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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
03/2003 (3)
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FR 19.03.03, "Der andere Krieg. Während die Welt auf Irak blickt, morden in Tschetschenien russische Todesschwadronen weiter" Von Florian Hassel (Grosny)
Darin: "Vor dem vom Kreml angesetzten Referendum über eine neue tschetschenische Verfassung verschlechtert sich die Menschenrechtslage in der Kaukasusrepublik weiter. Nach gemeinsamer Recherche der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung im Kriegsgebiet ist die Zahl der Verschwundenen seit dem Geiseldrama im Moskauer Musical-Theater "Nordost" im Oktober 2002 deutlich gestiegen." Anis: Sehr guter Artikel :-) Ich muss gerade an eine solche Überschrift denken: "Der andere Krieg. Während die Welt auf Irak blickt, morden in Palästina israelische Todesschwadronen weiter." Wir waren ja mit der Frage beschäftigt, wann die FR ihre Doppelmoral aufgeben will...

FR 19.03.03, "Palästinenser für starken Premier. Parlament gibt neuem Amt viel Macht / Niederlage für Arafat" von Inge Günther

FR 19.03.03, "Bushs erster Krieg" Kommentar von Wolfgang Storz
Darin: "Nun werden US-Amerikaner und Briten den Krieg führen. Und vieles spricht dafür, dass er schnell und erfolgreich sein wird. Ein Erfolg, der aus dem Einmarsch in Bagdad und dem Sturz eines Diktators besteht." Anis: Mir scheint, die Journalisten basteln sich da so ein Heile-Welt-Zukunftsszenario. Viele setzen sich auf diesen Sessel des schnellen erfolgreichen Krieges. Sie gehen von einem falschen Denkrahmen aus. Der materielle Krieg ist nicht der Krieg, es sind nicht die Bomben, die hat Bush, das stimmt. Nein, der Krieg ist eine psychologische Situation, und in dieser Situation hat Bush keine Möglichkeit zu siegen. Er wird lediglich alle ruinieren, die mit ihm rumhängen. Am Schluss heißt es: "Erst vor diesem Hintergrund (weiterer Kriege) lässt sich die Bedeutung des Nein aus Berlin wirklich ermessen, das sich die Regierung Schröder längs von Kategorien der Realpolitik jenseits der Wahlkämpfe nach und nach erarbeitet hat. Das ist ihr hoch anzurechnen, auch im Moment der Niederlage." Anis: Der gleiche Denkfehler. Da ist kein Moment der Niederlage, wenn jemand Herrn Schröder § 80 zeigt (s.u. ZDF "Frontal 21" 18.03.03).

FR 19.03.03, "Deutsches Dilemma" Kommentar von Knut Pries
Darin: "Deutsche Politik hatte völkerrechtskonform und USA-konform zu sein. Dass beides nicht miteinander vereinbar sein könnte, überstieg das Vorstellungsvermögen. Die Könnte-Situation ist da." Und: "Was also ist von der Weigerung des Kanzlers und seines Außenministers zu halten, klipp und klar festzustellen: Unser großer Verbündeter tut Unrecht? Sie ist, im emphatischen Sinne von Wahrheit, unwahrhaftig. Im Sinne politischer Klugheit ist sie richtig. Sie ist ebenso richtig wie die umgekehrte Weigerung, dem amerikanischen Vorgehen völkerrechtliche Unbedenklichkeit zu bescheinigen. Es ist in diesem Falle vernünftig, eine politische Position - der Angriff auf den Irak ist falsch, Bündnisverpflichtungen werden dennoch eingehalten - zu beziehen, auch um den Preis juristischer Vagheit." Anis: Interessante akrobatische Theorie. Es hat aber auch etwas Romantisches. Deutschland sucht nach Wahrhaftigkeit. Ein großes Wort, ein großer Wunsch. Novalis zum Beispiel. Aber auch der komödiantische Effekt ist nicht zu verachten: Okay, der Papa hat jetzt was Böses gemacht, aber wie reagieren wir darauf? Wir müssen uns mit ihm zwar arrangieren und ihn lieben, aber, äh, wir haben auch noch ein Völkerrecht. Ja. Jetzt müssen wir Recht und Unrecht zusammenrühren und, aber, äh, ja, es ist ein deutsches Dilemma.

KN 19.03.03, S.2, "Schröders Irak-Appell. Protest ersetzt nicht Politik" von Klaus Kramer
Darin: "Anders als die Friedensdemonstranten darf sich ein Regierungschef jedoch nicht auf den Protest gegen den Kriegskurs des amerikanischen Präsidenten beschränken - so angreifbar der auch ist. Moralisch mag der Kanzler im Recht sein, und ein paar Tage wird er noch auf der Welle der Anti-Kriegs-Stimmung im Land schwimmen können. Doch Politik ersetzt das nicht." Anis: Wer hat gesagt, dass sich die Friedensdemonstranten auf den Protest beschränken? Hallo, Herr Kramer, wir sind nicht im Jahr 1968, da stimmte das wohl. Und: "Moral ersetzt Politik nicht" ist ja wohl nicht ihr Ernst! Was verstehen Sie denn unter Politik? Nein, es geht hier um Gruppen und wer wem was gönnt. Das greift zu kurz. "Noch ein paar Tage" ist eine Illusion, eine Tagesmode. "Stühlerücken auf der Titanic", haben die Amerikaner (Negroponte) kürzlich gesagt, das ist deren Metaphorik.

ND 19.03.03, "Standpunkt: Mut Kanzler, auch wenn Bush grummelt" von René Heilig
Darin: "Und noch hängen wir Deutschen verdammt tief drin im Unrecht des nahenden Krieges. Wann also werden die US-Überflug- und Stützpunktrechte beschnitten? Wann, wenn nicht jetzt, müssen die deutschen AWACS-Besatzungen aussteigen? Wann, wenn nicht jetzt müssen Marineeinheiten und ABC-Abwehrsoldaten, die von den USA als Schmieresteher missbraucht werden, heimgeholt werden?" Anis: Eben

SPIEGEL ONLINE 19.03.03, "INTERNATIONALE UMFRAGE. USA verlieren jede Sympathie.",
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-241090 Beschreibung: "Die Kriegspolitik der US-Regierung hat offenbar dramatische Auswirkungen auf das Ansehen der USA in Europa. Einer internationalen Umfrage zufolge braut sich selbst in traditionell amerikafreundlichen Nationen eine nie gekannte Wut auf die Supermacht zusammen."

SPIEGEL ONLINE 19.03.03, "FLUCHT AUS BAGDAD: Die Grenzen schließen sich" von Markus Deggerich, Amman
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-241027Beschreibung: "Wer kann, flüchtet aus Bagdad. Doch der Nachbar Jordanien hat seine Grenzen für Iraker nahezu gesperrt. Nur Durchreisende oder Ansässige werden noch eingelassen. Derweil wird Amman zum Hauptquartier der Berichterstatter und der zivilen Organisationen."

SZ 19.03.03, "Irak-Krise: Scharfe Worte aus Paris" von sueddeutsche.de/AFP/dpa/AP
Beschreibung: "Das amerikanische Ultimatum an den irakischen Machthaber Saddam Hussein hat heftige Kritik, aber auch Unterstützung hervorgerufen. Die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates Frankreich, Russland und China beharrten auf einer friedlichen Entwaffnung des Irak." Anis: Exzellenter Artikel

SZ 19.03.03, "Der gewollte Krieg. Bush steht mit seiner Entscheidung alleine - Amerika überzeugt nicht mehr." Kommentar von Stefan Kornelius
Anis: Exzellenter Kommentar

SZ 19.03.03, "Türkischer Sprengsatz" Kommentar von csc
Beschreibung: "Die türkische Regierung wollte zu einem Krieg gegen den Irak weder entschlossen Ja noch konsequent Nein sagen. In letzter Minute aber wird den Spitzen von Politik und Militär in Ankara klar, dass sie mit ihrem bisherigen Jein zum Krieg die Türkei in ein politisches und finanzielles Desaster geführt haben."

SZ 19.03.03, "‚Zum Krieg gezwungen' Viele Amerikaner sind gegen einen Feldzug ohne UN-Mandat - trotzdem schart sich die Nation um Bush." von Wolfgang Koydl
Anis: Auf jeden Fall um Längen besser als der vorige Koydl-Artikel

SZ 19.03.03, "Außenansicht. Krieg im Irak ist nicht gerechtfertigt." von Hans Küng
Anis: Lesenswert

SZ 19.03.03, "Palästinenser-Parlament ändert Grundgesetz. Arafat gibt zentrale Kompetenz ab. Designierter Premier Abbas darf seine Minister selbst berufen / Hamas-Führer getötet" von Thorsten Schmitz
Anis: Vier Absätze. Im vierten werden mal wieder die Toten begraben. Inakzeptabel!

taz 19.03.03, S. 1, "Das Ende des "westlichen Lagers - und seine Zukunft", Kommentar von BERND PICKERT
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0046.nf/text Darin: "Wäre die Kriegsargumentation der USA und Großbritanniens nicht so offensichtlicher Unsinn gewesen - Frankreich, Russland und vermutlich auch Deutschland hätten eigentlich gern mitgemacht. Vielleicht wird man sich in ein paar Jahren daran erinnern, dass dieser Irakkrieg zur Spaltung des früheren westlichen Lagers führte. Dann nämlich, wenn der gemeinsam geführte nächste Krieg die Lager wieder versöhnt." Anis: Hallo Bernd Pickert! Warum so pessimistisch? Vergessen Sie das doch mal mit den Lagern und all dem. Ich kann Ihnen eine gute James-Brown-Platte aufnehmen, wenn Sie wollen, die hilft bestimmt.

