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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
Briefe 2003 (8)
Inhalt
Knut Mellenthin, "'Mein Name ist Hase...' Warum das Berliner Memri nicht in Frieden leben kann" (16.08.03)
Knut Mellenthin, "Khomeinis Enkel und der Waffenhändler. Pentagon baut 'iranische Opposition' auf" (Ungekürzte Originalfassung) (15.08.03)
Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren, "WIE LANGE KÖNNEN SHARON & CO NOCH FRIEDENSBEMÜHUNGEN SABOTIEREN?" (10.08.03)
Elisabeth Wöckel, 10.08.03, Offener Brief an Prof. Micha Brumlik wegen Ted Honderichs Buch (10.08.03)
ISM, "Israeli Military invaded the Askar Refugee Camp in Nablus" (09.08.03)
Open Letter from Claudia Karas: STOP PALESTINIAN HOME DEMOLITIONS! (08.08.03)
FR 05.08.03, "'Philosophischer Judenhass', Brief von M. Brumlik an den Suhrkamp-Verlag", Leserbrief von Giuseppe Zambon
Elisabeth Schneider, zur Irak-Seite in Freitag Nr. 32, 01.08.03





Knut Mellenthin, 16.08.03, "'Mein Name ist Hase...' Warum das Berliner Memri nicht in Frieden leben kann"

Seit anderthalb Jahren gibt es in Berlin eine Zweigstelle des in Washington beheimateten Middle East Media Research Institute, abgekürzt Memri. Seither sorgen Mirjam Gläser und Goetz Nordbruch in unermüdlichem Einsatz für Aufklärung über den arabischen Antisemitismus und islamischen Faschismus.

Nicht verstehen können Gläser und Nordbruch, wie sie in vielen Interviews beteuern, das starke Misstrauen, auf das ihre Arbeit in arabischen und moslemischen Kreisen, aber keineswegs nur bei denen, stößt. Den Vorwurf, Memri sei "eine rechte Siedlerorganisation" - ein Ausdruck aus der israelischen Innenpolitik, den in Deutschland vermutlich niemand in diesem Zusammenhang benutzen würde - halten die beiden Aktivisten für völlig aus der Luft gegriffen. Man werfe Memri auch vor, klagen Gläser und Nordbruch, dass es von einem Israeli gegründet wurde. Und das sei doch wirklich gemein und zeuge von starker Voreingenommenheit, um nicht zu sagen Antisemitismus. Nicht einmal die Behauptung, "pro-israelisch" zu sein, wollen die beiden Unschuldslämmchen gelten lassen.

Der Israeli, der das Memri im Jahr 1998 gegründet hat und heute sein Präsident ist, heißt Jigal Carmon. Er hat mehr als 20 Jahre lang für den militärischen Geheimdienst Israels, Aman (Agaf ha-Modi'in) gearbeitet, zuletzt als hochrangiger Offizier. Er wurde dann Terrorismus-Berater des ultrarechten israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Schamir, der 1986-92 regierte, und anschließend zunächst auch von dessen sozialdemokratischem Nachfolger Jitzhak Rabin, der 1995 ermordet wurde.

Als erklärter Gegner des Oslo-Friedensprozesses mit den Palästinensern, den er als "historische Katastrophe" bezeichnete, wandte sich Jigal Carmon jedoch bald öffentlich gegen die Politik Rabins. Er ließ sich in Washington nieder und bildete dort mit Jossi Ben-Aharon und Joram Ettinger die sogenannte "Dreierbande" oder, wie Rabin sie nannte, "die drei Musketiere". Gemeinsam betrieben sie unter Senatoren und Abgeordneten des US-Kongresses eine recht erfolgreiche Lobby-Arbeit gegen den Oslo-Friedensprozess und die Friedensverhandlungen Rabins mit Syrien. Ben-Aharon war zuvor Büroleiter von Schamir gewesen. Ettinger war in der Israelischen Botschaft in Washington Abteilungsleiter für "Kongress-Angelegenheiten".

Mehrere Artikel, die Carmon damals zur Bekämpfung des Oslo-Friedensprozesses publiziert hat, sind immer noch im Internet zu finden.

Bevor Carmon 1998 das Memri gründete, plante er gemeinsam mit einer Gruppe amerikanischer "Terrorismus-Experten" aus dem Hardliner-Lager die Bildung eines einschlägigen rechten Think Tanks. Seine Partner waren der anti-islamische Enthüllungsjournalist Steve Emerson, der nach 27 Jahren in den Ruhestand gegangene ehemalige FBI-Abteilungschef für Terrorismus-Bekämpfung, Steve Pomerantz, und Oliver Revell, ein weiterer ehemaliger hoher FBI-Funktionär.

Carmon hatte bei der Gründung des Memri eine ebenfalls aus Israel stammende Partnerin, Meyrav Wurmser, gleichfalls eine erklärte und vehemente Gegnerin des Oslo-Friedensprozesses. Sie war erste Chefin des Memri, zog sich allerdings schon 1999 zurück und wurde Leiterin der Nahost-Abteilung des Hudson Institute, eines neokonservativen Think Tank. Sie ist die Ehefrau von David Wurmser, einem hohen Beamten im US-Außenministerium und Mitglied der Führungsgremien mehrerer Organisationen des neokonservativen Netzwerks. Beide Wurmsers gehörten der von Richard Perle geleiteten Arbeitsgruppe an, die 1996 eine Strategie-Studie erstellte, die zur Grundlage der Außenpolitik des ultrarechten israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wurde.

