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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
07/2003 (3)
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FR 15.07.03, "'Es reicht nicht, wenn Palästinenser nur eine Waffenpause zementieren'. Israels Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, über den Friedensprozess in Nahost und den Einfluss der EU", Interview: Katharina Sperber
Darin Stein: "Israel ist entschlossen die 'Roadmap' umzusetzen; Mahmoud Abbas auf der palästinensischen Seite auch. Aber es reicht eben nicht, wenn die Palästinenser nur eine Waffenpause zementieren. Sie kann nur Voraussetzung dafür sein, die Terrorstrukturen aufzulösen, Terroristen zu inhaftieren, illegale Waffenbestände zu zerstören und die Hetze gegen Israel einzustellen. Israel ist bereit, Mahmoud Abbas dabei auch zu helfen." Anis: Die Israelis insistieren darauf, die Kriterien für Frieden allein zu definieren. Deshalb kann es so auch nicht funktionieren. Es ist klassisch autoritär, und das weiß auch jeder. Weiter sagt Stein: "Dessen Atomprogramm stellt für uns eine existenzielle Bedrohung dar, und es macht nicht nur den USA, sondern auch den Europäern große Sorgen." Anis: Die Israelis hingegen haben jede Menge Atomwaffen. Das passt alles hinten und vorne nicht zusammen. Auch sagte Stein: "Es dauerte eine ganz lange Zeit, bis die Europäer sich dazu durchrangen, den Terror beim Namen zu nennen. So entwickelte sich in Israel die Ansicht, dass man sich auf Europa nicht verlassen kann - mit einer Ausnahme: Deutschland und dort besonders der deutsche Außenminister Joschka Fischer." Anis: Es ist die Frage, ob dieses Lob Herrn Fischer gut tut. Am Schluss sagt Stein: "Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass das israelische Verhalten im Konflikt nicht einziger Maßstab für die europäische Haltung ist." Anis: So plump hat es in letzter Zeit selten jemand formuliert: Das israelische "Verhalten". Steins Haltung ist sturz-autoritär und damit inakzeptabel.

FR 15.07.03, "Palästinensische Flüchtlinge zieht es nicht nach Israel. Nur zehn Prozent wollen in die verlorene Heimat zurück / Umfrage schwächt Position der Hardliner auf beiden Seiten" von Inge Günther
Darin: "Das Resultat schwächt das israelische Horrorszenario, wonach die Rückkehr von fast vier Millionen Palästinensern - so viele sind bei der UN-Flüchtlingshilfsorganisation UNWRA registriert - das Ende des jüdischen Staates bedeute. Genauso fürchten aber auf der anderen Seite revisionistische Ideologen einen Ausverkauf der Flüchtlingsrechte, festgehalten in der UN-Resolution 194 aus dem Jahr 1948." Anis: Guter Artikel! Das sind wichtige Fakten und sie sind vernünftig widergegeben. Weiter: "Das Ergebnis der repräsentativen Untersuchung unter den Lagerbewohnern in Gaza, Westbank, Libanon und Jordanien ist aber keinesfalls Ausdruck des Verzichts. Schließlich betonten mehr als 95 Prozent aller Befragten, dass Israel erst die von der UN-Resolution 194 reklamierten Rechte prinzipiell anerkennen müsse. Auf dieser Grundlage sei man bereit, unter diversen Angeboten das persönlich bevorzugte zu wählen." Anis: Wenn die Araber Israel anerkennen, ist es wohl nicht zu viel verlangt, dass Israel (endlich!) die UNO anerkennen soll. Der Meinungsforscher Khalil Schikaki sagt: "Das Resultat kann den Flüchtlingen nur nützen, weil es Israel eine Anerkennung ihrer moralischen Rechte ermöglicht, ohne die eigene demografische Balance zu gefährden."

jW 15.07.03, "Sieger in Verlegenheit. Situation und Perspektiven der 'Neokonservativen' nach dem Irak-Krieg" von Knut Mellenthin
www.jungewelt.de/2003/07-15/006.php Darin: "Die islamischen Länder befinden sich keineswegs in einem Krieg mit den USA und sie zeigen angesichts des klaren Kräfteverhältnisses auch nicht die allergeringste Neigung, sich auf einen solchen Krieg einzulassen. Sie stellen noch nicht einmal potentiell einen halbwegs einheitlichen Kriegsgegner dar. Das bedeutet, dass der Feind, der im 'vierten Weltkrieg' besiegt werden soll, überhaupt erst durch provokative politische und militärische Handlungen der USA geschaffen, künstlich konstruiert werden muss." Anis: langer wichtiger Hintergrundbericht über die Neocons in den USA

jW 15.07.03, "Linker Imperialismus. Schröder schwenkt auf Blair-Kurs ein" Kommentar von Werner Pirker
www.jungewelt.de/2003/07-15/003.php Darin: "Der in seiner bellizistischen Euphorie inzwischen etwas gebremste Tony Blair und der in seiner Antikriegshaltung immer weniger überzeugende Gerhard Schröder versuchen nun, wie zu Zeiten des Schröder-Blair-Papiers wieder eine gemeinsame Linie zu finden, die sich als Deregulierung der internationalen Politik beschreiben ließe. Zum 'Schutz der Völker vor Massenmord, ethnischen Säuberungen und Bürgerkriegen' sollen das Prinzip der Nichtintervention aufgehoben und damit die letzten Barrieren zum Schutz der Völker vor ihrer Unterwerfung beseitigt werden. Beschlossen auf einer Konferenz progressiver Regierungen aus aller Welt." Anis: "Schutz der Völker vor Massenmord, ethnischen Säuberungen und Bürgerkriegen", die haben doch einen an der Waffel!

Kieler Nachrichten, 15.07.03, S.4, "Israel hält an Sicherheitszaun fest" von afp
Darin: "Israel hat stets seine Bereitschaft zu 'schmerzhaften Zugeständnissen' für eine Friedenslösung betont, sagte ein israelischer Regierungsvertreter gestern in London. Dies betreffe jedoch nicht die Sicherheit der israelischen Bürger." Anis: So viel von den KN zum Thema 'Sicherheitszaun'. Dies ist zwar ein gutes Beispiel dafür, wie Israel mit seinem Sicherheits-Wahn eine aggressive und unbarmherzige Politik rechtfertigt. Wenn die Zeitung so etwas aber nicht weiter kommentiert, nickt sie es ab. Auf der gleichen Seite ist die Meldung "Israel nimmt IRA-Bombenbauer fest" , eine Ente, wie sich kurz darauf herausstellte.

