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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
Juli 2006 (3)
Weiter 01.08.06

31.07.2006, FAZ, S.1, "Logik des Krieges" Kommentar von wgl.
Beginnt mit: "Im Nahen Osten herrscht gegenwärtig die Logik des Krieges" - Gut, dass wgl. uns das erzählt, sonst hätten wir es nicht gemerkt... Dann: "Jeder Tag, den die Hizbullah durchhält, läßt ihren Führer, Scheich Hassan Nasrallah, an Ansehen in der arabischen Welt gewinnen. Und das schadet Israel." In diesem Kommentar wird Israel weder verurteilt noch kritisiert. Fazit ist: Bringen wir die Syrer ins Spiel: "Die beabsichtigte Zähmung der Hizbullah, die der Libanon allein nicht leisten kann, ist ohne die Syrer schwer vorstellbar." Solange es nicht um Frieden geht, sondern um die Zähmung der Anderen (nicht nur der Hizbollah, sondern der Anderen), sind Journalisten wie wgl. schlicht auf einem Holzweg.

31.07.2006, junge Welt, S.8, "Macht und Ohnmacht. Israel zieht Spur der Verwüstung" von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2006/07-31/040.php Darin: "Die UNO erlebt die Stunde ihrer tiefsten Erniedrigung. Sie ist nicht einmal mehr dazu imstande, Angriffe auf sich selbst zu verurteilen." - Der Pirker versteht es wohl, Dinge auf den Punkt zu bringen: "Dabei spielt Deutschland eine unrühmliche Schlüsselrolle. Die CDU-Kanzlerin und ihr SPD-Außenminister zeigen sich zwar um Mäßigung bemüht, machen aber ebenso deutlich, daß sie die israelischen Kriegsziele, die Niederwerfung des - nicht nur schiitischen - Volkswiderstandes im Libanon und die Umgestaltung des Landes in ein von Israel und der NATO beherrschtes Protektorat völlig teilen. Und auch die deutsche Friedensbewegung ist nicht imstande, sich aus ihrer mentalen Starre, die sie in Nahostfragen regelmäßig befällt, zu lösen. Sie verbleibt - von dezidiert antiimperialistischen Strömungen abgesehen - im Bannkreis des Dogmas, daß der "Staat der Holocaust-Überlebenden" um sein Überleben zu kämpfen habe, was sie unfähig zu einer bedingungslosen Positionierung gegen dessen Kriegs- und Unterdrückungspolitik macht."

31.07.2006, junge Welt, S.6, "Uranmunition aus USA. UN-Berater wirft Israels Armee den Einsatz international geächteter Waffen vor. 'Verschmutzung bleibt für Ewigkeiten in der Atmosphäre'" von Jürgen Cain Külbel
www.jungewelt.de/2006/07-31/032.php

31.07.06, Neues Deutschland, "Gezielt und ohne Maß" von Martin Ling
www.nd-online.de/artikel.asp?AID=94592&IDC=7 Darin: "Längst ist die internationale Meinung, die den ersten Militäraktionen nach der Geiselnahme durchaus Verständnis im Sinne des Selbstverteidigungsrechtes gegenüber gebracht hatte, der Fassungslosigkeit gewichen: Fassungslosigkeit angesichts der von Tag zu Tag unverhältnismäßiger werdenden Mittel: Streubomben, Phosphorbomben wurden bereits eingesetzt und uranhaltige Bunkerbrecher aus den USA sind laut 'New York Times' auf dem Weg nach Israel." - Herr Ling schreibt auch, dass die Hisbollah Zivilisten als Schutzschilde benutzt. Dann ist da vielleicht etwas dran. Man kann ja kaum einer Zeitung vertrauen heutzutage.

31.07.06, Spiegel Online, INTERVIEW MIT ZERUYA SHALEV: "'Ein riesiges moralisches Dilemma'. Sie wurde selbst vor Jahren bei einem Attentat in Jerusalem schwer verletzt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev über das moralische Dilemma des Krieges in Nahost, die Tragödie von Kana und die Schuld der Hisbollah." Interview Anna Reimann
Darin Shalev: "Was gestern in Kana passiert ist, ist eine große Tragödie und ich bin unglaublich traurig und schockiert - aber wiederum ist es passiert, weil die Hisbollah von Kana aus Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert hat. Die israelische Armee wusste nicht, dass sich in dem Gebäude in Kana auch Zivilisten verstecken. Sie dachten, dass in dem Gebäude nur Hisbollah-Kämpfer sind. Es ist schrecklich, ein schrecklicher Fehler." - Man kann selbst die schlimmsten Massaker rationalisieren, wie man hier sieht. Shalev sagt: "Es ist schwierig, Pazifist zu sein, wenn dein Leben in Gefahr ist und jemand dich töten will." Aber sie versteht nicht, dass auch Nichtjuden so fühlen können. Wessen Leben ist denn augenscheinlich in Gefahr? Wer ist die viertgrößte Militärmacht der Erde und wer hält Menschen unter Besatzung? Es sind Phrasen aus dem israelischen Mainstream, die hier gedroschen werden, hier ist noch so eine: "Unser Schritt in Richtung Frieden wurde von ihnen als Schwäche interpretiert." Und hier noch eine: "Denn wir alle wissen, dass es nicht nur um die Hisbollah geht, sondern dass die Hisbollah von Syrien und Iran gestützt wird. Und die sagen sehr offen, dass sie Israel zerstören wollen." Man kann ja sehen, wer zerstört. Was wird wohl ein Libanese denken, wenn er folgenden Satz liest: "Ich glaube, dass es noch ein bisschen Hoffnung gibt - wenn die libanesische Regierung es schafft die Hisbollah zu entwaffnen und sie loswird. Israel hat keinen Konflikt mit der libanesischen Regierung." Hoffnung auf was? Frieden? Ich glaube kaum, dass sich viele Libanesen finden werden, die Israel etwas Positives wünschen. Dann: SPIEGEL ONLINE: "Sie haben auch viele palästinensische Freunde. Was sagen die zu diesem Krieg?" Ich glaube kaum, dass diese Frau viele palästinensische Freunde hat, ein lustiger Satz. Aber wer weiß. Shalev antwortet: "Wenn sie Kritik an der Hisbollah üben stehen sie in der arabischen Welt als Verräter da - selbst wenn die pragmatischen Kräfte längst realisiert haben, dass dieser Krieg eine Gefahr für die ganze Region ist." - Es ist schwer, das zu kommentieren, weil es hinten und vorne nicht zusammenpasst. Es sind völlig wirre Gedanken, auch hier zum Schluss: "die Mehrheit der Israelis will den Frieden und ist zu Kompromissen bereit. Was im Moment passiert, zeigt aber auf sehr klare und tragische Art und Weise, wie die Anstrengung der Israelis zum Frieden - der Abzug aus dem Libanon und dem Gaza-Streifen - als Schwäche interpretiert wird und Krieg und immer mehr Terror bringt. Das ist das traurige Paradoxon des Nahen Ostens."

31.07.06, SZ, "Tragödie von Kana. Zerstörte Chancen. Israel lässt exzessiv und ohne Gespür für die zerbrechliche Situation im Libanon weiter die Waffen sprechen - und verspielt dadurch jede Chance." von Stefan Kornelius
www.sueddeutsche.de/,tt1m3/ausland/artikel/716/81635/ Darin: "Israel reagiert militärisch, als hätte sich nichts geändert im Nahen Osten. Es ignoriert noch immer die öffentliche Meinung in aller Welt, die so entscheidend ist für den politischen Spielraum, den die Konfliktparteien mit an den Verhandlungstisch bringen können. Israel reagiert halsstarrig und ideenlos." - Ein zumindest ernst zu nehmender Kommentar. Einen Teil der Situation hat Herr Kornelius inzwischen verstanden.

31.07.06, Tagesspiegel online, "Offener Brief. Krieg in Palästina und Libanon. Wissenschaftler, Diplomaten a. D. und Friedensaktivisten haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier verfasst. Tagesspiegel Online dokumentiert diesen Text in voller Länge.
www.tagesspiegel.de/tso/aktuell/artikel.asp?TextID=69478 Darin: "Frau Bundeskanzlerin, wir rufen Sie auf, sich für die sofortige Beendigung der Kriegssituation zwischen Israel, Libanon und Teilen der autonomen palästinensischen Gebiete, insbesondere Gaza, einzusetzen. Unterstützen Sie die Vorschläge des Generalsekretärs der Vereinten Nationen gegenüber dem Sicherheitsrat vom 20. Juli 2006, in denen er fordert: den vorsätzlichen Beschuss israelischer Bevölkerungszentren durch Raketen der Hisbollah und die unverhältnismäßige Gewaltanwendung und kollektive Bestrafung der libanesischen Bevölkerung durch Israel gleichermaßen zu beenden; die willkürliche und unverhältnismäßige Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt unverzüglich einzustellen; die Bemühungen von Präsident Abbas zu unterstützen, die palästinensische Seite zu einer Regierung der nationalen Einheit zu bewegen, welche die Prinzipien des Nahost-Quartetts unterstützt; Israel solle einseitige Handlungen unterlassen, durch welche ein endgültiger Friedensstatus präjudiziert werde, und sich den Friedensverhandlungen wieder anschließen; die internationale Gemeinschaft müsse sich der Palästinafrage entschlossen und kreativ annehmen und einen umfassenden Frieden im Nahen Osten herbeiführen." - MIt ziemlich vielen Unterschriften.

