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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
07/2003 (5)
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Al-Ahram Weekly Online : 31 July - 6 August 2003, "More than a 'problem'". The apartheid wall is contributing to the slow death of the roadmap, reports Khaled Amayreh from Hebron


FR 31.07.2003 , "US-Opposition macht der Todesbörse den Garaus. Pentagon wollte Händler auf Terroranschläge im Mittleren Osten wetten lassen / Internetprojekt nach Protest gestoppt" von Matthias Krause (New York)
Darin: "An der geplanten Internetbörse namens Policy Analysis Market (PAM) sollten Händler auf Ereignisse im Mittleren Osten setzen können. Wer richtig liegt, kassiert das Geld, wer falsch liegt, verliert es. Das Darpa-Team rund um den Ex-Admiral John Poindexter hielt auf der mittlerweile abgeschalteten Internetseite für die PAM anschauliche Beispiele bereit. Demnach hätten die Händler Anleihen für potenzielle Ereignisse wie den Sturz des jordanischen Königs, die Ermordung von Palästinenser-Präsident Yassir Arafat oder einen Raketenschlag Nordkoreas kaufen können. Am Freitag sollte die Registrierung beginnen, am 1. Oktober der Handel. Bis 2004 hatten die Macher mit bis zu 10 000 Marktteilnehmern gerechnet, das Pentagon wollte für das Projekt insgesamt acht Millionen Dollar bereitstellen." Anis: Das ist eine Art von Schwarzer Magie. Das Unglück wird beschworen und Gründe für seine Akzeptanz werden gefunden. Meist Angst, hier Geld. Dadurch bekommt das Unglück eine Struktur und eine größere Wahrscheinlichkeit. Wetten, es gibt Krieg? In der Tat lässt sich selten eine solche kulturelle Degenerierung wie die Idee einer Todesbörse in der Welt beobachten.

FR 31.07.2003 , "Mit Sack und Pack hinterm Zaun. Die Bauern aus Dschajus wollen ihr Land in der von Israel abgesperrten 'Sicherheitsenklave' nicht verlassen" von Inge Günther (Dschajus)
Darin: "Die 3200 Einwohner von Dschajus, die zum größten Teil Obst- und Olivenbauern sind, hat es besonders hart erwischt. Rund drei Viertel ihrer traditionellen Agrarfläche - genauer 850 von 1250 Hektar - liegen jetzt jenseits der Grenzbastion, die laut den Worten von Premier Ariel Scharon die 'Infiltration palästinensischer Terroristen nach Israel' verhindern soll. Dabei windet sich die martialische Anlage mit breiten Pufferstreifen und Wachgängen, teils als Zaun, teils als Mauer errichtet, als kurvenreiche Serpentine durchs Westjordanland. Teils stößt sie gar sechs bis zehn Kilometer tief von der 'Grünen Linie', der Waffenstillstandsgrenze von 1967, in palästinensisches Gebiet vor. Am Kalkül der Planer in Israels Verteidigungsministerium gibt es denn auch wenig zu deuteln. Der Grenzverlauf soll möglichst viele jüdische Siedlungen ans israelische Kernland anschließen." Anis: Guter Artikel

WELT 31.07.2003, Leitartikel von Dietrich Alexander
www.welt.de/data/2003/07/31/143176.html

junge Welt 31.07.2003 , Thema, "Erstes Gebot: Du sollst töten! Minen auf der 'Friedensstraße'. Ethnische Säuberung mit Gottes Segen" von Knut Mellenthin
Darin: "Die Position, daß die Heimat der Palästinenser in Jordanien sei und es über Jordanien hinaus keinen palästinensischen Staat geben dürfe, hat Scharon noch vor wenigen Jahren selbst massiv vertreten. Möglicherweise spekuliert er darauf, daß sein 'Angebot' - ein aus vielen Einzelstücken bestehendes Gebilde auf nur 45 Prozent der besetzten Gebiete, mit aggressiven jüdischen Siedlungen drinnen und einer Mauer drum herum - ohnehin eine Revolte der Palästinenser und ein Scheitern der Verhandlungen provozieren wird. Vielleicht stimmt er insgeheim mit Elon überein, der der Jerusalem Post sagte: 'Mein Plan wird erst lebensfähig sein, nachdem die Roadmap explodiert ist.' // Die neokonservative Publizistin Barbara Lerner vermutet, daß in Wirklichkeit auch Präsident Bush die Sache so sieht. (National Review, 25. Juli 2003) Bush gebe den Palästinensern mit der Roadmap eine 'letzte Chance', so wie er auch Saddam Hussein mit der Rückkehr der UNO-Inspektoren in den Irak eine 'letzte Chance' gegeben habe. Noch seien allzu viele Amerikaner der Meinung, daß die meisten Palästinenser 'normale Menschen wie wir selbst' sind, die mit ihren Familien in Frieden leben wollen. Diesen Irrglauben gelte es in der Praxis zu widerlegen. Terrorismus sei der Kern der palästinensischen Identität, ein Palästinenserstaat so absurd wie ein Al-Qaida-Staat. // Irgendwann in den nächsten Monaten, wenn die Gewalt in den besetzten Gebieten wieder zugenommen hat, werde Bush den Palästinensern vermutlich sagen: 'Okay, das war's. Ihre hattet eure Chance und habt sie abgelehnt. Jetzt müßt ihr zurück nach Jordanien gehen.' // Dieser Zeitpunkt könnte, meint Barbara Lerner, schon im Herbst kommen. Bush müsse sich diesmal mehr beeilen als mit dem Irak-Krieg, weil '50 Millionen Evangelikale, rund ein Viertel der Wählerschaft, die Palästinenser bereits so sehen, wie sie sind, und jetzt ungeduldig werden.'" Anis: Ausgezeichnete Analyse. Die junge Welt und der Freitag sind derzeit die beiden Zeitungen, die schreiben bzw. drucken, was los ist.