taz 15.07.03, S. 12 "So gewinnt keiner. Die Intifada ist mit einem Unentschieden zu Ende. Wenn sich die Lebensbedingungen der Palästinenser aber nicht bessern, wird die Feuerpause im Nahen Osten nicht halten" von Uri Avnery
http://www.taz.de/pt/2003/07/15/a0108.nf/text Darin: "Tatsächlich kam sie unter direktem amerikanischem Druck zustande. Die israelischen Medien, die inzwischen alle ein Propagandainstrument des 'Sicherheitsapparats' geworden sind, bedachten die Hudna einstimmig, wie durch einen Befehl, mit Kommentaren wie: 'Die hat doch keine Chance die wird nicht lange halten', einer Prophezeiung, die sich selbst erfüllen kann." Anis: Ganz guter Artikel, aber das Ende ist seltsam: "Und was nun? Wirkliche Verhandlungen? Verhandlungen, die nicht mehr sind als bloße Spiegelfechterei? Bemühungen beider Seiten, den Amerikanern zu gefallen? Amerikanischer Druck auf beide Seiten, um ein paar wirkliche Taten vorzuweisen? Bisher sieht es nicht danach aus, leider." Anis: Was ist mit den Worten vom 28.06.03 in "Die Patrioten, das sind wir!" (http://www.uri-avnery.de/magazin/artikel.php?artikel=103&type=2&menuid=4&topmenu=4) ? Darin schreibt Uri über die neu gegründete Israelisch-Palästinensische Aktionsgruppe für Frieden (1500 Unterzeichner). Siehe 0306-3.htm#0628-uri. Wo ist die geblieben??

taz 15.07.03, S. 10, "Palästinenser im Hungerstreik. In Israel Inhaftierte fordern die Freilassung aller Gefangener. Die Regierung in Jerusalem will jedoch Gewalttäter hinterSchloss und Riegel halten. Der Konflikt um die Amnestie kann den internationalen Friedensplan zum Scheitern bringen" aus Jerusalem SUSANNE KNAUL
http://www.taz.de/pt/2003/07/15/a0065.nf/text Darin: "Nur mit knapper Mehrheit ließ sich das Kabinett in Jerusalem darauf ein, zunächst 350 Häftlinge zu entlassen. Nach Ansicht von Transportminister Avigdor Lieberman, 'wäre es besser, diese Gefangenen ins Tote Meer zu werfen, dem tiefsten Ort der Erde'. Eine Aussage, die Marwan Barghouti, Fatah-Chef im Westjordanland und wohl bekanntester Untersuchungshäftling, für seinen gestrigen Prozesstermin gerade recht kam, zeigt es doch, mit wem er es zu tun hat. Die Richter verlängerten seine Einzelhaft dennoch um weitere sechs Monate. Dies ist erstaunlich, da Barghouti eine entscheidene Rolle bei den Waffenstillstandsverhandlungen spielte, die er über seine Anwälte mit den Oppositionsgruppen führte. Issam Aruri, Chef des 'Jerusalemer Zentrums für Rechtshilfe und Menschenrechte', hält die Gerüchte über einen möglichen Austausch Barghoutis gegen einen in Ägypten wegen Spionage inhaftierten Israeli 'für ernstzunehmen'. Die Entlassung des Fatah-Führers sei lediglich 'eine Frage der Zeit'. Hinsichtlich der restlichen noch 5.892 Inhaftierten, hegt Aruri hingegen wenig Hoffnung. Die israelische Regierung "sabotiert den Friedensprozess", indem sie eine Amnestie verzögere, meint er." Anis: Guter Artikel

Link to: ISM, "HEARING DATE FOR ISM 8 POSTPONED AGAIN. Bail Still Denied" (July 15, 03)

Link to: Draft Resisters Parent's Forum, "Young Israelis Refusing to Join an Army of Occupation" (July 15, 03)


FR 14.07.03, "Logik des Ultimatumsspiels. Auf Schloss Elmau debattierte man den Nahost-Konflikt" von Rüdiger Suchsland
Darin: "Trotz solcher Aussichten trafen sich am vergangenen Wochenende Wissenschaftler aus Europa, Israel und Arabien in Schloss Elmau im Zeichen des Religionsphilosophen Martin Buber zu einem Workshop des Franz-Rosenzweig-Centers. Unter dem Titel 'Ein Land, zwei Völker. Israel und Palästina zwischen Realpolitik und Dialog' wollte man Bubers Gedanken zum Thema nachspüren und dabei vor allem nach der Idee der Gerechtigkeit in beiden Gesellschaften fragen." Anis: Langweiliger Artikel

www.Freace.de, 14.07.03, "Wenn das Töten zur Routine wird" von Gideon Levy (orig: When killing becomes routine)
http://www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=317251&sw=Jirdath (English) Darin: "Von den 2.235 Palästinensern, die von der IDF getötet worden sind ist es nur in 8 Fällen zu Anklagen gegen Soldaten gekommen. Keiner wurde bisher verurteilt." Anis: Wichtiger Artikel

jW 14.07.03, "Euphorie und Wirklichkeit. Zum palästinensisch-israelischen Verhältnis im Zuge der 'Roadmap'" von Roni Ben Efrat
www.jungewelt.de/2003/07-14/008.php Darin: "Der Schlüssel zur Lösung des Konflikts liegt heute in den Händen der USA und Israels. Deren Vorschläge sind jedoch weit entfernt von dem Minimum, das Palästinenser - auf lange Sicht die meisten Palästinenser - zu akzeptieren bereit sind. "Die 1967 besetzten Gebiete" bedeutet in der Vorstellung der Palästinenser die 1967 besetzten Gebiete (Ein Wort ist ein Wort). Diese würden z. B. das Areal einschließen, auf dem heute fast die Hälfte aller Juden in Jerusalem leben." Anis: Guter Artikel. Vorabdruck aus: Challenge Nr. 80, Juli/August 2003. www.hanitzotz.com/challenge/. üb. von Endy Hagen

Kieler Nachrichten, 14.07.03, S.4, "Scharon: Palästinenser-Problem kann in vier Jahren gelöst werden" von dpa
Darin: "Der israelische Regierungschef Scharon ist optimistisch, das 'Palästinenser-Problem' während seiner vierjährigen Amtszeit lösen zu können. Wenn dies jemandem gelingen könne, dann ihm, sagte er (...)" Und: "Bei einem Scheitern des Friedensprozesses werde sich Israel allerdings zu verteidigen wissen." Und: "Scharfe Kritik übte Scharon an den fortgesetzten Kontakten europäischer Regierungen zu Palästinenser-Präsident Arafat." Anis: Und wer löst das Israel-Problem? Die einschüchternd gemeinten Worte über 'Verteidigung' im Falle eines Scheiterns zeigen ja, dass jemand es lösen muss. Das Palästinenser-Problem lösen... das klingt wie... ach, nun habe ichs vergessen