31.07.06, ZEIT online, "Freund oder Feind. Der neue Krieg im Nahen Osten spaltet auch hierzulande die Gemüter. Viele Medien ergreifen Partei - für oder gegen Israel" von Adrian Pohr
www.zeit.de/online/2006/31/Libanon-Medienanalyse?page=all Darin: "Gerade Deutschland müsse aufgrund seiner NS-Vergangenheit und des Holocaust ohne Wenn und Aber hinter der Operation gegen die Hisbollah stehen, heißt es auf der einen Seite; von der anderen hört man ähnlich klischeehaft den alten Vorwurf, der Judenstaat hänge immer noch der alttestamentarischen Zahn-um-Zahn-Philosophie an und lasse jedes Maß vermissen." - Und wo sind die Menschenrechtler in dieser Einteilung? Höchst interessant, dass die fehlen. Im Grunde wird hier ausgesagt, dass es auf der einen Seite die Philosemiten gibt und auf der anderen die Antisemiten. Damit ist der Rest des Artikels hinfällig.


30.07.06: Botschaft vom libanesischen Volk (Erhalten von einer Libanesin um 11:27 Uhr, Üb.: Anis)
Liebe Freunde, Familie, Kollegen, die Ihr uns im Libanon aktiv unterstützt, leitet diese Botschaft bitte an die schweigende Welt um Euch herum weiter: Um 1 Uhr des heutigen Sonntag Morgen, dem 30. Juli 2006, wachte der Libanon mit dem Horror eines neuen israelischen Massakers auf, das über Qana im Südlibanon hereinbrach. Angebliches Ziel: Hisbollah-Militärbasen. Tatsächliches Ziel: ein sehr primitiver Bunker, in dem sich mehr als 63 libanesische Zivilisten aufhielten (mehr als 22 Kinder, der Rest waren Frauen, Senioren und Behinderte), von denen die meisten noch immer unter Trümmern begraben liegen. Das bringt uns noch einmal zurück zu dem, was in Qana 1996 geschah, als die Basis der UNO-Friedenstruppen von Hunderten libanesischen Flüchtlingen aus Qana und den umliegenden Dörfern als Zufluchtsort aufgesucht wurde, nur um unmittelbar und absichtlich von den israelischen Bombardements ins Visier genommen und umgebracht zu werden. Die Welt stand damals still, es wurden keine rechtlichen Schritte gegen Israel eingeleitet. Es gab nirgendwo in der Nähe dieses Gebietes eine Hisbollah-Militärbasis. Dasselbe gilt für das Gebiet, in dem das heutige Massaker in Qana stattfand. Die unschuldigen Zivilisten, die heute umgebracht wurden, hatten keine Möglichkeit, zu sichereren Orten im Libanon zu fliehen, weil alle Straßen durch die israelischen Bombardements blockiert waren. Ihr werdet in Kürze die Fotos des heutigen Massakers erhalten, von denen wir sicher annehmen, dass sie nicht vollständig in Euren Medien gezeigt werden. // Wir, das libanesische Volk, die wir all die Hilfsgüter erhalten (Geldspenden, Medizin und Nahrung), stehen sprachlos da, während wir die Welt den Bush- und Blair-Regierungen erliegen sehen, wie sie damit fortfahren, ihre Verbrechen gegen den Libanon zu begehen, den ganzen Libanon (wie in Palästina und im Irak), in ihrem 'edlen Streben nach Frieden, Freiheit und einem Neuen Nahen Osten'.. Wir, das libanesische Volk, fragen uns, welche verzweifelten Schritte IHR ergreifen würdet, um das zu beenden, wie Ihr reagieren würdet, wenn dieser Wahnsinn und diese Verletzung von jedem Menschenrechts-Artikel, den es in dem Buch gibt, EUCH passieren würde... Und wichtiger: Wie seid Ihr jetzt in der Lage, einander in die Augen zu sehen, auf den Straßen zu spazieren und Eurem täglichen Leben nachzugehen, so abgelöst davon, was einem Land geschieht, das Euch fortwährend mit offenen Armen willkommen geheißen hat... Wir, das libanesische Volk, wünschen Euch allen... ein Gewissen.

30.07.06: Message from the Lebanese people (Received from a Lebanese at 11:27 a.m.)
Dear Friends, Family, Colleagues who have been actively supporting us in Lebanon, please forward this message to the silent world around you: At 1am this Sunday morning of July 30, 2006, Lebanon woke up to the horror of another Israeli massacre that took place over Qana - South Lebanon. So-called target: Hezbollah military bases. Actual target: A very primitive shelter containing over 63 Lebanese civilians (over 22 children, the rest were women, old aged, handicapped) most of whom are still burried under rubble. This brings us back yet again to what happened in Qana in 1996 when the UN peace forces base was sought as shelter by hundreds of Lebanese civilians from Qana and neighboring villages, only to be directly and purposefully targeted and massacred by the Israeli bombings. The world stood still at the time, no legal action was taken against Israel. No Hezbollah military base was anywhere near that area. The same applies to the area where the massacre took place today in Qana. The innocent civilians who were massacred today had no means of fleeing to safer areas in Lebanon because all roads were blocked by the Israeli bombings. You will receive very shortly the actual pictures of this massacre today, which we are confident will not be fully exposed through your media. // We, the Lebanese people, as we receive all the aid supplies (financial donations, medical and food supplies), stand wordless as we watch the world succumb to the Bush and Blair Administrations continuing to commit their crimes against Lebanon, all of Lebanon (as in Palestine and Iraq), in their 'noble pursuits of peace, freedom, and a New Middle East'.. We, the Lebanese people, wonder if this madness and violation of every human rights article there is in the book was actually happening to YOU, what desperate measures would you be taking to make it stop, how would you be reacting….Most importantly, how are you now able to look into each other's eyes, walk the streets and go about your daily lives being so detached from what's happening to a country that has continuously received you with embracing welcoming arms… We, the Lebanese people, wish you all…..a Conscience

30.07.06, Link zu:
NISCVT: Libanonkrieg Tag 17... (Erhalten von Flüchtlingskinder im Libanon e.V.: www.lib-hilfe.de)

30.07.2006, FAZ, "Tragödie von Kana. Annan: 'Wir müssen diese Tat scharf verurteilen'" von FAZ.NET mit Reuters/AP/dpa/AFP
www.faz.net/s/Rub9854F8E42EB3... Darin: "'Wir werden den Krieg nicht beenden', wurde Olmert zitiert. 'Die Hizbullah, wie der ganze muslimische Terror, bedrohen die westliche Zivilisation.'" - Die wollen uns da alle in ihren Wahn mit hineinziehen. Muslimischer Terror, dass ich nicht lache. Sprich mal über jüdischen Terror, Olmert, du sprichst doch sowieso die ganze Zeit über dich selbst, wenn du über deinen Feind sprichst.


29.07.06, Link zu: NISCVT: Libanonkrieg Tag 16... (Erhalten von Flüchtlingskinder im Libanon e.V.: www.lib-hilfe.de)

29.07.2006, FAZ, "Friedenstruppe im Libanon? Merkel zieht Bundeswehr-Einsatz in Zweifel" von FAZ.NET mit Reuters/AP/dpa
www.faz.net/s/Rub9854F8E42EB34E39A... Darin: "'Es ist eine geschichtliche Verpflichtung deutscher Politik, unverbrüchlich für das Existenzrecht Israels einzutreten', sagte Merkel. Israel greift als Reaktion auf monatelangen Beschuß durch die Hizbullah und die Entführung zweier Soldaten durch die radikalen Schiiten seit fast drei Wochen massiv Ziele im Libanon an." - "Existenzrecht" ist eine Chiffre für Willkür. Es ist ein Hörigkeitssatz von Frau Merkel, der mit den Opfern des Holocaust nichts zu tun hat. Im Gegenteil ist jeder Ziviltote in diesem unsäglichen Libanonkrieg eine Bestätigung dafür, dass aus dem Holocaust grundsätzlich die falschen Schlüsse gezogen werden. - Als Kriegsgrund wird hier neben den zwei Soldaten ein monatelanger Beschuss durch die Hizbullah genannt. War das so? Zu Beginn des Krieges war davon keine Rede, oder täusche ich mich?

