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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
08/2003 (1)
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FR 09.08.03, "Das Globale und die Gewalt. In unserer Moderne entspringt der Terrorismus der Logik des Systems" von Jean Baudrillard (Üb. Ulrich Müller-Schöll)
Darin: "Wer kann das globale System wirksam attackieren? Sicher nicht die Bewegung der Globalisierungsgegner, die nur zum Ziel hat, die Deregulierung zu bremsen. Ihre politische Wirkung mag beträchtlich sein, die symbolische Wirkung ist gleich null. Solche Gewalt ist nur eine weitere Art innerer Peripetie, die das System zu überwinden vermag und dabei jederzeit das Spiel beherrscht. Das System herausfordern können keine positiven Alternativen, sondern nur Singularitäten. Die aber sind weder positiv noch negativ. Sie bieten keine Alternative, sondern gehören einer anderen Ordnung an. Sie gehorchen keinem Werturteil mehr, keinem politischen Realitätsprinzip, und können also das Beste oder das Schlimmste sein. Sie lassen sich daher in keiner gemeinsamen historischen Aktion vereinigen. Sie sind eine Herausforderung für jedes einheitliche herrschende Denken, aber sie sind kein einheitliches Anti-Denken, sondern diese Alternativen sind die Erfinder ihrer Spiele mit eigenen Spielregeln. // Diese Singularitäten sind nicht notwendigerweise gewaltsam, es gibt darunter sehr subtile, wie die der Sprachen, der Kunst, des Körpers oder der Kultur. Aber es sind darunter auch gewaltsame - der Terrorismus ist eine davon. Er ist diejenige Singularität, die alle singulären Kulturen rächt, die mit ihrem Verschwinden für die Einrichtung dieser einzigen globalen Macht bezahlt haben. Wir haben es also nicht mit einen 'Kampf der Kulturen' zu tun, sondern es geht um ein - beinahe anthropologisches - Aufeinandertreffen zwischen einer undifferenzierten universellen Kultur und all dem, was so etwas wie eine irreduktible Alterität bewahrt." Anis: In diesem scharfsinnigen Essay herrschen theoretische Analysen vor. Dieser Ausschnitt oben ist der konstruktivste, der Blick ist hier auf Lösungswege gerichtet. Der Begriff der "Singularitäten" trifft meiner Ansicht nach. Es fehlen die Beispiele. Niemand kann sich etwas unter "Singularitäten der Sprachen, der Kunst, des Körpers oder der Kultur" vorstellen. Damit bleibt die Hoffnung unausgesprochen, wie auch durchgängig in diesem ansonsten bemerkenswerten und inspirierenden Artikel.

Gush Shalom 09.08.03, Press Release, "A vigil to protest the recent invasion to Nablus"
Text: The anti-hudna raid into the Askar refugee camp left several Palestinians and one Israeli dead. In the Saturday night Defence Ministry vigil at 6am - called for by the anarchists - you have an opportunity to say NO to the methods of Sharon-Mofaz. // "Israel did not pay sufficient attention to the constantly growing sense of despair and hopelessness among the Palestinians. It is certainly this that accounts for the growing power of Hamas." (Zeev Shiff in Lose-lose situation, Haaretz August 08.) // What: A vigil to protest the recent invasion to Nablus // When: Tomorrow, Saturday, 18:00 o'clock // Early morning today the army has invaded the Askar Refugee Camp in Nablus in a so-called arrest operation. During the invasion four Palestinians were killed and two more are critically wounded. The attack is yet another of Sharon's attempts to fail the hudna and the return to popular resistance. According to "Haaretz" even senior military officers admit that Hamas is not, right now, busy with preparing suicide attacks, but complying with seize fire plans. Even so and despite the delicate situation the government decided to attack. Ariel Sharon is not interested in de-escalation or any sort of calmness. He is interested in violence emerging again, to be used as a much-needed excuse for the continuation of the illegal occupation and the construction of the Apartheid Wall. Tomorrow Saturday August 8, 2003, at 6pm we will meet in front of the ministry of defense (Hakirya). Kaplan St., Tel Aviv.

Link to
ISM, "Israeli Military invaded the Askar Refugee Camp in Nablus" (09.08.03)

junge Welt 09.08.03, Wochenendbeilage, Zivilgesellschaftlicher Diskurs, "Der schwarze Kanal: Wenn Kritik an Israels Besatzungsmacht als 'Judenhaß' denunziert wird"
www.jungewelt.de/2003/08-09/029.php Darin: "Die Debatte in der FR widerspiegelte den immer unerträglicher werdenden moralischen Konformismus. Es kamen nur Autoren zu Wort, die Brumliks Position teilten - weil eine Gegenposition sich ja nicht mehr auf der Ebene befände, auf der eine Erörterung des Nahost-Konfliktes zulässig sei." Anis: Ausgezeichneter Kommentar! Danke junge Welt! Ihr seid manchmal so GUT.

ND 09.08.03, "Ruf nach dem Zensor. Vorwurf Antisemitismus: Streit um Ted Honderichs Buch 'Nach dem Terror'" von Gunnar Decker
Darin: "So schrieb die 'New York Times': 'Wie können wir Grausamkeiten gegen andere bewerten? Gibt es eine Maßeinheit dafür? Gibt es überhaupt noch einen Unterschied zwischen Krieg und Frieden? Um ins Zentrum dieser Fragen zu gelangen, kann man nichts besseres machen, als >Nach dem Terror< von Ted Honderich zu lesen.' Das sollen wir aber nicht mehr dürfen. Dass uns jemand vor Büchern 'beschützt', weil er darin Meinungen entdeckt, die für ihn inakzeptabel sind, ist eine schwer erträgliche Vorstellung. Sie erinnert an einiges, was wir aus dem vormundschaftlichen Staat DDR gewohnt waren. Dazu gehört das Herausreißen von einzelnen Sätzen aus dem Sinn-Kontext. Überhaupt ein auffälliger Unwille, das verstehen zu wollen, was gemeint ist." Und: "'Ich für meinen Teil habe keinen ernsthaften Zweifel, um den prominenten Fall zu nehmen, daß die Palästinenser mit ihrem Terrorismus gegen die Israelis ein moralisches Recht ausgeübt haben.' Das ist der Satz, der den Stoff für einen Skandal abgeben soll. Natürlich existiert kein moralisches Recht auf Terrorismus. Aber schon sieht die 'Neue Zürcher Zeitung' einen 'Antisemitismus der smarten Art', der 'seine grundsätzliche Abneigung gegen das Jüdische hinter scheinbar plausiblen Argumenten' verstecke. Was damit gemeint ist, wird deutlich, wenn dann davon die Rede ist, dass es sich 'bei einer von einem starken demokratisch-aufklärerischen Impuls getragenen amerikanischen Interessenpolitik möglicherweise um einen Fortschritt im Sinne gar der Linken handeln könnte'. Und die Linke erkennt das nicht, blind wie sie nun mal ist. Das ist also das Generalthema der Angriffe auf Honderich, der ungeschickt genug war, sich angreifbar zu machen. Wir sollen endlich Amerikas kriegerische Interessenpolitik als Fortschritt begrüßen! " Anis: Ausgezeichneter Kommentar von Gunnar Decker! Hier werden nicht nur Grundrechte der Meinungsfreiheit beschnitten, sondern wir ersticken in destruktiven Tabus. Auch Deckers hier nicht zitierte Habermas-Kritik ist präzise.

taz 09.08.03, S. 15, "Eingerichtet im Schützengraben. Der Philosoph Ted Honderich anwortet auf Micha Brumliks Antisemitismus-Vorwurf - und fordert dessen Entlassung" von Stefan Reinecke
http://www.taz.de/pt/2003/08/09/a0175.nf/text Darin: "Honderich scheint also fest entschlossen, sich im Schützengraben einzurichten und seine Reputation als seriöser Wissenschaftler endgültig zu verspielen. Die Forderung, dass die Frankfurter Uni Brumlik vor die Tür setzen soll, geht jedenfalls auch als Polemik nicht mehr durch. Für den Suhrkamp Verlag, der nicht gewusst zu haben schien, was für ein Buch er da eigentlich veröffentlicht hatte, dürfte der Brief ein kleiner Trost sein. Suhrkamp hatte sich Mittwoch von Honderich distanziert - angesichts dieses Briefs eine mehr als richtige Entscheidung. Dieser Brief, mit dem sich Honderich ins Aus manövriert hat, dürfte das vorläufige Ende der Affäre sein. Was aber noch aussteht, ist wohl eine grundsätzlichere Debatte - etwa um die Frage, wo die Grenze zwischen Antizionismus und Antisemitismus verläuft." Anis: Ein von Argumenten barer und völlig oberflächlicher Text, der dazu dienen soll, den Diskurs abzuwürgen. Der taz nicht würdig.

taz 09.08.03, S. 14, "Israelisches Tagebuch (III): Zeichnungen von Anna Faroqhi"
http://www.taz.de/pt/2003/08/09/a0167.nf/text Darin: "Anna Faroqhi ist mit einem Skizzenblock unterwegs in Israel. Dabei sind Zeichnungen entstanden, mit denen sie im Tagebuchstil ihre Eindrücke festhält und die wir in loser Folge abdrucken (siehe taz vom 5./7. 8.). Über 'Grenzen' schreibt sie: 'Besuch bei Bekannten in Shomron, einer jüdischen Siedlung in den besetzten Gebieten nahe von Tel Aviv. Die Leute, die wir besuchen, sagen, dass sie ohne politische Absichten hier leben. Sie wollen die Ruhe und die Natur genießen. Das Leben mit den Arabern hier ist friedlich. Doch die Ruhe ist eine vorläufige, die Natur durchzogen von Grenzposten und Stacheldrahtzäunen.'" Anis: Wie idyllisch! Und wenn die Ruhe zuende ist, dann lag das bestimmt nicht an den Siedlern, denn die sind ja unpolitisch und wünschen sich nur Frieden. Großartig.


