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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
05/06.08.2006
Weiter 07.08.06

06.08.06, Bild am Sonntag, "Deutsche Soldaten in Nahost. Können wir überhaupt noch 'nein' sagen?" von Lord George Weidenfeld. Mitarbeit: H.-J. Vehlewald
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/07/nahost-i... Darin: "Eine BILD-Analyse des jüdischen Publizisten und weltweit anerkannten Nahost-Experten Lord George Weidenfeld." - Warum wird erwähnt, dass er jüdisch ist? Macht man doch sonst auch nicht. Lord Weidenfeld sagt: "Klar ist: Nur mit Sanitätszelten und ein paar Gewehren wird die Bundeswehr in diese Mission nicht ziehen können. Das geplante 'robuste Mandat' sieht ja gerade die aktive Entwaffnung der Hisbollah vor. Das kann nur im Kampf passieren und mit massiven Mitteln: Jagdbomber, Panzer, Granaten - so wie die Israelis seit Wochen gegen die Hisbollah-Stellungen vorgehen." - Die Deutschen sollen am Wahn teilnehmen. Die Bildzeitung propagiert es. Dabei geht es einzig um das Wohl Israels: "Wünschenswert wäre, wenn die deutschen Einheiten sich möglichst weit von der israelischen Grenze bewegen würden. Man stelle sich vor, bei einem Gefecht würden Israelis durch Zufall von deutschen Kugeln oder Granaten getroffen. Ein solcher Zwischenfall würde - bei aller Normalisierung - die Beziehung zwischen Deutschland und Israel sicher auf eine harte Probe stellen." - Eine verrückte Vorstellung, Kriegstreibern aus anderen Ländern bedingungslos dienen zu sollen.

06.08.06, Bild am Sonntag, "Wie ausgewogen berichten ARD und ZDF über den Konflikt in Nahost?" von Helmut Böger und Roman Eichinger
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/... Darin: "BILD am SONNTAG beauftragte das unabhängige Bonner Forschungsinstitut Media Tenor mit einer Untersuchung zum Thema 'Die Darstellung des Krieges im Nahen Osten - Medienanalyse der Berichterstattung von ARD und ZDF'." - Realsatire. Das Springer-Propagandablatt untersucht die Ausgewogenheit der Medien hinsichtlich Israels. Man kann sich vorstellen, was dabei herauskommt: "Media Tenor wertete die vier Hauptnachrichtensendungen ('Tagesschau', 'Tages- themen', 'heute', 'heute-journal') des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus. Die Forscher sichteten 334 Beiträge in der Zeit vom 21. Juli bis 3. August 2006. Ihr eindeutiges Fazit: 'In ihren Hauptnachrichtensendungen werden ARD und ZDF ihrem Auftrag der unparteilichen und unabhängigen Berichterstattung über die Vorgänge im Nahen Osten nicht gerecht.' So werde in allen vier Sende-Formaten Gewalt 'in erster Linie als Tat der Armee Israels vermittelt'." - Es spielt keine Rolle, was vor Ort passiert, es geht nur darum, wie Israel dargestellt wird: "Besonders kritisiert Media Tenor die für die Medienwirkung wichtige Fragestellung Täter/Opfer. Im Bericht heißt es: 'Täter ist in erster Linie Israel, Opfer in erster Linie die Zivilbevölkerung im Libanon.'" - Als ginge es darum, darüber abzustimmen, wer Täter/Opfer genannt wird in diesem israelischen Aggressions- und Vernichtungskrieg.

