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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
03/2003 (4)
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FAZ 27.03.03, S.6, "Uneinigkeit über Friedenspläne in Israel" von Jörg Bremer
P. Rainer Fielenbach schreibt: Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion! In seinem oben genannte Artikel schreibt Ihr Redakteur jöb (Jörg Bremer) u.a.: "Noch am Dienstag hatten israelische Soldaten in Bethlehem drei Islamisten erschossen, aber auch ein zehn Jahre altes Mädchen. Die drei Opfer waren in einem Auto unterwegs, als die Soldaten das Feuer eröffneten." Ich finde es befremdend, wenn der sonst so um Sachlichkeit bemühte Jörg Bremer gerade in diesem Fall, der die gsamte Region Bethlehem erschüttert hat wie wahrscheinlich noch kein anderer, selbstverständlich von "Islamisten" spricht, ohne weiter auf die ganze schreckliche "Aktion" einzugehen. Ein ziviles, israelisches Sonderkommando, getarnt als Palästinenser, hatte sich am Shephard-Hotel postiert und wartete auf ein Auto, in dem ein mutmaßliches Hamas-Mitglied sitzen sollte. Auf das heranfahrende Auto eröffnen die "Incognito-Soldaten" sofort das Feuer und erschossen die drei Insassen - Islamisten? Dem folgenden Auto gleichen Typs und Farbe geschah gleiches, nur: In diesem Auto saß der Rektor der grieschisch-orthodoxen Schule von Beit Sahour mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Die 12-jährige Christine wurde so schwer getroffen, dass sie auf dem Weg ins Krankenhaus starb, die Eltern und die Schwester wurden z.T. schwer verletzt. Die Frage ist auch in dieses Mal wieder zu stellen: Warum darf Israel es sich ungestraft "leisten", wahllos abzuknallen, wer seinen Soldaten als mutmaßlicher Terrorist erscheint und dabei jeden "Kollateralschaden" in Kauf zu nehmen? Wieviele Menschen werden noch von der israelischen Armee ermordet, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Platz waren - und wie schon so oft, so auch hier: die Welt und die Presse schweigen!?! Die Beerdigung Christine's gestern hat in Bethlehem eine noch nie dagewesene Öffentlichkeit erfahren. Sie war eine friedliche Großdemonstration von Christen und Muslimen - nicht Islamisten! Auch dazu in der FAZ leider kein Bericht. Schade, wieder eine vertane Chance, um auf die zarten Pflänzchen "Hoffnung" für einen friedlichen Weg aufmerksam zu machen´, und stattdessen die Konservierung des üblichen Klischees.

jW 27.03.03, "Der aktuelle Kriegsverlauf im Irak aus der Sicht der russischen Aufklärung" von Rainer Rupp
Klaus von Raussendorff schreibt: "Angeblich geht "alles nach Plan". Von den britischen und US- amerikanischen Rückschlägen erfährt man jedoch wenig. Am wenigsten von den sogenannten "eingebetteten" Journalisten der britisch-amerikanischen Propagandamedien, die mit den Truppen der Aggressoren vorgehen und deren Berichte zudem der Militärzensur unterliegen. In den Nachrichtensendern werden aus Mangel an echten Nachrichten die gleichen Beiträge wiederholt. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat eine Gruppe russischer Militärexperten mit Zugang zu Geheimdienstinformationen aus der russischen Fernaufklärung Einblick in aktuelle Nachrichten und Analysen zum Irak-Krieg gewährt." Mit diesen Worten weist Rainer Rupp ("Die Pläne und die Realität Der aktuelle Kriegsverlauf im Irak aus der Sicht der russischen Aufklärung in junge Welt v. 27.03.03) auf eine interessante Quelle von Information hin, über die er laufend in junge Welt referiert. Nachstehend dokumentiere ich die letzten dort unter "Event chronicles" www1.iraqwar.ru/iraq-event_lenta_w.php?sesid=2&userlang=en zu findenden jüngsten Lageberichte. Mit internationalistischen Grüßen, Klaus von Raussendorff


SPIEGEL ONLINE 27.03.03, S.6, "Tote bei Angriff auf Palästinensersiedlung"
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-242203 Dr. Hajo G. Meyer schreibt: "Als in Deutschland gebürtiger Jude der sowohl die Nazi-Besetzung der Niederländischen Gebiete wie auch Auschwitz überlebt hat, bin ich einfach sprachlos angesichts solch eines Sprachgebrauchs, der nur mit den schlimmsten Beispielen von Wort-Manipulation verglichen werden kann. Palästinenser in Palästina wohnen in Dörfern oder Städten oder leider auch in Flüchtlingslagern. In 'Siedlungen' wohnen Land stehlende und besetzende nationalistische israelische Aggressoren. Ich bitte dringendst um Berichtigung und Entschuldigung." Claudia Karas schreibt: Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte um sofortige Korrektur der Überschrift in SPIEGEL ONLINE - URL: http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-242203 der zufolge es "Tote bei Angriff auf Palästinensersiedlung" gegeben hat. PALÄSTINENSERSIEDLUNG ??? Ist dies die neueste Sprachregelung, aus den besetzten palästinensischen Gebieten neuerdings "Siedlungen der Palästinenser" (!) zu machen ? Sie sollten keinesfalls durch derartige absurde Begriffe die Besatzungsmacht Israel legitimieren!


FR 25.03.03, "US-Erfolge in Irak beruhigen die Israelis. Militär hält Angriffe Bagdads dennoch für möglich." von Inge Günther
Anis: Wenig Informationen, dafür wird über den erneuten Einmarsch der Israelis in Jenin nicht berichtet, nicht über die Ausgangssperre oder den 15jährigen Ahmed Imad Abu Jelhad, dem die Israelis in den Kopf geschossen haben. Auch nicht darüber, dass israelische Soldaten in palästinensischen Krankenhäusern herumlungern. Stattdessen schreibt die FR, dass der Krieg die Israelis beruhigt.

FR 25.03.03, "IM BLICKPUNKT: Muslime jubeln über US-Tote. Proteste in Nordostafrika." von Christoph Link (Nairobi)
Darin: "'Nieder, nieder USA' skandierten Demonstranten am Sonntag in der Hauptstadt Khartum. Die Demonstranten richteten ihren Unmut später auch auf die eigene Regierung. Die Sudanesen beschimpften Präsident und General Omar al-Beschir als 'Diktator'." Anis: Die arabische Kritik ist also mehrschichtig.

FR 25.03.03, "VERFASSUNGSSCHUTZ: Islamisten bislang 'überraschend still'" von ap
Darin: "Islamische Extremisten in Deutschland haben nach Angaben des bayerischen Innenministers Günter Beckstein bisher 'überraschend ruhig und still' auf den Irak-Krieg reagiert. Der Verfassungsschutz habe 'eher eine Reduzierung der Aktivitäten festgestellt', sagte Beckstein am Montag in München. (...) Doch bei aufwühlenden Bildern von zivilen Kriegsopfern könne die Lage blitzschnell umschlagen, warnte Beckstein. Bei einem türkischen Einmarsch in Nordirak könnte auch die kurdische PKK/Kadek wieder militant werden." Anis: Ist Herr Beckstein enttäuscht? Er hatte offensichtlich die Erwartung, dass es mehr Terror gibt.

FR 25.03.03, "MENSCHENRECHTE: Kriegsgegner in Ägypten in großer Zahl misshandelt."


FR 24.03.03, "Muss man gesehen haben. Das Fernsehen erliegt bei der Kriegsberichterstattung der Faszination der Macht." von Markus Brauck
Darin: "Gerade deshalb ist die Massivität der Kriegsberichterstattung so verstörend. Sie erinnert mit ihren tagelangen Dauersendungen, Talkrunden und Bildwiederholungen leicht an den 11. September, aber man möchte nicht an den 11. September denken. Vielleicht vor allem, weil man den Anschlag auf das World Trade Center aus der Perspektive der Opfer erlebt hat. Jetzt geniert man sich zu Recht, etwas für die Opfer ähnlich Furchtbares in erster Linie aus der Perspektive der Täter zu sehen. Und dieser Krieg wird uns beinahe ausschließlich aus dieser Sicht präsentiert." Anis: Mit genau dieser Argumentation kann man auch Israel kritisieren. Es liegt auch auf der Hand. Wird aber so gut wie nicht getan.

