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Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
03/2003 (2)
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FR 14.03.2003, "Warten auf den großen Knall. Der diplomatische Stellungskrieg in der Irak-Frage entscheidet auch über die Zukunft der Vereinten Nationen" von Dietmar Ostermann (New York)
Darin: "Die Stimmen der sechs unentschlossenen ‚Mittelmächte' sollen entscheiden, ob die USA und vor allem Tony Blair am Ende behaupten können, die Welt mehrheitlich auf ihrer Seite zu haben, wenn sie dann ohne ausdrückliches UN-Mandat in den Krieg ziehen." Anis: Um festzustellen, ob die Welt mehrheitlich etwas befürwortet, hat man die UNO gegründet! Offenbar kann der Autor sich nicht vorstellen, dass die Macht der USA (itself) sich verringern könnte. Nicht? Ach so, wegen der ganzen Waffenarsenale, aha. Also doch ein Gewaltgläubiger. Deshalb wartet er auch auf den großen Knall. Schuldgefühle? Fast alle Zeitungen warten heute auf den Krieg, während ich auf den Frieden warte.

FR 14.03.03, "Abfuhr für die Araber", KOMMENTAR Von Andrea Nüsse
Darin: "Es ist ein offener Affront. Saddam Hussein weigert sich, eine Delegation arabischer Außenminister in Bagdad zu empfangen." Der Kommentar endet mit: "Es rächt sich nun, dass die fundamentalen Differenzen beim jüngsten Gipfel nur notdürftig hinter einer gemeinsamen Erklärung verborgen wurden. Die Arabische Liga ist handlungsunfähig." Anis: Eben. Sie kriegen es nicht auf die Reihe. Sie sind destruktiv, jede einzelne arabische Regierung ist heute destruktiv. Es gibt keine vernünftigen Ideen vom offiziellen Arabien.

FR 14.03.2003, "ISRAEL. Armee erschießt zwei Landsleute ‚aus Versehen'", dpa
Darin: "Mit Maschinenpistolen und einer Rakete aus einem Kampfhubschrauber haben israelische Soldaten im Westjordanland am Donnerstag versehentlich zwei Landsleute getötet. Die Soldaten hatten den Auftrag, palästinensische Extremisten zu liquidieren." Anis: Der Typ, der hier "liquidieren" geschrieben hat, hat das sicher nicht ‚aus Versehen' getan. Das muss eine Richtlinie sein. Seit ein paar Wochen geht das. Von wem stammt diese Richtlinie? Ich möchte eine Rechtfertigung für dieses entmenschlichende Wort hören.

FR 14.03.2003, "Das Warten auf den Irak-Krieg. Für Israelis ist der drohende Konflikt unausweichlich." von Inge Günther (Jerusalem)
Darin: "Jetzt heißt es, warten auf den Krieg. Nicht, dass die Israelis ihn herbeisehnen, auch wenn nur eine Minderheit zu den bekennenden Gegnern einer US-Offensive zählt. Aber man hält die Ausschaltung des Gefahrenpotenzials von Saddam Hussein für so unumgänglich wie die Wurzelbehandlung eines eiternden Zahns. Vielleicht schickt man sich auch leichter in die ungewisse Lage, weil der Staat sich militärisch und jeder sich persönlich gegen die irakische Bedrohung gewappnet glaubt." Anis: Auch Inge Günther wartet auf den Krieg. Die Metaphorik des eiternden Zahns deutet auf schwere Missverständnisse. Es scheint, als würden alle auf eine Art Bestrafung warten, die sie (wegen Schuldgefühlen?) herbeisehnen. Ansonsten würden sie ja nicht warten, sondern Scharon würde zu Bush sagen: Komm, lass es. Aber Scharon sieht "dunkle Wolken", wie irgendwo in der Presse heute steht, SZ oder so. Das einzige wirkliche Argument, das die Israelis haben, lautet: Der Krieg wird kommen, und es fügt sich nahtlos in die derzeitige offizielle israelische Friedenspolitik, nur dass es jetzt noch weiter über die Staatsgrenzen hinaus geschieht. Aber sonst ist es in Israel wie vorher.

KN 14.03.03, S.5, "Welche Kriegspläne hat Saddam Hussein?" von Karim El-Gawhary
Anis: Hier liegt offenbar ein Missverständnis vor, denn es ist nicht bekannt, dass Saddam Hussein derzeit einen Initiativ-Krieg planen würde. Im Artikel selbst wird es dann auch korrigiert, denn es geht um Spekulationen darüber, wie Saddam auf einen Angriff der Amerikaner reagieren könnte und bezieht sich auf eine "private" amerikanische Quelle, die "Strategie-Website stratfor". Dann heißt es: "Der Einsatz chemischer Waffen müsste mindestens als Drohung im Raum stehen, um den amerikanischen Vormarsch zu verlangsamen." Anis: Damit wäre der Krieg sozusagen nachträglich legitimiert, denn um solche Waffen geht es ja für Blix. Karim El-Gawhary malt die amerikanischen Invasion aus, die von ihm an keiner Stelle zumindest "kontrovers" genannt wird o.ä.. Insofern erscheint der Artikel tendenziös und absichtsvoll. Welche Kriegspläne hat Karim El-Gawhary? fragt sich Anis von der Strategie-Website Anis Online.

ND 14.03.03, "Heimat ist nirgendwo. Ein Film über irakische Juden in Israel: ‚Forget Baghdad' von Samir" von Gunnar Decker
Anis: Guter Artikel. Das macht jetzt einen ganz anderen Eindruck als DIE WELT, die sich dieses Themas kürzlich ja auch mehrfach annahm und bei der die Formulierungen und die Einstellung zum Thema gelegentlich suspekt sind und zu Misstrauen einladen. Dieser Artikel hingegen ist klar und offen, und auch wenn ich ein mulmiges Gefühl dabei bekomme, wenn heutzutage über die miese Behandlung der Juden im Irak geschrieben wird. Wegen der Assoziation Saddam=Hitler, die die Kriegsbereitschaft fördert. Hier aber wurde klar gemacht, dass diese aus dem Irak vertriebenen und heimatlosen arabisch sprechenden Juden auch von den Israelis mies behandelt wurden. Gunnar Decker schreibt aber nicht nur mit solch ausgewogenen Argumenten (das tut DIE WELT an der Oberfläche oft auch), sondern in einer glaubwürdigen Weise. Man fühlt sich nicht vernatzt, sagen wir so.

SPIEGEL ONLINE 14.03.03: "Israelische Offensive fordert weitere Todesopfer. Bei einer erneuten Aktion des israelischen Militärs in Tamun im Westjordanland erschossen Soldaten fünf Palästinenser. Die Opfer sollen auf der Liste der meistgesuchten Extremisten gestanden haben."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-240135 Kommentar Erhard Arendt: Seit wann wird eine gesetzeslose Menschenjagd lapidar als eine Offensive, eine Aktion, eine Vergeltungsoffensive benannt? Darf man im so genannten Rechtsstaat Israel Menschen wie Hasen jagen? "Man habe denn auch in einem Versteck der Getöteten Sprengstoffgürtel und Gewehre gefunden." Das reicht, um Menschen hinzurichten? Ein Staat der Ankläger, Zeuge, Richter und gleichzeitig Henker ist, kann dieser Staat ein Rechtstaat sein, können wir dies einfach so kommentieren? Es wird noch von mutmaßlichen Extremisten gesprochen, OK, entspricht es unserem Rechtstaatdenken dann, solche Handlungen teilnahmslos zu kommentieren? In welchem Land leben wir eigentlich, eine Hasenjagd hätte vielleicht Aufschreie der Empörung hervorgerufen. Da jagd man Menschen, verhängt die Todesstrafe, richtet sie hin sogar ohne eine Verhandlung und es wird einfach so akzeptiert. Zitiert wurde die Armee: "Sie sprach von einem Routineeinsatz". In welch einer Welt leben wir, in der ohne einen Aufschrei der Empörung das Schlachten von Menschen teilnahmslos hingenommen wird? Also, da mich jemand bestohlen hat, darf ich jetzt auch Menschen bestehlen? Da mich jemand überfallen hat, darf ich jetzt auch wahllos Menschen überfallen? Da jemand meinen Bruder getötet habe, gehe ich nun in Deutschland umher und töte die Menschen, die so aussehen, als könnten sie es gewesen sein?

SZ 14.03.03, "Warten auf den Alleingang. Bei den Vereinten Nationen sehen viele eine zweite Resolution als gescheitert an." Kommentar von Andreas Oldag
Anis: Obwohl der Kommentar insgesamt gut ist, wartet Herr Oldag auf den Alleingang. Bereits der Titel verrät, dass der Autor den Krieg "will". Siehe die psychologische Deutung in der WELT von heute, unten.

taz 14.03.2003, S. 11, "Keine Hoffnung für die Zeit danach" von SUSANNE KNAUL aus Gaza
www.taz.de/pt/2003/03/14/a0186.nf/text Beschreibung: "Im letzten Golfkrieg jubelten viele Palästinenser Saddam Hussein zu. Heute gibt es nur kleine Kundgebungen. Die Menschen sind skeptisch, ob es nach einem Sieg über Bagdad zu einer israelisch-palästinensischen Annäherung kommen wird." Anis: Die komplexe Frage der Solidarität der Palästinenser mit dem Irak wird hier angemessen und lebensnah beschrieben.

taz 14.03.2003, S. 10, "18 Festnahmen im Westjordanland" von afp/dpa
www.taz.de/pt/2003/03/14/a0180.nf/text Darin mit Quelle Haaretz/offizielle Armeeangaben: "Demzufolge wurden seit September 2000 mindestens 1.945 Palästinenser von der Armee getötet. Darunter waren 365 Menschen (19 Prozent), die in keiner Weise am bewaffneten Kampf der Palästinenser teilnahmen. 130 Tote waren Kinder unter 16 Jahren."

taz 14.03.2003, S.10 "Noch drei Tage bis zum Krieg?" von ANDREAS ZUMACH aus New York
www.taz.de/pt/2003/03/14/a0178.nf/text Darin: "Heute könnte im Sicherheitsrat anhand des britischen Resolutionsentwurfes die Vorentscheidung über den Zeitpunkt des Irakkrieges fallen. Bleibt der Rat bei der Ablehnung, beginnen die USA den Krieg umso schneller - vielleicht schon Montagnacht." Anis: Auch Andreas Zumach wartet offenbar auf den Krieg. Und woher weiß er, dass die USA umso schneller beginnen, immerhin ist es dann eine neue Situation. Okay, ich will nicht zu sehr schönmalen und der Zumach-Artikel ist wie gewohnt von hoher Qualität.

taz 14.03.2003, S.7 "Region abrüsten" (Interview mit Friedensreferent Clemens Ronnefeldt), THOMAS KLEIN
www.taz.de/pt/2003/03/14/a0165.nf/text Darin: "Würden die UN ihre Resolutionen befolgen, so redeten sie nicht über Krieg, sondern über eine Befriedung der Region". Anis: Eben. Alle reden vom Krieg und von dunklen Wolken. Sie sind fasziniert davon, deshalb. Titanic lässt grüßen. Das Interview ist sehr gut, weil Ronnefeldt von den ‚vergessenen Resolutionen' im Vorfeld der 1441 spricht, in denen sehr viel mehr Friedenspläne stecken, als man bislang ausgenutzt hat.

DIE WELT 14.03.03, "Im Wartesaal der Angst" Leitartikel von Herbert Kremp
www.welt.de/data/2003/03/14/52087.html Darin: "In seiner Seelenwirkung ist der Krieg also schon da, er wird schon erlebt. Die Erwartungsspannung konzentriert sich auf die förmliche Bestätigung der vorgefühlten Nachricht und wartet somit auf zwei alternative Vorgänge mit Ungeduld: Auf die ‚endlich' sichtbare Manifestation dessen, was die Angst schon wispert, oder auf dessen Ausbleiben, das aber dann nicht mit normaler Erleichterung zur Kenntnis genommen wird, sondern als ein Krieg, den die Angst erregende Weltmacht USA ‚verloren' hat." Anis: Bis auf den seltsamen Titel und eine leichte Unüberschaubarkeit der Themen ist es ein guter Artikel über den Zeitgeist. Es fehlt vielleicht eine gewisse Konsequenz. Immerhin erfasst DIE WELT den zentralen Irrtum der Wir-warten-auf-den-Krieg-Attitüde und seine massenpsychologischen Resultate.