06.08.06, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, S. 25, "Medien im Nahost-Konflikt: In den Hügeln von Hezbollywood" von Harald Staun
www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A... Darin: "Während sich die sogenannten alten Medien mit ethischen Fragen auseinandersetzen müssen und sich dabei mehr oder weniger an etablierten journalistischen Grundsätzen orientieren, verzichten die meisten Blogger ganz bewußt auf Neutralität oder Selbstzensur." - Realsatire

06.08.06, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, S.8, "Hat Israel Freunde?" von Thomas Schmid
www.faz.net/s/RubB1888F47EE2C49C2906B43A1585B7C24/Doc... Darin zum Verhältnis Deutschland/Israel: "Es ist wohl nicht Freundschaft, die die meisten treibt. Das ist etwa daran zu erkennen, daß im öffentlichen Diskurs und vor allem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Opfer, die Israel zu verantworten hat, meist Priorität haben." - Der Klassiker: Freundschaft ist Gefolgschaft. Das stimmt aber nicht. Die Opfer, die Israel zu verantworten hat, entstammen einer Politik. Dann: "Israel als Anomalie in der Region: Noch immer scheinen das etliche zu glauben. Wer so denkt, kommt oft fragend daher: mit der Frage, ob auf Dauer für den Staat der Juden an diesem geschichtsbeladenen Ort wirklich Platz sei, ob er hier wirklich eine Zukunft habe. Im Presseclub am vergangenen Sonntag warf sie der Moderator auf - gewappnet mit der Parole, man müsse doch, ganz im Sinne der Aufklärung, einmal fragen dürfen. Man spürte, daß hier ein Tabu zu fallen beginnt." - Schön wärs. Dieses Tabu ist lange fällig. Dann: "Da Demokratie und Frieden - wie fast ganz Europa aus jahrhundertelanger, im vergangenen Jahrhundert schrecklich beschleunigter Erfahrung weiß - stets bedroht, fragil und historisch höchst unwahrscheinlich sind, spräche doch viel dafür, die Ausdauer Israels und seiner Bürger als etwas Kostbares zu begreifen." - Ist hier die Ausdauer der Besatzung gemeint? Oder denkt Herr Schmid über so etwas gar nicht nach? Der Artikel endet mit: "Israel, dessen religiöse Eiferer immer mehr an Boden verlieren, hat sich auf den Weg in eine multiethnische Zukunft begeben." - Klingt wie ein Satz aus der PR-Agentur. Die rosarote Brille.

06.08.06, Spiegel Online, "Hisbollah verübt bisher schwersten Angriff auf Nordisrael. Bei dem bislang folgenschwersten Raketenangriff der libanesischen Hisbollah-Miliz auf Israel sind mindestens zehn Soldaten getötet worden. Die radikalislamische Organisation feuerte Dutzende Raketen auf den Norden des Landes - auch eine Synagoge soll getroffen worden sein." von ler/dpa/Reuters/AP/AFP
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,430334,00.html Darin: "'Alle erreichbaren Ziele dieser Operation wurden erreicht, deshalb ist es nun nicht mehr zu rechtfertigen, weiteres Leid zu verursachen und noch mehr Blut auf beiden Seiten zu vergießen', heißt es in dem Aufruf von David Grossman, A. B. Yehoshua und Amos Oz, den heute die Zeitung 'Haaretz' veröffentlichte. Die drei Autoren, die als Israels große literarische Stimmen der Gegenwart gelten, stellten zugleich klar, dass sie den Einsatz gegen die Hisbollah im Grundsatz für richtig hielten. 'In unseren Augen handelt es sich um einen moralisch gerechten und völkerrechtlich legitimen Akt der Selbstverteidigung gegen eine Aggression aus einem feindlichen Land.'" - Wenn sogar die den Krieg im Prinzip für richtig halten, ist es schlecht um Israel bestellt.