FR 24.03.03, S.3, "Im Bewusstsein des Risikos." von Dietmar Ostermann (Washington)
Darin: "Eine rasche irakische Kapitulation wäre schon aus humanitären Gründen ein Segen." Anis: Gegen den Krieg und gegen Bush sein, aber den Amerikanern trotzdem Glück wünschen. Ganz ähnlich wird es auch mit Scharon gehalten: Keiner mag ihn, aber sie lassen ihn machen und wünschen ihm eine gute Hand.

KN 24.03.03, S.2, "Zum Kriegsprotest: Deutliche Botschaft" Kommentar von Anne Gramm
Darin: "Die Menschen sind nicht bereit, die Hoffnung auf weltweiten Frieden, der nach dem Ende des Kalten Krieges auf einmal möglich schien, aufzugeben. Sie akzeptieren nicht, dass sich ihre Regierungen nicht an die von der Weltgemeinschaft vereinbarten Regeln halten. Sie erwarten, dass im 21. Jahrhundert Probleme ohne den Einsatz von Waffen gelöst werden." Anis: Yeah!

SZ 24.03.03, "Die Macht der Zwerge" Kommentar von Peter Münch
Darin: "So wuchtig der Militäreinsatz offenbar geplant war, so dilettantisch und kurzsichtig wirkt die politische Vorbereitung auf den Tag danach. Bush hat die Welt gespalten, und nun vertraut er allein auf die Kraft des Faktischen: Die Zwerge werden sich schon wieder um den Riesen scharen - auch deshalb, weil sie ihn brauchen, weil es kein politisches Leben mit Perspektive jenseits des amerikanischen Universums gibt. Zu diesem Szenario wird es kommen, eher früher als später. Doch unter der Oberfläche der Realpolitik bleiben die Risse sichtbar, und die derzeitigen Erschütterungen wirken nach." Anis: Ganz guter Artikel. Trotz allem bleibt Amerika hier der Übervater, es ist also kein emanzipierter Text.

SZ 24.03.03, "USA-Türkei: Belastete Freundschaft. Die Pläne der Türken im Nord-Irak passen nicht ins Konzept der Vereinigten Staaten." von Wolfgang Koydl
Anis: Guter Kommentar

taz 24.03.03, S.14, "tv-tagebuch. Ein arabisches TV-Tagebuch: Der Schriftsteller Sélim Nassib über den Irakkrieg aus der Perspektive von al-Dschasira"
www.taz.de/pt/2003/03/24/a0162.nf/text

taz 24.03.03, S.14, "Das laute Schweigen. Die Bundesregierung befindet sich derzeit in einem eklatanten programmatischen Selbstwiderspruch. Über Völkerrecht und Angriffskrieg aus der Sicht deutscher Politiker" Kommentar von CHRISTIAN SEMLER
www.taz.de/pt/2003/03/24/a0151.nf/text Darin: "Die Bundesregierung wie auch der für Außenpolitik zuständige CDU-Obere Wolfgang Schäuble vertreten gar keine Rechtsposition zur Frage, ob es sich bei dem Angriff auf den Irak um einen völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Angriffskrieg handelt. Sie halten sich vielmehr an die Maxime: 'Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen.'" Anis: Der Schlusssatz von Ludwig von Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus. Weiter: "Die Bundesregierung befindet sich also in einem eklatanten programmatischen Selbstwiderspruch, wenn sie jetzt schweigt. Denn wenn die USA, die sich weder einem drohenden Angriff gegenübersahen noch über ein Mandat des Sicherheitsrats verfügten, im Irak intervenieren, dann zerstören sie durch eben diese Politik das Netz der Verrechtlichung, das mitzuknüpfen sich unsere Regierung verpflichtet hat." Anis: Eben.

taz 24.03.03, S.14, "WIEDERAUFBAU DES IRAK: DIE USA SIND KEIN VERLÄSSLICHER PARTNER Berlin weiß, wo der Hammer hängt" Kommentar von BETTINA GAUS
www.taz.de/pt/2003/03/24/a0148.nf/text Darin: "Ausgerechnet jetzt gibt Berlin zu erkennen, dass Washington auf deutsche Hilfe beim Wiederaufbau des Irak zählen kann! (...) Wer Brandstiftern verspricht, zu dem von ihnen gewünschten Zeitpunkt die Feuerwehr vorbeizuschicken, der könnte ebenso gut die Benzinkanister liefern. Beides sind klare Zeichen der Solidarität - wenn schon nicht der 'uneingeschränkten', so doch der unmissverständlichen. Natürlich soll die irakische Bevölkerung jede humanitäre Hilfe erhalten, die sie bekommen kann. Doch mit einer Hilfszusage für die Nachkriegszeit entwertet die Bundesregierung selbst die Konsequenz, mit der sie einen militärischen Angriff auf den Irak abgelehnt hat." Anis: Frau Gaus sagte ähnliches auch im Presseclub am Sonntag, wo sie die meiner Ansicht nach besten Beiträge hatte.

TS 24.03.03, "Schock und Chance. NACH DEM KRIEG." von Clemens Wergin
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/24.03.2003/493832.asp Darin: "Deutschland und Europa müssen sich deshalb klar werden, wie sie ihre Orientpolitik neu ausrichten wollen. Und entscheiden, was ihnen wichtiger ist: die Eindämmung Amerikas oder die der genannten Diktaturen. Frankreich scheint sich schon entschieden zu haben - gegen die USA. Die Bundesregierung hat die Franzosen in den letzten Monaten dringend benötigt, um sich von den Amerikanern zu emanzipieren, ohne sich zu isolieren. Angesichts der großen Chancen und enormen Risiken, die sich im Orient nach Kriegsende auftun, wird es Zeit, dass sich Deutschland nun von einem Frankreich emanzipiert, dass weiter auf Obstruktion der Amerikaner setzt. Denn nur ein mit den USA koordiniertes Vorgehen kann dafür sorgen, dass die nahöstlichen Diktaturen in den nächsten Wochen die richtigen Entscheidungen treffen. Europa wird gebraucht, nicht als Reparaturbetrieb, sondern als Partner in einer Carrot-and-stick-Taktik." Anis: Der Orient wird in diesem Kommentar zur despotischen und (natürlich) israelfeindlichen Entität stilisiert, was deutlich macht, dass da etwas Fremdes und Gefährliches lauert, dem man mit Zuckerbrot und Peitsche begegnen müsse. Dass auch die Orientalen Menschen sind, bleibt Herrn Wergin offenbar verschlossen. Sein einziges, unwirksames Argument lautet: Obstruktion von Amerika.

TS 24.03.03, "Bush ist antiamerikanisch. Heute verteidigen wir die Werte, die uns die USA beigebracht haben." von Peter Boenisch
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/24.03.2003/493606.asp Darin: "Den Colt in fast jeder amerikanischen Hosentasche haben wir belächelt. Jetzt wird er gezogen." Anis: Guter Kommentar

DIE WELT 24.03.03, "Der Wahnsinn, der Irrglaube und die Verzauberung gehen weiter. Bushs bestes Argument für einen Krieg war, sagt der Schriftsteller Jonathan Franzen, dass es einen Krieg geben würde" Interview von Wieland Freund.
www.welt.de/data/2003/03/24/56619.html Endet mit: "Wenn die Bezüge zum 'Appeasement' hierzulande anders klingen als in Europa, so mag das sein, weil die Europäer das Gefühl haben, im Besitz einer schwierigen Weisheit zu sein, während die Amerikaner das Gefühl haben, eine schwierige globale Verantwortung zu tragen." Anis: Interessantes Interview

DIE WELT 24.03.03, "In Ohnmacht vereint. Leitartikel von Matthias Kamann
www.welt.de/data/2003/03/24/56837.html Darin: "Außenpolitisch hingegen ist der Fall aussichtslos. Hier hätte ja gerade eine Strategie der 'Einbindung' Amerikas nur dann Erfolg, wenn man sich vom Moralismus der Nichtregierungsorganisationen entfernen und wieder auf Bündnispolitik und Interessenabgleich besinnen würde." Anis: Da ist jemand enttäuscht darüber, dass der Krieg in Deutschland auf so viel Widerstand stößt.