FAZ 08.08.03, S.1, "Krise der Kritik" von Patrick Bahners
Abraham Melzer: Den vorläufige Höhepunkt des Skandals um den Suhrkamp Verlag und um die Zurückziehung des Buches von Ted Honderich haben Sie in der FAZ von heute veröffentlicht. Und das auch noch auf Seite 1, sozusagen als Meinung der Redaktion. Patrick Bahners beklagt die Krise der Kritik und herausgekommen ist dabei die Krise des Kritikers Bahners, der sich zu der Behauptung versteigert hat, deutsche Buchhandlungen sind so nebenbei mit einem Traktat über "das Recht zum Judenmord" beliefert worden. Kein Wort über das Recht, daß sich die Israelis täglich nehmen, Palästinenser zu schickanieren, demütigen, drangsalieren und morden. Kein Wort zum Staatsterrorismus der Israelis, zum Morden von Verdächtigten im Auftrag des Staates, wobei oft genug unbeteiligte Zivilisten die Opfer waren. Kein Wort davon, daß es auf jeden israelischen bzw., wenn Sie unbedingt wollen, jüdischen Opfer, vier bis fünf palästinensische Opfer gibt. Kein Wort davon, daß durch die fatalen und kontraproduktiven Selbstmordattentate auch Nichtjuden, ja sogar Palästinenser getötet wurden. Kein Wort davon, daß die Palästinenser, wie jedes andere Volk dieser Erde, das Recht haben für ihre Freiheit und Würde, Unabhängigkeit und Sicherheit zu kämpfen. Kein Wort davon, daß diese elementaren Rechte des palästinensischen Volkes von den Israelis mit Militärstiefel getreten werden und von der Völkergemeinschaft, von den Europäern, von den Deutschen ignoriert und nicht beachtet werden. Die Rede ist von "Judenmord". Ermordete palästinensische Zivilisten existieren für Herrn Bahners anscheinend nicht. Man regt sich auf wenn Honderich davon spricht, daß die Palästinenser heute die Juden der Juden sind, was schon seit mehr als 20 Jahren, seit ein Buch mit diesem Thema in Israel erschienen ist und leider nur für einen sehr kleinen Skandal gesorgt hat, der auch sehr schnell vergessen wurde. Man erschreckt wegen der Nähe zu Nazideutschland. Selber wirft man aber mit Begriffen wie "Judenmord" um sich herum und beachtet die Assoziation zu Nazideutschland nicht. Warum ? Weil man es nicht beachten will. Weil man hier in Deutschland Angst hat Israel zu kritisieren, weil man Angst hat, daß es einem so ergehen könnte wie Herrn Möllemann. Friedman ist "tot", aber es gibt auch noch andere Terrier, die sofort beißen, wenn Israel hart kritisiert wird und wenn man ein paar unangenehme Wahrheiten ausspricht. Diesmal hieß der "Terrier" Prof. Mich Brumlik. Alles radikale Humanisten und Demokraten, die aber ihre besten Vorsätze und Ansichten vergessen, wenn es um die Sicherheit Israels geht. Da geht man eben auch über Berge von Leichen, Hauptsache es sind keine jüdischen Leichen. Diese Doppelmoral muß endlich aufhören. Abraham Melzer, Herausgeber der unabhängigen jüdischen Internet-Zeitschrift SEMIT: www.semit.net

FR 08.08.03, "Verkürzte Leben. Ted Honderich will die Privilegien des Wohlstands anklagen und endet dabei, Terrorismus zu rechtfertigen" von Martin Hartmann
Darin: "Nehmen wir an, wir wollten einen hohen Geldbetrag für ein Flugticket nach Venedig ausgeben. Wir könnten das Geld aber auch einer Hilfsorganisation spenden und damit einige Menschenleben retten. Machen wir uns nun, so fragt Honderich, schuldig am Tod dieser Menschen, wenn wir das Ticket nach Venedig kaufen? Werden wir gar zu Mördern?" Und am Schluss: "Und das ist ein weiteres Drama des Buches: Eine Fragestellung, die eigentlich ihre Berechtigung hat, die Frage nämlich nach der weltweit ungerechten Verteilung lebenswichtiger Ressourcen, gerät durch die Ressentiments des Autors aus dem Blick. Denn die Einsicht, dass der Westen durch sein Tun und Unterlassen für massenhaftes Unglück verantwortlich ist, bleibt auch für diejenigen schmerzhaft, die sich Honderichs Äußerungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt nicht anzuschließen vermögen." Anis: Sehr gute Analyse! Wenn Herr Honderich tatsächlich Gewalt rechtfertigt und legitimiert, dann ist er dafür zu kritisieren. Lassen wir aber die eigentliche Fragestellung des Buches deshalb nicht aus dem Blick geraten! Das ist nämlich, was leider manchmal geschieht: Der Diskurs wird abgewürgt aufgrund von Äußerungen, die unter Umständen missverständlich sein könnten. Abgewürgt von solchen, die in der Vorstellung leben, dass der Terror gegen Israel nur antisemitisch sein und keine verständliche Erklärung haben kann. Sogar den Elften September halten einige Menschen für ein reines Produkt von Judenhass. Und was ist mit Tschetschenien? Sind das auch alles rassistisch begründete Anschläge, oder könnte es eventuell auch andere Ursachen haben?

FR 08.08.03, "Der beiläufige Antisemitismus" Kommentar von Harry Nutt
Darin: "Mit seiner Entscheidung, das unter den Vorwurf des Antisemitismus geratene Buch des kanadisch-britischen Philosophen Ted Honderich nicht mehr neu aufzulegen, kürzt der Suhrkamp Verlag eine quälende Debatte ab." Anis: Die Debatte ist in vollem Gange und sie ist sehr wichtig. "An die Stelle des programmatischen ist (...) ein beiläufiger Antisemitismus getreten, der mit Verdacht und Ressentiments arbeitet und sich bisweilen auch als politisches Engagement zu tarnen weiß." Wurde im Tagesspiegel auch mal "Krypto-Antisemitismus" genannt. Es handelt sich dabei um einen Judenhass, den man nicht beweisen kann, aber erahnen! Eine Zeitung nannte dieses Phänomen auch "fehlende antisemitische Tupfer" im Kontext mit Möllemanns Buch. Weiter heißt es: "Der Fall Honderich ist aber auch ein Lehrstück öffentlicher Debattenkultur, das sich einreiht in die jüngsten Auseinandersetzungen um Äußerungen, Zeitungsartikel und Bücher, die sich zuletzt mit Namen wie Finkelstein, Möllemann, Karsli und Walser verbanden, wie unterschiedlich die jeweilige Sachlage auch immer sein mochte." Und: "Die in immer wieder neuer Form auftretenden Irritationen zeigen jedoch, dass die bundesrepublikanische Gesellschaft mit seiner antisemitischen Vorgeschichte längst noch nicht fertig ist." Anis: Unterschiedliche Sachlagen also und Irritationen, das ist der neue beiläufige Antisemitismus. Glückwunsch, liebe FR-Redaktion, das war mal wieder ein sehr scharfsinniger Beitrag.

FR 08.08.03, "ISRAEL. Juden Zugang zum Tempelberg verwehrt" von ap/dpa
Claudia Karas: Unglaublich, diese Überschrift! Indem "den Juden den Zugang zum Tempelberg verwehrt wird" und mit dem Hinweis, dass auf dem Tempelberg "in früherer Zeit zwei jüdische Tempel standen", suggeriert die FR dem Leser einen israelischen Anspruch auf dieses palästinensische Territorium im Ostteil Jerusalems! Vor dem endgültigen Landraub der Israelis kommt der Schulterschluss der Medien, die diesen Weg mit Worten ebnen.

Freitag 33, 08.08.03, "Keine wirkliche Befriedung. DIE NATO ÜBERNIMMT DAS ISAF-KOMMANDO IN AFGHANISTAN. Die Strategie der USA ist gescheitert, aber ein strategisches Herangehen hat es ohnehin nie gegeben" von André Brie
http://www.freitag.de Darin: "Konflikte werden (...) verschärft, neue angefacht. // Daran wird sich auch nichts ändern, wenn am 11. August die NATO das Kommando über die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF übernimmt. Auch die Entsendung von regionalen "Wiederaufbauteams", die derzeit in Deutschland diskutiert wird, ist wohl eher symbolisch und als Anbiederung an Washington zu verstehen. Die Warlords, von den USA im Kampf gegen die Taleban hofiert und unterstützt, lassen sich ihren Einfluss nicht nehmen. Dass sie vor schwersten Menschenrechtsverbrechen, wie der Ermordung Hunderter Gefangener in Mazar-i-Sharif, nicht zurück schrecken, ist bekannt. Dabei können sie durchaus auf ihren 'Verbündeten' USA verweisen: Die Missachtung des Völkerrechts, die Nichtanerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs oder die menschenunwürdige Behandlung und Entrechtung von Häftlingen auf Guantanamo und dem US-Stützpunkt Bagram bei Kabul scheinen legitim, wenn sie der Durchsetzung eigener Interessen dienen."Anis: Bislang hat die Gewalt der USA gegen Afghanistan also nichts genützt. Bislang hat die Politik der Gewalt ("als letztes Mittel") also versagt.

Haaretz, 8.8.2003, "Cry, the beloved two-state solution" by Ari Shavit
www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=326324&contrassID= 2&sub ContrassID=14&sbSubContrassID=0&listSrc=Y Subline: "As negotiations with the Palestinians lurch forward and the separation wall snakes its way through the West Bank, two veteran leftists have reached a startling conclusion: There cannot be two states for two peoples in this land."