06.08.06, Spiegel Online, "Israel begrüßt Resolutions-Entwurf - und bombt weiter. Die israelische Regierung hat den von den USA und Frankreich vorgelegten Entwurf für eine Uno-Resolution zum Libanon-Konflikt positiv bewertet. Der Text sei gut für Israel, sagte Justizminister Haim Ramon. Zugleich geht die Offensive mit unverminderter Härte weiter." von ler/AP/AFP/dpa/reuters
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,430318,00.html

06.08.06, Spiegel Online, "ISRAEL IM KRIEG: Der gute Mensch von Rambam. Er ist täglich mit den Auswüchsen des Krieges konfrontiert. Die grausamen Folgen der Kämpfe im Libanon, die Schwerstverwundeten, landen bei ihm auf dem OP-Tisch. Doch Hany Bahouth versucht den Krieg um sich herum nicht allzu nahe an sich herankommen zu lassen." von Alexander Schwabe (Haifa)
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-429940 Endet mit: "Bahouth selbst aber versteht sich als Atheist. 'Ich meine, die negativen Auswirkungen der Religion überwiegen die positiven', sagt der Arzt zur Begründung - wohl die Erkenntnis einer jahrtausendealten kollektiven Erkenntnis im kriegerischen Nahen Osten." - Das zweite "Erkenntnis" soll vermutlich "Erfahrung" heißen. Ein interessanter Fall von Orientalismus im Saidschen Sinn. Der seit Jahrtausenden kriegerische Nahen Osten... Meint er die Kreuzzüge? Immerhin, der Westen hatte auch so seine Kriege, aber auf den kann man nicht so herablassend, ich meine: distanziert schauen. Atheismus als Fazit von Kriegen... Hm, vielleicht ist das eine Art Selbstmitleid.

06.08.06, SZ Online, "Israel inhaftiert palästinensischen Parlaments-Präsidenten. Israelische Soldaten haben in Ramallah im Westjordanland mit Aziz Dweik einen weiteren hochrangigen Hamas-Politiker festgenommen." von AFP/dpa
http://www.sueddeutsche.de/,tt1l4/ausland/artikel/193/82111/ Darin: "Der Armeesprecher erklärte, Dweik sei festgenommen worden, weil er ein Hamas-Mitglied sei und die Hamas eine 'terroristische Organisation' sei. Nach der Verschleppung des israelischen Soldaten Gilad Schalit durch militante Palästinenser am 25. Juni hat die israelische Armee bislang 64 Hamas-Vertreter, unter ihnen acht Minister und 26 Abgeordnete, festgenommen." - Alles weist darauf hin, dass Israel den großen finalen Kampf sucht. Mit einer solchen Politik ist es ausgeschlossen, dass positive Ergebnisse erzielt werden.

06.08.06, Welt am Sonntag, "'Sie haben Israel sowieso gehasst'. Israels Regierungschef Ehud Olmert wertet den Krieg im Libanon als Erfolg. Einer Waffenruhe will er erst zustimmen, wenn eine internationale Truppe dort einrückt. Im Interview der 'Welt am Sonntag' erklärt Olmert, warum Israel dabei auch auf deutsche Soldaten hofft, Europas Ermahnungen aber nicht mehr hören mag." Interview Silke Mertins (Jerusalem)
www.wams.de/data/2006/08/06/987917.html Nichts Neues, ist wie das SZ-Interview, zum Teil mit denselben Formulierungen (Über Hisbollah: "Zur Hölle mit ihnen", über Kana: "echtes Versagen"). Hier sagt er noch: "Predigt uns nicht über den Umgang mit Zivilisten." Die Journalistin stellt eine bezeichnende Frage: "Ist bei der Kritik (an Israel, A.H.) auch Antisemitismus im Spiel?" - Als wolle sie ihm einen Ball zuspielen... Interessant vielleicht auch die Bemerkung über die mögliche Beteiligung deutscher Soldaten: "Sie würden kommen, um Israel vor den Schüssen anderer zu schützen."