NZZ 14.07.03, "Die Medien des Nahen Ostens im Fokus. Geplänkel um den Film 'Jenin . . . Jenin'" von liv
Darin: "Ein Dialog hat stattgefunden: Ende vergangener Woche haben sich auf Einladung des Instituts für Medien und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen zu westlichen Nahostkennern Exponenten aus Israel und dem benachbarten arabischen Raum gesellt - zur Erörterung der Perspektiven, aus denen der Konflikt in die Medien hineinwirkt und von diesen gespiegelt wird, zum Versuch ebenfalls, deren mögliche Rolle in dem immer wieder von Rückschlägen gezeichneten Friedensprozess zu definieren. " Anis: Klingt gut, aber zumindest die Darstellung der Konferenz ist ein Trauerspiel, wie am Schluss deutlich wird: "Mitgenommen haben die Veranstaltungsteilnehmer vor diesem Hintergrund die Warnung verschiedener Panels vor Illusionen hinsichtlich der Verbesserung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses. Sie sind leider angebracht, schmälern indes keineswegs den Nutzen solcher Treffen als Baustellen für Netzwerke, die im Kleinen vorantreiben, was im Grossen (noch) als Sisyphusarbeit gilt" Anis: "Warnung vor Illusionen" ist also das Fazit des Artikels (nicht unbedingt der Konferenz!)

SZ 14.07.03, "Ursache und Wirklichkeit. Elmauer Tagung zum israelisch-palästinensischen Konflikt" von PETRA STEINBERGER
Darin: "'Ein Land, zwei Völker', lautete der Titel der Tagung, und unter dem Eindruck dieses Satzes und dessen, der ihn aussprach, der Philosoph Martin Buber, stand die Veranstaltung. Bubers Idee eines jüdisch-arabischen Dialoges, seine Vorstellung eines binationalen Staates war zwar stets die Haltung einer winzigen extremen Minderheit auf beiden Seiten geblieben - doch wenn so viel fehlgeschlagen ist, warum nicht zurückblicken auf solche Konzepte." Anis: Sehr interessant, dass der Herr Buber (nach dem verschiedene Preise benannt sind) für den binationalen Staat war. Weiter heißt es: "Wenn aber die Frage nach dem 'Was tun' fast einer Farce gleichkommt und die Ursachenforschung steckenbleibt im Streit um ältere territoriale Rechte, in nationaler Mystik und gegenseitigen Schuldzuweisungen - dann bleibt manchmal nur die Neubewertung der Wirklichkeit. Also betrachtete Yfaat Weiss (Haifa) die ethnischen Säuberungen der späten vierziger Jahre - Flucht und Vertreibung der Palästinenser im Krieg von 1948, die Umsiedlung irakischer Juden nach Israel - und zog dabei die umstrittene Figur des Joseph Schechtman heran, der den Revisionisten um Jabotinsky nahestand und der ein frühes Buch zum Bevölkerungstransfer in Europa schrieb." Anis: Dieser Artikel ist um Längen besser als der in der NZZ oder der FR heute zum selben Thema.

taz 14.07.03, S.13, "Kopflose Debatte. Bis heute ist Deutschland kein säkularer Staat. Statt die Rolle der christlichen Kirchen zu hinterfragen, erhitzt ein Tuch die Gemüter, ohne dass seine Bedeutung verstanden wird" Kommentar von Sanem Kleff
http://www.taz.de/pt/2003/07/14/a0129.nf/text Darin: "Warum drückt sich die Gesellschaft vor einer offenen Debatte um diese Kernfrage und streitet umso leidenschaftlicher auf dem Nebenschauplatz Kopftuch? Scheinbar nehmen es die entscheidenden politischen Kräfte wie Parteien, Gewerkschaften und Medien hin, dass die privilegierte Stellung der christlichen Kirchen und ihre besondere Rolle in der Gesellschaft auf Ewigkeit angelegt sind. Dies kann ein Indiz dafür sein, dass ihre Politik von kirchennahen Personen dominiert wird. Etwas kommt hinzu: Begünstigt wird diese Übersprungshandlung durch die fehlende Kompetenz der Mehrheitsgesellschaft, über unterschiedliche Kopftücher zu reflektieren." Anis: Ganz genau! Es ist ein Stellvertreterkampf, wie so oft. Der Islam wird zur Projektionsfläche für die Fragen, die man sich selbst nicht stellen will. Typisch! Alter Ego Orient. Guter Kommentar! Sanem Kleff ist 1955 in Ankara geboren, lebt in Berlin. Sie leitet das Projekt "Schule ohne Rassismus" und ist Vorsitzende des Bundesausschusses für multikulturelle Angelegenheiten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

taz 14.07.03, S.14, "Klassenzimmer ohne Kreuz und Kopftuch. Religiöse Symbole sollten in der Schule außen vor bleiben. Das muss vor allem auch für Lehrer gelten" Kommentar von EDITH KRESTA
http://www.taz.de/pt/2003/07/14/a0175.nf/text Darin: "Egal wie groß ihre Nähe zu Milli Görüs ist, sie vertritt mit dem Tragen des Kopftuchs in der Schule eine radikal islamische Position wie sie tausende von Frauen in islamischen Ländern in einem Akt der Befreiung von religiös verbrämter Männerherrschaft hinter sich gelassen haben." Anis: Intoleranz ist auch eine Form von mangelnder Emanzipation. Lasst sie doch tragen, was sie für richtig hält. Und was ist mit Nonnen wie die Mathe-Lehrerin Schwester Scholastika? Man sollte das nicht so allgemein verbieten oder erlauben. Es gibt viel zu viel, was erlaubt oder verboten wird. Weiter heißt es: "Das Kopftuch widerspricht letzlich, wenn man es mit seinen weltlichen Konsequenzen ernst nimmt, dem gesetzlich verbrieften Gleichheitsgrundsatz zwischen den Geschlechtern in unserer Gesellschaft, weil es die Ungleichheit zwischen Mann und Frau betont." Anis: Und als nächstes will sie Röcke verbieten und dann den Wonderbra :-) Iiim Gleichschriitt M-a-r-s-c-h!!

taz 14.07.03, S.18, "Israels Regierung boykottiert BBC" von SUSANNE KNAUL
http://www.taz.de/pt/2003/07/14/a0145.nf/text Darin: "Rückendeckung bekommen die Korrespondeten zudem von dem 'Verband der Auslandspresse', der indes nicht viel mehr unternahm, als einen Protest an die Regierung zu richten. Der Verband befindet sich gut zwei Jahren im permanenten Streit mit der Regierung über die Verweigerung von Presseausweisen für palästinensische Mitarbeiter ausländischer Medien. Betroffen sind vor allem Kameraleute und Übersetzer." Anis: Die Presse hat oft bewiesen, dass sie im Prinzip etwas verändern kann. Wenn der Verband der Auslandspresse seit zwei Jahren in permanentem Kampf mit der isr. Regierung ist, warum haben die Leser dann davon erst heute erfahren?