taz 19.03.03, S. 5, "Alte Resolution - jetzt neu. Vor zwölf Jahren stimmte die UN für die Befreiung Kuwaits, jetzt sehen die USA dies als neue Kriegsermächtigung" von ANDREAS ZUMACH
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0118.nf/text Darin: "Den präventiven Charakter des geplanten Krieges gegen Irak begründen die Regierungen in Washington und London mit ihrem vermeintlichen Recht auf vorbeugende ‚Selbstverteidigung' gegen die Gefahren, die nach ihrer Behauptung von Bagdad ausgehen. Für derartige Kriege gibt es jedoch keinerlei Deckung durch das Völkerrecht." Anis: Eben

taz 19.03.03, S. 11, "Palästinenser ändern ihr Grundgesetz. Parlament führt Amt des Ministerpräsidenten ein. Die Bevölkerung fürchtet Hausarrest während des Irakkrieges" von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0078.nf/text

taz 19.03.03, S. 13, "PALÄSTINA: DAS PARLAMENT ZEIGT EIGENEN WILLEN. Arafat zurechtgestutzt" von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0144.nf/text Darin: "Ab sofort jedoch sollte den Abgeordneten in Ramallah, deren Forderungen deutlich weiter gingen als etwa die von US-Präsident Bush, genügend Vertrauen entgegengebracht werden, ihre internen Angelegenheiten auch ohne ausländischen Druck regeln zu können." Anis: Das V-Wort, jawohl!

taz 19.03.03, S. 12, "Unser eigener Voilà-Effekt. Das Pentagon setzt auf zivilen Ungehorsam im Irak. Vorbildlich - das sollten auch wir tun, aber nicht für, sondern gegen den Krieg." NAOMI KLEINS KOLUMNE
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0143.nf/text Darin: "Aber eines wollen unsere Politiker genauer wissen, bevor die ersten Bomben fallen: Ist die Antikriegsstimmung ‚hart' oder ‚weich'? Die entscheidende Frage lautet demnach nicht, ob die Kriegsfrage für die Menschen wichtig ist, sondern wie wichtig sie ist." Anis: Gewaltloser Gegenschlag? Ja, ich denke... ja ich denke ja.

taz 19.03.03, S. 14, "'Der Krieg soll nicht jede Stunde dominieren'. Wie können Lehrer mit dem Irakkrieg umgehen? Nicht Wissensvermittler spielen, sondern von den Schülern ausgehen?" Heinz Schirp von www.learn-line.de im Interview (MATTHIAS BRAUN)
www.taz.de/pt/2003/03/19/a0191.nf/text Anis: Progressiv

TS 19.03.03, "Die Macht und die Ohnmacht. DIE USA ERKLÄREN KRIEG." von Gerd Appenzeller
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/19.03.2003/486144.asp Darin: "Die Macht Deutschlands ist anders als die Amerikas. Sie ist nicht militärisch. Sie gründet auf dem Ansehen, das dieser Staat in einem halben Jahrhundert erworben hat. Dazu gehören vor allem Berechenbarkeit und Verantwortungsgefühl." Anis: Ola. Der Tagesspiegel scheint sich wieder aufzurappeln.

DIE WELT 19.03.03, "Im Priestergewand einer Zivilreligion. Mit der ‚Demokratisierung' des Nahen Ostens riskiert Bush den Kampf der Kulturen", von Herbert Kremp
www.welt.de/data/2003/03/19/54375.html Darin: "Die entscheidende Frage ist nun, wie die politisch-militärische Weltmission im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg aufgenommen und beantwortet wird. Tatsächlich als Befreiung oder als Überwälzung, als Imperialismus, als Neo-Kolonialismus?" Der lange Artikel endet mit: "Nirgends und niemals jedoch hatten Eroberer Erfolg, wenn sie einer anderen Hochkultur ihre ungeteilte Weltsicht mit dem Kern der Religion, Aufklärung oder Zivilreligion überstülpen wollten. Bushs Vorsatz, den Islam zu modernisieren, weil in seiner Verzerrung der Terrorismus wurzelt, ist daher, mit den Augen der Weltgeschichte betrachtet, ein hybrides Unternehmen." Anis: Good work! ("hybrides Unternehmen" :-)

DIE WELT 19.03.03, "Abbas setzt sich gegen Arafat durch. Der Palästinenserchef gibt einen Teil seiner Macht an den neuen Premier ab - Hamas-Anführer getötet." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/19/54362.html Anis: Journalistisch guter und politisch nicht übertriebener Artikel.

DIE WELT 19.03.03, "Wer war Rachel Corrie? Die amerikanische Friedensaktivistin wurde am Sonntag bei einem israelischen Einsatz in Gaza getötet. Eine deutsche Fernsehjournalistin traf sie bei einer ihrer Aktionen im Gazastreifen. Menschen am Vorabend des Krieges (5)" von Maren Niemeyer
www.welt.de/data/2003/03/19/54516.html Anis: Hier geht es nicht um die Umstände ihres Todes, sondern um eine frühere Aktion von Rachel Corrie. Guter, nicht wirklich politischer Artikel, aber die Umstände sind hochpolitisch.

DIE WELT 19.03.03, "Der einsame Boxer von Nablus. In der besetzten Stadt im Westjordanland übt ein Faustkämpfer für sein Ziel: die Olympischen Spiele in Athen. Menschen am Vorabend des Krieges (6)" von Jan Rübel
www.welt.de/data/2003/03/19/54515.html Anis: Schöner Artikel über einen positiven Menschen, den Boxer Munir aus Nablus. Jan Rübel? Den kenn ich doch. Den kenn ich doch noch aus Hamburg. Schönes Ding.

DIE WELT 19.03.03, "Warten auf den Krieg" Kommentar von Berthold Seewald
www.welt.de/data/2003/03/19/54377.html Anis: Das Sinnloseste, was ich je in der WELT oder irgendeiner anderen Zeitung gelesen habe. Ein Artikel so sinnlos wie ein Friseursalon vor den Stufen eine Guillotine.

DIE WELT 19.03.03, "Die letzte Entscheidung" Kommentar von Jan-Eric Peters
www.welt.de/data/2003/03/19/54585.html Darin: "Wir haben gewünscht und gehofft, dass eine breite Allianz die Verantwortung übernimmt, den gemeinsamen Beschluss auch vereint durchzusetzen. Und wenn Gewalt als letztes Mittel nötig werden sollte, dann legitimiert durch ein ausdrückliches, nicht nur durch ein implizites Mandat des Sicherheitsrates. Es ist anders gekommen. Aber ist das Ziel so vieler UN-Resolutionen deswegen falsch? Heute geht es nicht mehr um die Frage nach Krieg oder Frieden. Heute zählen keine abgewogenen Argumente mehr. Den Krieg vor Augen, gibt es für die freie Welt, für jedes Land und für jeden einzelnen von uns nur noch eine Wahl: Mit den Amerikanern oder gegen sie? Es ist alles gesagt. Der Krieg wird kommen. Heute können wir uns noch einmal entscheiden. Die Entscheidung der WELT steht fest." Anis: Lustiger Pathos. Hätten Sie lieber mal gesagt, welche Entscheidung Sie eigentlich getroffen haben, das geht aus dem Kommentar nämlich nur schüchtern hervor. Außerdem glaube ich Ihnen nicht, dass die WELT insgesamt Ihre Ansicht teilt, ich lese die jeden Tag, und die schreiben alles Mögliche. Heute auch.

www.tachles.ch und www.juedische.at ,19.03.03, "Der Nationalstolz stösst vor den Kopf. Zwei Vorträge von Josef Joffe in Israel zur aktuellen Lage im Nahen Osten." von George Szpiro
Darin: "Als Test, ob es sich bei einem Text um legitime Kritik handle oder um kruden Antisemitismus oder Antiamerikanismus, schlug Joffe mehrere Kriterien vor: Welche Sprache wird benützt, welche Wortwahl? Werden Akteure dämonisiert? Werden verschiedene Massstäbe angesetzt? Wenn zum Beispiel Israel für angebliche Vergehen in den palästinensischen Gebieten zur Verantwortung gezogen wird, aber die Rollen, die Russland in Tschetschenien und China in Tibet spielen, oder die Art und Weise, wie Zimbabwes Präsident Robert Mugabe weisse Farmer behandelt, übergangen werden, liegt, so Joffe, als Antiisraelismus getarnter Antisemitismus vor. Die sprachliche Struktur antisemitischer oder antiamerikanischer Ausfälle ist meist dieselbe. Zum einen ist da die Stereotypisierung 'der Amerikaner', 'der Juden', 'der Israeli' als Gruppe, ohne dass auf das Individuum eingegangen wird." Anis: zum Thema verschiedene Maßstäbe: Joffe sagt hier, dass man Israel nur kritisieren darf, wenn man auch Russland, China etc. kritisiert. Andernfalls sei das als Antiisraelismus getarnter Antisemitismus. Das ist natürlich Quatsch. Von Herrn Joffe kommen manchmal ganz seltsame Äußerungen.