05.08.2006, Interview zum Libanonkriegsforum in Kiel, mit Ahmad Al-Baghdadi

05.08.06, Allgemeine Zeitung Mainz, S.2, "Botschaft aus Jerusalem" Kommentar von Reinhard Breidenbach
Darin: "Sechs Jahrzehnte nach dem Holocaust spricht der gewählte Repräsentant des Staates Israel Deutschland und den Deutschen tiefstes Vertrauen aus." Breidenbach sieht darin eine Botschaft, "in der auch ein Stück Vergebung liegt für die Untaten, die in deutschem Namen an den Juden begangen wurden." Deshalb sollen wir alle in den Krieg ziehen: "Dann kann und darf auch Deutschland im Grunde keine Berührungsängste mehr haben, zumindest aber müssten sie zurücktreten hinter die - historische - Chance, einen Friedensbeitrag zu leisten und damit letztlich auch dem Staat Israel zu helfen." - Also philosemitischer Frieden. Der Journalist denkt folgendermaßen: Wenn wir Israel im Krieg unterstützen, tragen wir unsere Schuld an den Juden ab. Vergebung durch Komplizenschaft. Rechtliche Erwägungen und zivile Opfer spielen für Herrn Breidenbach keine Rolle. Ich wohne in dieser Stadt Mainz, in der anscheinend ein Klima herrscht, in dem solche Kommentare gedeihen. Es ist beängstigend. Ich komme mir schon seit Wochen vor wie im antifaschistischen Widerstand.

05.08.06, Bildblog.de, "Propaganda mit toten Kindern" von Bildblog.de
www.bildblog.de/?p=1615 Darin: "'Bild' steht im gegenwärtigen Nahost-Krieg uneingeschränkt hinter der israelischen Armee. Ob das eine gute Voraussetzung für eine Zeitung ist, um ihre Leser unvoreingenommen und umfassend über die Vorgänge im Krieg zu informieren, darüber kann man streiten. Die 'Bild'-Zeitung aber geht in ihrer Parteinahme soweit, dass sie Tatsachen verdreht, übertreibt und verfälscht. Und darüber kann man eigentlich nicht streiten." - Hier also der Beleg, dass die Kollegen vom Bildblog auch die außenpolitischen Äußerungen der Bildzeitung berücksichtigen und nicht nur so Fisselkram. Ich bin erfreut, das ist ein gutes Zeichen.

05.08.06, Bildzeitung, "Nahost-Krise: Hisbollah-Raketen bedrohen Tel Aviv" von Jörg Diehl und Martin S. Lambeck
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/06... Darin: "Erstmals haben von der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon abgefeuerte Raketen die israelische Stadt Hadera erreicht. Sie liegt nur 40 Kilometer nördlich von der Millionen-Stadt Tel Aviv und 70 Kilometer südlich der Grenze zum Libanon!" - Es wird über den Schock der Israelis berichtet. Man bekommt den Eindruck, dass sie sich bewusst in das Trauma zurückbegeben, denn: "Israel flog gestern die schwersten Luftangriffe auf den Süden des Libanon seit Kriegsbeginn vor dreieinhalb Wochen." - Es muss einen Grund geben, warum der offensichtliche Zusammenhang dieser Ereignisse nicht thematisiert wird.

05.08.06, Deutschlandfunk, "Blogs in der Nahostkrise. Zahlreiche Berichte aus dem Libanon sind im Internet zu finden. Die Kämpfe im Libanon finden zunehmend auch in Internet-Tagebüchern, den so genannten Blogs, ihren Niederschlag. Die oft anonymen Berichte und Video-Filme taugen zwar nur bedingt als glaubwürdige Quellen, liefern aber mitunter ein authentischeres Bild als die offiziellen Mitteilungen der Konfliktparteien." von Gábor Paál
www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/528354/ Darin am Schluss: "Wichtiger als der Wert der blogs als Informationsquelle ist, dass sie die Chance haben Verständnis für andere Sichtweisen zu fördern, zu Sichtweisen, auf die wir durch die oft politisch korrekt gefilterten Angebote der offiziellen Berichterstattung keinen Zugang hätten." - Wichtiger Hintergrundbericht. Interessant auch unter dem Gesichtspunkt: Verhältnis frontale vs. freie Medien.

