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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
09/2003 (4)
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Medienschau Nahost, Hausmitteilung 29.09.03: Die Medienschau Nahost kann in den nächsten Wochen wegen anderer Projekte nicht in diesem Umfang weitergeführt werden. In Frage kommende Beiträge werden solange gesammelt und später ausgewertet. Ich denke manchmal noch an Matthias Matusseks Spiegel-Artikel "Recht auf Zorn" vom 27.Mai 2002 (http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/DID=22702455). Inzwischen sind wir noch repressiver geworden. Es hat sich ein Jahresring um einige Fehldarstellungen gelegt. Stimmungen waren stärker als Argumente. Diskussionen wurden nicht geführt. Vielleicht wird das Leipziger Sonntagsgespräch mit Ted Honderich und Georg Meggle zum Thema: "Gibt es ein Recht auf Terrorismus?" ein Lichtblick sein. (Am So, 19.10.03, 11.00 - 12.45 h Uni Leipzig, Universitätsstraße, Hörsaal 19.). Herr Brumlik und Herr Habermas haben das Gesprächsangebot leider nicht wahrgenommen. Auf die deutsche Presse bin ich wütend, weil sie konfliktscheu ist und sich in die Kuschel-Ecke trollt, bis auf die junge Welt und den Freitag. Auf die taz war ich in letzter Zeit besonders wütend, weil sie eigentlich gut ist. Aber nur weil die zu weit geht, muss man das nicht nachmachen. Das war mir nicht immer gelungen in letzter Zeit. Habe daher ein paar Sachen überarbeitet.

Zu Edward Said: Ich habe die Obituarien gesehen. Mir hat gefröstelt. Wenn sie tot sind, dann schreibt ihr sie hoch, ja. Da können sie euch nicht mehr widersprechen. Natürlich gab es viele gute und aufrichtige Texte, z.B. von Hanan Ashrawi, und es ist gut, dass Nachrufe geschrieben werden. Dennoch! Die Gesellschaft ist zersplittert. Ich hatte nach seinem Artikel "Disunion and Factionalism" nicht den Eindruck, dass Herr Said sich in der Gesellschaft wohl fühlte, in der er lebte, unabhängig von seiner Krankheit. Er hat ja bis zuletzt aktiv am Diskurs teilgenommen und auch ordentlich ausgeteilt.

Die Lage in Palästina eskaliert leider, das muss man feststellen. Viele Menschen leben in großer Angst. Die Eskalation geht in der Hauptsache von der israelischen Regierung aus, die ermordet seit einiger Zeit ihre politischen Gegner. Sie baut eine Mauer und stiehlt dabei Land. Kürzlich ist ein Kind vor Angst gestorben. Viele sterben. Da ist großer Schmerz. Viele Palästinenser und israelische Kritiker sind und werden inhaftiert. Die erstickende Besatzung führt zu grausamen Anschlägen zum Teil gegen unschuldige Kinder. Auch die Palästinenser haben Angst davor, dass jemand von den ihren in dieser fürchterlichen Situation durchdreht. Auch die militärischen Pole werden in dieser Gewaltspirale psychologisch gestärkt. In meinen letzten Artikeln zum Thema (s. Presseportal oder Werkverzeichnis Anis Online) habe ich versucht, den Konflikt an seiner Basis zu beschreiben, denn ich bin ein freier Mensch und kann unzensiert schreiben. Siehe dazu den exzellenten Telepolis-Artikel von Ludwig-Sigurt Dankwart: "Mein Freund, der Chefredakteur" (10.09.03),
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15599/1.html). Die wichtigste aktuelle Quelle zum Diskurs Nahost/2.WK ist Michael Schneiders Essay "Seit wann ist Okkupation zu relativieren?" im Freitag vom 26.09.03 ( http://www.freitag.de/2003/40/03400801.php).

Es ist ja schon auffällig, dass es keine wirklich prominenten Palästina-Stimmen in Deutschland (mehr) gibt. Herr Blüm durfte kurz vor der Pensionierung eine kleine Bemerkung machen, Helmut Schmidt hat mal eine gemacht vor ein paar Jahren. Herr Möllemann war anders. Zwar hatte auch ich mit ihm z.T. heftigen Dissens, auch ausgetragen, aber ich habe ihn immer voll respektiert. Zu Palästina und überhaupt Arabern gibt es hier zu Lande kaum Gesichter. Das ist wegen der Konfliktscheu. Man müsste sich mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Viele sind bereits damit überfordert, wenn sie einen Schnurrbart sehen. Man braucht "den Anderen", um der Selbstkritik zu entgehen. Als sensibler Mensch komme ich nicht umhin festzustellen, dass sich die Gesellschaft zunehmend selbst einschnürt, was bis zu Erstickungserscheinungen führt, wenn z.B. kritische Bücher, Journalisten, Politiker u.a. benachteiligt werden, wie ich es beobachten kann und wie mir berichtet wird. Das war hier mal das Land der Dichter und Denker. Und jetzt? Vielleicht das Land der Richter und Henker. Oder das Land der Vernichter und Kränker. Das hat weder Israel verdient noch Deutschland. Und Palästina schon gar nicht. Keep on rockin', Anis