Gush Shalom 31.07.03, Press Release, "BREAKING THROUGH THE WALL"
Text: "Palestinian, Israeli, International Groups to Rally in Qalqiliya, Demand End to Separation Wall, Expose Realities in West Bank City. When: 10:00 AM, THURSDAY JULY 31, 2003. Where: Qalqiliya, West Bank. What: Giant Balloon Banner Launch, March, Rally, Paint on Wall, Performances. Who: Palestinians, Israelis, International Activists. Participating Organizations from Qalqiliya: Palestine Red Crescent Society, Al-Amal Deaf Association, Palestine, General Federation of Trade Unions, Palestinian Prisoners' Club, Farmer's Union, State Information Services, Al-Quds Open University, National Institutions Office. Participating Organizations from Israel: Gush Shalom, Kvisa Shchora (Black Laundry) International Solidarity Movement. // Palestinian residents and community organizations from Qalqiliya, Israeli Peace groups, and Human Rights activists with the International Solidarity Movement will come together to demonstrate against the Separation Wall, which is now surrounding Qalqiliya and which Israel is using to annex 10% of the Occupied West Bank, attack the Palestinian economy and civil life, and force Palestinians to abandon their land. // Palestinians and internationals will gather in Qalqiliya at 10:00 AM on Thursday and march with balloons, banners, and kites to the Separation Wall, where art performances, a balloon launch, speeches, and a dramatic painting of the wall will take place. Israeli groups will convene at the same point along the wall, on the opposite side. Palestinian and Israeli groups will attempt to reach a point where they can see each other. // A 6x4 meter banner reading "No Apartheid Wall " in Arabic, Hebrew, and English will rise over the wall, lifted by giant helium balloons, in addition to smaller balloons carrying the names of Palestinian prisoners from Qalqiliya. The floating banner, escaping Qalqiliya, will send an urgent plea to the world on behalf of Palestinians throughout the West Bank imprisoned behind the Wall. // The Separation Wall has laid siege to Qalqiliya's population of 45,000, now isolated within concrete and barbed wire, severely limiting or preventing movement between Palestinian cities and villages. The wall, which lies far inside the Green Line, has confiscated 35% the city's arable land and 33% of the city's water resources. Qalqiliya, once known as the "bread basket" of the West Bank now faces dire food and water shortages while the settlements that surround it enjoy a rich supply of these resources. The wall has torn apart the local economy, causing a sharp rise in unemployment and stifling business."

taz 31.07.03, S.12, "IM NAHEN OSTEN WIRD AUCH MIT BEGRIFFEN GEKÄMPFT. Der 'Zaun' ist eine Mauer" von SUSANNE KNAUL
http://www.taz.de/pt/2003/07/31/a0106.nf/text Darin: "Den Israelis - ob links oder rechts - kann der Schutzwall nicht hoch, nicht befestigt genug sein, deshalb sollte man ihn auch bei seinem Namen nennen. Dass die Mauer nur an Teilstücken errichtet wird, war schließlich keine politische Entscheidung, sondern lediglich eine Kostenfrage." Anis: Beim Namen nennen ja, aber ein "Schutzwall" ist es sicher nicht... Die Israelis mauern sich jetzt ein, isolieren sich, fühlen sich unverstanden.

Telepolis 31.07.03, "Was geht mich mein Gerede von gestern an? Das Treffen Abbas-Bush brachte nur kurze Freude" von Peter Schäfer
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15345/1.html Darin: "Trotzdem setzte Israel seine angekündigten 'Erleichterungen des palästinensischen Alltags' dem Wortlaut gemäß um. 'Der Surda Kontrollpunkt wurde aufgehoben, der Durchgang von Ramallah aus in nördlicher Richtung ermöglicht', so ein Punkt der Presseerklärung des Militärs. Ein weiterer enthält eine ähnliche Neuigkeit für die Orte westlich der Stadt. Nicht genannt wurde, dass im Gegenzug mobile Straßensperren in diesen Gegenden verstärkt wurden. Ein System, das vom israelischen Militär schon seit Jahren praktiziert wird. Soldaten unterbrechen an jedem Tag an einer anderen Stelle den Verkehr und verunmöglichen durch lange Wartezeiten ein planbares Familien- und Arbeitsleben." Anis: Diese Fakten sind in der deutschen Presse und Politik im allgemeinen bekannt. Sie bleiben jedoch zumeist unter dem Teppich. Die Erfahrung zeigt, dass man sonst in Verdacht gerät. Dann noch: "Nach Angaben der israelischen Friedensgruppe Gush Shalom [3] werden auf diese Weise 25% des Westjordanlandes zu Israel geschlagen. Dieses Territorium umfasst an die vier Fünftel des palästinensischen Ackerlandes und 65% der Wasserressourcen. Deren Eigentümer verbleiben auf der anderen Seite der bis zu acht Meter hohen Betonwand [4], abgeschnitten von ihrer Lebensgrundlage."