05.08.06, Frankfurter Rundschau, "Kommentar Nahost: Außer Kontrolle" von Richard Meng
Darin: "Dieser Konflikt ist längst außer Kontrolle, und die Frage nach der Anfangsschuld zu stellen, hilft nicht mehr weiter." - Warum nicht? Um davon abzulenken vielleicht? Sehr aussagekräftig. Der Kommentar endet mit: "Nur eine glasklare UN-Resolution, die auf Basis eines Lösungsvorschlags den sofortigen Waffenstillstand fordert, kann diesen Krieg beenden."

05.08.06, junge Welt, Titel, S.1, "Vorwurf des Völkermords" von Ulrich Schwemin
www.jungewelt.de/2006/08-05/048.php Darin: "Aus Protest gegen die Aggression im Libanon hat der venezolanische Präsident Hugo Chávez den Botschafter aus Israel zurückgerufen. In einer Fernsehansprache bezeichnete Chávez die israelischen Angriffe am Donnerstag als einen 'Völkermord'."

05.08.06, junge Welt, S.8, "Israel verwirft Hisbollah-Angebot: Dominostrategie" von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2006/08-05/066.php Darin: "Das von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah gemachte Angebot, die Raketenattacken auf israelische Städte einzustellen, sollte Israel seine Luftangriffe im Libanon beenden, ist von der israelischen Führung zurückgewiesen worden. Nach Ansicht der Aggressoren ist der Libanon noch nicht hinreichend zerstört, ist noch zu wenig Blut geflossen."

05.08.06, junge Welt, Wochenendbeilage, "Der Schwarze Kanal. Elitevolk und Minderwertige" von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2006/08-05/009.php Darin: "Vom Bewußtsein palästinensischer Minderwertigkeit beherrscht, haben die Zionisten Palästina kolonisiert und die Mehrheit seiner Bevölkerung vertrieben. Der Widerstand der von den 'Überlebenden des Holocausts' Vertriebenen stand von Beginn an unter Antisemitismusverdacht. Doch die Palästinenser brauchten 'den Juden' nicht, wie für den Antisemiten typisch, als Blitzableiter für ihre Nöte zu erfinden. Sie erleben israelische Juden als ihre realen Unterdrücker. Ihre Auflehnung dagegen ist nationaler Widerstand und nicht Antisemitismus. Wäre der Staat Israel tatsächlich von Massen arabischer Pogrombrüder umgeben, dann hätte der Zionismus sein vorgebliches Ziel, den Juden Zuflucht vor dem Antisemitismus zu bieten, grundsätzlich verfehlt. Denn dann hätten sie sich mitten hinein in die Höhle des Antisemiten begeben." - Wie der Pirker die Dinge auf den Punkt bringen kann, das ist schon bewundernswert.

05.08.06, junge Welt, Wochenendbeilage, "Beirut - 34º Nord, 35º Ost. Unterwegs in der bombardierten libanesischen Hauptstadt" von Andrea Bistrich
www.jungewelt.de/2006/08-05/002.php

05.08.06, Spiegel Online, "Al-Qaida plant für die Nachkriegszeit. Noch wird im Libanon geschossen, doch Ideologen der Qaida bereiten sich bereits auf die Nachkriegszeit vor. Ihr Ziel: das ausgeblutete Land mit Kämpfern infiltrieren. Entsprechende Pläne kursieren im Internet. Oder handelt es sich um gezielt lancierte Fälschungen?" von anonym
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,430203,00.html Darin: "In einem islamistischen Internet-Forum ist ein längeres Posting aufgetaucht, das von einer bekannten, al-Qaida nahe stehenden Website stammen soll." - Das ist die magere Quelle, aus der dieser Artikel geblasen wurde. Darüber hinaus seien "zumindest vorsichtige Zweifel an der Authentizität des Dokuments angebracht". Warum also darüber schreiben? Der Schluss macht deutlich, dass der anonyme Spiegelschreiber einfach gern ein wenig zündeln möchte: "Ob echt oder gefälscht - der Aufruf kursiert nun im Internet, und jeder, der sich angesprochen fühlt, kann nach den darin geforderten Maximen handeln. Für die Zukunft des Libanon verheißt das nichts Gutes."