International Press Center, seen 28.09.03, "IOF Steals Palestinian Antiquities"
http://www.ipc.gov.ps/ipc_e/ipc_e-1/e_News/news2003/2003-09/106.html

Freitag: Die Ost-West-Wochenzeitung 40, 26.09.03, "Seit wann ist Okkupation zu relativieren? EINSEITIGE WAHRNEHMUNG EINES 'ASYMMETRISCHEN KONFLIKTS'. Auch das deutsch-jüdische Verhältnis blockiert eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern." von Michael Schneider
http://www.freitag.de/2003/40/03400801.php Darin: "Wer wollte bei dieser Faktenlage ernstlich bestreiten, dass der virulente Kern des gesamten Konfliktes die seit 35 Jahren anhaltende israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik ist, die in diversen UN-Resolutionen verurteilt wurde? Dass folglich das Haupthindernis des Friedensprozesses nicht bei den Besetzten, sondern bei den Besatzern liegt, bei ihrer notorischen Weigerung, den notwendigen Preis für den Frieden zu zahlen? Wenn dem aber so ist, dann gibt es nur einen Weg zur Lösung des Konfliktes: Die Internationale Gemeinschaft übt verschärften politischen und wirtschaftlichen Druck auf den militärisch haushoch überlegenen Partner dieses "asymmetrischen Konfliktes" aus und nutzt - wenn dieser nicht nachgibt - alle Sanktionsmöglichkeiten, die auch sonst gegen Staaten eingesetzt werden, wenn sie sich bindenden UN-Resolutionen fortgesetzt verweigern." Anis: Der beste deutsche Artikel, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Langer Hintergrund, umfassende Argumentation, sehr sehr wichtige Quelle. Mit Exkurs über Philosemitismus.

taz 26.09.03, S.12, "Hakennasen statt Hakenkreuze. Dient der Antisemitismusvorwurf der Aufklärung? Oder regiert die Logik des Skandals? Rätselhaft ist bloß, dass es Judenhass gibt, aber offenbar keinen, der Juden hasst (5)" Kommentar von ESTHER SCHAPIRA
http://www.taz.de/pt/2003/09/26/a0109.nf/text Darin: "Vermutlich sind die Antisemiten längst ausgestorben. Nur der Antisemitismus lebt und wächst. Dabei stimmen laut einer Studie, die im Auftrag des American Jewish Committee im Oktober 2002 durchgeführt wurde, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung der Aussage zu: 'Juden hätten zu viel Einfluss auf das Weltgeschehen.'" Anis: Was hat die Jewish Agency die Leute gefragt? Hat sie gefragt: Glauben Sie, dass Juden zuviel Einfluss haben? Das ist doch bereits eine Frage aus dem Misstrauen heraus und vor allem eine Frage, die Juden markiert. Die Frage ist also suggestiv. Dann: "Das Bundesamt für Verfassungsschutz registrierte allein im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Gewalttaten mit antisemitischem Hintergrund. Geschändete Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen, Überfälle auf orthodoxe Juden - aber weit und breit kein Antisemit." Anis: Man sollte das mit den Zahlen zu Übergriffen auf Muslime/Araber vergleichen. Das sind ja auch Semiten. Dann: "Es ist ein merkwürdiges Phänomen: Der Antisemitismus ist allgegenwärtig, aber es gibt kaum Antisemiten." Anis: Allgegenwärtig? Ja, weil es alle paar Tage einen Artikel darüber gibt. Dann: "Nicht der Antisemit verstößt gegen das Tabu, wohl aber der Kritiker, der ihn als solchen bezeichnet. Wer, zumal aus jüdischer Position, diesen Vorwurf erhebt, läuft Gefahr, sich zu diskreditieren, sich außerhalb des akzeptierten Diskursraums zu begeben." Anis: Ja, das hat man ja bei Möllemann, Karsli, Walser, Harmsen, Honderich etc. gesehen, wer aus dem Diskurs fliegt, wenn er Dinge sagt, die antisemitsch gedeutet werden können. Von den Kritikern sind alle noch da, außer Friedman, aber das hat andere Gründe. Auch: "Selbst die Solidarität mit palästinensischen Selbstmordattentätern, die unterschiedslos Babys wie Überlebende der Schoa in die Luft sprengen, weil sie Juden sind, geriert sich als Solidarität mit den Opfern." Anis: Glaubt die Autorin dieses Wutschreibens wirklich, dass die Selbstmordattentate gegen die Besatzer geschehen, weil sie Juden sind? Ist die Besatzung also nicht so schlimm? Dann: "So können auch Attac-Mitglieder problemlos Unterschriften für die Rücknahme der EU-Entscheidung sammeln, die Hamas als Terrororganisation einzustufen..." Anis: Man sollte die israelische Regierung als Terrororganisation einstufen, damit nicht immer von ihr abgelenkt werden kann. Auch: "Hinter dem Banner 'Freiheit für Palästina' können sich linke Globalisierungsgegner eben genauso gut sammeln wie islamische Fundamentalisten oder Neonazis." Anis: Wer sich also für die Freiheit Palästinas einsetzt, erweckt Misstrauen und wird mit Neonazis in einen Zusammenhang gebracht. Auch: "Wie theoretisch dabei die Unterscheidung zwischen antiisraelisch und antijüdisch ist, zeigt die Zahl der Angriffe nicht auf Israelis und ihre offiziellen Vertretungen im Ausland, sondern auf Juden und jüdische Einrichtungen. Nur: Dieser eindeutig antisemitische Reflex löst keine Solidarität linker Friedensaktivisten aus." Anis: Israel definiert sich über das Judentum. Viele Juden z.B. in Deutschland tragen durch ihre Solidarität mit der isr. Regierung eine Mitverantwortung an den Menschenrechtsverletzungen. Insofern kann also jede Israelkritik antisemitsch gedeutet und damit verunglimpft werden. Am Schluss: "Suhrkamp mag Ted Honderichs Buch vom Markt genommen haben, Piper aber verkauft Andreas von Bülows Verschwörungshetze munter und erfolgreich weiter und verdient so an der Brunnenvergiftungslegende von der Verantwortung der Juden für den Anschlag auf das World Trade Center." Anis: Schapira plädiert hier dafür, weitere Bücher vom Markt zu nehmen, die ihr und einigen anderen nicht gefallen. Demokratisch ist das nicht. Taz: Esther Schapira ist Ressortleiterin der Abteilung Zeitgeschichte beim Fernsehen des Hessischen Rundfunks.


