home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   palestine   my journalism   medienschau
Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
12/2003 (1)
Weiter

junge Welt vom 06.12.2003, Wochenendbeilage, "Herrschaftsideologie Philosemitismus" Der schwarze Kanal, von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2003/12-06/022.php Darin: "Die Bewertung israelkritischer Meinungen als 'antisemitisch' ist skandalös – obwohl längst ein zentraler Bestandteil der offiziellen Meinungsproduktion." Und: "Der den Antisemitismus befördernde und keineswegs hemmende philosemitische Diskurs dient ausschließlich dem Zweck, den Imperialismus, als dessen Funktionsträger in Nahost sich der Zionismus vom Beginn seiner Existenz an empfohlen hat und dieser Aufgabe stets mit Bravour nachgekommen ist, zu rehabilitieren." Und: " Noch nie war die Politik einer israelischen Regierung so unpopulär wie die der Scharon-Leute. Und noch nie ist der Antisemitismus-Vorwurf an Gegner der israelischen Unterdrückungspolitik so massiv erhoben worden, wie das gegenwärtig der Fall ist." Und: "Antisemitische Äußerungen seien überwiegend im Kontext pro-palästinensischer und Antiglobalisierungsgegner gefunden worden, hält die Studie der Europäischen Beobachtungsstelle fest. Von Anfang an, so die Beobachter, sei die Debatte über den Antisemitismus eng mit der Frage verknüpft gewesen, wie weit die Kritik an der israelischen Nahost-Politik gehen dürfe, ohne als antisemitisch zu gelten. So denkt eine Zensurbehörde. Deutlicher kann ein Freibrief für die Gewaltpolitik Israels gegenüber den Palästinensern nicht ausfallen: Je brutaler die israelische Besatzer agieren, desto eingeschränkter die Freiheit, dies so zu benennen, ohne als antisemitisch verdächtigt zu werden."

taz 06.12.03, S.11, "Die Logik des Verdachts. Unter den Globalisierungskritikern blühe der Antisemitismus - so lautet die neue Mär, die man sich im Debattenzirkus erzählt. Klingt spannend, ist allerdings blanker Unsinn" Kommentar von Robert Misik
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0102.nf/text Darin: "Den Reichen, den Raffgierigen, den Spekulanten die Schuld an vielen Ungerechtigkeiten zuzuschieben ist platt, aber nicht deswegen schon antisemitisch, weil man früher zu alldem noch 'Juden' hinzugefügt hat." Und: "Als eine deutsche Attac-Unterorganisation unlängst mit einer Unterschriftenliste fordern wollte, dass Produkte, die in jüdischen Siedlungen im besetzten Palästinensergebiet produziert werden, nicht mehr begünstigt nach Europa importiert werden dürfen, geriet der Arbeitskreis unter heftigste Kritik aus den eigenen Reihen. Ein prominenter Aktivist geißelte die 'antisemitischen Gedanken' - und das, obwohl ja durchaus debattiert werden kann, ob Europa eine Siedlungspolitik, die es für schädlich hält, mitfinanzieren muss." Und als Fazit: "Bitte (...) schnell aufhören mit einer Hermeneutik des Verdachts, die Antisemitismus auch bei politischen Haltungen zu wittern versucht, über die sich wenig Nachteiligeres sagen lässt als das: dass sie dem, der den Verdacht ausspricht, nicht passen." Anis: Das war schon lange fällig. - taz: Robert Misik lebt als Publizist in Wien und schreibt unter anderem für die österreichischen Wochenzeitungen "Falter" und "Profil". Von ihm erschien zuletzt das Buch "Die Suche nach dem Blair-Effekt" (Aufbau Verlag)

taz 06.12.03, S.7, "EU-ANTISEMITISMUS-STUDIE. Lob aus Israel." von ap
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0033.nf/text Text: "Israels Minister für Jerusalem und die jüdische Diaspora, Natan Scharanski, hat die umstrittene EU-Studie zum Antisemitismus in Europa gelobt. Die Erhebung zeige eine klare Verbindung zwischen der Größe von Muslim-Gemeinschaften und Angriffen gegen Juden, sagte der Minister während seines Berlin-Besuches gestern."