DIE WELT 24.03.03, "Heimatkrieg der Worte. Erkennbare dritte Front." von Ulrich Clauss
www.welt.de/data/2003/03/24/56929.html Darin zum Schluss: "Bis zum Beweis des Gegenteils müssen wir den Beteuerungen der zivilisiertesten Streitmacht dieser Erde glauben, dass sie weiß, was sie tut, und tut, was sie sagt: zivile Opfer vermeiden, die Infrastruktur schonen, ein furchtbares Regime besiegen und nicht das von ihm gemarterte Volk." Anis: Warum sollte Herr Clauss 1939 nicht aus denselben Gründen ganz genauso argumentiert haben?!

DIE WELT 24.03.03, "Zurück zur Vernunft. Man sollte nicht warten, bis der Krieg vorbei ist." Kommentar von Ernst Cramer
www.welt.de/data/2003/03/24/56839.html Darin: "Was nun Not tut, ist zu verhindern, dass die Welt relativer Vernunft, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgebaut wurde, völlig zusammenbricht. Das zu verhüten ist heute die wichtigste Aufgabe westlicher Politik." Anis: Dieser Kommentar soll wahrscheinlich pro-amerikanisch sein, aber es wird nirgends konkret. Die Aufforderung zur "politischen Größe" ist in etwa das Konkreteste.

DIE WELT 24.03.03, "Macht und Menschlichkeit" Gastkommentar von Prinz Hassan bin Talal
www.welt.de/data/2003/03/24/56844.html Darin: "Man sagt uns, ein Feldzug gegen den Irak werde dem Nahen Osten Stabilität bringen und zu einer friedlicheren Weltordnung beitragen. Die Weltgemeinschaft wird sich weiterhin damit auseinander setzen müssen, dass ein Teil ihrer Mitglieder unter dem Ohnmachtsgefühl des Ausgeschlossenseins leidet sowie dem Problem der Gettoisierung und einem im Geheimen operierenden Krieg namens Terrorismus." Anis: Typisch arabischer Herrscher. Er hat nichts gesagt.


FR 22.03.03, "Schweinesteaks und Barbarei. Arabische Presse zum Krieg" von Andrea Nüsse (Amman)
Beschreibung: "Mit deutlicher Kritik an der arabischen Welt haben arabische Zeitungen auf den Beginn des Irak-Krieges reagiert. Viele Kommentatoren prangerten den Angriff der US- und der britischen Armee an, stellten aber zugleich die Frage, wie es zu der drohenden ausländischen Besetzung eines weiteren arabischen Landes kommen konnte. Mit Abstand am schärfsten fällt die Verurteilung des Feldzugs durch die saudi-arabische Presse aus." Anis: Es ist ein Trauerspiel. Die Araber machen nichts.

FR 22.03.03, "Bumerang" Kommentar von Astrid Hölscher
Darin: "Der Generalbundesanwalt hat sich mit Eleganz aus der Affäre gezogen. Eben weil es dem Angriffskrieg und mehr noch dem so genannten Präventivschlag an einer klaren juristischen Definition gebricht, entzieht sich die Materie laut Kay Nehm der strafrechtlichen Prüfung; denn die bedarf der eindeutigen Begriffe. Also nichts mit Strafanzeigen gegen Schröder und Gefährten." Anis: Reicht das aus?

FR 22.03.03, "SICHERHEIT: Israel ruft für Vertretungen höchste Alarmstufe aus" von dpa
Darin: "Zum Schutz vor möglichen Terror-Angriffen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg ist für die israelischen Botschaften und Konsulate weltweit die höchste Alarmstufe ausgerufen worden." Anis: Ist das jetzt eigentlich wegen der Antisemiten oder wegen der Iraker oder der Islamisten oder wegen wem eigentlich genau? Warum haben die Israelis/Juden eigentlich so viel Angst? Abstrakte Bedrohung... Gilt das auch für Israel-Kritik? Da wurden ja wieder Palästinenser festgenommen, ich bin nicht sicher, ob die FR darüber berichtet hat.

FR 22.03.03, "Aus aller Welt" über Iris Berben
Leserbrief Claudia Karas: Nicht, dass ich iris berben "aus aller Welt" allzu große bedeutung beimesse, möchte dennoch ihre worte, wonach politik "ein kaltes business geworden" sei, dahingehend bestätigen, dass doch gerade sie mit einem "gewissen Zynismus" einen weg beschreitet, wenn man ihr engagement für die zionistische politik, die sie auf vielfältige weise vertritt, betrachtet. Ja, frau berben "da wird gezockt" und Sie nehmen ziemlich "rücksicht auf viele dinge", die da heißen: die völkerrechtswidrige besatzung palästinas. beispielsweise.

KN 22.03.03, S. 6, "'Wir halten den Einsatz zurzeit nicht für rechtens', im Gespräch: Jürgen Koppelin (FDP)" (Frank Lindscheid)
Darin die Frage: "Betrachten die Liberalen den Krieg als völkerrechtswidrig?" Antwort Koppelin: "Das müssen Völkerrechtler klären." Anis: Wann? Wann müssen Völkerrechtler das klären? Die Presse ist voller glaubhafter Indizien dafür, dass der Irak-Krieg in mehrfacher Weise gegen das Völkerrecht und damit unser Grundgesetz verstößt. Jedes Zögern in dieser Frage ermutigt leider die Kriegsbefürworter. Es geht hier nicht um prinzipielle Fragen des Pazifismus, sondern um diesen konkreten Krieg.

SZ 22.03.03, "Alte und neue Weltmacht" Kommentar von Hans Werner Kilz
Darin: "Doch eine Weltordnung, in der Gewalt regiert, die internationale Normen und Werte ignoriert, kann eine große demokratische Nation wie Amerika auf Dauer nicht wollen." Anis: nicht mal schaffen. Weiter: "Aber eine andere Weltmacht, die sich neu gebildet hat, kann einer Demokratie wie Amerika nicht egal sein: die geschlossene, nicht manipulierbare Weltöffentlichkeit." Anis: Die neue Zeit. Kilz trifft den Punkt, die Weltöffentlichkeit ist stärker als Gewalt, denn niemand möchte ein bad guy sein.

SZ 22.03.03, "Justiz: Bush und das Verbrechen des Angriffskrieges. Der US-Präsident befehligt eine völkerrechtswidrige Aggression gegen den Irak - auf der Anklagebank in Den Haag wird er trotzdem nicht landen." von Stefan Ulrich
Anis: Ganz guter Artikel. Dennoch: Irgendwas stimmt mit der deutschen Presse heute nicht, sie wissen nicht, was sie schreiben sollen. Selbst wenn Bush nicht verklagt werden könnte, er sitzt bereits auf der Anklagebank der Weltmehrheit.

taz 22.03.03, S.1, "Die ‚Stärke des Rechts' hat Muskelschwund." Kommentar von CHRISTIAN RATH
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0104.nf/text Über die Diskussion um die Überflugrechte: "Die 'Stärke des Rechts' bekommt also plötzlich Muskelschwund, wenn es gegen einen Stärkeren geht. So kann kein europäisches Gegenkonzept zur militärischen Machtpolitik der USA entstehen. Es sind genau diese doppelten Standards, die Länder der Dritten Welt so verbittern. Deutschland und Europa müssen den Mut haben, schwarz als schwarz zu bennenen und weiß als weiß." Anis: Doris Dörrie meinte ja zu dem Krieg, dass es ihr lieber wäre, wenn die Dinge einfacher wären, damit man leichter eine Entscheidung treffen könnte, aber man müsste die Dinge eben differenziert sehen und sie seien nun mal ziemlich komplex... - Dylan-Fans!