junge Welt 24.09.2003 Ausland, "Friedensbewegung global aktiv. Internationaler Aktionstag gegen Besatzung im Irak. Solidarität mit palästinensischer Intifada." von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/09-24/006.php Weitere Informationen:
www.internationalanswer.org Darin: "Anläßlich des dritten Jahrestags der zweiten palästinensischen Intifada am 28. September sind in den kommenden Tagen in mehr als 40 Ländern Protestaktionen gegen die alten und neuen Besatzungsregimes im Nahen Osten geplant: Israel und Irak." Und: "In Deutschland steht in den meisten Städten die US-Militärpräsenz im Irak im Vordergrund der Proteste, mancherorts, wie in Stuttgart, wird die seit mehreren Jahrzehnten andauernde Besetzung palästinensischer Gebiete nicht einmal thematisiert. Mit die größte Resonanz dürfte der Aufruf der 'Achse des Friedens' finden, die für Samstag nachmittag zu einer 'blutigen Picketline' von der amerikanischen zur britischen Botschaft in Berlin-Mitte aufruft und anschließend auf dem Potsdamer Platz aus Protest gegen den Bau des israelischen Apartheid-Walls symbolisch ein Mauerwerk niederreißen will. Am Sonntag findet ab 16 Uhr in der Manege in Berlin-Neukölln (Rütlistr. 2 bis 3) ein Solidaritätskonzert zur Unterstützung der palästinensischen Gefangenenhilfsorganisation Addameer statt."

taz 24.09.03, S. 2, nur in taz-Ffm, "USA stimmen Zaun zu. Medien: US-Regierung ist einverstanden mit israelischem Zaun zum Westjordanland und gewährt neue Bürgschaft" von afp (Agentur)
http://www.taz.de/pt/2003/09/24/a0053.nf/text Darin: "Den Berichten zufolge ließen sich die USA überzeugen, dass die Sperranlage keinen politischen Charakter habe und nicht die Grenzen eines künftigen Palästinenserstaates festlege. Zudem würden die USA Israel Kreditbürgschaften in Höhe von 7,85 Milliarden Euro gewähren." Anis: Keinen politischen Charakter? Was ist denn politisch, wenn das nicht politisch ist?

taz 24.09.03, S. 10, "Irak lässt al-Dschasira verstummen. Iraks Übergangsregierung beschließt, die Büros der arabischen Fernsehsender al-Dschasira und al-Arabia zu schließen. Die Sender würden 'den Geist des alten Regimes wiederbeleben' und zum Widerstand aufrufen, heißt es zur Begründung" von KARIM EL-GAWHARY
http://www.taz.de/pt/2003/09/24/a0086.nf/text Darin: "US-Verwalter Paul Bremer das letzte Wort in der Angelegenheit. Der US-Präfekt des Irak kann gegen die Entscheidung ein Veto einlegen. Dabei ist für ihn allerdings wenig zu gewinnen, egal wie er sich entscheidet. Zeichnet er die Entscheidung ab, wird das als ein Beschluss gegen die arabische Pressefreiheit angesehen. Legt er sein Veto ein, macht er deutlich, dass die irakische Übergangsregierung nichts zu sagen hat." Anis: Wichtiger Hintergrund. Mit al-Jazeera und al-Arabia haben sich neue Medien etabliert, die im weltweiten Diskurs eine wichtige Rolle spielen. Die Pressefreiheit ist einer der wichtigsten Aspekte in diesem Konflikt.