Noch in ihrer Zeit als Memri-Chefin veröffentlichte Meyrav Wurmser einen hochinteressanten Artikel "Can Israel Survive Post-Zionism?". Der Text ist im Internet zu finden unter www.allenpress.com/mieq/issues/vol06/ftr-0601.html. Nach Ansicht der Autorin befindet sich Israel in einer Identitäts- und Wertekrise, die durch den Post-Zionismus verursacht ist. Darunter versteht Mrs. Wurmser Historiker, die die offizielle Geschichtsschreibung des Staates Israel punktuell anzweifeln, sämtliche auf friedlichen Ausgleich mit den Palästinensern orientierte Gruppen, einschließlich der gesamten sozialdemokratischen Arbeitspartei, aber auch Soziologen, die die untergeordnete Stellung der orientalischen Juden (Sephardim) gegenüber den aus Europa stammenden (Aschkenasim) kritisieren. Mrs. Wurmser meint, dass der Post-Zionismus bereits zur herrschenden Strömung in Israel geworden sei. Selbst dem Likud wirft sie vor, die zionistische Vision aufgegeben zu haben, wie sich an seiner Akzeptanz des Oslo-Friedensprozesses und seiner Bereitschaft zum territorialen Rückzug zeige. Wohlgemerkt, der Artikel erschien schon 1999. Vielleicht urteilt Meyrav Wurmser über die Politik Scharons heute etwas milder.

Aus dem personellen Kontext ergibt sich: Das Memri ist ganz eindeutig nicht nur erklärtermaßen pro-israelisch (wogegen an sich wenig einzuwenden wäre, wenn es nicht von Gläser und Nordbruch treuherzig-trotzig bestritten würde), sondern es orientiert sich an der Politik des Likud, und zwar noch am ehesten an dessen rechtem Flügel um Netanjahu. Das Memri bekämpft einen friedlichen Ausgleich mit den Palästinensern. Und es ist eng verflochten mit dem neokonservativen Netzwerk, das die Strategie eines "Vierten Weltkriegs" gegen den "militanten Islam" propagiert.

Gerade erst vor etwas mehr als vier Jahren gegründet besitzt das Memri heute schon Zweigstellen in London, Jerusalem, Berlin und Moskau. Es beschäftigt nach eigenen Angaben (Jigal Carmon am 21. August 2002) über 30 Angestellte. Darüber hinaus vermutlich zahlreiche freie Mitarbeiter, vor allem als Übersetzer. "Da ist immer Misstrauen...Die erste Frage ist, wer das finanziert, welche politischen Interessen stehen dahinter", klagte Goetz Nordbruch wehleidig in einem Interview im Oktober 2002. Ja, die Welt ist gemein, und es kann der Frömmste nicht in Frieden leben.


Knut Mellenthin, 15.08.03, "Khomeinis Enkel und der Waffenhändler. Pentagon baut 'iranische Opposition' auf"

(Erschienen im Neuen Deutschland am 15.08.03, hier die ungekürzte Originalfassung)

Ein Enkel des 1989 verstorbenen Gründers der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Khomeini, macht zur Zeit der USA-Regierung viel Freude. Der 45-jährige Hossein Khomeini hält sich seit einigen Wochen im Irak auf, angeblich um schiitische Pilgerstätten zu besuchen. Der tatsächliche Hauptzweck seines Aufenthalts scheint jedoch darin zu bestehen, sich den Amerikanern als kommender iranischer "Oppositionsführer" anzudienen.

Hossein Khomeini hat im eigenen Land keine Anhängerschaft und folglich keine Chance, mit demokratischen Mitteln eine Rolle zu spielen. Darum verkündet er, dass es für die Durchsetzung der "Freiheit" im Iran keinen anderen Weg gebe als ein kriegerisches Eingreifen der Amerikaner. "Freiheit ist wichtiger als Unabhängigkeit von ausländischer Herrschaft".

Überschwänglich preist der Enkel des Ajatollah die Zustände im besetzten Irak: "Ich sehe, dass hier Sicherheit herrscht, dass die Menschen glücklich sind, dass sie vom Leiden erlöst sind." - Den Ländern, die gegen den amerikanisch-britischen Irakkrieg waren, wirft Hossein Khomeini Ignoranz gegenüber den Lebensbedingungen der Iraker unter Saddam Hussein vor.

Die amerikanischen Besatzungsbehörden, denen sonst wenig Lob zuteil wird, registrieren die Erklärungen Khomeinis mit Wohlgefallen und Dankbarkeit. Sie empfangen ihn zu Gesprächen, als wäre er wirklich eine wichtige Persönlichkeit. Nach ihren Vorstellungen soll der Enkel des Ajatollah eingesetzt werden, um die amerikanische Position bei Teilen der irakischen Bevölkerung zu verbessern. Zu diesem Zweck sind die Besatzer bemüht, Hossein Khomeini mit maßgeblichen Vertretern irakischer Stämme und Gemeinschaften zusammenzubringen. Er soll ihnen seine Vorstellungen von einer "Reformation des Islam" schmackhaft machen. In Karbala, wo sich eines der bedeutendsten schiitischen Heiligtümer befindet, will Khomeini ein Seminar gründen, um seine Philosophie zu verbreiten: Die islamische Welt kann nur genesen, indem man ihr die moderne westliche Kultur aufzwingt, nötigenfalls mit Waffengewalt.