Haaretz, 8.8.2003, "Is the 'Two State Solution' still a viable and desirable solution to the Israeli-Palestinian Conflict?" by Yehudith Harel
www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=326324&contrassID= 2&sub ContrassID=14&sbSubContrassID=0&listSrc=Y

Middle East Times, 8 AUGUST 2003 INTERNATIONAL EDITION, "The US is a 'terror magnet'" by M. Shahid Alam
Quote: "On July 28, 2003, Lieutenant General Ricardo Sanchez, commander of US ground forces in Iraq, while talking to CNN, (...) volunteered an explanation that I think, perhaps unintentionally, was daring in its clarity: '[There] is what I would call a terrorist magnet where America, being present here in Iraq, creates a target of opportunity if you will.' // Is it really necessary to pick bones with the general's description of the Iraqi resistance as 'terrorist activity'? The Iraqis have not attacked any American civilians, inside Iraq or elsewhere; they have only targeted American troops. Nor are they not attacking just any American troops. They are attacking only those who have invaded and occupied their country. Why then does the general call the Iraqi guerrillas terrorists, criminals and hired assassins? // This is another semantic ploy the Americans have borrowed from the Israelis; Palestinians are terrorists even when they attack Israeli tanks and armor, even when their only weapons are stones." Anis: excellent analysis! M. Shahid Alam (www.msalam.net ) is Professor of Economics at Northeastern University, in Massachusetts, USA and author of Poverty from the Wealth of Nations. Courtesy of Media Monitors Network.

taz 08.08.03, S. 10, "Optimismus und Panikmache. Israelische Geheimdienste warnen vor Entführungen von Soldaten und Zivilisten durch Palästinenser. Gleichzeitig werden die ersten Erfolge der Waffenruhe gelobt" von Anne Ponger
http://www.taz.de/pt/2003/08/08/a0117.nf/text Darin: "Die Bevölkerung wird täglich mit gemischten Botschaften verwirrt. So wird die bessere Zusammenarbeit zwischen israelischen und palästinensischen Sicherheitsapparaten seit der Hudna von Anfang Juli gelobt, die zu einem 80-prozentigen Rückgang der Opferzahl palästinensischer Attacken geführt hat: 32 Israelis waren noch im Juni getötet worden, nur vier im Juli. // Dagegen spricht die Behauptung von rechten Politikern, Siedlern und Geheimdienstquellen, die Terrororganisationen benutzten die Ruhe zur Reorganisation. Das soll den Vorwurf an Premier Abu Mazens Palästinenserbehörde unterstreichen, sie sammle keine illegalen Waffen ein und mache keine Anstalten, den Terror auszurotten. Israelische Kommentatoren schreiben viel über Zusammenhänge zwischen demonstrativem Friedensoptimismus und Panikmache." Anis: Ich bin mit diesem Artikel nicht einverstanden. Auch die taz-Leser werden hier mit gemischten Botschaften verwirrt. Die taz vermeidet in unterlassender Weise eine Stellungnahme und nützt damit der isr. Regierung, ob sie es nun will oder nicht.

taz 08.08.03, S. 10, "Todesurteile in Kabul. Afghanische Journalisten sollen wegen Gotteslästerung hingerichtet werden. 'Reporter ohne Grenzen' protestiert" von epd/taz
http://www.taz.de/pt/2003/08/08/a0115.nf/text Darin: "In Afghanistan sind zwei Journalisten wegen Gotteslästerung in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. (...) Die beiden Mitarbeiter der Wochenzeitschrift Aftab hatten den Angaben zufolge im Juni einen Artikel unter dem Titel 'Heiliger Faschismus' veröffentlicht, worin sie unter anderem die Frage stellten: 'Wenn der Islam die einzige und vollendetste Offenbarungsreligion ist, warum liegen die muslimischen Länder hinter der modernen Welt zurück?' Die Zeitung Aftab sei anschließend geschlossen und die beiden Autoren verhaftet worden. Nach einer Woche seien sie nach Intervention von Präsident Hamid Karsai wieder freigekommen." Anis: Diese berühmte Frage geistert schon seit Napoleon 1798 in der Islamischen WElt herum. Dabei ist die Antwort so einfach: Weil die autoritären Strukturen dort noch heftiger sind als hier. Würden die Kinder nicht geschlagen, wäre es nicht so.

taz 08.08.03, S. 16, "Moralphilosophie am Tresen. Der Suhrkamp Verlag zieht ein Buch des britisch-kanadischen Philosophen Ted Honderich zurück, nachdem Micha Brumlik ihm Antisemitismus vorgeworfen hat. Es geht dabei um den Nahostkonflikt" von Stefan Reinecke
http://www.taz.de/pt/2003/08/08/a0183.nf/text Darin: "Der Treibstoff dieser Affäre ist der Antisemitismus-Vorwurf, der in Deutschland verlässlich alle Alarmglocken schrillen lässt. Ist 'Nach dem Terror' antisemitisch? Nein - zumindest nicht im üblichen Sinne. Es gibt in dem Buch keinen Judenhass und keines der klassischen Ressentiments. Allerdings ist es voller Affekte gegen Israel, die in der forschen Rechtfertigung des Terrors gegen israelische Zivilisten kulminieren. Das ist etwas anderes als Antisemitismus - aber intellektuell nicht weniger blamabel." Anis: Wer sich hier wohl intellektuell blamiert! "Affekte gegen Israel", man muss sich nur dieses Vokabular ansehen. "Verlässlich". Ich würde das einen Opferdiskurs nennen. Hier: "Honderich, so Habermas, will den Blick auf den 'auf den Entstehungskontext des Verbrechens vom 11. 9. lenken' - aber genau das tut er nicht. Dann würde es gelten zu zeigen, wie aus Jungakademikern aus Saudi-Arabien durchgeknallte Killer werden, und zu analysieren, was man hilfsweise 'islamistischen Faschismus' nennen kann. Aber all das interessiert hier nicht - denn dann müsste das Bild vom Westen als Täter, von Bin Laden als bewusstlosem Rächer der Opfer überprüft werden. Und dieser Luftzug von Wirklichkeit würde das ganze philosophische Kartenhaus zum Einsturz bringen." Hier ist das Hass-Objekt: islamistischer Faschismus. Durchgeknallte Killer. Das ist im Kopf von Stefan Reinecke. Stellen Sie sich mal vor, Karsli hätte "jüdischer Faschismus" gesagt. Hat er nicht. Reinecke hats gesagt. Dann: "Es geht darin nicht um Politik, nicht um die Analyse, wie Reichtum und Armut zusammenhängen, sondern um eine mit rhetorischen Knalleffekten angereicherte Bußpredigt." Reinecke spricht hier nämlich offensichtlich von sich selbst. Dann: "Auf diesem schwindelerregenden Abstraktionsniveau wird auch Israel zum Zeichen für die Schuld des Westens. Daher, nicht aus antisemitischen Ressentiments, rührt der Furor gegen Israel. Honderich will den 11. 9. und den Nahostkonflikt als Menetekel lesen, die dem Westen seinen moralischen Defekt vor Augen führen. Deshalb braucht er Israel als Metapher für die Gewalt, die der Westen dem Rest der Welt antut." Das klingt ziemlich plausibel. So schlecht kann das Buch also nicht sein. Dann: "Micha Brumlik hat zu Recht Erfolg gehabt, wenn auch mit einem etwas unscharfen Antisemitismus-Vorwurf." Das bedeutet: Zwar war es kein Antisem., aber der Vorwurf war erfolgreich, um etwas anderes als Antisem. damit zu bekämpfen, nämlich "Bußpredigten". Man beachte das Wort Antisem. im Titel. Humorvoll selbstironisch, und etwas orientierungslos, endet Reinecke mit: "Falsch wäre es nun, wenn der Eindruck haften bliebe, dass Suhrkamp keine israelkritischen Bücher publizieren darf. Es gibt genug Gründe für fundierte, auch radikale Kritik an Israel." ...ohne diese Gründe genannt oder behandelt zu haben. Glückwunsch, liebe taz-Redaktion!

Telepolis, 08.08.03, "Antisemitischer Antizionismus im Sommerloch. Ted Honderich rechtfertigt palästinensische Selbstmordattentäter" von Goedart Palm
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15401/1.html Darin: "Antisemitische Spurenelemente im Sommerloch sind an sich höchst verdächtig. Ist doch zu besorgen, dass ein medienträchtig immergrünes Thema selbst mit einem Spektakelchen die Aufmerksamkeit erzielt, die in der übrigen Jahreszeit durch Ereignisse verdrängt werden könnte." Anis: Palm profitiert selbst vom Sommerloch. Wichtig aber, dass alles mit einem Verdacht beginnt und auch nicht mehr wird. Weiter heißt es: "Für die antisemitischen Spurensucher ist Honderich der klassische antisemitische Antizionist. Die Diskurswahrer auf der anderen Seite erklären uns wiederum die sattsam bekannten Unterschiede zwischen Antizionismus, Antisemitismus und der Kritik an der israelischen Siedlungspolitik. Wir möchten das eigentlich nicht mehr hören (...)" Antisemitische Spurensucher trifft die Sache wahrscheinlich :-) Sie wollen die differenzierte Kritik nicht mehr hören, das sind wahre Demokraten. Weiter heißt es: "Da das Böse bekanntlich 'immer und überall' ist, kann für den Antisemitismus nichts anderes gelten: Selbst da, wo er sich unkenntlich macht, wird irgendeiner ihm die menschenfreundliche Maske von der Fratze reißen. Nur mitunter zieht man eben dann auch an solchen Bärten, die nicht angeklebt sind und überdies an jenen, die einigen Moraldiskursen inzwischen gewachsen sind. Jene Zeiten, in denen Houston Stewart Chamberlain die 'Grundlagen des 19. Jahrhunderts' schrieb und keinen Zweifel daran ließ, was manifester Antisemitismus ist, sind dahin. Das muss kein Grund sein, den larvierten Antisemitismus zu ignorieren. Immerhin wird aber bei solchen 'Klassikern' der Menschenverachtung wie Chamberlains Tiraden deutlich, was Antisemitismus eigentlich ist: Das Judentum wird zu einem überhistorischen Erklärungsprinzip gemacht, das für die Übel und Widrigkeiten der Welt verantwortlich ist, um darin die unbedingte Legitimation seiner Bekämpfung respektive Vernichtung zu finden." Anis: Gutes Beispiel für die identitätsstiftende Notwendigkeit des Antisem. für Menschen wie Goedart Palm. Wehmütig erinnert er sich an Zeiten, in denen man noch mit Recht vom Antisem. sprechen konnte. Aber, es gibt ja gottseidank noch den "larvierten Antisemitismus". Hauptsache die Israelis/Juden sind bedroht und können sich "wehren". Dann: " Zitat Honderich: The Palestinians are right to look back to Fascist Germany and say they are the Jews of the Jews. Ted Honderich [3] Damit zieht der Moralphilosoph einen historisch unzulässigen Vergleich, der dieses überhistorische Prinzip des Antisemitismus zumindest streift, weil die Vorgänge in Israel, wie immer man sie im Einzelnen bewertet, nichts mit der Politik einer totalen Vernichtung zu tun haben." Zumindest streift! Das Argument des fehlenden totalen Vernichtungswillens als strukturellem Unterschied zu Nazideutschland habe ich schon oft gehört. Es ist auch nicht falsch. Aber übertrieben. Die Juden waren im Nazisystem nicht nur Opfer von totalem Vernichtungswillen, sondern auch und vor allem (!) von gewalttätiger Diskriminierung. Insofern ist der "Jude des Juden", auch wenn ich selbst solche Ausdrücke nicht besonders mag, nicht ganz abwegig. Viele Israelis wünschen zudem, dass die Palästinenser "einfach weg" sein sollen, das ist bekannt. Auch sind oft Palästinenser gezielt von der isr. Regierung getötet worden. Die Regierung eines totalen Vernichtungswillens zu verdächtigen, ist nicht in Ordnung. Aber einer muss ja Schuld haben. So wird der Verdacht auf solche gerichtet, die zur Antisem.-Beschuldigung taugen. Eine Zeitungsmisere.