taz 22.03.03, S.11, "14 Palästinenser verhaftet. Israelische Streitkräfte nehmen Hamas-Kommandeur von Kalkilja fest. Autonomiegebiete weiterhin abgeriegelt." von ap
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0112.nf/text

taz 22.03.03, S.14, "Rechter Friedenswille. Antikriegsaktionen werden von Rechtsextremisten vereinnahmt. Linke und PDS vielfach ratlos oder ignorant." von HEIKE KLEFFNER
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0128.nf/text Darin: "Den 'mancherorts sehr starken und plumpen Antiamerikanismus der PDS-Parteibasis' sieht Elke Breitenbach, PDS-Abgeordnete in Berlin, als einen Anknüpfungspunkt nach Rechts, wo Kritik an den USA und Kritik an Israel in völkisch-antisemitische Propaganda umschlägt. Gemeinsam mit anderen 'Reformlinken' will Breitenbach daher beim PDS-Sonderparteitag am 4. April dafür sorgen, 'dass sich die Partei in der Frage des Antiamerikanismus eindeutig positioniert'." Anis: Einer der zentralen gesellschaftlichen Streitpunkte: Welche Gruppen dürfen nicht mitdemonstrieren und wann ist etwas Kritik, wann Anti-ismus? Die Pro-Israelis argumentieren wie die Amerikaner.

taz 22.03.03, S.15, "Nicht alle Macht dem Volk. Freie Wahlen im Irak sind den USA ein zu gefährliches Abenteuer - bisher gibt es für einen Einsatz der Amerikaner für die Demokratisierung der Region einfach keinen Beleg." Kommentar von KAI HAFEZ
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0213.nf/text Darin: "Demokratische ‚Umerziehung' auf der Basis einer militärischen Zwangsherrschaft ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa gelungen. Aber ein Vergleich mit dem Nahen Osten hinkt. Und zwar nicht weil Iraker und Araber kulturell nicht demokratiefähig wären, sondern weil die internationale Ausgangslage eine andere ist. Die Amerikaner kamen als Nachfahren der Europäer Europa in seiner schwärzesten Stunde zu Hilfe. Dieses Empfinden hat die arabische Welt nicht. Aus ihrer Sicht sind die Amerikaner Nachfahren der einstigen Kolonialmächte. Dieser Unterschied in der Ausgangslage wird den Antiamerikanismus in der Region weiter fördern." Anis: Eben. Die ganze Sache ist bereits im Keim gescheitert.

taz 22.03.03, S.15, "DEM IRAK IST EIN SCHNELLES ENDE DER KAMPFHANDLUNGEN ZU WÜNSCHEN. Wenn der Horror ausbleibt" Kommentar von BERND PICKERT
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0209.nf/text Darin: "Mit dem Dilemma, einerseits den Irakis ein schnelles Kriegsende zu wünschen, damit aber andererseits indirekt den USA Kriegsglück zu wünschen, müssen wir leben." Anis: Bis auf diese Resignation ein ganz guter Kommentar. Warum indirekt den Amerikanern Glück wünschen? Was soll das? Das klingt wie unser Bundeskanzler: Wir machen beim Krieg nicht mit, aber. Ich wünsche der amerikanischen Regierung jedenfalls bestimmt kein Glück. Das fehlte noch!

taz 22.03.03, S.18, "ein arabisches tv-tagebuch: Sélim Nassib über den Krieg auf al-Dschasira. ‚Nicht im gleichen Schützengraben'"
www.taz.de/pt/2003/03/22/a0225.nf/text Anis: Interessant

TS 22.03.03, "Mein lieber Schurke. Warum die von Islamisten ausgehende Terrorgefahr wenig Beachtung findet." von Frank Jansen
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/22.03.2003/491066.asp Darin: "Viele Demonstranten verkennen, dass Saddam Hussein schon lange mit Terroristen paktiert. Vermutlich nicht mit Al Qaida, aber mit radikalen Palästinensern, unter anderem der Hamas. Die fundamentalistische Organisation ist für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich." Anis: Ein typischer Kulturkampf-Artikel. Reine Klischees. Einziges Anliegen des Textes sind "die Nöte der Juden", eine noch anerkannte Rubrik in der deutschen Presse. Die Nöte der Juden. Weiter heißt es: "Es wird auch nur ungern wahrgenommen, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland vorsichtig Verständnis für Amerikas Militärschlag äußert. Und warum. Zentralratspräsident Paul Spiegel ist kein Kriegseiferer. Er gehört zu den wenigen Prominenten, die immer wieder vor Rassismus und Rechtsextremismus warnen. Die Juden in Deutschland leben in permanenter Angst vor Anschlägen rechter und islamistischer Fanatiker." Anis: Etwa an dieser Stelle kippt diese ganze Antisemitismus-Geschichte langsam zum Nachteil ihrer Benutzer um. Denn Paul Spiegel ist ganz offensichtlich ein Kriegseiferer, was soll denn sonst ein Kriegseiferer sein? Weiter heißt es: "Auch die friedlichen Muslime schweigen. Sie lassen zu, dass im Namen ihrer Religion schwere Verbrechen propagiert, geplant und verübt werden." Anis: Die friedlichen Muslime schweigen keineswegs. Ich bekomme täglich Mails von friedlichen Muslimen. Sie lassen gar nichts zu. Vielmehr kennt der Autor dieses tendenziösen Kommentares gar keine Muslime und will auch keine kennen. Völlig indiskutabel.

DIE WELT 22.03.03, "Awacs-Einsätze: FDP klagt in Karlsruhe" von Arne Delfs, Martin Lutz und Stephan Haselberger
www.welt.de/data/2003/03/22/56151.html Darin Gerhard (FDP): "Bei den Awacs-Flügen über der Türkei handele es sich nicht um einen Routineeinsatz, weil die Nato-Aufklärungsmaschinen auch als Feuerleitstellen für Angriffe eingesetzt werden könnten. Ähnlich äußerte sich FDP-Chef Guido Westerwelle. (...) Die Union wird sich der Klage nicht anschließen. (...) Allerdings drängt man auch in der Union auf eine Abstimmung über den Awacs-Einsatz. Beide Oppositionsparteien haben bereits klar gemacht, dass sie für eine deutsche Beteiligung an den Awacs-Flügen stimmen würden." Anis: Wie genau ist das zu verstehen?

DIE WELT 22.03.03, "Irak-Krieg spaltet Religionsgemeinschaften. Streit zwischen Christen und Juden - EKD-Präses Kock spricht von Angriffskrieg - Paul Spiegel: Militärschlag ist notwendig" von Gernot Facius
www.welt.de/data/2003/03/22/56149.html Darin: "Die christlichen Kirchen und der Zentralrat der Moslems lehnen den Waffengang entschieden ab, der Zentralrat der Juden verteidigt ihn." Anis: Jetzt kriegen die Gewalt-Zionisten endlich mal den Spiegel vorgehalten. Aber nicht diesen hier: "Demgegenüber betrachtet Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Krieg als notwendig. 'Bei allem Schrecklichen darf nicht vergessen werden, dass es um die Beseitigung der jahrzehntelangen Diktatur geht', erklärt Spiegel." Anis: Und in Israel geht es um die 'Beseitigung' der Terroristen.

DIE WELT, 22.03.03, "So sieht Weltinnenpolitik aus. Zum Irak-Krieg kam es, weil Gegner wie Befürworter das Völkerrecht durch ein Tribunal ersetzten." von Herfried Münkler, Uni Berlin
www.welt.de/data/2003/03/22/55878.html Darin: "Wahrscheinlich haben viele, die in den letzten Jahren den Anbeginn einer Epoche der Weltinnenpolitik propagiert haben, sich keine rechte Vorstellung davon gemacht, wie diese Weltinnenpolitik aussehen wird. Und sicherlich haben sie sich nicht vorstellen können, dass Ankläger, Richter und Exekutor identisch sind und sich die Delinquenten nach Belieben aussuchen." Anis: Ich glaube, das geht in eine richtige Richtung, aber es endet mal wieder in Resignation: "Derzeit ist viel von Völkerrechtsbeugung die Rede. Aber man wird davon ausgehen können, dass sich die Völkergemeinschaft schon bald an die neuen Verfahren der Tribunalisierung gewöhnt haben wird. Vielleicht nicht beim zweiten, aber doch schon beim dritten Mal wird dies als gewöhnliche Praxis des weltpolitischen Hegemon durchgehen - vorausgesetzt, dass der neue Golfkrieg nicht zu lange dauert und nicht zu große Opfer kostet." Anis: Auch von den Kriegsgegnern gehen viele davon aus, dass Bush sich durchsetzen wird. Ich dagegen halte das Szenario, das zu einem Sturz der amerikanischen und der israelischen Regierung führt, für wahrscheinlicher.

