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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
06/2003 (1)
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10.06.03, Elisabeth Schneider, zu FR-Artikel "Im Exzess von Anomie" von Herfried Münkler



SPIEGEL ONLINE, 08.06.2003, "Kein Frieden in Nahost. Sieben Tote bei Angriff auf Israel."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-252078 Leserbrief Claudia Karas an spiegel at spiegel.de: in diesem artikel gehen Sie ausführlich auf die gewalt palästinensischer widerstandsgruppen ein! warum berichten Sie so einseitig? warum berichten Sie nicht von den bewaffneten israelischen siedlerbanden, die - angeführt von tourismusminister Binyamin Elon und Verkehrsminister Avigdor Lieberman - das haus einer vertriebenen palästinensischen familie besetzte? warum berichten Sie nicht, dass mit unterstützung der israelischen okkupationsarmee weiterhin palästinensisches land geraubt wird ? warum machen Sie sich zum sprachrohr der israelischen besatzer?

08.06.03, Claudia Karas schreibt: "An die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte Frau Christa Nickels"
nach der lobenswerten Anhörung im Bundestag zu den menschenrechtsverletzungen in tschetschenien wäre m.E. eine ähnliche anhörung zu den menschenrechtsverletzungen in palästina dringend erforderlich! Auch dort leidet die zivilbevölkerung bei den säuberungsaktionen der israelischen okkupationsarmee! auch dort werden menschen willkürlich verhaftet und in sogenannte "administrativhaft" genommen. Was so formal und harmlos klingend daherkommt, ist nichts anderes, als dass palästinenser ohne weitere nennung von gründen verurteilt werden unter dem vorwand, sie seien eine gefahr für die sicherheit israels! Tausende menschen sind in haft ohne ordentliches gerichtsverfahren, in der sogenannten "einzigen demokratie im nahen osten"! unter dem vorwand der "terrorbekämpfung" werden friedensaktivisten und journalisten durch die israelische okkupationsarmee ermordet! Sicher sind authentische experten, israelische und palästinensische bürgerrechtler, bereit, dem bundestagsausschuss für menschenrechte in einer anhörung über das brutale vorgehen der israelischen besatzer zu berichten!



Junge Freiheit 07.06.03, "Drohung als Mittel der Provokation". Interview: Saul Zadka nimmt Stellung zu seinen Vorwürfen gegen Europa und zu den Reaktionen auf seine Kolumne in Ma'ariv." von Moritz Schwarz
Darin Zadka: "Leider gibt es in Europa eine traditionelle Feindseligkeit gegenüber Israel. Ich habe ja ausgeführt, worin sie sich dokumentiert. / Frage: Können Sie sich vorstellen, wie es in europäischen Ohren klingt, wenn Sie uns mit einem Angriff, zumal mit Atomwaffen, drohen? Deutschland etwa hat keine Atombomben, ist in dieser Hinsicht Israel also ausgeliefert. Zadka: Nun, der Freund unseres Feindes ist eben unser Feind. Allerdings geht es mir ganz und gar nicht darum, Ihnen zu drohen, im Sinne von Muskeln spielen zu lassen. Ich spreche von einer Situation, in der Israel mit dem Rücken zur Wand steht. Meine "Drohungen" sollen genau genommen das Gegenteil dessen sein, was eine Drohung eigentlich ist. Ich will damit nicht zur Eskalation beitragen, sondern die Notbremse ziehen. Ich will warnen, damit wir umsteuern, bevor es zur Eskalation kommt. Frage: Deeskalation durch Drohung? Zadka: Ja, die Drohung als Mittel der Provokation. Hätte ich nur einen weiteren nachdenklichen Artikel geschrieben, hätte doch niemand aufgehorcht." Anis: Man darf so etwas nicht ignorieren. Dr. Saul Zadka ist Leiter des Fachbereichs für Medien und Kommunikation am Israel Valley College. In seinem Artikel "Europa - der verlorene Kontinent Polemik: Ein israelischer Journalist erwägt wegen der EU-Hilfen für Palästinenser den Einsatz von Atomwaffen" schreibt er u.a.: "Ich behaupte hier, mehr im Ernst als im Spaß, daß der Tag kommen wird, an dem Israel Ziele in Europa angreifen muß." Anis: Solche Stimmen entstehen, wenn man bestimmten Gruppen Sonderrechte gibt. Gewalt ist in Israel so normal, dass ein solcher Artikel erscheinen konnte. Wenigstens hat man ihn für diese Gewaltandrohung gefeuert.