FR 18.03.03, "Parlament in Ramallah widersetzt sich Arafat. PLO-Chef soll bei Kabinetts-Besetzung nicht mitreden / Tote bei israelischer Militäraktion" von Inge Günther
Darin: "Israels Armee (nahm) am Morgen einen besonders kritischen Abgeordneten, Hussam Khader, in seiner Wohnung im Flüchtlingslager von Nablus fest. Sein Bruder Ghassan berichtete der FR, Soldaten hätten die Eingangstür aufgebrochen und Computer beschlagnahmt. Khader lehnt Selbstmordanschläge in Israel ab und befürwortet das Recht auf Widerstand gegen die Besatzung." Anis: Danke, dass Ihr davon berichtet. Weiter: "Israelische Soldaten stießen im Morgengrauen mit Panzern und Kampfhubschraubern in das Gaza-Flüchtlingslager Nusseirat vor." Anis: Was hat das mit der Arafat-Überschrift zu tun? Das sind doch völlig verschiedene Sachen! Kehrt Ihr wieder mal die Toten unter den Teppich? Und Ihr druckt: "Ziel dieser vierstündigen ‚Säuberungsaktion' war es laut Armeeangaben..." Anis: So so, Säuberungsaktionen macht Ihr jetzt. Ich hatte darauf hingewiesen, dass Anführungszeichen nicht zählen. Einen "sanften Übergang" in die Demokratie möchte die FR also (s.u.). Sie möchte noch eine Weile Säuberungsaktionen machen und die Gewaltherrschaft nur noch ein bisschen am Laufen lassen. Nur, bis der Krieg vorbei ist. Und eventuell der nächste. Wir brauchen unser Schnuffeltuch. Ey, wo ist unser Schnuffeltuch? Sonst können wir nicht einschlafen. Mann lass uns in Ruhe, wir wollen uns nicht ändern... wir können nicht von einem Tag auf den anderen... Bla bla

FR 18.03.03, S.3, "Sanfter Übergang" Kommentar von Inge Günther
Darin: "Eine bilderbuchreife Demokratie wird in den palästinensischen Gebieten vorerst nicht geboten. Was Wunder. Wie sollte das auch gehen unter israelischer Besatzung, dazu in Zeiten, in denen das Militärische das Politische im Nahen Osten insgesamt wie auch in Gaza und Westbank weit in den Schatten stellt." Und: "Mahmoud Abbas, der Premier in spe, kann sich nur durchsetzen, wenn auch von israelischer Seite bald etwas auf den Verhandlungstisch kommt." Anis: Guter Kommentar

FR 18.03.03, S.3, "Stunde der Selbstbehauptung" von Rolf Paasch
Darin: "Der Diktator bedroht mit seinen nichtkonventionellen Waffenresten weder die USA, noch dient Irak als Basis von Al Qaeda. Nach der Fälschung von Dokumenten und der versuchten Bestechung potenzieller Alliierter wird George W. Bushs historische Entscheidung für den Krieg als Stunde der Unwahrheit in Erinnerung bleiben. Nichts aber, so lautet eine zutiefst amerikanische Redewendung, ist so erfolgreich wie der Erfolg. Und ein schneller militärischer Erfolg bleibt jenseits aller Unwägbarkeiten die wahrscheinlichste Prognose für den Krieg." Anis: Letzteres sehe ich anders. Wie kommen die darauf? Wir werden sehen. Außerdem: "Politisch hat die Nachkriegszeit längst begonnen." Anis: Das gilt nur für den, der Bush glaubt. Außerdem: "Diese Hilfe sollte keine pflichtschuldige Wiedergutmachung für den vergeblichen Widerstand gegen den Krieg sein." Anis: Aha! Soviel zu den Schwierigkeiten mit der Selbstbehauptung :-)

FR 18.03.03, S.3, "Vom Sinn des Widerstands. In den nächsten Krieg werden die USA Bush nicht folgen" Analyse von Dietmar Ostermann (Washington)
Darin: "Wenn es aber um die moralische Autorität geht, dann sind die USA der große Verlierer des diplomatischen Ringens in New York. Ohne diese moralische Autorität aber werden Ablehnung und Misstrauen in der Welt gegenüber den USA nur wachsen. Künftige ‚Koalitionen der Willigen' könnten noch dürftiger ausfallen." Anis: Die Hauptthese teile ich, dass der Irak-Krieg so durchgeht, halte ich aufgrund der von Herrn Ostermann selbst genannten Fakten für einen Irrtum.

KN 18.03.03, S.3, "Ministerium: Deutschland in ‚schwieriger Sicherheitslage'" von lin
Darin: "Konkrete Hinweise auf terroristische Aktivitäten hat jedoch weder das Bundesinnernministerium noch das Innenministerium in Kiel. Die Behörden konzentrieren sich zurzeit vor allem auf den Objektschutz israelischer, jüdischer und amerikanischer Einrichtungen und auf verstärkte Kontrollen auf Flughäfen. Ein Sprecher des Kieler Innenministeriums sagte, man werde insbesondere den Schutz jüdischer Einrichtungen im Land verstärken." Anis: Das Innenministerium in Kiel soll bloß aufpassen, dass es nicht aus Versehen mal den Schutz von Palästinensern verstärkt! Angesichts der Agitation extremer pro-israelischer Gruppen hier in Kiel (siehe unten, 12.03.03) ist das schon ein bemerkenswertes Statement.

ND 18.03.03, "Fremdenhass: ‚Gesicht Zeigen!' startete Aktionswoche gegen Rassismus. 150 Veranstaltungen bundesweit, die Toleranz und Zivilcourage anmahnen." von Anja Probe
Darin: "Der Verein ‚Gesicht Zeigen!' wurde im August 2000 von Uwe-Karsten Heye, dem ehemaligen Regierungssprecher, Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, und dessen Vize Michel Friedman gegründet. Seitdem sind etliche Plakat- oder Kinokampagnen gegen rechte Gewalt und Fremdenfeindlichkeit entstanden sowie ein Handbuch für Zivilcourage. Über tausend Verbände, Organisationen oder Einzelpersonen machen inzwischen bei ‚Gesicht Zeigen!' mit; 45 Städte und Gemeinden haben sich der Aktion weltoffenes Deutschland angeschlossen." Anis: pro-Scharon-Rassisten machen eine Anti-Rassismus-Veranstaltung und das Neue Deutschland freut sich drüber. Wenn in Palästina nicht so viele Menschen sterben würden, wäre es zum Lachen. Auch das ND lebt mit dieser Doppelmoral.

PHOENIX 18.03.03, "Berliner Phoenix-Runde"
Claudia Karas schreibt: Sehr geehrte damen und herren, danke Ihnen, dass Sie einen solch großartigen menschen wie Alfred M. de Zayas in die runde eingeladen haben! Durch seinen großen Sachverstand als Völkerrechtler und sein mitgefühl trat die aalglatte menschenverachtung der beiden anderen herren umso deutlicher und erschreckender hervor, besonders die des herrn kamp, dem die zu erwartenden zehntausende toten irakischen zivilisten nicht einmal der rede resp. eine antwort wert sind. Wie benebelt und gehirngewaschen muss man sein, die so offensichtliche ungesetzlichkeit, mit der die bushkrieger einen angriffskrieg anstreben, nicht begreifen zu wollen! Den millionen von menschen, die weltweit gegen einen krieg auf die straße gehen, ist diese ungesetzlichkeit und ungerechtigkeit sehr wohl bewusst, im gegensatz zu den meisten politikern, die für macht buchstäblich über leichen gehen! Es ist einfach lächerlich, auf nicht eingehaltene un-resolutionen zu verweisen. Alfred M. de Zayas erwähnte israel, das sich nicht an völkerrecht halten muss! Oder sehen wir eines tages truppen in israel einmarschieren, um das palästinensische volk zu befreien? mit freundlichen grüßen, claudia karas

SZ 18.03.03, "Bushs Niederlage" Leitartikel von WOLFGANG KOYDL
Darin: "George Bush mag es drehen und wenden, wie er will: Für ihn und für ganz Amerika ist dies eine Niederlage - egal, wie siegreich das Land aus dem Konflikt mit dem Irak hervorgeht, egal wie erfolg-reich die USA den Wiederaufbau dieses Landes zuwege bringen werden." Anis: Eben. Dann: "Denn eigentlich sollten sich Europäer und Amerikaner einig darin sein, dass die größte Bedrohung für die Weltgemeinschaft vom Nahen Osten ausgeht, von jenem toxischen Gebräu aus Hass und Elend, Fanatismus und Despotie" Anis: Ach so, doch ein Kulturkämpfer. Weiter: "Die Europäer mögen Recht haben, wenn sie die völkerrechtliche Grundlage für einen Militärschlag gegen Bagdad für fragwürdig halten. Sie haben auch Recht, wenn sie die Amerikaner fragen, warum sie nicht zuerst ihre saudischen und ägyptischen Verbündeten demokratisieren, bevor sie die Segnungen einer demokratischen Grundordnung mit Feuer und Schwert im Irak verbreiten. Aber die Europäer übersehen dabei, dass es - wenn überhaupt - nur im Irak eine völkerrechtliche Grundlage für einen radikalen Ansatz gibt." Anis: Radikaler Ansatz, son Quatsch. Weiter: "Sie übersehen, dass Saddam die letzte Hoffnung der Friedensgegner im Nahen Osten ist." Anis: Wolfgang Koydl rechtfertigt Gewalt und stellt sie über die Moral. Außerdem verstehe ich den Titel dieses pro-amerikanischen Artikels nicht. Schließlich: "Wenn es Amerika und Europa nicht gelingt, dieses Vertrauen so schnell wie möglich wiederherzustellen, dann hat am Ende nur Saddam Hussein gewonnen." Anis: Quatsch Quatsch Quatsch

SPIEGEL ONLINE 18.03.03, "PALÄSTINA. Arafat unterzeichnet Gesetz für Ministerpräsidenten-Amt"
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-240856 Darin: "Israelische Soldaten haben unterdessen in mehreren Gefechten im Westjordanland zwei ranghohe Mitglieder der Untergrundorganisation Hamas getötet." Und: "Zudem wurde im Gaza-Streifen ein elfjähriger Junge schwer verletzt." Anis: Gutes Beispiel dafür, wie man Tote und Verletzte in einen Artikel schmuggelt. Man verscharrt diese Menschen namenlos auf den letzten Absätzen in einem Artikel, der von etwas anderem handelt.