taz 24.09.03, S. 3, nur in taz-Teilauflage, "Zwei Führer, ein Ziel. Bedrohungen des Weltfriedens wollen Kofi Annan und George Bush nicht mehr hinnehmen. Aber was daraus folgt, ist strittig" von DOMINIC JOHNSON
http://www.taz.de/pt/2003/09/24/a0113.nf/text Darin: "Für Bush ist der Krieg gegen den Terror das Prisma, durch das er das Weltgeschehen wahrnimmt. Die Welt sei geteilt 'zwischen denen, die Ordnung suchen, und denen, die Chaos verbreiten', erklärte der US-Präsident." Anis: "Terror" als Kampfbegriff, der z.B. die Aktionen der USA nie betreffen könnte. Scharon bedient sich derselben verzerrten Argumentation. Dann noch: "So waren sich Annan und Bush in einem Punkt einig: Beide Redner betonten, die UNO müsse in der Lage sein, Bedrohungen abzuwenden, bevor sie eintreten." Anis: Na viel Spaß! Wie soll das denn gehen? Dafür brauchte man ja ein totales Überwachungssystem und selbst dann funktioniert es nicht, wie die Geschichte lehrt.


SZ 23.09.03, "Typisch Adorno. Kann man nach Auschwitz noch über die Juden reden?" von Volker Breidecker
Darin: "Gegen die modische Rede vom 'jüdischen Denken' und von 'jüdischer Intelligenz' meldete sich vor ein paar Jahren (...) Ernst H. Gombrich zu Wort: Dergleichen Muster, sagte Gombrich, wiederholten die Stereotypen des Antisemitismus, indem sie ihren vermeintlichen Trägern spezifisch Jüdisches zusprächen, auch unabhängig von deren tatsächlicher Haltung und Zugehörigkeit zum Judentum." Anis: Modisch wo? Ich höre so etwas eigentlich nie. Und: "Unter das "Verbot, sich ein Bild vom Judentum zu machen", sagte Niewöhner weiter, falle bei Adorno schlichtweg 'alles, was über das bloße Wort 'Juden' hinausgeht'. Wenn der Antisemitismus, wie dieser einmal schrieb, 'das Gerücht über die Juden' sei, dann ist auch jedes Wort über den 'jüdischen' Adorno davon berührt. Gilt dies am Ende auch für jeden Satz, den Adorno selbst über die Juden schrieb?" Anis: Eine Art Kaffeeklatsch. Wie alte Männer, die im 86sten Semester in der Mensa zusammensitzen und immer noch über dieselben Sachen reden. Hier ist noch so einer: "Bei Adorno unterliege 'nicht allein jede generelle Aussage über die Juden' dem Verdacht der 'antisemitischen Stereotype', sondern auch alle 'differenzierenden Aussagen', insofern sie vermeintlich jüdische Charakteristika absonderten." Die haben einfach zu viel Zeit. Dann bezieht sich der eine auf den anderen und man muss dem Diskurs folgen, sonst darf man nicht mitreden (Du hast ja wohl den Antisemitismus-Logikessay von Moishe Postone gelesen?) Und dann sagen sie übereinander Dinge wie: "Was er über die Juden und den Antisemitismus zu sagen hatte, war zumeist krudester Marxismus, der dabei auf dieselben Stereotypen und Typologien zurückgriff, die der Ideologiekritiker bekämpft und meisterhaft analysiert hatte." Am Ende dann nicht minder deutsch: "In Abwandlung eines anderen Diktums: Kann man nach Auschwitz noch über die Juden reden? Man muss und, zum Glück, man darf es auch. Man sollte nur wissen, in welche Sprachfallen man tritt, und sich seine Worte besser dreimal überlegen, selbst dann, wenn man Adorno zitiert. Das Stocken der Sprache bliebe dann als Zeichen der Trauer." Anis: Niemand kann mir erzählen, dass das Vergangenheitsbewältigung ist. Das ist Duselei und zudem hemmend (repressiv: "dreimal überlegen, selbst dann, wenn..." ). Der Artikel ist intellektuell, aber nicht intelligent.