Link zu Open Letter from Claudia Karas: STOP PALESTINIAN HOME DEMOLITIONS! (08.08.03)


Al-Ahram Weekly Online : 7 - 13 August 2003 (Issue No. 650), "The crackdown. John Ashcroft has deported more Arabs and Muslims in 2002 than all the foreigners deported in the infamous Palmer raids of 1919." by Robert Younes, Maryland
Quote: "The United States is moving to deport 13,000 Arabs and Muslims to the Middle East. These are men and woman who came to the US to seek a better life and were subsequently caught up in the wave of hysteria about Middle Easterners after the tragedy of 11 September 2001."

Counterpunch, August 7, 2003, "A Trilogy of Dysfunction. When the Bully Whines" by Hanan Ashrawi
http://www.counterpunch.org/ashrawi08072003.html Quote: "Exclusion and a unique type of racism were recently exhibited by the Israeli Knesset in its mad drive to create a 'Palestinian-free' society in Israel. The Bill preventing Palestinians who marry Israeli citizens (mainly Arabs) from acquiring Israeli citizenship or permanent residency was passed by a majority of 53 votes to 25. // (...) Along with the snaking path of the apartheid wall, the sinister plans of Effie Eitam, the Israeli minister of housing from the National Religious Party, to increase settlements in East Jerusalem and achieve a 'demographic' shift in the occupied city complete the racist circle. // Had these phenomena taken place elsewhere, and had the 'marriage bill' been passed by any other country to exclude a specific minority, the world would have been in an uproar. // It is time that Israel is treated like any other state, made subject to a global rule of law, and its actions scrutinized for such outrageous policies and practices." Anis: Cool!

FR 07.08.03, "DER GASTBEITRAG: Keine Vertrauensbildung. Israels Umgang mit palästinensischen Gefangenen ist fatal." von Abed Othman
Darin: "Mein Bruder, der Parlamentsabgeordnete Hussam Khader, wurde nach seiner Verhaftung im März diesen Jahres drei Monate lang fast pausenlos verhört. Israel wirft ihm vor, radikale Gruppen finanziell zu unterstützen. Hussam blieb teilweise bis zu sechzig Stunden am Stück an einen Stuhl gefesselt und durfte in dieser Zeit weder essen, trinken noch schlafen." Der Palästinenser Abed Othman arbeitet als Journalist in Köln.

FR 07.08.03, "Schlichter Judenhass. Die linken Gewaltfantasien von Ted Honderich" von Natan Sznaider
Darin: "Der Philosoph Ted Honderich gibt in seinem Buch Nach dem Terror - Ein Traktat , das von Suhrkamp in seine Editionsreihe aufgenommen wurde, die philosophische Rechtfertigung des Terrors. 'Diejenigen, die sich selbst für die Sache ihres Volkes getötet haben, haben sich in der Tat selbst gerechtfertigt', so heißt es auf Seite 236." Anis: Riesenlanger Artikel, stilistisch schlecht, argumentativ überzogen und insgesamt polemisch und niveaulos. Beleidigungen, die z.T. nichts mit der Sache zu tun haben, z.B. dass Habermas' Homepage größenwahnsinnig sei (http://www.ucl.ac.uk/~uctytho ), und gegen den Suhrkamp-Verlag und pi pa po. "Tummelplatz aller Judenmordfantasien". Zentral dies über Selbstmordattentate: "Sie wissen genau, was sie dazu antreibt. Nicht die schlechte Lebensqualität, wie Honderich so philosophisch traktiert, kein marxistischer Determinismus, der Menschen zu Verzweiflungsaktionen antreibt (so die ersten Kapitel des Honderich-Traktats), sondern schlichter Judenhass." Hier liegt eben der Irrtum, den Sznaider und seine Freunde nicht verstehen möchten. Sie bauen sich das selbst so. Die FR trägt es weiter und schon kann Israel wieder machen, was es will. Als "Vergeltung" etc.. Am Schluss heißt es: "Aber dort, im Nahen Osten, leben richtige Menschen. Menschen, die von einer der stärksten Militärmächte sehr schlecht behandelt und unterdrückt werden, und Menschen, die sich nicht mehr auf die Straße trauen und deren Kinder in den Schulen lernen, sich gegen die drohenden Terroranschläge zu schützen. Und Menschen auf beiden Seiten, die alles menschenmögliche tun, um eine friedliche Lösung zu finden. Das Letzte, was diese Menschen brauchen, sind solche philosophischen Traktate." Anis: Wer tut denn alles menschenmögliche? Sznaider jedenfalls tut eines sehr deutlich: den Status Quo unverändert halten. Der wirkliche Tadel geht aber an die FR, dafür, dass sie diesen journalistisch und inhaltlich miserablen Text überhaupt gedruckt hat. Natan Sznaider lehrt Soziologie am Academic College of Tel-Aviv-Yafo, Israel. Er hat bei Suhrkamp "Die Erinnerung im Globalen Zeitalter: Der Holocaust" veröffentlicht.

FR 07.08.03, "Hinter dem Wall" Kommentar von Matthias Arning
Darin: "Vor der Demokratisierung der politischen Verhältnisse steht ihre Befriedung. (...) Im Nahen Osten läuft diese Geschichte momentan andersrum: Israel schottet sich mit einem Wall gegen die Palästinensergebiete ab." Anis: Ja ja, die mauern sich jetzt ein, die Israelis, hört man jetzt öfter.

FR 07.08.03, "Nach dem Abseits. Jamal Karsli, der sich selbst als Opfer politischer Korrektheiten versteht, sucht den Weg aus der Versenkung" von Kristian Frigelj (Düsseldorf)
Darin: "Karsli, der Syrer mit deutschem Pass, und Möllemann, der Deutsche mit arabischer Gesinnung. Das waren Brüder im Geiste, eine Verbindung, explosiv. Sie lösten im Bundestagswahlkampf 2002 mit israel- und judenfeindlichen Äußerungen eine Antisemitismus-Debatte aus." Anis: Die Presse zementiert diese kreative Geschichtsschreibung. Außerdem ist Karsli ein Einwanderer und kein Syrer mit Pass, und Möllemann hatte keine "arabische Gesinnung", so etwas gibt es nicht. Auch wird hier beispielhaft deutlich, wie aus Israelkritik schnell "israel- und judenfeindlichen Äußerungen" werden. Und: "Auf die Frage, ob ihm nicht bewusst sei, dass seine Formulierungen denen von Antisemiten glichen und austauschbar seien, sagt er: 'Ich bin kein Antisemit.'" Das ist der so genannte "Krypto-Antisemitismus" bzw. "beiläufiger Antisemitismus". Die Kritiker von Karsli bewegen sich auf diesem Niveau. Dieser Artikel von Kristian Frigelj dient dazu, solche Israelkritik zu unterbinden, die Israelis oder Juden nicht genehm ist. Außerdem zeigen solche Autoren gern, dass sie selbst ganz brav sind: "Zu einer Debatte über Jüdisches Leben im Düsseldorfer Landtag vor einem Monat entfährt es Karsli im Gespräch: 'Wie sie alle wieder den Boden geleckt haben.'" Durch solche Kolportationen werden mittelbar auch autoritäre Strukturen gestärkt, indem der Autor, hier Frigelj, inhaltliche Kritik verzerrt und suggestiv darstellt, um den Kritiker zu denunzieren und damit die Kritik auszuhebeln. Das ist eigentlich nicht die Aufgabe der Presse.

taz 07.08.03, S. 16, "Israelisches Tagebuch (II): Zeichnungen von Anna Faroqhi"
http://www.taz.de/pt/2003/08/07/a0118.nf/text Darin: "Anna Faroqhi ist mit einem Skizzenblock unterwegs in Israel. Dabei sind Zeichnungen entstanden, mit denen sie im Tagebuchstil ihre Eindrücke festhält und die wir in loser Folge abdrucken (s. taz, 5. 8.). Über 'Flaggen im Alltag' schreibt sie: 'Mit Aufkommen der 2. Intifada im Jahr 2000 sind viele Israelis nationalistisch geworden. Sie zeigen das mit Fahnen, die sie an ihren Autos, Häusern und Ladenfenstern anbringen. Die Fahnen gehören zum Alltagsbild in den Straßen des Landes, wie die Denkmale der Opfer von Terroranschlägen und die Bunker, in denen die Bevölkerung in Kriegszeiten Schutz suchen kann.'" Anis: Ja, sie zeigen das nicht nur mit Fahnen, die sie an ihren Autos, Häusern und Ladenfenstern anbringen, sondern auch mit Panzern und Exekutionskommandos. Hier wird Nationalismus propagiert und direkt in den Kontext von "Opfern von Terroranschlägen" und "Bunkern" gebracht. Botschaft: Wir überwinden unser Leid durch Nationalismus. Dass die taz das so unterstützt, wundert mich sehr, denn genau diese Philosophie hat Deutschland in den Abgrund gestürzt. Aber das ist etwas ganz anderes, denn in Israel ist es halt, weil die Palästinenser die 2. Intifada gemacht haben. Die Palästinenser haben also Schuld. Warum macht die taz das?

The Journal of Palestine Studies (JPS), News, August 7, 2003, "Summer Issue"
www.palestine-studies.org Text: The Journal of Palestine Studies (JPS), a quarterly on Palestinian affairs and the Arab-Israeli conflict is available to review at (www.palestine-studies.org). Each on-line issue of the JPS includes one featured article in its entirety, abstracts, three full book reviews, and samples of the Chronology and Bibliography of Periodical Literature. The summer issue features: Charmaine Seitz: ISM at the Crossroads: The Evolution of the International Solidarity Movement (...), Raef Zreik: The Palestinian Question: Themes of Justice and Power Part I: The Palestinians of the Occupied Territories, (...) Adam Hanieh: From State-Led Growth to Globalization: The Evolution of Israeli Capitalism, Kamal Boullata: Artists Re-member Palestine in Beirut, Leon T. Hadar: The New American Imperialism vs. the Old Europe, In Perspective: The Death of American Peace Activist Rachel Corrie, Special Documents: The Road Map. Recent Books Reviewed. Purchase single articles or subscribe to the JPS on-line through our publisher, the University of California Press (www.ucpress.edu/journals/jps)."


