home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   palestine   my journalism   medienschau
Datenbank zum Diskurs Palästina/Israel/Deutschland/Arabische Welt/Islam. Seit 2001 - Database on the discourse Palestine/Israel/Germany/Arab World/Islam. Since 2001
01-02/2003
Weiter 03/2003

FR 28.02.03, Kommentar S.3: "Die Kluft in der westlichen Welt" von Richard Meng
Darin: "Bis in hohe und höchste Staatsämter hinein wird in Berlin jetzt die tiefe Aversion gegen das quasireligiöse Sendungsbewusstsein der Bush-Administration erkennbar. Auf ungläubiges Kopfschütteln stoßen unkritische Kriegsbereitschaft und Desinformation in den US-Medien. Dass ausgerechnet dort, wo prinzipiell Vielfalt zu Hause schien, nun eine derart formierte Gesellschaft entsteht, stößt auch Leute ab, die sich bisher wenigstens kulturell amerikanisch geprägt sahen." Anis: Quasireligiös in der Politik, Desinformation, das sind Bestandteile, die auch der Nationalsozialismus hatte, und deshalb weist die Presse auch darauf hin. Leider hat die deutsche Gesellschaft in ihrem schablonenhaften Kampf gegen den Rechtsextremismus vergessen, aus welchen Faktoren er eigentlich besteht. Wenn sie ihn also nur pauschal mit bestimmten Gruppen in Verbindung bringt, wird sie blind gegenüber den USA (und anderen Staaten), sollten die die Kriterien auch erfüllen.

FR 28.02.03, Kommentar S.3, "Gefährliche Dominotheorie" von Dietmar Ostermann
www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/die_seite_3/?cnt=152909 Darin: "Bislang haben noch alle Regierungen in Washington die autokratischen Regime Arabiens benutzt, gestärkt und beschützt, wenn das im US-Interesse lag. Das war vor allem durch den Wunsch nach einer stabilen Versorgung mit Öl gekennzeichnet. Als glaubwürdiger Anwalt für Demokratie traten die USA in der arabischen Welt hingegen nicht in Erscheinung." Anis: Siehe unten taz, Musharbash. Die Motive der USA sind nicht legitim.

FR 28.02.03, "Israels Premier Scharon gesteht seinem Konkurrenten erweiterte Kompetenzen zu" von Inge Günther
Darin: "In den vergangen zwei Jahren habe das israelische Volk die Bedeutung der Selbstverteidigung neu gelernt, sagte Scharon weiter. Es gehe darum, zu überleben, zu kämpfen und durchzuhalten." Anis: Sie wollen kämpfen. In den vergangenen zwei Jahren hat Scharon eine Gewalttat nach der nächsten begangen. Und: "Benjamin Netanyahu, der im Likud politisch rechts von Scharon steht." Frage Anis: Was bedeutet das? Ist er ein Nazi? Oder was? Was bedeutet "rechts von Scharon"? Und: "die Nationalreligiösen sowie die Nationale Union (...), die teils offen einen palästinensischen Bevölkerungstransfer propagieren." Anis: Da war es wieder, Transfer. Auch ethnische Säuberung genannt. Bezeichnet die Vertreibung eines Volkes.

KN 28.02.03, S2. Kommentar zu Bushs Nachkriegsordnung "Beim Wort nehmen" von Klaus Kramer
Darin: "Bushs Visionen bleiben leider vage. Dem Präsidenten schwebt offenbar eine vorübergehende Militärregierung wie in Deutschland nach dem Weltkrieg vor." Herr Kramer spricht hier ein wichtiges Thema an. Bei dieser Vision schwingt nämlich mit, dass die Arabische Welt ähnlich dem nationalsozialistischen Regime sei, das damals von den Alliierten gestürzt wurde. Diese Assoziation ist insbesondere unter Berücksichtigung des omnipräsenten Antisemitismusvorwurfs an die Araber infam, denn die Araber und Muslime haben weder Danzig angegriffen, noch den Holocaust begangen. Bush lenkt mit solchen Assoziationen von sich selbst ab. Bush verspricht, Verantwortung für den Nahen Osten zu übernehmen NACH DEM KRIEG, und Herr Klaus Kramer kommentiert das so: "An diesem Versprechen sollte man ihn messen." Das bedeutet, dass die Kieler Nachrichten sich seit ungefähr heute Bushs Kurs weit angenähert haben. Kein "Nein zum Krieg!" mehr von dieser Seite, vielmehr ein "Also gut". In der deutschen Geschichte hat es übrigens einmal jemanden gegeben, der einen Endsieg NACH DEM KRIEG versprochen hat. Mir ist der Name entfallen. Damals hatten die Leute auch gesagt: "An diesem Versprechen sollte man ihn messen." - Teile dieses Eintrags wurden als Leserbrief in den KN am 07.03.03 auf S. 23 gedruckt.