ISM, December 5th, 2003: The International Solidarity Movement members based in Naplouse-Balata accuse the Israeli army of leading an absurd war against children.
Text: Occupied Palestine. Every single child has the right to stay alive. But the children of Palestine - exposed to the Israeli army's violence - face death constantly. We, the members of the ISM, present in Balata camp - while in Geneva, the world's greatest men are uttering striking Peace declarations.- are deeply shocked by the Israeli army's continuous invasions of children's home . Every day, soldiers leave their camp to take position in very populated area with hundreds of children in the street, only to shoot at them with war artillery . These invasions targeting already dispossessed children, have no justification whatsoever, no reason to be carried out. No one threatens these soldiers who come to provoke them. The world must stand to it that these children , exposed to the soldiers' violence are not given the right to a normal growth and happiness like other children. Today we witnessed acts of absolute madness from the Israeli soldiers . What we saw is not new . But it is not less scandalising. The world can not go on leaving these children to themselves, defenceless and traumatised by an army in war againt them. We ask the international community to do whatever is in its power to stop the terror and murders that hurt the children of Palestine. SC


taz 04.12.03, S.10, "'Eine Welle antisemitischer Vorfälle'. Die fast ein Jahr unter Verschluss gehaltene Studie zum Antisemitismus in der EU ist jetzt öffentlich und hat eine politische Debatte entfacht. Die Ergebnisse des Reports lassen kaum ein Land gut aussehen. Die EU-Kommission schweigt bislang" von Philip Gessler
http://www.taz.de/pt/2003/12/04/a0055.nf/text Darin: "Für die Bundesrepublik kommt die Studie auf vier gewalttätige Vorfälle im Frühjahr 2002. Davon ware drei Anschläge auf Gebäude." Anis: Die zählen nur das, was gegen Juden geht. Was da so stetig zunimmt, ist vor allem die Anzahl der Artikel über Antisemitismus. Dann wird beobachtet, wie darauf reagiert wird, wenn in Palästina die Menschenrechte besonders stark verletzt werden, und man überlegt, was man davon antisemitisch nennen kann. Dafür gibt es verschiedene Forschungsstellen in der ganzen Welt mit vielen MitarbeiterInnen. Die Presse schaltet sich auch ständig ein, um der Bevölkerung klarzumachen, was sie sagen und was sie denken soll.


junge Welt, 02.12.03, Titel, "Krieg und Frieden. Israelis erschossen Palästinenser. In Genf alternativer Nahostfriedensplan vorgelegt" von Hans Ulrich
www.jungewelt.de/2003/12-02/001.php Darin: "'Zum erstem Mal in dem über 100 Jahre alten Konflikt wurde eine detaillierte und umfassende Lösung vereinbart, mit der die strittigsten Fragen geklärt wurden', hieß es in einer Erklärung der Politiker zu dem von ihnen angeregten Dokument, das inzwischen als 'Genfer Initiative' bekannt ist. Ausgearbeitet wurde das von einigen Beobachtern als "nahezu fertiger Friedensvertrag" bezeichnete Papier vom früheren israelischen Justizminister Jossi Beilin und dem ehemaligen palästinensischen Informationsminister Yassir Abed Rabbo." Anis: Hintergund zur Genfer Initiative. Siehe auch die skeptische Bewertung von Werner Pirker, der für einen binationalen Staat mit gleichen Rechten für alle plädiert: www.jungewelt.de/2003/12-02/002.php

taz 02.12.03, S.4, "STREIT UM EINE ANTISEMITISMUS-STUDIE. Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie bleibt unter Verschluss. Untersuchungsgegenstand: der Antisemitismus in Europa. Ergebnis: Nicht nur Rechtsextremisten, auch Muslime üben Gewalt gegen Juden aus. Die EU meint, die Ergebnisse seien nicht repräsentativ, die Autoren protestieren" Interview mit Werner Bergmann (von Jan Feddersen)
http://www.taz.de/pt/2003/12/02/a0111.nf/text Darin Feddersen: "Es scheint, als sei das Jüdische immer weniger chic, unter Globalisierungsgegnern gilt gar das Islamische streckenweise als moralisch besser. " Anis: unnötige Propaganda. Dann, wieder Feddersen: "Seltsam, dass jüdische Einwanderer in Deutschland wegen der Politik eines Landes behelligt werden, in dem sie nicht leben - Israel nämlich." Ja, der Zentralrat der Juden in Deutschland etwa hat nichts zu tun mit Israel... Das z.B. wird dabei unter den Teppich gekehrt. Dann Bergmann: "Jugendliche Muslime, die ja häufig vor allem arabischsprachige Medien nutzen, übertragen den Nahostkonflikt auf Europa." Anis: So etwas sollte mal jemand Hagalil-Lesern vorwerfen, dann würden die sofort Antisemitismus schreien. Schon mal Hagalil.com gelesen? Hier ist jedenfalls die Antwort der taz auf die Frage nach dem Ursprung der misslichen Lage: "taz: Neiden viele Muslime Juden die erfolgreiche Ankunft in der Bürgerlichkeit? Bergmann: Das könnte eine Rolle spielen." Anis: Dann wissen wir ja Bescheid. Vielen Dank, taz, für die Aufklärung. taz: WERNER BERGMANN, 53, ist - mit Juliane Wetzel - Autor der diskutierten Studie. Der Soziologe arbeitet am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin

taz 02.12.03, S.4, "Wenn die Kippa wem nicht passt. Eine Studie der EU zeigt, dass Juden in Europa zunehmend von jungen Arabern bedroht werden. Das Papier wurde weggeschlossen. Das Problem bleibt" von Jan Feddersen und Philipp Gessler
http://www.taz.de/pt/2003/12/02/a0109.nf/text Darin: "Die EUMC scheint stark daran interessiert, eine Studie zu präsentieren, in der muslimische Migranten nicht als Täter auftauchen." Anis: Andere nutzen die Gelegenheit, um Israel - inklusive der Besatzung - durch Antisemitismusvorwürfe zu schützen. Der Artikel endet mit: "Eine erstaunliche Entwicklung: Sechs Jahrzehnte nach dem Holocaust scheint es für Juden in Deutschland wieder No-go-Areas zu geben: einmal mehr avancieren Juden zu 'Sündenböcken', wie es Juliane Wetzel sieht. Und Übergriffe muslimischer Migrantenkinder auf Juden in den vergangenen Jahren auch in Deutschland scheinen dieser Sichtweise Recht zu geben (siehe Kasten). Deniz Yücel kritisiert, dass auch manche Linke und Globalisierungskritiker das Problem bei Muslimen gern verdrängten: 'Man toleriert Islamismus und Antisemitismus als Teil der kulturellen Identität' - wenn man nicht gar selbst antisemitische Ansichten habe. Verhüllt als Antizionismus." Anis: Interessant, dass in beiden Artikeln ein Seitenhieb gegen Attac kommt. So so, die Juden sind also wieder die Sündenböcke, so wie damals in der Nazizeit. Nur heute "verhüllt als Antizionismus". Philosemitische Opferrhetorik ist das. Hat mit Journalismus nichts zu tun.

taz 02.12.03, S.12, "Die Blindheit der Europäer. Der totalitäre Gehalt des Islamismus ist offenbar. Dass westliche Intellektuelle ihn und seine Protagonisten nur in Opferrollen wahrnehmen wollen, hat dramatische Folgen" Kommentar von Eberhard Seidel
http://www.taz.de/pt/2003/12/02/a0125.nf/text Darin: "Wer die Dinge so sehen will, der wird den Islamismus nicht als eine dem Faschismus vergleichbare totalitäre Ideologie interpretieren, sondern als eine Bewegung der unterdrückten und ausgebeuteten Massen gegen die amerikanische Hegemonie. (...) Statt sich einen klaren Begriff des Islamismus zu erarbeiten, führen europäische Intellektuelle gespenstische Diskurse, die Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern machen." Anis: Der dritte Antisemitismus-Artikel in dieser taz-Ausgabe. Es wird uns regelrecht eingehämmert, dass Araber und Muslime Antisemiten sind. Auch wieder mit einem Seitenhieb gegen Attac. Gegen Ende belehrend: "Warum fällt es vielen so schwer, den totalitären Gehalt der islamistischen Bewegungen ähnlich klar und kritisch zu sehen, wie sie es beim Faschismus und Rechtsextremismus inzwischen gelernt haben? Warum sind die Reaktionen auf beide Herausforderungen so unterschiedlich, obgleich der islamistische Terror seit mehr als zehn Jahren auch den Westen heimsucht?" Anis: Was soll der "Islamismus" für eine Bewegung sein? Ich sehe hier nur ein Feindbild. Ganz deutlich am Schluss: "Es ist zu befürchten, dass der Islamismus als Stellvertreter gesehen wird, der den 'antiimperialistischen' Kampf gegen Israel, die Juden und die USA mit der Militanz führt, die man sich selbst nicht mehr gönnt. Es fällt auf, dass ehemalige Aktivisten der Dritt-Welt-Bewegung bei den gegenwärtigen Debatten viel Mühe darauf verwenden, die islamistischen Täter zu Opfern internationaler Kapital- und Machtverhältnisse zu stilisieren. Die Rechtsextremisten in Deutschland dürften dies alles mit Interesse zur Kenntnis nehmen." Anis: Seidel sieht die Nazis wiederkommen. Es sind Antiimperialisten und Muslime. Weil sie zum Teil Dinge sagen, die Rechtsextremisten gefallen. Die taz hats gedruckt.