Telepolis 14.07.03, "Die Zukunft des Völkerrechts" von Thorsten Stegemann
www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15177/1.html Darin: "Der Kampf gegen den Terrorismus und seine juristischen Folgen Im Januar 2003 fand am Max-Planck-Institut für Völkerrecht [1] in Heidelberg ein Symposium zum Thema "Terrorism as a Challenge for National and International Law" statt, an dem über 100 Wissenschaftler und Experten aus aller Welt teilnahmen. Sämtliche Tagungsbeiträge [2] können jetzt im Internet eingesehen und kontrovers diskutiert werden." Anis: Mit weiteren Links. Weiter heißt es: "Die Konferenzteilnehmer in Heidelberg einigten sich zum Beispiel schnell auf die Notwendigkeit, dem Begriff 'Terrorismus' eine neue Definition zu geben, denn er schließt in der gegenwärtigen Verwendung nicht mehr nur Gewalt gegen Personen, sondern auch Gewalt gegen Infrastruktureinrichtungen oder auch privates Eigentum ein." Anis: Die sind nämlich immer noch nicht weiter. Seit dem Elften September beobachte ich, wer 'Terrorismus' definiert. Macht kaum jemand. Warum eigentlich nicht? Würde doch auf der Hand liegen.


ARD Kulturreport 13.07.03, 22.40h, "Eine Mauer für Israel: Der Dokumentarfilm "Hinter dem Zaun" der Israelin Osnat Trebelsi"
Anis: Ein ziemlich eindrucksvoller Bericht. Zuerst wurde die israelische Mauer mit der deutschen Mauer verglichen. Dann wurde über den BBC-Film gesprochen und dann hat eine ältere Israelin gesagt, dass sie diese Mauer an die Außenansicht von Konzentrationslagern erinnert. Es wurde darauf hingewiesen, dass dies ein harter Vergleich sei, doch sagte die Israelin, dass es in der jüdisch-israelischen Geschichte bestimmte Bilder gebe, die sich festgesetzt haben, und dazu gehöre ein solcher Zaun, eine solche Mauer. Und daran wurde sie als Jüdin eben erinnert. Es hat mich schockiert, was da gezeigt wurde.

INTERNATIONAL SOLIDARITY MOVEMENT, July 13, 2003, For Immediate Release, "THE WALL IS THE ISSUE"
[JAYYOUS, Qalqiliya Region] On Monday, July 14, 2003 farmers of the Qalqiliya district will march from Jayyous down to the fence that has been erected to isolate them from their land. // This march is scheduled to coincide with a visit to the region by an aide to Palestinian Prime Minister, Mahmound Abbas as a statement by the farmers that there can be no peace and no peace process as long as this apartheid wall remains. // Dozens of international activists from around the world will join this march as part of the Freedom Summer Palestine campaign, designed to highlight the lack of freedom of movement for Palestinians and the nature of Israeli policies that continue, despite talk of peace and a "roadmap". // Israeli peace activists and journalists are invited to join Palestinian farmers and voice their opposition to the Israeli government's apartheid-like policies. Marchers will gather at the Jayyous Municipality at 10AM on Monday and proceed from there.

NDR Info 13.07.03, 12.05 Uhr, Sendung "Blickpunkt Diesseits - Das Magazin aus Religion und Gesellschaft", Feature "Horizonterweiterung in Jerusalem - 25 Jahre EKD-Studium in Israel" von Igal Avidan
http://original.www.ndrinfo.de/pages/info_std/t_cid-110522_.html Anis: Hier geht es z.B. darum, die jüdische Exegese des ATs besser zu verstehen, ein sicherlich interessantes und gutes Thema. Die Leitung des EKD-Studiums in Israel, so ging aus dem Bericht hervor, geht davon aus, dass die Juden Gottes auserwähltes Volk sind. Kann ja auch jeder halten, wie er/sie will. Rassistische Darstellungen hingegen müssen angeprangert werden, und die gab es in dem Bericht gegenüber den Palästinensern. Über die Erfahrungen einer deutschen Studentin in Israel wurde gesprochen. Alles sei soweit gut gewesen und eine Horizonterweiterung, bis auf den palästinensischen Terror. Zwei- oder dreimal kam das Wort "Palästinenser" bzw. "palästinensisch" vor, jedesmal in Zusammenhang mit Terror. Wer nichts über den Konflikt weiß, musste denken, dass die Palästinenser einfach nur ein Störfaktor sind. Sinngemäß hieß es in dem Radiobericht: "Die deutsche Studentin reagierte auf den palästinensischen Terror, so wie viele, teils mit Verdrängung und teils mit Überempfindlichkeit gegenüber Lärm." Dass die Israelis irgendetwas damit zu tun haben könnten, wird vollständig ausgeblendet. Besatzung? Menschenrechte? Kein Thema. Ich frage mich, was da verdrängt wird. NDR Info höre ich häufig und es ist ein guter Sender. Dieser Bericht von Igal Avidan hingegen ist tendenziös.

"The Bi-national State: The Wolf Shall Dwell With The Lamb" by Uri Avnery, July 12, 2003 (update of an article from 2001). http://www.avnery-news.co.il/english
Link to: Anis's comment

Link to: Modar S., "Why did they kill Eyad?" (July 13, 03)

Link to: Hans Lebrecht, "ANSTATT AUSFÜHRUNG DER VON ISRAEL GEFORDERTEN ROADMAP SCHRITTE IRREFÜHRENDE MEDIENFÜTTERUNG" (July 13, 03)


Gush Shalom 12.07.03, Pressemitteilung, "Marwan-Barghouti-Prozess, Montag, Bezirksgericht Tel-Aviv."
Ernst Herbst schreibt: "Gush Shalom ruft am 12.07.03 auf: Marwan-Barghouti-Prozess, Montag, Bezirksgericht Tel-Aviv. Dabeisein ist wichtig! // Die Verhandlung im Barghouti-Prozess am Montag, dem 14. Juli, könnte die letzte vor der Urteilsverkündung sein. Jetzt käme für ihn die Zeit seiner Verteidigung, aber wie bekannt: er will sich nicht verteidigen, und wahrscheinlich wird er eine Rede halten, in der er erklärt, warum er die Autorität eines israelischen Gerichts in seinem Fall nicht anerkennt. Aufgrund früherer Erfahrungen nimmt der Anwalt SHAMMAI LEIBOWITZ an, dass wir eingelassen werden, wenn wir rechtzeitig kommen, und es ist wichtig, dort zu sein - um eine andere Art von Präsenz in diesem Schauprozess der Sharon-Regierung zu demonstrieren, und auch im Zusammenhang mit der jetzt noch aktueller gewordenen Frage der Freilassung der Gefangenen.