Vor wenigen Tagen berichtete die amerikanische Zeitung "Newsday" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsbeamte, dass sich mindestens zwei Pentagon-Vertreter mehrmals in Paris mit dem berüchtigten Waffenhändler Manucher Ghorbanifar, einem Exil-Iraner, getroffen hätten. Die Zusammenkünfte seien geheim gewesen und seien vom Weißen Haus nicht autorisiert gewesen. Das Außenministerium, die CIA und das Weiße Haus hätten nur zufällig von den Kontakten erfahren.

Zweck der Gespräche sei anscheinend gewesen, laufende hochempfindliche inoffizielle Kontakte der USA-Regierung zum Iran zu unterlaufen und zu stören. Unmittelbares Ziel der Hardliner im Pentagon scheine zu sein, "die Iraner so aufzubringen, dass die frustriert werden, und dann aufgrund ihrer Reaktionen die amerikanische Politik gegen den Iran zu verhärten".

Koordiniert worden seien die Gespräche mit Ghorbanifar durch Douglas Feith, den Staatssekretär für Politik im Pentagon. Feith ist ein enger Vertrauter und langjähriger Weggefährte des stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz und der "grauen Eminenz" der amerikanischen Neokonservativen, Richard Perle. Die von Feith geleiteten Abteilungen "Büro für Sonderpläne" und "Büro für den Nahen Osten und Südasien" haben sich zu einer eigenständigen politischen Leitstelle entwickelt.

Der Waffenhändler Manucher Ghorbanifar spielte Mitte der achtziger Jahre eine zentrale Rolle in der Iran-Contra-Affäre. Damals waren trotz Embargo modernste amerikanische und israelische Waffen für Hunderte Millionen Dollar an Iran geliefert worden. Mit einem Teil des Schwarzgelds aus diesem Geschäft wurden die Contra-Banden unterstützt, die die progressive Regierung der Sandinistas in Nikaragua bekämpften.

Zweck der Waffenlieferungen war in erster Linie, den für beiden Seiten ungeheuer verlustreichen und teuren Krieg zwischen Irak und Iran in die Länge zu ziehen. Ghorbanifar stand schon damals in Verdacht, neben seinen Waffengeschäften auch für den israelischen Geheimdienst Mossad zu arbeiten. Sein Verbindungsmann auf amerikanischer Seite war Michael Ledeen, ein bekannter Neokonservativer und heute der aktivste Kriegshetzer gegen Iran. Harold Rhode, einer der Pentagon-Beamten, die laut "Newsday" an den Pariser Gesprächen mit Ghorbanifar beteiligt waren, ist ein politischer Zögling von Ledeen.

Neokonservative Kreise, wie das "Komitee für einen freien Libanon", dessen Führung Ledeen ebenso angehört wie Perle, kommentierten öffentlich, die angeblichen Geheimgespräche mit dem Waffenhändler hätten dazu gedient, einen gewaltsamen Sturz der Teheraner Regierung vorzubereiten. Sie verkünden das mit einem so auffälligen Freimut, dass man argwöhnen muss, sie wollten damit in erster Linie die Herrschenden des Iran nervös machen und zu einer härteren Gangart sowohl gegenüber der Opposition als auch den USA provozieren.

Verteidigungsminister Rumsfeld wurde auf einer Pressekonferenz nach den Gesprächen und den daran geknüpften Spekulationen gefragt. Er antwortete, dass einige Iraner an das Pentagon herangetreten seien, um ein Gespräch mit anderen zu vermitteln, die der amerikanischen Regierung Informationen mitteilen wollten. Es habe daraufhin nur ein Treffen stattgefunden, und zwar schon vor mehr als einem Jahr. Die von den Iranern gegebene Information sei anschließend allen zuständigen Abteilungen und Behörden zugeleitet worden. Sie sei wert- und substanzlos gewesen und daher nicht weiter verfolgt worden.

Rumsfeld dementierte weder, dass Feith zu diesen Gespräch nicht vom Präsidenten autorisiert gewesen sei, noch dass das Thema ein Regimewechsel im Iran gewesen sei. Darüber hinaus betonte er, dass er selbst über den Kontakt nicht informiert gewesen sei, sondern sich über den Sachverhalt gerade erst "vor einer Minute" bei Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice kundig gemacht habe.




Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren, 10.08.03, "WIE LANGE KÖNNEN SHARON & CO NOCH FRIEDENSBEMÜHUNGEN SABOTIEREN? Die knickerige Freilassung palästinensischer Gefangener "

Wieder hat die Scharon Regierung bewiesen, wie sie sich hinter ihren großausposaunten Erklärungen zur Unterstützung für die Roadmap Friedensbemühungen in der Praxis diese sabotiert. Die in dem von der USA Regierung gesponserten Fahrplan zur Friedensbildung soll als erstes ein Waffenstillstand und zwischen den Konfliktpartnern Israel und Palästina vertrauensbildende Maßnahmen erreicht werden. Für die israelischen Regierungskreise heißt das, dass die Palästinenser ihrem Widerstand gegen die militärische Besatzermacht vollständig einstellen müssen, während Israel weiterhin die brutale staatsterroristische Unterdrückung gegen das Palästinenservolk ungezügelt weiter führen kann. Angeblich dient doch dies der Sicherheit Israels und der Bekämpfung des Terrorismus - des palästinensischen und arabischen Terrorismus alleine, versteht sich.