WELT 31.07.03, Leitartikel, "Hohe Zäune, gute Nachbarn?" von Dietrich Alexander
http://www.welt.de/data/2003/07/31/143176.html Günter Schenk: Was wohl, Herr Alexander, hätte Axel Cäsar Springer gesagt, wenn er in einem Leitartikel "seiner" WELT eine derartig wohlwollende Begründung einer Mauer, einer Schandmauer, hätte lesen müssen ? War nicht auch jene (viel harmlosere,als die jetzige in Palästina - schließlich wurde meines Wissens zum Bau des "Antiimerialistischen Schutzwalles", E.Honnegger) keinem westberliner Bauern Land enteignet. Keine 8 m hoch, viel, viel niedriger war sie, alle anderen Merkmale einer Schandmauer ähneln sich - zur angeblichen Abwehr feindlicher Handlungen bestimmt. Ihr Artikel, Herr Alexander, beschönt, was nicht zu beschönen ist. Sie relativieren eine im höchsten Maße friedensfeindliche Handlung der Sharon-Regierung gegenüber dem palästinensischen Volk. Insofern sind es Ihrer Worte - in Ihrem Leitartikel - zu viele. Sie hätten ganz einfach auch schreiben können: "Reißt die Mauer nieder !" - diese Überschrift wäre dann sogar der Schwesterzeitung, BILD, würdig gewesen.

WELT 31.07.03, "'Araber ins Krematorium'. Die israelischen Siedler in den besetzten Gebieten führen ihren eigenen Krieg" von Eva Eusterhus
http://www.welt.de/data/2003/07/31/143060.html Darin: "Yakoov nimmt das, was im 4. Buch Mose, Kapitel 33, Vers 50 geschrieben steht, wörtlich. 'Wenn ihr in das Land Kanaan gegangen seid, so sollt ihr alle Bewohner vertreiben vor euch. Wenn ihr sie nicht vertreibt, so werden euch die, die ihr übrig lasst, zu Dornen in euren Augen werden und zu Stacheln in euren Seiten, und sie werden euch bedrängen in dem Lande, in dem ihr wohnt.'" Anis: So weit ich weiß und angesichts von Parallelstellen steht der Begriff "Vertreibung" in dieser Bibelstelle euphemistisch für Töten. Aus diesem Artikel geht gut hervor, warum die Siedler einen wesentlichen Teil des Nahostproblems darstellen. Zum Beispiel hier: "Siedlungsbau ist Politik, und diese spaltet die israelische Gesellschaft. Die Siedler stellen drei Prozent der israelischen Gesamtbevölkerung, beanspruchen jedoch rund 70 Prozent der wirtschaftlichen Subventionsgelder. Noch dazu fordern sie einen Sicherheitsapparat, der für den Staat immer schwerer zu finanzieren und noch schwerer zu gewährleisten ist. "

DIE ZEIT 32/2003, 31.07.03, Essay, "Der dritte Totalitarismus. Radikale Islamisten kämpfen um die Weltherrschaft. Das haben sie mit Hitler und Stalin gemein" von Yehuda Bauer
http://zeus.zeit.de/text/2003/32/Essay_Bauer
Siehe ausführliche Medienkritik von Anis Hamadeh

Günter Schenk, Offener Brief an den Botschafter Israels in Berlin, Herrn Shimon Stein. (31.07.03)


FR 30.07.03, Feuilleton, "Der Traum vom Auswandern. Viele junge Araber vermissen Freiheiten, aber die große Revolte bleibt aus / FR-Serie: Generation Zukunft, Teil eins" von Andrea Nüsse (Amman)
Darin: "Warum rebelliert die Jugend arabischer Länder nicht heftiger gegen die strikten politischen Regime und strengen sozialen Normen? Warum denkt sie stattdessen ans Auswandern? Der jordanische Soziologe Siri Nasser macht dafür die autoritäre Kultur verantwortlich, die nicht nur das politische Leben beherrscht. 'Tradition, Erziehung und die soziale Struktur als Ganzes sind autoritär geprägt', sagt Nasser, der an der jordanischen Universität lehrt. Das Individuum spielt keine Rolle. Jeder wird als Teil einer Großfamilie, eines Clans definiert, dessen Verhalten sich auf den Ruf der gesamten Gruppe auswirkt. Das gilt vor allem für junge Mädchen, von deren Verhalten die 'Ehre'" der Familie abhängig gemacht wird. Aber auch junge Männer sind betroffen: Lange Haare oder andere Abweichungen von der Norm könnten ein schlechtes Licht auf den Clan werfen. Zudem ist Respekt vor dem Alter ein zentrales Erziehungsziel." Und: "Doch die dazu nötige Innovation und Kreativität haben mit freiem Denken und Individualisierung zu tun, die arabische Gesellschaften und Regierungen systematisch unterdrücken." Anis: Dies scheint in der Tat die Antwort auf die von den Arabern seit etwa 1798 gestellte Frage zu sein, warum ihre Kultur so weit hinterherhinkt: weil die arabischen Gesellschaften sich einem hirnlosen Konformismus unterwerfen, der auf kultureller, struktureller und physischer/direkter Gewalt beruht in einem Maße, das einem den Appetit verderben kann. Trotzdem ist dieser Artikel nicht ganz aufrichtig, denn die Frage nach dem Grund mangelnder Rebellion gilt auch für die eigene Gesellschaft. In einer anderen Art zwar, doch wirkt es wie eine Auslassung, wenn es unerwähnt bleibt. Als Leser könnte man sich in den Gedanken lullen, dass bei uns in dieser Hinsicht alles in Ordnung ist, was nicht stimmt.

