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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
11/2003 (3)
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taz 22.11.03, S. 12, "Die liberalen Muslime müssen Flagge zeigen", sagt Frau Spuler-Stegemann. Die Muslime in Deutschland sollten einen klaren Trennungsstrich zum antisemitischen Islamismus ziehen" (Interview Ulrike Winkelmann)
http://www.taz.de/pt/2003/11/22/a0122.nf/text Darin: "taz: Frau Spuler-Stegemann, hätte die Al-Quds-Demonstration, die heute in Berlin stattfinden wird, verboten werden müssen? Ursula Spuler-Stegemann: Ja. Ich denke, der Staat hätte sich dazu durchringen sollen, diese Demonstration zu verbieten - auch wenn sie ein Schweigemarsch ist. Das ändert nichts daran, dass hier ganz massive antisemitische Agitation betrieben wird. (...) Das Problem, das die Islamisten durch die Verquickung der Kritik an Israel mit der Religion verursachen, erkennen viele überhaupt nicht. (...) Der Soziologe Werner Schiffauer warnt davor, auf islamistische Gruppen panisch zu reagieren. Denn dort gebe es eine doppelte Öffentlichkeit; nach außen radikal, innen eher nicht." Anis: Die liberalen Muslime sind also in der Bringschuld. "Massive antisemitische Agitation" lautet der Vorwurf. Schweigemärsche verbieten. Da gehen bei mir sofort die Alarmglocken los. Ein Artikel voller Feindbilder. Diese "doppelte Öffentlichkeit" ist eine Art Spiegelbegriff: Man sucht seine Macken beim Anderen. taz: URSULA SPULER-STEGEMANN ist Professorin für Islamwissenschaften in Marburg. 2002 erschien von ihr "Muslime in Deutschland" bei Herder. Das Karlsruher Kopftuch-Urteil hält sie für einen "Teilerfolg des streng orthodoxen Islams"


taz 21.11.03, S. 10, "'Israel: Resolution nicht bindend" von Agentur http://www.taz.de/pt/2003/11/21/a0104.nf/text Endet mit: "Der israelische Regierungschef Ariel Scharon ist gegen eine Einmischung der UNO in den Nahost-Friedensprozess." Anis: Was für ein Schlusssatz! Fangt doch mal einen Artikel mit diesem Satz an, anstatt mit ihm aufzuhören...


ISM 20.11.03, For Immediate Release, "Palestinian, International and Israeli Peace Activists to March in Solidarity Against Separation"
[Jenin, West Bank] This Saturday, November 22, 2003 Palestinians coordinated by the National Anti-Apartheid Wall Committee, international peace activists with the International Solidarity Movement (ISM), and Israeli peace activists with Ta'ayush will peacefully march to a gate in the Israeli "Separation Wall" in the western Jenin district to protest the ghettoization of Palestinian communities. // In many regions in the West Bank, the Wall has separated Palestinians from their land inside the green line of 1967. Some Palestinian villages lie isolated on the "outside" of the Wall and have been declared "closed military zones" by the Israeli military. Palestinians who live in these villages have to acquire permission to enter and exit their villages through gates in the Wall controlled by the Israeli military who often do not grant such permission. // The western Jenin district is home to several of these isolated villages, and this peaceful demonstration will highlight the severe condition in these communities. If construction of the Wall is not stopped, many other Palestinian villages and the thousands who inhabit them will face the same reality.// When: Saturday, November 22, 2003 at 11:00 AM Where: Meet at the mosque in Zabda village (west of Jenin) by 10:30 AM exactly. At this time all participants will be lead to the site of the action at the Wall. // For further information, please contact: Ben: +972-67-983-756 Ethan: +972-66-478-674 Yousef (Arabic): +972-57-836-527