Wie stellte doch gerade dieser Tage der israelische Außenminister Silwan Schalom, der ungeteilten Unterstützung seines Regierungschefs gewiss fest? >>Die vor einigen Wochen festgelgte Waffenpause (Hudnah) ist eine inner-palästinensische Abmachung, an welcher Israel nicht gebunden ist<<, meinte er in einem Fernseh Interview am Samstag. Er wurde über die internationale Empörung nach der jüngsten brutalen israelischen Attacke in Nablus befragt, bei welcher zwei von den israelischen Sicherheitsdiensten verdächtigte lokale Führungskader der Hamas und zwei Zivilisten erschossen wurden und ein vierstöckiges Wohnhaus durch Raketenbeschuß aus der Luft und angreifende Panzer und Bulldozer dem Erdboden gleichgemacht wurde, wodurch mindestens 30 Menschen ihrer gesamten Habe beraubt und obdachlos gemacht wurden. Tatsache ist doch, dass seit der zwischen der von den USA und Scharon gesponserten palästinensischen Ministerpräsidenten Abbas und den militanten Gruppen vereinbarten Waffenpause (Hudnah) mindestens 50 Palästinenser durch israelische Besatzertruppen umgebracht wurden, über einhundert Häuser zerstört wurden, Oliven-, Zitrus und andere Obstplantagen geroded wurden. Richtig, bei von Palästinensern verübten Vergeltungsaktionen kamen auch einige Israelis ums Leben.

Auch die mit großem Medien Aufsehen erfolgte, angeblich der Vertrauensbildung geltende Freilassung von 334 palästinensischen Gefangenen - der diese Woche eine weitere Freilassung von 99 folgen soll - ist nicht nur kläglich, sondern, wie dies die bürgerlich liberale Tageszeitung Haaretz in ihrem Leitartikel vom Freitag (8. Aug,) feststellt, eine kleinlich-knickerische Geste, die anstatt einer hoffnungsvollen Vertrauensbildung verständlicherweise wütende Reaktionen hervorgebracht habe. Die Wahrheit ist doch, dass nach einer vor einigen Wochen ausgiebig von den Fernsehberichten weltweit ausgestrahlten Freilassung von zwei Dutzend Gefangenen nichts mehr folgte. Seit fünf-sechs Wochen führten die inneren Regierungskreise, begleitet von den Massenmedien Diskussionen und Gespräche, wieviele und welche Kategorien palastinensischer Gefangenen noch freigelassen,

- 2 - oder nicht freigelassen werden sollten. Erstaunlicherweise fand ich immer wieder Berichte in ausländischen Medien, welche von der Propaganda irregeleit von der Freilassung weiterer Gefangenen berichteten, welche bei den Lesern den Eindruck erwecken konnten, als ob diese nicht nur Gegenstand der Diskussionen gewesenen Freilassungen tatsächlich erfolgt seien. Also, von dem wochenlangen Berg der Berichte über zu erfolgende Freilassungen kam nur eine winzige Maus aus dem Loch: 334 Freilassungen während mehr als 6.000 weiter unter unmenschlichen Bedingungen in riesigen Zeltlager Haftlagern und Kerkern weiter schmachten müssen. Sie hätten jüdisches Blut an ihren Händen, heißt die Ausrede gegen deren Freilassung. Tatsache ist aber auch, dass genau während der Wochen dieser Diskussionen weitere nahezu 600 Palästinenser festgenommen wurden. Nur wenige davon wurden nach Verhören wieder freigelassen. Dabei wird verschwiegen, dass Israelis, Angehörige der kolonialistischen Okkupationsmacht und aus der Szene der Kolonistensiedler, welche palästinensisches Blut an den Händen haben, frei herum laufen, oder, wenn der Aufschrei in der Öffentlichkeit zu laut wurde, mit mehrmonatigen, meist zur Bewährung ausgesetzten Strafen davon kommen. Mehr noch, bei den jetzt freigelassenen 334 Gefangenen handelt es sich zum großen Teil um verurteilte Häftlinge, darunter Diebe und andere Kriminelle, welche ihre Strafzeit schon beendet haben oder kurz davor standen, sowie um so genannte Administrationshäftlinge, welche niemals vor einem Gericht angklagt worden waren. Unter den zurückgebliebenen Gefangenen gibt es nicht wenige, welche schon seit zwanzig und mehr Jahren hinter Gittern einsitzen, noch aus der vor-Oslo Periode der ersten Intifada!

Aber nicht nur in der Frage des Palästina Konfliktes gilt die israelische Regierungsdevise, laut welcher >>Wir dürfen, was wir anderen verwehren<<. Da hat dieser Tage der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen die Einberufung des Sicherheitsrates gefordert. Dieser soll Libanon und Syrien zurechtweisen weil sie den Hisbollah Terroristen im Libanon freie Hand gewähren, die israelischen Grenzstreitkräfte mit Artilleriebeschuss angegriffen haben, sowie in der israelischen Stadt Kiryat-Schmonah durch Flugabwehr Beschuss Schaden angerichtet habe. Dabei wird geflissentlich verschwigen, was die Hintergründe zu dieser Hisbollah Vergeltungsaktionen waren: Die wieder einmal angewandte außergerichtliche >>Liquidierung<< eines von Israel verdächtigten Hisbollah Führungsmitgliedes durch einen Bombenangriff in Beirut, sowie die ständigen Verletzungen des libanesischen Luftraums durch die israelische Luftwaffe, gegen welche ganz legitim Flugabwehrgeschütze eingesetzt werden. Wie gesagt, >>Wir dürfen...<<. Sind wir doch die mächtigste Militärmacht in der Region und genießen die volle Unterstützung der mächtigsten imperialen Weltmacht... Aber auch in Israel hat das Sprichwort, der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht, seine Gültigkeit. Das gilt auch für die arrogante Sabotage an jeder Art von Friedensbemühungen, wie sie von der Scharon & Co Regierung betrieben wird.