Die Friedenstournee, Pressemitteilung (30.07.03), "Wir weigern uns, Feinde zu sein", 22. Juni bis 5. Juli 2003 durch Deutschland/Schweiz. Eine Idee und ihre Verwirklichung - Kurzbericht."
www.friedenstournee.com/Bericht.html Darin: "Die Idee zu einer gemeinsamen Friedenstournee mit israelischen und palästinensischen Musikern und Studenten der Friedensschule Mirja wurde 2002 in Tamera/Portugal beim Internationalen Friedenscamp 'Frieden in Israel und Palästina' geboren. Wir wollten mit Musik und politischen Ansprachen die Herzen vieler Menschen erreichen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es keine 'Unbeteiligten' an einem Konflikt geben kann. Wir wollten mithelfen, dass eine größere Öffentlichkeit von der Friedensarbeit erfährt, die sowohl auf israelischer, als auch - in Europa ja beinahe unbekannt - auf palästinensischer Seite geschieht. (...) Die Friedenstournee hat trotz der Turbulenzen im Vorfeld stattgefunden. Durch die Verbreitung alter, nie recherchierter Gerüchte und Falschmeldungen war die Tournee kurz vor Beginn plötzlich ins Wanken gebracht worden. Viele Veranstaltungsorte wurden abgesagt. Informationen hierzu finden Sie unter www.friedenstournee.com (...) Einen ausführlichen Bericht über die Tournee inklusive vieler Fotos finden Sie unter www.friedenstournee.com/Bericht.html

International Solidarity Movement, July 30th, for immediate release , "ISRAELI GOVERNMENT CONFUSES TEACHERS, STUDENTS WITH DANGEROUS CRIMINALS"
[Ben Gurion Airport] In the past 24 hours, the Israeli government has attempted to label two humanitarian aide workers and peace activists as "security risks" and send them back to their respective countries in chains. David Watson, a 35-year-old teacher and humanitarian aide worker, from Britain, and Michael Sheikh, a student and activist, are both being treated like terrorists because of their suspected associations with the International Solidarity Movement. Both will appeal their decision, and plan to resist deportation until they have excercised their legal right to a hearing before the District Court. // The detentions and threatened deportations come at a time when the Israeli High Court has ruled that two ISM peaceworkers, Tobias Karlsson and Tarek Loubani, were not proven enough of a security risk to be denied bail in their ongoing attempt to resist deportation.

jW 30.07.03, Inland, "Keine Rücksicht auf Menschenrechte. Studie prangert Rechtsverletzungen unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung an" von Nadja Mitzkat
www.jungewelt.de/2003/07-30/011.php Darin: "Bei der Terrorismusbekämpfung nach dem 11. September bestehe die Tendenz, sich auf politische und militärische Maßnahmen zu beschränken, so Heinz. 'Strukturelle Ursachen der Bereitschaft zur Unterstützung des Terrorismus' würden dabei außer acht gelassen. Das Institut kritisierte ferner das Entstehen 'regelrechter ›Parallelwelten‹ der Rechtlosigkeit' an Orten wie Guantánamo, wo die USA Hunderte mutmaßliche, im Afghanistan-Feldzug festgenommene Taliban-Kämpfer festhalten." Anis: Über das Deutsche Institut für Menschenrechte. Präsident Rau hatte das auch schon kurz nach dem Elften September gesagt, aber die Öffentlichkeit sträubt sich vor dem Verständnis, dass Gewalt keine Probleme löst. Man sollte der Frage nachgehen, warum das so ist.

SZ 30.07.03, Feuilleton, "In Deutschland wie in Nahost. Vertreibungen und Aufrechnung" von Moshe Zimmermann
Darin: "Auch wenn man die Massenauswanderung von Juden aus arabischen Ländern als Flucht und Vertreibung versteht, könnte man die kontrafaktische Frage stellen, ob diese Vertreibung stattgefunden hätte, wenn der Staat Israel nicht gegründet worden, wenn der Krieg zwischen Israel und arabischen Staaten ausgeblieben wäre. Wären Juden in arabischen Ländern ohne eine aktive zionistische Intervention motiviert gewesen, Hab und Gut aufzugeben und auszuwandern? Die Debatte kann also nur angesichts des historischen Kontexts - der Gründung des Staates Israel - sinnvoll geführt werden." Anis: Es geht darum, dass eine Aufrechnung von Vertriebenen sinnlos ist und dem Leid der Menschen nicht gerecht wird. Ich teile den Ansatz, dass der Nahostkonflikt so gelöst werden kann, wie Herr Zimmermann - Leiter des "Richard Koebner Center for German History" an der Hebräischen Universität in Jerusalem - es vormacht: durch eine situationsorientierte Aufarbeitung der historischen Knackpunkte. Dazu gehört zum Beispiel die Gründung Israels und die Hinterfragung der Mythen, die diese Staatsgründung betreffen. - Wichtiger Artikel auf dem Weg zu einem einheitlichen Standard.