05.08.06, SZ, "Brüchiger Schutzschild der Geschichte. Israels Premier bringt die Bundesregierung mit dem Wunsch nach deutschen Soldaten in Bedrängnis. " Kommentar von Christoph Schwennicke
www.sueddeutsche.de/,tt1l4/deutschland/artikel/148/82066/ Darin: "Doch wenn nun Israels Ministerpräsident selbst deutsche Soldaten wünscht, kehrt sich dieser Vorbehalt beinahe um: Es kann unmoralisch werden, keine Soldaten zu schicken, zumal da Deutschland auch auf arabischer Seite Ansehen und Respekt genießt." - Über Ziele eines solchen Einsatzes wird nichts ausgesagt. Die SZ will nur dabei sein.

05.08.06, taz, S. 2, "UN: Gaza-Streifen nicht vergessen" von afp
www.taz.de/pt/2006/08/05/a0082.1/text Darin über die UN-Hilfsorganisationen: "Sie zeigten sich 'höchst alarmiert wegen der anhaltenden Gewalt gegen Zivilisten und Infrastruktur im Gazastreifen'. Dort wurden seit Beginn der israelischen Offensive am 28. Juni demnach 175 Palästinenser getötet, davon 40 Kinder." - Das sind Kriegsverbrechen. Der Holocaust brachte auch eine Verantwortung gegenüber den Palästinensern. Bis jetzt macht sich Deutschland jeden Tag mitschuldig am Mord.

05.08.06, taz, S. 7, "Jüdische Lieder unerwünscht. Kulturhaus in Trier versucht mit Hinweis auf den Libanonkrieg Konzert von jüdischer Kantorin zu verhindern. 'Synagogale Gesänge passen nicht zur politischen Lage.'" von Philipp Gessler
www.taz.de/pt/2006/08/05/a0100.1/text Darin am Schluss: "Hier werde, unabhängig von ihrer eigenen Einstellung, das antisemitische Klischee bedient, dass Juden weltweit irgendwie für Israels Politik verantwortlich seien." - Wieso Klischee? Ich bin zwar auch der Ansicht, dass es ein Skandal ist, wenn jüdische Kultur nicht gepflegt werden darf, aber dennoch haben selbstverständlich ALLE Juden eine individuelle Verantwortung gegenüber einem Staat, der in ihrem Namen spricht. Im übrigen werden in der Presse Ausgrenzungen von Muslimen und Arabern nicht einmal mit einem Zehntel dieser Energie behandelt. Cui bono?

05.08.06, taz, S. 11, "Gesellschaft unter Druck. Der Krieg überlagert derzeit alle konfessionellen Gegensätze im Libanon. Doch wenn ein Waffenstillstand nicht bald für Ruhe sorgt, könnten sie auch wieder zur Explosion führen" Kommentar von Anne-Françoise Weber
www.taz.de/pt/2006/08/05/a0163.1/text Beginnt mit: "Selten ist in diesen Tagen in Beirut offene Kritik an der Hisbollah zu hören. Dabei war die "Partei Gottes" vor der Geiselnahme zweier israelischer Soldaten, die die israelische Offensive ausgelöst hat, bei vielen Libanesen unbeliebt - sei es wegen ihres regelmäßigen Raketenbeschusses auf Israel, wegen ihres Militärmonopols im Südlibanon, wegen ihrer Treue zu Syrien und Iran oder wegen ihres konservativ-islamistischen Gesellschaftsmodells." - Es ist wichtig, eine Übersicht über die Provokationen sowohl der Hisbollah als auch Israels im Vergleich gegenüberzustellen. Plötzlich heißt es, die Hisbollah würde regelmäßig Raketen auf Israel schießen. Die Presse ist sich fast einig darüber, dass die Hisbollah angefangen hat. Auch in diesem Artikel heißt es, die Hisbollah sei "Auslöser dieser Offensive". Dies ist ungenau. Auslöser ist nicht Ursache. Ursche mag wohl die Gewaltbereitschaft Israels sein.