taz 20.11.03, S. 7, "'Hass hier nicht akzeptieren'. Der Exil-Iraner Mohammed Schams fordert von der Bundesregierung kritischeren Umgang mit der Al-Quds-Demonstration - auch wenn sie vom Iran unterstützt wird", Interview Susanne Amann http://www.taz.de/pt/2003/11/20/a0042.nf/text Darin: "Mohammed Schams: Der Begriff 'al-Quds' hat bei den Iranern eine andere Bedeutung als in der deutschen Öffentlichkeit: Während der Widerstand gegen den radikalen Islam bei den Deutschen auf einer intellektuellen Ebene stattfindet, die nichts mit unmittelbarer Betroffenheit zu tun hat, erinnert der Begriff uns Iraner immer an den Iran-Irak-Krieg. Der wurde unter der Parole 'al-Quds', also der Wiedereroberung Jerusalems, geführt und hat zu Millionen von Toten geführt. Diese Hasstiraden, diese Instrumentalisierung der Religion will ich deshalb hier nicht akzeptieren." Anis: Für mich bedeutet der Begriff "al-Quds" Jerusalem, die Doppel-Stadt. Ich assoziiere das nicht mit Millionen von Toten. Sondern mit dem besetzten unterdrückten Palästina. Dann: "Der Antisemitismus ist ja der Dreh- und Angelpunkt bei dieser ganzen Sache: Man stellt mit ihm die Existenz anderer Völker, anderer Menschen in einer ganz brutalen Form in Frage. Dem muss man ganz massiv begegnen - auch wenn wie in diesem Fall die iranische Regierung hinter dem Demo-Aufruf steht." Und wessen Existenz? Auch die der Palästinenser? Warum hört man dann nichts über sie in diesem Interview? "Frage taz: Hatte die bisherige Akzeptanz des radikalen Islam auch etwas mit falsch verstandener Toleranz zu tun?" Darauf möchte nämlich - obviously - die taz hinaus. "Schams: Nein, es geht nicht um Toleranz. Aber die Linke, sowohl im Ausland als auch hier in Deutschland, hat ein ganz großes Problem: Sie ist in weiten Teilen antiamerikanisch und antiisraelisch eingestellt. Und das ist unheimlich schwer aus den Köpfen herauszubekommen." Anis: Antiamerikanisch und antiisraelisch eingestellt, so'n Quatsch. Was soll denn das heißen? Ich halte diesen Beitrag für Propaganda. Man sieht es schon am Titel: Hass etc. Sorry, das ist doch kein Journalismus. - taz: MOHAMMED SCHAMS, 53, organisiert seit acht Jahren den Widerstand gegen die Al-Quds-Demonstration in Deutschland. Der gebürtige Iraner lebt seit 1969 in der Bundesrepublik


taz 19.11.03, S. 7, "Protest gegen Islamisten-Aufmarsch. Am 'Al-Quds-Tag' wird auch in Berlin wieder gegen die 'zionistische Besatzungsmacht' Israel demonstriert. Nun gibt es erstmals breite Kritik an dem Ritual. Prominente wie Lea Rosh und Cem Özdemir warnen vor 'aggressivem Antisemitismus'", aus Berlin ANDREAS SPANNBAUER http://www.taz.de/pt/2003/11/19/a0042.nf/text Darin: "'Gerade nach den Terroranschlägen von Istanbul dürfen wir nicht zusehen, wie diese Hassparolen verbreitet werden', warnte auch Öczan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, gegenüber der taz. Es sei 'ein Problem, wenn auf deutschem Boden offen nach Gewalt gerufen wird'. Der Grünen-Politiker hält es inzwischen für angebracht, 'über ein Verbot der Demonstration nachzudenken, wenn eine bestimmte Grenze überschritten wird'." Anis: Ja, am besten man verbietet gleich die Palästinenser alle zusammen, dann ist wenigstens wieder Ruhe: "Unter den Unterzeichnern sind unter anderem die Malerin Bärbel Bohley, der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir, der Schriftsteller Lutz Rathenow, die Initiatorin des Holocaust-Mahnmals, Lea Rosh, sowie die PDS-Bundestagsabgeordnete Petra Pau. Auch mehrere Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unterstützen die Erklärung." Das Gegenbündnis des Al-Quds-Tages wurde der Vorsitzenden der Berliner Antonio-Amadeu-Stiftung gegen rechte Gewalt, Annetta Kahane, initiiert. Man findet dort, dass man natürlich Israel kritisieren darf, aber die Leute müssen schon nett sein und dürfen nichts sagen, was antisemitisch gedeutet werden kann bzw. was sich in irgendeiner Form gegen Juden richtet. Daher wollen sie es vorsichtshalber lieber verbieten lassen. Damit nichts passieren kann. Die Demonstranten machen jetzt einen Schweigemarsch. An der Menschenrechtssituation in Palästina hat sich derweil nichts verändert.