taz 30.07.03, S. 10, "bedauern der us-regierung. Leider nicht mehr Iraker getötet" von Richard Armitage
http://www.taz.de/pt/2003/07/30/a0106.nf/text Darin: "US-Vizeaußenminister Richard Armitage hat am Montag dem US-Nachrichtensender CNN gegenüber sein Bedauern geäußert, dass bei den regulären Kämpfen zwischen den US-Truppen und der irakischen Armee nicht mehr Iraker getötet worden seien. 'Wir dachten […], offen gesagt, dass wir viel mehr von ihnen töten würden, und darum eine etwas bessere Sicherheitslage hätten', sagte Armitage." Anis: Unglaublich! Abgesehen von der offen zur Schau gestellten Gewaltbereitschaft findet man hier die Argumentation, dass mehr Töten zu mehr Sicherheit führt. In solchen Momenten sind besonders die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit interessant, weil die Nazis damals ganz ähnlich argumentiert hatten. Siehe auch Junge Welt heute, "Besatzer nehmen Geiseln Drastische Fahndungsmethoden im Irak. US-Vizeaußenminister Armitage: Zu wenige Iraker getötet." von Rüdiger Göbel: www.jungewelt.de/2003/07-30/006.php


jW 29.07.2003, "Kosmetik für Bush. Vor US-Besuch Scharons bekräftigte Israel: Tausende Palästinenser bleiben in Haft, nur 540 kommen frei " von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/07-29/001.php Darin: "Während Israel mit kleinen kosmetischen Korrekturen in Washington Entgegenkommen im Nahost-Friedensprozeß simuliert, werden vor Ort Fakten geschaffen: Bis Scharon aus den USA zurück ist, hat die israelische Armee das erste Teilstück der sogenannten Apartheidmauer rund um die palästinensischen Autonomiegebiete fertiggestellt. (...) Bush hatte am Freitag beim ersten offiziellen Besuch des palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas in den USA den 'Sperrzaun' als 'Problem' bei den Bemühungen um einen Frieden bezeichnet. Weitergebaut wird trotzdem." Anis: Rüdiger Göbel spricht es wenigstens aus. Das ist schon etwas wert.

SPIEGEL ONLINE - 29. Juli 2003, 7:16, Nahost, "Scharon muss Bush den Zaun erklären" von AP
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-259018 Claudia Karas: "Sharon muss Bush den Zaun erklären", heißt es verharmlosend in der Überschrift in SPIEGEL Online. Es ist auffallend, wie die deutschen medien diese APARTHEID-MAUER verharmlosen und die Diktion der israelischen besatzer übernehmen. Immerhin ist am ende zu lesen, dass "die Anlage" tief auf palästinensischem Gebiet steht, wofür Tausende hektar land enteignet wurden. // Dem Spiegel kann es doch nicht verborgen geblieben sein, dass dieser "zaun" oder "Anlage" geplant ist als eine acht meter (!) hohe und viele meter dicke MAUER, die kilometerlang durch palästinensisches land, durch dörfer, fruchtbares palästinensisches land, olivenhaine, verlaufen soll, und die sog. "Grüne Grenze" wesentlich überschreitet! // Nicht nur palästinensisches land wurde für die mauer enteignet, es werden auch bauern von ihrem eigenen grund und boden einfach abgeschnitten, sie haben einfach keinen Zugang mehr zu ihrem land, weshalb diese apartheid-mauer die lebensgrundlage vieler palästinensischen bauern zerstört. // Diese Apartheid-mauer wird die bildung eines lebensfähigen palästinensischen staates unmöglich machen! // Diese apartheid-mauer ist, wie der knesset-abgeordnete azmi bishara treffend schreibt: ".. nicht nur ein Akt der Rassentrennung, sondern stellt auch ein politisches Verbrechen gegen das palästinensische Volk dar."

SPIEGEL ONLINE - 29. Juli 2003, 10:17, Nahost, "Palästinenser im Irak. Hetzjagd auf Saddams Hätschelkinder." von Markus Deggerich, Bagdad
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-259034 Claudia Karas: angesichts der lebensbedrohlichen lage der von israel aus ihrer heimat vertriebenen palästinenser, die danach wenigstens hilfe im irak gefunden haben, und nachdem sich die weltgemeinschaft einen dreck um sie kümmert, finde ich die überschrift der "hetzjagd auf saddams Hätschelkinder" einfach pervers und unmenschlich! während diesen vertriebenen menschen das recht auf rückkehr in ihre heimat palästina verwehrt wird, können die Hätschelkinder des westens, israelis aus aller welt, palästinensischen grund und boden besetzen !

SZ 29.07.03, "Wo der Feind steht. Die USA quält die Sorge um den Antiamerikanismus" von Andrian Kreye
Darin: "An der amerikanischen Ostküste vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendeine Konferenz stattfindet, die Motiv und Wesen des Antiamerikanismus untersucht." Anis: Nabelschau statt Kritik und Selbstkritik, ganz typisch für autoritäre Systeme. Der Negativwert wird zum Identitätselement. Weiter heißt es: "Während Europa Amerika als Stellvertreter für einen menschenfeindlichen Globalkapitalismus verteufelt, auch wenn es ihn längst selbst praktiziert, gelten die USA im arabischen Raum als Symbol für die frevelhafte Säkularisierung der Welt." Das sehe ich anders. Die Säkularisierung ist weithin anerkannt, es ist keine sehr unterschiedliche US-Kritik, die aus Europa und dem Nahen und Mittleren Osten kommt. Dann heißt es noch: "Verschwörungstheorien, Projektion auf einen Sündenbock, Furcht vor Säkularisierung und Geldkultur: in diesen Aspekten ähnelt der Antiamerikanismus den Mechanismen des Antisemitismus - unabhängig davon, dass dieser Vorwurf in Amerika auf den Konferenzen aller politischen Lager inflationär erhoben wird." Der Artikel ist nicht schlecht, aber irgendwie fehlt eine Konsequez oder eine Art Fazit. Z.B. dass mit dem Begriff des Antiamerikanismus Selbstkritik verdrängt wird.