DIE WELT 14.03.03, "Das schiitische Schwert hat zwei Klingen". Saddam hat sie bewaffnet. Die USA erhoffen ihren Aufstand. Aber Iraks Schiiten hassen ungläubige Angreifer mehr als den Diktator. Menschen am Vorabend des Krieges (3) von Boris Kalnoky
www.welt.de/data/2003/03/14/52025.html Darin über die Schia: "Dies ist Religion, wie sie im Westen schlicht nicht mehr vorstellbar ist. Sie beherrscht die Herzen und Seelen, sie ist der Fels, auf den das Haus des Lebens gebaut ist. Es ist eine Religion, die im Falle eines Krieges maßgeblich mitentscheiden wird, wie viel und wessen Blut vergossen wird." Anis: Während der Artikel insgesamt gut ist, zeigt sich hier eine große Distanz. Die Schiiten werden als mehr oder weniger martialisch im Kern dargestellt. Es wird dadurch unmöglich, sich wirklich in ihre Lage zu versetzen. Sie sind fremd. Das liegt nicht an der Schreibe, sondern die Schiiten sind Herrn Kalnoky einfach besonders fremd und er projiziert Sachen hinein. Der Titel wird im Schlusssatz ausgeführt: "Das schiitische Schwert hat eine doppelte Schneide. Wer immer es zu schwingen versucht, muss darauf achten, sich nicht selbst zu verletzen. Das gilt auch für Saddam Hussein. Er hat die Schiiten bewaffnet, um den Amerikanern zu trotzen. Kommt es doch nicht zum Krieg, so werden die Schiiten immer noch ihre Waffen haben." Anis: Jedes Schwert hat eine doppelte Schneide, das meine ich. Da braucht man keine irrationalen Schiiten dafür. Auffällig ist, dass DIE WELT derzeit auch dem Iran gegenüber in ähnlicher Weise Skepsis zeigt.

DIE WELT 14.03.03, "Alltag am Rande des Terrors. Deutsch-Israelische Woche" von gs
www.welt.de/data/2003/03/14/52241.html Beginnt mit: "Israel - Das Land steht für Unruhe, Angst, Bedrohung durch Terroranschläge. Vom Alltag der Menschen, die unter diesen Bedingungen leben müssen, erfährt man wenig." Anis: Ein unerträglicher Artikel. Das Land steht für Bedrohung durch Armeeanschläge. Der Alltag der Palästinenser wird hier komplett ausgeblendet. Stellen wir uns also vor, es gäbe gar keine Palästinenser, sondern nur das israelische Leiden am Terror, dann ergibt der restliche Text einen Sinn: "'Wir müssen den Israelis zeigen, dass wir hinter ihnen stehen', erklärte die Hamburger DIG-Vorsitzende Waltraut Rubien das Engagement des Vereins, und die Hamburger sollen erfahren, wie es ist mit dem Lachen, dem Leben und dem Lieben im Schatten des Terrors. ‚Wir fragen, wie viel Gewalt eine Gesellschaft ertragen kann.'" Anis: Die Israelis können gar keine Schuld haben, denn es gibt keine palästinensischen Menschen in ihrer Welt. Nur Terroristen. Die Israelis kriegen eine Deutsch-Israelische Woche und "zeigen, dass wir hinter ihnen stehen", und was noch? Waffen für Israel? Glückwunsch, DIE WELT.

DIE WELT 14.03.03, "Vom verlachten Greenhorn zum geachteten Kriegsherrn. Selbst seine Gegner müssen zugeben, dass George W. Bush an Statur gewonnen hat." von Uwe Schmitt
www.welt.de/data/2003/03/14/52012.html Ein sehr erheiternder Artikel (siehe Titel). Nachdem DIE WELT es argumentativ nicht geschafft hat (Schäuble, Scholz etc.), kommt jetzt der Versuch mit dem Mythos. Darin ein Zitat von Gott-Bush dem Vater: "Die Entscheidung, Krieg zu führen, kann letztlich nicht von einer Gruppe oder einem General getroffen werden. Sie muss von einer Person kommen - dem Präsidenten." Vielen Dank, DIE WELT, für dieses Zitat! Weiter heißt es über Bush Sohn: "An der Aufrichtigkeit seines Glaubens freilich zweifelt niemand. Gerade deshalb flößt es den einen so viel Furcht ein wie den anderen Vertrauen." Anis: Es handelt sich um einen "Wir stellen Bush jetzt mal in ein gutes Licht"-Artikel (und machen büschen Kulturkampf). Die von der WELT kennen das ja gut von Scharon, da müssen sie es ja auch immer so machen :-) Mit literarischen Kriegs-Fanfaren geht der Artikel enthusiastisch zu Ende: "Ein schneller, blutarmer Sieg über Saddams Irak ist für Bushs politisches Überleben und vor der Geschichte so entscheidend wie das Risiko für Amerika Atem raubend." Auch sein Humor und seine moralische Klarheit werden gerühmt (natürlich stehen auch kritische Sachen im Artikel): "Einen Sinn für Humor, manchmal grausam auf Kosten anderer (sic!), aber auch die Gabe der Selbstironie hat bisher noch jeder, der Bush nahe kam, ob Verächter oder Verehrer, dem Präsidenten bestätigt. Seine Gattin Laura nennt den Humor ihres Mannes Ehe stiftend. Probleme macht, um es vorsichtig zu sagen, der Ernst des Mannes: seine moralische Klarheit; sein moralisierendes Erwähltheitsgebaren, wie viele Europäer es verabscheuen. Vorbei sind jedenfalls die Zeiten, als man über ihn lachte." Anis: Kennen Sie übrigens den schon? "Washington, DC (Reuters) -- Ein tragisches Feuer zerstörte die Privatbibliothek von Präsident George W. Bush. Beide seiner Bücher sind dabei verloren gegangen. Berichten zufolge ist der Präsident am Boden zerstört - offensichtlich hatte er das zweite noch nicht zuende bemalt.


Link zu Offenem Brief (Claudia Karas) 13.03.03: Offener Brief an Innenminister Schily wegen Transfer / Mossad

Inforadio 12.03.03 TOP IMPORTANT: "Mossad's Bitte an den deutschen Geheimdienst bei Transfer in Palästina"
http://www.inforadio.de/programm_sendung.php?RID=17125&TYPE=1 (nicht mehr aktiv 2006) P. Rainer vom Karmelitenkloster Springiersbach: Wer's mit eigenen Ohren hören will, welches Ansinnen der israel. Geheimdienst an Deutschland gerichtet haben soll, hier der Link auf den Pressetreff Berlin Inforadio mit dem Journalisten Hogrefe. Ihr findet auf dieser Seite die Sendung zum Mithören. Ihr müßt den 3. "Anhören" Klipp anklicken und dann oben den Schieber auf Minute 2.30 schieben. Dort ist die entsprechende Stelle: "Der Israelische Geheimdienst ist beim Deutschen Geheimdienst vorstellig geworden um zu erreichen, dass die 'Deutschen' nicht protestieren, wenn während des Irak-Kriegs die Israelische Regierung anfängt die Palästinenser zu vertreiben. Der Presse-Treff war ein Gespräch mit den Britischen Botschafter in Deutschland bezüglich dem Irak-Konflikt. Kommentar P. Rainer: Hogrefe hat diese Meldung am vergangenen Samstag bekommen. Ich habe inzwischen bei Inforadio nachgefragt und sie haben mich direkt an Hogrefe verwiesen. Ich habe ihn per Mail heute gebeten, mir Näheres mitzuteilen. Die Nachrichten werden immer beängstigender.

FR 13.03.03, "Spiegels Kritik an Karsli rechtens. Gericht: Vorwurf des Antisemitismus war keine Diffamierung"
Darin: "Es sei nicht entscheidend, ob die Äußerungen Spiegels und Friedmans ‚unangemessen und möglicherweise sogar bewusst übertrieben oder vertretbar oder gänzlich falsch' seien. Es komme auch nicht darauf an, ob das Gericht oder irgendjemand sonst sie für ‚überzeugend, berechtigt, plausibel oder fundiert' halte. Allein entscheidend sei die Frage, ob Friedman und Spiegel ‚die äußerste Grenze zur Diffamierung' überschritten hätten. Das war hier nicht der Fall, urteilte die 12. Zivilkammer. (Az.: 12 O 486/O2 und 12 O 633/O2)" Anis: Das bedeutet also nicht, dass Herr Karsli ein Antisemit ist, sondern, dass er nicht verhindern kann, so genannt zu werden. Während ich nicht glaube, dass eine Berufung hier sinnvoll erscheint, gebe ich allerdings zu bedenken, dass ungerechterweise Antisemitismus-v-o-r-w-ü-r-f-e bereits ausreichen, um in unserer Gesellschaft ausgegrenzt zu werden. Und die werden inflationär und zum Teil ideologisch verwendet. Die FR, die SZ, die WELT und der TS haben alle noch dieses freischwebende Friedman-Zitat: "Friedmann fügte noch an, mit der Behauptung des weltweiten Einflusses einer jüdischen zionistischen Lobby ‚sind wir wirklich mitten im Dritten Reich'. Anis: Das mag ja sein und es wird ja auch viel darüber geredet, aber wie meinen Sie das eigentlich genau?

FR 13.03.03, "Spiegels Kritik an Karsli rechtens. Gericht: Vorwurf des Antisemitismus war keine Diffamierung"
Kommentar Sabine Yacoub: Das Gericht begründete im Fall Karsli gegen Spiegel und Friedmann die Tatsache, dass es sich inhaltlich nicht mit den Vorwürfen gegen Karsli beschäftigt hat, damit, dass allein die Frage, ob Friedman und Spiegel "die äußerste Grenze zur Diffamierung" überschritten hätten, entscheidend sei. Wann diese Grenze überschritten ist, hängt meines Erachtens im Wesentlichen davon ab, was für Folgen die behandelten Äußerungen für den von ihnen Betroffenen haben. Also, was für Folgen es für Karsli hat, wenn er Antisemit genannt wird. Wir konnten die Auswirkungen des Antisemitismusvorwurfes sehen: Karsli wurde aus der Partei, in die er eintreten wollte, ausgeschlossen. Er steht jetzt wegen des Antisemitismusvorwurfes im politischen und gesellschaftlichen Abseits. Wenn diese Folgen mitbedacht werden, dann halte ich es für notwendig, dass das Gericht sich auch inhaltlich mit dem Vorwurf beschäftigt, weil dann der Tatbestand der Diffamierung gegeben sein könnte. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber wenn sie dazu führt , dass Personen durch Meinungsäußerungen anderer ins gesellschaftliche Abseits geraten, dann müssen diese das Recht haben, die geäußerten Meinungen überprüfen zu lassen, und, falls das Gericht feststellt, dass sie übertrieben, haltlos oder falsch sind, eine Unterlassung erreichen können.

FR 13.03.03, "Der kleine Unterschied. Israel gibt Ausländern zum Schutz veraltete Gasmasken " Von Inge Günther (Jerusalem)
Darin: "Die israelischen Journalisten fanden heraus: Je nachdem, ob sie sich als Ausländer oder Israelis im Telefongespräch mit der Hotline des Zivilschutzes ausgaben, fielen die Antworten unterschiedlich aus. Für einen ausländischen Arbeiter ist demnach eine mehr als zwanzig Jahre alte Gasmaske gut genug, im Falle eines israelischen Staatsbürgers aber sofort gegen eine neue zu ersetzen." Anis: Ja, die haben der Inge Günther eine veraltete Gasmaske angedreht, und jetzt kann sie die Palästinenser schon besser verstehen.

ND 13.03.03, Feuilleton, "‚Der Krieg ist nichts als die Geschäfte'. Ein ARTE-Themenabend über ‚Amerikas Kreuzzug gegen Saddam'" von Peter Hoff
Anis: Wichtiger ergänzender Hintergrundbericht.