taz 28.02.03, Seite 12, Kommentar: "Ein historischer Fehler" von Michael Lerner
www.taz.de/pt/2003/02/28/a0142.nf/text Anis: Die Behauptung Lerners, eines US-Juden, ist, dass der Antisemitismus die US-Friedensbewegung unglaubwürdig macht. Die Gruppe "Answer" (Act now to stop war & end racism) sei antisemitisch und habe sich durchgesetzt, sagt er: "Wesentliche Teile der Gruppe unterstützten bedingungslos die palästinensischen ‚Freiheitskämpfer', die Israel am liebsten aus der Welt bomben wollen." Und: "Es ist empörend und anstößig, wenn Juden, die gegen einen ungerechten Krieg demonstrieren wollen, mit Slogans und Reden konfrontiert werden, die nicht nur Israels Politik ablehnen, sondern sogar den Terror und die Gewalt palästinensischer Gruppen gutheißen." Genauer wird Lerner an keiner Stelle des langen Essays. Was für Slogans? Was für Reden? Inwiefern Terror gutheißen? All dies bleibt jenseits der Nachprüfbarkeit. Lerner schreibt, er sei selbst früher Antisemit genannt worden, weil er Israel "scharf" kritisiert habe: "Aufgrund dieser Erfahrung bin ich mit dem Begriff Antisemitismus sehr vorsichtig." Die ganze Geschichte läuft hinaus auf die alte, Scharon-relativierende Leier: "Es ist allerdings eines, wenn man Ariel Scharons repressive Maßnahmen gegenüber dem palästinensischen Volk verurteilt. Etwas anderes ist es, wenn man dem Staat Israel das Existenzrecht abspricht. Und genau das machen Teile von Answer, und mit ihnen Teile der amerikanischen Friedensbewegung." Da wird Scharons Gewalt-Politik mit "Teilen von Answer" auf eine Stufe gestellt, wie grenzenlos lächerlich! Weiter: "Kritik am Zionismus kann legitim sein, und unter bestimmten Umständen ist sie auch nicht antisemitisch" Und wie genau? Das ist diffus und vage. Er schreibt, wie man vorsichtig sagen darf, dass Israel Mist baut, wenn man es in eine Aufzählung mit einem halben Dutzend anderer Staaten nennt: "Wenn man jedoch Israel herausgreift und all die anderen beiseite lässt, erweckt man den Eindruck, es gehe nur gegen Israels Politik - und das betrachte ich als antisemitisch." So ein Quatsch! Dann schreibt er: "Wer behauptet, dass Amerikas Politik nur davon bestimmt sei, was Israel wolle, beginnt antisemitisch zu argumentieren." Okay. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Ich glaube, wo manche Leute Kreuzworträtsel lösen, beschäftigen sich andere mit Antisemitismusdefinitionen und der Suche nach Beispielen. Weiter: "Es ist doch ganz einfach: Wenn ich mein eigenes Kind besonders scharf tadele, heißt das nicht, dass ich es hasse.(...) Wenn jemand allerdings das Kind eines anderen herausgreift und dessen Verhalten immer wieder missbilligt, und wenn er bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Gespräch auf dieses böse Kind bringt, obwohl es sich nicht anders verhält als jedes andere Kind in der Nachbarschaft auch - dann entsteht doch der Eindruck, dass es nicht nur um berechtigte Kritik geht. Die Äußerungen sind also Ausdruck eines ausgesuchten Hasses, der zeigt: Man will dieses Kind einfach nicht akzeptieren." Soll heißen: Israel ist nicht schlimmer als andere Kinder. Und wir sollen es Israel auch sagen. Dass es ganz normal ist. Sonst schießt Israel wieder ein paar Palästinenser tot. Dann kommen wieder die Antisemiten usw. Man sieht hier, wie viel die Deutschen versäumt haben in der langen Nachkriegsgeschichte. Sie hätten viel intensiver mit den Juden reden müssen, damit die nicht ständig an sich zweifeln und Gewalt verüben, vielleicht um von Deutschland Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber die Deutschen sind stur, die reden nicht über Schuld. In seiner Selbsteinschätzung geht Herr Lerner einen "progressiven mittleren Weg, der proisraelisch und propalästinensisch ist." Daher hat er eine Organisation Tikkun gegründet, deren Grundsätze (Ende der Besatzung, Gründung Palästinas, Flüchtlingsentschädigung) gut klingen, die aber, wie oben argumentiert, nicht am Antisemitismusvorwurf vorbeikommen und daher eine Träumerei sind. Ein Hauptproblem des Krieges in Nahost ist, dass die Öffentlichkeiten z.B. in Deutschland von den Medien, z.B. der taz, einen solchen romantisierenden Müll vorgesetzt bekommen. Die taz merkt nicht einmal, dass Lerner am Schluss mit abstrusen antisemitischen Verschwörungstheorien kommt: "Unglücklicherweise ist es ja oft genug so gewesen, dass ausgerechnet Linke jüdischer Herkunft antisemitische Ideale artikuliert haben. Meist kämpften sie verzweifelt um Anerkennung und wollten so ihre wirklich ‚universalistische' Haltung beweisen. Es waren diese antisemitischen Juden, deretwegen man dem Antisemitismus in der deutschen Arbeiterbewegung der 20er-Jahre nicht den Kampf angesagt hatte. Und genau deshalb wandten sich viele nicht rechtzeitig und energisch genug gegen den antisemitischen Rassismus der Nationalsozialisten." Anis: Bei Lerner haben also am Ende die Juden an allem Schuld! 241 Zeilen hat der Typ gekriegt! - Ergänzung IS: Michael Lerner ist Rabbiner und Herausgeber der Zeitschrift Tikkun. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der Jewish Renewal Bewegung

taz 28.02.03, "Krieg bringt Palästina keinen Frieden" von Yassin Musharbash
www.taz.de/pt/2003/02/28/a0143.nf/text Darin: "Den Nahostkonflikt aber in dieser Weise auf ein palästinensisches Terror- und Demokratieproblem zu reduzieren und dabei die israelische Besatzung auszusparen, wird in der Region vor allem als weiterer Beweis der Unausgewogenheit der US-Außenpolitik aufgefasst. Dazu kommt, dass die Palästinenser bereits eine der demokratischsten Regierungen des Nahen Ostens haben. Um eine neue zu wählen und den Einfluss des Parlaments zu stärken, brauchen sie vor allem einen israelischen Truppenabzug. Wer in Bagdad regiert, ist nebensächlich." Ähnliche Stimmen finden sich heute fast durchgängig in der liberalen Presse.

DIE WELT 28.02.03, "Scharon lässt sich erst nach dem Krieg bewerten" von Avi Primor
www.welt.de/data/2003/02/28/46312.html Darin: "Aus den amerikanischen Plänen ist so gut wie nichts geworden. Terror und Terrorbekämpfung sind weiter eskaliert." Anis: Auch Herr Primor hält die Regeln ein: erst (palästinensischer) Terror, dann Terrorbekämpfung. Das ist keine Rhetorik, vielmehr glauben solche Autoren wohl wirklich, dass das Böse von den anderen kommt, und dass nur in der Reaktion der Israelis ebenfalls ein bisschen Böses sein könnte. Weiter: "Mehrmals sprach er (Scharon) von einem Plan für die Palästinenser. Demnach sollten sie einen zerstückelten Staat mit beschränkter Souveränität aus etwa 40 Prozent der palästinensischen Gebiete gründen dürfen. Siedlungen aber sollten nicht geräumt werden. Es kann sogar möglich sein, dass einige Siedlungen noch ausgebaut werden." So sind also die Pläne. Zwischendurch dementieren einige, dann werden ein paar Tauben sprechen, doch faktisch gemacht wurde in Israel in den letzten Jahren nur, was die Partei wollte, die am Gewalttätigsten war. Am Schluss des Artikels noch ein befremdliches Zitat Avi Primors über die Schinui-Partei: "Sie wird sich mit Zugeständnissen in Sachen Menschenrechte und Gleichberechtigung in Israel selbst abfinden."