FR 06.08.03, "Im Zeichen Gottes. Wie wird man Ayatolla? Durch ein fast klösterliches Gelehrtenleben - um dann allerdings, wenn nötig, zum Triumphator zu werden" von Michael Lüders
Darin: "Nicht 'die Schiiten' also sind potenziell gewaltbereit, es sind Leute wie Muqtada as-Sadr, die auf Konfrontation setzen. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie sich die Besatzungspolitik weiter entwickelt. Bleiben die Lebensverhältnisse auf dem gegenwärtigen Subsistenzniveau und zeigt sich Washington den Schiiten gegenüber weiterhin reserviert, weil sie als fünfte Kolonne Teherans gelten, schaffen sich die Amerikaner ein ernsthaftes Problem. Die Schiiten wissen, dass die Zeit für sie arbeitet. Sie haben es gar nicht nötig, Anschläge zu verüben. // Paul Bremer, der amerikanische Zivilverwalter, reiste vorigen Monat nach Nadschaf, um für den Übergangsrat zu werben, in dem auch Schiiten vertreten sind. Kein religiöser Würdenträger war bereit, ihn zu empfangen." Anis: Gutes Beispiel für die saubere Analyse einer komplexen Materie.

FR 06.08.03, "Hemdsärmeliges Pamphlet. Erklärung einer Buchempfehlung" von Jürgen Habermas
Darin: "In diesem Zusammenhang widmet Honderich auch einige Überlegungen dem Konflikt in Israel, weil er den Umstand, dass dieser Konflikt seit mehreren Generationen ungelöst fortbesteht, 'ob nun zu Recht oder zu Unrecht' für eine der 'Hauptursachen' des internationalen Terrorismus hält. Unglücklicherweise gelangt er im Rahmen einer Moralphilosophie, die ich nicht teile, zu einer Konklusion, die ich für falsch halte: Honderich unterscheidet seine politische Bewertung des palästinensischen Terrors nicht von dessen moralischer Rechtfertigung." Anis: Das hat Herr Habermas gut ausgedrückt. Weiter schreibt er: "Allerdings gibt es auch verallgemeinernde Sätze, die mich bei der Lektüre aufstöhnen lassen: 'Als Hauptopfer von Rassismus in der Geschichte scheinen die Juden von ihren Peinigern gelernt zu haben'. Solche Sätze lassen sich, wenn man sie ohne hermeneutische Nachsicht aus dem Zusammenhang der Argumente löst, auch gegen die Intention eines Autors immer für antisemitische Zwecke verwenden." Anis: Das ist in der Tat ein unglücklicher Satz von Honderich genau aus diesem Grunde. Der wichtige Gedanke, dass Opfergruppen zu Tätergruppen werden können, und zwar aufgrund der vorangehenden Opferschaft, wird dadurch aus dem rechten Licht gerückt. Gegen Ende heißt es: "Wer die Politik einer abwählbaren Regierung für falsch - und im Falle ihrer Fortsetzung für verhängnisvoll - hält, wird schnell des Antiamerikanismus verdächtigt. Und dieser Verdacht führt über die Verbindung von Bush mit Scharon schnell zu einem weiteren Verdacht." Damit ist Antisemitismus gemeint. Alles auf der Verdacht-Ebene. Habermas beugt sich dem. "Hemdsärmeliges Pamphlet" ist eine scharfe Distanzierung. Fragt sich, ob die nötig ist.

INTERNATIONAL SOLIDARITY MOVEMENT, August 6, 2003, Press release, "INTERNATIONALS RELEASED; 21 ISRAELIS ARRESTED"
"[Occupied Palestine] At approximately 2:00 this morning, all but one of the internationals detained yesterday were released from the Ariel settlement police station, after being coerced into signing a document stating that they would not enter the West Bank and Gaza. They signed this agreement after being told that the fate of the Palestinian activist and organizer of the Mas'ha Peace Camp, Nazih Shalabi, arrested yesterday, depended on the acquiescence of the internationals. The four Israelis released earlier in the day also agreed to the same conditions for the same reasons. They were all told that Nazih would be released if they agreed to these conditions. As of this writing, Nazih has still not been released. // Also being detained in an Israeli prison near the city of Hadera, is Lorenza Erlicher, a 35- year-old Italian kindergarten teacher, who Israeli police claim was "attacking a police officer", when in reality she was trying to prevent harm to her body during her rough incarceration. Lorenza is scheduled to be on a flight back to Italy Thursday afternoon, agreeing to leave "voluntarily" to avoid deportation. // Today 21 Israeli peace activists were detained at the site of yesterday's incarcerations, while attempting to stop the work of the bulldozers continuing to destroy Palestinian land for the path of the wall in Mas'ha. One Palestinian AP photographer, Mohammed Darwish, was also snatched while trying to photograph the event. All of the Israeli activists are spending the night in jail, refusing to accept conditions and demanding the release of Nazih Shalabi. Mohammed was released at 10PM.

jW 06.08.03, Titel, "Mauergegner in Haft. Israelische Armee verhaftete Dutzende Friedensaktivisten. USA erwägen Kreditsperre" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/08-06/001.php
Darin: "Offiziell baut Israel die bis zu acht Meter hohe Mauer, um sich gegen palästinensische Selbstmordattentäter zu schützen. Die palästinensischen Gebiete werden hierfür in eine Art Hochsicherheitsgefängnis umgewandelt: Auf einer Länge von 350 Kilometern sind Grenzanlagen geplant, die Mauern, Zäune, Schützengräben und elektronische Überwachungsgeräte umfassen sollen. Tatsächlich handelt es sich bei der milliardenteuren Befestigungsanlage um eine neuerliche große israelische Landnahme. Grundsätzlich wird die Mauer auf palästinensischem Territorium errichtet. An mehreren Stellen reicht sie bis zu zwei Kilometer weit in palästinensisches Autonomiegebiet hinein."

SPIEGEL ONLINE 06.08.03, "Suhrkamp-Verlag. Keine Neuauflage für umstrittenes Honderich-Buch"
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-260227
Darin: "Der Philosoph Jürgen Habermas, der dem Suhrkamp-Verlag Honderichs Buch empfohlen hatte, wies den Vorwurf des Antisemitismus zurück. Er unterstrich aber mit Blick auf Ängste bei der jüdischen Bevölkerung vor einem Antiamerikanismus in Deutschland: 'Wenn ich bei meiner Empfehlung die gebotene Rücksichtnahme auf diese Gefühle versäumt haben sollte, tut es mir leid.'" Anis: Das bedeutet: Bereits (der Verdacht auf) Antiamerikanismus kann die Gefühlslage der jüdischen Bevölkerung dahingehend beeinflussen, dass eine Angst aufgrund des Verdachts auf beiläufigen bzw. larvierten oder Krypto-Antisemitismus nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Dennoch darf man natürlich Israel kritisieren, das ist klar.

SPIEGEL ONLINE 06.08.03, "Zweifelhafte Freilassung für Palästinenser. 'Die Liste ist ein Witz'" von Annette Großbongardt, Jerusalem
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-260188
"Die Israelis atmen derzeit tief durch und genießen die relative Ruhe. (...) Doch im Grunde glaubt die Regierung nicht, für einen Stopp der Gewalt bezahlen zu müssen. Erstmal, meint Scharon, sollen die Palästinenser die Terrororganisationen auflösen, bevor es mit dem internationalen Friedensplan, der Roadmap, wirklich weitergehen kann. // Doch um es mit den Extremisten aufzunehmen, ist Premier Abbas zu schwach." Anis: "Terrororganisationen" auflösen?? Abbas zu schwach? Warum folgt Spiegel Online dieser Logik? Anschließend heißt es: "Er setzt auf Konsens. Unterdessen baut Israel weiter den Sperrzaun zum Westjordanland, der sogar Washington erzürnt, und hält die Palästinenser mit dem weiteren Rückzug des Militärs hin. 'Es ist möglich zu sagen', räumte Scharon jetzt überraschend ein, 'dass wir den Palästinensern noch nichts gegeben haben'." Soll das jetzt scharonkritisch sein oder zynisch? Man weiß es nicht. Anschließend heißt es:" Dem Palästinenser-Premier, der dringend darauf angewiesen ist, der Bevölkerung Fortschritte vorweisen zu können, erschwert Israel den Job jedenfalls gefährlich. Derzeit verhandelt er mit den Terrorgruppen (...)" Letztlich liegt es also wieder an den Palästinensern. Terrorgruppen! Alles klar. Ansonsten ist der Artikel gut.

Der Standard, Überschrift, 06.08.03: "Terrorgruppen fordern: 'Israel soll Waffenruhe einhalten'"
Erhard Arendt: "Der Standard, ansonsten gut informiert über den Nahen Osten, schreibt in einer Überschrift am Mittwoch, 6. August 2003: "Terrorgruppen fordern: 'Israel soll Waffenruhe einhalten'. Wenn man diesen Begriff "Terrorgruppen" benutzen will, entspräche es dann auch dem Sprachgebrauch, so die Israelische Armee zu bezeichnen? So wird in einer scheinbar sachlichen Berichterstattung gleich Schuld und Nichtschuld verteilt, dies ist Meinungsmanipulaliton. Warum sagt man nicht z.B. " radikale Palästinensergruppen"?

www.Freace.de, 06.08.2003, "Der Geruch von Napalm" von James W. Crawley
Darin: "Die USA haben im Irakkrieg offenbar außer Atombomben jede verfügbare Waffe eingesetzt, ungeachtet, wie umstritten sie auch ist. Der großflächige Einsatz - auch in dichtbesiedelten Gebieten - von Munition, die mehr oder weniger abgereichertes Uran enthält ist allgemein bekannt. Insgesamt sind 1.000 bis 2.000 Tonnen Uran im Irak verschossen worden. Immer noch sterben Kinder oder werden verkrüppelt, weil Streubomben auch in Wohngebieten eingesetzt worden sind und einige der Bomben nicht wie vorgesehen explodiert sind, sondern erst, wenn sich die Kinder nähern. Hierbei kommt erschwerend hinzu, daß diese kleinen Bomben Kinder durch Form und Farbe neugierig machen und sogar den von den USA verteilten Hilfspaketen sehr ähnlich sehen, bis hin zur Farbgebung. In Afghanistan gab es das gleiche Problem, dort wurden die Hilfspakete daraufhin farblich anders verpackt. Im Irak hielt man dies offenbar nicht für notwendig. (...) Die San Diego Union-Tribune berichtete nun am Dienstag, daß auch Napalm gegen irakische Truppen zum Einsatz gekommen ist." Das englische original unter
http://www.signonsandiego.com/news/military/20030805-9999_1n5bomb.html