SPIEGEL ONLINE 13.03.03, "KÜNSTLER IN BAGDAD. Bis der letzte Vorhang fällt." aus Bagdad Markus Deggerich
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,240016,00.html Beschreibung: "Tag für Tag steigt die Anspannung in Bagdad - doch Theater, Musik und bildende Kunst dienen den Menschen als Ventil. Schauspieler improvisieren unter freiem Himmel, Komödianten versuchen sich in politischem Witz und ausländische Inspektoren decken sich in Galerien mit Kunst zum Dumpingpreis ein." Anis: Die Bagdad-Serie von Markus Deggerich hat eine Ausstrahlung bekommen. A pleasure to read.

SZ 13.03.03, "Wir sind keine Untertanen des Weißen Hauses. Kein Volk ist auserwählt und keines zum Führer bestimmt: Einspruch gegen den Großen Kameraden" von Per Olov Enquist
Anis: Einer der besten Artikel in der deutschen Presse in diesen Wochen

taz 13.03.03, S. 11, "Vorkriegszeiten in Bagdad" von KARIM EL-GAWHARY aus Bagdad
www.taz.de/pt/2003/03/13/a0085.nf/text Beschreibung: "Die Menschen im Irak reagieren unterschiedlich auf den drohenden US-Angriff: Hochzeiten haben derzeit Hochkonjunktur, manche wollen ihr Schicksal erfahren, andere renovieren ihre Häuser. Und Verträge werden schon mal doppelt ausgestellt." Anis: Ähnlich gut wie der Bericht von Markus Deggerich auf Spiegel Online gestern. Auch hier mag ich den Titel nicht. Vorkriegszeiten. Es hat etwas Lüsternes, finde ich, aber was verstehe ich schon davon.

DIE WELT 13.03.03, "'Forget Baghdad'. Die Fremdheit von Iraks Juden in Israel." von Hannes Stein
www.welt.de/data/2003/03/13/51453.html Über einen jüdischen arabischen Filmemacher, der sich an das Leid der Juden im Irak 1941 erinnert: "'Forget Baghdad', hat Samir seine Dokumentation genannt; er wirft wunderbar unbekümmert Ausschnitte aus alten britischen Wochenschauen, ägyptischen Schmachtfetzen, israelischen Komödien und zionistischen Propagandastreifen zusammen." Anis: So so, Propagandastreifen, interessant, wie wunderbar unbekümmert das gedruckt wird. Danach wird im Prinzip genau die gleiche Geschichte wiederholt, die gestern bereits gebracht wurde ("Buena Vista Bagdad Club"), nämlich: "In den zwanziger Jahren herrschte in Bagdad unter der britischen Kolonialmacht ein laissez-faire. Dieses Paradies zerbrach im ‚Farhud' von 1941, einem Pogrom, den irakische Offiziere unter Führung von Raschid Ali anzettelten, der später bei seinem Gönner Adolf Hitler Unterschlupf fand." Hannes Stein scheint sich sehr weit mit seinem Helden identifizieren zu können, denn er bemerkt am Schluss selbstironisch: "Hier wird es nun leider Zeit, über eine Schwäche von Samirs Film zu sprechen: Die Ideologie seiner Helden wird ihm nie ernsthaft zum Problem."


Link zu Medienkritik (Dr. Hassan Swelim): FAZ vom 12.03.2003, S.2, Aufruf der Azhar zum "Heiligen Krieg"

FR 12.03.03, "Mit dem Rücken zur Wand" Kommentar von Rolf Paasch
Über Bush und die Irakkrise. Anis: Sehr stark. Genaue Analyse des "imperial overstretch"

FR 12.03.03, "Noch ein paar Eisen im Feuer. Stelldichein der Gäste in Teheran, wo man einige Vorschläge für die Zeit nach Saddam Hussein zu machen hat" von Karl Grobe
Anis: Schwer zu verfolgender Text ohne erkennbares Anliegen.

FR 12.03.03,"'Kollateralschäden' könnten den ICC in Beweisnot stürzen. Weltstrafgerichtshof hat bei Irak-Krieg wenig Handhabe gegen Washington und Bagdad / Deutsche Justiz aber in der Pflicht." von Ursula Rüssmann
Darin: "Zwar wäre ein Angriff auf Irak ohne UN-Mandat wohl in etwa das, was Artikel 5 des Statuts als ‚Verbrechen der Aggression' ächtet; verfolgen darf der ICC solche Verbrechen aber erst, wenn die derzeit 89 Vertragsstaaten sich geeinigt haben, was genau unter ‚Aggression' zu verstehen ist. Niemand glaubt, das könne in absehbarer Zeit geschehen; viele erwarten sogar, dass es nie geschehen wird. Wegen eines ‚Präventivkriegs' gegen Irak also werden sich Londons Premier Tony Blair oder US-Präsident George W. Bush nicht vor dem ICC verantworten müssen." Anis: Ich würde das nicht so voreilig bewerten. Das ist reine Schwarzmalerei. Noch sind ja auch keine Kriegsverbrechen in dieser Sache begangen worden. Weiter heißt es: "Die Haager Ankläger müssten einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher zumindest ‚bedingten Vorsatz' nachweisen. Das kann schwierig sein, wenn - wie im Kosovo-Krieg - zivile Opfer als ‚Kollateralschäden' dargestellt werden." Anis: Ha! Hier liegt der Hase im Pfeffer. Hier bündelt sich ein wesentlicher Teil des Weltkonflikts. Weil die von den Israelis hinterlassenen Ziviltoten nicht hinreichend verurteilt werden (dürfen), setzt sich das natürlich fort bis zum Weltstrafgerichtshof. Hier liegt auch eine Verantwortung der Presse, denn das Argument basiert auf der Darstellung von Dingen. Im Kommentar "Ermutigend" von Pierre Simonitsch in derselben Ausgabe ist die Situation sehr gut beschrieben:

FR 12.03.03, "Nur zurück in die Welt. Manche Exil-Iraker in Jordanien erwarten den Krieg als befreienden Akt, andere wollen gegen die USA kämpfen." von Andrea Nüsse
Anis: Ganz guter Artikel. Authentische Stimmungsbilder ohne Entfremdung. Ein interessantes Zitat finde ich: "‚Meine emotionale arabische Seite streitet mit meiner rationalen britischen Hälfte', sagt die Frau." weil es auf einem Klischee beruht, das auch - wie hier - in der In-Group verwendet wird.

FR 12.03.03, "Bärendienst" Kommentar von Gerd Höhler
Darin: "Rauf Denktasch hat ein politisches Lebensziel. Er will die Wiedervereinigung Zyperns verhindern." Anis: Guter Kommentar

Initiative Verteidigt Israel Kiel 12.03.03, Flugblatt verteilt in der "Pumpe" anlässlich der (abgesagten) Vorführung des Films "Jenin, Jenin" von Mohammad Bakri, Kiel, 19h, Titel: "Antisemitische Hetzpropaganda im kommunalen kino (koki)"
Darin über den Regisseur und den Film: "'Die Israelis sollen verstehen, warum sich junge Menschen in die Luft jagen,' sagt Bakri dazu. Es geht also um die Legitimation des Judenmordes." Anis: Bereits das Verstehen-Wollen einer Sache ist demnach antisemitisch. Aber das ist noch der weitaus harmlose Teil. "Antisemitismus (ist) in Deutschland Tötungsbereitschaft im Wartestand." heißt es da noch, und das ist an die Deutschen allgemein gerichtet. Wenn das noch kein Straftatbestand ist, vielleicht dieses hier: "Dass sie die Notwendigkeit leugnen, sich gegen den antisemitischen Terror (sic) mit allerhärtester Gewalt (sic!) zu verteidigen, bestätigt nur einmal mehr, dass in Deutschland die Vernunft und der Realitätssinn in permanenter Abwesenheit sind." Im folgenden ist der Tatbestand der Volksverhetzung gegeben: "Der deutsche Wahn ist selbst durch das faschistische Kollektiv (sic!) der Palästinenser nicht mehr zu toppen, welchem es ausschließlich darum geht, so viele Juden wie möglich zu ermorden." Nachdem der Film "antisemitische Mordpropaganda" genannt wird, in den "nur Israelhasser" gehen, wird gefordert, ihn zu verbieten oder sonst die "Pumpe" zu schließen. Schließlich wird mit einer Kontonummer zu einer Kampagne "Waffen für Israel" aufgerufen. Wie mir die Leiterin des Kommunalen Kinos, Frau Dr. Gesa Rautenberg, vor Ort mitteilte, verschob sie die Filmvorführung, weil der arabische Gastkommentator nicht erscheinen konnte und ihr die Sache angesichts der nach Gewalt aussehenden Internetseite (s.u.) zu unsicher erschien. Sie hatte auch (erfolglos) bei der israelischen Botschaft einen israelischen Gast eingeladen, und der Film selbst wurde als kontroverser Film angezeigt. Auch die Frau von der politischen Bildung und andere Besucher zeigten sich verstört bis schockiert und wütend über die fünf Flugblattverteiler, die einen der Gäste als "A-Loch" betitelten, nachdem der kein Interesse an dem Flugblatt gezeigt hatte. Auf der entsprechenden Internetseite, die neben der Adresse Postfach 4144, 24040 Kiel erscheint:
www.verteidigt-israel.de findet man mehrere ideologische und verfassungsfeindliche Aussagen wie: "Wir solidarisieren uns mit dem Staat Israel, ohne Wenn und Aber." Der Elfte September sei antisemitisch gewesen. Und: "Das deutsche Volk als das zu brandmarken, was es ist: ein mörderisches Kollektiv im Wartestand." http://www.verteidigt-israel.de/Antisemitismusstreit.htm, dort auch: "Eine Kritik am Antisemitismus fordert die Zerschlagung eines deutschen Staates, aber auch jeglicher anderen Staaten mit Ausnahme von Israel." Weiterhin finden wir dies: "Diese Gleichgültigkeit gegenüber Auschwitz - und auch heute gegenüber der Faschisierung der Welt - lässt den Pazifismus kenntlich werden als objektiven Befürworter des Antisemitismus." in dem Beitrag: "Einleitung zur Veranstaltung "Krieg für Frieden - Zu Irak, Iran und Syrien" der Initiative Verteidigt Israel Kiel" (http://www.verteidigt-israel.de/Pazifismus%20und%20Massenmord.htm) Dort auch: "Der Krieg gegen den Terror ist vor allem ein Krieg gegen den Antisemitismus. Denn nichts anderes ist dieser Terror, als eine Form des antisemitischen Vernichtungswahns. Er gehört gnadenlos bekämpft und es ist klar, dass dabei Menschen sterben." Unter: "Deutschland, verlorener Posten" (http://www.verteidigt-israel.de/DeutschlandverlorenerPosten.htm) lesen wir: "Heute ist es möglich auf deutschen Strassen laut zu schreien: 'Wir werden die Juden auf der ganzen Welt vernichten, wir werden sie töten, wo wir sie finden. Wir werden die Welt von ihnen säubern'. Alle Passanten hören es. Sie bleiben stehen. An einem Samstagvormittag, gestresst und schwer mit Einkäufen bepackt, spitzen sie die Ohren. Diese Worte klingen wie Musik in ihren Ohren, wohlklingender als die Töne des Cellospielers, der so traurige Musik spielt." Der Text endet mit: 'Heute ist mir eines klar geworden. Es war niemals nicht möglich auf deutschen Strassen laut zu schreien: 'Wir werden die Juden auf der ganzen Welt vernichten, wir werden sie töten, wo wir sie finden. Wir werden die Welt von ihnen säubern'. Anis: Das ist lange nicht alles, aber es reicht. So etwas in Kiel, wer hätte gedacht, dass man die so weit gehen lässt. Mal sehen, was das Innenministerium, die Polizei, die FDP und die Kieler Presse dazu sagen. Max Raphael heißt einer von denen, und ein zweiter Löhe oder so. Die haben die israelische Botschaft auf ihrer Frontseite verlinkt.