SZ 29.07.03, "Der unheimliche Berater. Ein Ex-Oberst macht in Hollywood neue Waffen populär" von Olaf Arndt
Darin: "Friedmans Projekt ist ein Joint Venture zwischen den Platinum Studios Hollywood, die auf Comic-Charaktere spezialisiert sind, und den Gameboy-Firmen 'Handheld' und 'Blueshift'. Der Clou der Liaison jedoch besteht darin, dass sie Ende Juni den US-Militärberater John B. Alexander unter Vertrag genommen hat, der derzeit für die US Special Operations Command (Socom) tätig ist, und das Ziel der ungewöhnlichen Verbindung könnte weitreichender nicht sein: Es geht um den Versuch, die neuesten Technologien für den Kampf gegen Terroristen und gewaltbereite Zivilisten, so genannte nicht-letale Waffen (SZ vom 2.Juni), über Filme, Fernsehen und Spiele ins Bewusstsein der Bevölkerung zu heben. Und der Gameboy ist dafür das am besten geeignete Medium." Anis: Dies ist ein scharfsinniger Bericht über die Bilder, die in unseren Köpfen sind und Versuche, sie in Richtung Gewaltglauben zu manipulieren. Denn was wir sehen, das glauben wir. Eine verabscheuenswerte Politik ist das, die geeignet ist, ein ganz anderes Bild zu fördern: das eines amerikanischen Schurkenstaates. - Olaf Arndt ist Künstler und lebt in Berlin. Er arbeitet als "Beobachter der Bediener von Maschinen" an dem Projekt Troia, einer Ausstellung über die "Technologien politischer Kontrolle", Web:
http://www.bbm-ww.de.

29.07.03: Wer sich für Informationen über die Umsiedlung der Beduinen im Negev interessiert, siehe die neue Website www.beduinen-online.de


taz 28.07.03, S.12, "Den Islam einbürgern. Kopftuchdebatte: Der Weg zur Integration zugewanderter Religionen führt nicht über die Tilgung kultureller Traditionen, sondern über die Erweiterung des kulturellen Spektrums" Kommentar von Marieluise Beck
http://www.taz.de/pt/2003/07/28/a0156.nf/texte Progressiver Kommentar


www.amin.org, July 27, 2003, "Nonviolence and art: Life emerging from the rubble" by Mohammad Daraghmeh
http://www.amin.org/eng/uncat/2003/jul/jul27.html Quote: "The artists and intellectuals, about 500 total, entered the military checkpoint from both sides. The scene was weird and confusing for the soldiers, who were used to other types of confrontation with the Palestinians during the preceding six months. In the middle of the confusion, groups of musicians, drummers, and photographers entered the checkpoint from both sides, merged together, and unleashed a wave of singing, chanting and music." Anis: This is great! It continues: "Artist Walid Abdessalam, a prominent singer and theatre producer who was at the forefront of those at the checkpoint, describes the scene: 'The soldiers were totally confused facing us. We arrived carrying instruments of music and art, not stones. We didn't set fire to rubber tires, we sang. They were so confused that we managed to pass through their checkpoint.'" Nonviolence is possible: "According to Abdessalam, the message carried by the artists and intellectuals on that day was this: 'All sectors of our society can express their rejection of the occupation in all possible nonviolent forms, without resorting to stones or weapons.'" It also says that a nonviolent group appeared in Ramallah called "The Nucleus" coordinated by Wafa'a Abdelrahman: "'At the beginning, we changed the traditional slogans chanted by demonstrators during marches, from 'We die, we die, so that Palestine lives' to 'We live, we live, so that Palestine lives,'' said Wafa'a." How wonderful! Read this article! Mohammad Daraghmeh is a Palestinian journalist and political analyst. This article is part of a series of views on "Nonviolence" published in partnership with the Common Ground News Service (CGNews).

NDR Info, Sendung "Echo der Welt", 27.7.2003, 13h 05, "Vom Terror getroffen - Besuch bei der jüdischen Familie Cohen im Gaza-Streifen" von Carsten Kühntopp
Link zu Medienkritik von Anis Hamadeh

Link zu: "ISRAELS FATA MORGANA SCHUTZWALL" von Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren (27.07.03)


FR 26.07.2003, Seite 6, Zum afp-Foto, untertitelt mit "Freitagsgebet in Basra ..."
Claudia Karas: entweder aus ignoranz oder bewusst irreführend heißt es in dem text zum afp-Foto "Freitagsgebet in Basra: Schiitische Muslime verbeugen sich vor dem Bild des Geistlichen Mohammed Sadik el Sadr ..." // richtig ist: Ein muslim verneigt sich nur vor Gott und in richtung Mekka, jedoch niemals vor einem menschen! selbst bei dem totengebet dürfen sich muslime nicht vor dem Toten verneigen. // entweder steht das bild rein zufällig bei den betenden oder es ist bewusst dort platziert, also gestellt! es suggeriert dem betrachter, dass auch den gläubigen muslimen nicht zu trauen ist, denn "die US-Truppen in Irak beobachteten die ersten Freitagsgebete ... da Racheakte nicht ausgeschlossen wurden." Wie perfide, die verbindung von betenden menschen und terror! // Ich bitte um richtigstellung, denn dieser entstellende bild-kommentar trägt bei nicht nur zu einem falschen bild über den islam und zur verleumdung der schiitischen betenden auf dem afp-foto, sondern verärgert auch die hier lebenden muslime.