SPIEGEL ONLINE 18.03.03, "Abschied von Bagdad. ‚Shukran, habibi'" von Markus Deggerich, Amman
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,240699,00.html Darin: "Wer Irak sagt, meint Saddam und vergisst dabei über 22 Millionen Menschen. Als Iraker ist man weltweit stigmatisiert (...) Man wünscht Saddam Hussein zum Teufel, aber erträgt gleichzeitig den Gedanken nicht, dass die Millionen Wehrlosen wieder die ersten Opfer sein sollen einer Politik, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht verschwimmen." Anis: Shukran ya Markus Deggerich :-)

SZ 18.03.03, "Irak vor dem Krieg. Die Weltgemeinschaft auf der Zuschauerbank. Entschlossen zum Krieg setzen sich die USA über alle Einwände der Vereinten Nationen hinweg." Kommentar von Andreas Oldag
Darin: "Nun wird freilich auch deutlich, dass die USA offenbar nur aus taktischen Gründen mit dem Sicherheitsrat zusammengearbeitet haben. Washington setzte von Beginn an nicht nur auf die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen, sondern auf einen Regimewechsel in Bagdad." Anis: Eben

SZ 18.03.03, "Abstimmung im Parlament in Ramallah. Arafat erleidet Niederlage. Palästinenser-Chef soll Kabinett nicht berufen dürfen." von Thorsten Schmitz
Darin am Schluss: "Die israelische Armee bezeichnete am Montag den Tod einer 23 Jahre alten Amerikanerin in Rafah im Süden des Gaza-Streifens als ‚bedauernswerten Unfall'." Anis: 1. Was ist Subjekt dieses Satzes, die Armee oder Rachel Corrie? 2. Warum wird ihr Name nicht genannt, habt Ihr kein Gefühl für Pietät? 3. Was haben diese Nachricht sowie die Nachrichten über getötete Palästinenser mit der Überschrift zu tun? Ihr kehrt die Toten fast buchstäblich unter den Teppich.

taz 18.03.03, S. 1, "Die USA schreiten zur Tat: Krieg außerhalb des Völkerrechts." Kommentar von ANDREAS ZUMACH
www.taz.de/pt/2003/03/18/a0046.nf/text Darin am Schluss: "Es ist höchste Zeit, dass nun auch die Regierung Schröder/Fischer Konsequenzen aus dieser Tatsache zieht. Rückgängig gemacht werden müssen jetzt die Gewährung der Überflug- und Nutzungsrechte für die US-Streitkräfte, die Entsendung der Awacs-Flugzeuge und der Patriot-Raketen in die Türkei sowie alle anderen Maßnahmen, zu der sich Berlin auf Wunsch der Bush-Administration seit Herbst letzten Jahres bereit erklärt hat. Sonst trägt sie - aller Antikriegsrhetorik zum Trotz - Mitverantwortung für diesen Krieg und seine Folgen."

taz 18.03.03, S. 2, "Bürgerrechte bedroht. UN-Hochkommissar de Mello warnt vor Aufgabe der Menschenrechte im Zuge des Antiterrorkampfes." von epd
www.taz.de/pt/2003/03/18/a0065.nf/text

taz 18.03.03, S. 2, "deutsche ängste: Die Furcht vor dem Unbekannten und unsere Sorgen um die Iraker. Die unfairen Vorwürfe eines Moralisten am Vorabend des Krieges" Kommentar von SEAD HUSIC
www.taz.de/pt/2003/03/18/a0090.nf/text Darin: "Angst ist nämlich was anderes. Was Sie fühlen, ist Furcht, denn die haben Menschen vor dem Unbekannten." Anis: Es ist genau andersherum, es heißt z.B. "Gottesfurcht" und "gefürchtet", aber ist trotzdem ein sehr guter Artikel :-)

taz 18.03.03, S. 10, "US-Pazifistin von Bulldozer überrollt. Bei Militäreinsatz im Gaza-Streifen werden neun Palästinenser getötet, darunter zwei Kinder. Washington verlangt Aufklärung über eine am Sonntag in Rafah getötete US-Pazifistin. Die israelische Armee spricht von einem ‚bedauerlichen Unfall'" von afp/dpa
www.taz.de/pt/2003/03/18/a0104.nf/text

TS 18.03.03: "Diplomatie und Despotie. Falscher hätte Bush den Kampf um die neue Weltordnung nicht beginnen können." von Bernd Ulrich
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/18.03.2003/484641.asp Darin: "Der Scheinriese aus Paris hat jeden Kompromiss blockiert und eine zweite Resolution schon abgelehnt, bevor sie auf dem Tisch lag. Den Vorschlag mit dem 30-Tage-Ultimatum hat er eine Woche zu spät gemacht. Und was erreicht? Den Krieg hat er nicht verhindert. Moralischer Sieger ist er auch nicht, wer nimmt es ihm schon ab, dass es ihm um die Eindämmung des Irak geht? Eher um die der USA. Was also hat er dafür bekommen, dass er die Spaltung betrieb? Den Rausch einer Größe, die Frankreich nicht mehr hat." Anis: Was er an Chirac kritisiert, trifft für Bush zu. Nachdem Bush auch noch kritisiert wird, heißt es resignierend: "Das Ziel ist also ‚Regime Change' - der jedoch nicht mit der Erklärung eines Kriegs beginnen muss, sondern mit der Erklärung dieser neuen Politik. Das jedoch, Sicherheit durch demokratischen Imperialismus, ist ein äußerst ehrgeiziges, neues und auch riskantes Projekt." Anis: ein ängstlicher und profilloser Text. Die scheinen echt am Ende zu sein beim Tagesspiegel. Sanitäter!

TS 18.03.03: "Niemand kann den Wind besiegen." von Asne Seierstad, Bagdad
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/18.03.2003/484445.asp Beschreibung: "Wenn es eine Explosion gibt, sollen sie sich auf die Erde werfen. Wenn es ein Angriff mit Kampfgas ist, sollen sie sich Mund und Nase zu halten. Bagdads Kinder lernen in der Schule, wie man im Krieg davonkommt. Die Erwachsenen vernageln die Fenster - die Angst kommt trotzdem herein." Anis: Guter Stimmungsbericht

DIE WELT, 18.03.03, "Das Supernein." Kommentar von Michael Pilz
www.welt.de/data/2003/03/18/53811.html Darin: "Ein stolzes, lautes ‚Nein!' klingt um die Welt. Das große ‚Nein!' zum Krieg. Die Popstars rufen, klagen, singen endlich: ‚Nein!'" Anis: Yeah!

DIE WELT, 18.03.03, "Mehr Demokratie wagen" Leitartikel von Alan Posener
www.welt.de/data/2003/03/18/53811.html Darin: "In der Tat bildet eine bei ‚Progressiven' wie Konservativen verbreitete falsche Rezeption der kolonialen Erfahrung ein Hauptelement der Kritik an der Vision einer Liberalisierung der moslemischen Welt." Anis: Zum ersten Mal sehe ich in der deutschen Presse so deutlich die Dichotomie progressiv / konservativ, so wie ich sie im Ozzy-Buch kurz nach dem Elften September formuliert habe. Ein zweites interessantes Zitat ist: "Aber wie viele Experten sahen den Fall der Mauer, den Zusammenbruch der Sowjetunion voraus?" Anis: Der Artikel soll unterschwellig den Krieg rechtfertigen, argumentativ sehr geschickt übrigens (meinen Respekt!), dennoch ist dieser Artikel bereits Vorbote der neuen Zeit, die Herr Posener sicherlich nicht meint. Denn in der Tat werden vor allem die USA mehr Demokratie zu wagen haben.

DIE WELT, 18.03.03, "Verkehrte alte Welt. Europa hat mit dem Fall der Mauer auch den Wertekompass verloren - Debatte" von Mariam Lau
www.welt.de/data/2003/03/18/53788.html Beginnt mit: "Wir fassen zusammen. Einem heruntergekommenen Drittweltdiktator ist es innerhalb kürzester Zeit gelungen, die Bündnisarchitektur der Nachkriegszeit nachhaltig zu erschüttern." Anis: Was ist denn hier los? Weiter: "Mit anderen Worten: Die Vereinten Nationen sind keine Wertegemeinschaft." Anis: Berechtigte Kritik. Der ganze Artikel ist jedoch sehr verbissen. Weiter: "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass der Krieg gegen den Terror im Zeitalter der frei verfügbaren Massenvernichtungswaffen (dem Kalten Krieg) vergleichbare Ausmaße annehmen wird." Anis: Mit reinem Angstdenken kommt sie hier aber nicht weiter. Weiter: "... lehren den wahhabitischen Islam, der Hass auf die Moderne, den Westen und Israel predigt." Anis: Kulturkampf. - Gesamtkommentar: Dieser Beitrag wird der Zeit nicht standhalten. Sagt sie auch selbst, am Schluss: "Wir sind, rein intellektuell, noch weit davon entfernt, für die kommenden Zeiten gerüstet zu sein."

DIE WELT, 18.03.03, "Tod einer Amerikanerin in Israel. USA fordern Aufklärung: Ein Armee-Bulldozer schleift eine Friedensaktivistin in den Tod." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/18/53862.html Darin: "Wie nach ähnlichen Fällen wird das weltweite Interesse am Tode Rachel Corries wohl bald verklingen." Anis: Das denke ich kaum. Guter Artikel, Gruß an N.J.

ZDF, 18.03.03, Frontal 21h, "Angriffskrieg. Das Völkerrecht, das Grundgesetz und die Realpolitik."
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,2038119,00.html Darin der Verweis auf § 80 StGB. Zur Übersicht hier einige Gesetzestexte (Grundgesetz): Artikel 25: "Die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des Bundesgebietes." Zusätzlich bestimmt Artikel 26 (1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.". Artikel 2, Satz 4 der Charta der Vereinten Nationen (=Völkerrecht), sagt: "Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.(...)" Artikel 26 GG sagt: "(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen." und § 80 (Vorbereitung eines Angriffskrieges) sagt: "Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft." unds § 80 a (Aufstacheln zum Angriffskrieg): "Wer im räumlichen Geltungsbereich dieses Gesetzes öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) zum Angriffskrieg (§ 80) aufstachelt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft." Quelle: http://www.cuci.nl/~bergstr6/Rede_011119_KriegGegenGG.html


FR 17.03.03, "Verhaltenes Echo auf US-Friedensinitiative für Nahost. Palästinenser und Israelis äußern sich allerdings nur verhalten / Scharons Experten wollen 100 Änderungen erreichen" von rtr
Darin: "Israel lehnt auch weiterhin strikt eine internationale Überwachung seines Vorgehens in den Palästinensergebieten ab, wie sie von den Europäern vorgeschlagen worden war." Anis: Die FR hat anscheinend Probleme. Wieso wird über diesen Punkt einfach so hinweggegangen? Dann steht da noch: "(ap/rtr). Aus Angst (...) haben israelische Streitkräfte am Samstag das Westjordanland und den Gaza-Streifen abgeriegelt." Na, liebe FR-Redaktion, klingelt es irgendwann bei Euch?