DIE WELT, 22.03.03, "Krieg der Bilder" von Torsten Krauel
www.welt.de/data/2003/03/22/56131.html Darin: "Der öffentliche Krieg erschafft eine eigene Realität. Sie ist vom Militär nur begrenzt und vom Publikum überhaupt nicht zu kontrollieren. Der Schlüsselloch-Blick auf den Feldzug hebt dessen humanitäre Ziele nicht auf. Aber er ist auch voyeurhaft, er hat etwas vom öffentlichen Galgen für Saddam Hussein, um den sich erwartungsvoll die Menge schart." Und: "In Echtzeit dabei zu sein, war bisher dem Sport und dem sonstigen Zivilleben vorbehalten. Nun tritt der Krieg hinzu. Die Zeit der Unschuld ist für die Mediengesellschaft endgültig vorüber. Die digitale Netzwelt, eine Erfindung des Pentagon, kehrt zu ihrem Ursprung zurück." Anis: Ja, das sehe ich auch so. Die Unschuld der Mediengesellschaft ist vorbei. Aber Herr Krauel zieht keine Konsequenzen aus dieser Tatsache. Er spricht doch offenbar von einer Verantwortung der Medien. Ich denke, dieser Gedanke (Rolle der Medien) wird in der nächsten Zeit wichtiger werden.


FR 21.03.03, "Gasmasken gehören in Israel wieder zum Alltag. Kampfjets kontrollieren permanent den Luftraum - auch wenn die Bedrohung ‚minimal' ist." von Inge Günther in Jerusalem

FR 21.03.03, "Offensive erzürnt Muslime. Proteste in Asien und arabischen Staaten gegen US-Angriff." von mkb/dpa/ap/rtr
Beschreibung: "Tausende Demonstranten und Regierungen Südostasiens haben am Mittwoch den US-Angriff auf Bagdad verurteilt. Auch in arabischen Staaten protestierten Tausende gegen den Irak-Krieg."

FR 21.03.03, "Chance für eine neue Ära" KOMMENTAR von Stephan Hebel
Anis: Guter Kommentar/ Innenpolitik

FR 21.03.03, "Ende einer Epoche" KOMMENTAR von Martin Winter
Darin: "Es geht nicht darum, die Vereinigten Staaten zu isolieren. Es geht darum, die Visionen von Wilson und Roosevelt gegen die jetzigen USA zu verteidigen, mit europäischem Geist, europäischer Weltoffenheit und, ja auch, europäischen Muskeln." Und am Schluss: "Die USA andererseits brauchen die Einbettung in die internationale Rechtsgemeinschaft, wollen sie nicht, wie viele Reiche zuvor, an ‚imperialer Überdehnung' zu Grunde gehen. Einen Weg zurück in ihre alte Führungsrolle freilich wird es für die USA nicht geben. Den hat Bush mit seinen Bomben gesprengt." Anis: Exzellent.

KN 21.03.03, S.2, "Angriff auf den Irak: Ein Weltbild wurde zerstört." von Jürgen Heinemann
Darin: "Ungläubig nahm die Welt zur Kenntnis, dass der amerikanische Präsident in seiner Wahrnehmung als ‚Weltpolizist' mit jedem Tag weniger bereit war, sich einer anderen Ordnung als der eigenen zu unterwerfen und sich dabei auch vom Selbstverständnis der amerikanischen Verfassung zu verabschieden." Und: "(...) Wir alle fühlen uns jetzt als Marionetten. Willkommen, solange wir widerspruchslos treue Dienste leisteten. Fallen gelassen und verhöhnt, als wir die Gefolgschaft auf einem von uns so gesehenen Irrweg versagten." Anis: Dieser Kommentar ist ausführlich, deutlich und konsequent. Wichtiger noch als der Respekt, den ich und Millionen Kieler für diese Haltung haben, ist die Tatsache, dass die Kieler Nachrichten damit unter den noch konservativ genannten Zeitungen viel an Glaubwürdigkeit gewonnen haben. - Was die Position der ‚VN' (Fischer) angeht, so bin ich optimistischer. Die Maxime, dass der militärisch stärkste Staat alles kontrollieren kann, stimmt nämlich nicht mehr. Hat Herr Heinemann ja selbst bewiesen. (Teile dieses Kommentars wurden leicht abgewandelt gedruckt am 28.03.03)

SZ 21.03.03, Ausland, "Kreislauf des Zorns" Kommentar von Stefan Kornelius
Darin: "Tatsächlich aber war Amerika nie ehrlich, weil es andere Gründe vorschob, die zu einem Krieg führen sollten: Massenvernichtungswaffen, Terror, Bedrohung der Nachbarn und der eigenen Bevölkerung - der Mix aus Kriegsgründen musste verbergen, dass der eigentliche Anlass für den Krieg völkerrechtlich nur schwer legitimierbar und politisch vermessen ist. Der Wunsch nach dem Regimewechsel ist deshalb auch Ausdruck eines imperialen Gestaltungswillens, wie ihn die Welt nur in den seltensten Momenten der Geschichte erlebt hat. Diese Erkenntnis hat Amerikas Freunde verbittert." Und am Schluss: "Amerika wird den Atem nicht haben, auf viele Jahre hin im Irak zu bleiben und dort eine stabile, demokratische Regierung aufzubauen. Es wird mit seinem Anspruch scheitern, Frieden und Stabilität zu stiften und als wohlwollender Hegemon akzeptiert zu werden. Vielmehr wird Bush einen Zorn züchten, der Amerika noch lange verfolgen wird." Anis: Au weia, ja, sehe ich auch so.

SPIEGEL ONLINE, 21.03.03, "RAZZIA IM WESTJORDANLAND. Soldaten nehmen 14 Palästinenser fest."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-241392 Beschreibung: "Israelische Soldaten haben bei einer Razzia im Westjordanland einen Hamas-Kommandeur und 13 weitere Palästinenser festgenommen. Der Hamas-Mann soll der Drahtzieher eines Selbstmordanschlags gewesen sein, bei dem vor zwei Jahren in einem Nachtclub in Tel Aviv 21 Menschen ums Leben kamen."

SPIEGEL ONLINE, 21.03.03, "ZEITUNGSANZEIGEN: Juden in den USA protestieren gegen Irak-Krieg."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-241474 Darin: "In den USA lebende Juden überraschten mit einer groß angelegten Protestaktion: In ganzseitigen Zeitungsanzeigen machten sie Front gegen den Krieg im Irak. Einzelne Politiker und Journalisten hatten den Juden öffentlich vorgeworfen, die US-Regierung aus Solidarität mit Israel in den Krieg getrieben zu haben." Anis: Da braut sich eine Menge Ärger zusammen. Allerdings, "den Juden", soll doch wohl heißen: der einflussreichen Kriegslobby. Tja, was, wenn sich herausstellt, dass Israel die ganze Zeit schon zu weit gegangen ist. So wie man jetzt merkt, dass die USA schon die ganze Zeit zu weit gegangen waren...

SZ 21.03.03, Ausland, "Deutschland und der Krieg" Kommentar von Kurt Kister
Anis: Guter Kommentar.

taz 21.03.03, S.1, "Der Protest braucht einen langen Atem" KOMMENTAR von ERIC CHAUVISTRÉ
www.taz.de/pt/2003/03/21/a0047.nf/text Darin am Schluss: "Künftige Feldzüge in dem langen Krieg, die Bush und seine Mitstreiter längst planen, können noch gestoppt werden - wenn sichtbar und hörbar bleibt, dass diesen Kriegen die globale demokratische Legitimation fehlt. Der Protest kann erfolgreich sein, auch wenn es dazu einen sehr langen Atem braucht. Eine optimistische Aussicht, die das Erschrecken über das Vorpreschen des Präsidenten und die Wut über Tod und Zerstörung nicht mindert." Anis: Ja.