taz 02.12.03, S.17, "Ein Leben für den Dschihad. Eine globale Idee, viele lokale Terrorzellen: Die Anschläge im Zeichen von al-Qaida sind eine Antwort auf das Vakuum, das die Verbürgerlichung der islamistischen Bewegungen hinterlassen hat" von Reinhard Schulze
http://www.taz.de/pt/2003/12/02/a0133.nf/text Ganz guter Hintergrund-Artikel zum Thema Dschihad und al-Qaida. Ob Professor Schulze wusste, in welchem Zusammenhang von Artikeln sein Beitrag gedruckt wurde? Taz: Reinhard Schulze ist Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern. Er ist Autor eines Standardwerks über die "Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert" (Verlag C. H. Beck, München 2002, 19,90)


GUSH SHALOM, 01.12.03, "Geneva initiative" Text: "On the day when Israelis and Palestinians meet in Geneva to launch a major peace initiative, and as the Palestinian factions move closer to declaring a comprehensive cease-fire, the Sharon Government chose to launch a new invasion of Ramallah which had cost the life of four Palestinians, among them a nine-year old child. Today has also seen a new settler provocation at Jabl Mukaber, a Palestinian neighhborhood of Jersualem. And yet the tide of public opinion seems to be turning in both societies, after three years of lethal deadlock." And: "Gush Shalom welcomes the Geneva initiative."

junge Welt vom 01.12.2003, Ausland, Kollektive Bestrafung, "Israel: Geändertes Staatsbürgerschaftsrecht diskriminiert arabische Bürger" von Michal Schwartz www.jungewelt.de/2003/12-01/004.php Darin: "Weltweit regt sich derzeit Protest gegen den Bau der israelischen Sperrmauer zu den palästinensischen Gebieten. Dies ist jedoch nur ein Aspekt der Diskriminierung der arabischen Bevölkerung. So ist inzwischen das geänderte Staatsbürgerschaftsrecht, das Schnitte durch Familien zieht, seit über einem Vierteljahr in Kraft." Und: "Die Befürworter des neuen Gesetzes rechtfertigen es mit Sicherheitsgründen. Schaut man näher hin, zeigt sich aber, daß dies nur ein Vorwand ist. (...) Das Motiv für die Gesetzesänderung hat mit Demographie zu tun." jW: Artikel aus Challenge, No. 82, November/Dezember 2003, Übersetzung: Endy Hagen

Volksstimme vom 01.12.03, "Israel will sich von UN-Sonderbeauftragten nichts über seine Politik sagen lassen" von Philipp Hoffmann
Ernst Herbst: Es ist zu begrüßen ist, dass die Volksstimme anlässlich des UN-Tages der internationalen Solidarität mit dem palästinensischen Volk über die notorisch ablehnende Haltung der israelischen Regierung gegenüber den Vereinten Nationen informiert, obwohl sie damit den Unmut der Herren in der Botschaft des Staates Israel riskiert. Aber die Redaktion sollte sich nicht dazu hergeben, die bekannten Beschönigungen der Wahrheit über die israelische Schandmauer zu unterstützen. In sechs Worten des Artikels findet der Leser gleich zwei bekannte Mauerlügen. "... Bau eines Zauns entlang der Palästinensergebiete...". Kann man ein Betonbauwerk von acht Meter Höhe oder Hochsicherheitsanlagen von 50 Meter Breite als "Zaun" bezeichnen? Und vor allem: sollte sich nicht herumgesprochen haben, dass die Absperrung nicht "entlang der Palästinensergebiete", sondern auf ihnen und durch sie verläuft? Amüsant die skurrile Kritik Israels am UN-Sonderbeauftragten Ziegler, weil er als Mitglied einer israelisch-palästinensischen Organisation eine politische Aufgabe wahrnahm. Der Regierung Scharon ist sicherlich bekannt, dass in Deutschland beispielsweise Herr Robbe, der als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages maßgeblich an Entscheidungen über Waffenexporte nach und Militärhilfe für Israel beteiligt ist, Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und des Freundeskreises deutsch-israelische Begegnung durch Sprache ist. Das war noch nie ein Grund, Herrn Robbe wegen Befangenheit zu kritisieren.

Weiter
 
hoch