FR 05.08.03, "'Philosophischer Judenhass', Brief von M. Brumlik an den Suhrkamp-Verlag"
Claudia Karas: FR 05.08.2003 und die weitere Berichterstattung zum Fall "Honderich" / Brumlik-Attacke gegen Ted Honderich // dank der heuchlerischen stimmung in deutschland ist es möglich, dass ein buch, das erst durch micha brumlik mittels geistiger verrenkung ("philosophischer judenhass") als "antisemitisch" erkannt wird, eilfertig vom markt genommen wird. Zensur wird ausgeübt, ohne nennenswerten protest. Im gegenteil, die meisten medien schreien unisono mit und, wir kennen das von der Walser-, Möllemann- und Karsli-Debatte, es wird kübelweise Häme über den autor ausgegossen! // Dass eine "Antisemitismus-Debatte" gar nicht geführt wird, ja sogar peinlichst vermieden wird, will man nicht wahrhaben. Denn gäbe es eine wahrhaftige "Antisemitismus-Debatte", würde ganz schnell offenbar, dass dieser antisemitismus als bedrohung nur vorgeschoben ist, und dass es in wahrheit um das unausgesprochene verbot geht, die atommacht israel für ihre kolonialpolitik im besetzten palästina zu kritisieren, und mit Hilfe eben dieser angeblichen bedrohung den legitimen Widerstand der palästinenser gegen die völkerrechtswidrige Besatzung als terrorismus und antisemitismus zu brandmarken. nur so ist zu erklären, dass - gemäß dem orwellschen "zwiedenken" - der palästinensische legitime Widerstand durch tägliche gehirnwäsche als terrorismus dargestellt wird, jedoch z.b. die gezielten morde, bei denen unschuldige menschen getötet, häuser in schutt und asche gelegt, und ganze familien durch sippenhaft obdachlos gemacht werden, die öffentlichkeit in keiner weise berührt und folglich massive proteste gänzlich ausbleiben. // Dank dieser vorgeschobenen bedrohung, die es mit aller macht aufrechtzuerhalten gilt, genießt israel eine sonderstellung, muss keine un-resolutionen einhalten, kann verträge brechen, baut weiter siedlungen, baut weiter an der mauer auf palästinensischem gebiet und kann auch weiter russische juden auf palästinensischem boden ansiedeln - leider eine tatsache!

FR 05.08.03, "'Philosophischer Judenhass', Brief von M. Brumlik an den Suhrkamp-Verlag", Leserbrief von Giuseppe Zambon

International Solidarity Movement, August 5, 2003, "OVER 45 HUMAN RIGHTS ACTIVISTS DETAINED TODAY, 5/8/03 ** AT LEAST TWO ARRESTED DETAINEES ARE FROM PALESTINE, ISRAEL, U.S., U.K., ITALY, SWEDEN, FRANCE, DENMARK, JAPAN, IRELAND, GERMANY AND CANADA"
[Occupied West Bank] At approximately 7am this morning, Palestinian, Israeli, and international human rights activists were detained while attempting to block the demolition of part of a Palestinian family's home, near the village of Mas'ha. The building had been slated for demolition by the Israeli Military because it lay in the path of the Apartheid Wall that Israel is building on occupied Palestinian land. The peace activists were violently thrown on busses by Israeli soldiers and border police. Two internationals were beaten; one, a US citizen from Los Angeles, was repeatedly kicked in the stomach and may have sustained broken ribs. Immediately, a Caterpillar bulldozer moved in to demolish part of the family home (an animal shed attached to the home). Though it's difficult to communicate with the detainees and we are unsure of the final numbers, the detainees we know of are from the following countries: 11 US 1 Canada 1 Japan 6 UK 1 Ireland 4 Sweden 1 Denmark 8 Italian 2 France 5 Israel 3 Palestinians Detainees are being held at Ariel Prison in the illegal settlement of Ariel in the occupied West Bank. One Palestinian and one Italian have been put under formal arrest. The others, the Israeli Ministry of Interior is currently deciding what they want to do with. One option is for them to deport the internationals. To our knowledge, the Ministry of Interior has not yet issued a decision. Please flood the Ministry of Interior with phone calls from around the world, asking that ALL the detainees be released. Let them know that you are watching and protest the Israeli government's attempts to deport peace activists witnessing and trying to prevent abuses against Palestinian human rights.

International Women's Peace Solidarity IWPS - Info, 5. August 2003, "IDF nimmt 46 palästinensiche, israelische und internationale Menschenrechtsaktivisten aus dem Mas'ha Camp fest, die Munira's Haus vor einer Teilzerstörung verteidigen."
Es geht um Munira's Haus, um die Mauer und um einfachste Menschenrechte. Wie im IWPS-Bericht No 33 "Jenseits der Mauer" beschrieben, wird Munira's Haus im Dorf Mas'ha (das durch den Mauerbau über 98% an Land verliert) außerhalb der Mauer im "Niemandsland" bleiben. Das Militär hat beordert, dass die 8-köpfige Familie 3mal am Tag durch ein Tor ins Dorf dürfe. // Das Palästinensisch-Israelisch-Internationale Peacecamp Mas'ha, von dem schon öfters die Rede war, liegt in unmittelbarer Nähe. Am Samstag erhielt die Familie den Bescheid durch das "Bauunternehmen der Apartheidsmauer", dass ein Teil ihres Hauses, nämlich der Schaf- und Ziegenstall am Sonntag zerstört werden wird. Aus diesem Grund, wurde das Mas'ha Peacecamp zu Munira's Haus verlegt und zahlreiche Menschenrechtsaktivisten und Medien kamen, um das Militär und die Bauunternehmer gewaltfrei und durch passiven Widerstand an der Zerstörung des Hauses zu hindern. // Dienstag früh um 7 Uhr kam Militär und Polizei und warf die 46 Aktivisten aus Palästina, Israel und Internationale aus aller Welt (USA, UK, Japan, Irland, Schweden, Deutschland, Italien, Frankreich, Dänemark und Kanada) brutal und gewaltvoll in Busse und verfrachtete sie zur Polizeistation der illegalen israelischen Siedlung Ariel. Zwei Internationale wurden geschlagen und eine Amerikanerin erlitt angeblich Rippenbrüche, während sich alle Menschenrechtsaktivisten gewaltfrei verhielten. Vier Aktivisten wurden angeklagt. Darunter auch Nazeeh, der inzwischen berühmte Palästinenser, der seit dem 5. April 2003 das Mas'ha Camp koordiniert. Vier weitere wurden freigelassen, darunter Oren von Gush Shalom und Seif von ISM. Unter den Häftlingen befindet sich auch Maria (Deutschland) von IWPS. Seit die Polizeibeamten ihnen am späteren Abend die Telefone abnahmen, ist der Kontakt zu ihnen abgebrochen. // Bitte rufen Sie das israelisches Innenministerium auf, alle Häftlinge freizulassen und lassen Sie sie wissen, dass Sie mitverfolgen wie die israelische Regierung versucht, Friedensaktivisten zu deportieren, die Menschenrechtsverletzungen aufzeigen und gewaltfrei verhindern wollen. +972 2 670 1648 // Bitte fordern Sie die unmittelbare Freilassung aller Menschenrechtsaktivisten von der Polizeistation Ariel: Ariel Prison General Info: +972 3 906 5444

Spiegel Online 05.08.03, "Israel. 'Die Siedlungen müssen weg'. Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, 60, über israelische Besatzungswillkür, die palästinensische Gewaltkultur, den langen Weg zum Frieden in Nahost sowie seine Leidenschaft für Wagner-Aufführungen in Jerusalem, Bayreuth und Berlin." Interview Annette Großbongardt und Hans Hoyng
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/DID=28102418 Darin u.a. diese Barenboim-Zitate: "Fast 2000 Jahre lebte das jüdische Volk in der Diaspora, war immer eine Minderheit. Dann kam der Staat Israel, und wir haben den Übergang von einer Minderheit zur Mehrheit geschafft. Wir wurden eine Nation. Doch nur 19 Jahre später, nach dem Sechstagekrieg von 1967, haben wir die Kontrolle über eine andere Minderheit übernommen. Wir haben uns nie damit beschäftigt, wie wir aus dieser Verantwortung wieder herauskommen." - " Wir haben kein Recht, kein Volk hat das Recht, eine Besatzungsmacht zu sein - und das jüdische Volk als letztes. Wir waren immer stolz, das Volk des Buches zu sein, dessen einziges Kapital ein moralisches ist. Wir müssen die Besatzung beenden, die Siedlungen müssen weg." - "Ich halte diese 'Roadmap' für zukunftslos. Der Plan rührt nicht an den Kern des Problems." - "Wir müssen beweisen, dass wir mit unseren Nachbarn leben wollen. (...) Haben wir etwas getan, um zu zeigen, dass wir auch Interesse haben an der Kultur unserer Nachbarn? War Arabisch-Unterricht jemals ein Pflichtfach an israelischen Schulen? Nein." - "Das Hauptproblem für mich ist, dass die Israelis einen palästinensischen Staat, die palästinensische Unabhängigkeit und die Entwicklung des palästinensischen Volkes nur als etwas sehen, was sie ertragen müssen." - "Wir müssen keine Mauer bauen, sondern Brücken." - "Ich finde, unter dem Kapitel Sicherheit werden manchmal Dinge verkauft, die nicht dazugehören." - "Die Selbstmordattentate bringen nur eines: eine verzweifelte Unsicherheit in das Leben der Israelis. Wenn dies das Ziel war, dann haben sie es geschafft. Aber sonst nichts." - "Die Palästinenser werden den Frieden nicht schaffen ohne eine wirkliche Entwicklung ihrer Gesellschaft. Auch die Israelis brauchen eine solche Reform ihrer Gesellschaft." - "Meine Hoffnung ist, dass eine Generation kommt, die differenzieren kann und sagen kann, dass der Hass der Araber den Juden gegenüber andere Gründe hat als damals der Hass der Deutschen uns gegenüber." Anis: Noch nie habe ich Barenboim so klare und so gute Sachen sagen hören. Ich fand ihn immer gut, aber das war super. Viele Grüße, Daniel Barenboim!

taz 05.08.03, S. 12, "Israelisches Tagebuch (I): Zeichnungen von Anna Faroqhi"
http://www.taz.de/pt/2003/08/05/a0107.nf/text Darin: "Anna Faroqhi ist mit einem Skizzenblock unterwegs in Israel. Dabei sind Zeichnungen entstanden, mit denen sie im Tagebuchstil ihre Eindrücke festhält und die wir in loser Folge abdrucken. So schreibt Faroqhi etwa über 'Waffen im Alltag': 'In Israel herrscht - in Zeiten von Friedensverhandlungen und Waffenstillstand - eine Art von Normalität. Die Menschen gehen auf die Straße, baden am Strand, bringen ihre Kinder in den Kindergarten. Die Anspannung des Konfliktes ist jedoch in den Alltagshandlungen stets anwesend.'" Anis: Was hat das mit Waffen zu tun? Und was soll der Text aussagen? Es herrscht eine Art Normalität und die Menschen gehen auf die Straße. Was soll das aussagen?

www.Freace.de, 05.08.2003, "Israel lehnt Verlängerung des Waffenstillstands ab" (Reuters)
Darin: "Wie Reuters berichtete, hat der israelische Außenminister Silvan Shalom ein Angebot seines palästinensischen Kollegen abgelehnt, den von palästinensischer Seite verkündeten Waffenstillstand zu verlängern. (...) Für die Ablehnung einer Verlängerung des Waffenstillstands scheint es nur zwei mögliche Gründe zu geben. Entweder ist Israel nicht an einer friedlichen Lösung interessiert oder das Land ist nicht bereit, den Forderungen des 'Fahrplans' nachzukommen." Anis: Wo ist der Unterschied?