FR 18.11.2003, "ISRAEL. Elie Wiesel kritisiert Papst-Worte zu Nahost" Darin: "Es sei falsch, den Terror so zu politisieren, meinte Wiesel." ...und tut es selbst: "Die Urheber der Anschläge von Istanbul hätten nicht wegen der Mauer gemordet, sondern aus Hass gegen die Juden. Johannes Paul II. hatte am Sonntag die Terroranschläge in Irak und der Türkei verurteilt. Zugleich hatte er den Stillstand im Nahost-Friedensprozess beklagt und den Bau der Mauer im Heiligen Land kritisiert."

ISM Media Office, 18. Nov. 03, 1:23 p.m., [palmedialert] "Israeli Soldiers arrest and threaten to kill farmer in Sulfit" Two minutes ago, the ISM Media Office received word that the Israeli Military had arrested a Palestinian farmer as he attmpted to harvest olives on his land in the West Bank town of Sulfit. They have since informed ISM activists on the scene that they intend to kill this man, today. // The soldiers drove away with the farmer in their truck, and returned with a bulldozer following, and told activists and families present that they intended to destroy the orchard, and that if the family ever returned to it, they would destroy them and their home. The soldier who seemed to be in charge told activists that he's a "maniac" and not interested in talking to them, and that being a "maniac" is in his job description. // 3 ISM activists are on the site, with the families. One relayed the situation to the office, via phone, while two others blocked the path of the bulldozer. During the phone conversation, the bulldozer turned around and left, and the woman relaying the scene was threatened for being on the phone. There is no one, and nothing, of any sort of threat to the soldiers on the site. The scene is unfolding, still. For more information, call Chloe at +972-(0)52-810-636

ISM Media Office, 18. Nov. 03, 1:55 p.m., [palmedialert], "Town of Asira Under Curfew for Last Week - Soldiers ransack village, shoot one 14 year old boy." For the last 7 days, the Israeli Military has been heavily present in Asira, imposing an almost constant curfew on the 12,000 or so residents with a steady stream of noise grenades, gunfire, and deafening sirens. Witnesses describe an atmosphere of constant intimidation, with jeeps constantly roaming the streets, chasing residents into their homes any time they venture out for food, school, etc. Cars, phone booths, and other objects have been smashed or completely destroyed and physical abuse has become regular -- in one case soldiers allegedly shot a neighborhood cat (presumably to intimidate those watching). // During one exceptionally long lull in the curfew, many families sent their children to school, only to find the soldiers surrounding it, forcing the children home. Parents rushed to the scene to escort their children, and were threatened and harrassed by soldiers, leading to a scene witnesses described as "chaotic". ISM activists in Asira have been assisting residents where possible -- escorting families with sick children to local medical care, etc. For more infomation, call Kelly: +972-(0)66-387-331

junge Welt, 18.11.03, Feuilleton, "In Bewegung bleiben. In Köln ging der Lew-Kopelew-Preis an einen Palästinenser und einen Israeli" von Ulrike Vestring
www.jungewelt.de/2003/11-18/021.php Darin der Hinweis, dass der palästinensische Politologe und Philosoph Sari Nusseibeh am vergangenen Sonntag in Köln gemeinsam mit dem israelischen Publizisten Uri Avnery den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2003 entgegennahm.

Hohmann, Martin 031118/SZ/Gauweiler
--> SZ 18.11.2003, "Ethik und Heuchelei. Anmerkungen zur Causa Hohmann" von Peter Gauweiler Darin: "Und Joschka Fischer? War nicht unser Außenminister vor nicht allzu langer Zeit selbst dem politischen Tod von der Schippe gesprungen: als es (Der Spiegel, 8/2001) um seine einstige Unterstützung des 'bewaffneten Widerstandes' gegen den Staat Israel 'bis zum Endsieg' ging. Der Spiegel veröffentlichte eine von Fischer im Jahr 1969 angeblich mitgetragene Resolution über das 'rassistische, expansionistische und kolonialistische System des Zionismus' eines 'PLO-Solidaritätskongresses in Algier'. Dass Fischer sich nach dieser Veröffentlichung als deutscher Minister des Auswärtigen politisch retten konnte, lag nicht nur an seinem Standvermögen und einem unvergleichbar anderen Unterstützungsumfeld, als es Hohmann je haben konnte. Es lag auch daran, dass bei dem Kampf um seine Biographie - wenn man ehrlich ist: zu Recht - auch Nachsicht im Spiel war. " Anis: Bis zum Endsieg? Das soll Fischer gesagt haben? Harte Nummer. Palästinensischer Widerstand, hm. Irgendwas stimmt hier doch nicht.