KN 12.03.03, S.2, "Heuchlerische Rhetorik. Zum Machtpoker in der UNO" von Kristian Blasel
Darin: "Nach den Veto-Ankündigungen aus Moskau und Paris steht jetzt auch der UNO-Sicherheitsrat in dieser Woche vor seinem faktischen Ende." Anis: Endzeit-Rhetorik. Herr Blasel glaubt, die Welt geht unter, weil jemand Nein zum starken Mann sagt. Weiter: "Die offene Freude, die von der großen Mehrheit der europäischen Bevölkerung darüber empfunden wird, dass die größten Staaten des Kontinents der rücksichtslosen Bush-Regierung die Stirn bieten, ist verständlich. Zu deutlich liegen die moralisch stärkeren Argumente auf Seiten des neuen Trios Chirac-Putin-Schröder." Anis: Das klingt nach einem Aber, ein nicht ungefährlicher Versuch. Anschließend heißt es: "Aber die Rhetorik von der ‚multipolaren Welt', die sie mit ihrem Einsatz erhalten wollen, führt etwas Heuchlerisches an sich". Dann folgt: "Denn die Europäer werden niemals den Platz füllen können, den die Supermacht derzeit noch in der Weltgemeinschaft einnimmt." Anis: Man beachte das selbstzweiflerische "derzeit noch". Weiter wird argumentiert, dass Saddam ohne US-Druck niemals abgerüstet hätte und dass die Europäer ihren "außenpolitischen Ansprüchen" nicht gerecht würden. Wörtlich heißt es noch: "Auch wenn ein Angriff angesichts der jüngsten Blixberichte nicht gerechtfertigt ist." - Lieber Herr Blasel, in Ihrem Kommentar argumentieren Sie wie ein Gewaltmensch, und das ist nicht schön. Lesen Sie zu dieser Frage doch mal in die Geschichte von
Ozzy Balou herein. Wissen Sie eigentlich, dass Sie mich mit diesem Text ebenfalls als Heuchler bezeichnen, da ich Chirac in dieser Frage voll zustimme? Ihre eigene Zeitung hat auf der 4 sehr ausgewogen über Chirac berichtet. Sie stellen sich in Ihrem Kommentar selbst jenseits der Moral und nennen andere Leute heuchlerisch.

ND 12.03.03, "Die Grenzgängerin. Neshe Yashin ist die bekannteste Schriftstellerin Zyperns. Und eine Friedensstifterin." von Christiane Sternberg
Anis: Wunderschöner Artikel, sehr konstruktiv und beispielhaft. Auch auf den Palästina-Israel-Konflikt übertragbar, weil es um das Dazwischen von zwei geteilten Ländern geht. Chapeau!

SPIEGEL ONLINE 12.03.03, "BAGDAD VOR DEM ANGRIFF: Der Wechselkurs des Lebens." von Markus Deggerich aus Bagdad
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239818 Anis: Guter Stimmungsbericht. Den Titel: "Bagdad vor dem Angriff" mag ich nicht, weil er Pessimismus zementiert.

SZ 12.03.03, "Nahost Palästinenserparlament billigt Ministerpräsidentenamt" von sueddeutsche.de/dpa/AFP

SZ 12.03.03, "Es war einmal ein Vorbild. Die US-Regierung verspielt durch die harte Haltung im Irak-Konflikt ihre Glaubwürdigkeit.", Kommentar von Stefan Kornelius
Darin: "Die Unfähigkeit Amerikas zum Kompromiss und zum Dialog hat ihre Ursache in der Ideologisierung der Außenpolitik." Anis: Guter Kommentar

taz 12.03.03, S. 2, "Haus in Hebron zerstört Nach Tötung eines Soldaten rückt Israels Armee in Hebron ein und reißt Haus des mutmaßlichen Attentäters ab
www.taz.de/pt/2003/03/12/a0030.nf/text Darin: "Im Gaza-Streifen wurden gestern die Leichen von zwei Palästinensern gefunden. Die Armee teilte mit, sie habe die Männer verdächtigt und daraufhin erschossen." Anis: Verdächtigt und daraufhin erschossen!

taz 12.03.03, S. 3, "Kofi Annan stellt sich gegen die US-Regierung. Der UN-Generalsekretär sieht keine völkerrechtliche Legitimation für einen Irakkrieg. Washingtons Reaktion ist harsch - und erstaunlich." von ANDREAS ZUMACH
www.taz.de/pt/2003/03/12/a0081.nf/text Darin: "Annan (warnte) von Den Haag aus (wo er an der Vereidigung der Richter des Internationalen Strafgerichtshofes teilnahm), ein Krieg der USA ohne eine dazu ermächtigende neue Resolution des Sicherheitsrates sei ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht." Anis: Kofi wird mir langsam sympathisch.

taz 12.03.03, S. 8, "Im Internet outen - verboten?", von HEIKE KLEFFNER
www.taz.de/pt/2003/03/12/a0040.nf/text Anis: Im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung um die Pressefreiheit der beliebten Internetseite nadir.org wurde von der Verteidigung argumentiert, dass das Internetportal "öffentliche Interessen wahrnehme, indem es in seinem Archiv Artikel aus Publikationen zur Verfügung stelle, die andernorts längst vergriffen sind." Anis: Ich finde, das ist ein gutes Argument.

taz 12.03.03, S. 11, " Demokraten tun sich zusammen ", von JAN HELLER
www.taz.de/pt/2003/03/12/a0063.nf/text Beschreibung: "In Afghanistan gründen 42 demokratische Gruppen eine gemeinsame Front. In den nächsten Wochen soll ein politisches Programm ausgearbeitet werden. Geplant ist die Aufstellung eines gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten für 2004". Anis: Es ist heute wichtig, dass die internationale Presse so viele positive Initiativen wie möglich hervorhebt, die die Demokratisierung im Nahen und Mittleren Osten voranbringen können.

taz 12.03.03, S. 12, "PALÄSTINA: PRÄSIDENT ARAFAT BEKOMMT EINEN SCHWACHEN PREMIER. Verteilte Ohnmacht, begrenzte Hoffnung", Kommentar von YASSIN MUSHARBASH
www.taz.de/pt/2003/03/12/a0101.nf/text Darin am Schluss: "Bisher war etwa die palästinensische Presse ganz auf Arafat eingeschworen. Das könnte sich ändern und endlich zu breiten innerpalästinensischen Debatten über die Zukunft der Israelpolitik führen." Anis: Ganz guter Kommentar.

TS 12.03.03, "Möllemann: Israel erpresst Westerwelle. Was der NRW-Politiker in seinem Buch ‚Klartext' behauptet, erzürnt nicht nur den FDP-Chef" von S. Feuss / R. von Rimscha
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.03.2003/475548.asp Darin: "Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz hält die ‚verschwörungstheoretischen Rundumschläge' Möllemanns für ‚völlig unbeweisbar'. ‚Diese Behauptungen sind ebenso infam wie töricht', sagte Benz dem Tagesspiegel. Möllemanns antisemitische Tendenzen, erkennbar bereits in seinem Wahlkampf-Flugblatt, würden erneut offenkundig, so Benz." Anis: Es bedarf kaum eines Antisemitismusforschers, um diese Feststellungen zu machen. Antisemitisch ist es allerdings kaum, wenn jemand sagt, der Mossad hätte Westerwelle erpresst. Hier outen sich Antisemitismus-Fetischisten, die ihre eigenen Neurosen denen Möllemanns hinzugesellen. Auch auf der Meinungsseite des Tagesspiegels heute: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.03.2003/475550.asp, wo es heißt: "Bisher waren seine Äußerungen krypto-antisemitisch - jetzt wird er deutlich" (von cas) Damit machen sich die Journalisten lächerlich. Krypto, dieser ganze Quatsch. Die Meldung von Westerwelle und dem Mossad, die offenbar in dem Buch beschrieben wird, im Zusammenhang mit einer angeblichen Vereitelung des Außenministeramts für Möllemann, hat schon jetzt - mal wieder - einen Schaden für die Araber und Muslime angerichtet. Die Presse ist voll mit dieser blöden unbewiesenen Mossadgeschichte. Möllemann ist intelligent und erfahren genug, um das vorher gewusst zu haben.

TS 12.03.03, "Eine ernste Vorstellung. DIE UN UND DER IRAK." von Christoph von Marschall
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.03.2003/475443.asp Darin: "So mächtig, wie die Vereinten Nationen wirken, wenn sie Bush in den Arm fallen, sind sie nicht. Und schon gar nicht so moralisch. Um die von vielen Deutschen erträumte Rolle der obersten Instanz auszufüllen, müssten sie gestärkt werden. Dient der Streit um den Irak diesem Ziel?" Anis: Ah, ein Kriegsbefürworter. Wer den Krieg nicht will, macht also Streit, so so. Ich sehe es eher so, dass Herr von Marshall hier Streit machen will. Er verteidigt den starken autoritären Mann, der sich über die UNO stellt: "Ohne Amerikas starken Arm haben die UN keine Macht. Saddam hätte sich ohne den US-Aufmarsch nicht bewegt, auch wenn Chirac so tut, als sei die ‚friedliche Abrüstung' seiner Vernunft zu verdanken." Anis: Hier ist jemand, der nur an Gewalt glaubt.

DIE WELT 12.03.03, "Höllische Nachbarschaften" Leitartikel von Michael Stürmer
www.welt.de/data/2003/03/12/51083.html Anis: Der Versuch, die militärische Aufmerksamkeit auf den Iran zu lenken. Destruktiv.

DIE WELT 12.03.03, "In Basra ist der Krieg angekommen, wenn der Tag zur Nacht wird." von Boris Kalnoky
www.welt.de/data/2003/03/12/51072.html Anis: Guter Bericht aus Basra, lebensnah und ohne besondere Propaganda oder dergleichen.

DIE WELT 12.03.03, "Palästinenser greifen Armeeposten an. Israelischer Elite-Soldat getötet - Siedler fordern mehr Schutz - Streit um Nutzen oder Last der Siedlungen." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/12/50983.html Darin: "(Mit) Tränengas verjagen die Soldaten die protestierenden Palästinenser. Dem Bürgermeister von Kiriat Arba, Zvi Kazover, ist das nicht genug: ‚Alle Häuser hier müssen zerstört werden. Nur so kann die notwendige Abschreckungswirkung erzeugt werden. Die Armee könnte das tun, aber das Oberste Gericht hinderte sie schon nach dem letzten Anschlag hier an dieser Straße daran. Ich beschuldige die Richter der Beihilfe zum Mord an uns Siedlern.' Anis: In solchen Gewaltbekundungen zeigt sich eine der wesentlichen Quellen des Nahostkonflikts. Weiter heißt es: "... obwohl auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Angriffe gegen zivile Siedler als Kriegsverbrechen einstuft." Anis: Dieses Argument ist denkbar einseitig und verharmlost die Besatzung. Weiterer Artikel von Jessen heute: "Arafats designierter Premier wartet auf den Zuschnitt seiner Kompetenzen" www.welt.de/data/2003/03/12/50982.html

DIE WELT 12.03.03, "'DisORIENTation': Kunst im Schatten des Krieges" von Uwe Sauerwein
www.welt.de/data/2003/03/12/50945.html Über das Festivalzeit "DisORIENTation" im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) vom 20. März bis 11. Mai. Zitat: "Mit der jetzigen Veranstaltungsreihe wird erstmals umfassend, mit Ausstellungen, Theater, Konzerten, Filmen, Lesungen, Diskussionen und einem Jugendprogramm die aktuelle arabische Kunst aus Nahost in Berlin präsentiert. Eine Szene, die nicht als Repräsentationskultur der jeweiligen Herkunftsländer der Künstler gilt." Anis: Guter Artikel

DIE WELT 12.03.03, Kultur, "Im Buena Vista Bagdad Club. Menschen am Vorabend des Krieges (1): Sie wurden vor über 50 Jahren aus Bagdad vertrieben, wo sie Stars waren. In der arabischen Welt leben ihre Lieder bis heute. Jeden Montag treffen sich die jüdischen Musiker in Tel Aviv" von Igal Avidan
www.welt.de/data/2003/03/12/51091.html?s=1 Darin: "Aber die anti-jüdische Kampagne des Islamisten Haj Amin al-Husseini, unterstützt von der deutschen Botschaft, fiel in Bagdad auf fruchtbaren Boden. 1941 kam es zu einem irakischen Pogrom gegen die Juden, zum so genannten ‚Farhud'. Während des jüdischen Karnevals Purim wurden innerhalb von zwei Tagen 140 Juden ermordet, Hunderte verletzt, Tausende jüdischer Geschäfte geplündert und Synagogen geschändet. Kurz nach der Gründung des Staates Israel verließen dann die meisten Juden den Irak, aber der Irak hat sie nicht verlassen." Anis: Es scheint, als solle in diesem Artikel streckenweise die Assoziation Nazideutschland=Irak geschürt werden. Abgesehen davon ist es ein interessanter kultureller Artikel.