Defence for Children International (DCI)-Palestine, August 04, 2003, Press Release, "DCI 2002 Annual Report"
The DCI team writes: Dear All, a quick note to invite you to download our latest publications - the DCI 2002 Annual Report and our latest report on Palestinian children's rights - Children of the Second Intifada: an analysis of human rights violations against Palestinian children. Thank you for your ongoing support. - Defence for Children International/Palestine Section is an independent, Palestinian non-governmental organization, established in 1992 to promote and protect the rights of Palestinian children as articulated in the UN Convention on the Rights of the Child as well as in other international instruments. For more details see
www.dci-pal.org

FAZ 04.08.03, S. 3, "Der Checkpoint wird zum Todesposten" von Hans-Christian Rößler
Günter Schenk an die FAZ: Mit diesem beeindruckenden Bericht, jenseits allen Propagandagetöses hat Ihr Autor Hans-Christian Rößler auch den Letzten aufgerüttelt, der meint, was östlich des Mittelmeeres an Grausamkeiten und Entmündigungen an einer ganzen Bevölkerung, der palästinensischen, stattfindet, gehe uns in Deutschland nichts an. Wer immer noch den manchmal beschwichtigenden, manchmal (angeblich) besorgten Stimmen aus dem Lager der israelischen Regierung Glauben schenkt, wird von Ihrem Autor eines Besseren belehrt. Die Roadmap (Straßenkarte) zum Frieden ? Diese wird hier von Israel gewiss nicht gezeichnet. // Was aber Ihr Autor Rößler nicht benennt: Jeder Checkpoint, wie der bei Deir al Haaab kann im doppelten Sinne zu einem Todesposten werden: neuer Widerstand, neue Suizid-Attentäter, neues Morden wird hier geboren, geboren aus unverantwortlichem, kolonialistischen Geist, geboren auch aus grenzenloser Verzweiflung auf Seiten der immer noch so unbegreiflich leidensfähigen Bevölkerung Palästinas. // Wen wundert es da, wenn immer neuer unendlicher, unberechenbarer Hass, aus Verzweiflung, aber auch aus täglicher Erfahrung genährt, auch die israelische Gesellschaft selbst in Gefahr bringt ? Wer kann sich im Rechtsstaat Deutschland vorstellen, dass einem ganzen in Hunderten von Jahren gewachsenen Dorf das lebensnotwendige Trinkwasser geraubt wird ? Geraubt von Kolonisatoren, die ihr Recht, dort zu siedeln, aus einem archaischen, durch keine historischen Belege entlehntem Recht auf Besiedelung geraubten Landes ableiten (Joshua 5,17 der hebräischen Bibel: ...kein Mensch und kein Tier darf am Leben bleiben) Wann wird dieser Staat Israel Europa und seiner Werteordnung wieder näher kommen ? Wann wird dies ein Staat sein, der in Respekt seiner Bewohner und seiner Nachbarn unser aller Respekt verdient ? // Ihr Autor Rößler hat sich mit seiner Reportage, getragen von tiefem menschlichen Mitempfinden für die Opfer eingereiht in die Reihe der Gerechten dieses Landes. Dieses Dokument für Gerechigkeit, gehört in jedes Schulbuch für politische Bildung. Ihm, Herrn Rößler und der FAZ, gilt mein Dank für diesen Artikel.

taz 04.08.03, S.8, "'Ich war nie ein Muslimbruder'. Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, wehrt sich gegen Islamismus-Verdacht. Laut NRW-Verfassungsschutz soll er ein Repräsentant der islamistischen Muslimbruderschaft sein. Jetzt kämpft Elyas um sein Ansehen als Dialogpartner" von YASSIN MUSHARBASH
http://www.taz.de/pt/2003/08/04/a0066.nf/text
Darin: "Elyas war auch die treibende Kraft hinter der 'Islamischen Charta', in der der ZMD seine Ideen vom Zusammenleben mit der Mehrheitsgesellschaft formulierte und die als Diskussionsgrundlage allgemeine Zustimmung fand. Bekenntnisse zum Grundgesetz und Absagen an Gottesstaat, Terrorismus und die Scharia in Deutschland hat Nadeem Elyas so oft vorgelegt, dass er sie kaum noch zählen kann." Und: "Sicher ist: Der ZMD-Chef steht für einen konservativ-orthodoxen Islam, der liberalen Auslegungen gegenüber wenig aufgeschlossen ist. (...) Wie hält er es etwa mit dem Kopftuch? 'Eine Vorschrift. Es gab in der islamischen Geschichte nie eine andere maßgebliche Ansicht', findet Elyas, im Gegensatz zu anderen europäischen Muslimen. Auch eine klare Distanzierung vom intoleranten wahhabitischen Islam Saudi-Arabiens, wie sie progressive europäische Muslime fordern, ist Nadeem Elyas nicht zu entlocken - selbst wenn dies sein Plädoyer für die deutsche Verfassung zwangsläufig verwässert. Dieser Widerspruch bleibt, auch wenn Nadeem Elyas kein Muslimbruder ist." Anis: Der Widerspruch bleibt in der Tat. Auch ich war erschrocken über die ARD-Sendung "Report aus Mainz", die den Anlass für diesen Artikel darstellt. Es ist bedauerlich, dass man über religiöse Themen in unserer Öffentlichkeit und auch der muslimischen Öffentlichkeit nicht normal reden kann. Dabei wäre es an der Zeit, über ein paar Dogmen zu sprechen.

taz 04.08.03, S.14, "Islam in Kathedralen" von EBERHARD SEIDEL
http://www.taz.de/pt/2003/08/04/a0173.nf/text
Darin: "Drei Jahre lang hat Claudio Lange mit Unterstützung der Reemtsma-Stiftung für Kultur und Wissenschaft zwischen 1989 und 1992 romanische Kirchen im Mittelmeerraum besucht und rund 2.000 Zeugnisse fotografiert. Er fand ganze Figurenensembles, in denen Muslime in erniedrigender Weise dargestellt werden. Rund 40 dieser Dokumente sind nun in Berlin im Museum für Islamische Kunst ausgestellt. 'Islam in Kathedralen - Bilder des Antichristen in der romanischen Skulptur', so der Titel der Ausstellung, ist der Nachweis, dass nicht nur der Antijudaismus, sondern auch der Antiislamismus eine jahrhundertalte Tradition in der christlichen Kirche hat. (...) Dieser Kirchenschmuck ist nach Langes Theorie für Westeuropa eine Medienrevolution gewesen, deren Bedeutung für die moderne und zeitgenössische Identität Europas bis heute unterschätzt werde. Er stellte den Islam als perverse und besiegbare Form eines religiösen Irrtums dar und sollte die Bevölkerung auf den Kreuzzug gegen den Islam einstimmen." Anis: Sehr aufschlussreich. Lange sagt also, dass diese alte Medienpropaganda bis heute Wirkung hat. Zum Teil konnte das in dieser Medienschau auch schon belegt werden. - Zusatzinfo: Museum für Islamische Kunst, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin. Die Ausstellung läuft noch bis 31. Dezember. www.islam-in-kathedralen.de.vu


Association for One Democratic State in Palestine/Israel, Sun, 3 Aug 2003, News Release
http://one-democratic-state.org/
Sami Aldeeb writes: I have the pleasure to inform you that our website is now available online. You find it on: http://one-democratic-state.org/. Please inform your friends about it. (...) Created on April 15, 2003, our Association has now 169 members: Jews, Christians, Muslims and Others, living inside and outside Palestine/Israel. Those who are not members among you, can find the invitation to join us in: http://one-democratic-state.org/. Please send this invitation to all your friends.


Independent / ZNet 02.08.2003, "Israels neues Heiratsrecht" von Justin Huggler (Üb. Andrea Noll)
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=22&ItemID=3989 (Englisch) Darin: "Das israelische Parlament hat einem Gesetz zugestimmt, das es Palästinensern, die Israelis heiraten, künftig verbietet, in Israel zu leben. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen das Gesetz als rassistisch, diskriminierend und undemokratisch. Gestern wurde das neue Gesetz durchgepeitscht. Es betrifft ausschließlich Palästinenser." Offizielle Begründung: "Kabinettsminister Gideon Ezra: 'Bei diesem Gesetz geht es um das Thema Sicherheit. Seit September 2000 können wir bei den Terroranschlägen eine deutliche Verbindung zwischen Arabern aus Westbank und Gaza und den israelischen Arabern erkennen'." Andere Begründung: "Viele im Lager der israelischen Rechten hegen die Befürchtung, auf Dauer könnte es nicht gelingen, die Identität Israels 'als offizieller Staat der Juden zu bewahren - falls die Gruppe der Araber zu stark zunähme.'" Anis: Die Frage, ob Israel in dieser Definition des Staates einer bestimmten ethnischen bzw. religiösen bzw. historischen Gruppe ohne Rassismus überhaupt funktionieren kann, lässt sich nicht von der Hand weisen.

jW 02.08.03, "Rassismus per Gesetz. Israel: Diskriminierung palästinensisch-israelischer Ehen. Weiterbau von Mauer und Siedlungen" von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/08-02/006.php Darin: "Entgegen aller Friedensrhetorik setzt Israel zudem und allen internationalen Vereinbarungen zum Trotz die Errichtung illegaler Siedlungen fort."