taz 18.11.03, S.2, "Verstimmung zwischen EU und Israel. Israel kritisiert wachsenden Antisemitismus. EU verlangt bessere Zusammenarbeit" von dpa
http://www.taz.de/pt/2003/11/18/a0047.nf/text Darin: "Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will während eines dreitägigen Besuches in Rom die Lage in Nahost sowie die Gefahr des Antisemitismus mit Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi erörtern." Anis: Das wird bestimmt sehr konstruktiv, wenn sich Scharon und Berlusconi über diese Dinge unterhalten. Glückauf!

taz 18.11.03, S. 12, "Das zweite Vietnam. Die wahren Lektionen aus ihrem größten außenpolitischen Desaster haben die USA noch nicht gelernt. Darum wiederholen Bush und seine Berater die alten Fehler jetzt im Irak" Kommentar von Gabriel Kolko, Üb. Sven Hansen, taz-Debatte
http://www.taz.de/pt/2003/11/18/a0130.nf/text Endet mit: "Vietnam zeigte, dass die amerikanische Öffentlichkeit nur über eine begrenzte Geduld verfügt. Das stimmt noch heute. Die wahren Lektionen aus Vietnam müssen wohl noch gelernt werden." Anis: Immer häufiger kommt der Vergleich mit Vietnam, hier aus dem Munde von einem, der sich gut auskennt. taz: Gabriel Kolko, 71, war Professor für Geschichte in Buffalo (USA) und in Toronto (Kanada). Er hat zahlreiche Bücher über die Außenpolitik der USA geschrieben, darunter mit "Vietnam - Anatomy of a War" ein Standardwerk

taz 18.11.03, S. 12, "ANSCHLAG IN ISTANBUL: ISRAEL UND DAS JUDENTUM SIND NICHT IDENTISCH. Fataler Vorwurf Antisemitismus" Kommentar von Daniel Bax
http://www.taz.de/pt/2003/11/18/a0128.nf/text Darin: "Schließlich geht es um die Frage, ob die harte Haltung der Regierung Scharon im Nahostkonflikt richtig ist. Der Affekt, jeder Kritik an der israelischen Politik mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu begegnen, ist dabei wenig hilfreich. Denn damit setzen Hardliner wie Schalom ihr Land und dessen gegenwärtige Regierung mit dem gesamten Judentum gleich: der gleiche Kurzschluss, dem Antisemiten aller Couleur erliegen." Anis: Ach, habt Ihr das auch schon gemerkt. Dass Schalom hingegen selbst antisemitische Muster verwendet, ist ein interessanter Hinweis.

Telepolis, 18.11.2003 ,"Bush-Regierung will den 'Filter' der Medien überspringen. Weil nur schlechte Nachrichten zu den US-Bürgern kommen, soll ein Satellitensender live aus dem Irak berichten, in dem ein Medienkonzern den Einfluss der arabischen Medien eindämmen soll" von Florian Rötzer www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16101/1.html

WELT 18.11.03, "'Adolf Hitler war in Ordnung.' Antisemitismus gehört in der arabischen Welt zum Alltag - Selbstkritik am Judenhass findet man selten" von Christiane Buck http://www.welt.de/data/2003/11/18/198762.html Darin: "Der Hass auf Juden allgemein ist von Ägypten über Saudi-Arabien bis in die arabischen Golfstaaten nicht nur im Internet oder an den Grenzen präsent. Ob im Fernsehen, in Moscheen oder den Kaffeehäusern - überall wird gegen Israel und seine Politik gewettert." Anis: Was denn nun, gegen Juden oder gegen Israel? Dann: "Die Abneigung gegen Israel hat in arabischen Ländern eher eine politische als eine religiöse Dimension: Ablehnung der 'Besetzung' des Landes, das zudem noch heilige Stätten des Islam beherbergt, und der Unterdrückung der Palästinenser durch den Staat Israel. Der Mauerbau, über den alle arabischen Zeitungen ausführlich berichtet haben, hat nicht gerade zu einer Beruhigung der Stimmung beigetragen." Es folgen Beispiele für Antisemitismus oder Verwandtes und man fragt sich, was das alles soll. Hat irgendjemand einen Artikel darüber geschrieben, was Israelis und Juden über Araber und Muslime gesagt haben und sagen? Wie schön und einfach für die deutsche WELT, wenn sie sich so über die Araber und Muslime stellen kann, indem sie ihr den Antisemitismus unterjubelt, den eigentlich Deutschland begangen hat....