KN 27.02.03, S.3, Interview mit Botschafter Shimon Stein: "Der Frieden spaltet, der Krieg eint". (Interviewer Olaf Albrecht)
Darin: "Die Israelis haben das Vertrauen (in Europa) verloren. Verantwortlich dafür ist die unausgewogene Politik der EU. Manche Europäer haben immer noch ein großes Problem, den Terror beim Namen zu nennen. Es besteht keine moralische Differenzierung zwischen den Maßnahmen, die wir treffen, und dem Terror gegen Zivilisten. Wir sind 50 Prozent des Problems, aber auch 50 Prozent der Lösung." Anis: Stein hat völlig Recht! Vielleicht ist er der Stein der Weisen? Europäer, nennt den Terror beim Namen! Differenziert moralisch den Terror gegen Zivilisten! Jawohl, Israel ist mindestens 50 Prozent des Problems! Dann über Palästina: "Aber bis zu einem Staat kann es noch Jahre dauern. Der Frieden spaltet, Krieg eint. Arafat scheut genau diese innerpalästinensische Auseinandersetzung. Für den Frieden muss man auch kämpfen. Das tut er nicht." Anis: 1. Ich dachte, Nobelpreisträger Arafat sei schon lange kein Thema mehr für die Israelis. Warum dann diese Fehleranalyse? 2. Welcher Israeli - außer Shimon Stein natürlich - kämpft für den Frieden? Mir ist nämlich nicht bekannt, dass das offizielle Israel Gespräche mit irgendwelchen Palästinensern führt, sie nörgeln immer nur an Arafat herum. 3. Was ist mit "Frieden spaltet, Krieg eint"? Ich habe ca. 30 Minuten überlegt, ob ich diesen Slogan in den Zusammenhang des Textes bringen kann, aber es ist schwierig. Vielleicht ist es nur so ein Bonmot zwischendurch. Auch die KN hat das irritiert und sie haben den Satz daher (assoziativ?) als Titel gebracht. Es hinterlässt den Eindruck, Stein sei prinzipiell ein Kriegsbefürworter. Schließlich zur Rolle der UNO sagte Stein, dass der Irak die UN-Resolutionen voll erfüllen muss, für den eigenen Konflikt hingegen meint er: "Die Uno hat schon in anderen Konflikten versagt. Sie wird uns nicht helfen können."

DIE ZEIT 27.02.03, Nr.10, S.1, Leitartikel "Der Showdown" von Josef Joffe
http://www.zeit.de/2003/10/01_leit_2 Beginnt mit: "Der mächtigste Mann im Westen heißt Saddam Hussein. Seinetwegen spalten drei tiefe, vielleicht tödliche Risse jenen Teil der Welt, der sich einst als ‚Gemeinschaft' verstand." Anis: Zuviel der Ehre für Saddam! Herr Joffe, der mit diesem Gedanken den Artikel auch wieder beendet, hängt Saddam Dinge an, die nicht in seinem Entscheidungsraum geschehen. Joffe gibt sogar Schröder und Chirac indirekt die Schuld für die harte Haltung Washingtons: "Vielleicht ist es die tektonische Verschiebung der globalen Machtgewichte, die das Duo Chirac/ Schröder dazu treibt, das ‚Imperium' auf jeden Fall stoppen zu können. Vielleicht ist es das berauschende Kraftgefühl, das die einsame, von ihren Ketten befreite Supermacht dazu verführt, in ihrem Feldzug gegen Saddam Comment und Handwerk der Diplomatie zu vernachlässigen - und Koalitionen zu schmieden, denen die Legitimität fehlt." Joffe weiß, dass der Krieg moralisch nicht zu rechtfertigen ist, und doch begnügt er sich damit, den Irak (und indirekt Europa) zu kritisieren: "Dieser Krieg mag zum Schluss tatsächlich das letzte Mittel sein, aber es fehlt ihm das notwendige Quantum an Legitimität." Weiter: "Haben Chirac und Schröder die Konsequenzen bedacht, wenn Saddam den UN zum 17. Mal ihre Machtlosigkeit bescheinigt?" Hier liegt wohl der Grund für Herrn Joffes Attacken auf Saddam, denn wenn es ein Land gibt, das der UN ihre Machtlosigkeit bescheinigt, dann natürlich Israel, wer würde das bestreiten? Das weiß Herr Joffe nur zu gut, doch erwähnt er es nicht. Stattdessen nennt er arabische Politik "pathologisch" und den Nahen Osten einen "globalen Infektionsherd", eine Metaphorik, die auf ein unausgewogenes Innenleben des Autors verweist. Fazit: Josef Joffe hat hier etwas konstruiert, das den Kriegsbefürwortern (schlechte) Argumente gibt. Ein überflüssiger Artikel, der kaum zum Ruhm der ZEIT beitragen wird.