29.07.2006, taz, S. 11, "Helft Israel. Die Sicherung der Grenze zum Libanon überfordert die Regierung in Jerusalem. Die internationale Gemeinschaft muss das als Chance sehen - und ihr die Mission abnehmen" Kommentar von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2006/07/29/a0156.1/text Darin: "Die Hamas verfolgt kein anderes Ziel als die Vertreibung der Zionisten aus der Heimat der Palästinenser - vom Jordan bis zum Mittelmeer." - Das ist erkennbarer Unsinn, resultierend aus der Ansicht der Autorin, dass Juden/Israelis im Mittelpunkt allen Geschehens stehen. Die Aktionen der Hisbollah sind für Frau Knaul irrational und also nicht zu begründen: "Der politisch unbegründbare Hass der Hisbollah gegen Israel schürt dort Existenzängste: 'Es geht um Leben und Tod', sagt etwa der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres. Hier mischt sich das Trauma der Konzentrationslager mit dem Schrecken über die antizionistische, bisweilen antijüdische Hetze, komme sie aus Beirut, aus Damaskus oder Teheran. Nicht ohne Grund hielt sich der Westen so lange mit Kritik gegen das israelische Wüten im Libanon zurück. Natürlich kann man den Tod hunderter libanesischer Zivilisten in Beirut nicht mit dem Seelenzustand der Israelis rechtfertigen. Dass deren Angst Katalysator der Militäroffensive ist, muss trotzdem wahrgenommen werden. Die logische Konsequenz daraus ist, Israel diese Mission abzunehmen." - Das ist eine Rechtfertigung der Ziviltoten, auch wenn es moderat daherkommt. Dabei wird sogar zugegeben, dass sich Zweiter Weltkrieg und Nahostpolitik hier mischen - und es wird zu Gunsten Israels ausgelegt. Frau Knaul sagt also, dass die Israelis zwar massiv gegen die Regeln verstoßen, aber dass sie es aus Angst tun und das müsse man verstehen. Nicht nur das: Andere sollen die Drecksarbeit für Israel machen, nämlich "die Hisbollah erkennbar schwächen" und "die libanesische Bevölkerung zum Umdenken antreiben". Um nichts anderes geht es hier als die Unterwerfung unter Israels Kolonial- und Gewaltpolitik und ihre Unterstützung. Wer dagegen demonstriert, wird von Knaul "linksradikales Friedenslager" genannt. Ein chauvinistischer Artikel. Susanne Knaul schreibt seit 1999 Helft-Israel-Artikel für die taz und erklärt den Leserinnen und Lesern, warum Israel geliebt werden soll und warum Israel im Grunde Recht hat, egal was das Militär und die Politiker und die Siedler tun. Es sind eben prinzipiell die Guten.

29.07.2006, Die Welt, "In Stahlgewittern. Raketen, Träume, Zivilisten: Notizen von der israelischen Seite der Front" von Bernard-Henri Lévy
www.welt.de/data/2006/07/29/977044.html Lévy spricht von einem "Faschismus mit islamischem Antlitz, der dritte Faschismus, der wohl für unsere Generation das ist, was der andere Faschismus und dann der totalitäre Kommunismus für unsere Väter waren." Der Feind (Syrien, Iran, Hisbollah, Hamas) ist für ihn absolut böse. Der Autor wünscht Anerkennung für Israel und die Juden: "Und ich will schon gar nicht das schmutzige Spiel des Aufrechnens der Leichen beginnen. Aber warum sollte, was man den einen zukommen läßt, nicht auch für die anderen gelten? Woher kommt es denn, daß so wenig die Rede ist von den jüdischen Opfern nach dem israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen?" Lévy sagt, er war selbst gegen die Besatzung und versteht deshalb nicht, warum man so wenig über jüdische Opfer schreibe. Er habe "schon immer dafür plädiert, daß der hebräische Staat sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht, um im Gegenzug Sicherheit und Frieden zu erhalten. Und gerade darum stellt sich für mich ein Problem der Redlichkeit, der Ausgewogenheit des Urteils: Auch Israel hat Zerstörungen, Todesfälle, Leben in Luftschutzkellern, durch den Tod von Kindern gebrochene Existenzen zu beklagen." Die Besatzung besteht allerdings nach wie vor und es ist nicht genug, lediglich zu wünschen, sie würde beendet. Lévy erklärt, warum Israel so heftig agiert hat: "Es hat so heftig reagiert, weil seine Städte angegriffen wurden und gleichzeitig der iranische Präsident dazu aufgerufen hatte, das Land von der Karte zu tilgen, weil zum ersten Mal der Vernichtungswillen und entsprechende Waffen in ein und derselben Hand lagen, und das schuf eine neue Situation." - Es wurden vor der israelischen Invasion keine israelischen Städte angegriffen. Iranischen Vernichtungswillen kann ich ebenfalls nicht bestätigen. Dem Nasrallah attestiert Lévy "blanken Hass", "Krieg ohne Kriegsziel." Ein klassisches Feindbild. Der Autor versucht nicht einmal, den Gegner zu verstehen, er dämonisiert ihn. Gleichzeitig relativiert er Israels Aggression maßlos: "Die Israelis sind keine Heiligen. Sie sind natürlich in einem Krieg zu Operationen, Manipulationen und machiavellistischen Täuschungen fähig." Er nennt keine Beispiele, es bleibt also eine Phrase. Was heißt, dass die Israelis zu machiavellistischen Täuschungen fähig sind? Etwa im Zusammenhang mit dem jetzigen Krieg: "Wie jeder andere Staat hat Israel das Recht, einer so verrückten, grundlosen, willkürlichen Aggression nicht wehrlos zuzuschauen." - Man kann recht deutlich derartige Wahn-Artikel von journalistisch geschriebenen Artikeln unterscheiden. Die Wahnartikel sind gekennzeichnet durch Philosemitismus, Dämonisierung des Gegners, hysterische Angstbekenntnisse als Rechtfertigung schwerer Gewalt, Vermischung von Nazizeit/Faschismus und Nahostpolitik, martialische Endlösungsgedanken, Pathos und einen Dualismus, der die Welt in Freund und Feind einteilt. So wie hier im Schlussatz: "Und es stimmt, daß ich beim Wiederhören dieser alten Prophezeiungen, die mir heute, ich weiß nicht warum, eine neue Evidenz und Überzeugungskraft zu erhalten scheinen, auch zu träumen beginne, nämlich vom Ruhm eines hebräischen Staates, der es wagen würde, in ein und derselben Geste zwei Dinge zugleich zu sagen und vor allem zu tun: den einen leider den Krieg und den anderen den Frieden erklären, so daß letztlich keine Wahl bliebe."


28.07.06, FR, "Mehr als ein Sechs-Tage-Krieg. Israels Armee ist die stärkste des Nahen Ostens, doch gegen die Guerilla der Hisbollah hat sie bisher wenig erreicht. Mit jedem Tag Krieg wächst die Unterstützung für die Islamisten." von Michael Lüders
Darin am Ende: "Washington und Jerusalem sind überzeugt, sie könnten der Region ihren Willen militärisch aufzwingen. Zivile Opfer spielen keine Rolle, weder im Libanon noch unter den Palästinensern. Verdrängt wird, dass die Hamas ebenso wie auch die Hisbollah erst als Reaktion auf die israelische Besatzung entstanden sind. Nicht die israelischen Siedlungen in palästinensischen Gebieten und die seit Jahrzehnten betriebene Demütigung von Libanesen und Palästinensern werden im Westen als Problem wahrgenommen, sondern 'der Terror', der Israel in seiner Existenz bedrohe. In der Regel wird dieser Terror dem Islam zugeschrieben, der eine fanatische Religion sei. Doch die westliche Politik in der Region schafft sich selbst ihre Gegenkräfte, insbesondere in Form des islamischen Fundamentalismus. Selbst wenn es Israel gelänge, morgen Hamas und Hisbollah zu besiegen, gäbe es übermorgen neue Gruppen unter anderen Namen, die den Kampf gegen die Allmacht der Achse Washington-Jerusalem fortsetzen würden." - Ausgezeichnete, nüchterne Analyse, wie man es von Michael Lüders gewohnt ist. Man liest es und spürt nichts von dem Wahn, der andere Artikel in der deutschen Presse kennzeichnet. Eine Stimme der Vernunft.

28.07.06, Freitag, "Alles ist erlaubt. STRAFAKTION IM LIBANON. Im öffentlichen Bewusstsein Israels ist eine weitgehende Erosion aller Wertenormen eingetreten." von Gerhard Schoenberner
www.freitag.de/2006/30/06300101.php Darin: "Frau Merkel und der frühere Außenminister Fischer haben davor gewarnt, bei der Beurteilung der israelischen Kriegsführung die Reihenfolge von Ursache und Wirkung außer Acht zu lassen. Aber sie denken in zu kurzen Fristen, wenn sie damit nur die Entführung israelischer Soldaten und den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften meinen. Hätte Israel gemäß den UN-Resolutionen gehandelt, hätte es sein Gewaltregime von Besatzung und Annexion beendet, die illegalen Siedlungen - und das heißt: alle - geräumt, sich auf die grüne Grenze von 1967 zurück gezogen, hätte es die Palästinensische Autonomiebehörde je als gleichwertigen Partner akzeptiert und einen souveränen, lebensfähigen Staat Palästina nicht systematisch verhindert, könnte seit Jahren Frieden in der Region herrschen." - Ausgezeichneter, wichtiger Artikel. Gerhard Schoenberner ist unter anderem Gründungsdirektor der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin. Er schrieb ein Standardwerk zur Judenverfolgung im dritten Reich: "Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945."

28.07.06, Freitag, "Nicht ein banaler Nebensatz. SCHLACHTFELD LIBANON: Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier leisten einen weiteren Beitrag zur Verluderung der internationalen Beziehungen" von Lutz Herden
www.freitag.de/2006/30/06300602.php Darin: "Wenn sich Merkel und Steinmeier auf die Solidarität mit Israel berufen, kann das doch im Moment nur heißen, Israel vor sich selbst zu warnen und zu schützen. Wie viel Hass lädt dieser Staat auf sich - in den von seinen Raketen heimgesuchten Orten menschlichen Lebens, in den Millionen Ausgebombten und Flüchtenden, die alles verlieren. In der arabischen Welt überhaupt. Das wird für Generationen nicht zu verwinden sein. Wirklich erstaunlich, dass die Bundesregierung außerstande ist, wenigstens das klar zu artikulieren, wenn schon die humanitären Reflexe versagen, auf die ansonsten Verlass ist, wenn es um China, Russland oder andere Staaten geht, an denen man sich gern reibt, um die eigene zivilisatorische Glasur auf Hochglanz zu bringen."