junge Welt vom 17.11.2003, "Sündenböcke. Israel macht Europäer mitverantwortlich" Kommentar von Werner Pirker www.jungewelt.de/2003/11-17/002.php Darin: "Was die israelische Führung von den europäischen Staaten einfordert, ist eine völlig unkritische Übernahme der israelischen Position, die in der Darstellung der Politik der nationalen Unterdrückung des palästinensischen Volkes als permanente 'Anti-Terror-Kampagne' besteht. Diese Sichtweise wird vom europäischen Mainstream ohnedies weitgehend geteilt. In Israel aber herrscht die Meinung vor, daß nicht nur Kritik am Zionismus, nicht nur Kritik an der israelischen Politik, sondern auch Kritik an einzelnen Maßnahmen Israels wie dem Bau des 'Sicherheitswalls' einer im Prinzip 'israelfeindlichen' und damit antisemitischen Haltung entspricht. Das ist eine verheerende, die jüdische Existenz bedrohende Position." Anis: Selten so klar formuliert: "Daß die Scharon-Politik den Antisemitismus befördert, hat nicht nur ein Möllemann behauptet. Das hat unlängst auch der Börsenspekulant und Großfinanzier der internationalen Zivilgesellschaft, George Soros, des Antisemitismus sicher unverdächtig, so gesagt." Anis: Interessant, dass Möllemann hier genannt wird.