FR 17.03.03, "ANTISEMITISMUS-REPORT. ‚Hass-Atmosphäre' gegen Israel und Juden vermerkt." von kna
Darin: "'Feindselige Einstellungen' gegen Israel und Juden haben sich an Universitäten und in den Medien vermehrt. Das geht aus dem Antisemitismus-Report 2002 hervor, den das ‚Koordinierungsforum zum Kampf gegen Antisemitismus' der israelischen Regierung am Sonntag veröffentlicht hat." Und: "Der weltweite Terror von Al Qaeda bedroht laut Bericht vor allem Juden. (...) Die meisten gewalttätigen Attacken auf Juden seien von ‚islamischen Elementen' ausgeführt worden. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen Vorgängen im israelisch-palästinensischen Konflikt und antijüdischen Attacken." Anis: Klar, dass die israelische Regierung das sagt. Klar, dass jemand, der mit Kritik nicht umgehen kann, so etwas feststellt. Und mehr wird hier auch nicht gezeigt. Oder kann man es Schleichwerbung für die israelische Regierung nennen? Nein, das wäre ja feindselig und Hass-atmosphärisch. Die FR muss solche Regierungswünsche drucken, sonst bekommt sie ja Probleme mit Scharon, und das will sie auf gar keinen Fall.

FR 17.03.03, "DAS PORTRÄT. Kooperativ. Abdel Rahman Tamimi." von geg
Über die Wasserproblematik zwischen Israelis und Palästinensern. Darin: "Ohnehin zahlen Palästinenser mit etwa zwei Euro das Sechsfache für den Kubikmeter wie ein staatlich geförderter israelischer Siedler. Die Folge: In vielen Siedlungen gibt es Swimmingpools, palästinensisches Agrarland verödet." Anis: Tamimi ist Direktor der ‚Palestinian Hydrology Group', einer gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation.

FR 17.03.03, "Saddam setzt Kriegsverwaltung ein" von dpa

FR 17.03.03, "FLUGVERBOTSZONE. USA greifen mit Bombern Radarstellungen in Irak an" von rtr
Anis: Es ist nicht schwer, einen Krieg vom Zaun zu brechen, aber einen Frieden? Das können die Amerikaner nicht. Deswegen machen sie sich ja auch unbeliebt.

KN 17.03.03, S.2, "Zum Azoren-Gipfel: Countdown für den Krieg" von Ralph Schulze
Darin am Schluss: "Die Amerikaner haben schon immer ihre eigenen Interessen über die Mehrheitsmeinung der UN gestellt und zum Beispiel fällige Verurteilungen Israels regelmäßig verhindert." Anis: Aha! Sie haben Euch also betrogen! Weiter: "Vor diesem Hintergrund ist auch die allerjüngste Friedensinitiative von Frankreich, Russland und Deutschland chancenlos." Anis: Genauer gesagt: "aus diesem Grund", nicht "vor diesem Hintergrund". Ja gut, KN, jetzt verstehe ich Euch schon besser.

ND 17.03.03, "Sonne und Azorentief" Kommentar von Frank Wehner
Endet mit: "Doch auch das zeigte dieses Wochenende und milderte das Azorentief: Es gibt - anders als beim vorigen Golfkrieg, anders als beim Jugoslawien-Krieg - jetzt eine Mehrheit in der Welt, die das weiß und sich nicht damit abfinden will. Mag Bush sein Abenteuer starten, mag es auch diesmal nicht gelungen sein, die Katastrophe zu verhindern - danach wird die Welt nicht mehr sein, wie sie war. Und wer Gefolgsmann von Kreuzrittern ist, der wird erfahren, dass es seinen Preis hat, Bushs williger Vollstrecker zu sein." Anis: Eben

ND 17.03.03, "Afghanistan. Für eine neue politische Kultur. 42 Gruppen vereinten sich vor der Wahl." von Jan Heller, Kabul
Beschreibung: "42 demokratische Parteien und Gruppen haben in Kabul die ‚Nationale Front für Demokratie Afghanistans' (NFDA) gegründet." Darin: "Das alles ist ein ebenso bedeutender Quantensprung in der politischen Kultur des Landes wie der Übergang aus dem Untergrund zu offener politischer Aktivität. Was nicht ungefährlich ist: Außerhalb der afghanischen Hauptstadt beherrschen nach wie vor die Kalaschnikows der Kriegsherren die Szenerie." Anis: Es ist natürlich schon auffällig, dass ausgerechnet jetzt die Afghanen zeigen, wie toll ihre Demokratie nach Bush sein könnte. Cui bono? Also so ganz ernst nehmen sollte man diese politische Entwicklung in Afghanistan nicht. Zumindest nicht, bevor sich irgendwelche greifbaren Dinge verändert haben.

SPIEGEL ONLINE 17.03.03, "ISRAELISCHER ANGRIFF: Blutbad im Flüchtlingslager. Bei einem Vorstoß der israelischen Armee auf ein Flüchtlingslager im Gaza-Streifen sind offenbar sechs Palästinenser ums Leben gekommen. Stunden zuvor hatte ein israelischer Bulldozer eine amerikanische Friedensdemonstrantin überrollt."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-240553 Darin: "Corrie ist das erste Mitglied der Internationalen Solidaritätsgruppen im Westjordanland und Gazastreifen, das bei einem israelischen Einsatz ums Leben kam." Anis: Wer wissen will, welche Medien Scharon und all das Unrecht decken wollen, braucht nur zu beobachten, wer nicht über Rachel Corrie berichtet. Auch interessant zu sehen, wer ihren Namen schreibt und wer nicht.

SZ 17.03.03, "Die drei Ungeduldigen. Bush, Blair und Aznar befürchten, dass jede Verzögerung die Kriegsgegner stärkt." von Wolfgang Koydl
Darin: "Entsprechend ungeduldig zeigen sich die Amerikaner mit der hektischen, kurzatmigen und widersprüchlichen Politik, die Bush und seine Administration in den vergangenen Wochen vorgeführt haben. Nicht einmal die Vorstellung seines Nahost-Plans zündete so, wie dies geplant war. Viele sahen darin nur einen weiteren Punkt in einer langen Reihe teils mehr, teils weniger überzeugender Argumente für einen Krieg im Irak und nicht den großen, welthistorischen Wurf." Anis: Guter Kommentar, ich weiß gar nicht, warum die SZ am 14. geschrieben hat: "Die Süddeutsche Zeitung - ein Symptom der gegenwärtigen Zeitungskrise." Soo schlecht seid Ihr doch gar nicht :-)

SZ 17.03.03, "Die Hoffnung schwindet. Berlin und Paris rechnen mit Krieg." Kommentar von Stefan Kornelius und Gerd Kröncke
Darin: "Verteidigungsminister Peter Struck machte unterdessen ein Angebot für den Konfliktfall. In einem Interview mit der Welt am Sonntag bot er an, verwundete US-Soldaten oder Iraker aus Kuwait auszufliegen. ‚Wenn medizinische Hilfe angefordert wird, um verletzte amerikanische Soldaten oder verletzte geflohene Iraker aus Kuwait auszufliegen und zu versorgen, werden wir dem entsprechen.' Deutsche Fuchs- Spürpanzer blieben in Kuwait, um entsprechend dem Bundestagsmandat der Bevölkerung oder US-Soldaten Hilfe zu leisten." Anis: Das passt irgendwie nicht zur Antikriegshaltung. Herr Struck hat Deutschland meiner Ansicht nach keinen Gefallen mit diesem Angebot getan. Nicht zu diesem Zeitpunkt.

SZ 17.03.03, "Hemmnisse für US-Friedensplan. Arafat und Scharon stellen sich quer. Rundfunk: Präsident will Vollmachten nicht abgeben / Israels Premier verweigert Palästinensern eigenen Staat" von Thorsten Schmitz
Darin: "Bei einer israelischen Strafaktion im Gazastreifen wurde am Sonntag eine amerikanische Demonstrantin getötet. Die 23-Jährige hatte sich einem israelischen Bulldozer entgegengestellt, der ein Haus im palästinensischen Flüchtlingslager Rafah einebnen wollte. Die Demonstrantin war Mitglied einer Gruppe, die versucht, als ‚menschliche Schutzschilde' Zerstörungen in palästinensischen Gebieten zu verhindern. (Seite 4)" Anis: Das gibt sicher Ärger

taz 17.03.03, S. 2, "Tauziehen um Kompetenzen. Palästinensische Abgeordnete beraten über Befugnisse des Regierungschefs."von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2003/03/17/a0089.nf/text Darin: "Berichten der Tageszeitung Haaretz zufolge hat Israel mehr als einhundert Veränderungswünsche vorgebracht. So will die Regierung den Terminus ‚unabhängig' in Verbindung mit dem zu gründenden Staat gestrichen haben. Jeder Fortschritt soll ferner an die komplette Einstellung von Gewalt und Terror gebunden sein." Anis: Die Israelis verhindern auf diese Art den Dialog. Keine Unabhängigkeit, "komplette Einstellung von Gewalt", son Quatsch. Die wollen keinen Frieden, das ist sichtbar. Aber was wollen sie sonst?

taz (+TS) 17.03.03, S. 13, "die anderen über den immer wahrscheinlicheren krieg gegen irak "
www.taz.de/pt/2003/03/17/a0172.nf/text Darin: "Der Tagesspiegel am Sonntag aus Berlin kommentiert: Dies ist wohl der letzte Sonntag vor dem Irakkrieg. Jedenfalls spricht alles dafür: der Gipfel, der heute auf den Azoren stattfindet, und die Äußerungen von Bundeskanzler Schröder. Er glaubt schon länger, dass der Krieg nicht mehr zu stoppen ist. Damit sinken die Friedenshoffnungen auf den Nullpunkt, die Befürchtungen nehmen zu. Jetzt müssen andere Hoffnungen wachsen. Die große Mehrheit und die deutsche Regierung müssen darauf hoffen, widerlegt zu werden: Hoffentlich werden die amerikanischen und britischen Truppen schnell und mit wenigen Opfern den Irak erobern; hoffentlich wird der Krieg nicht zu antiamerikanischen Aufständen in Arabien führen; hoffentlich fällt der Irak nicht auseinander; und hoffentlich wirkt sich ein schneller Sieg auf den Nahen und Mittleren Osten so aus, dass die arabischen Despoten sich besinnen und zwischen Israel und Palästina endlich ein Frieden möglich wird. Unsere ganze Zuversicht wird künftig darin bestehen, von A bis Z widerlegt zu werden." Anis: Wir müssen darauf hoffen, widerlegt zu werden. Oh, bitte widerlegt uns. Mann, kuckt Euch mal im Spiegel an! Hoffentlich passiert nix usw. Seht Euch an, wie Ihr Euch zerknirscht in Euer Schicksal ergebt. Titanic!! Ihr geht ja Bush auf den Leim. Ja ja, er kann den Irak angreifen, aber Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Auch nicht, wenn er angefangen hat. Hört auf damit einzuknicken!

