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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
Juni 2006
Weiter: Juli 2006

SZ, 27.06.2006, S. 13, "Psychische und ökonomische Ermattung. Die neuen Strategien des Terrorismus und die Abwehrmöglichkeiten des demokratischen Staates" von Herfried Münkler (lehrt Theorie der Politik an der Humboldt-Universität in Berlin) Anis: Dies ist die uralte Geschichte darüber, dass die Obrigkeit sich für die Ursachen von Missständen und Gewalt nicht interessiert und versucht, sie zu verdrängen, um die eigene Sphäre zu erhalten. Selten allerdings findet man eine solch fadenscheinige Argumentation. Das müssen die Zeiten sein. Spaltenweise geht es in dem Artikel um eine akademisch-positivistische Darstellung "des Terrorismus", wobei Staatsterrorismus nicht einmal erwähnt wird, dafür aber "der Westen" als Opfer. Es geht um Abgrenzung gegen Partisanen, Klassifikationen, Ziele, Schutzmaßnahmen, Fremdwörter, Klugheiten. Im kurzen Schlussabsatz dann dieser Quatsch: "Aber wie steht es mit der Beseitigung dessen, was man gerne als die Ursachen des Terrorismus bezeichnet? Nimmt man diese Aufgabe ernst, handelt es sich um ein offensives Projekt." Bis hier her geht es ja fast noch, aber es steigert sich mit jedem weiteren Satz ins Fantastische: "Offensives Agieren erfordert mehr Kräfte und Ressourcen als die Defensive. Das Bemühen um die Verhinderung von Panik und Hysterie der eigenen Bevölkerung ist defensiv. Wer sich um die Defensive gekümmert und danach noch Kraft zu mehr hat, mag über offensives Agieren, also Beseitigung der Ursachen des Terrorismus, nachdenken. Wer es tut, ohne zuvor auf die Abwehr bedacht gewesen zu sein, handelt unverantwortlich oder redet bloß ins Ungefähre. Das war in den letzten Jahren viel zu häufig der Fall." Das Erstaunlichste ist, dass die Ursachen von Terrorismus inhaltlich überhaupt nicht angesprochen werden. Es bleibt auf der reinen Propaganda-Ebene und zeigt so ungewollt das Tabu. Dieser Artikel ruft zur "Defensive" auf und wir wissen ja, was alles so genannt wird. Gaza, Bagdad, oder auch der "Zurückbeschuss" auf Polen 1939... - Ich stelle mir einen Arzt vor, der sich weigert, die Krankheit zu diagnostizieren, weil er zu beschäftigt ist mit den Symptomen seines Patienten und weil er fürchtet, selbst krank zu sein. Es ist betrüblich mitanzusehen, wie auch nach Jahren noch die Süddeutsche Zeitung in ihrem Loch pappen bleibt und solche Artikel veröffentlicht. Das erfordert offensives Agieren, zumal die Bevölkerung mit solchen Artikeln getäuscht wird.

Los Angeles Times 25.06.2006, "War's Iraqi Death Toll Tops 50,000. Higher than the U.S. estimate but thought to be undercounted, the tally is equivalent to 570,000 Americans killed in three years. By Louise Roug and Doug Smith, Times Staff Writers
In einer eMail schreibt Sylvia Weiss: Los Angeles Times schreibt heute, daß im Irak viel mehr irakische Zivilisten getötet wurden seit dem Krieg 2003, als bisher angenommen; ca. 50.000. Die Zeitung stützt sich u.a. auf Zählungen in Bagdader Krankenhäusern. Viele Tote wiesen Folterspuren auf. Grüße, Sylvia Weiss