SZ, 17.11.03, "Globalisierte Emotionen. Der neue europäische Antisemitismus" von Ulrich Beck
Darin: "Die Parteinahme von Präsident Chirac gegen das Bombardement des Irak enthemmte den Judenhass französisch-arabischer Jugendlicher - und dieser entlud sich gewalttätig gegen französische Juden, zuletzt im Attentat gegen jüdische Bildungseinrichtungen in Paris." Anis: Beck sagt hier, dass Chirac aus Rücksicht auf Juden beim Irakkrieg lieber hätte mitbomben sollen. Dann: "In dieser essentialistischen Gleichsetzung von Juden mit Israelis sehen sich angesichts der Israel-Kritik deutsche Juden erneut ausgegrenzt: Die Israel-Kritik schlägt um in Judenkritik, Judenfremdheit, Judenfeindlichkeit. So vollzieht sich schleichend der Übergang vom deutschen Juden als Symbolfigur des schlechten Gewissens zum Juden als Fremden." Anis: Beck sagt hier, dass man zwischen Israelkritik und Antisemitismus kaum unterscheiden kann, weil für viele Leute Israelis und Juden dasselbe sei. Diese Leute werden seltsamerweise zum Maßstab genommen. Fazit also: lieber keine Israelkritik. Hier: "Auf der anderen Seite akzeptieren angesichts der eskalierenden Gewalt viele Israelis offenbar immer weniger die Unterscheidung zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus. Das hat seine Gründe. Das flinke Wort 'Israel-Kritik' ist bemerkenswert zweideutig: Wird das Existenz-Recht dieses Staates kritisiert? Oder die Regierungspolitik Sharons? Oder legitimiert gar dieses jenes? (...) Hinter der Wortfassade 'Israel-Kritik' brodelt und zündelt es." Ja, bloß wer brodelt und zündelt hier? Man beachte die Wortwahl. Im folgenden wird ausgesagt, dass die Beschäftigung mit dem Nahostkonflikt zu Antisemitismus führt. Oder so ähnlich: "Gerade diejenigen, die den Antisemitismus mit Wort und Tat bekämpfen, geraten mit dem eskalierenden Atavismus des israelisch-palästinensischen Konfliktes in diese Zwickmühle: Sie wollen und können die israelische Gesellschaft nicht kritisieren, um ihren Anti-Antisemitismus nicht zu gefährden. Aber sie müssen die Politik Scharons kritisieren aus demselben Grund, um nämlich die moralischen Grundlagen ihres Anti-Antisemitismus nicht in Frage zu stellen. Diese klassische Double-bind-Situation wiederum enthemmt den ganz normalen Antisemitismus, der sich, anti-israelisch gewendet, legitimieren und entfalten kann. Zugespitzt gesagt: Das Neuartige ist, dass ungewollt eine Koalition zwischen Anti-Antisemitismus und Antisemitismus entsteht." Ich versuche, dies zu verstehen, es soll wohl die unbedingte Solidarität mit Israel herbeiargumentieren: "Sichtbar wird eine verräterische Einäugigkeit der Deutschen und der Europäer. Man protestiert gegen die israelische Militanz und übersieht leichtfertig den Selbstmordterror, mit dem Palästinenser die israelische Zivilgesellschaft tyrannisieren." Anis: verräterische Einäugigkeit? Leichtfertig übersehen? Von wem spricht der Mann hier? Er unterscheidet jedenfalls zwischen einer 'guten' und einer 'bösen' Verletzung fundamentaler Menschenrechte: "Doch wie kann man zwischen einer 'guten' und einer 'bösen' Verletzung fundamentaler Menschenrechte unterscheiden?" ...und er schreibt: "Neu sind nicht die Fratzen des Antisemitismus. Neuartig jedoch ist der zugleich globale und lokale Wirrwarr der Konfliktknäuel (...)" ... und meint damit wohl den Wirrwarr, den er hier selbst produziert: "Gerade weil es selbstverständlich ist, dass Europäer die Politik der israelischen Regierung kritisieren, und weil selbstverständlich ist, dass derjenige, der Scharon kritisiert, nicht automatisch Antisemit ist, unterhöhlt der in Europa verinnerlichte israelisch-palästinensische Konflikt die in den letzten Jahren errungenen Umgangsformen des Multikulturalismus: Je moralisch berechtigter diese Scharon-Israel-Kritik auftrumpft oder ist, je einseitiger sie nur auf Israel zielt (...) desto nachdrücklicher gefährdet er die Verständigungs- und Versöhnungsformen zwischen Juden und Nicht-Juden nicht nur in Deutschland und nicht nur in Europa." Anis: Was ist hier gemeint? Dass man nicht über Nahost reden soll? Was sonst? Dann am Schluss die Frage, was zu tun sei: "Vielleicht ist es heilsam, sich die Frage vorzulegen: Wie würde ich werden, wenn ich täglich in Haifa mit dem Linienbus zur Arbeit fahren müsste?" Anis: Ja, oder in einem palästinensischen Flüchtlingslager leben. Wie war das noch mit der verräterischen Einäugigkeit? Am Schluss hat Ulrich Beck eine konstruktive Lösung parat: "Genau umgekehrt muss in Europa dem palästinensischen Selbstmordterrorismus das stillschweigende Einverständnis entzogen werden, er muss demonstrativ und weltöffentlich als das verurteilt werden, was er ist: eine barbarische Tat, die die zivilisatorischen Minimalia eklatant verletzt und gerade nicht als 'Gegenterror' gerechtfertigt werden kann oder in Kauf genommen werden muss." Anis: Das Fazit lautet also, gebt einfach den Palästinensern die Schuld, dann fühlen sich die Israelis und die Juden nicht antisemitisch verfolgt und alles ist gut. Glückwunsch an die SZ-Redaktion, es war mal wieder ein Genuss. SZ: Von Ulrich Beck erschien zuletzt "Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter" (Suhrkamp-Verlag).

taz 17.11.03, S. 9, "Verbotene Früchte aus dem Westjordanland. Auf Datteln und Tomaten aus dem israelischen Staatsgebiet erhebt die EU keinen Zoll. Doch Israel exportiert derart vergünstigt auch Waren aus jüdischen Siedlungen in besetzten Gebieten. Das will Brüssel nun nicht mehr hinnehmen" von Burkhard Jürgens http://www.taz.de/pt/2003/11/17/a0066.nf/text Darin: "Wo Israel draufsteht, ist nicht unbedingt Israel drin. Datteln und Schnittblumen aus dem Jordangraben, Cherrytomaten aus Gaza, Badesalz vom Toten Meer - zahlreiche Produkte, die mit der Herkunftsangabe 'Israel' in hiesigen Regalen landen, kommen aus den besetzten Gebieten. Israelische Waren genießen gemäß einem bilateralen Abkommen Zollfreiheit bei der Einfuhr in die EU. Seit zwei Jahren nimmt Israel dieses Recht offiziell auch für Produkte aus dem Westjordanland, dem Gaza-Streifen und von den Golanhöhen in Anspruch. Dies halten die Europäer für vertragswidrig." Anis: So so. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die taz ein Heidentheater gemacht hat, als Attac eben jenen Umstand kritisierte. Von "Kauft nicht beim Juden" war da die Rede und ähnlichem.