TS 17.03.03 "Dieser Krieg macht einsam. DER AZOREN-GIPFEL." Kommentar von Malte Lehming
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/17.03.2003/483514.asp Darin: "Bush ist der Einsamste der Einsamen. Es ist seine Entscheidung, ob demnächst eine Viertelmillion Soldaten den Irak überrollen. Es wäre ein politischer Krieg, begründet durch das strategische Kalkül einer Hypermacht. Weder wurde Amerika angegriffen (Pearl Harbor), noch muss das Völkerrecht verteidigt werden (Korea, erster Golfkrieg), weder droht eine Hungerkatastrophe (Somalia), noch finden ‚ethnische Säuberungen' (Balkan) statt. Läuft alles nach Plan, hat Amerika die Demokratie in Nahost befördert und ein unliebsames Regime beseitigt, von dem nicht ausgeschlossen werden kann, dass es Terroristen mit Massenvernichtungswaffen versorgt. Für dieses Ziel riskiert Bush Tausende von Menschenleben, den Hass von 1,2 Milliarden Moslems, einen Anstieg des Terrorismus, eine weltweite Rezession und die Spaltung der so oft beschworenen transatlantischen Wertegemeinschaft." Anis: Eben. Bis auf eines: die Demokratie kann Bush in Nahost nicht befördern, weil er dann gegen die Prinzipien der Demokratie verstoßen haben wird. Und was passiert, wenn Bush ein Regime absetzt, sehen wir ja in Afghanistan. Frieden ist da eher nicht.

TS 17.03.03 "Was macht die Welt? Druck ohne Gewalt, Gericht ohne Macht, Sieg ohne Erfolg", Vier Fragen an Josef Joffe von cvm
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/17.03.2003/483194.asp Darin am Schluss J. Joffe über die deutsche Außenpolitik: "Auch hier gilt, was in Frankreich (siehe Frage 1) der Fall ist. Das leidenschaftliche, absolute Nein Berlins zu jeglicher Gewaltanwendung gegen den Irak hat die deutschen Optionen gegenüber Washington nicht vergrößert. Wer va banque spielt, kann entweder alles gewinnen oder alles verlieren. In diesem Fall ist es mehr als wahrscheinlich, dass das deutsch-französische Duo der harten Linie in Washington zum Sieg verhilft oder es schon getan hat, also: nie wieder UN-Sicherheitsrat, nie wieder Rücksichtnahme auf die Getreuen von gestern. Ein Absolutismus gebiert so den anderen." < Anis: Bei Frage 1 sagt Herr Joffe, die Franzosen hätten die Amis "aufs Kreuz gelegt". Offenbar hat Herr Joffe ein paar Basisfakten missverstanden, denn ein solches absolutes Nein zu jeglicher Gewaltanwendung des Bundeskanzlers lag nie vor. Deshalb gilt das Argument nicht. Ich frage mich, wer da eigentlich va banque spielt. Ich meine, vielleicht spielt auch einer va banque, der den Deutschen und Franzosen die Strenge der USA anlasten will, so wie ja auch versucht wurde, die Wiederwahl Scharons mit dem Verhalten von Palästinensern zu rechtfertigen. Falls Bush jedenfalls den Bach runter geht, möchte ich mal hören, was Herr Joffe dann noch sagt.

TS 17.03.03 "Bitte recht freundlich. Gaddafis Gesandte wird Hüterin der Menschenrechte." von Jan Dirk Herbermann, Genf
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/17.03.2003/482886.asp Anis: Interesssant

DIE WELT 17.03.03, "Bushs Friedensplan stößt im Nahen Osten auf Bedenken. Scharon und Arafat bleiben bei ihren Positionen." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/17/53372.html Darin über Bushs Rede: "Beide Seiten zeigen seltene Einigkeit: Sie sehen keinen Brückenschlag zwischen den Krisengebieten am Euphrat und am Jordan-Fluss, der den Weg hin zu einer Friedenslösung abkürzen könnte. Verstanden wird die Rede vor allem als Ablenkungsmanöver (...)." Anis: So sehe ich das auch. Weiter heißt es: "Kaum jemand sieht ein echtes Signal für eine amerikanische Initiative, die sich gegen die passive Politik des Abwartens von Premierminister Ariel Scharon richten könnte."

DIE WELT 17.03.03, "Noch ein Nahost-Plan ist zu wenig. Kein anderer Konflikt wird allein für sich betrachtet." von Jacques Schuster
www.welt.de/data/2003/03/17/53341.html Darin: "Ob es tatsächlich so kommen wird, wie der Präsident verkündet, hängt von seiner Entschlossenheit ab, nach dem Sieg über den Irak energisch aufzutreten. Israelis wie Palästinenser müssten nicht nur an den Verhandlungstisch, sondern auch zu schmerzhaften Kompromissen gezwungen werden. Bereit dazu scheinen weder die einen noch die anderen." Anis: Nach dem Sieg über den Irak? Bush kann über Saddam siegen, aber nicht über den Irak. Das ist ja das Problem. Es gibt kein Lösungsszenario. Bush geht in seine eigene Falle und wird eine schwere psychologische Krise in den USA auslösen.

DIE WELT 17.03.03, "'Wagenburg bilden! Augenkontakt halten!' Die Reporter sind geschult und ausgeschwärmt: Wie sich die deutschen TV-Sender auf den Krieg vorbereiten." von Tilmann P. Gangloff
www.welt.de/data/2003/03/17/53310.html Anis: Ganz gut.

DIE WELT 17.03.03, "Mut zur Wahrheit. Ein Krieg erscheint unausweichlich." von Alan Posener
www.welt.de/data/2003/03/17/53535.html Darin: "Ein Krieg erscheint unausweichlich. Wäre er zu vermeiden gewesen?" Anis: Die Kriegsbefürworter versuchen es jetzt mit dem Konjunktiv 2 oder drei, um von der Gegenwart abzulenken. Das ist nicht ganz plump, das muss ich zugeben. Dann: "...und wie beim Kosovo-Krieg dürfte es zur absurden Situation kommen, dass die Durchsetzung des Willens der Völkergemeinschaft nur unter Missachtung des Völkerrechts möglich ist." Der Wille der Völkergemeinschaft ist Frieden, das ist wohl deutlich. Hier versucht jemand, einen Völkerrechtsbruch zu rechtfertigen. Dann: "Dass auf der anderen Seite Frankreich und Russland diese Situation zum Anlass nahmen, Amerika diplomatisch zu disziplinieren und die Schimäre der Multipolarität in die Welt zu setzen, ist eine Tragödie - zuallererst für das irakische Volk (...)" Anis: Das sind keine Argumente, das sind (völlig unglaubwürdige) Einschüchterungsversuche. Dann: "Die deutsche Strategie, die USA im Sicherheitsrat zu isolieren, damit sie nach einem Krieg ‚reumütig' in die UNO zurückkehren und um Hilfe bitten, dürfte das Gegenteil erreichen." Anis: Und wieso? Recht des Stärkeren, so wie damals unter... äh, habichdennamenvergessen? Nee nee, Herr Posener. "Mut zur Wahrheit", son Quatsch. Aber es ist auch schwierig für DIE WELT, wenn sie einander ausschließende Strategien gleichzeitig verfolgen muss.


SPIEGEL ONLINE 16.03.03, "BAGDAD VOR DEM ANGRIFF. Die Flucht beginnt." von Markus Deggerich aus Bagdad
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-240495 Beschreibung: "Die meisten Inspektoren haben den Irak verlassen, die Botschaften weden geräumt, Journalisten reisen aus: Alle Hoffnung ist dahin, wer kann, flüchtet nun aus Bagdad. Saddam versetzt sein Militär in Bereitschaft - und eliminiert politische Gegner aus Angst vor einem Putsch." Anis: Deggerichs Stimmungsbilder sind sehr aussagekräftig und wichtig.


FR 15.03.03, "Angst vor dem Flächenbrand. Moderate Islamisten fürchten Terror als Folge von Irak-Krieg." von Andrea Nüsse (Amman)

FR 15.03.03, "NAHOST. Bush kündigt neuen Friedensplan an." von dpa/ap
Darin: "Israelische Truppen haben während einer Militäroffensive am Freitag im Westjordanland fünf Palästinenser getötet." Und: "Weitere fünf Palästinenser waren zuvor in der Ortschaft Tamun von Soldaten getötet worden." Und: "Die israelische Armee geriet wegen eines Vorfalls vom Donnerstag in die Kritik, als Soldaten das Feuer auf ein Auto eröffnet und zwei Israelis getötet hatten. Der Abgeordnete Danny Jatom von der oppositionellen Arbeitspartei sagte, das Fahrzeug sei von 200 Kugeln getroffen worden. Die Soldaten setzten exzessiv Gewalt ein, rügten er und Menschenrechtsgruppen." Anis: Ich finde es ganz richtig, dass die FR diese Taten ironisch unter die Überschrift "Bush kündigt neuen Friedensplan an" gepackt hat.