DIE WELT 12.03.03, "Nasser hieß der Schurke damals. Als die Vereinten Nationen einen Ausweg fanden: Die Suez-Krise 1956" von Manuel Fröhlich, Uni Jena
www.welt.de/data/2003/03/12/50952.html Anis: Ein historischer Vergleich. Guter, nicht tendenziöser, ausführlicher Artikel.

DIE WELT 12.03.03,"Der Präventivkrieg kann legitim sein." Gastkommentar von Rupert Scholz
www.welt.de/data/2003/03/12/51090.html Darin: "Jede verantwortliche Sicherheitspolitik muss sich am gegebenen Sicherheitsszenario und an den aus ihm erwachsenden Gefahren orientieren. Genügt das Konzept der reaktiven oder repressiven Gefahrenabwehr nicht mehr, so muss auch die Frage der Legitimierung präventiver Abwehr- oder Verteidigungsmaßnahmen ernsthaft diskutiert werden. Die amerikanische Position in dieser Frage ist klar. Von vielen Europäern, namentlich von der deutschen Bundesregierung, wird dies jedoch noch längst nicht hinlänglich begriffen oder nachvollzogen. Dabei hätte man es gerade in Deutschland rechtzeitig erkennen, aufnehmen und in der gebotenen Partnerschaft im westlichen Bündnis diskutieren müssen. (...) Wirksame Prävention schließt auch die militärische Option ein. Das prinzipielle Verbot von Angriffskriegen hat damit nichts zu tun. Denn es geht auch hier allein um Verteidigung und nicht um Angriff. Militärische Präventivmaßnahmen können zwar nur die Ultima Ratio bilden, unterstehen insoweit dem allgemeinen Vorbehalt des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit." Anis: Verbissen und bellizistisch. Hier sind alle Argumente aufgeführt, die der Mann hat: Angst und Gewalt. Der Text klingt jetzt schon veraltet.


FR 11.03.03, "Spiegelstadium der Gewalt. Die Schwäche Ariel Scharons bedroht die Existenz Israels." von Slavoj Zizek
Darin: "Militärisch hergestellte und/oder erzwungene Sicherheit ist unvereinbar mit dem anderen Ziel, einem zivilgesellschaftlichen Frieden." Und: "Wir haben es mit dem Paradox zu tun, dass Israel - dem Selbstverständnis nach doch eine Insel der Rechtsstaatlichkeit und Modernität - sich in fundamentalistischer Manier legitimiert und insofern genau das tut, was es doch glaubt, der arabischen Seite vorwerfen zu können. Verfolgt man diese Logik nur konsequent weiter, erscheinen die Palästinenser in dem, was ihnen von israelischer Seite her unterstellt wird (sie seien fundamentalistisch, vormodern etc.), als die mehr oder weniger uneingestandene Wahrheit Israels. Diese Wahrheit zu erkennen, hieße in der Tat zu begreifen, dass die Palästinenser die Existenz Israels nicht zuletzt deswegen in Frage stellen, weil mit ihnen die eigene uneingestandene, nach Maßgabe des israelischen Selbstverständnisses unmögliche Frage eine politische Gestalt angenommen hat: In den Palästinensern begegnet sich die israelische Gesellschaft auf unheimliche Weise selbst." Anis: Exzellenter Artikel, lesen! Abseits des Terrors und der Lager geht es hier um die psychologische Situation. Wenn das Wissen Zizeks in die Köpfe der Israelis und der Palästinenser kommt, kann der Gordische Knoten zerschlagen werden. Auch die Antwort auf die Jerusalemfrage ist richtig: internationaler Status. Vielen Dank, liebe FR-Redaktion, das war mal wieder konstruktiv!

ND 11.03.03. "Kriegspsychose: Wie man Fromm oder Nehm ‚zitiert' und Terrorpanik schürt. ‚Focus' erfindet Pläne deutscher Linksextremisten und viele Medien machen mit." von Claus Dümde
Anis: Sehr empfehlenswert! Es ist nicht das erste Mal, dass der Focus durch aktive Nachrichtenproduktion auffällt. Nach diesem Bericht im Neuen Deutschland wurde das Angstszenario von der Bild-Zeitung, vom Hessischen Rundfunk, von Reuters, dpa und ddp übernommen.

NZZ 11.03.03, "Verlorener Krieg - für alle Seiten? Arabische Intellektuelle beziehen Stellung zur Irak-Krise", von Fakhri Saleh
Mit Analysen über den Lyriker und Denker Adonis, den im belgischen Exil lebenden irakischen Intellektuellen Kamel Shayyaa, den ägyptischen Soziologen Sayyed und den syrischen Denker Hashem Saleh.

SPIEGEL ONLINE 11.03.03, "Israels besetztes Land. ‚Es herrscht nur noch Ohnmacht'" Amira-Hass-Interview von Dominik Baur
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239502 Beschreibung: "Viele israelische Journalisten berichten täglich über die Situation der Palästinenser in den besetzten Gebieten. Aber nur eine von ihnen lebt dort. Amira Hass im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE über enttäuschte Hoffnungen, mangelndes Vertrauen zum US-Präsidenten und den unterschiedlichen Wert von Blut." Anis: Das beste Nahost-Interview, das ich seit langem in der deutschen Presse gelesen habe.

SPIEGEL ONLINE 11.03.03, "Bushs Öl-Bonanza. 'Ekel erregend wie Arafats Unterhosen'" von Jochen Bölsche
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239559 Anis: Sehr ausführlicher wichtiger Hintergrundbericht über die Irakkrise.

SPIEGEL ONLINE 11.03.03, "SADDAMS BAATH-PARTEI. Das Kaderreservoir des Diktators" Von Markus Deggerich aus Bagdad
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239690 Darin: "Die Masse der Mitläufer fürchtet nun, dass es für sie nach einem Krieg nichts mehr zu lachen gibt. Leise fragen sie Ausländer, ob die Amerikaner sie alle umbringen werden. Wenn man ihnen dann von der ‚Entnazifizierung' Deutschlands erzählt oder den staatlichen Renten für Stasi-Mitarbeiter atmen sie schon wieder ruhiger." Anis: Schönes Beispiel dafür, wie die deutsche Presse unbewusst den Irak mit Nazideutschland (oder hier noch Stasi-Deutschland) vergleicht, so wie die Amerikaner es sich wünschen. Markus Deggerich ist der bösen Absicht unverdächtig. In seinen Analysen hat er ganz Recht. Es ist der Rahmen, der nicht stimmt. Der Irak ist nicht Nazideutschland. Ein gewaltsamer Sturz Saddams von den USA wird den Kulturkonflikt anheizen, und das liegt in niemandes Interesse. Im Artikel wird nicht deutlich, dass der Autor gegen den Krieg ist.

taz 11.03.03, S.12, "Die isolierte Weltmacht" von BETTINA GAUS
www.taz.de/pt/2003/03/11/a0114.nf/text Darin über die Sinnlosigkeit des Widerstands gegen die USA: "In Deutschland sind es vor allem die Außenpolitiker von CDU und CSU, die das jetzt schon immer gewusst haben wollen. Sie erklären es zu der unter allen Umständen klügsten Politik, in Washington für gut Wetter zu sorgen - egal welches Klima dort gerade herrscht. Darin offenbart sich ein erstaunlich geschichtsloses Verständnis der Dynamik internationaler Beziehungen." Anis: Gut. Dennoch ist dieser Artikel von einem Pessimismus geprägt, der überrascht. Ein wenig wie: Ja, wir sind die Guten, auch wenn die anderen gewinnen. In diesem Artikel wird ständig die Macht und die Durchsetzungsfähigkeit der USA betont. Das ist nicht notwendig. Die USA haben im Irak nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen. Es gibt kein Nachkriegsszenario, das für die USA vorteilhaft sein könnte, denn die USA werden die Welt nicht beherrschen können. Andere haben es versucht und einsehen müssen, dass es nicht geht. Wenn die taz glaubt, dass es nichts Stärkeres gibt als Gewalt, dann tut mir das leid. Dabei hat Frau Gaus die Lösung doch genannt: nobody wants to be a bad guy.

TS 11.03.03, "Aus dem Gleis geraten. Die UN beschädigt zu haben - diesen Triumph darf Saddam niemand gönnen" von Hans-Dietrich Genscher
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.03.2003/473680.asp Darin am Schluss: "Die jetzt vorgeschlagene Gipfelkonferenz ist möglicherweise die letzte Chance, den Triumph des Diktators und Kriegsverbrechers in Bagdad zu verhindern, dass seinetwegen UN, Nato und EU schweren und dauerhaften Schaden nehmen." Anis: Während der Artikel insgesamt moderat und abwägend ist, wirkt diese Schlussbemerkung paradox. Ist es nicht Bush, der die UN beschädigt, wenn er sich über sie hinwegsetzt? Und was ist mit Israel? Warum sollte man die Gefühle von Saddam zum Maßstab des eigenen Handelns machen, Herr Genscher?

DIE WELT 11.03.03, "Antisemitische Parolen gegen den Rai-Präsidenten. Neue Töne im Streit um Italiens Fernsehen." von Paul Badde
www.welt.de/data/2003/03/11/50419.html Darin: "Italien ist eins der wenigen Länder, wo Juden und Nichtjuden - zumindest äußerlich und an der Körpersprache - fast nicht zu unterscheiden sind." Anis: Wie bitte? Was ist denn jüdische Körpersprache? Weiter: "Um so befremdeter reagiert Italiens Öffentlichkeit deshalb nun darauf, dass Unbekannte am Wochenende nach dem Amtsantritt des neu ernannten Präsidenten des italienischen Staatsfernsehens Rai, Paolo Mieli, das Gebäude des Mailänder Rai-Sitzes in der Nacht mit antisemitischen Parolen beschmiert haben. 'Mieli raus!' hieß es da auf deutsch, und auf italienisch: 'Nein zu den Juden. RAI für die Italiener!' Außerdem waren die Mauern mit einem Hakenkreuz und einer Art keltischem Kreuz (das allerdings mehr einem Fadenkreuz mit Kreis gleicht) beschmiert worden, das in den 70er Jahren das Symbol der Rechtsextremistengruppe NAR war." Anis: Weil irgendsoein Penner irgendwelchen Mist an eine Wand geschmiert hat, schreien nicht nur alle italienischen Parteien, nein, bis tief in die deutsche Presse hinein wird das ausdiskutiert. Bei so viel Hysterie könnte man sich im ersten Moment wünschen, Jude zu sein, um auch in den Genuss dieses Bonus' zu kommen, im zweiten Moment aber wird man sich darüber klar, dass einige israelkritische - und auch antisemitische - Stimmen sich durch die übermäßige Publicity bestärkt fühlen werden, während andere Leute sich fragen werden, warum so ein Wind gemacht wird, wenn doch in Italien Juden traditionell keinen Rassismus zu befürchten haben. Diese Angst, die man hier sieht, kann nicht zu positiven Resultaten führen und läuft der Absicht, antisemitische Tendenzen im Keim zu ersticken, genau zuwider.