INTERNATIONAL SOLIDARITY MOVEMENT, July 26, 2003, for immediate release, "PALESTINIAN FAMILY BEHIND THE SEPARATION WALL"
Text: [Jayyous, QALQILIYA] On July 28, there will be an action in Jayyous to deliver food to a Palestinian family cut off from the village by the security wall, called the "Apartheid Wall" by Palestinians, that is currently under construction by Israeli construction crews in the occupied West Bank. // The family of Ali Ibrahim Abu Sharib is an eight-member Bedouin family who live just to the south of Jayyous. They rely on access to the village for food, water, school for their children, and food supplies for their livestock. Their home lies within the West Bank, approximately three miles from the Green Line. Until July 18, the family was able to walk across the construction site of the wall to get to the village of Jayyous, but on that day, razor wire and a chain link fence between their home and the village of Jayyous cut them off from the rest of the village, and the Sharib family became prisoners in their own home. // On July 20, Palestinian peace activists from Jayyous and activists from the International Solidarity Movement (ISM), including activists from Boston To Palestine and Jews Against the Occupation, organized a visit to the Sharib family. An attempt was made to walk across the path of the wall, but the activists were shot at by Israeli forces guarding the wall. Through a conversation shouted across the fence, the family told us they were suffering from a lack of food, water, medicine, and feeding supplies for their livestock, on which they rely for all their income. // After that visit we planned along with the ISM a day of solidarity with this family. On July 21, we took with us food supplies for the family, and we were accompanied by members of the international news media. Our visit was successful, in spite of obstacles that we encountered from Israeli forces. We were able to give the food to the besieged family. // From Jayyous, we call for all human rights organizations to address the plight of the isolated Sharib family. The mother of the family is diabetic, and her insulin supply has run out. One of her teenage sons has an eye problem and needs treatment. A Palestinian ambulance will attempt on July 26 to reach the family. // The Sharib family is just one tragic example of the thousands of families who are being isolated from their villages and their farmland by Israel's Apartheid Wall that is cutting deep inside the West Bank.

jW 26.07.03, "Tribunal gegen US-Verbrechen im Irak: Wie kann Öffentlichkeit erreicht werden?" jW sprach mit Elmar Schmähling, Präsident der Deutschen Sektion des Europäischen Friedensforums Interview: Harald Neuber
www.jungewelt.de/2003/07-26/016.php Darin Schmähling: "Zunächst werden wir in Deutschland versuchen, verschiedene Organisationen für ein solchen Projekt zu gewinnen. Das betrifft dann nicht nur das Europäische Friedensforum, sondern auch den Kasseler Friedensratschlag und die in der "Achse des Friedens" zusammengeschlossenen Organisationen. Schon bei dem Jugoslawientribunal haben wichtige Friedensgruppierungen wie IPPNW oder die Wissenschaftler für den Frieden mitgearbeitet. Ich bin in der Sache recht zuversichtlich, plädiere aber für eine sorgfältige Vorbereitung. Parallel zu dem Werben um Organisationen müssen wir versuchen, kompetente Wissenschaftler für ein solches Tribunal zu gewinnen. Dabei denke ich vor allem an Völkerrechtler. Würden wir das nicht schaffen, dann sollten wir es lieber sein lassen, denn es ist wichtig, der Öffentlichkeit gegenüber Fachkompetenz erkennen zu lassen." Anis: Auch ich denke, dass es darum geht, auf verschiedenen Ebenen Öffentlichkeiten zu erzeugen.

jW 26.07.03, Wochenendbeilage, "Amerikanisches "Zeit"alter. Der schwarze Kanal: Hamburger Wochenzeitung rechtfertigt Kriegsgrundschummel" von jW
www.jungewelt.de/2003/07-26/026.php Darin: "Der Grund, weshalb man gekämpft und gesiegt hatte, ließ sich nicht finden. So gab es zwar einen Krieg zur Entwaffnung des 'massenmörderischen Regimes' in Bagdad. Aber keine Entwaffnung. Denn die perfiden Iraker hatten sich selbst entwaffnet und den Anglo-Amerikanern die Entwaffnungsshow gestohlen. // Man hätte nicht zu schummeln brauchen, tadelt Jan Ross in der 'Zeit' die Kriegsallianz. Es hätte auch so genug Kriegsgründe gegeben: 'Die wirkliche Gefahr ist eine mittelfristige gewesen: das Sanktionsregime zerfiel, unter besonderer Mitschuld der Franzosen und Russen im Sicherheitsrat, und Saddam hätte unweigerlich wieder Bewegungsfreiheit gewonnen, also Geld, Waffen, womöglich auch die Bombe, hinter der er lange her war. Und zweitens konnte der ganze Nahe Osten nicht bleiben, wie er war, mit Saudi-Arabien als janusköpfigem Hauptverbündeten, mit Unterdrückung und Autokratie als Wurzeln des Terrors. Der Schlüssel zur Veränderung lag im Irak, und er war nur mit Gewalt zu holen'." Anis: Über Jan Ross und die Wochenzeitung "Die Zeit"