FR 15.03.03, "Ein Krieg gegen Irak wäre eindeutig völkerrechtswidrig". Bundesverwaltungsrichter Deiseroth über die rechtlichen Folgen eines "verfassungswidrigen Angriffskrieges", Interview mit Richard Meng
Bundesverwaltungsrichter Dieter Deiseroth ist Mitglied des Beirates der neben anderen von Professor Otto Hahn und C. F. von Weizsäcker ("Göttinger Appell") gegründeten "Vereinigung Deutscher Wissenschaftler" sowie des Wissenschaftlichen Beirates der internationalen Juristenorganisation Ialana, die sich weltweit für die Ächtung von Massenvernichtungswaffen einsetzt. Ein Zitat: "Die Resolution 1441 vom November 2002 droht Irak für den Fall einer Nichtkooperation mit den UN-Inspektoren ‚schwer wiegende Konsequenzen' an. Sie enthält aber keine Billigung einer militärischen Gewaltanwendung nach Artikel 42 der UN-Charta." Anis: Sehr konstruktiv. Das werden die Politiker und Journalisten lesen und sich besser fühlen.

FR 15.03.03, "Woche der Entscheidung. George W. Bush und die Diplomatie der letzten Tage." von Rolf Paasch
Anis: gute, konstruktive Analyse des Status Quo

KN 15.03.03, S.5, "Amerikaner sammeln sich hinter ihrer Regierung. Steigende Umfragewerte für den Kriegskurs des Präsidenten." von Markus Günther
Darin: "Im Detail ergibt sich freilich ein differenzierteres Bild, und die Unterstützung für Bushs Kriegskurs ist bei genauerem Hinsehen nicht so vorbehaltlos, wie es scheint." Anis: Hier bekommen wir also eine Fassade gezeigt. Das ist sehr hilfreich für meine Argumentation, denn ich frage nach den Werten der Konservativen und stelle meine eigenen Werte zum Vergleich. Es handelt sich hier schließlich um nichts geringeres als die geistige Auseinandersetzung zwischen Kriegsgegnern und Kriegsbefürwortern. Ich lerne dabei viel und auch die KN müssen sich anstrengen, weil sie wissen, dass mir derzeit kein Artikel entgeht und sie sich auf meine Argumente einstellen müssen. Das ist konstruktiv, für Deutschland und die Welt. (Beate Jänicke z.B. hat ja gut geschrieben heute in den KN.)

ND 15.03.03: "Das Grauen hat einen Namen: Halabja. Am 16.März 1988 fielen mehrere tausend Menschen irakischem Giftgaseinsatz zum Opfer." Von Jan Keetman, Istanbul
Beschreibung: "Vor 15 Jahren kannten Halabja nur Eingeweihte. Die Kleinstadt mit rund 45000 Einwohnern liegt in malerischer Lage am Fuße grüner Berge. 1988 lag sie mitten im iranisch-irakischen Kriegsgeschehen und wurde Opfer eines Giftgasangriffes der irakischen Armee. Heute erinnern an das Grauen, für das Halabja steht, ein Märtyrerfriedhof und zwei Denkmäler." Anis: Sehr guter Hintergrundbericht. Zuerst war ich mal wieder skeptisch, aber es war unbegründet. Im Gegenteil, es wird darauf hingewiesen, wie die USA den Irak herangezüchtet haben, und das zeigt die Sinnlosigkeit dieses Krieges. Mein Misstrauen stammt immer noch von der Reaktion auf den Möllemann-Beitrag damals.

SPIEGEL ONLINE 15.03.03, "WEB FOR PEACE. Widerstand gegen ‚Brainwashington'", von Jochen Bölsche
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-240150 Darin: "Während sich US-User auf der Suche nach ‚unverfälschten News' von den manipulationsanfälligen heimischen Massenmedien abwenden, rechnet der deutsche Fachinformationsdienst ‚intern.de' bereits mit einem Umschwung in der Medienwelt: Bei der Meinungsbildung über aktuelle Ereignisse scheine die großenteils im Gleichschritt marschierende US-Presse ‚an 'Impact' einzubüßen' und das Internet ‚eine wesentlich wichtigere Rolle (zu) spielen als bislang angenommen'. Deutschlands Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher sieht sogar Veränderungen von historischem Ausmaß. ‚Der Eintritt in die Informationsgesellschaft hat dazu geführt, dass eine Weltmeinung entsteht. Die Menschen in allen Teilen der Welt haben Zugang zu denselben Informationen', schrieb der Liberale diese Woche in einer Zeitungskolumne. Folge, so der Liberale: ‚Abgrenzungsmaßnahmen gegen Informationen sind kaum noch wirksam. Das erklärt die übereinstimmende Mehrheitsforderung nach weiteren Inspektionen im Irak auch in den Ländern, in denen die Regierungen sich längst für einen militärischen Einsatz entschieden haben.'" Anis: Eben. Wichtiger Artikel über die Zukunft der Medien und der Gesellschaften.

SZ 15.03.03: "Veto bleibt Veto. Die UN sind blockiert und sollten nicht durch eine Machtdemonstration via Votum beschädigt werden." von Stefan Kornelius
Darin am Schluss: "Bush muss seine Irak-Pläne ändern, wenn er im Sicherheitsrat oder im Nahen Osten Politik gestalten will." Anis: Eben.

SZ 15.03.03, "Premier ohne Geschäftsbereich. Palästinenserpräsident Arafat will offenbar einem Ministerpräsidenten nur zustimmen, wenn er seine Macht behalten kann." von Thorsten Schmitz Anis: Journalistisch guter Text.

SZ 15.03.03, "Sehenden Auges in die Katastrophe. Die Gegner des Irak-Krieges geizen mit Hilfszahlungen und riskieren so das Leben Hunderttausender" von Arne Perras
Darin: "Die Riege der Kriegsgegner zögert aus politischem Kalkül, schon jetzt Geld für den humanitären Einsatz im Irak bereitzustellen. Sie will keinesfalls Signale aussenden, dass sie den Krieg für unvermeidbar hält. Dies mag zur Logik diplomatischer Schachzüge passen, doch hat die Verweigerung auch etwas Zynisches. Denn am Ende wird das Überleben hunderttausender Menschen auch davon abhängen, wie gut die humanitären Helfer in der Region aufgestellt sind. Die Vorbereitungen brauchen Zeit, die Maschinerie lässt sich nicht auf Knopfdruck über Nacht anwerfen, sobald die ersten Bomben fallen." Anis: Die Argumentation von Arne Perras ist gut und engagiert. Dennoch haben die Kriegsgegner Recht. Stellen Sie sich vor, jemand droht, Sie anzugreifen, und ich verwende meine Zeit damit, vorsorglich Ärzte für Sie zu besorgen. DAS wäre zynisch. Es würde Ihnen nur noch mehr Angst machen, und Bush geht es darum, Angst zu verbreiten und seine Realität jedem überzustülpen.

taz 15.03.03, S.2, "Bush als Schaffner. US-Präsident überrascht mit einer Rede zum Nahost-Frieden: Wenn Palästinenser-Premier echte Vollmachten erhält, gibt es den Fahrplan." von dpa
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0074.nf/text Darin: "Die US-Regierung will eine neue Friedensinitiative für den Nahen Osten auf den Tisch legen, sobald der neue palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas im Amt ist." Anis: Das Gute an dieser Nachricht ist, dass die sogenannten Transfer-Pläne dadurch unterminiert werden und dass auf das Schicksal der Palästinenser hingewiesen wurde. Das Schlechte an der Nachricht ist, dass sie unglaubwürdig ist, weil Bush unglaubwürdig ist.

taz 15.03.03, S.2, "Regierung warnt vor Irak-Reise" von Agentur
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0079.nf/text Darin: "Der Vatikan wird seine Botschaft (Nuntiatur) in Bagdad auch im Falle eines Irakkriegs nicht schließen. Dies hat Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls gestern erklärt. Die Vertreter des Vatikans würden seit jeher auch in extrem gefährlichen Situationen der Bevölkerung nahe sein, betonte er." Anis: Mutig! Und nicht nur das, es läd zu völlig abwegigen Träumereien ein. Was, wenn Schröder, Putin, Chirac und all die anderen nach Bagdad zu Sondierungsgesprächen mit Oppositions- und Regierungsgruppen fahren würden, oder eine riesige Love-Parade in Bagdad, von der UNO organisiert, die sowohl Bush als auch Saddam in Verlegenheit bringen würde. Ob das geht? Natürlich geht das.

taz 15.03.03, S.5, "Front gegen die USA. Weiterhin Antikriegsmehrheit im Sicherheitsrat. Verzichten die USA auf eine zweite Irak-Resolution?" aus New York ANDREAS ZUMACH
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0151.nf/text Anis: Gut

taz 15.03.03, S.5, "Jenseits der ‚Mutter aller Schlachten'. Iraks Militär sieht sich einer überwältigenden Übermacht gegenüber. Welche Optionen hat es im Fall eines Angriffs?" von KARIM EL-GAWHARY
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0154.nf/text Anis: Das ist sehr interessant. Es handelt sich hier um denselben Artikel, der in den KN unter "Welche Kriegspläne hat Saddam Hussein?" gestern gesendet wurde (siehe dort), leicht überarbeitet, und mit einem zusätzlichen längeren Stück über die irakische Zivilbevölkerung. Mit diesem Titel hier und mit den Erweiterungen muss man den Artikel nicht mehr tendenziös nennen. Er macht einen völlig anderen Eindruck. Ausgewogener, obwohl das US-Militär in der ersten (KN-)Fassung "angreift" und in dieser zweiten "massiv angreift".