jW, 12.07.03, Wochenendbeilage, "Freund der Mohammedaner. Ein Sammelband über die Reise des deutschen Kaisers in den Orient und ihre Folgen." von Heinz Britsche
www.jungewelt.de/2003/07-12/033.php Darin: "Günther Wirth schrieb seine Ansichten 'Zu den Zielen und Folgen der Orient-Reise von Kaiser Wilhelm II. in kirchengeschichtlicher Retrospektive' nieder und macht auf den Widerstreit von Kultus und Religion aufmerksam. Olaf Matthes geht es um die 'Wiederentdeckung alter Kulturschätze', um die Rolle der Deutschen Orientgesellschaft, die welthistorischen Grabungen. Schließlich gibt noch Karl-Heinz Beckmann einen Überblick über den Beitrag deutscher Mediziner zur Bekämpfung der Tropenkrankheiten im Vorderen Orient. Alles in allem, ein bemerkenswertes Buch, das Mosaiksteine für ein Bild des Orients liefert, der so manche späteren Entwicklungen besser verstehen läßt." Anis: wichtig

Kölner Stadt-Anzeiger 12.07.03, "'Da wird die politische Keule geschwungen.' Die israelische Regierung boykottiert die BBC (siehe Meldung). Rüdiger Heimlich sprach mit ZDF-Korrespondent Alexander von Sobeck über die Pressefreiheit in Israel."
http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1057845230595 Darin von Sobeck: "Einige elektronische Medien, dazu gehören BBC, CNN, auch das ZDF, werden von israelischer Seite als zu Palästinenser-freundlich angesehen. Häufig kommt dann auch der Vorwurf des Antisemitismus, allerdings eher aus Europa. Es gibt genug Hinweise darauf, dass die Einschränkung der Pressefreiheit in Israel Methode hat. Man führt einen Krieg und empfindet es auch so. Im Krieg gelten andere Spielregeln als in einer rechtsstaatlichen Demokratie. Und wir Journalisten hängen zwischen Baum und Borke, wenn wir über beide Seiten versuchen, ausgewogen zu berichten. In Israel herrscht die Haltung vor, wer nicht für uns ist ist gegen uns. Deshalb wohl auch diese zunehmenden Repressionen gegen die Medien. Dazu kommt eine nachvollziehbare kollektive Paranoia mit der Israel versucht, mehr schlecht als recht umzugehen. Man weiß zu wenig über die Lebenswirklichkeit des anderen." Anis: Der Mann weiß, wovon er spricht. Er sagt auch: "IBA, die Israeli Broadcasting Authority, ist ein Regierungsfernsehen. Der oberste Mann in den Kontrollorganen ist Ariel Scharon selber. IBA liegt ziemlich auf Regierungslinie. Aber es gibt in Israel eine ganze Reihe sehr kritischer und mutiger Journalisten." (CK)

MET 12 July 2003, "Hamas committed to truce" by AFP
Quote: "The groups laid down a raft of conditions when they announced the truce, including the release of all Palestinian prisoners. But the Israeli government is prepared to free only 350 prisoners, representing just 5 percent of the total in detention, and effectively ruled out the release of any members of Hamas and Islamic Jihad. Sheikh Yassin said that there was no prospect of the group compromising on its demands for the release of all Palestinian prisoners. 'We told our Egyptian brothers that it is a red line that we cannot cross,' he said." Anis: important quote

MET 12 July 2003, "More prisoners must be freed" by KAREN JAYES
Quote: "Israel's detention centers go mostly unreported in the mainstream press, as does any action drawing attention to Israel's human rights violations. April 17 is the Palestinian National Day for Prisoners. This year the suffering of more than 7,000 went largely unnoticed by the media, but now Sharon's announcement is lauded as a peace move, and the Palestinian Authority's (PA) report that it is simply 'not enough' is portrayed as a slap in the face to peace." Anis: long background info about the over 7,000 imprisoned Palestinians.

MET 12 July 2003, "Camp helps kids forget" by Hossam Ezzedin, RAMALLAH
Quote: "Israel has accused the Palestinian Authority of inciting violence against Jews in the media, in its school textbooks and summer camps. But the Palestinian coordinator for summer camps Walid Assaf complained about the pressures being exerted on his department. 'They accuse us of inciting the participants in these camps to hatred and violence, but when the occupation forces prevent the children from moving freely, reaching their schools or even playing, isn't that violence?' he asked. 'We are seeking to rid the children of their fear, this fear which is caused by Israeli aggression,' he added."

MET 12 July 2003, "Iraq death toll passes 6,000" by Reuters
Quote: "New information from remote locations of Iraq has pushed up the civilian death toll from the US-led war by 500 in the last month to at least 6,000, an Anglo-American research group said. The Iraq Body Count's (IBC) latest figures, based on media reports and more than a dozen counting projects from independent investigators in and outside Iraq, put the minimum number of civilians dead at 6,055 and the maximum at 7,706."

MET 12 July 2003, "Palestinians imprisoned in their homes" by Christian Chaise
About the village Qalqiliya in the north of the West Bank: "The building of the wall has resulted in the destruction or complete isolation of 40 percent of the town's farmland as well as depriving the Palestinians of 17 natural water sources, he claimed." (CK)

Hussam Khader, inoffizielles Dokument, 12.07.03, "Besuch des Mandela Instituts bei Hussam Khader"
Text: "Nachdem die Anwältin Buthaina Daqmaq den palästinensischen Abgeordneten Hussam Khader besucht hatte, der seit dem 17. März von Israel festgehalten wird, äußerte das Mandela Institut für Politische Gefangene seine Besorgnis über Herrn Khaders Gesundheitszustand. // Als Resultat von stundenlangen Verhören, während derer er weder vom Stuhl aufstehen noch schlafen durfte, leidet Herr Khader seit längerem unter schweren Rückenschmerzen und Erschöpfung. // Frau Daqmaq teilte dem Institut mit, dass Herr Khader physischem und psychologischem Stress ausgesetzt ist, der Folter gleichkommt. Teilweise waren die Verhöre bis zu 60 Stunden lang. Herr Khader erzählte der Anwältin, dass er seit seiner Verhaftung immer wieder zwischen den Gefängnissen in Petah Tikva, Akko und Jalameh, sowie einem geheimen Zentrum, dessen Name ihm nicht mitgeteilt wurde, hin und her transferiert wurde. // Am 19. Mai, nachdem er zurück nach Petah Tikva gebracht worden war, blieb er während eines Verhörs, bei dem man ihn zum Gestehen zwingen wollte, für 60 Stunden an einen winzigen Stuhl gefesselt und durfte während dieser Zeit weder schlafen, essen oder trinken. // Die israelischen Behörden beschuldigen ihn, die Al-Aqsa Brigaden zu finanzieren. Herr Khader streitet diese unbegründeten Vorwürfe weiterhin ab. Ihm zu Folge wird er nur aufgrund seiner politischen Überzeugung festgehalten. // Nach zwei Gerichtssitzungen im Militär Gerichtshof in Salem wurde seine Verhandlung jetzt bis zum 22. September 2003 aufgeschoben. Bis dahin soll Herr Khader im Gefängnis von Ramle bleiben."