jW 07.06.03, "Bush droht Waffengate. Hans Blix: Keine Beweise für ABC-Waffen im Irak. Untersuchung gegen US-Präsident gefordert." von Rüdiger Göbel
www.jungewelt.de/2003/06-07/001.php Darin:"Droht dem US-Präsidenten nach dem Sieg im Krieg nun ein Waffengate? Mittlerweile hat der dienstälteste US-Senator öffentlich die Ehrlichkeit von George W. Bush in Frage gestellt. Bush müsse sich den Forderungen nach Bildung eines Kongreßausschusses zur Klärung möglicher Manipulationen der US-Geheimdienste im Vorfeld des Kriegs anschließen, forderte der 85jährige demokratische Senator Robert Byrd. "Schließlich ist es seine Aufrichtigkeit, die in Frage gestellt wird, und seine Integrität, die zur Debatte steht." Anis: Ich hatte nie das Gefühl, dass Bush einen Krieg gewonnen hätte. Und Waffengate ist sicher nicht die einzige Sache, die die amerikanische Regierung heute belasten. Da gibt es noch Völkerrechts-Gate und vielleicht sogar Elfter-September-Gate, das kann man heute noch gar nicht abschätzen.

KN 07.06.03, S.2, "'Ein Zeichen für den Eintritt in die Normalität'. Bundestag ratifiziert historischen Vertrag mit Zentralrat der Juden" von dpa
Darin:"Im Bundestag erinnerten Sprecher aller Parteien an die historische Verantwortung, die Deutschland nach der Judenverfolgung des ‚Dritten Reiches' habe." Anis: Die Verantwortung Deutschlands liegt darin, jede Art von Verfolgung und Rassismus zu verhindern. Hier liegt ein großes Missverständnis, mit dem z.B. Menschenrechtverletzungen in Israel gedeckt werden. Weiter: "Für seine kulturelle, soziale und integrationspolitische Arbeit erhält der Zentralrat jährlich drei Millionen Euro." Anis: Der Zentralrat der Juden ist pro-Scharon. Vor kurzem sah man Michel Friedman mit Scharon im Fernsehen. Die letzte Rede von Paul Spiegel, die die WELT gedruckt hat, zeigte so viel Gewaltbereitschaft wie das Übrige, was man von Spiegel so kennt. Er ist für Gewalt gegen Palästinenser, für den Irak-Krieg und er spricht über eine göttliche Mission der Juden, sich zu wehren, notfalls auch mit Gewalt. Er rechtfertigt das durch ein ständiges (potenzielles) Ansteigen des Antisemitismus etc.. Der Zentralrat der (einiger) Juden unterstützt die Menschenrechtsverletzungen in Palästina aktiv. Das war bei Ignatz Bubis nicht der Fall. Heute ist es der Fall.

Kieler Nachrichten 07.06.03, S.4, "Hamas beendet Dialog mit Abbas" von afp
Anis: ganz guter Artikel, jedenfalls kein schlechter.