28.07.2006, jW, S.3, "Warum Israel verlieren wird" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/07-28/050.php Darin: "Ein Sieg Israels wird jedoch immer illusionärer. Hisbollah zu zerschlagen, und das aus der Luft, widerspricht der militärischen Logik. Hier wurde der Wunsch zur Strategie erhoben, was lediglich den Realitätsverlust der Planer in Jerusalem und Washington bezeugt. Sie gingen davon aus, daß die Libanesen den Israelis, die ihr Land in Schutt und Asche legen, aus Dankbarkeit den sehnlichsten Wunsch erfüllen, nämlich Hisbollah politisch und militärisch zu entmachten. Das Gegenteil ist der Fall. Auch Israel ist mittlerweile nicht entgangen, daß Hisbollah heute in Libanon so stark ist wie noch nie." - Vielleicht handeln die israelischen Soldaten gar nicht aus politischen Motiven, sondern aus einem Blutrausch heraus. Es macht zumindest den Eindruck, wenn man bedenkt, dass die Israelis wissen, dass sie mit ihrem Krieg alles nur noch schlimmer machen.

28.07.2006, jW, S.3, "Kritik am Krieg. Brzezinski zieht Vergleich zu Geiselmorden" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/07-28/049.php Darin Brzezinski: "'Ich sage es nicht gerne, aber ich sage es: Daß, was die Israelis heute z. B. im Libanon tun, ist unterm Strich nichts anderes als die Ermordung von Geiseln', erklärte Brzezinksi am 20. Juli bei einem Vortrag vor der New America Foundation. Er begründete das wie folgt: 'Denn wenn man 300 Leute, 400 Leute , die nichts mit den Provokationen der Hisbollah zu tun haben, tötet, und wenn man das absichtlich macht, weil einem das Ausmaß des angerichteten Kollateralschadens gleichgültig ist, dann tötet man Geiseln mit der Absicht, all jene einzuschüchtern, die man einschüchtern will.'" - Wenn Opfer nicht die Möglichkeit haben, die Gefühle und Umstände der Täter durch direkte Kommunikation zu verstehen, dann werden die Opfer unbewusst versuchen, den Täter zu kopieren, um so an die notwendigen Informationen zu gelangen. Deshalb fügen zum Beispiel viele Söhne ihren eigenen Söhnen Gewalt zu. Auch für Gruppen gilt dieser Mechanismus.

28.07.2006, junge Welt, S. 6, "Mißhandelt und vergessen. Kinderhilfsorganisation: zunehmende Verhaftungen palästinensischer Kinder durch Israels Armee", Andrea Bistrich
www.jungewelt.de/2006/07-28/032.php

28.07.2006, junge Welt, S. 8, "Keine Zeitung macht so viele Fehler wie die Bild". Kritische Internetseite deckt die Lügen des Massenblattes auf. Ein Gespräch mit Christoph Schultheis. Christoph Schultheis ist Gründungsmitglied und Mitbetreiber von "bildblog" und entlarvt dort täglich die Lügen der Bild-Zeitung. Weitere Infos: bildblog.de" Interview: Christian Selz
www.jungewelt.de/2006/07-28/025.php Dazu fällt mir ein, dass ich die Kollegen vom bildblog kürzlich gefragt habe, warum sie eigentlich so gut wie nichts über die außenpolitischen Statements der Bildzeitung schreiben. Das fällt ja schon auf. Bis jetzt habe ich noch keine Antwort bekommen.

28.07.06, Link zu: NISCVT: Libanonkrieg Tag 15... (Erhalten von Flüchtlingskinder im Libanon e.V.: www.lib-hilfe.de)

28.07.2006, Spiegel Online, "ISRAEL UND DIE UNO: Eine vergiftete Beziehung. Tödliche Bomben auf vier Uno-Beobachter rufen in Israel kaum Entsetzen hervor. Insgeheim gibt mancher gar der Uno die Schuld, da sie die Hisbollah zu zahm behandelt habe. Keine guten Vorzeichen für eine mögliche neue Friedenstruppe." Von Matthias Gebauer und Ulrike Putz
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,428927,00.html Darin: "Die Geschichte der Vorwürfe gegen die Weltgemeinschaft ist viel länger. Eigentlich gibt es überhaupt nur eine positive Erfahrung mit der Uno, und die liegt lange zurück. Damals, es war der 29. November 1947, verabschiedete die Uno die Resolution mit der Nummer 181. Inhalt war, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Es war die Geburtsstunde Israels. Seitdem jedoch wurde Israel regelmäßig von der Vollversammlung verurteilt. (...) In den Jahrzehnten danach verabschiedete die Generalversammlung oft Resolutionen, die Israel als direkten Angriff auf seine Existenz interpretierte. (...) Im November 1975 nannte die Resolution 3379 den Zionismus 'eine Form von Rassismus'. (...) All das führte in Israel zu einer offenen Arroganz gegenüber der Uno. Der Weltgemeinschaft traut man nicht zu, Konflikte zu lösen, fühlt sich durch das Libanon-Beispiel nur bestätigt." - Hier werden wichtige Fakten ausgelassen, daher entsteht der Eindruck, Israel sei ungerecht behandelt worden. Aber es gibt mehr als 60 UNO-Resolutionen, die Israel nicht eingehalten hat. Auch hat Israel seinen Staat 1948 einseitig ausgerufen und nicht auf dem Land, das ihm von der UNO zugesprochen wurde, sondern auf viel mehr Land. Wenn man das nicht erwähnt, ist klar, dass die Bevölkerung ein verzerrtes Bild bekommt. Und das ist wohl auch die Absicht des Artikels, denn es ist kaum anzunehmen, dass die Journalisten diese Fakten nicht kennen. Die Leser werden offen verarscht. An diesem Beispiel kann man es besonders gut sehen.

28.07.06, SZ, Außenansicht, "Für die Toten ist nur die Hisbollah verantwortlich." Israel hat das Recht, das Leben seiner eigenen Bürger über das Leben der Bürger im Gebiet des Aggressors zu stellen." Kommentar von Alan M. Dershowitz
www.sueddeutsche.de/,tt1l7/ausland/artikel/671/81590 Beginnt mit: "Keine Demokratie der Welt würde - oder sollte - es hinnehmen, wenn ihre Städte mit Raketen beschossen werden. Jedes Land würde darauf angemessen militärisch reagieren." Wen meint der jetzt? Der Raketenbeschuss auf Israel folgte erst NACH den israelischen Angriffen. Damit ist der Artikel bereits hinfällig. Er bewegt sich innerhalb des Judenwahns, der den Mainstream der westlichen Presse bestimmt: "Denn während Israel alles Vernünftige unternimmt, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren - wenn auch nicht immer mit Erfolg -, tun Hamas und Hisbollah alles in ihrer Macht Stehende, um die Zahl ziviler Opfer auf beiden Seiten zu maximieren. Jawohl, diese islamischen Fundamentalisten wollen in Wahrheit, dass mehr ihrer eigenen Zivilisten von den Israelis getötet werden. Das ist ein wichtiger Teil ihrer Strategie." Dershowitz möchte das Kriegsrecht ändern, damit Israel auch Zivilisten töten kann: "Dieser Missbrauch von Zivilisten als Schild und Schwert macht eine Neubewertung des traditionellen Kriegsrechts erforderlich. (...) Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Kämpfern und Zivilisten mehr." Um es rund zu machen, rechtfertigt Dershowitz die Besatzung: "Israel hat den Libanon im Jahr 2000 und Gaza im Jahr 2005 verlassen. Hierbei handelt es sich also nicht mehr um besetzte Gebiete. Dennoch werden von dort Raketen auf israelische Bürger abgeschossen. Dies zeigt doch, dass nicht Terrorismus eine Folge von Besatzung ist, sondern umgekehrt: Besatzung ist eine Folge von Terrorismus." Eine fadenscheinige Beweisführung. Inwiefern soll die Besatzung der Westbank eine Folge von Terrorismus sein? Höchstens des israelischen Staatsterrorismus. Araber sind eben weniger Menschen, das ist es, was die Süddeutsche Zeitung uns mitteilen möchte, so wie Israelis mehr Menschen sind. Die Süddeutsche, natürlich, sie hat den Artikel ausgewählt. Wir müssen viel stärkeren Widerstand leisten, sonst werden wir von diesem Wahn endgültig überrollt. Die Lage ist sehr ernst. (Alan M. Dershowitz ist Strafverteidiger und Professor an der Harvard Law School. Er vertrat O. J. Simpson)