taz 02.08.03, S.11, "ISRAELS NEUES EHEGESETZ VERTREIBT GANZE BEVÖLKERUNGSGRUPPEN. Praktizierter Rassismus" Kommentar von Susanne Knaul
http://www.taz.de/pt/2003/08/02/a0114.nf/text.ges,1 Darin: "Der bereits praktizierte Rassismus im Land bekommt nun zusätzliche Brisanz. Das so genannte Rückkehrrecht garantiert seit Staatsgründung den Juden aus aller Welt bei Ankunft automatisch die Staatsbürgerschaft. Gleichzeitig ist für Nichtjuden ohne Familienbande eine Einbürgerung praktisch unmöglich. Das bislang geltende Gesetz ist ungerecht, aber - im Gegensatz zu der neuen Regelung - zumindest diskutierbar. Israel ist kein Staat wie jeder andere, sondern ein Staat, dessen Existenzrecht darauf basiert, wenn nötig als Asyl zu dienen, für all jene, die verfolgt werden, weil sie Juden sind. Solange Antisemitismus existiert, muss auch Israel als Judenstaat existieren." Anis: Ungerecht, aber... Ein bemerkenswerter Kommentar von Susanne Knaul. Völlig berechtigt sagt Ernst Herbst, der mich auf diesen Text aufmerksam machte, dass ergo das Existenzrecht Israels auf Antisemitismus gegründet ist. Ohne Antisem. kein Israel, das sagt Frau Knaul hier. In einer Welt ohne Judenhass kann sich das derzeitige Israel nicht mehr hinreichend legitimieren. Der Feind steckt bereits in der Definition. Was, wenn der Feind nicht Feind sein will und sagt: Lass uns eine Einigung finden? Hat Susi Knaul hier nicht selbst geschrieben, dass Israel zu einer Einigung nicht kommen kann, weil es das Existenzrecht Israels in Frage stellen würde? Ja hat sie. Und wird die taz irgendwann mal stutzig werden?

ZNet 02.08.03, "4200 Palästinenser im Hungerstreik" von Kristen Ess u. Nada Kahir
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=22&ItemID=3984 (Englisch)
Darin: "Täglich werden neue Gefangene gemacht - durch Mitternachts-Razzien u. Round-ups. Mindestens 6 000 der palästinensischen politischen Gefangenen werden ohne Anklage festgehalten, andere erhielten zwar ein Verfahren aber eins, bei dem Beweismaterial geheimgehalten bzw. der Schuldspruch angeordnet wurde. 200 der Gefangenen sind Kinder."


Arte, Film "Jenin Jenin" Brief von Claudia Karas am 01.08.03
Sehr geehrter Herr S., ich komme auf Ihre ankündigung vom 2. April zurück, derzufolge "ARTE .. erklärt hat, den Film "Dschenin, Dschenin" zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen eines Themenabends auszustrahlen". // Daran habe ich mich erinnert, nachdem ich am vergangenen mittwoch den film "Dschenin, Dschenin", im Architekturmuseum http://www.deutsches-filmmuseum.de/pre/print.php?main=palaestina in Frankfurt gesehen habe. // in der sich anschließenden diskussion nach der filmvorführung waren ALLE zuschauer tief bewegt und erschüttert von der dokumentation der trauer, hoffnungslosigkeit und verzweiflung, welches die bruale israelische gewalt gegen frauen, männer und kinder hinterlassen hat - und immer noch hinterlässt ! // es gab keine EINZIGE STIMME, die die israelische gewalt rechtfertigt hätte! keine einzige! // der grund für die israelische zensur, den film zu verbieten, und für pro-israelische kreise, die ausstrahlung des films in ARTE zu verhindern, ist die bemerkung eines bewohners von jenin: "israel ist der verlierer!" // und dies dokumentiert dieser außerordentliche film von muhammad bakri eindrucksvoll! // Seien Sie mutig und strahlen Sie den Film so bald wie möglich aus, bevor die ethnische säuberung die welt vor vollendete tatsachen stellt! // Seien Sie parteiisch gegen Besatzergewalt! mit freundlichen Grüßen, Claudia Karas - (wurde beantwortet )

Deutschlandfunk 01.08.03, zum Thema Heiratsverbot in Israel
Offener Brief an die Redaktion von Günter Schenk: Sehr geehrte Damen und Herren, die Berichte über be- und verhinderte Eheschließungen von Palästinensern, israelischen Staatsbürgern, mit Palästinensern aus den besetzten Gebieten (Westjordanland und Gaza-Streifen) gehen seit gestern durch alle europäischen Medien. Auch der Deutschlandfunk berichtete heute in seinen Nachrichtensendungen über diese neuerlichen menschenrechtswidrigen und rassistischen Maßnahmen seitens des Staates Israel. // Darf ich Sie auf einen Tatbestand aufmerksam machen, der schon bisher den Aufschrei aller Menschenrechtsgruppen und auch der Europäischen Institutionen, bewirkt haben sollte. Ein Beispiel: // Die evangelische Theologin, Pädagogin und Buchautorin Viola Raheb, bis zum Jahre 2002 Schulrätin in Palästina, kann, nach Ihrer Heirat mit dem Künstler Marwan Abado, palästinensischer Flüchtling aus dem Libanon, nicht gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihrer Heimatstadt Bethlehem leben. Dies ist beiden, seitens der Regierung Israels, der selbsternannten "einzigen Demokratie im Nahen und Mittleren Osten" verwehrt. Das Ehepaar lebt seitdem fern der Heimat, fern ihrer Angehörigen: in Wien. // Da Ihr Nachbarsender, der WDR, mit ihrem "Palästinensischen Tagebuch" des "Funkhaus Europa" auf WDR 5 eine Sendung mit Frau Raheb hat, sollte es für Sie ein Leichtes sein, in einer Ihrer Mittagssendungen ein Interview mit Frau Raheb zu führen. Ihr Kollege Manfred Erdenberger, vom Funkhaus Köln des WDR wird Ihnen sicher gern den Kontakt zu dieser bemerkenswerten Dame ermöglichen. Diese evangelische Theologin würde Ihren Hörern ein lebendiges Bild ihrer, von den israelischen Besatzern verursachte Situation und der ihres Volkes geben. Mit freundlichem Gruß

FR 01.08.03, "KIRCHE. Protestanten lehnen Ökumene der Religionen ab" von dpa/epd
Darin: "Die Idee einer Ökumene der Religionen ist nach Auffassung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein 'Irrweg'. In den am Donnerstag in Hannover veröffentlichten neuen Leitlinien 'Christlicher Glaube und nichtchristliche Religionen' warnt die EKD vor einer Vermischung der Religionen. (...) In den Leitlinien heißt es weiter: 'Durch den Glauben an Jesus Christus unterscheidet sich das Christentum von allen anderen Religionen.' Als Folge könne ein Vergleich einzelner Gemeinsamkeiten zwischen dem Christentum und anderen Religionen kaum Basis für eine Verständigung zwischen den Religionen sein." Anis: Das ist sachlich falsch. Auch die Muslime glauben an Jesus Christus, wenn auch als Propheten und nicht als Gottes Sohn. Wenn der EKD die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen nicht wichtig ist, isoliert sie sich selbst. Misstrauen, Verdacht und mangelnde Selbstkritik werden auch in folgendem Zitat deutlich: "Die EKD setze sich für den Dialog zwischen den Religionen ein. Christen sollten sich mit Angehörigen anderer Religionen darüber verständigen, 'ob ihre Religion nicht auch Impulse enthält, die mit der Intention des christlichen Schöpfungsglaubens zusammenfallen und darum gemeinsam zur Geltung gebracht werden können'. Dabei sei zu fragen, ob Angehörige anderer Religionen 'die Menschenwürde und die Menschenrechte zu bejahen oder zumindest anzuerkennen vermögen'." Anis: Das heißt nichts anderes, als dass die Probleme in der Welt eher von den anderen verursacht werden. Ich halte das für eine Fehleinschätzung.

Freitag 01.08.03, "Allgemeines Schulterklopfen. Abbas und Sharon bei Bush" KOMMENTAR von Ludwig Watzal
http://www.freitag.de/2003/32/03320202.php Darin: "Wenn die Palästinenser dennoch die Illusion hegen sollten, Bush könne zu einem 'ehrlichen Makler' werden, sollten sie einige Fakten zur Kenntnis nehmen. Am 14. Juli ratifizierte die Knesset einen Gesetzentwurf, in dem die Westbank und der Gaza-Streifen als 'nicht besetzte Gebiete' bezeichnet wurden. Von amerikanischen Protest dagegen keine Spur. Und hatte nicht schon Verteidigungsminister Rumsfeld im September 2002 von sogenannten besetzten Gebieten gesprochen? Die Bush-Regierung besteht aus erzkonservativen Hardlinern, die alle samt für die politische Linie des regierenden Likud eintreten. Ebenfalls unterstützt eine Koalition aus christlichen Fundamentalisten vorbehaltlos die Politik von Sharon; sie sind die Wähler von Bush." Anis: Die USA werden den Konflikt in der Tat nicht lösen können, sie können ihn nur hin und her schieben, weil sie selbst mit drinnen hängen. Sie können ihn nicht lösen, weil sie den Konflikt nicht begreifen können. Sonst hätten sie gar nicht erst mit ihrem "Krieg gegen den Terror" angefangen.

Link zu Elisabeth Schneider, zur Irak-Seite in Freitag Nr. 32, 01.08.03

Pax Christi International, keynote address of HB Michel Sabbah, Latin Patriarch of Jerusalem and President of Pax Christi International, delivered at the National Assembly of Pax Christi USA in New York on 1 August 2003. See text in ref.: PS.11.E.03. Quote: "Why are the Israelis and the Palestinians in conflict? (...) The real and simple answer is: this conflict consists in the Israeli military occupation of Palestinian land since 1967 and the Palestinian claim for an end to this occupation. (...) Under the guise of dismantling the infrastructure of Palestinian terrorism, Israeli forces have systematically destroyed almost every political and civil Palestinian institution over the last twelve months." And: "Pax Christi International is very concerned about the expanding obstruction that humanitarian and human rights workers, journalists and peace activists have had to endure in this context. Pax Christi International emphasized in its recent recommendations to the UN Commission on Human Rights the necessity of establishing an independent international human rights monitoring body for the Occupied Arab Territories, having a strong and transparent mandate and being directed to make all reports available to the public. (...) The missing ingredient now is strong pressure from the US that would give the final proof for the American commitment to a just peace."

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