ENDE des Textes, Mit besten Brudergrüßen, Hans




Elisabeth Wöckel, 10.08.03, Offener Brief an Prof. Micha Brumlik wegen Ted Honderichs Buch

Sehr geehrter Herr Prof. Brumlik,
ich nehme an, dass Sie auch im Urlaub die Reaktionen auf Ihren Brief wegen des Buchs von Ted Honderich an die Frankfurter Rundschau mitbekommen, ebenso den Offenen Brief von Abraham Melzer an die Faz, dem ich mich inhaltlich anschliesse, aber noch einiges anfuegen moechte.

Sicher erinnern Sie sich noch an die Tagung zu Paulo Freire in der Ev. Akademie in Loccum. Freire war kurz vorher verstorben, seine Witwe war anwesend. Ich gehoere zum Kreis jener, die in Recife die Arbeit Freires nach seiner Ausweisung aus Brasilien fortgefuehrt haben. Zu Freires Erkenntnissen gehoerte die Feststellung, dass "Unterdrueckte", in Brasilien handelte es sich um die Sklaven und deren Nachkommen, in der Freiheit selbst zu Unterdrueckern werden, weil in ihrem kollektiven Gedaechtnis nur das Muster des Unterdrueckten und des Unterdrueckers vorhanden ist.

Freie hat mit seiner Paedagogik dieses Problem aufgearbeitet und den Bewohnern der Favellas von Recife die menschliche Wuerde wieder gegeben und sie in die Freiheit zurueckgefuehrt, d.h. er gab ihnen die Moeglichkeit, aus dem Schema auszubrechen, damit sie nicht wieder zu Unterdrueckern werden. Beispiele fuer die Thesen Freires finden sich vor allem in Afrika, besonders in Liberia, das in diesen Tagen ein grosses Thema ist.

Wenn Sie diese These Freires auf Ihre juedische Glaubensgemeinschaft anwenden, die lange vor der Shoa jahrhundertelang mit dem Stigma der Unterdrueckung behaftet war und nun als "Staat Israel" zu einer riesigen Militaermacht im Nahen Osten wurde und den Palaestinensern gegenueber durch die fortgesetzte Landnahme zum "Unterdruecker" wurde, aber selbst immer noch mit dem Bewusstsein des "Unterdrueckten" behaftet ist und alle Menschenrechtsverletzungen mit dem Hinweis auf seine "Sicherheit" rechtfertigt, ist der Teufelskreis perfekt. Nur, es wird uebersehen, dass auf der Seite der Palaestinenser die Unterdruecker von morgen heranwachsen. Darueber muss auch in Deutschland diskutiert werden, das darf nicht durch Interventionen durch prominente Juden mit dem Hinweis auf Antisemitismus unterdrueckt werden.

Darum ist es zu billig, wenn Sie die Antisemitismuskeule schwingen. Wann werden wir in Deutschland so weit sein, dass in dieser Diskussion von juedischen Mitbuergern nicht sofort ein Verbot gefordert wird? Verbote helfen da nicht, am allerwenigsten den Juden in der Diaspora. Michel Friedmanns "Ende einer Dienstfahrt" und Brumliks Beginn der "Dienstfahrt"? Ich habe Sie fuer klueger gehalten. Sie wissen selbst ganz genau, die Shoa stand am Ende einer lang vorbereiten rassistischen Ideologie in ganz Europa. Heute stehen wir an einem aehnlichen Punkt mit der europaeischen Auslaender- und Asylpolitik, nicht nur in Deutschland ist das aktuell, es betrifft ganz Europa. Noch leben die juedischen Mitbuerger hier sicherer als mancher Auslaender mit anderer Hautfarbe. Ich vermisse das Engagement der juedischen Mitbuerger gegen die restriktive Auslaenderpolitik der Regierung und gegen die Fremdenfeindlichkeit generell, denn im Faschismus ist das der Beginn eines Rassismus. Je mehr sich juedische Buerger fuer die Integration aller Auslaender und besonders der Moslems in unsere Gesellschaft einsetzen, also sich nicht nur egoistisch fuer die eigene Volks-und Religionsgruppe engagieren, die ja wiederum Teil eines Rassismus ist, je sicherer werden Juden in Europa und anderswo leben koennen. Auslaenderfiendlichkeit und Menschrechtsverletzungen sind der Beginn des "Antisemitismus". Weder von Friedmann noch von Ihnen habe ich dazu je etwas gehoert, nur die Rechte der Juden stehen in Ihrem Blickfeld, leider. Dadurch wird alles schief und man nimmt es Ihnen nicht mehr ab, wenn Sie sofort die Antisemitsmuskeule schwingen. Setzen Sie sich ein fuer die Menschenrechte, sie werden die ganze Friedensbewegung, Menschenrechtsgruppen und ai auf Ihrer Seite haben! Das ist der beste Schutz gegen Antisemitismus den es gibt!