taz 23.09.03, S.7, "Korn lehnt Arafats Ausweisung ab" von Agentur
http://www.taz.de/pt/2003/09/23/a0101.nf/text Darin: "'Letztlich sind beide Seiten gleichzeitig im Recht und im Unrecht', so Korn. Ferner forderte er mehr Aktivitäten gegen Antisemitismus. Mit 15 bis 20 Prozent Anitsemiten liege Deutschland zwar im europäischen Durchschnitt. Die deutsche Demokratie sei auch stark genug, um diesem Personenkreis umgehen zu können. Doch müsse 'einiges getan werden, und zwar mehr als bisher, damit diese Zahlen nicht wachsen, sondern schrumpfen'." Anis: Über den neuen Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn. Er hat seine ideologischen Koordinaten gesetzt. Er erklärt: Beide haben gleich Schuld (was großer Quatsch ist). Im Gegenzug zur Wahrung des Dogmas bietet er Arafat großzügig dessen eigenes Leben an :-) mit der Auflage, "ihn unter Kontrolle zu haben." Schließlich mahnt Korn das philosemitische Klischee an (Beteuerung des Tabus), dass jeder fünfte Deutsche ein heimlicher Antisemit sei und dass wir uns deshalb immer schön zurückhalten sollen, damit das Böse nicht in uns aufbricht. Wo diese Zahl immer wieder herkommt, weiß kein Mensch. Das zählen und definieren die Leute, die hinterher damit argumentieren (Dogma). Das wären etwa 15 Millionen antisemitische Deutsche. Eine Art Gehirnwäsche. Korn hat nicht gesagt, dass wir mit den Fingern über der Bettdecke schlafen sollen, aber es geht in die Richtung. So viel zum Thema Obrigkeitsgesellschaft.

taz 23.09.03, S. 7, "Der Muselmann von Auschwitz. Impliziert die Menschenwürde einen würdelosen 'Nichtmenschen'? Giorgio Agamben führt seinen Essay 'Homo sacer' fort und analysiert die biopolitischen Bedingungen, die den Menschen seiner Menschlichkeit berauben: 'Was von Auschwitz bleibt'" von Charlotte Wiedemann
http://www.taz.de/pt/2003/09/23/a0182.nf/text Darin: "...Typus des ‚Muselmanns', des psychophysisch depravierten Auschwitz-Häftlings ... Jean Améry ... Bewusstseinsraum... Nichtmenschen... grausame Selbstironie... biopolitische Spaltung... UNO... nackte Existenz... Luhmanns Beispiel... wird Primo Levi zitiert... Agambens Provokation liegt in dieser Generalisierung... Jeder ein Josef K... Befehle... Rudolf Höß... moralischen Notstand... der sein Opfer zum Nichtmenschen macht... Bruno Bettelheim nennt ihn eine monströse biologische Maschine ... nacktes Leben... nacktes Leben ... Kadavergehorsam... Foucault ...hochpathetische Antwort..." Anis: Ein wichtiges Thema. Der Titel irritiert. "Muselmann" ist ursprünglich eine deutsche Verballhornung von "Muslim" wie in Mozarts C-A-F-F-E-E: Sei doch kein Muselmann, der das nicht lassen kann etc. Was soll das? Nach der Lektüre dieser Rezension bekommt man jedenfalls das Gefühl, der Judenmord wäre eine intellektuelle Angelegenheit gewesen. Was er sicher nicht war. Ist das Aufarbeitung, taz?

Clark, Wesley 030923/Telepolis/Nahost-USA
--> Telepolis 23.09.03, "Nach Bush ein General an die Macht?" von Florian Rötzer
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15691/1.html Darin: "Wesley Clark zieht als Gegner des Irak-Kriegs und des unilateralen Ansatzes für die Demokraten in die (Wahl)Schlacht und verrät die eigentlichen Absichten der Bush-Regierung: Regimewechsel in sieben Ländern des Nahen Ostens." Anis: Auch Michael Moore hat sich in einem offenen Brief lobend über Wesley Clark geäußert, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

VOX Publishing, seen Sept. 23, 2003, "Invisible Enemy. Israel, Politics, Media, and American Culture." by Edward Abboud
http://www.voxpublishing.com/ Homepage quote: "From deep within the unreported multicultural milieu comes Edward Abboud with Invisible Enemy, the missing view of social, cultural, and political events you expect from America's silent ethnic underground. // Invisible Enemy, a wide-ranging critique of international politics and weaponized mass media, takes the United States-Israel relationship to task as no Arab-American author has done before. // Invisible Enemy is a potent strike against mass-mediated conceptions of American politics. Abboud proposes that Israel's continuous propaganda throughout American mass media devastates social and cultural events, religious practices, local and national politics, and military activity." There is a controversy about this book.