taz 15.03.03, S.11, "Der Untergang des US-Imperiums. Amerika verliert zusehends seine Macht und setzt daher auf einen demonstrativen Militarismus. Dagegen müssen sich Europäer mit Russen verbünden und die UNO stärken " von EMMANUEL TODD
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0161.nf/text Darin am Schluss: "Die Vereinigten Staaten haben sich als Sieger des 20. Jahrhunderts behauptet, weil es ihnen über einen sehr langen Zeitraum gelungen ist, sich nicht in die militärischen Auseinandersetzungen der Alten Welt hineinziehen zu lassen. Folgen wir dem Beispiel dieses Amerika, des erfolgreichen Amerika." Anis: Ein exzellenter Artikel. Herr Todd hat derzeit das Buch "Weltmacht USA" auf dem Markt (Piper-Verlag), aus dem das stammt.

taz 15.03.03, S.11: TROTZ ALLER RHETORIK: ES GIBT KEINEN AUTOMATISMUS FÜR DEN IRAKKRIEG. Furchtsame Kriegstreiber " Kommentar von BERND PICKERT
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0163.nf/text Darin: "Insofern ist bei aller Aufgeregtheit doch auch Gelassenheit angebracht: Solange keine Mehrheit für einen Kriegsautomatismus in Sicht ist und Frankreich und Russland mit einem Veto drohen, solange ist auch noch die Hoffnung berechtigt, dass ein Angriff verhindert werden kann. (...) Die öffentliche Meinung in den westlichen Mitgliedsländern des Sicherheitsrats wird sich für die Kriegsbefürworter noch katastrophaler entwickeln. Nämlich dann, wenn sie konkrete, in realistischem Zeitrahmen erfüllbare Forderungen an den Irak ignorieren und stattdessen sofort einmarschieren wollen." Anis: Eben. Nobody wants to be a bad guy. Gut, wie Bernd Pickert konstruktive Möglichkeiten nach draußen anbietet.

taz 15.03.03, S.12, "Endlich eine Kriegsgeschichte. Er muss bald kommen, der Tag X, uns gehen langsam die Vorkriegsberichte aus." (Kommentar), stefan kuzmany
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0171.nf/text Darin: "Das ist wichtig, daran hängen Dienstpläne und auch das freie Wochenende. Und es ist natürlich professionell - wir müssen schließlich vorbereitet sein. Trotzdem, manchmal wirds ein wenig unheimlich." Und: "'Es ist eine Frage des Bewusstseins', sage ich. ‚Meine These ist: Wenn alle davon ausgehen, dass ein Krieg nicht mehr zu verhindern ist, dann ist er nicht mehr zu verhindern. Da muss man doch etwas tun!'" Anis: Donnerwetter! Der ist ja unglaublich, dieser Kuzmany. Doller Hecht.

taz Magazin 15.03.03, S.5, "Aufklärung mit Pop. Der Sänger und Schauspieler Mohamed Mounir ist die Symbolfigur für die liberale Öffnung Ägyptens. Nun geht er erstmals auch auf Deutschlandtournee. Ein Portrait." von DANIEL BAX
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0313.nf/text.ges,1 Anis: Guter Artikel.

taz Magazin 15.03.03, S.7, "Das Tor zur weiten Welt. Nach zögerlichem Start hat sich das Internet auch im arabischen Raum durchgesetzt. Vor allem Jugendliche und Frauen profitieren von der neuen, unreglementierten Kommunikation." von MUSA SHTEIWI
www.taz.de/pt/2003/03/15/a0310.nf/text.ges,1 Anis: Ausgezeichneter Artikel!

TS 15.03.03, "‚Gerhard Schröder wäre nicht mehr Kanzler', Interview mit Joe Klein"
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/16.03.2003/475357.asp Darin TS: "Verstehen Sie Schröders Haltung im Irak-Konflikt?" Antwort Klein: "Nein, ich finde die europäische Haltung dieser Tage wirklich verwerflich. Man kann nicht immer klagen, dass etwas passieren muss, dass die Welt gerechter werden soll, und wenn dann etwas passiert, darüber klagen, dass man es so brutal doch auch nicht wollte. Im Kosovo war es auch schon so." Frage TS: "Wie sieht der perfekte Präsident einer Supermacht aus?" Antwort Klein: Ich wünsche mir einen Präsidenten, der auf der einen Seite so entschlossen ist wie George W. Bush, und wenn nötig auch Gewalt einsetzt. Der auf der anderen Seite aber wie Clinton versteht, dass man so etwas nur im Kontext der Diplomatie tun darf." Anis: Joe Klein ist der Typ, der ‚Primary Colors' geschrieben hat (von Anonymus), damals über Clintons Wahlkampf. Eins meiner Lieblingsbücher. Ich dachte, der Autor müsste voll was drauf haben. Hat er aber nicht.

Ver.di-Slogan (gesehen 15.03.03 auf Poster): "Nein zum Krieg im Irak. Den Frieden erhalten."
Anis: Auch Ver.di ist in der Kriegsfrage konservativ, bloß anders. Wenn der Grund gegen den Irakkrieg sein soll, den Frieden zu "erhalten", dann haben die von der CDU Recht, die von Drückebergern sprechen. Da ist nämlich kein Frieden, den man erhalten könnte. Vielmehr muss der Friede geschaffen und gestiftet werden. Kein Wunder, dass die Gewerkschaften immer unbeliebter werden, wenn sie sich derart situationsbewahrend äußern.

DIE WELT 15.03.03, "Zurück zum Recht des Stärkeren? Ein Krieg ohne UN-Mandat bricht das Völkerrecht." von Andreas von Arnauld
www.welt.de/data/2003/03/15/52522.html Anis: Das Beste, was die WELT seit vier Wochen geschrieben hat. Dann muss man sie wohl doch ernstnehmen.

DIE WELT 15.03.03, "Saddams Volkssturm: Gewehre für Bagdads Bürger. Kalaschnikows für Bagdad Einwohner" von Boris Kalnoky
www.welt.de/data/2003/03/15/52552.html Darin: "Bagdad - Ahmed ist ein perfekter Gastgeber. Erst wird Wasser angeboten, dann Cola, höfliches Geplauder, während in der Küche das Mahl bereitet wird. Fisch aus dem Tigris, Hühnerreis mit Rosinen, Fladenbrot, Salat, eine Speise köstlicher als die andere. Nach dem Tee greift er hinter den Kühlschrank: ‚Und hier ist meine Kalaschnikow.' Er hat sie von der Regierung erhalten und soll damit auf US-Soldaten schießen." Anis: Dieser Artikel soll zeigen: Hier, die Iraker haben auch Waffen, Waffen, Waffen. Nicht nur wir sind die Bösen. Diese Nummer. Dann wird gesagt, dass diese Waffenträger gern nach Deutschland auswandern würden und dass sie sich im Kriegschaos gegenseitig umbringen etc. Und dann noch auf die familiäre Tour, mit Sympathieträger aufbauen etc. Voll blöd. Über die Israelis würden die so etwas nicht schreiben.

DIE WELT 15.03.03, "Die Koalition der Zukunftsangst. In der Ablehnung des Irak-Kriegs verbünden sich linke und rechte Freunde des Status quo - Debatte" von Dirk Maxeiner
www.welt.de/data/2003/03/15/52464.html Darin: "Wie ein Katalysator beschleunigt die Auseinandersetzung um den Irak die Auflösung der traditionellen Lager, und die neue Frontlinie entsteht im Kulturkampf um die Wertmaßstäbe des Westens." Anis: Sehr richtig. Wird aber von Maxeiner völlig falsch interpretiert, er schafft sich Westler und "Antiwestler" und schreibt: "Diese grundsätzliche Angst vor Veränderung gibt auch den Befürchtungen vor einer ‚Destabilisierung' des Nahen Ostens so viel Auftrieb. Unter dem Strich wird die gegenwärtige Friedhofsruhe einer (möglicherweise bescheidenen) Chance für eine freiere und gerechtere Entwicklung der Region vorgezogen." Anis: Das Gegenteil ist richtig. Die Beton-Konservativen wollen einen Friedhof machen, die Chance für eine FREIERE und GERECHTERE Entwicklung der Region wird dagegen weder bescheiden sein, noch wird wohl Herr Maxeiner daran beteiligt sein. Progressiv heißt das Wort, nicht Antiwestler. Ist Dustin Hofmann Antiwestler? Oder Jimmy Carter oder der Papst? Wer hat denn hier Angst vor Veränderungen? Was ist denn plumpe Gewalt anderes als Ablenkung von der Angst vor den tatsächlich notwendigen Veränderungen? Nein, Eure Argumente sind durch die Bank Luschen.

DIE WELT 15.03.03: "Deutsche Bischöfe: Auch Saddam Hussein ist böse." von Gernot Facius
www.welt.de/data/2003/03/15/52628.html Darin: "Die katholischen Bischöfe haben in ihrer Erklärung zum Irak-Konflikt, die einen präventiven Krieg geißelte, nun das Regime in Bagdad mehr in den Vordergrund gerückt. (...) Ausdrücklich warnte Lehmann vor einer ‚verzerrten Perspektive.' Von ihrer grundsätzlichen Ablehnung eines Kriegs gegen Irak machten die deutschen Bischöfe keine Abstriche. Eine militärische Gewaltanwendung ohne Mandat des Sicherheitsrates oder sogar gegen dessen Willen, bedeutet nach ihrer Ansicht eine Abkehr vom Völkerrecht. Auch der Sicherheitsrat müsse in seinen Entscheidungen der Zielsetzung entsprechen, Gewaltanwendung ‚wenn irgend möglich' zu vermeiden. Ein Krieg, der nur wegen einer allgemeinen Bedrohungslage geführt würde, wäre ‚sittlich unerlaubt', formulierten die Bischöfe." Anis: Die katholische Kirche macht sich immer glaubwürdiger, chapeau!

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