taz 17.11.03, S. 17, "Am Abgrund der Geschichte. Mit dem Anschlag von Istanbul appellieren islamistische Terroristen einmal mehr an einen latenten Antisemitismus in der muslimischen Welt. Doch sie entfremden sich damit von ihren Gesellschaften." von Daniel Bax http://www.taz.de/pt/2003/11/17/a0120.nf/text Darin: "Es gibt Antisemitismus und Antisemitismus. Da gibt es dessen verschwiemelte Form wie in der Rede des hessischen Bundestagsabgeordneten Hohmann, und den, den die CDU am Freitag in klare Grenzen außerhalb ihrer Partei verwiesen hat. Dann gibt es den antisemitischen Reflex, der aus linken Intellektuellen wie Mikis Theodorakis oder anderen verwirrten Globalisierungskritikern spricht, die in ihren antikapitalistischen Affekten nicht mehr zwischen 'den Juden', einer israelischen Regierung der Eskalation und dem imperialen Gestus der US-Administration unterscheiden mögen. Und es gibt einen mörderischen Judenhass, der aus den Taten islamistischer Terroristen spricht." Anis: Hohmann passt hier nicht herein. Verwirrt? Scheint ein neues Modewort zu sein, Struck verwendete es auch kürzlich. Dann ein typischer philosemitischer Absatz: "Schon die Anschläge vom 11. September 2001 trugen eine unterschwellig antisemitische Handschrift, richteten sie sich mit dem World Trade Center in New York doch gegen ein Symbol dessen, was nach antisemitischer Logik seit jeher als Zentrale des globalen Weltjudentums gilt. Dieses Feindbild, das aus der Mottenkiste des alteuropäischen Antisemitismus stammt, hat im Gedankengebäude radikaler Islamisten eine neue Heimat gefunden, wo es neue, böse Blüten treibt - ein Import aus jenem Westen, gegen den er sich wendet. Im Nahen Osten verbindet sich die Aggression gegen die empfundene Übermacht des Westens mit dem Schreckgespenst der 'jüdischen Weltverschwörung'." Hier wird ein Feindbild aus der Mottenkiste beschworen, mit unterschwelligen Handschriften, bösen Blüten und Schreckgespenstern. Zum Glück ist der Schlussabsatz besser: "Im Diskurs des radikalen Islamismus wird nicht zwischen dem Judentum in islamischen Ländern und Israel, zwischen den Juden zur Zeit des Propheten und dem heutigen Zionismus differenziert. Viele Muslime tun das aber schon. So weitet sich nicht die Kluft zwischen dem Westen und der muslimischen Welt, wie von al-Qaida beabsichtigt. Sondern die Kluft zwischen dem islamistischen Terror und dem Mainstream der Gesellschaften, die dessen Ideologie nicht teilen und dessen Taten nicht billigen."

17.11.03, Link zu: Medico International Rundreise / VERANSTALTUNGSHINWEIS. Israel-Palästina: Grenzgänger zwischen den Fronten. Zivile Kooperation gegen die Logik des Krieges

Bahamas 031117/jüd.at-Bahamas/Al Quds-Tag
--> www.juedische.at (/Bahamas), 17.11.03, Rubrik: Deutschland, "Kein Fußbreit den Islamisten! Bahamas Redaktion: Aufruf zur Kundgebung gegen den antisemitischen Aufmarsch zum "Al Quds-Tag" in Berlin, 22.11.03 Darin: "Antisemitismus und Antizionismus sind heute wieder eins geworden, wer die Juden meint, spricht von Israel, weil das politisch korrekt ist; wer Juden oder jüdische Einrichtungen angreift, meint Israel, und große Teile der europäischen Bevölkerungen und Regierungen haben Verständnis und finden in der israelischen Regierung den eigentlichen Schuldigen. (...) Gegen den kritischen Dialog mit dem Islamismus! (...) Solidarität mit Israel! http://www.redaktion-bahamas.org" Anis: Apologetische, destruktive, polarisierende Behauptungen


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