jW 26.07.03, Wochenendbeilage, "Die Welt regieren. Jean Ziegler nennt in seinem neuen Buch Namen und Adressen" von Sabine Kebir
www.jungewelt.de/2003/07-26/028.php Darin: " Für die, die es endlich mal genau wissen wollen, beschreibt Ziegler, wie die WTO (World Trade Organisation) unter ihrer Oberfläche - teils durch Erpressung, teils durch Korruption - die Handelsinteressen der Mächtigen bei den Regierungen der armen Länder durchsetzt. Unter dem zur heiligen Kuh erklärten Losungswort der Privatisierung ist sie immer nur dann zur Zusammenarbeit bereit, wenn die nationalstaatlichen Gesetzgebungen der Entwicklungsländer zum Schutz ihrer eigenen Produkte abgeschafft werden wie auch die staatlichen Organe, die gesamtgesellschaftliche Aufgaben verwalten. Die Tätigkeit der WTO wird durch die der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds ergänzt, deren Kreditpolitik dieselben Ziele verfolgen: Privatisierung und radikale "Verschlankung" des Staats und der Solidarsysteme. Ziegler führt anhand von einzelnen Fallstudien aus, was das für arme Länder bedeutet. So ist am Niedergang der Viehzucht in der Sahelzone nicht nur die Dürre schuld. Die durch den "Feuerteufel" IWF erzwungene Privatisierung der Veterinärmedizin in Niger hat die Medikamente so verteuert, daß die Mehrzahl der Bauern sie sich nicht mehr leisten kann. Jegliche Qualitätskontrolle der Medikamente fehlt, d.h. es werden überteuerte und oft auch überlagerte Produkte angeboten. Neue Gefahren sind, daß WTO, IWF und Weltbank die Abnahme von gentechnisch manipuliertem Saatgut erzwingen und neuerdings auch durch die Patentierung von Naturpflanzen eine umfassende Abhängigkeit der Entwicklungsländer erreichen wollen, ohne die geringste soziale Verantwortung zu übernehmen." Anis: Wichtige Fragen. Wann ist Privatisierung Unterdrückung und Monopolisierung? Welche Aufgaben hat der Staat heute? Es ist zwar meiner Ansicht nach nicht richtig, Privatisierungen und den schlanken Staat grundsätzlich abzulehnen, doch brauchen wir viel mehr Gerechtigkeit und Transparenz (wie durch diesen Artikel). Noch ein Zitat: "So sind WTO, IWF und Weltbank dabei, die schon im gesamten 20. Jahrhundert von den USA betriebene Politik zu verfolgen, die ganze Welt in eine Freihandelszone zu verwandeln. Davon profitieren vor allem die 300 bis 500 mächtigsten Unternehmen der Welt, die bereits 25 Prozent des Weltsozialprodukts kontrollieren. Und neuerdings ist klar geworden: Wenn die Ziele durch Erpressung und Korruption nicht erreichbar sind, wird auch zur offenen militärischen Gewalt gegriffen." Zu Jean Ziegler: Die neuen Herrscher der Welt. C.Bertelsmann Verlag, München 2003, 352 Seiten, 22,90 Euro

taz 26.07.03, S.14, "Rassismus ohne Rassisten" von Robert Misik
http://www.taz.de/pt/2003/07/26/a0130.nf/text Darin: "Wie in rassistisch grundierten Gesellschaften 'Unglücksfälle' provoziert werden: Ein Video, das zeigt, wie die Polizei gemeinsam mit Sanitätern und einem Notarzt einen Mauretanier vom Leben zum Tode beförderte, erschüttert Wien Ein Schwarzer rastet aus, wird von der Polizei niedergerungen, erhält vom Notarzt eine Beruhigungsspritze, wird in bewegungsunfähiger Stellung gehalten. Es wurde ein voller Erfolg. Der Mann wird sich nie mehr bewegen. Er ist tot (siehe taz vom 23. 7.). Jetzt fragt man sich in Wien, wo sich dies zutrug, was all das mit Rassismus zu tun hat." Und: "Es ist also ein ebenso grotesker wie tragischer Zirkelschluss: Der Schwarze, zumal wenn er, wie häufig, in prekären materiellen und rechtlichen Umständen lebt, ist in unseren Gesellschaften psychisch schwer bedrängenden Verhältnissen ausgesetzt - und wenn er ausrastet, fühlen sich die Angehörigen der weißen Mehrheit in ihren Ressentiments bestätigt." Der Artikel endet mit: "Dabei zeigt der Fall Cheibani W., dass es in rassistisch grundierten Gesellschaften nicht einmal Rassisten im strengen Wortsinne bedarf, um dem Pech, das dann nie Zufall ist, eine breite Schneise zu öffnen." Anis: Die klassische autoritäre Gesellschaft: Es gibt selbsternannte Kontrollierer wie Eltern, Lehrer (natürlich nicht alle), Polizisten, Reiche, der Staat etc. und es gibt die Kontrollierten, die als Sündenböcke herhalten müssen, weil sie die Ruhe durch Kritik oder durch Hautfarbe oder durch Kritik oder durch ethnische Zugehörigkeit oder aber durch Kritik stören. Das gibt es nicht nur in Österreich.

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