taz (Le Monde diplomatique) 11.07.03, Seite 1,6, 77, "Vorsorgliche Belagerung. DER IRAN NACH DEM IRAKKRIEG " von PAUL-MARIE DE LA GORCE(üb. Edgar Peinelt)
http://www.taz.de/pt/2003/07/11/a0008.nf/textdruck Darin: "Nach dem Ende des Irakkrieges konzentriert sich die US-Regierung erneut auf die Rolle des Iran, der für Präsident Bush zur 'Achse des Bösen' gehört. Niemand zweifelt an einer Bedrohung durch die Amerikaner. Zwar entdecken beide Länder ab und zu gemeinsame Interessen - etwa im Hinblick auf Afghanistan oder auch zu Beginn des Irakkrieges -, doch das Konfliktpotenzial ist weitaus größer. Die Reformer um Staatspräsident Chatami taugen aus der Sicht Washingtons nicht mehr als Hoffnungsträger. Vor allem aber ist eine mögliche Atommacht Iran der Bush-Regierung ein Dorn im Auge. Die wird eine militärische Option allerdings kaum ernsthaft in Betracht ziehen, denn eine neue "Allianz der Willigen" wird sich nicht so schnell finden lassen. Völlig ungewiss ist auch, wie sich die Unruhe der Studenten auf die weitere innenpolitische Entwicklung im Iran auswirken wird." Der Autor ist Jounalist und Autor von "Dernier Empire: le XXIe siècle sera-t-il américain?", Paris (Grasset) 1996

taz, Le Monde diplomatique, 11.07.03, S. 3, "DER RELIGIÖSE FAKTOR IN DER US-POLITIK. Die Faust des Gerechten. Ein amerikanischer Intellektueller reflektiert das heutige Image der USA in der Welt und erklärt, warum es unabdingbar ist, das Verhältnis ihrer politischen Klasse zur Religion zu verstehen." von LEWIS H. LAPHAM (üb. Robin Cackett)
http://www.taz.de/pt/2003/07/11/a0023.nf/textdruck Darin: "Nach Meinungsumfragen bezeichnen sich 46 Prozent der US-Bürger - wie George W. Bush - als evangelikale Christen, das heißt als 'wiedergeboren' und damit schon der Erlösung gewiss; 48 Prozent lehnen die Evolutionstheorie als Ketzerei ab, 68 Prozent glauben, sie seien schon einmal dem Teufel begegnet. Mehr als 50 Millionen lesen Romane, die dem Leser die Wiederkunft des Herrn verklickern wollen. Justizminister John Ashcroft verkündete: 'Wir haben keinen König außer Jesus.' Und Tom DeLay, der republikanische Fraktionschef im Repräsentantenhaus glaubt sich von Gott berufen, die 'biblische Weltanschauung' in der amerikanischen Politik zu stärken, wonach nur das Christentum lehre, wie man 'mit den Realitäten dieser Welt zurechtkommen' könne." LEWIS H. LAPHAM ist Chefredakteur von Harpers; vom Autor zuletzt erschienen: "Theater of War", New York (The New Press) 2003.

taz, Le Monde diplomatique, 11.07.03, S. 4, "DER THINKTANK FÜR NAHOSTPOLITIK. Bushs Außenhirn" von JOEL BEININ (üb. Niels Kadritzke)
http://www.taz.de/pt/2003/07/11/a0013.nf/textdruck Darin: "Dass das Winep inzwischen voll auf die Likud-Linie eingeschwenkt ist, zeigt sich am klarsten in der Opposition des Instituts gegen den ursprünglichen, vom 'Quartett' aus EU, UN, Russland und den USA vereinbarten Friedensplan 'Roadmap'. Als Argument gegen die Roadmap wird angeführt, diese basiere auf 'der heuchlerischen, ja unanständigen These, es gebe eine Parallele zwischen dem Verhalten der Palästinenser und der Israelis.'" Über das Washington Institute for Near East Policy (Winep) und Martin Indyk. Joel Beinin ist Professor für Geschichte an der Stanford University, USA.

taz, Le Monde diplomatique, 11.07.03, S. 4, "Heimatfront" von NAOMI KLEIN (üb. Niels Kadritzke)
http://www.taz.de/pt/2003/07/11/a0012.nf/textdruck Darin: "Der Krieg gegen die NGOs spielt sich an zwei klaren Fronten ab. An der einen erkauft sich die Regierung das Stillschweigen und die Komplizenschaft der großen etablierten humanitären und religiösen Organisationen, indem man ihnen lukrative Verträge für die Mitarbeit beim Wiederaufbau des Irak anbietet. An der anderen Front werden die eher unabhängig agierenden NGOs marginalisiert und kriminalisiert, indem man behauptet, ihre Tätigkeiten gefährdeten die Demokratie. Für die erste Front, also für die Verteilung des Zuckerbrots, ist die US-Agency for International Development (USAID) zuständig, für die andere, das Schwingen der Peitsche, der mächtigste Thinktank von Washington, das American Enterprise Institute (AEI)." Naomi Klein ist kanadische Journalistin und Autorin des internationalen Bestsellers "No Logo!" von 2001

taz (Le Monde diplomatique) 11.07.03, S.13, "VOLLENDETE TATSACHEN IM SCHATTEN DES TERRORS. Scharons Palästina" von GADI ALGAZI (üb. Edgar Peinelt)
http://www.taz.de/pt/2003/07/11/a0045.nf/textdruck Darin: "Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat am Ende des Irakkriegs unter dem Druck Washingtons der Gründung eines palästinensischen Staates grundsätzlich zugestimmt. Doch welche Art Palästinenserstaat Scharon vor Augen hat, offenbart wohl am besten der Verlauf der geplanten, zum Teil auch schon gebauten Mauer, deren Errichtung Scharon in den letzten Monaten vorangetrieben hat. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat am 29. Juni bei ihrem Israelbesuch erneut die Erstellung der Trennmauer kritisiert. Sie sieht darin einen Versuch, bereits vor einer endgültigen Friedensregelung irreversible Fakten zu schaffen. Für den 'Friedensplan' sind das schlechte Voraussetzungen." Langer guter Hintergrundartikel. Gadi Algazi ist Professor für Geschichte an der Universität von Tel Aviv und führendes Mitglied der jüdisch-arabischen Organisation 'Taajusch' ('Koexistenz')