28.07.2006, taz, S. 11, "Die Gefahr aus Teheran. Der israelische Krieg im Libanon lässt sich aus moralischen Gründen leicht verurteilen. Die Frage, wie sich Israel sonst gegen seine Bedrohung schützen soll, bleibt dabei offen" Kommentar von Micha Brumlik
www.taz.de/pt/2006/07/28/a0171.1/text Wie denn sonst als unmoralisch kann Israel seine Existenz schützen? Denken wir über diese Überschrift einmal nach. Der Feind ist demnach so böse, dass er unter moralischen Bedingungen immer versuchen wird, "uns" zu töten. Ein klassisches Feindbild, das umso entlarvender ist als die Gegenseite plausible und kohärente Argumente hat. So wurde die Hisbollah beispielsweise erst nach der Israel-Invasion 1982 gegründet, bei der Tausende starben. Und der Iran: Selbst wenn er die Atombombe will, Israel hat sie ja auch, also was soll das alles? Iran nennt der Autor das "mit einem nuklearem Genozid drohende, klerikalfaschistische Regime in Teheran." Damit macht er also auch Aussagen über Israel als Besitzer von Atomwaffen. Herr Brumlik nennt die Hisbollah, "die die israelische Bevölkerung seit Monaten aus Judenhass mit Raketen quält" als Auslöser. Aus Judenhass. Warum hat er das so geschrieben? Hat er keine besseren Argumente? Nicht viele werden Brumlik glauben, dass das wirklich Judenhass ist, gerade jetzt, wo wegen eines relativ geringen Zwischenfalles von Israel ausgehend ein Krieg gegen einen Staat und eine Bevölkerung geführt wird. Und es werden die Muster deutlich, die auch für Palästina gelten, denn auch dort wird jeder kleine Anlass gesucht, um brutal vorzugehen. Man kann hier, bei "aus Judenhass", bereits aufhören zu lesen. Es ist das Totschlagargument, das Dogma, die Doktrin, die Ideologie, das Tabu. Dann: "Was ist, wenn - wie im Libanon - der Aggressor seine Waffen bewusst und feige in Wohngebieten versteckt? Dann lässt das Kriegsvölkerrecht - moralisch völlig inakzeptabel - durchaus 'Kollateralschäden' zu." - Inwieweit es stimmt, dass Waffen in Wohngebieten versteckt werden, ist schwer zu beurteilen. Als Propaganda ist es natürlich geeignet. Dass das Völkerrecht den massiven Beschuss von großen Wohneinheiten und zivilen Einrichtungen billigend in Kauf nimmt, ist so sicher falsch. Brumlik schreibt: "Nein, das Palästinaproblem ist nicht die Wurzel des Übels. Wer ernsthaft glaubt, dass die oft fatale israelische Politik gegenüber den Palästinensern die Ursache der Krise in der arabisch-islamischen Welt ist, soll bitte erklären, warum im Irak seit Beginn dieses Jahres sage und schreibe neuntausend (!) Menschen Selbstmordattentaten zum Opfer gefallen sind, warum im Iran Menschen- und Frauenrechte systematisch unterdrückt werden und warum in Syrien hinter der Fassade einer gewissen Modernität eine brutale Diktatur herrscht. Etwa wegen Gaza?" - Nicht wegen Gaza. Es sind nur überall dieselben Mechanismen. Nicht nur Israel übt Gewalt aus, aber Israel übt die allermeiste Gewalt in der Region aus, das sehen wir jeden Tag. Gefolgt von den USA. Deshalb sind die autoritären Regime und Strukturen in den arabisch-islamischen Ländern nicht "die Guten", es nützt nur ebenfalls nichts, die Unterdrückung der Palästinenser seit 1948 (!) zu relativieren. Diese Unterdrückung ist spürbar und für viele Millionen Menschen seit Jahrzehnten nicht tragbar. Und sie werden auch wütend, selbstverständlich. - Herr Brumlik drückt aus, dass die Forderung nach Freiheit Palästinas in Wirklichkeit Antisemitismus ist. Er formuliert das so: "Dieses von Teheran aus beschworene 'Palästina' stellt eine Phantasmagorie dar, deren Kern ein 'judenreiner' Naher Osten ist." Deshalb müssen Araber sterben, sagt Herr Brumlik: "Dieses Phantasma widerspricht jedoch der Realität, weswegen so lange arabische Zivilisten sterben müssen, bis ihre Führer eingesehen und anerkannt haben, dass sie diese Realität nicht ändern können." Nachdem der Autor bis hierher den Krieg gerechtfertigt und sein Feindbild ausgebreitet hat, folgt im Schlussabsatz: "Der universalen Moral und des in Israels Gründungsurkunde niedergelegten prophetischen Erbes wegen muss die israelische Regierung gleichwohl sofort, einseitig und ohne jede libanesische Gegenleistung die Waffen ruhen lassen!" Das passt weder zum Titel noch zum Rest des Kommentars, aber gut. Es sollen dann eine Entwaffnung der Hisbollah folgen, die Nato soll einmarschieren und der iranische "Klerikalfaschismus" soll beendet werden. Dann, so lässt Brumlik offen, sei Frieden. Klingt alles sehr plausibel und der taz würdig.

28.07.06, taz, S. 12, "'Wie zwischen Materazzi und Zidane.' Israel wird die Hisbollah allein mit militärischen Mitteln nicht schlagen können, sagt der Politologe Herfried Münkler. Durch den Libanon-Krieg werden die Karten in Nahost aber neu gemischt. Dann erst hat die Diplomatie eine Chance" Interview: Ralph Bollmann
www.taz.de/pt/2006/07/28/a0173.1/text Darin Münkler: "Die asymmetrische Kriegführung der Hisbollah ist immer auch darauf angelegt, dass Israel reagieren muss - und dass es sich dann ins Unrecht setzt, weil der Krieg immer auch Zivilbevölkerung trifft. Das ist die Strategie der Provokation, wie wir sie kürzlich in einem ganz anderen Zusammenhang zwischen Materazzi und Zidane beobachten konnten. (...) Der vermeintlich Schwächere provoziert, und wenn der Stärkere dann zurückschlägt, steht er am Pranger - weil sich seine Reaktion medial aufbereiten lässt." - Nein, weil es Gewalt ist. Egal was Materazzi gesagt hat, Zidane hat ihn geschlagen, das ist Gewalt. Ob es sich medial aufbereiten lässt, hat damit nichts zu tun. Aber auch die taz hat den Faden verloren: "Als es Israel noch mit einer geschlossenen Front der arabischen Staaten zu tun hatte, war es selbst in der Position eines David, und die Araber waren Goliath." Ein Mythos (der im obigen "asymmetrische Kriegführung der Hisbollah" nachhallt). Dann die intelligente Frage: "Kann man Terrorismus überhaupt militärisch besiegen?" - Herr Münkler glaubt an Kriege: "Man kann sicher sein, dass die Israelis die Situation im Nahen Osten kompetenter beurteilen als manche Beobachter in Deutschland, die in solchen Zusammenhängen grundsätzlich vom Flächenbrand sprechen - und keine Vorstellung davon haben, dass der militärische Apparat zumindest gelegentlich und mit einer kurzfristigen Perspektive ein Lösungsinstrumentarium für Probleme sein kann." Die taz möchte vermutlich Ausgewogenheit zeigen. In hundert Jahren, wenn es dann noch Menschen gibt, werden die Zeitungen solche Personen nicht mehr durch Interviews pushen. Ich denke, irgendwann wird die Menschheit es lernen. Münkler hat nichts als Krieg im Kopf. Über die israelische Politik der einseitigen Grenzziehung sagt er: "Sie baut den Hass sicherlich nicht ab und führt auch nicht zu einem wachsenden Verständnis für Israel in der arabischen Welt. Andererseits fällt es schwer, sich Alternativen vorzustellen." Er sagt: "Die Palästinenser zahlen den Vorschuss, den man ihnen gewährt, nicht zurück." Die Besatzung und das gezielte Töten ist also ein Vorschuss. Oder was ist gemeint? Die Mauer? Die Flüchtlinge? Die Siedler? Die Nichtanerkennung des palästinensischen Existenzrechts? Ach so, Gaza. Herr Münkler fordert, dass die "permanenten Provokationen" gegenüber Israel aufhören müssen und sagt: "Angela Merkel schätzt die begrenzten Möglichkeiten, die Deutschland hat, wohl realistisch ein. Mit großen Sprüchen ist hier sowieso nichts zu holen." Große Sprüche? Ach so, Forderungen zur Beendigung der Gewalt. Von Herfried Münkler gibt es einen Artikel in der SZ im Juni, siehe Münkler/SZ. - Manchmal fragt man sich schon, ob zu einer guten Zeitung nicht auch so etwas wie Profil gehört. Da kann man ja gleich die Springerpresse lesen.

28.07.06, taz, S. 15, "'Die Hisbollah ist keine Terroristengruppe'. Der Krieg stärkt die Hisbollah, meint die Schriftstellerin Iman Humaidan Junis. Die Organisation sei aus gutem Grund ein Staat im Staate - sonst habe sich niemand um die Schiiten gekümmert", Interview Alfred Hackensberger
www.taz.de/pt/2006/07/28/a0189.1/text


27.06.2006, Silvia Cattori Interview: "Gaza: "Israel will uns aus unserem ganzen Land vertreiben." Aussage eines Palästinensers aus Gaza
www.anis-online.de/1/rooms/silvia/2006-06.htm

27.07.06, FAZ, "Tote UN-Beobachter. Annans Verantwortung?" von Matthias Rüb, Washington
www.faz.net/s/RubB1888... Beginnt mit: "Wer einen eigenen Fehler ahnt, diesen zu bekennen aber noch nicht in der Lage ist, versucht das ihn beschleichende Schuldgefühl in einer ersten Überreaktion zurückzudrängen." - Nein, gemeint ist nicht der Libanonkrieg Israels (obwohl es einen Gedanken wert wäre), sondern Kofi Annans Kritik an Israel, nachdem die israelische Armee vier UNO-Soldaten tot geschossen hat. Demnach benutzte die Hisbollah die UNO-Soldaten als Schutzschilde. "Dieser Einschätzung steht die Aussage der für die Einsätze der UN-Friedenstruppen zuständigen Untergeneralsekretärin Jane Holl Lute im UN-Sicherheitsrat vom Mittwoch entgegen, wonach es in der Region keine Hizbullah-Stellungen gegeben habe." - Klingt alles ziemlich getürkt, finde ich. Schließlich noch: "Genauso bleibt offen, welche politischen oder militärischen Ziele Israel mit einem absichtlichen Angriff auf die UN-Beobachter hätte verfolgen sollen." Das hat Andreas Zumach am selben Tag in der taz treffend erklärt: Die UNO bleibt fern, Israel hat freie Bahn.

