionen bekommen.

09.08.06, taz, S.4, "'Das ist reine Propaganda.' Der Berliner Islamwissenschaftler Stefan Rosiny hat sich mit der Geschichte und Ideologie der libanesischen Hisbollah beschäftigt. Er meint: Die Hisbollah rede zwar von der Vernichtung Israels. Doch sie sei vor allem eine Widerstandsbewegung mit einem nationalistischen Programm." Interview Daniel Bax
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0141.1/text Sehr gutes Interview. Allein die Frage: "Ist auch der Antisemitismus der Hisbollah nur instrumentell?" stört, da sie einen Irrglauben voraussetzt. Der wird zum Glück in der Antwort aufgefangen: "Muhammed Hussein Fadlallah, hat es einmal so ausgedrückt: Selbst wenn die Israelis Muslime wären, würden wir gegen sie kämpfen: Weil sie den Palästinensern das Land genommen haben - und nicht, weil sie Juden sind." - Das Klischee, dass Araber "Juden töten" wollen, ist ein böses Klischee. Mit dem Begriff Antisemitismus als Scharnier wird es immer wieder in den Diskurs getragen und von ihm vorausgesetzt.

09.08.06, taz, S.11, "Das Maß der Vergeltung." Kommentar von Ilija Trojanow
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0148.1/text Darin: "Hunderte von Zivilisten sind getötet, und eine Million Libanesen vertrieben worden, und nur die gebetsmühlenartig wiederholte Anklage 'ihr habt angefangen' steht zwischen dem Staat Israel und der Schuld an einem Angriffskrieg oder an Massenmord." - Eines der besten Sachen, die die taz in letzter Zeit gedruckt hat. Gute Rhetorik, gute Argumente. Trefflich dies hier: "Man möge sich nur einmal vorstellen, die Polizei würde alle Reisenden am Hauptbahnhof erschießen, weil Terroristen sich unter sie gemischt haben. Reichte uns als Begründung, dass manche der Reisenden die Terroristen wohl absichtlich schützen würden."

09.08.06, taz, S.11, "Die internationale Gemeinschaft muss Israel aus diesem Krieg helfen. Es fehlt die Exit-Strategie." Kommentar von Susanne Knaul
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0151.1/text Ein weiterer Helft-Israel-Artikel aus dem Hause Knaul. Es scheint, als müssen erst die sechs Millionen vollgemacht werden, bis die Sympathien gegenüber Israel bröckeln. Ich schätze, wenn es sechs Millionen werden, dann hat Israel seinen Kredit aufgebraucht. Schade nur, dass erst so viele Menschen sterben müssen. Im Grunde könnten wir schon weiter sein, nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Aber noch helfen wir Israel.

09.08.06, taz, S.11, "Israel hat keine Wahl. Israel verteidigt nicht nur seine territoriale Sicherheit, es kämpft gegen einen islamistischen Antisemitismus. Die europäische Politik will ihn nicht wahrhaben. Sie verleiht ihm mit ihren Forderungen nach Verhandlungen im Gegenteil Legitimität" von Tjark Kunstreich
www.taz.de/pt/2006/08/09/a0168.1/text Darin: "Israel, darüber ist man sich in den europäischen Medien weitgehend einig, ist der Aggressor." - Schön wärs. Die junge Welt, der Freitag und das neue Deutschland sind in Deutschland die einzigen nennenswerten Zeitungen, die Israel als Aggressor erkennen können. In den europäischen Medien sieht es kaum anders aus. Die taz schwankt, weil sie schizophren ist. Sie kann nur schwanken. Deshalb ist es völlig verfehlt zu behaupten: "Voraussetzung für diesen, in der taz prototypisch geführten Diskurs ist der Doppelstandard, dass für Israel nicht gelten darf, was jeder andere Staat auf der Welt selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt." - Frau oder Herr Kunstreich scheint hier etwas durcheinander zu bekommen: Der Doppelstandard zeigt sich in der UNO-Resolution und den offiziellen Standards, sie geben Israel mehr Rechte als anderen Menschen. Ein reiner Wahnartikel: "So zerstritten die islamistischen Fraktionen im Nahen Osten auch sind, sie sind sich einig im Ziel der Vernichtung Israels." - Die Muslime und Araber seien die Nazis: "Stattdessen wird verleugnet, dass sich ein politisches Projekt formiert hat, dessen Verwandtschaft mit dem der Nazis sich in wahnhaftem Antisemitismus vermittelt." - Alle seien gegen Juden: "Auf Demonstrationen unter Beteiligung deutscher Friedensbewegter wird 'Tod den Juden' gerufen, ohne dass die Friedensfreunde es für nötig halten, das überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn, sich davon zu distanzieren." - Die reine Nabelschau. Endet mit: "Es ist, als bestätige sich die antisemitische Unterstellung vom Anderssein der Juden darin, dass es überall Antisemiten gibt. Eben darin aber zeigt sich, dass Israel sich nicht nur bedroht fühlt, sondern dass es in seiner Existenz bedroht ist. Und solange nicht die Frage gestellt wird, was die Gegner Israels eigentlich so maßlos aggressiv macht, wird sich daran nichts ändern. So lange aber bleibt auch Israels Vorgehen alternativlos." - Das kann man doch wohl kaum als Versuch nach Ausgeglichenheit deuten. Es ist auf die Dauer ermüdend, solchen Stuss zu lesen. Gibt es bei der taz kein Qualitätsmanagement?

09.08.06, Die Welt, "Der Stellvertreterkrieg. Ein Waffenstillstand wird keine Ruhe bringen." von Walter Laqueur
www.welt.de/data/2006/08/09/990665.html Es geht um die Bedrohung des Iran, dessen Stellvertreter die Hisbollah sei, gegenüber Israel. Darin: "Wie wird ein Mensch reagieren, dem ein Nachbar mit Ermordung droht? Er wird - wenn er kann - umziehen. Er wird sich überlegen, ob der Aggressor nur ein Großmaul ist. Doch wenn es mehr und mehr Beweise gibt, dass eine tödliche Gefahr naht und immer größer wird, so mag er sich schließlich entscheiden, der Gefahr zuvorzukommen. Er mag zu dem Schluss kommen, dass er seinen Angehörigen einen solchen Schritt schuldet, vor allem dann, wenn ein Großteil seiner Familie vor nicht allzu langer Zeit umgebracht worden ist. Seine Abwehr mag in Form von Verhandlungen geschehen mithilfe dritter Parteien oder durch Gegendrohungen und - wenn das nicht hilft - mit der Anwendung von Gewalt. Letzteres wäre natürlich ein gefährlicher Entschluss, denn das historische Weltgericht mag entscheiden, dass es nicht sicher war, dass die Gefährdung so groß und unmittelbar war, um Notwehr geltend zu machen. Aber das Überleben desjenigen, der bedroht war, wäre zunächst einmal gesichert." - Im Grunde die Zusammenfassung des israelischen Verhaltens seit der Staatsgründung. Auch wenn der Autor schreibt: "Diese Überlegungen sind nicht mehr als ein Schreckensszenario." Sie sind in der Tat eines, aber ein reales.

09.08.06 - 09:22 Uhr, Zeit Online, "Flüchtlingslager bombardiert. Erstmals seit dem Beginn der Offensive hat Israel ein palästinensisches Flüchtlingslager im Südlibanon angegriffen und dabei mindestens zwei Menschen getötet. Mehrere Kinder wurden verletzt." von Zeit Online, dpa
www.zeit.de/online/2006/32/Israel-Resolution-Mi?page=all

Weiter 08.08.06
 
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