DIE ZEIT 27.02.03 Nr.10, S.3, "Zwischen Panzern und Tugendterror. Demütigung im Alltag, Gewalt und Korruption: Die Palästinenser leiden an den Israelis, an ihrer Führung - und an sich selbst" von Martin Klingst (Mitarbeit: Gisela Dachs)
Langer Artikel, der die Sicht der Palästinenser zeigen soll. Palästinenser kommen zu Wort, können sich beschweren, und ihr Leid wird gezeigt. Dabei wird darauf geachtet, dass die wesentliche Schuld am Konflikt eher den Palästinensern zufällt. Daher wird auch das nette Gesicht des offiziellen Israels gezeigt, wenn etwa von einer Abgeordneten gesagt wird: "Die Israelis werden Schawa und ihrer Familie nichts tun. Im Gegenteil, mit Palästinensern wie ihr würden sie liebend gern am Verhandlungstisch sitzen, wenn sie in Gaza und anderswo nur mehr zu sagen hätten." So etwas kann man schreiben, aber sehr glaubwürdig klingt es angesichts Israels verhandlungsabgewandten Politik sicher nicht. Die Palästinenser fühlten sich gedemütigt und unterlegen, heißt es weiter im Artikel. Dann kommt der Schwenk auf die Gewalt der Palästinenser, langsam eingeleitet: "Es geht dabei (...) nicht um die Anschläge von Dschihad- und Hamas-Terroristen auf israelische Soldaten und Zivilisten, nicht um die massive Gegenwehr der Armee, die Hubschrauber- und Panzerangriffe auf vermutete Waffenschmieden und Häuser von Attentätern, bei denen jedes Mal auch Unbeteiligte mit in den Tod gerissen werden." Wie heißt die Regel? Zuerst begehen palästinensische Gruppen Gewalt, erst dann kommt es zur "Gegenwehr". Es dauert nicht lange im Artikel, bis klarer wird, dass eigentlich die Palästinenser Schuld haben: "Wer den Palästinensern zuhört, erfährt auch andere bedrückende Geschichten, die nicht von den Israelis handeln, sondern von Willkür und Unterdrückung durch eigene Leute." Dies ist der Topos: Zwar sind die Israelis nicht ganz ohne Schuld, aber die Palästinenser genauso. Es ist unbestritten, dass die Palästinenser Menschen wie alle anderen sind, aber die Initiativgewalt Israels lässt sich mit diesem Argument nicht aus der Welt schaffen. Sie lässt sich nur kosmetisch aufbereiten. Fakt bleibt, dass Israel die kontrollierende Partei ist, die also die weitaus größere Verantwortung trägt als die Palästinenser, die keinen Raum bekommen, um sich als Staat oder selbst als Nation zu formieren. Folgerichtig steuert der Artikel auf die Hamas und den Dschihad zu: "Fast jeder Zweite in Gaza, heißt es, soll heute mit Hamas sympathisieren." Aha! Im am dichtesten besiedelten und von Israel immer wieder mit Panzern betretenen Gebiet der Erde, einem Hungerloch der Welt, sympathisieren die Leute mit der islamischen Hamas (, die zeitweilig auch von Israel unterstützt wurde oder wird). Einen Fatah-Pressesprecher ließ man noch sagen: "Vielleicht haben wir den Israelis zu viel Gewalt zugemutet", und das Argument kulminiert in der Frage: "Kann es auf dieser Grundlage jemals eine Einigung mit Israel geben?" Anis: Die drei Zwischenüberschriften des Artikels lauten: "Ein Gefühl der Niederlage macht sich breit", "Das eiserne Regiment der Islamisten" und "Vielleicht haben wir den Israelis zu viel Gewalt zugemutet", was man als tendenziös bezeichnen kann. Nun, es mag sein, dass sich in bestimmten Kreisen der Palästinenser ein Gefühl der Niederlage breit macht, aber bei vielen auch nicht. Ganz im Gegenteil. Das könnte Euch wohl so passen von der ZEIT-Redaktion :-)


NZZ 26.02.03, Ressort Inland, S. 16, "Wachsender Antisemitismus in der Schweiz? Ein Imageproblem des Staates Israel." von Wolfgang Marx, Uni Zürich
http://archiv.nzz.ch/books/nzztag/0/$8OIOX$T.html Darin: "So leicht es einmal war, mit David zu sympathisieren, so schwer fällt es heute vielen, nun Goliath zu unterstützen, vor allem, wenn er so auftritt wie die israelische Armee in den Palästinensergebieten: schwer gepanzert, schwer bewaffnet und übermächtig." Und am Schluss: "Eine solche Inflation von Antisemitismusvorwürfen ist jedoch problematisch, nicht nur, weil sie sachlich nicht gerechtfertigt ist, sondern auch, weil sie eben deshalb entsprechend heftige Reaktionen auslöst." Gesamtkommentar Shraga Elam: Der Beitrag ist mässig genung, dass er gerade noch in die Neue Zürcher Zeitung mag. Die Aussage, dass die Antisemitismus-Keule geschwungen wird, um die Kritik gegen Israel mundtot zu machen, lässt sich deutlich erkennen.


taz 25.02.03, "Mein lieber Onkel Donald. Eine Polemik" von Joseph von Westphalen
www.taz.de/pt/2003/02/25/a0114.nf/text Anis: Sehr guter Essay, aber was soll daran polemisch sein?


KN 24.02.03, Frontseite, Kleine Überschrift: "Türke gesteht Telgter Dreifachmord, Seite 24"
Anis: Gut, dass es kein Elvis-Fan war, sonst hätten die getitelt: "Elvis-Fan gesteht Telgter Dreifachmord" und es wäre wieder mal gegen die Elvis-Fans gegangen.

SZ 24.02.03, Leitartikel "Krieg als letztes Mittel?" von Heribert Prantl.
Darin: "Die ‚Ultima-Ratio'-Formel ist eine hohle Formel: Man tut, was man ohnehin tun wollte, und sagt, um das zu bemänteln, es sei Ultima Ratio: Hier führ' ich Krieg, ich kann nicht anders." Und Schlussteil: "Die US-Kriegspolitik ist ein Rückfall hinter die Aufklärung. Dafür freilich ist diese US-Position nicht mehr so heuchlerisch, wie es die Ultima-Ratio-Lehre oft war, sondern von brutaler Offenheit. Sie sagt: Wir führen Krieg, wenn, wann und gegen wen es uns passt. So deutlich haben sich das Ludwig XIV. und Friedrich der Große nicht zu sagen getraut." Anis: Herrn Prantl hatte ich negativ in Erinnerung (Möllemann, Paulinchen mit dem Feuer, Struwwelpeter), dieser Artikel jedoch ist ausgezeichnet.