27.07.06, taz, S. 1, "Ein abschreckendes Beispiel", Kommentar von Andreas Zumach
www.taz.de/pt/2006/07/27/a0045.1/text Es geht um den Angriff auf einen UNO-Posten. Darin am Schluss: "Mit Sicherheit wirkt die Tötung der vier UNO-Beobachter abschreckend auf alle Staaten, die möglicherweise künftig vom UNO-Hauptquartier gebeten werden, sich mit Soldaten und Zivilpersonal an einer eventuellen neuen und besser mandatierten UNO-Truppe an der israelisch-libanesischen Grenze zu beteiligen. Und dieser Effekt dürfte der israelischen Regierung durchaus willkommen sein."

27.07.06, Die Welt, "Interview: 'Ein Kampf zwischen den Mächten der Ordnung und Unordnung.' Ex-Mossad-Chef Schabtai Schavit über die Bedrohung der westlichen Welt durch die Fundamentalisten und das Regime in Teheran". Das Gespräch führte Nathan Gardels von Global Viewpoint.
www.welt.de/data/2006/07/27/975203.html Darin Schavit: "Es handelt sich nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah um ein Stück Land an der israelisch-libanesischen Grenze. Vielmehr wird hier der Kern des Konfliktes zwischen den westlichen Gesellschaften und dem fundamentalistischen Islam berührt. So politisch unkorrekt es auch sein mag, das zu sagen: Dies ist ein Kampf der Kulturen. Oder, wie manch einer schönfärberisch sagt, ein Kampf zwischen den Mächten der Ordnung und Unordnung. Die eine Seite will die Idee der Koexistenz nicht akzeptieren, sondern glaubt, vom allmächtigen Gott dazu bestimmt worden zu sein, den Rest der Welt zum Islam zu bekehren - oder zu eliminieren. Wann immer ich das sage, klingt es, als würde ich mittelalterliche Zustände beschreiben. Aber leider ist es wahr." - Im Grunde muss man der Springer-Presse dankbar dafür sein, dass sie uns zeigt, wie die Krieger argumentieren und was sie über sich selbst aussagen. Dieser hier hat bereits die Umstände des Kriegsausbruchs vergessen und spricht assoziativ von einem "Stück Land", das allerdings NICHT der Kern des Krieges sei, sondern eine Art messianischer Endkampf gegen das Böse auf der Welt. Diese dualistische Sichtweise führt geradewegs in Konflikte und Herrn Schavit reicht es nicht aus, dass seine Freunde diese Auffassung teilen, nein, er möchte den gesamten Westen für sein Armageddon mobilisieren und die ganze Welt mit hereinziehen. Dabei argumentiert es mit zwei wesentlichen Merkmalen seiner eigenen In-Group: dem Mangel an Koexistenz-Willen, den Israel derzeit eindrucksvoll demonstriert, und die Bestimmung vom allmächtigen Gott, mit der Israel seine Existenz begründet. Allein das Mittelalter wird von ihm unterschätzt, denn es ging dort wesentlich zivilisierter zu. Aber Herr Schavit ist ja auch kein Historiker, er ist Ex-Mossad-Chef.

27.07.06, Zaman Online (Turkey), "Belgian Jewish Leader: Israel Committing War Crimes". By Selcuk Gultasli
www.zaman.com/?bl=international&alt=&hn=35131 Quote: "Jewish associations have begun to react against the Israeli offensive into Lebanon. Head of the Union of Belgian Jewish Progressives (UPJB) Dr. Jacques Ravedovitch stated that Israel is committing war crimes in Lebanon." And: "Calling the Israeli attacks shameful, Ravedovitch said: 'Resistance in Palestine and Lebanon is justified. Israel is an invader. I do not approve of Hamas killing innocent people, but I defend that if there are invaders there will be resistance at the same time. What Israel is doing in Lebanon is terror.'"


26.07.06, The Independent, "Oren Ben-Dor: Who are the real terrorists in the Middle East? What exactly is being defended? Is it the citizens of Israel or the nature of the Israeli state?"
http://comment.independent.co.uk/commentators/article1197235.ece

26.07.06, junge Welt, S.1, Titel, "Israel angeklagt. Menschenrechtsorganisationen und Waffenexperten beschuldigen den Nahoststaat, zivile Ziele im Libanon mit geächteten Waffen anzugreifen." Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/07-26/004.php Die Streubomben hat Israel bereits zugegeben, das seien normale Waffen. Aber da ist noch mehr: "Der CNN-Korrespondent Karl Penhaul zeigte Bilder von schwer verbrannten Kindern in libanesischen Krankenhäusern, in deren Brandwunden Phosphorrückstände gefunden wurden. Am Dienstag verlangte die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs (IPPNW) gestützt auf eigene Informationen über den Phosphoreinsatz vom israelischen Botschafter in der Bundesrepublik Shimon Stein Aufklärung." Phosphor, das ist schon ziemlich grausam. Dann: "Das hochgefährliche und ebenfalls geächtete "abgereicherte Uran" (DU) bringen die Israelis in sogenannten 'Bunkerbrechern' zum Einsatz - auch in dichtbevölkerten Regionen des Libanon." Uran, das ist schlimm. "Besonders makaber jedoch sind vor dem Hintergrund der Shoah Berichte aus den USA, daß Israel in Südlibanon auch Giftgas einsetzt. Der renommierte 'Wayne Madsen Report', zeigte am Wochenende im Internet ein Foto, das israelische Soldaten bei der Verladung von Bomben zeigt. Ein Mitarbeiter des militärischen Nachrichtendienstes der USA hatte die Waffen als chemische Bomben identifiziert." - Man muss sich mal klar machen, dass unsere Bundeskanzlerin das alles unterstützt. - (Informationen unter www.humanrightswatch.org und www.waynemadsenreport.com)

26.07.06, Deutschlandradio Kultur, 09:07 Uhr, "Französisch-jüdischer Publizist kritisiert israelisches Vorgehen Alfred Grosser gegenüber Vorschlag einer UN-Truppe skeptisch. Der französisch-jüdische Politologe und Publizist Alfred Grosser hat seine harte Kritik am israelischen Vorgehen im Libanon erneuert. Die Regierung in Jerusalem müsse im Kampf gegen die Hisbollah umdenken. Jede israelische Bombe bringe mehr Libanesen an die Seite der radikal-islamischen Miliz." Moderation: Joachim Scholl
www.dradio.de/dkultur/sendungen/kulturinterview/524290/ Darin Grosser auf die Frage, ob es uns überhaupt zusteht, Israel zu kritisieren: "Ja, natürlich steht es Ihnen zu! Man war ja nicht nur gegen Hitler wegen Antisemitismus und wegen Auschwitz, sondern gegen Hitler wegen der Demütigung aller Menschen, die nicht Deutsche waren. Hier wird ununterbrochen seit Jahrzehnten in Gaza, Israel hat sich das Recht eingestanden zu töten, wen er will, einzugreifen, wo es will, und wenn man sagt, Israel steht unter Bomben, Gaza steht ständig unter Beschuss und die Demütigung der Palästinenser ist enorm und wenn das in Deutschland gesagt wird, gibt es eine Pressezensur." Auch: "Israel will nicht einsehen, wie viel die Demütigung und die Eingriffe überall Hass entzündet haben, bei denen, die getroffen wurden." - Folgt auf ein Interview der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung

26.07.06, SPIEGEL ONLINE, "Wir wollen doch nur ein schönes Leben." Es ist nicht lange her, da glaubten die Israelis fest daran, dass Frieden möglich ist. Doch jetzt herrscht wieder Krieg. Der Journalist und Friedensaktivist Zeev Avrahami erklärt, warum er jetzt zur Waffe greifen würde - und nicht zum Olivenzweig.
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,428430,00.html Darin: "Als meine Generation heranwuchs und schließlich ihren Platz in der israelischen Wirtschaft, Kultur und Politik einnahm, haben wir eine große Veränderung in der öffentlichen Meinung in Israel bewirkt. Unsere Generation drängte - mit ihren Stimmen und ihrer Lebenseinstellung - auf Gespräche mit den Palästinensern und auf Friedensabkommen mit Arafat und Jordanien." Dann: "Heute bin ich davon überzeugt, dass Israel einen gerechtfertigten Krieg führt. Ganz anders als der 'freiwillige Krieg' wurde uns dieser Konflikt aufgezwungen. Es herrscht das Gefühl vor, dass jeder positive Schritt, den wir in den letzten Jahren gegangen sind, mit Bestrafung beantwortet wurde. Nun sind wir bereit alles zu tun, was Israel zu einem sicheren Ort macht - selbst wenn das bedeutet noch einmal in den Libanon einzudringen. Wir wollen auch in Cafés sitzen, Cappuccino schlürfen und Backgammon spielen können." - Das möchten auch die Libanesen und die Palästinenser. Es ist schon erstaunlich, wie man den "Anderen" auch noch den Rest an Lebenskraft neiden kann, den man ihm übrig gelassen hat. Avrahamis Generation, von der er spricht, ist frustriert, weil sie nicht merkt, dass ihre "positiven Schritte" einfach nicht ausgereicht haben. Sie fühlen sich bestraft. Dabei zeigt doch schon die Überschrift, wie egozentrisch und weinerlich diese Generation ist. Wer glaubt, mit dieser gewaltbereiten Einstellung "Israel zu einem sicheren Ort" zu machen, macht genau den gleichen Fehler wie die jüdischen Pioniere 1948.

