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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
10/2003 (3)
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Islamische Zeitung 17.10.2003, Kommentar: "'Die andere Seite' Aufgeklärt und rational? - Ökonomie in der Bundesrepublik"
http://www.islamische-zeitung.de Darin: "Der entfesselte Kapitalismus hat auch - vor allem, wenn man von den Wohlstandsinseln aus nach Süden blickt - dramatische und zersetzende Folgen für die Ideale des europäischen Humanismus." Dann aus dem Koran: "Allah hat den Handel erlaubt und den Wucher verboten". Und: "In der westlichen, wirtschaftlich längst abgeschotteten Welt herrscht allerdings die Umkehrung dieses Glaubenssatzes. In Europa ist die Zinsnahme erlaubt, der Handel zunehmend durch die Monopole ersetzt. (...) Man muss schon blind sein, ob Muslim oder nicht, wenn man die Erosion der demokratischen Ideale im Wirbelsturm des Kapitalismus nicht sehen mag. Hier tut Aufklärung Not. Die muslimische Intelligenz ist sich heute im Klaren, dass der radikale Islamismus natürlich die Demokratie gefährdet, aber - und das ist das Neue im muslimischen Denken der letzten Jahre - der globale Kapitalismus tut dies eben auch." Und: "Die Mobilisierung der Globalisierungsgegner ist bisher eine bunte Revolte mit Charme, doch noch fehlen ihr die klaren Inhalte. Die Muslime sind gefordert, nachvollziehbare Inhalte beizutragen." Anis: Es ist wichtig, auch mal eine musmlimische Perspektive wahrzunehmen. Manchmal ist diese nämlich auch progressiv, wie man hier an diesem Beispiel sehen kann.


FR 16.10.03, S.3, "KOMMENTAR: ANSCHLAG AUF US-KONVOI. Das Menetekel von Gaza" von Inge Günther
Darin: "Wer immer die Bombe zündete, die Folgen sind abzusehen." Anis: Es ist sehr interessant, was Inge Günther heute schreibt. Sie scheint aufgebrachter zu sein als die USA (selbst): "George W. Bush und Ariel Scharon wissen sich jetzt erst recht einig in ihrem Kampf gegen den Terror. Kaum vorstellbar, dass der US-Präsident nach dem Anschlag in Gaza auch nur daran denkt, seinen Freund, den israelischen Premier, zu ermahnen, wenn der Panzer in die Autonomiegebiete schickt. Die gemeinsame Erfahrung bringt sie einander nur näher." Wie gut Frau Günther die beiden doch verstehen kann! Wie mitfühlend! Panzer in die Autonomiegebiete? Wer würde da jetzt noch schimpfen wollen?! Sie schreibt: "Umgekehrt gilt, dass die Palästinenser nun noch weniger auf ein Restverständnis in Washington für ihre Notlage hoffen dürfen. Ein größerer Super-GAU mit einem politischen Fallout von langer Halbwertzeit lässt sich kaum denken als diese, gegen die US-Diplomatie gerichtete Wahnsinnstat. Der Zwei-Völker-Konflikt hat sich in einer Weise internationalisiert, die konträr zu den Interessen jeder halbwegs rationalen Autonomieführung steht. Retten kann die allenfalls etwas, wenn sie schnell Täter und Hintermänner fasst. Das ist unwahrscheinlich angesichts der anarchischen Verhältnisse im Arafat-Land. Ein unabhängiges Palästina ist in weitere Ferne gerückt." Anis: Arafat hat demnach die Hauptschuld, das wurde ja in den letzten Wochen in der FR auch sehr deutlich herausgestellt. Deshalb gibt es auch kein freies Palästina, ist ja klar. Frau Günther eilt hier voraus und verkündet bereits legitimierend neue israelische Staatsgewalt. Sie sieht ein Unheilszeichen an der Wand, ein Menetekel, und wird damit (stilgerecht) alttestamentarisch. Wiegt man ihren Kommentar allerdings, wird man ihn für zu leicht befinden. // Ganz anders Susanne Knaul heute im taz-Kommentar unter
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0154.nf/text: "Was allerdings den Anschlag überhaupt erst möglich machte, ist das in den palästinensischen Gebieten vorherrschende Bewusstsein derselben Front - nur mit entgegengesetzten Vorzeichen: Palästinenser und Araber versus Israel und die USA. Gerade die vergangenen Monate ließen die Hoffnung der Menschen im Westjordanland und im Gaza-Streifen auf die USA als fairen Vermittler schwinden: Die Angriffe auf die irakischen Glaubensbrüder, die mangelnde Unterstützung Washingtons für Palästinas Expremierminister Mahmud Abbas und die ‚Roadmap' zum Frieden lassen den Palästinensern kaum noch einen Grund für Vertrauen, erst recht nicht die US-Vetos vor dem UN-Sicherheitsrat: Washington mauert, wenn es um eine Verurteilung der israelischen Regierung geht, die einmal über die ‚Neutralisierung' Jassir Arafats entscheidet und ein anderes Mal ungestraft Palästinenser auf syrischem Land angreifen darf. Das jüngste Veto der USA gegen den Entwurf einer UNO-Resolution, die den Bau der Trennanlagen verurteilen sollte, war der Halm, der dem Kamel den Rücken brach." Auch wenn sie endet mit: "höchste Zeit für die palästinensische Führung, die Fronten von Gut und Böse neu zu definieren." ... und damit davon ablenkt, wer sonst noch so diese Fronten neu definieren müsste, kann man Frau Knaul ernstnehmen. Sie schreibt kein Kasperletheater. Auch Norbert Jessen in der Welt und Thorsten Schmitz in der Süddeutschen verzichten auf Menetekel. Jessen schreibt unter www.welt.de/data/2003/10/16/183245.html unter anderem: "Vermutungen über eine fundamentalistische Internationale zwischen Bagdad und Gaza sind noch verfrüht. In der chaotischen Lage der palästinensischen Autonomie ist auch ein ganz lokaler menschlicher Kurzschluss möglich, bewaffnete Zellen schießen ohne Vorabsprache mit der eigenen Führung - die Kontrolle von ‚Eigeninitiativen' ist ein Problem. Radikale Elemente, stärker beeinflusst von iranischen Ideologen, sind ebenfalls am Werk."

Link zu Anis' Medienkritik: DIE ZEIT 43/2003, 16.10.03, "Attac reagiert hilflos auf den Antisemitismus von links." von Toralf Staud

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