05.08.06, taz, S. 12, "'Eine Kapitulation kann man nicht erreichen.' Erst wenn auch die Palästinenser ihren souveränen Nationalstaat bekommen haben, kann ein transstaatlicher Friedensprozess wirklich erfolgreich sein, meint der renommierte israelische Historiker Moshe Zimmermann" Interview Ralph Bollmann
www.taz.de/pt/2006/08/05/a0171.1/text Darin Zimmermann: "Die Juden, heißt es, haben 2.000 Jahre lang auf die Gründung eines Staates gewartet. Jede Verletzung dieses Staates gilt als Verletzung einer sakrosankten Idee, deswegen muss man heftig reagieren. Die Europäer haben nach 1945 gelernt, dass der Staat zu viel Macht in Anspruch genommen hat, und deshalb supranationale Formationen wie die Europäische Union geschaffen. Das ist für Israelis bestenfalls Zukunftsmusik." - Ich habe Herrn Zimmermann 2004 in Düsseldorf bei einem Symposion kennen gelernt, an dem wir beide teilgenommen haben. Es ist sehr nett und wir stimmen weitgehend überein. Mich wunderte nur dieses hier: "taz: Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul hat viel Prügel bezogen, weil sie Israel gleich zu Kriegsbeginn einen Bruch des Völkerrechts vorgeworfen hat. Darf eine deutsche Politikerin so etwas sagen? Zimmermann: Sie darf, aber sie muss es dann auch nachweisen können. Das hat man bei Wieczorek-Zeul bemängelt: Sie hat ignoriert, dass die Provokation von der anderen Seite gekommen ist." - Ich denke nicht, dass wir so weiter kommen. Provokationen von der anderen Seite. Es gab sicher auch genügend israelische Provokationen. Zimmermann sagt: "Man muss dafür sorgen, dass der souveräne Staat Libanon für seine Grenzen haftet." Das leuchtet mir nicht ein. Warum soll NUR der Libanon für seine Grenzen haften? Weil Israel seine Grenzen nicht kennt?

05.08.06, Die Welt, "Nahost-Konflikt: Die Hisbollah kämpft mit Bildern. Viele Indizien für inszenierte Bergung von Leichen" von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2006/08/05/986935.html Darin: "Internet-Blogger werfen jetzt die Frage auf, ob nach der Bombardierung eines Hauses im südlibanesischen Ort Kana letzten Sonntag nicht Fotografen logen." - Langer Artikel, ähnlich der Bildzeitung am Vortag. Es wird nahe gelegt, dass es sich um "Hisbollah-Propaganda" handelt. Die Israelis haben im Grunde nichts damit zu tun, im Gegenteil, ihnen schaden diese Verleumdungen, ein Massaker angerichtet zu haben... Ein Propaganda-Artikel, der nicht im Verhältnis zur Tat steht.

05.08.06, Die Welt, "Nahost-Konflikt: Schwerer Luftangriff." von DW
www.welt.de/data/2006/08/05/987104.html Darin: "Bei einem schweren israelischen Luftangriff im Ostlibanon sind am Freitag mindestens 27 Landarbeiter getötet worden. Der Tod der Zivilisten weckt Erinnerungen an den Angriff auf ein südlibanesisches Dorf vergangenes Wochenende, der weltweit Empörung ausgelöst hatte." - Das Töten geht munter weiter.

Weiter 04.08.06
 
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