Telepolis 11.07.03, "Wissen und Waffen: Wiederherstellung der alten Größe der islamischen Kultur" von Florian Rötzer
www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15191/1.html Darin: "Der Premierminister von Malaysia hat zu einer Konferenz der Islamgelehrten geladen; die islamische Welt soll dem Westen durch Einheit der Religion, Zuwendung zur Wissenschaft und militärischer Aufrüstung Paroli bieten." Anis: Dass die Muslime sich emanzipieren sollten, sehe ich auch so. Aufrüstung als den richtigen Weg zu sehen, wirkt allerdings eher blass und fantasielos. Zudem ist Premierminister Mahathir Mohamad durchaus ein autoritärer Herrscher, immerhin hat er Dr. Munawar Anees foltern lassen.

Link to: STOP USA - Newsletter n° 1, (www.stopusa.be), COMPLAINT AGAINST GENERAL FRANKS (July 11, 03)

Link to: Alijah Gordon (2003): "IN THE TIME OF THE MISHMISH. A Painting in Twenty Parts", BOOK REVIEW by Adib S. Kawar. (July 11, 03)


Al-Ahram Weekly Online : 10 - 16 July 2003 (Issue No. 646), "Torching the right of return" by Muna Hamzeh
Description: "In this last of a four-part series addressing the main points of the roadmap, Muna Hamzeh argues that Israel plans to ethnically cleanse Palestinian refugees from West Bank and Gaza camps."

Al-Ahram Weekly Online : 10 - 16 July 2003 (Issue No. 646), "A place for our dream?" by Mustafa Barghouti
Description: "Unless they can work out some form of democratic collective leadership, the Palestinians may lose more than just their land, argues Mustafa Barghouti." The writer is secretary-general of the Palestinian National Initiative and president of the Palestinian Medical Relief Committees.

ISM Press Release, 10 July 2003, "IDF Prevents Farmers from Accessing Crops Beyond the Apartheid Wall"
Text: "[Deir Al Ghasoon, Occupied West Bank] At 9:00 AM today 40 Palestinians and 7 international volunteers attempted to pass through a gate in the Wall of Apartheid to plant crops on their land that lies on the other side. Israeli authorities have repeatedly assured the farmers that they would be allowed through to tend to their land. Despite these assurances, 16 soldiers and 4 Israeli policemen pushed the farmers and the internationals back through the gate and closed it. // This is the first time that a group of farmers has attempted to obtain access to their fields. Individual farmers have been prevented access in the past. // The soldiers responded to attempts to negotiate passage through the gate by pushing the people back and telling them that they had 5 minutes to vacate the area. // Local press was called but they were stopped by soldiers at a checkpoint and were not allowed to proceed to the area to report on the denial of access of Palestinian farmers to their land. // Deir Al Ghasoon villagers own 3000 dunams of land that lie on the other side of the wall and 500 people depend on harvesting it for their livelihood. This is only one of several villages where the residents have been cut off from their land and wells.

jW 10.07.03, "Schutz vor Willkür des Staates. Offizieller iranischer Studentenverband appelliert an UNO"
www.jungewelt.de/2003/07-10/004.php Beschreibung: "Vor vier Jahren, am 9. Juli 1999, wurden die Studentenunruhen im Iran niedergeschlagen. Die aktuellen Auseinandersetzungen sind auch vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen zu sehen. Der Brief, den wir im folgenden gekürzt dokumentieren, erschien im Internet auf der Seite der Amir Kabir Universität Teheran (www.akunews.org/News/ print.asp?ID=2488). Der Brief wird vom 'Büro zur Festigung der Einheit' verantwortet, dem offiziellen Studentenverband mit einem Khomeni-Bild auf der Website. Übersetzt und verbreitet wird er vom Middle East Media Research Institute (MEMRI, Special Dispatch - 8. Juli 2003). Das MEMRI ist wegen seiner deutlich parteilichen Auswahl der übersetzten Texte kritisiert worden. Aber auch der Versuch einer Instrumentalisierung von außen, der von den iranischen Autoren sehr genau gesehen wird, ändert nichts an ihrer Charakterisierung der iranischen Verhältnisse." Längeres Dokument

KN 10.07.03, S.3, "'Die Bundeswehr muss wesentlich flexibler werden.' Der Befehlshaber des Wehrbereichskommandos I Küste zu den Herausforderungen der Zukunft" Mit Konteradmiral Uwe Kahre sprach Eckhard Plambeck.
Darin Admiral Uwe Kahre am Schluss: "Wenn wir als starkes, großes Land in Europa unsere Armee weiter verkleinern, würden wir damit einen Teil unseres internationales Einflusses verlieren." Anis: Welche Art von Einfluss ist hier gemeint? Einfluss durch Einschüchterung und Gewalt? Hm. Ist das die Art von Einfluss, die wir wollen? Diese Logik des Militärs verwirrt mich. Ist es wie bei der Mafia? Oder wie im Dschungel? Früher hatten wir ja mal eine reine Verteidigungsarmee, bei Herrn Kahre klingt das allerdings anders. Er hat nicht einmal mit der berühmten veränderten Sicherheitslage argumentiert. "...muss flexibler werden..." kann alles Mögliche bedeuten, das klingt nicht gut.

taz 10.07.03, S.4 "Eine Mauer auf fremdem Boden" aus Mascha SUSANNE KNAUL
http://www.taz.de/pt/2003/07/10/a0145.nf/text Darin: "Seit Generationen lebt Nasih Schalabis Familie in Mascha. Schon seinen Eltern wurde Land genommen, um Häuser für die neuen jüdischen Nachbarn zu bauen. Nun muss er zusehen, wie unmittelbar vor seinem Dorf ein breiter Betonstreifen für die Mauer gegossen wird, zu der parallel auf beiden Seiten bereits die Zäune aus Stacheldraht verlaufen. Auf 'israelischer' Seite betonieren die Bauarbeiter zusätzlich eine schmale Straße für Militärpatrouillen." Guter langer Artikel