Noch etwas: Ich bin Jahrgang 1937 und habe "Judenverfolgung und Polenverfolgung" noch gesehen. Die medizinischen Experimente in den KZ waren furchtbar. Mir laeuft es kalt den Ruecken herunter, wenn ich hoere und lese, dass in Deutschland mit Embryonen aus Israel geforscht werden darf. In Deutschland ist die Forschung umstritten, das wissen Sie, es ist aber ein Tabubruch, wenn ausgerechnet mit israelischen Embryonen experimentiert werden darf. In Israel denkt man anders, ich weiss, aber ist es nicht wieder ein Schritt in die falsche Richtung, wenn ausgerechnet in Deutschland Forscher wieder am Lebendigen forschen, das ausgerechnet aus Israel kommt? Warum schweigen Sie zu diesem Tabubruch?

Mit freundlichem Gruss
Elisabeth Woeckel




International Solidarity Movement ISM, Press Release, Saturday August 9, 2003, "Israeli Military invaded the Askar Refugee Camp in Nablus"

Early morning yesterday, the Israeli Military invaded the Askar Refugee Camp in Nablus in a so-called "arrest" operation. During the invasion, four Palestinians were killed and two more are critically wounded.

"We didn't mean to shoot him, we just wanted to arrest him." Yes, we clearly understand that it takes seven tanks, three jeeps, a helicopter and dozens of soldiers to arrest one man. The attack is yet another of Sharon's attempts to destroy the hudna and goad the Palestinians into another battle. According to "Haaretz" even senior military officers admit that Hamas is not, right now, busy with preparing suicide attacks, but is complying with seize fire plans.

The Sharon government is not interested in de-escalation or any sort of cease fire. He is interested in agitating for violence, so he can use it as a much-needed excuse to continue Israeli's illegal occupation and complete construction of the Apartheid Wall

Here's a description of what happened by an eyewitness who lives in Askar.

At 2:30 in the morning I heard a lot of people moving in the streets of the camp. Then I discovered that these people are soldiers or special forces after I heard some Hebrew words. 20 minutes later strong gunfire started, suddenly a lot of tanks, jeeps and one helicopter started to arrive to the area followed by a bulldozer. The gunfire continued. I started to hear the bombs from time to time, during all this time I didn't leave my bed. After 4:30, the jeeps started to impose the curfew. After that, I received a call from my father asking me to leave my place and to join the family.

His fears were: in case the army started to search from house to house, having me by myself in the house would give them the chance to do what ever they want to me, as we do have long list of people who been beaten by the occupation forces taking the chances that no witnesses around. I joined my family went up to the roof to have a clear vision about what's going on, the gunfire, bombs continued, then I heard strong bombing followed with a lot of smoke.

After calling the neighbors to figure out what's happening, I had been told that the house of the Dwaikat family was shelled by tanks, and they destroyed the fourth and the third floor. The jeeps kept driving the streets imposing the curfew. By six in the morning, the people started to break the curfew going out to the streets. Then confrontations started between the kids, youth, men, women, and the Army, and the army opened fire using live ammunition for the purpose of killing us. Around 10:00 am I heard huge bombing. Then it was clear that they bombed the entire building. The confrontations kept going on, and the bulldozer started to work to be sure that no one was still alive after bombing the building.

Around 11:30 am, the army left the camp. It was very clear there was no need for releasing the curfew as everybody was outside. I went out to see the area where the operation happened. We been told that the army took the body of the martyr Khamis abu Salim, 22 years old, whilst the people were trying to get some stuff out from under the destroyed house, they found the body of the martyr Fayez Al Sadar 28 years old. All the people carried him on their shoulders toward the ambulance, everybody went home preparing himself for next day demonstration for the two martyrs. 3 hours later, 2 of the 9 who were injured in the confrontations died; Fawzi Al Alami 45 years old, and Mohammad al Tek 17 years old, and by this new news everybody started to re calculate tomorrows demonstration with four bodies instead of two!


Open Letter from Claudia Karas: STOP PALESTINIAN HOME DEMOLITIONS!

These days bulldozers are threatening to enter the front yard of homes at Beit Hanina and other Palestinian neighborhoods in East Jerusalem, demolishing whatever shed is in their way. Why? Because an absurd and discriminative set of complicated and confusing rules, regulations and resident nor-friendly zoning insures that Palestinians must build "illegally" in East Jerusalem. So the authorities may come whenever they want and wherever they want and demolish Palestinian homes.

This policy is ignoring the Road Map's clear ruling stated in its Fist Stage that "GOI (Government of Israel) takes no actions undermining trust, including deportations, attack on civilians; confiscation and/or demolition of Palestinian homes and property, as a punitive measure or to facilitate Israeli construction; destruction of Palestinian institutions and infrastructure; and other measures specified in the Tenet Work Plan."

Moreover, this is a humanitarian tragedy, which is well beyond the violation of the Road Map. Stop for a minute and think how would you feel if bulldozers were threatening to demolish your home? What would have felt when they are actually demolishing it? What did your children would have felt? Will it be possible to heal their wounds?

Please act urgently to save these homes. Save their inhabitants from the terrible trauma of seeing their homes destroyed and their hopes shattered.

Sincerely

Claudia Karas
Frankfurt am Main




FR 05.08.03, "'Philosophischer Judenhass', Brief von M. Brumlik an den Suhrkamp-Verlag", Leserbrief von Giuseppe Zambon

Die Behauptungen Micha Brumliks beleidigen all diejenigen Menschen, die sich für einen gerechten Frieden zwischen Juden und Palästinensern einsetzen, und die mit den zionistischen Taten nicht einverstanden sind. Antisemitismus ist verwerflich wie jede Form von Rassismus. Antizionismus dagegen ist eine Form von Antikolonialismus. Jeder Mensch ist berechtigt und aufgerufen, sich gegen Kolonialismus und Unterdrückung zu äußern. Deshalb kann von "philosophischem Judenhass" überhaupt keine Rede sein!