Neue Zürcher Zeitung, 07.06.03, "Kein Adieu. Europa und das Judentum." von Michael Brenner
Darin:"Es bildete sich gerade während des letzten Jahres eine Mehrheitsmeinung unter den Juden Europas heraus, die in deutlichem Gegensatz zur Mehrheitsmeinung des restlichen Europa stand: Man mochte mit der amerikanischen Regierung und der Art der Kriegsführung nicht immer einverstanden sein, aber noch weniger einverstanden war man mit dem damit einhergehenden Antiamerikanismus; man mochte die Regierung Sharon nicht lieben, aber noch weniger die um sich greifenden antiisraelischen Sentiments." Anis: Hier liegt der fundamentale Fehler der Israelis bzw. Juden. Hier wird nichts anderes ausgesagt als: Wenn ihr uns nicht mögt, verwenden wir auch Gewalt, wobei "mögen" ein Spektrum bezeichnet, das nicht selten bis zur uneingeschränkte Solidarität reicht. Weiter heißt es: "Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass eine vor zehn Jahren herrschende optimistische Grundstimmung unter Europas Juden in Besorgnis umgekippt ist. Diese wird zudem dadurch genährt, dass einige Repräsentanten jüdischen Lebens in ihrer Verzweiflung der Versuchung durch falsche Freunde nicht widerstehen. Können Juden heute wirklich eine italienische Regierung, die eine ehemals faschistische Partei in ihren Reihen zählt, als Verbündete akzeptieren, nur weil diese die Araber als noch grössere Bedrohung denn Israel begreift?" Anis: Verzweiflung von "Repräsentanten jüdischen Lebens" also, aha. Demnach gibt es also eine organisierte Lobby. Weiter steht da: "Das politische Dilemma der europäischen Juden ist allerdings vielfältig: Mit einem grossen Teil der Linken kann man immer weniger, weil er Amerika verteufelt und in Israel den eigentlichen Gefahrenherd im Nahen Osten wittert; mit den Rechten darf man nicht, weil sie nicht für das liberale, weltoffene Europa stehen, das einen klaren Schlussstrich unter jene nationalstaatliche Vergangenheit zieht, die nicht nur für Juden genug Unheil gebracht hat. Mit den Muslimen möchte man einerseits, weil sie heute eine ebenso über ganz Europa verstreute nichtchristliche Minderheit darstellen, und kann man andererseits doch nicht so richtig, weil sich in ihre antizionistischen Äusserungen zunehmend mehr antisemitische Elemente einschleichen. Mit Israel wiederum muss man, weil jeder Jude weiss, dass dieser Staat nicht nur eine historische Notwendigkeit, sondern gleichzeitig einen letzten Zufluchtsort darstellt - und doch fällt es so manchem schwer, sich mit der jetzigen Regierungspolitik zu identifizieren." Anis: 1. Oh, es fällt ihnen schwer! Und warum fällt es ihnen schwer? 2. Die Muslime scheinen hier herhalten zu müssen, um das Keiner-Mag-uns-Syndrom am Leben zu halten. Symptomatisch ist die fehlende Kontextualisierung zwischen 1. und 2. Weiter heißt es: "Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser zahlreichen inneren Konflikte scheint sich langsam eine leise Stimme unter europäischen Juden Gehör zu verschaffen: Sie will einem pluralistischen, weltoffenen Europa vermitteln, dass in seiner Mitte eine seit Jahrhunderten im ganzen Kontinent beheimatete Minderheit lebt; sie will den amerikanischen Juden signalisieren, dass das mancherorts befürchtete Szenario, eine neue "Kristallnacht" stehe in Paris oder Berlin bevor, unbegründete Hysterie ist" Anis: Na, diese leise Stimme kann ja heiter werden. Insgesamt ein eher seltsamer Artikel. Er ist nicht wirklich schlecht, aber er hinterlässt ein komisches Gefühl.

Uri Avnery 07.06.2003, "Nach Akaba und zurück"
http://www.uri-avnery.de/magazin/artikel.php?artikel=98&type=2&menuid=4&topmenu=4, übersetzt von Ellen Rohlfs


Kieler Nachrichten 06.06.03, S.2, "Trauer, Betroffenheit und viel Respekt." Über den Tod von Jürgen W. Möllemann
Darin Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Ich habe ihn als Mensch geschätzt, besonders dann, wenn er es einem nicht besonders leicht gemacht hat." Anis: Will der uns verschaukeln? Macht der sich lustig oder was?

SPIEGEL ONLINE 06.06.2003 , " Vorgeschobene Kriegsgründe. US-Huldiger der Union in der Klemme" von Markus Becker
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-251695 Darin:"Die Debatte um die wahren Gründe des Irak-Kriegs bringt die Sympathisanten in arge Erklärungsnöte. CDU-Chefin Angela Merkel schweigt, ihr Parteifreund Friedbert Pflüger fabuliert, Edmund Stoiber kopiert die Argumente der Alliierten. Und die Bundesregierung hält still - der transatlantischen Beziehung zu Liebe." Anis: guter Artikel