DIE WELT 11.03.03, "Treiben Paris, Berlin und Moskau die USA zu Alleingang? Irak-Krise: Lage verschlechtert sich zunehmend - Deutsche Außenpolitik hat versagt - Transatlantisches Bündnis stark beschädigt" von Wolfgang Schäuble
www.welt.de/data/2003/03/11/50500.html Aus der Rede Schäubles vom 10. März 2003 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Darin: "Wenn ein Krieg tatsächlich unvermeidbar werden sollte, dann scheint mir klar, dass er besser mit der Legitimation durch ein geschossenes Votum des Weltsicherheitsrates geführt wird als im Streit um seine völkerrechtliche Legitimation; und wenn die USA, wie auch ihre Kritiker behaupten, entschlossen sind, in jedem Fall zu handeln, dann muss man sich fragen, ob man sie davon abbringen kann, und wenn man diese Frage verneinen muss, bleibt wieder die Überlegung, ob sie nicht besser durch Partnerschaft in multilateralen Strukturen gehalten werden." Anis: Völlig unglaubwürdig! Schäuble argumentiert mit dem Dschungelgesetz. Er sagt weiter: "Es könnte sein, dass die Achse Paris-Berlin-Moskau im Ergebnis die USA gerade zu dem kritisierten Alleingang treibt." Anis: Also nicht die Amerikaner, nein, die Achse des Friedens ist am Krieg schuld. Da kann man wirklich nur drüber lachen. Will er seine Partei intellektuell ruinieren? Schäuble sagt: "Die atlantische Partnerschaft ist dramatisch beschädigt, und der europäische Einigungsprozess steckt in der größten Krise seit Jahrzehnten." Anis: Wenn jemand keine eigenen Werte hat, dann muss er sich an Gruppen orientieren.


FR 10.03.03, IM WORTLAUT: "Den Weltfrieden wiederherstellen. Der Entwurf der neuen Irak-Resolution vom 7. März 2003" (ap)


FR 10.03.03, "Lehren aus Europas Versagen" Kommentar von Martin Winter
Darin: "Dass die USA heute glauben, ohne Rücksichten handeln zu dürfen, daran tragen die Europäer freilich ein erhebliches Maß Schuld. Ihr Versagen ist es, nach dem 11. September Washington die Definitionshoheit über Strategien gegen den Terror überlassen und in der Irak-Frage zwar auf der Bremse gestanden, aber nie versucht zu haben, die Richtung zu bestimmen. Dass Frankreich, Deutschland und Russland sich in letzter Minute ermannt haben, ist lobenswert, kommt aber zu spät." Und: "Die Europäische Union muss sich zur Weltmacht entwickeln." Anis: Guter Kommentar. Wobei ich die Emanzipation von den USA nicht so sehr in militärischen Dimensionen fassen würde, denn gemeint ist ja ursprünglich etwas Psychologisches, nicht etwas Militärisches. Der Begriff "Weltmacht" wirft diese Fragestellung auf.

FR 10.03.03, "Die friedliche Stimme der PLO" Kommentar von Inge Günther
Darin: "Parallel zu der sich zuspitzenden Golfkrise schaukelt sich auch der israelisch-palästinensische Konflikt auf militärischer Ebene hoch. Ob nun wegen oder trotz der Truppenvorstöße in die Flüchtlingslager von Gaza: die islamistische Hamas setzt auf Eskalation." Anis: Subtil zwar, doch auch hier bekommt die Hamas (und damit also die Palästinenser, denn die müssen es ausbaden) die Hauptschuld. Man merkt, wie hier um etwas herumgeredet wird, um dem Klientel der FR nicht vor den Kopf zu stoßen. Die Palästinenser sind dabei egal. Da wird schon mal "liquidiert", auch bei Inge Günther.

FR 10.03.03, "Schwere Zeiten für Transatlantiker. George W. Bushs Kriegskurs strapaziert selbst hartgesottene Amerika-Freunde." von Axel Vornbäumen
Anis: Ausgezeichneter Kommentar!

SPIEGEL ONLINE 10.03.03, "IRAK-TAGEBUCH. Babylonische Gefangenschaft 2003." von Markus Deggerich
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239401 Anis: Impressionen aus dem Irak vor der Kulisse des historischen Babylons. Warum nicht?

SPIEGEL ONLINE 10.03.03, "Kaum Chancen für Kriegs-Ultimatum"
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-239316 Inhalt: "Am Dienstag wollen die USA und Großbritannien den Weltsicherheitsrat zu einer Entscheidung zwingen. Die Resolution, die zur Abstimmung steht, enthält ein Ultimatum gegen den Irak zur Erfüllung seiner Abrüstungsauflagen, das am 17. März abläuft. Die Fraktion der Kriegsgegner kündigte ihre entschiedene Ablehnung an."

SZ 10.03.03 "UN-Sicherheitsrat. Widerstand gegen Kriegskurs der USA wächst."


SZ 10.03.03 "El Baradei. "Schlecht gemachte Fälschungen". Laut Atom-Inspektor El Baradei hat der Irak nach bisherigen UN-Erkenntnissen kein Uran im Niger gekauft. Die angeblichen Belege von Geheimdiensten seien manipuliert worden." von Hans Leyendecker
Anis: Wichtige Information.

SZ 10.03.03 " Hamas kündigt Attentate auf Politiker an. Die palästinensische Terrororganisation hat nach der Liquidierung ihres Sicherheitschefs im Gaza-Streifen durch die israelische Armee mit der Ermordung von Führungspersonen gedroht." von Thorsten Schmitz
Anis: Vier Mal kommt hier das Wort "liquidieren" vor und wird als "Erfolg" beschrieben, während der Tod von Israelis als "Ermordung" bezeichnet wird. Die Tatsache, dass Schmitz diese unsägliche Sprache verwenden darf, zeigt die deutlich anti-palästinensische Tendenz in weiten Teilen der deutschen Presse, zumal die Assoziation von Palästinensern und gewalttätigen Palästinensern sehr häufig und ohne Berechtigung geschieht. Dies ist nicht immer Absicht, es hat auch damit zu tun, dass Deutschland glaubt, pro-israelisch bedeute die uneingeschränkte Solidarität. Hier allerdings ist es Absicht, wie das Vokabular belegt.

taz 10.03.03, S. 3,"Ein Ausweg aus der Kriegslogik. Ein Vorschlag" von ANDREAS ZUMACH
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0090.nf/text Darin: "Solange der Krieg nicht wirklich begonnen hat, ist er noch vermeidbar." Anis: Eben. Und wenn ein Krieg begonnen hat, muss man ihn eindämmen, soweit man kann. Nonkilling hat die absolute Priorität. Weiter: "Es gibt sehr viele gute Gründe gegen eine Einmischung des UNO-Sicherheitsrates in die ‚internen Angelegenheit eines souveränen Mitgliedslandes' der UNO (...) Gegen diese Bedenken lässt sich zunächst grundsätzlich einwenden, dass die Durchsetzung der Menschenrechte ein Ziel ist, dem schon in der Präambel der UNO-Charta von 1945 nahezu gleichrangige Bedeutung zugemessen wurde wie der ‚Bewahrung des Friedens und der internationalen Sicherheit'." Anis: Andreas Zumach trifft hier mitten ins Schwarze. Er ist im Gegensatz zu den meisten seiner KollegInnen in der deutschen Presse konstruktiv. Er hat sogar einen Entwurf gegen den Krieg geschrieben, in Form einer UNO-Resolution: www.taz.de/pt/2003/03/10/a0089.nf/text Seine Analyse ist ausgezeichnet und die Richtung, in die er denkt, auch. Wenn auch der Terminus "Durchsetzung der Menschenrechte" international zu diskutieren bleibt, (es soll ja nicht zum autoritären Kontrollorgan werden), ist es das, was wir brauchen: Alternativen. Bravo, Andreas Zumach!

taz 10.03.03, S. 5, "Wir machen Krieg nicht mit" Interview mit Egon Bahr (SPD) von BERND PICKERT und ERIC CHAUVISTRÉ
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0099.nf/text Darin Bahr zur Frage des deutschen Weges: "Wir hatten und haben bis heute genug von Soldaten und Machtgelüsten und allem, was damit zusammenhängt. Im Grundgesetz waren Streitkräfte ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen." Zur oft beschworenen Isolation sagt Bahr: "Die Deutschen gucken ein bisschen weinerlich, dass uns die Amerikaner nicht mehr lieben. Die folgen einfach ihren Interessen - und wir bitte auch. In der Irakfrage hat Deutschland zum ersten Mal widersprochen. Da werden sich alle dran gewöhnen!" Und weiter: "Anders als alle anderen haben die USA im vergangenen Jahrhundert keinen Bruch in ihrer Geschichte erlebt. Warum also sollen sie die Werte, die sie so weit gebracht haben, auch nur diskutieren? Sie sind der Überzeugung: Was gut ist für Amerika, kann nicht schlecht sein für die Welt." Anis: Herr Bahr läuft in diesem Interview zu großer Form auf, wow. Hier: "taz: Die US-Regierung droht aber den Verbündeten und der UNO: Macht mit oder ihr werdet irrelevant! - Bahr: Warum schwätzen Sie den Unsinn der Opposition einfach nach? - taz: Wir? - Bahr: Ja, Sie. Mit so einer Frage." Anis: Ich lach mich tot! Schönes Beispiel dafür, dass die Presse nicht merkt, dass sie mit ihren Worten nicht nur spricht, sondern auch handelt. Gesamtkommentar: Hier spricht ein Politiker von Weltrang Tacheles, ohne im Ton auffällig zu sein. Sehr informativ, ehrlich und glaubwürdig. Über Palästina fiel allerdings kein Wort, das fehlte. Viva Egon!

taz 10.03.03, S. 12, "Wie viel Macht für den Premier? PLO-Zentralrat segnet die Nominierung von Mahmud Abbas zum Ministerpräsidenten der palästinensischen Autonomie- behörde ab. Heute entscheiden Parlament und Kabinett. Nach dem Mord an einem Funktionär droht die Hamas mit Vergeltung " von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0069.nf/text Darin: "Dennoch stellt sich für die Militärs bei derartigen Operationen immer nur die Frage nach der Machbarkeit, nicht nach möglichen Folgen. Die Hinrichtung bekannter militanter Widerstandskämpfer wird quer durch die israelische Parteienlandschaft als Mittel im Antiterrorkampf akzeptiert, wenngleich die Effektivität dieser Art von Operationen fraglich ist. Die Tageszeitung Jediot Achronot verurteilte die Hinrichtung: ‚Wie lange hat der Kopf nachgedacht, bevor die Hand den Abzug drückte?', fragte sie." Anis: Frau Knaul schreibt ‚Mord am Funktionär', und das war es nämlich auch, denn wir haben in einigen Ländern die Demokratie eingeführt, wo politische Tötungen unter keinen Umständen vorgesehen sind.

taz 10.03.03, S. 13, "DIE PALÄSTINENSISCHEN DEMOKRATEN HABEN ERSTMALS EINE ECHTE CHANCE. Der Konsens-Kandidat." Kommentar von SUSANNE KNAUL
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0109.nf/text

taz 10.03.03, S. 15, "Wenn Selbstkritik offene Türen einrennt" von EBERHARD SEIDEL
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0118.nf/text Beschreibung: "Der Kampf der Kulturen fällt aus: Die Deutschen sind seit dem 11. September 2001 islamfreundlicher und aufgeklärter als ihre europäischen Nachbarn. Der Dialog der Kulturen hat dennoch ein Problem: Wir machen immer nur den Westen für den desolaten Zustand der arabischen Welt verantwortlich." Anis: "Immer nur"? Oh, was kommt denn jetzt? Zitat: "Im Gegensatz zu Großbritannien, Italien und den Niederlanden fehlt in Deutschland jeder Ansatz von antiarabischer und antiislamistischer Kampfbereitschaft." Anis: Ich nehme an, das soll jetzt provozieren oder so. Hm. Und das, obwohl FAZ und ZEIT appellieren, "die Deutschen mögen doch ein wenig aggressiver gegen den Terror aus einer reformunfähigen arabischen Welt auftreten". So so, Aggression wollen die also. "In keinem anderen westeuropäischen Land wurden nach dem 11. September so wenig antiislamische Übergriffe registriert wie in Deutschland." Klingt wie: Nun macht mal! Weiter heißt es: "Der Duisburger Diskursanalytiker Siegfried Jäger, dessen wachem Auge kein rassistischer Beitrag in den Medien entgeht, widerspricht der ‚Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit' (EUMC), die in ihrem jüngsten Bericht behauptet: Die Fremdenfeindlichkeit habe nach dem 11. September wegen der verstärkten Angst vor dem Islam zugenommen. (...) Seit dem 11. September 2001 ist die Berichterstattung über Einwanderer und den Islam in Deutschland weniger dramatisierend als in der Zeit davor, es wird seltener ein Feindbild Islam konstruiert. Diese Einschätzung basiert auf der Auswertung von mehr als 1.000 Artikeln aus Bild, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frankfurter Rundschau und Focus." Anis: Ich kenne Siegfried Jäger nicht. Weiter: "Warum erhält Küng Beifall auf offener Szene, wenn er mit hohem moralischem Tremolo die palästinensischen Opfer des Nahostkonflikts beklagt, aber kein Wort des Mitgefühls für die israelischen übrig hat?" Anis: Ich bin sehr glücklich über diesen Artikel, da er zeigt, wie sich die Verteidiger der Gewaltzionisten a la Scharon lächerlich machen: "Mit etwas bösem Willen kann man in all diese Reaktionen einen geschickt verkleideten Antisemitismus hineininterpretieren." Dicht gefolgt von: "Offensichtlich ist es einfacher, den Westen für den desolaten Zustand der arabischen Welt verantwortlich zu machen, als zu sagen: Die Menschen in den arabischen Ländern werden von einem verkommenen Haufen von Despoten regiert und drangsaliert." Gesamtkommentar: Netter Versuch, aber das Teil hat sich inzwischen totgelaufen. Ich denke, der Artikel wird - allein schon aufgrund seiner Plumpheit - nicht den Effekt erzielen, der vom Autor gewünscht wird.