Dass hier in Deutschland mit dem Vorwurf "antisemitisch" gefährlich inflationär gespielt wird, ist eine bekannte Tatsache. Wir sind inzwischen soweit, dass einige skurrile junge Menschen, die sich "Antideutsche" nennen, sogar Attac mit dem Vorwurf, sie seien antisemitisch abqualifizieren, weil ihre Protestaktion gegen den Verkauf der Frankfurter U-Bahn auch von einer rechten Gruppierung unterstützt wird.

Kritik an Land- und Wasserraub und inhumanem Verhalten darf nicht mit dem billigen und falschen Vorwurf des Antisemitismus zum Schweigen gebracht werden.

Besonders diejenigen Juden, die die israelische Politik kritisieren, werden von dieser "deutschen" Gewohnheit, alles in einen Topf zu werfen, besonders beleidigt.

Man hat in Deutschland eine grausame Erfahrung mit den wahren Antisemiten gemacht; und es wäre empfehlenswert, den Antisemitismus nicht für andere Zwecke zu instrumentalisieren.

Wer wiederholt und unbegründet von Antisemitismus redet, trägt dazu bei, die Gefahr der Nazi-Vergangenheit zu banalisieren und desensibilisiert gleichzeitig die öffentliche Meinung für die Gefahren des wahren Antisemitismus.

Aber wer ist heute Antisemit? Nur die Gespenster der Vergangenheit oder auch die sogenannten "Philosemiten", die von Antisemitismus sprechen, wenn es eigentlich Antizionismus heißen müsste? Ist nicht diese letzte eine besondere und subtile Form von Antisemitismus gegen diejenigen Juden, die nicht für die zionistische Politik verantwortlich gemacht werden wollen?

Wenn ein Palästinenser einen Stein auf einen israelischen Panzer wirft, ist er deswegen ein Antisemit? Durch eine derartige Beleidigung, nur um die Politik des Zionismus zu verteidigen, wird bloß die Sympathie für Antisemitismus erweckt.

Es handelt sich nicht nur darum, eine rassistische und feindliche Politik des Staates Israels gegen die Palästinenser zu verurteilen, sondern auch die anhaltende Unterstützung Israels für all jene Regime zu kritisieren, die von den herrschenden Pharaonen in Washington unterstützt werden und wurden (das rassistische Südafrika, mit dem Israel eine blühende militärische Zusammenarbeit pflegte; das Kongo von Mobutu, die diversen Bananenrepubliken von Zentralamerika, wo die übelsten Taten von den USA gerne an Dritte delegiert werden.)

Giuseppe Zambon
Frankfurt/M




Elisabeth Schneider, zur Irak-Seite in Freitag Nr. 32, 01.08.03
Zu: Regiere, wer regieren kann von Ferhad Ibrahim:
Der Autor geht davon aus, dass die Anschläge gegen die US-Armee von Saddam Hussein gelenkt werden. Es ist sicher richtig, dass Baathisten, Soldaten aus der inzwischen entlassenen Armee, der Republikanischen Garde.. Anschläge durchführen. Zu erinnern ist allerdings daran, dass sofort nach dem offiziellen Ende des Krieges, als überall im Land Checkpoints errichtet wurden, nach dem Vorbild der israelischen Checkpoints in den besetzten Gebieten, an denen es immer wieder "Zwischenfälle", d.h. getötete, Frauen und Kinder, gab und gibt, einer der ersten Anschläge ein Selbstmord-Attentat einer Frau war. In den Medien wurde nicht über die Motive berichtet, es ist aber denkbar, dass sie Angehörige verlor, die bei Checkpoints zu Tode kamen.

In Falludscha, einem Zentrum des Widerstands kam es zu Anschlägen, nachdem bei einer Demonstration gegen die Bestatzung und die Einrichtung eines US-Stützpunktes in einer Schule des Ortes 16 Menschen erschossen wurden. In Basra lösten die Razzien, die mit dem Ziel der Entwaffnung der Bevölkerung durchgeführt wurden, Unruhen aus, es kam zum Tod von 8 britischen Soldaten. Bei Razzien, auf der Suche nach Saddam und/oder Widerstandskämpfern wird der Hausrat zerstört, Wertgegenstände und Geld verschwinden, es gibt Tausende Gefangene in verschiedenen Lagern, AI berichtet über Folter und dass Kontakte zu Rechtsanwälten und mit der Familie verboten sind - Anlage Irak & Unrecht, Beispiel eines Irakers mit dänischem Pass, der Opfer einer willkürlichen Verhaftung wurde -sowie US-Trupp verwandelt Razzia in Massaker.

Ein weiteres Beispiel für die brutale Behandlung der irakischen Bevölkerung: die FR berichtet am 4.6.,("Das Radio aus dem Herrenklo") dass Rentner (und Rentnerinnen ?), bevor sie an die Kasse kommen, durch die Beine eines US- Soldaten kriechen müssen. Schon am Ende des Kriege gab es immer wieder Aussagen wie "Schön, dass Ihr das Saddam-Regime entfernt habt, aber jetzt müsst Ihr gehn, wir wollen keine Besatzung".