Telepolis 10.07.03, "'Zweierlei Israel.' Von der Schwierigkeit einer Verständigung zwischen einem israelischen und einem deutschen Linken" von Peter Nowak
www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15179/1.html Darin am Schluss: "Skeptischer als Zuckermann sieht Gremliza das friedenswillige Potential auf Seiten der Palästinenser. Der bekennende Nichtzionist insistierte darauf, dass der palästinensische Widerstand nicht primär eine Folge von Antisemitismus ist, sondern den unerträglichen Lebensbedingungen unter der palästinensischen Besatzung zu erklären ist. Als er dann noch daran erinnerte, dass die Hamas in ihrer Entstehungsphase von den israelischen Behörden gegen die säkulare PLO unterstützt wurde, war bei einigen Hardcore-Antideutschen, die bedingungslose Solidarität mit der israelischen Regierung propagieren, die Geduld zu Ende. Einige rollten ein Transparent mit dem angeblichen Möllemannzitat: 'Man wird doch Israel noch kritisieren können' aus, um die Referenten in die rechte Ecke zu rücken. Ein jüdischer Überlebender des Naziregimes musste mehrere Anläufe machen, um überhaupt Gehör zu finden. So gründlich auch viele Anwesende die Antisemitismustheorien studiert haben mögen, mit der praktischen Umsetzung hapert es denn wohl doch." Anis: Das war am Mittwoch in Berlin bei einer Veranstaltung mit Konkret-Herausgeber Hermann L.Gremliza und dem Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte der Uni Tel Aviv Moshe Zuckermann. Jetzt wird man schon in die rechte Ecke gerückt, wenn man Möllemann nur zitiert. Unglaublich. Ich kann solche Leute nicht mehr ernst nehmen. Die haben von Möllemann keine Ahnung.

www.aufbauonline.de, 10.07.03, "Architektur als strategische Waffe. Die Ausstellung 'Territories' in den Berliner Kunst-Werken" von Stefanie Oswalt
www.aufbauonline.com/aufbau/ausgaben/2003/issue13/5.html Darin: "'Territories' gibt Aufschlüsse über die Gestaltung von geographischen Räumen und deren Eroberung, Besetzung, Verteidigung und Kontrolle. Das Hauptthema ist dabei Israels Siedlungspolitik auf der West Bank. Welche Brisanz ihr Thema birgt, haben die Ausstellungsmacher bereits erfahren - obwohl die Schau durchaus einem Trend der linken Intellektuellen in Israel entspricht, sich mit der israelischen Geschichte und besonders dem Palästinenserkonflikt kritisch zu befassen." Anis: ausgezeichneter Artikel über die beiden in Tel Aviv und London ansässigen israelischen Architekten Eyal Weizman und Rafi Segal. Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. August im Inst. f. zeitgen. Kunst, Berlin. Irritierend allein die Schlussbemerkung des Artikels: "Solch schonungslose Analyse der israelischen Siedlungspolitik verdient Respekt, aber sie blendet den historischen Kontext der Staatsgründung Israels aus, nämlich die unmittelbar vorausgegangene Ermordung und Verfolgung des europäischen Judentums." Anis: Immer wieder wird uns eingebläut, dass der Holocaust die israelischen Menschenrechtsverletzungen aufwiegt. Dass also Palästinenser ausbaden müssen, was Deutsche verbockt haben. Oder wie sonst soll und kann man dieses stereotype Argument deuten?

DIE ZEIT 29, 10.07.03, "Das alte Lied der neuen Hoffnung. Der israelisch-palästinensische Konflikt wird morgen nicht vorbei sein. Aber er ließe sich sofort entschärfen" Essay von Tom Segev (Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler)
Darin: "Ähnlich wie die Briten Ben Gurion macht Israel Arafat und Abbas für alle Terroranschläge verantwortlich und verlangt von ihnen, für ihre vollständige Beendigung zu sorgen. Den Israelis ist die Übereinkunft zwischen den palästinensischen Organisationen, den Terror zu beenden, nicht genug. Sie verlangen von Abbas, die radikalen Gruppen, mit denen er gerade das Abkommen unterzeichnet hat, endgültig aufzulösen. Doch die palästinensischen Führer sind, ähnlich wie Ben Gurion damals, nicht in der Lage, die Aktionen extremistischer Organisationen vollständig zu unterbinden." Und: "Die Anwesenheit der Briten in Palästina dauerte dreißig Jahre. Sie verließen das Land, als ihnen klar wurde, dass der Preis für ihre Herrschaft zu hoch war. Immer mehr Israelis kommen zu einer ähnlichen Schlussfolgerung in Bezug auf die 1967 besetzten palästinensischen Gebiete, doch inzwischen dauert die israelische Besatzung bereits viel länger als die britische. Die Zahl der Israelis, die in den letzten drei Jahren bei palästinensischen Terroranschlägen ums Leben kam, beläuft sich auf etwa achthundert, das sind mehr Menschen, als im Krieg von 1967 gefallen sind. Die Palästinenser verloren in den letzten drei Jahren fast dreitausend Menschen." Anis: Klingt wie ein guter Vergleich. Am Schluss heißt es: "Ein palästinensischer Staat wird zum Beispiel nur schwer Bestand haben können, sogar wenn Israel auf alle besetzten Gebiete verzichtet. Doch ein solcher Staat kann sich auf das Gebiet Jordaniens ausdehnen, dessen Bewohner zum größten Teil Palästinenser sind. Mit dem Sturz Saddam Husseins hat sich die Gefahr verringert, dass ein solcher erweiterter Palästinenserstaat als offener Korridor für eine arabische Invasion nach Israel dienen könnte. Die Israelis könnten für den Verzicht, zu dem sie gezwungen sein werden, von Europa angemessen entschädigt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die meisten Israelis das Angebot akzeptieren würden, Israel als Ausgleich für die Aufgabe der besetzten Gebiete zum vollwertigen Mitglied der europäischen Gemeinschaft zu machen." Anis: Von allen gewagten Gedankenspielen und Visionen ist diese hier sicher eine der besseren und wohl auch realistischeren. Dennoch sehe ich am Ende des Tunnels einen gemeinsamen Staat für Juden und Araber.

DIE ZEIT 29, 10.07.03, "Die Rekruten aus der Hölle. Der Terror der Islamisten hat Marokko erreicht. Sidi Moumen heißt der Slum von Casablanca, in dem die Sektenführer ihre Attentäter anwerben" von Tahar Ben Jelloun (üb. Christiane Kayser)
Darin: "Für den jungen König sind diese Attentate eine Prüfung. Die Vordenker und Organisatoren der Morde des 16. Mai wollten offensichtlich das Regime ins Wanken bringen, das Land isolieren, die Wirtschaft ruinieren, indem sie Touristen und Investoren verschrecken. Das Parlament hat ein Anti-terrorgesetz verabschiedet. Die vierzehn Selbstmordattentäter stammen allesamt aus Sidi Moumen. Das heißt nicht, dass Armut automatisch zu Terrorismus führt. Doch wer im inneren Kreis der Hölle lebt, ist zu allem bereit." Langer, literarisch-journalistischer Artikel. Tahar Ben Jelloun ist der bekannteste marokkanische Schrifsteller.

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