taz 06.06.2003, S.12 "Ohne Basis. Ein moderner und progressiver Islam wird nur gedeihen, wenn er unabhängig vom Westen entwickelt wird - und seine Protagonisten die Sprache des Volkes sprechen" von FARISH A. NOOR /Üb. Sven Hansen
http://www.taz.de/pt/2003/06/06/a0143.nf/text# Anis: Empfehlenswert. Farish A. Noor ist ein malaysischer Aktivist und einer der führenden Nachwuchs-Politikwissenschaftler seines Landes. Nach Forschungsaufenthalten in London und Leiden forscht er zurzeit am Zentrum Moderner Orient in Berlin

taz 06.06.2003, S.15, "Empire im Wespennest. Im Orient nichts Neues? Mit der Beseitigung Saddam Husseins stehen die USA als militärische Supermacht mitten in der arabischen Welt. Damit wächst auch der Hass auf Amerika in der gesamten Region. Wie Bush den Krieg doch noch gewinnen kann, wird der Friedensplan für Israel und Palästina zeigen" von SÉLIM NASSIB /Üb. Barbara Oertel
http://www.taz.de/pt/2003/06/06/a0165.nf/text Anis: Viele schreiben vom Hass im Nahen und Mittleren Osten gegen Amerika. Auch damals nach dem Elften September die kurzzeitige Debatte "Warum hassen die uns so?" Unberechtigt ist dieses Wort wahrscheinlich nicht, aber ich wundere mich dennoch, dass es nur in die eine Richtung verwendet wird.

WELT 06.06.2003 "Stürmischer Frieden. Jerusalem leidet unter der Angst und dem Ausbleiben seiner Gäste. Nun nährt die Bush-Initiative Hoffnung - ein Spaziergang durch die Altstadt" von Michael Stürmer
Darin:"'Yom Hierushalajim', den Jerusalem-Tag : ‚Der Tag erinnert an die Rückeroberung Jerusalems durch die Israelis, den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung der Stadt im Sechstagekrieg 1967." Claudia Karas: diese "rückeroberung" war die ANNEKTION des Ostteils der Stadt! .... Weiter: "Suk, den arabischen Markt. Der Staat Israel ist präsent durch eine Polizeiwache, militärische Streifen und junge, kräftige Beobachter in Zivil. Ein grauhaariger, bärtiger Mann führt zwei kleine Jungen zur Schule, seine Uzi-Maschinenpistole im Arm." CK: (Die netten israelis, schützen ihre kids ...) Weiter: "Es geht die Stufen hinunter in den Basar mit seinen widerstreitenden Gerüchen: nach Falafel und blutigem Fleisch, nach Minze und Ingwer und Safran und Moder und Schmutz." (diese dreckigen araber ...) Weiter: "Unweit davon eine israelische Fahne, zwei blaue Streifen auf Weiß, Mittelmeer und Jordan symbolisierend, dazwischen der Davidstern. Es ist die Wohnung Ariel Scharons, die er sich in der Altstadt hält, stark gesichert." (die fahne: die "duftmarke" des besatzers!) Weiter: "Die Touristen sind ausgeblieben, seitdem vor über zwei Jahren der palästinensische Aufstand ausbrach - das ist längst kein Steine schleudernder Kinderspaß mehr, sondern Terrorkrieg, durch Religion befeuert." CK: herr stürmer, schon sharon auf dem tempelberg vergessen? warum benennen Sie den grund nicht? BESATZUNG! Weiter: "Die Terrorbanden der Palästinenser beim Namen zu nennen wagt keiner." Claudia Karas: und herr stürmer verschweigt den terror der israelischen okkupationsarmee!