26.07.06, taz, brennpunkt, "'Deutsche Soldaten in Israel nicht denkbar.' Der Völkerrechtler Norman Paech, für die Linkspartei im Bundestag: Vorgehen Israels im Libanon unverhältnismäßig", Interview: Christian Rath
www.taz.de/pt/2006/07/26/a0134.1/text Darin: "taz: Wie soll Deutschland auf den Konflikt im Libanon reagieren? Paech: Die Bundesregierung muss unmissverständlich klarstellen, dass das Vorgehen Israels die Grenzen der zulässigen Selbstverteidigung überschreitet. taz: Wenn Israel aus dem Libanon mit Raketen beschossen wird, muss es sich doch wehren können. Paech: Der jüngste Konflikt begann mit der Tötung und Entführung israelischer Soldaten an einer Grenzstation. Das war ohne Zweifel eine sinnlose Provokation und ein völkerrechtswidriges Verbrechen der Hisbollah. Israel hätte also das Recht gehabt, mit kleinen Trupps auf libanesisches Gebiet nachzueilen, um die Täter zu suchen und zu stellen. Israel hat dann aber begonnen, systematisch Ziele im ganzen Libanon zu bombardieren. Erst dann hat die Hisbollah mit dem Abfeuern von Raketen begonnen. taz: Demnach hätte Israel den Konflikt unzulässig eskaliert, indem gleich der gesamte Libanon angegriffen wurde? Paech: Ja. Zwar muss sich der Libanon das Verhalten der Hisbollah-Miliz tatsächlich zurechnen lassen. Immerhin sitzt die Hisbollah mit gewählten Vertretern im libanesischen Parlament und sogar in der Regierung. Ich habe jedoch große Zweifel, ob ein isolierter Grenzzwischenfall ein umfassendes Selbstverteidigungsrecht auslöst. Außerdem geht Israel derzeit mit einem unzulässigen Vernichtungskrieg gegen Milizen und Bevölkerung im Libanon vor." Aus rechtlicher Sicht stellt es sich genau so dar, deshalb sollte man es auch genau so ausdrücken.

26.07.06, taz, S. 11, "Der Krieg in den Köpfen. Auch der aktuelle Krieg im Nahen Osten facht wieder den 'Kampf der Kulturen' an. Er lässt sich weder durch Bomben noch Dialog lösen. Sondern durch Glaubwürdigkeit" Kommentar von Zafer Senocak
www.taz.de/pt/2006/07/26/a0140.1/text Senocak nennt den israelischen Kampf gegen die Hisbollah berechtigt. Darüber kann man streiten. Der iranische Präsident leugne den Holocaust: Habe ich nicht gehört. Ich habe es so verstanden, dass er freie Forschung zu dem Thema wünscht. Folgendes Statement trifft jedoch einen wichtigen Punkt: "Doch nicht die frei vom Volk gewählte Regierung in den palästinensischen Autonomiegebieten steht auf der Seite des Westens, sondern die tyrannischen Regimes in der Region. Demokratie ist keine Verheißung mehr, sondern eine Schreckensformel, ein Vehikel, das die Radikalen an die Macht bringt." Es sind insgesamt einige Seltsamkeiten in dem Artikel wie: "Schuldige und weniger Schuldige ließen sich benennen. Doch was bringt eine solche Erkenntnis außer Rechthaberei und einer Verhärtung der Fronten?" Ist dies die Einforderung eines moralischen Relativismus? Ist es also Täterschutz? Der Feind liegt für Herrn Senocak im muslimischen Extremismus: "Wie aber lässt sich dieser muslimische Extremismus eindämmen? Durch noch mehr Bomben? Durch Dialog? Weder Bomben noch der Dialog taugen viel. Bomben treiben den Extremisten - abgesehen von dem menschlichen Leid, das sie bewirken - immer mehr Anhänger in die Arme. Die Milizen der Hisbollah lassen sich vielleicht entwaffnen. Wie aber entwaffnet man die aufgerüsteten Köpfe von Millionen von Menschen?" Haben Sie es gemerkt: Nun sind es schon Millionen muslimische Extremisten. Senocak fährt fort: "Der Dialog andererseits ist nichts als eine Illusion, solange er nur zwischen ausgesuchten Persönlichkeiten in gut klimatisierten, abgesperrten Konferenzsälen stattfindet. Wie aber wäre es, ein selbstkritisches Gespräch mit sich selbst zu führen - einen inneren Dialog, eine Debatte innerhalb des eigenen Lagers?" Davon ist der Autor leider weit entfernt, auch wenn er es bestimmt gut meint: "Wenn man etwa die US-Regierung zur Rechenschaft ziehen würde für die von ihr begangenen Verbrechen im Irak? Würde eine solche Vorgehensweise die westlichen Werte, die es zu verteidigen gilt, stärken oder schwächen? Wie wäre es, wenn der iranische Präsident für seine unerträgliche Leugnung des Holocausts von muslimischer Geistlichkeit denselben Widerspruch erfahren würde wie vom Westen?" Was wird denn hier verglichen? Kriegsverbrechen mit Meinungsäußerung. Oder dies: "Dass sich deutsche Juden in besonderem Maße mit Israel solidarisieren, ist verständlich. Die Menschen, die aus arabischen Ländern stammen, tun dies mit ihrer alten Heimat." Reines Lagerdenken wird vorausgesetzt, als ginge es niemandem um Menschenrechte und internationales Recht. Ein zielloser Artikel. Deshalb auch so etwas: "Die Türken stecken dabei in besonderer Weise in der Zwickmühle. Die Zunahme des Antisemitismus in der Türkei ist besorgniserregend." Als ginge es um die Frage, ob man nun für Juden oder für Araber sein soll. Es ist ehrlich kindisch. Dabei meint er es gut, wirklich: "Wenn westliche Demokratien die eigenen Werte verraten, opfern sie auch die Glaubwürdigkeit ihrer Verbündeten in autoritären Staaten." Tragisch irgendwie, dieses Denken.


25.07.06, Bildzeitung, "Bei den Milizen trainieren schon Kinder den Kampf gegen Israel: Hisbollah - die Armee des Bösen" von anonym
www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/07/... Der Titel beschwört "das Böse". Es wird später deutlicher, dass damit der Holocaust chiffriert wird. Er wird der Hisbollah angehängt, obwohl die Hisbollah nichts mit dem Holocaust zu tun hat. Das funktioniert so: "Alexandra Avakian, Fotografin des US-Magazins 'Time', war im Trainingslager der Hisbollah-Jugend. Sie sah die Saat des Hasses: 'Die Jungen bauten Davidsterne aus Steinen. So daß jeder, der ihr Zelt betrat, darauf treten mußte.' Der rechte, hochgerissene Arm dieser Kinder weckt Erinnerungen daran, wie auch die Nazis junge Menschen mißbrauchten." Im Schlussabsatz wird das noch einmal "wissenschaftlich" bestätigt: "Der Bonner Psychologe, Fanatismus-Forscher und Buchautor Peter Conzen ('Fanatismus. Psychoanalyse eines unheimlichen Phänomens') sieht erschreckende Parallelen zur Hitler-Jugend: 'Es ist die gleiche Methode. Eine haßerfüllte Ideologie nutzt die Begeisterungsfähigkeit, den Elan junger Menschen schamlos aus. Kindern wird die ‚Vernichtung des Feindes‘ als höchstes Ziel regelrecht eingetrichtert. Wie jedes andere totalitäre Regime betrügt auch die Hisbollah im Libanon diese Kinder um ihre Jugend.'" - Man bekommt durch solche Wahn-Artikeln ein Bild von der anderen Seite, also nicht der Hisbollah, sondern der anderen Seite.

25.07.06, SPIEGEL ONLINE, "Fischer zu Libanon: 'Krieg gegen die Existenz Israels'. Deutschlands ehemaliger Chefdiplomat Joschka Fischer hat die Angriffe von Hamas und Hisbollah als Stellvertreterkrieg im Auftrag Irans und Syriens bezeichnet. Sie führten einen Krieg gegen die Existenz Israels."
Darin: "Durch den Raketenbeschuss der drittgrößten israelischen Stadt Haifa habe die Hisbollah eine Grenze überschritten, 'die weit reichende Konsequenzen haben wird', schrieb Fischer in einem Gastbeitrag für die 'Süddeutsche Zeitung'. 'Es geht ab sofort nicht mehr überwiegend um Territorium, um Rückgabe oder Besetzung, um ein oder zwei Staaten im Nahostkonflikt, sondern nun wird die strategische Bedrohung Israels (und das heißt: seine Existenz als solche) im Vordergrund stehen.' Die Kämpfe seien ein Stellvertreterkrieg, den die Hamas und die Hisbollah im Auftrag Syriens und Irans führten. Sie dienten dem Hegemonialanspruch dieser beiden Staaten." - Das ist interessant. Natürlich weiß Fischer es besser: Es war der israelische Beschuss des Libanon, der eine Grenze überschritten hat. Haifa kam erst viel später. Fischer geht es nicht um einen Frieden in Nahost (ihm ging es seit seiner Karriere nie darum), sondern um die Vormachtstellung von Juden, bzw. Israelis. Dies drückt er unmissverständlich hier aus: "Nach Ansicht des früheren Außenministers eröffnet der Krieg trotzdem die Möglichkeit, am Ende zu einem umfassenden Frieden zu kommen. Dazu müsse Israel 'aus einer Position der Stärke heraus' die Initiative ergreifen und ein 'umfassendes Friedensangebot' an all diejenigen machen, die zur Anerkennung des jüdischen Staates und dauerhaftem Gewaltverzicht bereit seien." - Man fragt sich schon, warum er das alles sagt. Der Mann ist ja nicht dumm. Ich kann diese Frage hier auch nicht abschließend beantworten.