Nordbayerische Nachrichten 23.06.2006, Leserbriefseite (hier zitiert aus einer Rundmail),"Nie wieder Krieg! - wir sind schon mitten drin" von Werner Schramm
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, (...) "Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menscheit", sagte Papst Johannes Paul II im Januar 2003. Kürzlich sah ich die grauenvollen Photographien von Kindern, die ohne Gehirn zur Welt kamen, nur ein Auge oder die ein riesiges Loch im Rücken hatten - eine schier endlose Liste von Mißbildungen. Der Photograph Takashi Morizumi aber auch Prof. Dr. med. Siegwart-Horst Günther haben sie im Irak aufgenommen. Sowohl in Afghanistan als auch im Irak wurden tonnenweise Depleated Uranium (abgereichertes Uran) verschossen. Ganze Landstriche sind auf Jahrmillionen mit radioaktiven Partikeln verseucht. Fachleute bezeichnen diese Munition als "schmutzige Bomben", die massenhaft Menschen umbringen können.
Nach dem Einsatz von Uranmunition ist die Zahl der Menschen mit Mehrfachkrebs sowohl in Afghanistan als auch vor allem im Irak sprunghaft angestiegen. Schätzungen gehen aufgrund der Fallzahlen davon aus, daß bis zum Jahr 2050 mehr als Zweidrittel der irakischen Bevölkerung nicht mehr am Leben sein wird. Auch in amerikanischen Soldatenfamilien mehren sich die Fälle von schwersten Erkrankungen und mißgebildeten Neugeborenen. Wir können doch nicht länger zu alledem schweigen, gerade weil Deutschland bislang direkt oder indirekt die Kriegskarte mitgespielt hat! Aber nicht in meinem Namen.
Es liegt auch in unserer Verantwortung, endlich die Friedenshand zwischen Christen und Moslems zu reichen. Stattdessen scheint längst ein neuer, unvorstellbar grausamer Krieg geplant zu sein, der ein voller Atomkrieg werden soll - damit er nicht so teuer wird wie im Irak.
Wo sind die echten Konservativen, Sozialdemokraten, Linken, für die einst "Nie wieder Krieg" eine Verpflichtung für die Zukunft vor allem unserer Kinder war? Wir haben uns die Menschen, in die "Freiheit" und "Demokratie" hineingebombt wurden, sicherlich nicht zu Freunden gemacht - im Gegenteil: unzähligen Menschen ist die Hoffnung genommen, daß sie gesund bleiben und normale Kinder zeugen bzw. gebären. Kaum jemand scheint sich bewußt zu sein, daß mit der Beseitigung von Saddam etwas viel Schlimmeres zurückgelassen wurde. Müßte man das nicht als Verbrechen gegen die Menschheit und Gott bezeichnen? Wann beginnen wir endlich, das angerichtete Leid zu lindern? Mit freundlichen Grüßen
Werner Schramm

Qantara.de, 23.06.2006,"Arabische Medien und die Wahrnehmung des Westens. Differenzierte Sicht statt selektive Momentaufnahme. Vermehrt wird arabischen Satellitensendern vorgeworfen, ihrer Öffentlichkeit ein einseitiges und antiwestliches Bild zu vermitteln. Bashar Humeid ist der Frage nachgegangen, inwiefern dieser Vorwurf nur zum Teil der Realität in der arabischen TV-Landschaft entspricht.
www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-528/i.html

junge Welt, 14.06.2006, S. 1, "Palästina unter Beschuß. Erneuter israelischer Angriff. Verschärfte internationale Finanzblockade. Angriffe auf Regierung und Parlament. Bürgerkrieg soll provoziert werden" von Knut Mellenthin
www.jungewelt.de/2006/06-14/033.php?sstr= Anis: Die junge Welt ist die einzige deutsche Tageszeitung, die angemessen über den Israelkonflikt berichtet. Die junge Welt ist ausdrücklich nicht gemeint in der entsprechenden Stelle über die deutsche Presse im
Faked Interview (10). Auch die Wochenzeitung Freitag nicht.

junge Welt, 14.06.2006, S. 6, "Von Beirut nach Damaskus. Normalisierung der Beziehungen zwischen Libanon und Syrien? Beide Seiten zufrieden mit jüngstem UN-Bericht zum Hariri-Mord" von Rainer Rupp
www.jungewelt.de/2006/06-14/033.php?sstr= Darin: "Während sich die Berichte von Mehlis 'wie Kriminalromane' lasen, so die New York Times am Sonntag, seien die von Brammertz 'in einem vernünftigen und technischen Ton' gehalten. (...) Nach den Rückschlägen der US-gesponserten sogenannten 'Zedern-Revolution' könnte dies ein Zeichen dafür sein, daß die libanesische Regierung eine Normalisierung der Beziehungen mit Syrien anstrebt." Anis: Wichtige Entwicklung im Libanon und in Syrien. Siehe dazu die Quellen auf Anis Online:
Interview mit Chibli Mallat, Kommentar dazu von Günter Schenk und Anis' Kommentar in der Blumendebatte.

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