taz 21.03.03, S.12, "Wir befinden uns im Krieg" von ERIC CHAUVISTRÉ
www.taz.de/pt/2003/03/21/a0133.nf/text Beschreibung: "Ist der Angriff das Ergebnis politischer Entwicklungen der letzten Zeit? Nein, bereits Ende der Neunzigerjahre, noch bevor George W. Bush US-Präsident wurde, forderten seine heutigen Berater und Minister schon öffentlich einen Krieg gegen den Irak. Ein Rückblick"

taz 21.03.03, S.13, "Völker ohne Recht. Mit dem Irakkrieg bringen die USA die Beweispflicht des Angeklagten und das ‚kumulative Beweisverfahren' ins Völkerrecht - und schaden ihm damit fundamental." von ULRICH ARNSWALD
www.taz.de/pt/2003/03/21/a0148.nf/text Darin: "Für diese Erosion des Völkerrechts könnten die USA in naher Zukunft noch einen bitteren Preis zahlen. " Anis: Sehr guter Kommentar

taz 21.03.03, S.13, "DIE OFFENSIVE DER USA IN AFGHANISTAN ZEIGT IHRE POLITISCHE SCHWÄCHE. Das Militär soll es richten." Kommentar von SVEN HANSEN
www.taz.de/pt/2003/03/21/a0143.nf/text Darin: "Washingtons jetzt wieder dem Irak gegebenes Versprechen der Demokratisierung hat sich bisher in Afghanistan als hohl erwiesen. Zwar sind die Taliban gestürzt, doch wurde eine Regierung installiert, in der hinter der liberalen Fassade von Hamid Karsai antidemokratische Kräfte dominieren. Die Demokraten in Afghanistan müssen gerade die bittere Erfahrung machen, dass das politische Interesse der USA an der Entwicklung erlischt, sobald sie ein ihnen nahe stehendes Regime installiert haben. Mit militärischen Mitteln allein ist Terrorismus jedoch nicht zu besiegen." Anis: Eben

taz 21.03.03, S.19, "tv-tagebuch: Ein arabisches TV Tagebuch: Der Schriftsteller Sélim Nassib über den Irakkrieg aus der Perspektive von al-Dschasira"
www.taz.de/pt/2003/03/21/a0163.nf/text Darin: "Der libanesische Schriftsteller und Journalist Sélim Nassib lebt und arbeitet seit 1969 in Paris. Sein Roman ‚Stern des Orients' über die legendäre ägyptische Sängerin Umm Kalthum ist auch in deutscher Sprache erschienen (Unionsverlag, 1999). In einer Kolumne für die Libération, El Pais und die taz vergleicht er von heute an die Kriegsberichterstattung des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira mit der Darstellung auf anderen Sendern, etwa CNN und BBC." Anis: Interessant

The Other Israel, press release, Tel-Aviv, March 21, 2003: 'Transfer a real danger'
Uri Avnery at Press Conference: "The Sharon government will start a second front - against the Palestinians" said Professor Jeff Halper in a press conference held at the American Colony Hotel in East Jerusalem, Tuesday March 18, by eighteen Israeli peace and human rights organizations, together with the Palestinian Emergency Committee. Halper (Israeli Committee Against House Demolitions) predicted that the government will use the Iraq War in order to implement severe new steps in its war against the Palestinian people. Uri Avnery, of Gush Shalom, warned of the danger of Sharon carrying out a partial Population Transfer (i.e. ethnic cleansing) from one part of the West Bank to another, for example, fifteen villages located west of the "Separation Wall" are at risk of expulsion to its eastern side, and inhabitants of the Qalqiliya and Tulkarem districts can't be sure either that they won't be forcibly pushed eastward in the direction of Nablus. Such expulsions were already attempted in 1967. Avnery announced the creation of a joint Israel-Palestinian Emergency Committee, which would get news from the threatened villages and would transmit them to the Israeli peace groups in order to immediately intervene."

TS 21.03.03, "Der falsche Krieg. ANGRIFF AUF DEN IRAK" in von Giovanni di Lorenzo
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/21.03.2003/489226.asp Darin: "Dieser Krieg ist nach allem, was wir heute wissen, falsch. Trotzdem müssen wir dafür Sorge tragen, dass wenigstens der Krieg der Worte eingedämmt wird." Anis: Während ich den Kommentar insgesamt für gut halte, bin ich hier anderer Ansicht. Im Gegenteil sind wir angehalten, den Streit verbal auszuführen, denn da ist offensichtlich ein großer Streit. Und wenn wir ihn nicht in die Worte verlagern, dann werden Waffen sprechen. Der fehlende Diskurs ist doch letztlich die Ursache für die Aggressionen der letzten Jahre.

DIE WELT 21.03.03, Ausland, "Neue US-Offensive in Afghanistan. Eliteeinheiten durchkämmen im Süden frühere Taliban-Hochburgen." von pan
www.welt.de/data/2003/03/21/55488.html Darin: "Die Amerikaner haben gestern parallel zum Irak-Einsatz eine Offensive begonnen. Der Einsatz im instabilen Südosten Afghanistans ist der größte seit der ‚Operation Anaconda' vor einem Jahr. (...) Dort (in Kandahar) seien verdächtige Aktivitäten beobachtet worden, hieß es von Seiten des US-Militärs. Die Offensive soll einige Tage anhalten." Anis: Die Afghanen sehen ihre jüngsten Erfahrungen mit den Amerikaner jetzt natürlich in einem neuen Licht.

DIE WELT 21.03.03, "Amerika ist an allem schuld" von Walter Laqueur
www.welt.de/data/2003/03/21/55601.html Beschreibung: "Ob der Krieg schnell beendet oder lange dauern wird, ob wir hohe Verluste zu beklagen haben oder geringe - Washington wird immer an den Pranger gestellt werden." Anis: Eben

DIE WELT 21.03.03, "Zurück auf Null" Leitartikel von Nikolaus Blome
www.welt.de/data/2003/03/21/55623.html Darin am Schluss: "Ein verheerender Fehler wäre es jedoch, deshalb vor allem die Uno als Gegenpol aufbauen zu wollen. Gegen die Vereinigten Staaten sind weder Nato, noch EU, noch die Uno zu führen. Im Gegenteil; sie gegen die reale Welt-Vormacht in Stellung bringen zu wollen, würde sie von innen heraus sprengen. Dann wäre die rot-grüne Bundesregierung nicht mehr nur bei Null angelangt, sondern mitten in der nationalen Katastrophe" Anis: Völlig unverständliches Fazit

DIE WELT 21.03.03, "Gefährliche Worte" Kommentar von Alan Posener
www.welt.de/data/2003/03/21/55713.html Darin: "Dieser Krieg ist kein Bruch des Völkerrechts. Die Bundesregierung erkennt dies implizit an, indem sie - bescheidene - Hilfestellung für den Krieg leistet." Anis: Das kommt dann dabei raus... Aber Herr Posener hat vielleicht Recht, es sind gefährliche Worte.

DIE WELT 21.03.03, "Neutralität ist unvorstellbar" Gastkommentar von Friedbert Pflüger
www.welt.de/data/2003/03/21/55635.html Darin: "Der Sicherheitsrat hat den Irak wiederholt vor ernsthaften Konsequenzen, das heißt militärischen Maßnahmen gewarnt, wenn er weiter gegen seine Verpflichtungen verstößt. Jetzt haben die USA die Verantwortung übernommen, die Abrüstung des Irak ein für allemal sicherzustellen." Anis: DIE WELT hat sich heute entschieden, aus Gründen der Tradition bei der Politik der USA stehen.

DIE WELT 21.03.03, "Irak-Konflikt: Solidarität mit Israel und den USA" von gs
www.welt.de/data/2003/03/21/55760.html Darin: "Kai Diekmann, Chefredakteur und Herausgeber der bei Axel Springer erscheinenden Bild-Zeitung, fand gestern Abend beim Medientag der Deutsch-Israelischen Woche in der Handelskammer klare Worte. ‚Wer die Verantwortung aus der Geschichte ernst und annimmt, darf nicht schweigen zum täglichen Terror gegen Israel', betonte er in seinem Vortrag mit dem Thema: ‚Uneingeschränkte Solidarität - Warum Massenmedien politisch sein müssen'." Anis: Ich hör ja wohl nicht richtig?! Täglicher Terror gegen Israel? Uneingeschränkte Solidarität? Wie heißt der? Kai Diekmann?!! Weiter: "Natürlich, so Diekmann, müsse eine Zeitung ausgewogen berichten. Leider würde in Deutschland aber ein fester Standpunkt oft mit Intoleranz und Rechthaberei, fehlende Grundsätze mit Liberalität und Großmut verwechselt. Ein Beispiel sei der Irak-Konflikt." Anis: Ich würde eher sagen, ein Beispiel ist Kai Diekmann. Hört Euch das mal an: "Trotzdem sähen Tausende in Deutschland die Bedrohung nicht im Irak, sondern auf der anderen Seite des Atlantiks. ‚Ich behaupte: Weil sie nicht wissen, wo ihr Standpunkt ist.'" Anis: Verblüffend, dass das Publikum das so geschluckt hat. Das ist also deutscher Journalismus. Glückwunsch, meine Herren!