taz 10.03.03, "Muss ein Patriot ein Idiot sein?" Interview mit Eric Bronner (von WOLFGANG GAST)
www.taz.de/pt/2003/03/10/a0153.nf/text Beschreibung: ‚Elitären Professoren aus Cambridge fällt es leicht, zu einem Krieg aufzurufen, in dem weder ihre Söhne kämpfen noch ihre Freunde sterben werden', meint Stephen Eric Bronner. Mit den ‚US-Akademikern gegen den Krieg' bereiste er den Irak." Anis: Sehr gut.

TS 10.03.03, "Fischer als Vorbild für Verständigung geehrt. Zentralrat lobt Einsatz in Nahost"
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.03.2003/472479.asp Darin: "Ein weiterer Grund für die Ehrung sei Fischers Engagement für eine friedliche Lösung im Nahen Osten und ein gewaltfreies Zusammenleben von Israelis und Palästinensern. Fischer habe in Israel eine Position erreicht wie ‚kein anderer europäischer Politiker'. Er sei der ‚Sisyphos des Nahen Ostens'. Fischer sagte, wenn Frieden dort Idealismus sei, ‚dann bekenne ich mich hier und jetzt dazu'." Anis: Eine Pharce. Fischer bekommt die Buber-Rosenzweig-Medaille und Paul Spiegel hält die Laudatio. Die jüngsten Opfer der israelischen Armee kommen dabei nicht vor, werden von Fischer also gebilligt. Schönes Beispiel dafür, wie die Deutschen mit den Juden Frieden machen, während die Palästinenser unterdrückt und ermordet werden. Sisyphos hat sein Ziel nie erreicht, und so soll es auch Fischer halten.

TS 10.03.03, "Letzte Chance für die Vernunft. KOMMT DER KRIEG?" von Malte Lehming
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.03.2003/472890.asp Darin: "Frechheit siegt: Diesem Glauben huldigen offenbar die US-Falken. Dabei verbirgt sich hinter deren Kraftmeierei viel Unsicherheit. Von ihrer Sache haben sie die Welt nicht überzeugt. Der Widerstand gegen einen Krieg wächst. Die UN-Inspekteure vermitteln den Eindruck, erfolgreich zu sein. Andererseits haben sich die USA durch ihren Truppenaufmarsch unter Zugzwang gesetzt." Anis: Guter Kommentar.

TS 10.03.03, "Fanatismus der anderen. Der Journalist Tariq Ali wirft den USA Fundamentalismus vor" von Andreas Schworck
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.03.2003/471277.asp Darin: "Für ihn (Tariq Ali) stehen sich heute zwei große fundamentalistische Strömungen gegenüber. Einerseits der religiöse Fundamentalismus der unterentwickelten Welt, andererseits der ‚imperialistische Fundamentalismus' des Westens, allen voran der USA." Anis: Es geht um das neue Buch "Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung." (2002) Es wird hier eher negativ beurteilt, weil es nicht die Politik, sondern das Wesen der Amerikaner als fanatisch bezeichne.

TS 10.03.03, "'Der Protest der Europäer beeindruckt uns'. Marokkos Tourismusminister ADIL DOUIRI zum Irak-Konflikt" Gespräch mit Ulrike Scheffer
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.03.2003/472412.asp Darin: "Am Völkerrecht führt kein Weg vorbei. Aus Sicht der arabischen Welt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wir können nicht akzeptieren, dass Israel sehr viel milder beurteilt wird und ungestraft Resolutionen des UN-Sicherheitsrats bricht. Die Menschen bei uns haben den Eindruck, Israel darf alles, andere dürfen nichts." Anis: Dieses Statement wurde nicht weiter hinterfragt. Es wurde... hingenommen. Darf ein Deutscher so etwas auch sagen? Weiter: "Ob in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien oder Großbritannien, überall gibt es Proteste, sprechen sich 80 bis 90 Prozent der Menschen gegen einen Krieg aus. Das hat die Menschen bei uns sehr beeindruckt - und die Islamisten in vielen Ländern in Erklärungsnot gebracht. Plötzlich gibt es da nicht mehr den Westen, der der arabischen Welt feindlich gegenübersteht, so wie sie es immer dargestellt haben." Anis: Jawohl, und das ist auch der Beweis dafür, dass ein Miteinander der Kulturen möglich ist und sogar normal sein kann. Insgesamt ein lesenswertes Interview.

DIE WELT 10.03.03 , "Wem gehört die Welt?" Leitartikel von Nikolaus Blome
www.welt.de/data/2003/03/10/50230.html
Beginnt mit: "Der Krieg ist beschlossene Sache." Anis: von Bush und den Seinen. Weiter: "Krieg zur Bannung einer Gefahr in dieser Welt muss manchmal sein, ja." Anis: Nein. Am Schluss: "Die UNO mit all ihren Schwächen und Fehlern ist der einzige Ort, an dem die beiden Welten der Amerikaner und der meisten Europäer sich derzeit berühren, an dem die beiden Lager noch nach geübten Regeln miteinander reden. Es wäre das Ende dieses Ortes, käme es zu einem Krieg gegen den erklärten Willen der UNO. Dann lieber einen Krieg, ohne dass die UNO ihren Willen erklärt." Anis: Das bedeutet: lieber Krieg mit den Irakern als Zwist zwischen den USA und Europa. Ein verzweifelter Text, der sich an strohhalmige gewalttätige Werte klammert. Argumentativ ein Desaster.

DIE WELT 10.03.03 "Schwieriger Neuanfang in Nah-Ost. Das Ja Arafats " Kommentar von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/10/50232.html Anis: Zur Ernennung von Machmud Abbas. Eher positive Bewertung des Politikers, keine pro-israelische oder pro-palästinensische Tendenz. Das mag daran liegen, dass Scharon Abbas "fähig" genannt hat, siehe Jessen-Artikel unten.

DIE WELT 10.03.03 , "Hamas kündigt Attentate auf Politiker an. Palästinenser reagieren auf Tötung eines ihrer Führer durch Israels Armee. Scharon begrüßt Abbas-Ernennung." von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/10/50146.html
Darin die journalistisch nicht haltbare Wendung "Liquidierungsattentat der israelischen Armee". Zu einem Übergriff auf jüdische Siedler heißt es: "Solche Angriffe zählt Amnesty International als Kriegsverbrechen." Anis: Einseitig proisraelisch. Man merkt, wie hier ein bestimmtes pro-israelisches Weltbild gehalten werden soll, und es wirkt zwanghaft.

DIE WELT 10.03.03, "'Ich glaube nicht, dass wir angegriffen werden'. Der israelische Schriftsteller Abraham B. Jehoschua über den Krieg, Israels Warten und die amerikanische Politik." Interviewt von Igal Avidan
www.welt.de/data/2003/03/10/50112.html Darin Jehoschua: "Die Anschläge hörten nicht auf, weil die Palästinenser das wollten, sondern weil die israelische Armee sie vereitelte (seit Januar wurden nach offiziellen Angaben 36 Bombenanschläge verhindert, Anm. d. Red.)." Anis: Beides halte ich für falsch. Die Anschläge hörten nicht auf, weil Israel Palästina besetzt. Auf diese Idee kommen die gar nicht. Er sagt aber auch: "Kein Verständnis habe ich für die amerikanische Haltung, nach der als Feind gilt, wer den Befehl Washingtons nicht akzeptiert. Das gehört zu der Hysterie nach dem 11. September, die die USA aus den Gleisen hob. So geht man nicht mit Freunden und Partnern um, die eine andere Meinung vertreten." Anis: Ich nehme an, die WELT versucht hier, ihre amerikakritischen Töne durch ein solches "israelisches Gespräch" auszugleichen. Palästinenser werden jedenfalls hier eher als Objekte gesehen.

Link zu: 11.03.03, PALÄSTINENSISCHER NOTSTANDSAPPELL


DLF 08.03.03
Kommentar S.Y.: Der Deutschlandfunk scheint eine Wendung gemacht zu haben. Hat er vor ein paar Tagen in den Abendberichten die USA noch in fast jedem Beitrag kritisch mit einbezogen, so habe ich heute einen Kommentar des USA-Korrespondenten Siegfried Buschlüter gehört, der die Ursachen dafür, dass der Irak seiner Meinung nach nicht abrüsten wird, in den Kriegsgegnern sieht und insgesamt für den neuen Vorstoß von Großbritannien und USA spricht. Die Kriegsgründe werden dabei nicht hinterfragt, auch nicht die Gefahren, die tatsächlich vom Irak ausgehen. (Im Gegensatz dazu noch vor ein paar Tagen ein Bericht über Guinea, in dem deutlich wurde, dass der dortige Diktator Hussein in nichts nachsteht, mit dem Unterschied, dass er von den USA (noch) unterstützt wird.) Ansonsten ist der DLF, soweit ich es im Moment verfolgen kann, seltsam. Einiges, woran man erkennt, dass die Leute sich nicht so sicher sind und dann eben vermehrt Pro-Kriegerisches von sich geben. Leider ist der Kommentar nicht im Netz. Dafür folgend ein anderer: (www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-kommentar/564.html, Link nicht mehr aktiv 2006): Ansatz der USA in der Auseinandersetzung mit dem Irak richtig
(Ein Thema der Woche von Günter Müchler)

dpa /web.de 08.03.03 "Israel liquidiert Hamas-Führer mit Raketen."
Kommentar Ernst Herbst: Der Vorgang: Sharons Armee lässt Palästinenser in Gaza-Stadt ermorden. Ein Kommando der israelische Besatzungsarmee ermordete aus einem Hubschrauber am Samstagmorgen in der Stadt Gaza vier Palästinenser und verletzte mindestens vier weitere. Unter den heimtückisch Getöteten, deren Körper durch die explodierenden Raketen grausam zerfetzt wurden, war Ibrahim Makadma (48), ein führendes Mitglied der Hamas. Die Meldung bei dpa und web.de: Web-de bringt die Nachricht auf der Seite "Nahost" (portale.web.de/Schlagzeilen/Nahost) in den ersten beiden Meldungen unter der Überschrift "Israel tötet ...", danach titelt sie (welcher Zensor erhob Einspruch?): "Israel liquidiert Hamas-Führer mit Raketen. Gaza (dpa) - Die israelische Armee hat am Samstagmorgen in der Stadt Gaza ein führendes Mitglied der radikalen Hamas-Organisationen liquidiert. Mit ihm wurden bei einem Hubschrauberangriff drei Palästinenser getötet und mindestens vier weitere verletzt. ..." dpa-Meldung vom 08.03.2003 10:30 Uhr. Menschen werden ohne Anklage, Verfahren und Urteil von Offizieren und Soldaten der israelischen Armee aus niedrigen Beweggründen (Sold und Karriere) getötet, heimtückisch und grausam, mit gemeingefährlichen Mitteln (Kampfhubschraubern und Raketen) und um andere Straftaten (die völkerrechtswidrige Besiedlung und Besatzung palästinensischen Gebietes) zu ermöglichen - sie morden. In der zynischen Sprache der Mörder heißt das: LIQUIDIEREN, wie man auch die Tilgung alltäglicher Schulden Liquidation nennen kann. Die Menschen sollen sich an das alltägliche staatliche Morden gewöhnen - die Medien tragen mit der Sprache der Mörder dazu bei.