Zur politisch-moralischen Legitimität des "Konsultativrats": Der Versuch, eine "irakische" Regierung mit dem als Betrüger bekannten Dschalabi misslang kläglich, aber auch der "Regierungsrat" ist von Bremer ernannt, der auch die Entscheidungsmacht hat und wird von der Bevölkerung daher nicht anerkannt. Erklärung eines Mitglieds, das den "Rat" verliess "Ich wollte kein Kollaborateur sein". Auch die Hoffnung, die Kosten der Besatzung mit der Erdölförderung zu finanzieren sind illusorisch. Zum einen erklärte Wolfsohn für den IWF, dass er nicht verhandeln kann, solange es keine irakische Regierung gibt, und, schon vor längerer Zeit hatte Bremer erklärt, mit den Öllieferungen zu beginnen. Am Tag danach wurden die Pipelines gesprengt. Vor einigen Tagen wiederholte er dies und wieder wurde gestern eine zentrale Pipeline gesprengt. Hierfür verfügen wohl die Baathisten über die besten Kenntnisse und Mittel. Das irakische Volk unterstützt sie in dieser Frage. Jetzt gibt Bremer bekannt, dass nach der Diskussion der irakischen Verfassung, (erarbeitet von den USA) Mitte 2004 Wahlen stattfinden könnten. Sollte dies der Fall sein, werden wohl auch die Verträge, die die US-Besatzung mit Bechtel u.a. abschloss, hinfällig.

Zu: "Retten, was zu retten ist" von Rashid Ghewielieb, Vertreter der irakischen KP in Deutschland zur Beteiligung des Vorsitzenden der KP Irak Hamid Madschid Mussa am "Regierungsrat". Es zeigt sich leider immer wieder, dass politische Schulung, die Kader der Partei wohl erfahren haben, nicht zu einer realistischen Einschätzung der Lage befähigt. Nicht nur im Ex-"Realen Sozialismus", auch nach der Wende, scheint oberstes Ziel Machterhalt, was nach der Wende eben Beteiligung an einer wie auch immer gearteten Regierung zu sein scheint. Die KP Südafrika beteiligt sich an der neoliberalen Politik des ANC, die PDS in Berlin regiert mit der neoliberalen SPD..rechnen sie mit Begeisterung der WählerInnen ?

Zu: "Totenküchlein der Freiheit" von Käthe Reichel
Die Autorin, Schülerin von Brecht, zieht andere Schlüsse. In einer knappen und genauen Analyse der Motive der USA, wie auch der Iraker. Die Besatzungsmacht will das Öl, das weiß jeder Iraker. Darum gibt es eine Guerilla. Und: .. die Bevölkerung entwickelt sich selbst zu einer Massenvernichtungswaffe.

Leider ist von unseren Volksvertretern kein Wort der Kritik an den Menschenrechtsverletzungen der US-Besatzung zu hören. Keine Kritik an der widerrechtlichen Besatzung und auch keine Kritik daran, dass u.a. Militärbasen im Museum von Babylon und Ur eingerichtet wurden, dass schweres militärisches Gerät auf den antiken Geländen u.a.die Lehmziegel-Architektur zerstört (FR 22.7.03). Dies ist wohl nicht die Hauptsorge der Iraker z.Zt., sollte aber zu Protesten in aller Welt führen, da wichtige Quellen der menschlichen Kultur vernichtet werden. Wie gross war doch die Empörung der sog. zivilisierten Welt in Europa, USA..als die Taliban die Buddha-Statuen sprengten !!

Ein weiterer Aspekt der Domokratie ist die Pressefreiheit, dazu ein Text Pressefreiheit nach US-Art, aber auch bei uns ist festzustellen, dass es z.Zt. keine Diskussionen über die Situation im Irak gibt, wie dies vor und während des Krieges der Fall war und auch die Angaben über die gefallenen Soldaten sind nicht glaubwürdig. Es soll 12 bis 25 Anschläge pro Tag geben, gezeigt werden ausgebrannte total vernichtete Jeeps, LKW's usw., pro Tag werden dann 1 - 2 gefallene Soldaten und einige Verletzte gemeldet ! Die bebilderte Siegesmeldung über den Tod der Söhne Saddams werden weltweit vermittelt, dass auch der 14-jährige Sohn Kusais gekämpft hatte und erschossen wurde, wird verschwiegen, auch die betreffende Aussage Saddams zu seinem Enkel in einem der Tonbänder.

Es wird für das US-Imperium wohl weder das irakische Öl noch die "Neuordnung" der Region geben. Wird die UNO neu organisiert und gestärkt ? Wird es auch in anderen Ländern zu einer Demokratisierung und Entmachtung der Diktaturen kommen, wie Saudi Arabien, Kuweit, Ägypten..,die bisher von den USA gestützt wurden ? Wird auch Israel zur Erkenntnis kommen, dass auch totale militärische Überlegenheit den Widerstand eines Volkes nicht brechen kann und dass die völkerrechtswidrige Besatzung auf Dauer nicht akzeptiert werden kann ? Wird die Region zur Atomwaffenfreien Zone, indem Israel seine Atomwaffen vernichtet ? Zu hoffen ist, dass die Friedensbewegung weltweit für Entmilitarisierung, eine gerechte Weltordnung und für die Umorganisation und Stärkung der UNO eintritt.

Mit solidarischen Grüssen, Elisabeth Schneider, Frankfurt/M.

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