ARD 20.03.03, 21h, Irak-Berichterstattung, Gespräch mit Dr. Michael Lüders
Anis: Michael Lüders von der Friedrich-Ebert-Stiftung beobachtet den Fernsehsender al-Dschazira und die arabische Presse. Seine Analysen und Einschätzungen sind durchweg präzise, seriös und moderat.

FR 20.03.03, "ZUR SACHE: Die Toten des Krieges" von gro

FR 20.03.03, "Die Partnerwahl der Union", Kommentar von Thomas Kröter
Darin: "Merkel steht Schröder näher als sie zugeben mag. Denn an der Weisheit des Wegs in den Krieg zweifelt mit der Mehrheit der Deutschen keineswegs nur eine Minderheit in der Union. Leise ist sogar in ihren Kreisen Sorge ob der US-Alleingänge zu hören. Lieber wäre es der Union, ihr bliebe das Ja auch zum letzten Schritt der USA erspart. Sie hat jedoch eine Grundsatzentscheidung getroffen: Besser an der Seite der USA im Zweifel irren als gegen sie Recht haben. Selbst dafür lassen sich rationale Gründe finden. Aber dann muss man es auch aussprechen: Das Einvernehmen mit dem wichtigsten Bündnispartner ist wichtiger als der Frieden im Nahen Osten. Das ist Machtpolitik. Das ist Bündnispolitik. Aber ist es im aktuellen Fall auch Friedenspolitik?" Anis: Ziemlich vernichtender Kommentar

KN 20.03.03, S.2, "Zur Irak-Debatte im Bundestag: Merkels Ignoranz" Kommentar von Kristian Blasel
Darin: "Die Entwicklung hat eine andere Richtung genommen, die Angela Merkel offenbar ignoriert." Und: "Die Bush-Regierung hat zu keinem Zeitpunkt Zweifel aufkommen lassen, dass ihr die europäische Rückendeckung letztlich gleichgültig ist." Sowie: "Bushs Angriffskrieg ohne die Legitimation der Weltgemeinschaft stellt einen Bruch des Völkerrechts dar." Anis: Eben.

ND 20.03.03, "Standpunkt. Gefährliche Ergebenheit" von Wolfgang Hübner
Darin am Schluss: "Merkels Ergebenheitsadressen an den Kriegsherrn Bush jedenfalls sind peinlich, falsch und gefährlich." Anis: Sehe ich auch so.

SPIEGEL ONLINE 20.03.03, "Regierungen aller Länder, bewaffnet Euch!" KOMMENTAR von Harald Schumann
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,241186,00.html Darin: "Heute, am 20. März 2003, beweisen George W. Bush und seine Neo-Imperialisten, dass sie bereit sind, das Recht zu brechen, wenn sie sich dazu berufen fühlen. (...) Und genau diese Arroganz der absoluten Macht haben Bin Laden und andere fanatische Amerika-Hasser den Weltenlenkern aus Washington seit je unterstellt. Indem sie nun den Bombenkrieg gegen ein Volk entfesseln, das zwar blutig unterdrückt wird, aber schon seit einigen Jahren nicht mehr die Kraft zum Angriff hat, betreiben Amerikas Führer genau das Gegenteil dessen, was sie zur Rechtfertigung ihres Präventiv-Krieges anführen: Von Marokko bis Indonesien werden nicht die demokratischen Kräfte der islamischen Welt gestärkt, sondern deren Widersacher(...)" Und: "Die zwingende Schlussfolgerung für jeden strategisch denkenden Regierungs- oder Armeechef dieser Welt lautet daher, dass nur die perverse alte Abschreckungslogik aus der Zeit des Kalten Krieges die einzig zuverlässige Versicherung gegen eine erzwungene Unterwerfung darstellt." Und: "So zerstört Amerikas Politik weltweit das Vertrauen, es könne jenseits des Schutzes durch die Abschreckung mit Massenvernichtungswaffen irgend eine Art von Sicherheit geben. Dieser Krieg wird die Welt nicht sicherer machen, sondern in eine Spirale der Aufrüstung treiben." Anis: Selbst SPIEGEL ONLINE bekennt Farbe.

SPIEGEL ONLINE 20.03.03, "ANGST VOR RAKETENANGRIFF: Tausende flüchten aus Tel Aviv"
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-241196 Beschreibung: "Angst in Israel: Tausende von Israelis verlassen aus Furcht vor einem Vergeltungsschlag die Millionenstadt Tel Aviv. Zahlreiche Bürger nahmen ihre Gasmasken mit zur Arbeit, weil die Streitkräfte vor Giftgasattacken gewarnt hatten. Im Gaza-Streifen gab es dagegen Sympathiebekundungen für Saddam."

SZ 20.03.03, "Union - ganz allein" Kommentar von Susanne Höll
Darin: "Die Merkels und Schäubles haben sich in der Kriegsfrage verrannt, vielleicht aus echter Sorge um die Lage der Welt, vor allem aber aus innenpolitischen Gründen. Sie suchen jenseits der seinerzeit nur zu berechtigten Kritik am Friedensfürst-Wahlkämpfer Schröder den außenpolitischen Streit. Den kann die Opposition nicht gewinnen, ganz egal, wie der Krieg ablaufen und ausgehen wird. Sie hat ihn vielmehr schon verloren. Nicht, weil der Kanzler und die SPD so populär wären in Deutschland. (...) Die CDU/CSU hat diese Auseinandersetzung aber verloren, weil sie keine guten, zumindest keine überzeugenden Gründe dafür anführen kann, warum aus ihrer Sicht ein Irak-Krieg zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerechtfertigt ist." Anis: Eben

SZ 20.03.03, "Amerika ist ein Fehler" Kommentar von Heribert Prantl
Darin über Antiamerikanismus: "Wundern muss man sich darüber angesichts der aggressiven US-Kriegspolitik nicht. Gleichwohl ist Schadenfreude fehl am Platz. Ein pauschaler und dummer Anti-Amerikanismus ist gefährlich. (...) Noch gibt es keine extreme Partei, die sich den Anti-Amerikanismus politisch zunutze machen kann. Aber das kann sich schnell ändern." Anis: Ganz schlechter Artikel. Zuerst werden antiamerikanische Klischees, Argumente und Anekdoten präsentiert, dann diese Mahnung mit der Aufforderung, nicht so ganz weit weg von den USA zu gehen. Das basiert alles auf Gefühlen und Verunsicherungen und vor allem Gruppen, nicht auf Fakten juristischer oder historischer Art.

SZ 20.03.03, "Israel: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Die Bevölkerung in Israel sieht einem Krieg mit erstaunlicher Gelassenheit entgegen." von Thorsten Schmitz
Anis: Okay

SZ 20.03.03, "Golfstaaten. Vom Frieden reden, den Krieg planen. Die meisten Golfstaaten verurteilen den Irak-Feldzug, leisten den USA aber logistische Hilfe." von Heiko Flottau
Anis: Wichtig