FR 22.09.03, "IWF-Bericht wirft Arafat-Behörde Korruption vor. Bis zum Jahr 2000 Millionen am Haushalt vorbeigeschleust / Lob für neuen Finanzminister" von dpa
Darin am Schluss: "Die israelische Regierung hat die Resolution der UN-Vollversammlung gegen eine Ausweisung von Palästinenserpräsident Arafat zurückgewiesen und als 'irrelevant' bezeichnet. Israel bedauere, dass sich die Palästinenser erneut in Rhetorik ergingen, anstatt sich auf den gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus zu konzentrieren, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Außenministeriums vom Samstag." Anis: Propaganda. Von wegen "auf den Kampf gegen den Terrorismus konzentrieren". Gruß an dpa, FR

FR 22.09.03, S.22, "Mit Liedern Brücken bauen zwischen den Kulturen und nach Israel. Wizo-Gala mit Stargast Esther Ofarim / 360 Festgäste im Hilton / Patenschaften für Not leidende Kinder" von Ric Folz
www.jungewelt.de/2003/09-22/001.php Darin: "'Die sozialen Einschnitte in Israel sind tief, und die Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen', sagte Rachel Singer. 700 000 Kinder leben ihren Worten nach in Israel unterhalb der Armutsgrenze. Weil viele Eltern zugunsten ihrer Kinder hungerten, werden in den von Wizo, der Women's International Zionist Organisation, betreuten Kindertagesstätten auch belegte Brote für sie und die Geschwister ausgegeben." Claudia Karas: das geld fließt stattdessen in den bau der aparthheid-mauer! Dann: "Zur drohenden Ausweisung Arafats erklärte der Zentralratsvorsitzende: 'Wenn die Regierungen Israels seit 1948 immer nur das getan hätten, was in der Welt als gut angesehen wurde, dann würde der Staat Israel heute nicht mehr existieren'. Das Land sei in Not und 'braucht unsere Hilfe, die der Freunde in aller Welt'." ck: spiegel, der "mahner für menschenrechte", hat also nichts gegen eine "entfernung" arafats! - Anis: Ich glaube auch, dass das Land in Not ist :-)

Attac 030922/Hagalil/Antisem
--> Hagalil 22.09.03, "Antisemitismus-Vorwurf: DGB- Regionalvorsitzender greift ATTAC an" von Max Brym
http://www.hagalil.com/archiv/2003/09/dgb.htm Anis: Bereits der Titel ist irreführend, denn in erster Linie ist es Hagalil, das Attac angreift. Der Regionalvorsitzende ist eher uninteressant. Hagalil wird übrigens von deutschen Ministerien und dem allgemeinen Mainstream unterstützt, obwohl dort regelmäßig Feindbilder transportiert werden. Im Artikel heißt es über Sebastian Wertmüller: "Der DGB-Regionalverband stellt schlicht antisemitische Positionen bei ATTAC fest. Die Kritik konzentriert sich auf die bundesweite Arbeitsgruppe 'Globalisierung und Kritik' von ATTAC." Anis: Wer ist Wertmüller, dass er öffentlich antisemitische Positionen feststellt? Zudem heißt die Arbeitsgruppe 'Globalisierung und Krieg'. Weiter: "Im Positionspapier der AG 'Globalisierung und Krieg' wird ausschließlich die USA angegriffen, dabei werden terroristische Anschläge und Selbstmordattentate 'verharmlost, verdrängt und teilweise verklärt.' Terroristische Aktionen gehen als gerechtfertigt durch, sie seien Ausdruck der 'Unabhängigkeitsbestrebungen von Minderheiten, die in Palästina und Tschetschenien unterdrückt würden.'" Anis: Terroristische Aktionen gehen als gerechtfertigt durch? Verklärung? Ausschließlich die USA angegriffen? Was für ein Quatsch. Und selbst wenn: Warum nutzt Wertmüller nicht dasselbe Medium, also die Liste der Arbeitsgruppe. Warum die Presse? Wertmüller beschwert sich: "In der DGB-Erklärung wird klar gegen einen Aufruf zu einem 'Aktionstag gegen Besatzung' am 27.09.03 Stellung genommen. 'ATTAC plant zusammen mit extremen palästinensischen Organisationen und diversen israelfeindlichen Gruppierungen den Aktionstag.' Der Regionalverband des DGB lehnt eine Unterschriftensammlung zum Boykott von Waren aus Israel entschieden ab. Der Aufruf zu dieser Aktion befand sich bis zum 27.08.03 auf der Homepage von ATTAC. Aufgrund vielfacher Proteste wurde das Pamphlet entfernt. In einer Stellungnahme der ATTAC-AG zur 'Besatzung im Irak' findet eine 'Solidarisierung u.a. mit terroristischen, faschistischen und fundamentalistischen Gruppen im Irak statt.'" Anis: Die anderen sind also Faschisten und Israelfeinde und "extrem". Und gegen Besatzung soll man nicht protestierten. (Verharmlosung/Leugnung der Besatzung). Zu "Boykott von Waren aus Israel": Ist so nicht richtig, wird aber so in den entsprechenden Artikeln dargestellt. Dann wird es ganz absurd: "Sebastian Wertmüller vermutet hinter solchen Positionen eine tief sitzende Israelfeindschaft." Anis: Jemand vermutet etwas. Jemand vermutet Feindschaft: "...insbesondere im Falle des publizierten Boykott-Aufrufes gegen israelische Waren und Produkte. In der Tat, dieser Aufruf ist nur noch als Wiederholung der Parole: 'Kauft nicht beim Juden' zu verstehen. Auch mit einer Kritik an der israelischen Regierung hat diese Aktion, die immer noch im ATTAC Umfeld propagiert wird, nichts zu tun. Die Israelis werden kollektiv, mit einem Boykott in eine Pfanne gehauen." Anis: Dafür trägt die taz eine Mitverantwortung, weil sie diesen 'Kauft nicht beim Juden'-Mist als erste verbreitet hat. Dann noch: "Prinzipiell müsse nach Wertmüller 'die Frage nach dem Umgang mit Juden und dem Existenzrecht Israels im Mittelpunkt der Debatte stehen'." Anis: Philosemitismus pur. Hagalil macht das: "Im Zionismus wird ein grundsätzliches 'Weltübel' gesehen. Damit wird offen, egal ob man es so sagt oder nicht, nur dem Staat Israel in dieser Welt das Existenzrecht abgesprochen." Anis: Von wem wird der Zionismus als grundsätzliches 'Weltübel' gesehen? Wer hat Israel das Existenzrecht abgesprochen?? Was bedeutet: egal ob man es so sagt oder nicht? Ganz am Schluss dann: "Im Kongo wurden in den letzten Jahren knapp 4 Millionen Menschen ermordet, mehr als 2 Milliarden Menschen leben auf dem Globus in schrecklicher Armut und jährlich verhungern 14 Millionen Kinder. All das kommt zwar bei ATTAC vor, es scheint sich allerdings um Randphänomene zu handeln, wie die Aktionsgewichtung von ATTAC zeigt. Israel und immer wieder Israel wird attackiert. Vor solchem 'Internationalismus' muss gewarnt werden. Wer zunehmend die Kritik an sämtlichen Weltübeln auf den Staat Israel konzentriert, hat sich auch als ernstzunehmender Diskussionspartner bezüglich der israelischen Staatspolitik diskreditiert." Anis: Die Weltübel auf den Staat Israel konzentriert, so ein Quatsch! Kongo ist ein Beispiel für das philosemitische Klischee, dass man Israel nur kritisieren darf, wenn man andere Länder genauso kritisiert. Denn sonst gibt es Leute, die etwas vermuten. Dieser Propagandatext von Max Brym ist in seiner Einseitigkeit und Verzerrung kaum zu überbieten.