SZ 24.02.03, "Regierungsbildung in Israel. Scharon holt National-Religiöse ins Kabinett." von Thorsten Schmitz.
Darin: "Die NRP gilt als siedlerfreundliche Partei, die die Besiedlung von Westjordanland und Gaza-Streifen unter Hinweis auf die Bibel legitimiert. Ihr Vorsitzender Effi Eitam sagte am Sonntag, er habe mit Scharon eine Vereinbarung über weiteren Siedlungsbau erzielt. Eitam ist ein messianisch- religiöser Brigade-General der Reserve, der voraussichtlich Wohnungsbau- Minister im Kabinett wird. In jüngster Zeit hatte er mit seinen Ansichten Aufsehen erregt. Eitam bezeichnete Palästinenser und arabische Israelis als ‚Krebs in unserem Land' und spricht sich für einen ‚Transfer' der Palästinenser nach Jordanien aus. (...) Der bisherige Oppositionsführer Jossi Sarid von der linken Meretz- Partei hatte Eitam als Rassisten bezeichnet, der arabische Knesset-Abgeordnete Achmed Tibi als ‚Teufel' und als ‚kleinen Haider'. Eitam soll in der ersten Intifada den Befehl erteilt haben, Palästinensern Arme und Beine zu brechen." Anis: Erstaunlich, dass Thorsten Schmitz das schreibt. Ernst gemeinten Dank.

DIE WELT 24.02.03, "Geheimdienst: Iran versteckt Nuklearmaterial" von Jacques Schuster.
Darin: "Im Vorfeld des Besuches von Mohammed el Baradei am Wochenende sollen iranische Behörden zahlreiche Instrumente und Maschinen versteckt haben, die Hinweise auf den tatsächlichen Entwicklungsstand des iranischen Atomprogramms geben könnten." IS: Nächstes Kriegsziel? Wann wird Israel kontrolliert?

DIE WELT 24.02.03, "Scharon steuert auf Koalition mit National-Religiösen und Schinui zu" von Norbert Jessen
Darin: "Als Politiker wie schon als General bleibt Ariel Scharon der gewiefte Taktiker: Israels Premier unterzeichnete in der Nacht zum Sonntag ein Vorabkommen mit der Nationalreligiösen Partei (NRP). Diese extrem rechte und siedlernahe Partei erhält damit als erste die Zusage zur Aufnahme in die neue Koalition. Vertreter des Likud und der siedlernahen NRP hatten am frühen Sonntagmorgen ein Abkommen unterzeichnet, wonach die religiöse Partei die Zusage zum Ausbau jüdischer Siedlungen in den Palästinensergebieten erhält." Anis: "Gewieft" ist ein Begriff der Anerkennung. Und was bedeutet eigentlich "extrem rechts"? In Deutschland benutzt man diesen Begriff für Nationalsozialisten. Was ist der Unterschied zur NRP? Das muss schon erklärt werden, oder?


Presseerklärung von Jamal Karsli 22.02.03 .
www.karsli.de Darin: "'Zehntausende Friedensaktivisten in Israel haben gesagt, was Jamal Karsli gesagt hat', begründete Karslis Rechtsanwalt Matthias Feldhege vor Gericht die Klage" (gegen Paul Spiegel und Michel Friedman). Zitat Karsli: "Ich habe Rassismus und Antisemitismus 20 Jahre lang bekämpft, und jetzt stellt man mich in die gleiche Ecke wie meine Gegner."


FAZ 21.02.03, S. 8, Leserbrief "Kritik an Israel begründet" von Joachim Koch, Ministerialrat a. D., als Antwort auf den Artikel "Singer sieht Deutschland in der Pflicht" (13. 02.)
Darin: "Die Unterstützung eines anderen Staates muß immer davon abhängig sein, daß sich der zu unterstützende Staat an die wesentlichen Normen des Rechtes und insbesondere des Völkerrechts hält. Das ist im Falle des Staates Israel schon lange nicht mehr der Fall. Nicht nur, daß Israel seit 1967 die palästinensischen Gebiete widerrechtlich besetzt hält. Darüber hinaus stellt seine Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten eine grobe Verletzung des Völkerrechts (...) dar. Hinzu kommt, daß das israelische Militär beim Kampf gegen die Kämpfer für die Befreiung Palästinas Methoden anwendet, die dem geltenden Recht widersprechen. (...) Entscheidend für den Umschlag in der Haltung der Deutschen zum Staat Israel war, daß die israelische Seite den in Oslo besiegelten Friedensprozeß abgebrochen und den Palästinensern jegliche Aussicht auf einen eigenen Staat im gesamten palästinensischen Gebiet genommen hat. Daß dies die Palästinenser zu Verzweiflungstaten treibt, kann niemanden überraschen. Man kann ein anderes Volk nicht mit purer militärischer Macht unterdrücken und erwarten, daß das unterdrückte Volk das widerstandslos hinnimmt. (...) Sind israelische Soldaten jemals für die Tötung unschuldiger palästinensischer Kinder zur Verantwortung gezogen worden?" Anis: Ein solcher Leserbrief, in dem die wichtigsten Punkte moderat zusammengefasst sind, erscheint selten in der deutschen Presse. Ich glaube, derzeit wäre so etwas in der FR, der taz und der SZ und der ZEIT nicht drin. Es ist ohnehin nur ein Leserbrief und keine Schlagzeile.