ZNet 06.06.2003 "So sieht also der israelische 'Waffenstillstand' aus" von Kristen Ess
Englisches Original:
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=22&ItemID=3740 Darin:"Die israelische Regierung erhält von den USA täglich 12 Millionen Dollar, um ihr Arsenal an 'Massenvernichtungswaffen' aufzustocken. An eine Beendigung ihrer illegalen Militärbesatzung in Gazastreifen und Westbank denkt sie nicht. Auch die Ausgangssperren für Westbank-Städte gehen weiter, der Siedlungsbau sowie die Checkpoint-Praxis. Ebenso werden überall in Westbank u. Gazastreifen weiterhin APCs (gepanzerte Mannschaftswagen) Apache-Helikopter, Panzer, Jeeps und Bodentruppen eingesetzt. Gestern ermordeten die israelischen Besatzungstruppen 5 Palästinenser in der Westbank-Stadt Attiel bei Tulkuram. Am Dienstag ließ die israelische Militärregierung 100 von insgesamt über 8 000 politischen Gefangenen der Palästinenser frei. Die meisten der Freigelassenen wurden nie angeklagt oder verurteilt. Das nennt man 'Administrativgewahrsam'. Die Israelis verhängen ihn für 6 Monate, können ihn aber nach Belieben jahrelang verlängern." Anis: Ausführlicher und wichtiger Artikel. Die Autorin, Kristen Ess aus New York City, ist freie Journalistin u. Aktivistin. Sie hat in Westbank u. Gazastreifen mit belagerten palästinensischen Familien zusammengelebt.


Kieler Nachrichten 05.06.03, S.2, "Zum Gipfel in Akaba: Schwierige Fragen verschoben" Kommentar von Karim El-Gawhary
Anis: Guter Kommentar.

Kieler Nachrichten 05.06.03, S.5, "Neue Chance für Nahost. Große Gesten auf dem Treffen in Akaba" von dpa
Anis: Guter Artikel.

SZ 05.06.2003, "Ausgesetzt auf den Bergen des Herzen. Über die jüngeren Versuche, den Koran textkritisch auszuhebeln" von LUDWIG AMMANN
Darin:"Immerhin ist damit die Katze aus dem Sack. Denn natürlich will Luxenberg eigentlich darauf hinaus, dass der Koran außer der Muhammad-Predigt noch andere Materialien enthält. Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Der Saarbrücker Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig glaubt das auch: Der Koran müsse wie die Bibel ein Gemeindeprodukt sein, durchaus mit einem Grundbestand an echten Muhammad-Worten, doch von seinen Redaktoren um Gemeindebildungen erweitert und Ende des 7. Jahrhunderts im Irak unter dem Einfluss syrischen Christentums endredigiert ("Weltreligion Islam", 2000). Ohlig ist der Forschste im Chor der Rebellen. Sein Buch deutet die Entdeckungen eines Saarbrücker Forschungsduos spekulativ im Geist der Bibelwissenschaft." Anis: Warum muss der Koran wie die Bibel sein? Das verstehe, wer will. Es gibt bestimmt noch viel Interessantes über den Koran zu erfahren, aber die hier vorgestellten Thesen widersprechen den frühislamischen Quellen zu dem Thema, die ich kenne. Es scheint sich eher um Konstruktionen zu handeln, die nicht allein wissenschaftlicher Natur sind. Der Text endet mit: "Die fällige Wende in der Koranwissenschaft, eine Geschichte seiner Redaktion und Fixierung, die den Text von literalistischen Zumutungen befreit, wird so nicht erreicht." Guter Artikel.

DIE WELT 05.06.03, "Fanatiker bemühen sich verstärkt um Einbürgerung" von Peter Scherer
Darin: "Nach den Feststellungen der Nachrichtendienste verfolgen die fundamentalistischen Organisationen eine Doppelstrategie: In der Öffentlichkeit präsentierten sie sich gesetzestreu, tolerant und dialogbereit. In Wahrheit aber, so Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU), ‚streben sie eine totalitäre islamistische Gesellschaft an, die sämtliche Werte unserer Ordnung außer Kraft setzen soll'. Auf diesem Weg nutzten die Islamisten ‚massiv Einbürgerungen', bekräftigt der Minister Erkenntnisse des hessischen Verfassungsschutzes, die sich mit denen anderer Landesämter decken." Claudia Karas: wie sollte der normalbürger differenzieren, wo der verfassungsschutz verschwörungstheorien unter das volk bringt. hier wird angst geschürt vor einer "absoluten weltherrschaft des islam": der gemeine muslim tarnt sich als "doppelstratege" und präsentiert sich "in der Öffentlichkeit gesetzestreu, tolerant und dialogbereit ". also, obacht, wenn ihr auf solche muslime trefft, das sind besonders gefährliche extremisten!