WELT 20.03.03, "Abbas sucht seine Machtposition gegenüber Arafat auszubauen. Bereits erster Kontakt mit israelischer Führung." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/20/55091.html Darin über die Lage: "In der aber auch Friedensaktivisten auf beiden Seiten sich wieder zu Wort melden. So begann in dieser Woche in Israel und in den Autonomiegebieten eine Unterschriftenaktion für einen neuen Friedensplan. Die Initiative will Hunderttausende Unterzeichner auf beiden Seiten für den Plan mobilisieren." Anis: Gut

taz 20.03.03, S.1, "rot-grüne außenpolitik: Das Nein und die Folgen" Kommentar von PATRIK SCHWARZ,
www.taz.de/pt/2003/03/20/a0058.nf/text Darin: "Zu nachvollziehbareren Maßstäben wird man kaum kommen, ohne einen Tabubruch zu begehen - und eine öffentliche Debatte über nationale Interessen zu führen. Die allerdings ist in Deutschland verpönt. Hinter der Angst steht ein Missverständnis: Deutsche Interessen müssen nicht zwangsläufig egoistische sein." Anis: Progressiv

taz 20.03.03, S.12, "Erbarmen mit Amerika" Kommentar von KLAUS KREIMEIER (Schlagloch),
www.taz.de/pt/2003/03/20/a0154.nf/text Darin: "Die amerikanischen Verhältnisse heute: ein waffenstarrender, mit fundamentalistischen Heilsversprechungen aufgeblähter, elektronisch hochgerüsteter Atavismus." Und: "Ein Koloss, dem nur der Abscheu der Welt entgegenschlägt, wird nicht etwa sanftmütig und gefügig, vielmehr rabiat und möglicherweise unberechenbar - eben diese atavistischen Reaktionsweisen kennzeichnen ja die Regression in eine vorpolitische Mentalität." Und: "Der Hightech-gestützte Atavismus des Präsidenten, die Selbstsuggestionen seiner militärischen Planer und die groben Fälschungen seiner politischen Helfershelfer - all das scheint ein wirrer Traum, und es ist längst ein Albtraum für amerikanische Patrioten. Dass heute Wissenschaftler, Schriftsteller, Politiker und Hollywoodstars vor aller Welt bekunden, sie schämten sich, Bürger der Vereinigten Staaten zu sein, stellt der Weltmacht ein verheerendes Zeugnis aus und ist kaum ein Indiz für ihren Aufstieg, eher für ihren Niedergang. Indes: Zur Schadenfreude besteht in Europa kein Anlass..." Anis: Zum ersten Mal sehe ich in der deutschen Presse diesen Fokus auf den politischen Atavismus, wie ich ihn im Buch "Rock'n'Roll. Nachricht von Ozzy Balou" kurz nach dem Elften September formuliert habe.

taz 20.03.03, S.15, "Israel ist amerikanischer denn je" Früher definierte sich Israel als zionistisches Kollektiv. Hat sich das Selbstbild angesichts des nahenden Kriegs im Irak und der angespannten Situation gegenüber den Palästinensern verändert? Ein Gespräch mit dem Publizisten und Historiker Tom Segev (TSAFRIR COHEN und STEFAN REINECKE)
www.taz.de/pt/2003/03/20/a0167.nf/text Darin: "Heute ist Israel eine Nuklearmacht, ungefährdet in seiner Existenz." Anis: Eben. Weiter: "Im Zionismus gab es kein Bewusstsein, dass Frauenrechte oder dass die Existenz von Minderheiten ein Problem sein könnten - denn wir waren ja ein Kollektiv, in dem alle gleich waren, wir waren alle Kibbuzim, alle Sozialisten." Anis: ein Kollektiv, ja. Weiter: "Die Israelis sagten Anfang der 90er zu Rabin: Geh - und mach Frieden mit Hitler -, denn das war Arafat lange in den Augen vieler Israelis gewesen." Anis: Frieden mit Hitler? Verstehe ich nicht. Weiter: "Nur ganz wenige Israelis haben verstanden, dass Oslo für die überwiegende Mehrheit der Palästinenser überhaupt keine Verbesserung bedeutete. (...) In Wirklichkeit gab es eine endlose Kette handwerklicher, politischer Fehler - bis hin zu Baraks napoleonischer Idee, Arafat einen Friedensvertrag aufzuzwingen. Aber: Das Prinzip von Oslo war richtig." Anis: Eben. Weiter: "Ich glaube nicht, dass die meisten Israelis sich bewusst sind, dass der Zionismus ein Unrecht war. Aber es gibt ein gewachsenes Bewusstsein, dass er einen hohen Preis gekostet hat, dass er viel Unglück hervorgebracht hat." Anis: Gut, dass wir mal darüber sprechen. Weiter: "Die Logik der Eskalation zu durchbrechen, ist notwendiger als alles andere - notwendiger noch, als dass die Israelis lernen, die Nakba anzuerkennen." Anis: Okay. Weiter über die Bevölkerung: "Aber es ist keine Zeit für Ratio, sondern für Hass, Wut, auch Rassismus. Sie müssen nur die ‚Araber raus'-Graffiti in Jerusalem anschauen. Der Terror hat uns in die Wagenburgmentalität zurückgeworfen, das Bewusstsein, dass alle Welt gegen uns ist. Eigentlich verschwenden wir damit unsere Zeit. Denn gesellschaftlich sind wir schon weiter. Wenn Arafat, Scharon und Bush endlich verschwunden sind, dann wird das wieder sichtbar werden." Anis: Ganz gutes Interview.

TS 20.03.03, "Ohne Recht, ohne Strafe. Dieser Krieg ist illegal. Doch Bush kommt vor kein Gericht - und Schröder auch nicht." Kommentar von Christoph von Marschall
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/20.03.2003/487383.asp Darin am Schluss: "Was aber alles nichts daran ändert: Schuldig machen sich Bush und Schröder vielleicht, strafbar nicht." Anis: Sehr interessant. Woher wisst Ihr das eigentlich alles schon, hm? Das zeigt ja sehr deutlich, in was für einer Welt manche Leute leben, in der Schuld ungestraft bleibt. Daher bin ich bei diesem Kommentator skeptisch. Wer weiß, welche Konsequenzen er aus einer solchen Weltsicht zieht.

TS 20.03.03, "Exportschlager. Ein Buch greift den deutschen Waffenhandel an." von Isabella Kroth
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/20.03.2003/487157.asp Anis: Wichtig. Über das neue Buch "Versteck dich, wenn sie schießen" von Jürgen Grässlin.

TS 20.03.03, "Krieg als Katalysator Palästinas neuer Premier bringt Nahost dem Frieden näher" von Clemens Wergin
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/20.03.2003/487657.asp Darin: "Es ist viel von politischen Kollateralschäden zu hören, die der Irak-Krieg verursacht hat, bevor er überhaupt begann. Der Gerechtigkeit halber sei auch der Kollateralnutzen erwähnt. Der macht sich besonders im israelisch-palästinensischen Konflikt bemerkbar: Dass Jassir Arafat endlich Platz macht für einen Premierminister und sogar im Parlament eine Niederlage erlitt, als er die Macht des neuen Mannes Abu Masen beschneiden wollte, ist ja nicht allein amerikanischem und europäischem Druck zu verdanken. Es entspringt der Einsicht - und der Furcht." Anis: Träum weiter.

DIE WELT 20.03.03, "Annan: USA für Bevölkerung im Irak verantwortlich. UN-Generalsekretär weist USA auf völkerrechtliche Folgen eines Angriff auf den Irak hin. Außenminister Fischer: Für Lösung der Irak-Frage seien die UN unersetzlich"
http://www.welt.de/data/2003/03/19/54799.html

DIE WELT 20.03.03, "Endzeitstimmungsmache" von Jacques Schuster
www.welt.de/data/2003/03/20/55171.html Darin: "Angst und Endzeitstimmung beherrschen die Debatte. Hinzu kommt eine Art Urwut gegenüber Amerika und eine atemberaubende Doppelmoral. George W. Bush, nicht Saddam Hussein ist der Aggressor. Er bricht das Völkerrecht, schickt sich an, einen Angriffskrieg zu führen und will Saddam entmachten." Anis: Netter Versuch. Herr Schuster sagt: Es wird alles nicht so schlimm. Aber es sind nicht nur die Ziviltoten, es sind auch die psychologische Situation sowie die unabschätzbaren Reaktionen aus der Region und natürlich die Rechtslage. Schuster liegt ganz falsch.

DIE WELT 20.03.03, "Am Strand von Tel Aviv hat der Krieg schon begonnen. Luftabwehrraketen, Gasmasken, Krisenpläne: Israel bereitet sich auf einen Angriff durch irakische Raketen vor - Die Nervosität der Bevölkerung steigt" von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/20/55084.html Darin: "...hat Israel mit dem Krieg am fernen Euphrat doch eigentlich nichts zu tun. Wäre da nicht der Mann mit dem Tirolerhut. Wenn er schießt, dann vorzugsweise auf Israel." Anis: Im Grunde hat Israel mit überhaupt nichts etwas zu tun, gell, Herr Jessen :-)

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