FAZ 21.02.03, S.37, "Bushs Baby. Amerika kann bei einem Krieg nur verlieren", von Amos Oz
Darin: "All jene, die in Amerika die Verkörperung des großen Satans sehen, neigen dazu, Israel als den kleinen Satan, als Rosemarys Baby, anzusehen." Der bekannte Schriftsteller Amos Oz schreibt hier eine heimliche Selbstkritik. Niemand sonst hat Rosemarys Baby gesagt. Und: "Heute zögert die dogmatische und sentimentale europäische Linke nicht einen Moment, sich in ihrer Verteufelung Amerikas mit der reaktionären und rassistischen Rechten zusammenzutun und Parolen anzustimmen, die zum Teil direkt dem Arsenal von Kommunisten und Nazis entnommen sind - Slogans von der 'Allmacht der Wall Street' bis hin zur 'jüdisch-zionistisch-kapitalistischen Weltverschwörung'. Wenn ich diese abscheulichen Stimmen höre, wird meine Ablehnung eines Irak-Krieges jedesmal ernsthaft auf die Probe gestellt." Unzulässige Verknüpfung von Gruppen. Wegen irgendwelcher Slogans unbekannter Herkunft lehnt Oz den Krieg doch nicht ganz ab. Das ist unglaubwürdig. Und: "Die gegenwärtige Kriegskampagne wird nicht von kolonialen Gelüsten oder der Gier nach Öl diktiert, sondern primär von einer schlichten Tugendhaftigkeit, die das Böse mit Gewalt ausrotten will. Doch das Böse des irakischen Regimes, ebenso wie das Böse Bin Ladins, wurzelt in immenser Armut, Verzweiflung und Erniedrigung - und vielleicht noch tiefer in dem grenzenlosen Neid, den Amerika seit Jahren weckt." Anis: Amos Oz sieht also ‚das Böse' in Saddam und Bin Laden und die Tugend in Amerika. Es ist ein widersprüchlicher und inkohärenter Artikel, der zeigt, wie selbst Amos Oz den Krieg rechtfertigt und dabei Israels Mitschuld an der Gewalt in der Welt vollständig ausblendet.

INDYMEDIA 21.02.03: Brief von García Márquez an den Präsidenten G. W. Bush
http://www.ch.indymedia.org/frmix/2003/02/4645.shtml . Kommentar Ernst Herbst: In den deutschen Medien fand die Autobiografie "Leben, um davon zu erzählen" des bekannten Schriftstellers große Resonanz - seine "amerikanische" Kritik an der us-amerikanischen Politik wird nicht zur Kenntnis genommen.

KN 21.02.03, S.4: "Israel teilt Gazastreifen", afp-Meldung
Beginnt mit: "Als Reaktion auf einen palästinensischen Raketenangriff..." Anis: Parteiisch, nicht die Tat wird zuerst genannt, sondern die Rechtfertigung. Kurz darauf: "Erneut ging die Armee gegen mutmaßliche radikale Palästinenser (...) vor." Man weiß also nicht einmal, ob sie radikal sind. Kurz darauf: "Die neue Gewaltwelle, ausgelöst durch den Mordanschlag auf vier israelische Soldaten am Wochenende, stieß international auf große Besorgnis; mindestens 31 Menschen kamen seitdem um. Die USA riefen Israel zu Rücksichtnahme auf." Es wird suggeriert, dass die Palästinenser die Gewalt ausgelöst haben, weil sie Widerstand gegen das Militär geleistet haben, das sie besetzt. Das ist eine parteiische Darstellung.

LIBERALE DEPESCHE Nr.2/03 (erschienen am 21.02.03), S. 13, Rubrik Friedrich-Naumann-Stiftung, Artikel "Israel nach der Wahl. Großer Erfolg für SHINUI - Partner der FNSt" von Dr. Gabriele Reitmeier.
Darin: "Seit mehr als 10 Jahren arbeitet die Stiftung mit dem SHINUI nahestehenden Forschungs- und Bildungsinstitut, Forum der Mitte (Bamat Hamercaz), aufs Engste zusammen." Weiter: "Entschieden wendet sich SHINUI gegen alle Formen verordneter Sabbatruhe..." und: "Zugleich fordert sie die Aufhebung der Regelung, wonach am Shabat..." sowie: "Scharf sind auch die Angriffe SHINUIS gegen Privilegien ultraorthodoxer Juden (Haredim)." Auch noch: "Ferner fordert SHINUI die massive Reduzierung der staatlichen Zuwendungen für die von Glaubensgemeinschaften..." und: "Auch die Abschaffung des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten..." So viel zur Beschreibung der Shinui-Partei. Als Fazit steht da: "Diese Forderungen sind in Israel, das sich ja als jüdischer Staat definiert, äußerst umstritten. (...) Sollte SHINUIS Vision eines säkularen Staates Israel tatsächlich eines Tages Wirklichkeit werden, käme dies einem radikalen politischen und gesellschaftlichen Wandel im Lande gleich." Anis: Dieser Artikel ist journalistisch nicht verantwortbar. Die Shinui-Partei wird darin ungerechtfertigt auf einen einzigen Faktor reduziert, den Säkularismus. Dies ist offensichtlich mit einer Tendenz geschehen, die einer liberalen Depesche nicht würdig ist. Es fehlt nämlich jeder Hinweis darauf, wie diese Partei zu den Palästinensern und dem Friedensprozess steht. Oder ist das plötzlich nicht mehr interessant? Diese Auslassung deutet auf Heimlichkeiten hin, die nicht zu einer liberalen deutschen Partei passen. Folgerichtig ist der Artikel auch in der Internetausgabe ausgespart worden. Nun, um diesen Punkt nachzutragen: Die Schinui-Partei ist, siehe http://www.shinui.org.il/elections/eng/principles.html, für Verhandlungen mit "moderaten Palästinensern", in ein paar Jahren, wenn der Terrorismus vorbei ist. Es sollen einige verstreute Siedlungen "im Herzen der palästinensischen Bevölkerung" bleiben, Siedlungsblöcke stehen nicht zur Disposition, Shinui ist "entschlossen (committed)", einen Trennungszaun gegen die "terroristische Infiltration" (sic) zu errichten. Zusätzlich wird ein palästinensischer Staat nur unter der Bedingung eines vollständigen Verzichts auf das Recht auf Rückkehr der Expatriierten gewährt. Um zu verdeutlichen, wie Tommy Lapid und seine Shinui-Partei über Palästina denken, hier einige Zitate aus der Jerusalem Post vom 06.12.02, "Revolt of the bourgeoisie" von Larry Derfner (http://www.shinui.org.il/elections/eng/art_revolt-bourgeoisie.html): "When asked the hypothetical question - if he had been in the Sharon government, would he have seen any reason to topple it over its handling of the war with the Palestinians - he replies flatly, 'No.'" - Über Mitzna sagt Lapid: "And if he makes such a withdrawal without a written agreement [with the Palestinians], he will be sending them the message that they succeeded in the first stage of their campaign of terror, and that all they have to do is to continue across the Green Line, inside the State of Israel." Weitere aktuelle Zitate von und über Lapid, über den sich Shinui definiert: "In the meantime, Palestinian violence fairly 'dictates' Israel's reactions, he says; there isn't much that can be done." - "'And when [the Left] says that if this happens - if we withdraw to the Green Line, or thereabouts, and the terror continues - that then 'we'll show them,' then my answer is, 'If you know how to show them, then please show them now.'' - "He lauds Sharon for doing the 'maximum possible' to fight terror." - "Where he does fault Sharon is for refusing to negotiate with any Palestinians. (...) 'Even now, simultaneously with an uncompromising war on terror.'" Aufschlussreich auch, dass Shinui hier http://www.shinui.org.il/elections/eng/index.html sagt, es "basiere nicht auf populistischer Politik, die designed wurde, um gut zu klingen und um Stimmen zu gewinnen". Kommentar Anis: Es ist augenfällig, dass es Personen in der FDP gibt, die die Palästinenser ausgrenzen möchten wie in diesem Beispiel, so als würde es sie nicht geben. Möglicherweise gehen diese Personen von der Annahme aus, dass man jetzt, wo Jürgen Möllemann gegangen ist, mit den Palästinensern und Arabern machen kann, was man will. Nun, dies ist ein gründliches Missverständnis! Ganz im Gegenteil ist es die Pflicht der liberalen Familie, sich allein schon aufgrund der deutschen Geschichte den Palästinensern offenherzig zu nähern, die nach wie vor auf ihr blankes Menschenrecht warten, das ihnen von der Welt verwehrt wird. Denn diese zerstörerische Wut, die auch in der Shinui-Partei deutlich erkennbar ist, kommt im Kern nicht von den Palästinensern, sondern von der unverarbeiteten Vergangenheit zwischen Deutschen und Juden. Es waren sechs Millionen Tote. Wie lange haben die Amerikaner gebraucht, bis sie die Anzahl der WTO-Opfer auf der "gegnerischen Seite" sozusagen zurückgeholt haben? Insofern ist Deutschland für die Gewalt Israels mitverantwortlich. Die bevorzugte oder benachteiligte Behandlung von ethnischen Gruppen oder von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen widerspricht den Grundsätzen einer liberalen Partei.