junge Welt 22.09.03, Titel, "'Rettet unser Land'. Tausende Israelis fordern Abzug aus besetzten Gebieten Palästinas und Rücktritt Scharons" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/09-22/001.php Darin: "Die Demonstration am späten Samstag abend sei der Auftakt einer 'Straßenkampagne', die in den kommenden Monaten intensiviert werde, erklärte 'Frieden jetzt'-Sprecher Yariv Oppenheimer. Man wolle dafür werben, daß es im 'besten Interesse Israels' sei, endlich Frieden zu schließen und die jahrzehntelange Besetzung der Westbank und des Gazastreifens zu beenden, aus der die gegenwärtige palästinensische Intifada resultiere." Und: " Ausnahmslos alle Sprecher riefen zum Armeerückzug aus den besetzten Gebieten auf und forderten den Abbau der illegalen jüdischen Siedlungen in Westjordanland und Gazastreifen. Verurteilt wurden darüber hinaus die anhaltenden Liquidierungen palästinensischer Aktivisten sowie die daraus resultierenden antiisraelischen Anschläge palästinensischer Selbstmordattentäter. Für die Demonstranten war klar: Israel ist verantwortlich für die Gewalteskalation im Nahen Osten; wer Israel retten will, müsse Scharon stoppen." Und: "Weitaus wichtiger für die israelische Regierung war deshalb das Ergebnis der 47. Generalkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Auf Antrag der Arabischen Liga sollen die Atommacht Israel in das Kontrollregime der IAEA eingebunden und der Nahe Osten in eine atomwaffenfreie Zone verwandelt werden. (...) Israel, das einzige Land im Nahen Osten mit nuklearen militärischen Kapazitäten, hat weder den Atomwaffensperrvertrag noch entsprechende Zusatzprotokolle unterzeichnet. Israelische Diplomaten begrüßten im Vorfeld der IAEA-Konferenz Gespräche über eine atomwaffenfreie Zone - in Lateinamerika" Anis: Die junge Welt in Berlin ist die einzige große deutsche Zeitung, die ohne Obrigkeit und Zwang frei schreiben kann.