Kieler Nachrichten 04.06.03, S.2, "'Der Irak-Krieg war eine Art Präzedenzfall'" Interview mit Dr. Reinhard Mutz vom Institut für Friedensforschung (Frank Lindscheid)
Darin die Frage: "Betrachten Sie den Krieg als eine Art Türöffner für den Frieden in der Region?" Mutz: "Nein, das sicher nicht. Aber der Krieg hat neue Konstellationen geschaffen und die muss man nüchtern analysieren. Die Kritik am amerikanischen Vorgehen ist damit in keiner Weise entkräftet. Es war wirklich desaströs für die internationale Gemeinschaft. Dass ein Land sich aufschwingt, in einer dreifachen Rolle zu agieren - als Kläger, Richter und Vollstrecker - haben wir eigentlich seit Jahrzehnten überwunden geglaubt." Weiter sagt Mutz: "Das Beängstigende ist, dass der Irak eine Art Präzedenzfall war. (...) Dieses Vorgehen ist programmatisch unterfüttert und auf Dauer konzipiert. (...) Europa darf diesem Kurs nicht folgen."

Kieler Nachrichten 04.06.03, S.2, "Bush braucht den Frieden" Kommentar von Klaus Kramer
Darin heißt es, dass ein Frieden in der Region möglich sei, wenn nach den palästinensischen Zugeständnissen jetzt Bush Druck auf Scharon ausüben würde. Ein relativ gesehen ganz guter Kommentar, jedenfalls kein schlechter. Nur ein Punkt. Herr Kramer schreibt: "Bush braucht den Nahost-Frieden, um den durch den Irak-Krieg angerichteten Schaden in Grenzen zu halten. Er muss dem Hass der arabischen Welt auf die Hegemonialmacht USA etwas Positives entgegensetzen." Anis: Hass. Dieses Wort fällt aus dem Rahmen. Niemals nämlich würden die KN vom Hass beispielsweise der Deutschen sprechen, der Amerikaner oder gar der Israelis. Dort hieße es Verärgerung o.ä.. Die Tatsache, dass nur eine bestimmte Gruppe, nämlich Araber/Muslime mit diesem Begriff beschrieben werden, zeigt, dass es so ganz ohne Feindbild bei den KN doch noch nicht geht.

Telepolis 04.06.2003, "Die USA nur noch den US-Bürgern" von Jenny Eltermann
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14938/1.html Darin:"Arabisch aussehende illegale Einwanderer wurden wie Schwerstkriminelle behandelt und verschiedentlich misshandelt, Studenten aus arabischen Ländern, die zum Urlaub nach Hause gefahren sind, wissen nicht, ob sie zurück dürfen" Anis: empfehlenswert

Ohne Quelle: 80 Tage nach Verhaftung streitet der palästinensische Parlamentarier Hussam Khader weiterhin alle Vorwürfe ab. Haft dennoch um zwei Wochen verlängert
In seiner Sitzung am 4.6.2003 beschloss der zuständige israelische Militärgerichtshof die Untersuchungshaft für den palästinensischen Parlamentsabgeordneten und Präsidenten des "Komitees für das Rückkehrrecht von Flüchtlingen" Hussam Khader zum nunmehr siebten Mal um zwei Wochen zu verlängern, da ihnen für die Eröffnung eines Verfahrens weiterhin die Beweise fehlen. Hussam Khader stritt erneut alle Beschuldigungen ab, wodurch in den israelischen Reihen erstmals Zweifel an der Standfestigkeit der Vorwürfe aufkamen. Interne Quellen bestätigten das es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Internen Nachrichtendienst (Shabak) und Moshe Kabelanski, dem Militärbeauftragten der West Bank kam. Laut Ha'aretz verlangte Kabelanski letzte Woche die Freilassung Khaders noch vor dem Gipfel in Akaba, was vom Shabak jedoch kategorisch abgelehnt wurde. Tayseer Nasrallah, der Vorsitzende des Komitees zur Solidarität mit Hussam Khader und anderen politischen Gefangenen, begrüßte die Freilassung von Ahmad Djbara (Abu Sukkar) nach 27 Jahren Haft und von Tayseer Khaled (Exekutivkomitee der PLO) und Dutzenden Verwaltungshäftlingen. Er betonte jedoch, dass dies keine ausreichende Geste sei und die Forderungen bezüglich der ca. 8000 politischen Gefangenen nicht befriedige. Zum gesundheitlichen Zustand Hussam Khaders sagte der Rechtsanwalt, dass die Verwaltung des Gefängnisses in Petah Tikva erst gestern (Di. 3.6.03) eine Untersuchung Khaders durch den Gefängnisarzt genehmigte. Aufgrund der brutalen Verhörmethoden (z.B. stundenlanges fesseln in schmerzhaften Positionen) leidet Khader unter starken Rückenschmerzen. Khader lehnte es gestern ab, eine Delegation des Roten Kreuzes zu empfangen, da seine Familie schon kurz nach seiner Verhaftung an das Rote Kreuz appelliert hatte ihn zu besuchen, was von der Organisation fast drei Monate lang ignoriert wurde. Der Familie war es wichtig gewesen von unbeteiligten über Khaders Zustand informiert zu werden, da ihnen selbst der Kontakt zu ihm verwehrt geblieben war. Khader beschuldigt das Rote Kreuz, die belange der politischen Gefangenen zu vernachlässigen.