SZ 21.02.03, "Deutsche Folter" (pra) über Geert Mackenroth, der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes.
Darin: "In Israel war lange Zeit ‚mäßiger körperlicher Druck' (im Klartext Folter, IS) ‚auf verdächtige Personen' (im Klartext Palästinenser, IS) erlaubt - und wird wohl auch noch praktiziert. Kriegsrecht. Das scheint weit weg zu sein. Doch die Verrohung im strafrechtlichen Denken ist, vielleicht als Folge des 11.September, auch in Deutschland weit vorangeschritten: Der Vorsitzende des Bundes der deutschen Richter und Staatsanwälte kann sich vorstellen, dass künftig auch hierzulande gefoltert wird - wenn es gilt, ‚ein höherwertiges Rechtsgut zu retten'. Anis: Israels Gewalt als Vorbild für Deutschland?

SZ 21.02.03, "Gewalt im Übermaß. Bislang sind alle oktroyierten Reformen im Orient gescheitert." von Rudolph Chimelli
Guter Artikel, außer: "Von Nebukadnedzar bis zu Saddam, auch bekannt als 'neuer Hitler', wurde das Zweistromland immer despotisch regiert." Anis: Hitler-Vergleiche für die arabische Welt scheinen normal zu sein.

SZ 21.02.03, Heiko Flottau, "Terrorismus. Die Ziele von Hamas und al-Qaida".
Darin: "Um ihren Irak-Feldzug zu rechtfertigen, versuchen die USA, der Welt viele Schrecken erregende Verbindungen zu suggerieren. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Hamas, Hisbollah und (mit einigen Einschränkungen) der Islamische Dschihad sind aus dem, wie sie selbst sagen, 'Befreiungskampf' gegen Israel entstanden. Alle haben sie, bisher jedenfalls, regionalen Charakter. Der Kampf gegen die USA gehört nicht zu ihrem Programm." Anis: Das Feindbild des Islamismus wird hier durch einen realistischen Blick ersetzt. So würden unsere Medien schreiben, wenn sie nüchtern analysierten.


FR 20.02.03, Interview mit Lea Rosh über die Friedensdemonstrationen: "Wenn nichts hilft, bleibt nur Krieg"
Darin Zitate Lea Rosh: "Natürlich sind wir gegen den Krieg. Aber was machen wir denn, wenn Saddam Hussein die Waffen versteckt hält?" Und: "Die Appeasement-Politik in den 30er Jahren hat 60 Millionen Tote gekostet." Und: "Ich vergesse auch nicht, dass die Amerikaner die Landung in der Normandie mit einem ungeheuren Blutzoll bezahlt haben, für uns. Den Amerikanern sozusagen Menschenfresserei zu unterstellen, ist einfach unhistorisch." Anis: Unhistorisch, weil nach Gruppen (und Angst) bewertet wird, nicht nach Situationen.

SPIEGEL ONLINE 20.02.03, (ap), "Florida. Professor unter Terrorverdacht festgenommen."
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-237074 Darin: "Der von den USA als Terrororganisation eingestufte Islamische Dschihad wird für über 100 Morde in Israel und den Palästinensergebieten verantwortlich gemacht." Anis: Der Begriff "Mord" wird in der so genannten liberalen Presse nur für Palästinenser verwendet. Bei den Israelis heißt es "Militäraktion", "Reaktion", "Tötung", "Liquidierung" wie z.B. bei Th. Schmitz, u.ä.