junge Welt 22.09.03, Ausland, "Saudi-Arabien dementiert Atompläne. Reaktion auf Guardian-Artikel. Angebliches 'Strategiepapier' gezielt lanciert?" von Knut Mellenthin
www.jungewelt.de/2003/09-22/008.php Darin: "Der Umstand, daß das angebliche Strategiepapier zunächst ausschließlich vom Guardian erwähnt wurde und dort nur die nichtssagende Quellenangabe "Wie dem Guardian bekannt wurde..." mitgeliefert wurde, läßt vermuten, daß es sich um eine zweifelhafte Information handelt. Der Verdacht liegt nahe, daß mit einer gezielten Desinformation über saudische Atompläne die für Israel unbequeme Forderung der arabischen Staaten nach einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten diskreditiert werden sollte, die genau zur selben Zeit auf der Konferenz der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien beraten wurde. Für diesen Verdacht spricht auch, daß sich die beiden Autoren des Guardian-Artikels gerade als Korrespondenten bei dieser Konferenz aufhielten." Anis: Es gibt tatsächlich noch investigativen Journalismus.

taz 22.09.03, S.12, "Die Palästinenser verbuchen einen Sieg. UN-Vollversammlung verabschiedet israelkritische Resolution. Jerusalemer Regierung hält Entscheidung für irrelevant" von Susanne Knaul
http://www.taz.de/pt/2003/09/22/a0114.nf/text Darin: "Wenige Tage nach dem Scheitern einer UN-Sicherheitsratsresolution zur Verurteilung der Absichten Jerusalems, Arafat zu 'neutralisieren', gelang der palästinensischen Autonomiebehörde doch noch ein 'Sieg'. " Anis: Mit solchen Überschriften versucht die taz sich ein gutes Gewissen einzureden. Im Text ist es nur noch ein 'Sieg' in Anführungszeichen. Ich finde das zynisch. Auch am 23.09. ist so eine Überschrift: 'Korn lehnt Arafats Ausweisung ab', dafür will er aber etwas haben. Die lullen sich ein bei der taz.

taz 22.09.03, S.5, "'Ohne Kopftuch bin ich nackt'" (Fereshta-Ludin-)Interview HEIDE OESTREICH und EDITH KRESTA
http://www.taz.de/pt/2003/09/22/a0149.nf/text Darin: "F: Können Sie sich vorstellen, dass eine Frau, die durch den Iran reist und dort ein Kopftuch tragen muss, sich auch in ihrer Würde verletzt fühlt? A: Ja, wenn Sie es tragen muss, auf jeden Fall. Die Freiheit muss für beide Seiten gelten. Wir Frauen sollten das Recht haben, selbst zu bestimmen, wie wir unser Leben führen. Alice Schwarzer hat ja behauptet, dass ich alle diese Dinge nicht kapiere und nicht emanzipiert sei. Ich sage dagegen, dass eine Frau auch mit Kopftuch emanzipiert sein kann." Anis: Sehr gute Antwort! Aber es wird nicht honoriert. Die taz will, dass Frau Ludin nicht so ist, wie sie ist, denn die Fragen gehen so: "Sie kritisieren, dass man Sie in die Ecke des politischen Islam stellt. Von diesen Gruppierungen bekommen Sie aber starke Unterstützung. Ist das für Sie ein Problem?" Die taz macht ein Problem daraus. Frau Ludin ist cool: "Ja. Dennoch muss man fair mit einem Fall wie meinem umgehen. Ich bin eine Frau, die ein Berufsverbot bekommen hat und sich deshalb diskriminiert fühlt. Man kann doch nicht sagen, dass ich damit den politischen Islam unterstütze." Aber die taz: "Wo ist die laizistische Bewegung, die Sie vereinnahmen will? Dieser Staat versteht sich doch ohnehin als 'neutral'. Es gibt Brüche, in der Kirchensteuer etwa, aber insgesamt sind Staat und Religion getrennt." Die taz z.B. ist die laizistische Bewegung, die sie vereinnahmen will. Das Beste ist dies. Frau Ludin sagt: "Man geht mit unterschiedlichen Maßstäben heran." Und sie taz antwortet: "Vielleicht aus gutem Grund? Der Islam greift besonders stark ins politische Leben, mit der Scharia sogar ins Rechtssystem ein." Anis: Aus gutem Grund mit zweierlei Maß!! Das ist außerhalb des demokratischen Rahmens. taz! Taz: "In Deutschland gibt es ebenfalls ein Problem mit dem politischen Islam." Ja, das ist bestimmt das größte Problem in Deutschland :-) Auch dies hier ist unglaublich: "Warum machen Sie sich zur Vorkämpferin der Kopftuchbefürworter?" Anis: Sie tut es nicht. Sie antwortet auch klug: "Merken Sie nicht, dass Sie mich dazu machen? Ich bin keine Vorkämpferin, ich nehme mein Recht wahr, weil ich mich diskriminiert fühle. Ich habe eine Vorstellung von freiheitlich-demokratischem Leben. Wie kann ich Emanzipation und Toleranz lehren, wenn ich mich selbst unterdrückt fühle?" Die letzte Frage der taz ist: "Sind Sie stur?" Anis: Das ist intolerant und suggestiv und sagt wesentlich mehr über Heide Östreich und Edith Kresta aus als über irgendjemand anderen.

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