Kieler Nachrichten 03.06.03, "Terroralarm vor Bushs Besuch im Nahen Osten. Mehr als 60 Warnungen vor Anschlägen in Israel" von dpa
Anis: wieder mit Farbfoto von Scharon. Das ist so, als würde man, wenn es in Deutschland Terroralarm geben würde, ein Foto mit Schröder dazu wählen. Und statt des Untertitels: "Israels Ministerpräsident Ariel Scharon: Kommt er den Palästinensern mit der Räumung illegaler Siedlungen entgegen?" würde da etwas stehen wie: "Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder: Wird ER uns vom Terror befreien?" Das ist schon auch deutsch. Dennoch ein Lob an die KN, denn es ist recht geschickt, wie sie mit dem Foto-Untertext nur indirekt ausgesagt haben, dass es nicht um Recht und Gesetz geht ("illegale Siedlungen"), sondern um die übergeordneten Launen eines gewaltbereiten autoritären Politikers ("Kommt er ihnen entgegen?") und seiner Regierung.


Islamic Association for Palestine (IAP) 02.06.03, "Israel's Tourism Minister repeats calls for exterminating or/and expelling non-Jews" (IAP News)
Text: "Israel's Tourism Minister on Monday repeated calls for 'liquidating the Palestinian question,' by expelling or killing all non-Jews in Palestine. The Israeli state-run radio quoted Beny Elon as saying that Palestinians in particular and non-Jews in general ought to be stripped of their national rights in the area west of the River Jordan. Elon, who represents the far-right and Nazi-like party 'National Union,' suggested that the only solution to the Palestinian problem was the 'merciless expulsion' of non-Jews to Jordan. In a recent visit to the United States, Elon reportedly called for a strategic alliance between Christianity and Judaism aimed at 'annihilating Islam.' Elon's repugnant statements received little coverage in the US but were widely circulated in Israel." // Nicola Abu-Khalil: man kann nicht nur einen Fundamentalismus bekämpfen und blind bleiben gegenüber anderen. Der christlich-jüdische Fundamentalismus neben anderen Raub- und Beherrschungsambitionen und -Aktionen der Europäer und jetzt der Amerikaner haben den muslimischen und christlichen Menschen des Nahen Ostens so viel Leid und Trauer beschert. // Claudia Karas: an die Bundesregierung! nach diesen wiederholten äußerungen des israelischen kabinettmitglieds Elon, wäre es m.E. angebracht, den israelischen Botschafter einzubestellen, um gegen diese menschenverachtenden aussagen zu protestieren! andernfalls muss befürchtet werden, dass Ihre "nicht hinterfragbare Solidarität" mit der Besatzungsmacht Israel die"Ausrottung" der Palästinenser beinhaltet! wer schweigt, macht sich mitschuldig! // Guenter Schenk: Vom Korrespondenten für LE MONDE DIPLOMATIQUE für das Elsass, Monsieur Michel Flament, erhielt ich soeben die folgende schockierende Nachricht über die Aufforderung, in den USA, zur "Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen im Kampf gegen den Islam" des israelischen Turismus-Ministers. Der Text ist schockierend. Er darf nicht unwideresprochen bleiben. Bedenken Sie, die Aussagen stammen nicht von irgendeinem rechtsradikalen Bürger, sondern von einem Kabinettsmitglied der amtierenden Regierung in Tel-Aviv. Niemand darf die Christenheit zu schändlichem Tun missbrauchen, auch nicht politisch instrumentalisieren. // Siehe auch: `Founders' syndrome' by Daniel Ben Simon:
http://www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=289375