FR 08.03.03, "Zweierlei Krieg. Bushs fatale Wendung: Staaten sind keine Terroristen." von Benjamin Barber, Uni Maryland
Darin: "Die Schlussfolgerung ist einfach: Der Krieg gegen Irak und der Krieg gegen Terrorismus sind nicht derselbe Krieg. Der Erste kann gewonnen werden, er wird aber nicht die Terroristen besiegen. Der Zweite ist schwieriger zu gewinnen, aber es ist derjenige, den zu führen Präsident Bush uns versprochen hat. Es ist an der Zeit, dass er erkennt, dass eine Invasion in Irak ein wahrhaft schwer wiegender Bruch dieses Versprechens ist - und nur dazu führt, dass Amerika nicht etwa sicherer, sondern weniger sicher wird." Anis: Empfehlenswert.

FR 08.03.03, "Abu Mazen möchte keine Marionette Arafats sein. Der Fatah-Mann wird vom Palästinenser-Präsidenten für das Amt des Premiers nominiert - und stellt Bedingungen" von Inge Günther

FR 08.03.03, "Israels Armee besetzt nördlichen Gaza-Streifen" (dpa/ap/rtr).

FR 08.03.03, "Grenzen für einen Kompromiss ", Irak-Kommentar von Rolf Paasch
Darin am Schluss: "Jede Kompromissbereitschaft muss ihre Grenze im Eintreten für die UN-Charta finden. Wenn nötig auch gegen die Vereinigten Staaten. Denn nur eines würde der Weltorganisation noch größeren Schaden zufügen, als ein einseitiger Bruch des Völkerrechts durch die USA: ein von Washington erpresster Präzedenzfall für einen multilateralen Verrat des Sicherheitsrats am Selbstverständnis der Vereinten Nationen." Anis: Sehr wichtiger Kommentar

KN 08.03.03 S.2, "In der Sackgasse. Bush und die Irak-Krise." Kommentar von Eckhard Plambeck
Nachdem erklärt wird, dass es keinen legitimen Grund für einen Krieg gibt, heißt es: "Seit Wochen ist jedem klar, dass es diesen Krieg geben wird." Anis: Jedem wohl nicht. Auf S. 3 z.B. steht, dass Joschka Fischer "echte Alternativen zum Krieg" sieht. Weiter: "Bush hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert." Anis: Mit diesem Satz wird eine Sackgasse zementiert. Welchen Sinn hat das? Der Artikel endet resignierend mit: "Die Frage, wer einen amerikanischen Präsidenten daran hindern kann, dort Krieg zu führen, wo er will, stellt sich nicht mehr. Es gibt niemanden. Das ist eine Tatsache, mit der die so genannte freie demokratische westliche Welt künftig leben muss." Anis: Die KN sind in einem Dilemma. Auf den Seiten 1, 2 und 3 haben sie sich heute stark mit Herrn Bush identifiziert, indem sie seine Absichten zu Überschriften verarbeitet haben (Markus Günther). Ein mir unbekannter Politologe wird auf die Seite 2 gerufen, um programmatisch festzustellen, dass der Krieg "nicht zu verhindern" sei. Ohne das hier widerlegen zu können, kann ich doch konstatieren, dass die KN an die Unvermeidbarkeit dieses Krieges und weiterer möglicher Kriege fest glauben. Das heißt aber nicht, dass sie es so wollen. Sie schreiben selbst, dass es "eigentlich" (Plambeck) nicht okay ist, und sie schreiben "Legitimation" in Anführungszeichen. Herr Günther erwähnt auf der 2, dass Bush Saddam als "Krebsgeschwür" bezeichnet (vordemokratisches Vokabular), und es gibt noch mehr Hinweise darauf, dass auch die Kieler Nachrichten mit dem starken starrsinnigen Mann nicht glücklich sind. Ein Dilemma eben. Die Solidarität der KN ist strapaziert. In meiner Einschätzung sind die KN selbst gerade dabei, sich unnötig in eine Sackgasse zu bringen, indem sie sich zu sehr zum (unzulänglich versteckten) Sprachrohr des Herrn über Krieg und Frieden machen und ihm dadurch eine Aufmerksamkeit innerhalb ihrer Leserschaft zuteil werden lassen, die die self-fulfilling prophecy der Angst begünstigt. An eventuellen späteren Schuldsituationen sind die entsprechenden Medien ja mitbeteiligt, daher ist es wichtig, dass sie genau sehen, was sie tun. Die Kieler Nachrichten sind keine schlechte Zeitung. Es ist die Schwermut, die ihnen manchmal im Weg steht. So gibt es derzeit eine Serie über deutsche Kanzler (heute Kiesinger, S.5). Die einzelnen Folgen werden eingeleitet mit: "Welche Krisen hatten sie zu bewältigen? Und woran scheiterten sie am Ende?" Hier liegt der Knackpunkt auch für die Einstellung gegenüber den USA: Am Ende steht für die KN routinemäßig das Scheitern. Auch Bush kann also in den KN nur scheitern und er wird bereits in eine Sackgasse geführt.

ND 08.03.03, "Zwischen Patriarchat und Besatzung. Ein feministisches Projekt im arabischen Jerusalem stößt auf vielerlei Widerstände." Von Nermin Sharkawi
Darin: "War es (...) legitim - so stellte sich die Frage besonders in den sechziger bis neunziger Jahren - im Schatten der Okkupation die Rechte der Frauen einzufordern und dabei den Konflikt mit den eigenen Gesellschaftsgruppen und Familien zu riskieren?" Anis: Frau Sharkawi berichtet hier über das Women's Center for Legal Aid and Counselling in Jerusalem, das vier Büros in der Westbank hat. Sie endet mit: "Solange die Palästinenserinnen unter der Besatzung leben müssen, wird ihrer gesellschaftlichen und politischen Diskriminierung weiterhin der Boden bereitet." Empfehlenswerter Artikel. Die Autorin ist auch Redakteurin der Webpage
www.arabischemedien.de

taz 08.03.03, S. 21, "Deutsche Journalisten-Union lehnt Irakkrieg ab" dpa
Darin: "Die zu Ver.di gehörende Deutsche Journalisten-Union (dju) hat angesichts der Irakkrise alle Medienschaffenden zur strikten Beachtung der handwerklichen Regeln bei der Berichterstattung aufgefordert. Dazu gehörten die Pflicht zur Wahrhaftigkeit, die professionell gebotene Distanz zu den Konfliktparteien und die Transparenz der Quellen, heißt es in einer Resolution der dju-Bundeskonferenz. Darin lehnt die dju einen Krieg gegen den Irak nachdrücklich ab." Anis: Gut so.

taz 08.03.03, S. 16, "Ein gemäßigter Pragmatiker. Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas alias Abu Masen soll jetzt palästinensischer Premierminister werden." Portrait, von Susanne Knaul
www.taz.de/pt/2003/03/08/a0187.nf/text

taz 08.03.03, S. 14, "Europa-Fahnen für den Kriegsfall" von Karim el-Gawhary
www.taz.de/pt/2003/03/08/a0107.nf/text Beschreibung: "Früher arbeitete die Irakerin Umm Dany als Fremdsprachensekretärin, besaß ein Eigenheim und ein Auto. Heute hält sie sich als Näherin über Wasser und weiß nicht, wie sie sich und ihre Kinder ernähren soll. Die Geschichte eines irakischen Absturzes." Anis: Gut.

taz 08.03.03, S. 14, "Die Heiligen Drei Könige und das Morgenland. Die osteuropäischen Intellektuellen Václav Havel, Adam Michnik und György Konrád haben sich für einen Krieg gegen den Irak ausgesprochen." von Christian Semler
www.taz.de/pt/2003/03/08/a0195.nf/text Anis: Guter Artikel. Die Argumente Havels werden benannt, analysiert und im wesentlichen abgelehnt.

TS 08.03.03, "Der Rat ist unsicher", Kommentar von Malte Lehming
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/08.03.2003/470046.asp Beschreibung: "Anscheinend unversöhnlich sitzen sie sich im Weltsicherheitsrat gegenüber: die Befürworter eines Militärschlags gegen den Irak und die Gegner der Gewalt. Aber ohne Kompromiss droht nicht nur Krieg - auch das Völkerrecht kann an Bedeutung verlieren. Und damit die Organisation der Vereinten Nationen." Anis: Der Artikel ist für den Krieg, aber er findet keine Argumente, nur Ängste. Andere Kommentare heute im TS sind gegen den Krieg.

TS 08.03.03, "Arafat-Kritiker fordert freie Wahlen. Barghouti glaubt nicht an Reformen der Autonomiebehörde und wirbt um internationale Unterstützung für einen Neuanfang", von Martin Gehlen
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/08.03.2003/469969.asp Anis: Guter Artikel, siehe auch ND von gestern

TS 08.03.03, "Erst Saddam, dann Arafat, dann Frieden? Das israelische Militär überschätzt die Wirkung eines Irak-Krieges auf den Nahostkonflikt", von Clemens Wergin
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/08.03.2003/470119.asp Endet mit: "Die israelische Theorie vom großen Wurf wird wohl ein Traum bleiben. Die Terror-Organisationen mögen langfristig durch ein amerikanisches Engagement im Irak geschwächt werden. Ihren Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung werden sie aber nur dann verlieren, wenn Israel ein glaubwürdiges Angebot macht. Auch ein Irak-Krieg würde Ariel Scharon also nicht aus der Pflicht entlassen, neben militärischer Härte auch politischen Mut zu beweisen." Anis: Ganz guter Artikel, er ist zwar wie fast immer aus israelischer Sicht, aber auch hier, wie in der WELT heute, wird die überraschende These aufgestellt, dass Gewalt (allein) nicht zur Lösung der (israelischen) Probleme führt.

DIE WELT 08.03.03, "Weiteres Blutvergießen in Nahost", dpa
www.welt.de/data/2003/03/07/49749.html Beginnt mit: "Das Blutvergießen im Nahen Osten nimmt kein Ende. Nach dem Selbstmordanschlag vom Mittwoch in Haifa überfielen palästinensische Extremisten am Freitagabend die jüdische Siedlung Kiriat Arba bei Hebron im Westjordanland, töteten drei jüdische Siedler und verletzten sechs weitere zum Teil schwer." Anis: Beginnt einseitig, bleibt auch parteiisch, erwähnt aber am Schluss auch viele palästinensische Ziviltote.

DIE WELT 08.03.03, "Israels Armee besetzt Teil des Gazastreifens. In Tel Aviv wächst die Kritik an den Methoden, die Raketenangriffe der Palästinenser verhindern sollen" von Norbert Jessen
www.welt.de/data/2003/03/08/49512.html Anis: Israel-zentristischer Artikel, in dem die überraschende These aufgestellt wird, dass wüste israelische Militärschläge den Terrorismus nicht stoppen. So weit waren die Israelis früher schon einmal. Aber sie reden und reden und schießen dabei weiter.

DIE WELT 08.03.03, "Licht im Dunkel des Terrors" Kommentar von Sophie Mühlmann
www.welt.de/data/2003/03/08/49600.html Über Bin Laden und al-Qaida. Darin am Schluss: "Die Jagd geht weiter. Und wenn sie wirklich zum Ziel führt, werden alle Motive der USA in ganz neuem Glanz erstrahlen - auch im Irak." Anis: Ja, und die Menschen werden jauchzen und frohlocken. Alle Motive der USA werden uns heilig sein und uns den rechten Weg weisen, oh Sophie Mühlmann.

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