24.07.06, Libanon, Israel, Palästina: Interview mit Mazin Qumsiyeh

24.07.06, Anis' Artikel: Ein Zeitfenster für Nahost / A Time Window for the Middle East

24.07.06, Link zu: NISCVT: Libanonkrieg (Erhalten von Flüchtlingskinder im Libanon e.V.: www.lib-hilfe.de)

24.07.06, Spiegel Online, "Scharfe Kritik an SPD-Vorstoß für sofortige Waffenruhe. Während die Bundesregierung auf Vorbedingungen für einen Waffenstillstand in Nahost setzt, fordert die SPD-Führung plötzlich die bedingungslose Einstellung der Kampfhandlungen. Alleingang oder Missverständnis?" von Sebastian Fischer und Anna Reimann
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,428284,00.html Darin: "Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm müht sich, den SPD-Vorstoß ins Regierungskonzept zurückzuholen: 'Es geht jetzt nicht um die kurzfristige Befriedung der Situation', vielmehr solle das Engagement vieler Seiten genutzt werden, 'um eine dauerhafte Befriedung zu erreichen'." - Es soll also durch Krieg Frieden erreicht werden. Vielleicht kann etwas derart menschenverachtendes deshalb von einer deutschen Regierung kommen, weil Deutschland auch durch Krieg zum Frieden kam 1945. Aber stimmt das wirklich? Ich glaube es nicht, es ist komplexer. In diesem Artikel werden die Werte umgedreht: SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow habe durch seine Forderung eines bedingungslosen Waffenstillstands "die Situation angeheizt". Die Deutschen Zionisten unterstützen den israelischen Angriffskrieg mit vollem Herzen: "Heftige Kritik auch von der Zionistischen Organisation Deutschland (ZOD), die seit über 50 Jahren der deutschen Bevölkerung die Standpunkte Israels zu vermitteln sucht. Ein sofortiger Waffenstillstand ohne Vorbedingungen habe zwar 'zweifelsohne die Rettung einiger Menschenleben auf beiden Seiten' zur Folge, so ZOD-Präsident Robert Guttmann gegenüber SPIEGEL ONLINE." Aber eine "Vernichtung Israels vielleicht in fünf, vielleicht in zehn Jahren wird damit festgeschrieben". Das ist schon eine bösartige Argumentation. Lustig dieser Teil: "Zwar würden Vergleiche hinken, doch diesen müsse er doch ziehen: Wenn von Potsdam aus hunderte von Raketen auf Berlin und die SPD-Zentrale niedergehen würden, 'dann würden sich die Präsidiumsmitglieder der SPD überlegen, was sie sagen, wie sie es sagen und wann sie es sagen'." - Es handelt sich hierbei eindeutig um einen Artikel, der pro-Krieg ist.

24.07.06, SZ, "Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bomben auf Beirut, Krieg im Gaza-Streifen, hunderttausende auf der Flucht. Welche und wie viel Israel-Kritik ist in diesen Tagen in Deutschland erlaubt?" Kommentar von Heribert Prantl
www.sueddeutsche.de/,tt1l4/ausland/artikel/251/81170 Darin: "Die Überschrift dieses Artikels ist antisemitisch." Herr Prantl hat hier einen verblüffenden Kommentar geschrieben. Nachdem er erklärt hat, warum die Überschrift potenziell dem Antisemitismus-Vorwurf ausgesetzt ist, erklärt er, warum sie nicht antisemitisch ist: Man bedürfe keiner "negativen Assoziationen, um Israels Aggression im Libanon zu kritisieren, die sich als Rekrutierungshilfe für die Hisbollah erweisen wird. Man darf, muss es beklagen, dass Israel sich seine Feinde selbst züchtet und zur Verewigung eines mörderischen Konflikts beiträgt. Gegen islamistischen Fanatismus hilft israelische Selbstfanatisierung nicht. Und das Recht auf Selbstverteidigung kann nicht dazu führen, internationale Regeln wie den Schutz der Zivilbevölkerung außer Kraft zu setzen..." - Immerhin, es ist der Prantl, der das schreibt: "Heute dominiert die pauschale Verurteilung Israels. Zur notwendigen Korrektur dieser Schieflage tragen Forderungen nach bedingungsloser Solidarität mit Israel nicht bei. Israel-Kritik ist geboten. Aber: Nicht nur die deutsche Geschichte verbietet eine Kritik, die selbstgefällig, überheblich und diffamierend daherkommt." Naja, immerhin. Der Prantl.

24.07.06, taz, S. 2, "King-David-Anschlag: Israel empört London" von afp
www.taz.de/pt/2006/07/24/a0093.1/text Darin: "Mitten in seiner Libanonoffensive hat Israel mit dem Gedenken zum 60. Jahrestag des größten Anschlags auf die damalige britische Besatzung für Verstimmung gesorgt. Am 22. Juli 1946 hatte die zionistische Terrorgruppe Irgun unter dem späteren Premier Menachem Begin im King David Hotel, der Residenz britischer Behörden, mehrere Bomben gezündet und 91 Menschen getötet. In Israel wurde des Attentats mit einer Konferenz und einem Besuch ehemaliger Irgun-Mitglieder im heutigen Luxushotel gedacht. Die britische Botschaft protestierte: 'Wir halten es nicht für richtig, einen Terrorakt zu feiern.' Eine der Täterinnen sagte, der Anschlag sei 'kein Terror' gewesen. Mit Extremistengruppen wie der Hamas oder der Hisbollah habe dies nichts zu tun. 'Die Palästinenser können in andere Länder gehen. Dies ist unser Land. Das steht in der Bibel.'" Wenn es nicht so traurig wäre, würde man lachen. Ist die taz die einzige Zeitung, die das gebracht hat? Müsste man mal recherchieren. Die gesamte Ausgabe der taz vom 24.07.06 ist revolutionär.


23.07.2006, Spiegel Online, "DEBATTE, Warum Israel richtig reagiert. Auf den aktuellen militärischen Konflikt Israels mit der Hisbollah reagiert die Öffentlichkeit in Deutschland mit den Emotionen und Feindbildern von gestern. Doch Israel streitet für eine gerechte Sache. Pazifismus hilft im Moment nicht weiter, meint der Publizist Matthias Küntzel."
www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,428093,00.html Küntzel sieht eine Art Endkampf zwischen dem Westen und dem "genozidalen Islamismus", den Israel und der Westen gewinnen müssen. Schon ist keine Rede mehr von entführten Soldaten, sondern von einem "antisemitischen Krieg". Diesen Gedanken formulierte Küntzel wörtlich in der Jüdischen.at vor wenigen Tagen (Siehe Kommentar). "Israels Waffeneinsatz hat schon jetzt unerwartet positive Entwicklungen ausgelöst." heißt es auf Spiegel Online, und: "Israels Regierung will Frieden." Auch: "Israel führt einen gerechten Krieg". Warum erinnert mich das an Faschismus? Ist es der Hass, der aus Küntzels Zeilen spricht, oder der Bellizismus? Ist es der unbedingte militärische Siegeswille oder der imperialistische Ansatz? Wie sieht Küntzels "Lösung" aus? Ist es eine Art Endlösung der Islamistenfrage? Die Ausrottung des "Islamismus"? Wohin soll das führen? Wie kann das - selbst in Küntzels Ideologie - zum Frieden führen? Es könnte angesichts der militärischen Überlegenheit Israels zu einer temporären Unterwerfung der muslimischen Gesellschaften führen, aber Hunderte von Millionen Menschen werden das nicht auf Dauer mitmachen. In dieser Darstellung zeigt der Westen seine mieseste Fratze und kopiert die Extremisten, gegen die er vorgibt zu kämpfen. Auch ich bin gegen gewalttätige islamistische Tendenzen und habe dagegen geschrieben. Aber deshalb rufe ich nicht zum Krieg oder zur Rechtfertigung von Kriegen auf. Außerdem ist bekannt, dass die israelische Gewaltpolitik muslimische Extremisten stärkt. Die Völkerrechtsbrüche Israels sind ja seit Jahrzehnten auch dem Westen bekannt. Solche Artikel können nur deshalb überhaupt veröffentlicht werden, weil Völkerrecht und Menschenrecht im Westen unterhalb der Rechte Israels angesiedelt werden. Es ist der rassistischste, chauvinistischste und bellizistischste Artikel, den ich seit langem in der deutschen Presse gelesen habe. Eine Schande für ein deutsches Blatt, eine Schande für Deutschland. Widerstand ist angesagt!

Weiter: 22. Juli 2006
 
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