jW 02.06.03, "Eskalation im Libanon als Hebel zum 'Präventivkrieg' gegen Syrien und Iran?" von Knut Mellenthin
www.jungewelt.de/2003/06-02/005.php Darin: "Der amerikanisch-britische Krieg gegen den Irak hat nach Ansicht führender israelischer Militärs ein 'Fenster der Gelegenheit' geöffnet, um im Libanon einen 'Präventivkrieg' gegen die vom Iran und Syrien unterstützte schiitische Hisbollah zu führen. In diesem Sinn äußerten sich in letzter Zeit übereinstimmend die Generäle Yiftah Ron-Tal, Oberbefehlshaber der israelischen Bodentruppen, und Benny Gantz, Kommandeur der israelischen Nordfront." Ausführlicher Hintergrund

Kieler Nachrichten 02.06.03, S. 4, "Israels Gesten für Palästinenser nur ‚Tricks'" von dpa
Darin:"Aus dem Gazastreifen und Westjordanland wurde berichtet, die Lockerungen der Blockade seien kaum spürbar." Und: "...Israel habe einen Vorschlag der USA abgelehnt, Scharon solle am Mittwoch beim Gipfel in (...) Akaba ein ‚Ende der Besatzung' in den Palästinensergebieten erklären. Israel sträube sich auch gegen eine öffentliche Erklärung über die Räumung von Siedlungs-Außenposten." Anis: Das Menschenrecht ist unteilbar. Palästinenser sind Menschen wie alle anderen Menschen und haben ein Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit wie alle anderen. - Schön auch die Berichte auf S.2 von der Sehnsucht nach christlicher Einheit, Gruß an Patrick Klein.

FR 02.06.03, "Herablassende Pseudo-Toleranz. Kein Schleier im Namen von Gleichheit und Selbstbestimmung" von Alice Schwarzer
Dazu Dr. Hassan Swelim: "Dem Statement von Alice Schwarzer (...) kann ich nur beipflichten, möchte dennoch einige Gedanken hinzufügen: Anders als die bekannten fünf Säulen des Islam - das Bekenntnis zu Gott, Beten, Fasten, Almosengeben, Pilgerfahrt - ist das Tragen des Schleiers keine islamische Pflicht und der Koran enthält an keiner Stelle Vorschriften über Kleidernormen, außer dass man das jeweils andere Geschlecht nicht reizen solle. // Es ist leider so, dass durch diese "Schleierdiskussion" der Islam insgesamt in Misskredit gebracht wird. Ich wünsche mir, dass endlich diejenigen Theologen, die trotz Gefahr für ihr Leib und Leben gegen den "Schleierzwang" als politische Demonstration argumentieren, auch hier in Deutschland unterstützt und gestärkt werden! // Auch der immer wieder angeführte Vergleich mit dem Tragen eines Kreuzes bei Christen ist falsch, denn es gibt im Christentum keine Pflicht, als Bekenntnis ein Kreuz zu tragen. Dies ist immer eine freiwillige Entscheidung und teilt die Frauen nicht in Heilige und Huren.

FR 02.06.03, "Herablassende Pseudo-Toleranz. Kein Schleier im Namen von Gleichheit und Selbstbestimmung" von Alice Schwarzer
Darin:"Seit mindestens zwanzig Jahren ist der Schleier keine Frage von Tradition oder Glauben mehr, sondern eine politische Demonstration. Er ist die Flagge des islamistischen Kreuzzuges, der die ganze Welt zum Gottesstaat deformieren will. Wehret den Anfängen!" Anis: Ein meiner Ansicht nach destruktives, intolerantes und Feindbild-bestätigendes Fazit.

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