taz 20.02.03, S.7, "Kleiner Krieg unter Friedliebenden" von Philipp Gessler
Über jüdische Kritik an den Friedensdemos, Schlussabsatz: "(Der Münchener Historiker Michael) Wolffsohn sagte, er habe ein Foto von einem Plakat auf der Friedensdemo gesehen, auf dem es hieß: 'USA - 3. Reich / Ihr seid euch so gleich'. (Anis: Es hat auch anti-Saddam-Plakate gegeben) Er gehöre zwar nicht zu denen, die schnell 'Antisemitismus' schrien. (Anis: Offenbar doch. Es bleibt die Frage, was das mit Antisemitismus zu tun hat.) Hier aber (Anis: siehste) sei es schon 'lange nach den Anfängen', denen man wehren solle. Brenner (Anis: Alexander Brenner, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin) betonte, dass sicherlich '70 Prozent' der Demonstranten 'gutmeinende Bürger' gewesen seien. (Anis: 30 % der Demonstranten waren also Antisemiten) Angesichts verschiedener Plakate habe er aber ein 'ungutes Gefühl'." Anis: Formulierung des Antisemitismus-Dogmas: Der Antisemitismusvorwurf rechtfertigt sich aus der nicht hinterfragbaren Emotionslage einer bestimmten Ingroup.

taz 20.02.03, dpa: Artikel über Karsli.
Darin: "Im Antisemitismus-Streit zwischen dem Zentralrat der Juden und dem NRW-Landtagsabgeordneten Jamal Karsli will das Düsseldorfer Landgericht am 12. März ein Urteil zur Verleumdungsklage Karslis fällen. Karsli wehrt sich gegen den Vorwurf, 'antisemitische Verschwörungstheorien' zu verbreiten. Er will dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und dessen Stellvertreter, Michel Friedman, entsprechende Behauptungen untersagen lassen. Der Antisemitismus-Vorwurf werde in Deutschland 'wie eine Keule! gegen Kritiker der israelischen Regierung geschwungen, sagte Karsli vor Journalisten." Anis: Die gesellschaftliche Ausgrenzung Herrn Karslis ist nicht rechtens und geschieht nicht auf der Grundlage von Argumenten.

DIE ZEIT 20.02.03, 09/2003: "Stürzt Saddam - um des Friedens Willen! Die Demonstrationen gegen einen Irakkrieg stützen eine mörderische Diktatur." Artikel von Namo Aziz, Publizist und Exil-Kurde aus dem Nordirak.
Schreibt viele gute Sachen, aber auch: "Demonstrationen, die heute weltweit für den Frieden stattfinden, machen den Menschen im Irak nur Angst. Für die Iraker sind sie nichts anderes als Hilfe für einen Diktator und seine Gestapo. Zugleich bedeuten sie anhaltenden Hunger." 1. "nur Angst" ist Quatsch, 2. "Gestapo" ist kein guter Vergleich, 3. Die Friedensdemos bedeuten keinen Hunger. Und der Schlusssatz des Artikels: "Die Zusicherungen des Diktators, er besitze weder Massenvernichtungswaffen, noch pflege er Beziehungen zu al-Qaida, sind nichts weiter als die Umsetzung des islamischen Rechtes der taqiya: Ungläubigen gegenüber darf man die Unwahrheit erzählen." 1. Taqiya ist umstritten, 2. Es ist nicht notwendig, wegen Saddam den Islam zu denunzieren.

DIE ZEIT 20.02.03, 09/2003, Essay "Die Zeit nach den Propheten. Der Koran fordert Demokratie. Wer islamische Despotien verteidigt, fälscht Gottes Wort." von Yasar Nuri Öztürk.
Darin: "Muslime unterscheiden zwischen dem traditionellen Islam, der auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht, und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde." Anis: Ist mir neu. Weiter: "In diesen Ländern (Anis: des Nahen Ostens) wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor." Anis: Ganz anders als in Europa oder auch der Türkei? Weiter: "In den islamischen Ländern wird der Mensch Regeln geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht haben." Unzulässige Verallgemeinerung. Weiter: "Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen." Gut. Dann: "Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Werte des Korans im Leben, die für die Entwicklung der Menschheit notwendig sind, die westlichen, nichtmuslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten als die islamischen sind." Wer's glaubt... Weiter: "Die islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden." Anis: Gaaanz anders als bei uns :-) Schlusssätze: "Ein wichtiger Teil der zeitgenössischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert." Anis: Platitüde und Verallgemeinerung auf die Weltlage. Gesamtkommentar: Tenor Öztürks ist, dass 1. der Westen den Islam besser versteht als die Muslime selbst und dass 2. der Nahe Osten Laizismus braucht. Ersteres ist mindestens überflüssig, zweiteres stimmt, bedarf aber nicht so vieler Worte. Niveau Schulaufsatz, kann für Propaganda missbraucht werden (Alibi-Muslim, siehe Tibi etc.)


dpa-Meldung vom 19.02.2003 12:32 Uhr: Israel an zwei weiteren U-Booten aus Deutschland interessiert Tel Aviv (dpa)
Die israelische Marine ist am Erwerb von zwei weiteren deutschen U-Booten des Typs "Delphin" interessiert. Israel und Deutschland hätten in dieser Frage erste Gespräche aufgenommen, meldet die israelische Tageszeitung "Haaretz". Angesichts des hohen Kaufpreises von etwa 850 Millionen Dollar suche Israel allerdings nach Finanzierungsmöglichkeiten. Nach Angaben von "Haaretz" wollen deutsche und israelische Armeerepräsentanten in Kürze über die Möglichkeit weiterer Lieferungen sprechen. - Kommentar Ernst Herbst: Weder im Fernsehen noch in den beiden Tageszeitungen (regional - überregional), die ich abonniert habe, fand ich dazu einen Hinweis - schon gar nicht einen Kommentar, dass es hier um den Export von Waffen in ein Krisengebiet geht und dass 1999 bereits drei U-Boote mit einer Raketen-Reichweite von 1500 km an Israel geliefert wurden - wobei der begründete Verdacht besteht, dass die israelische Armee die U-Boote "modernisierte" und in die Lage versetzte, Flügelraketen mit nuklearen Sprengköpfen zu starten.

jW 19.02.03, "'Ein Beitrag zur Kriegslogik', Friedenskooperative weist Vorwurf antisemitischer und antiamerikanischer Tendenzen zurück."
http://www.jungewelt.de/2003/02-19/009.php Darin Zitat des Geschäftsführers des Netzwerks Friedenskooperative Manfred Stenner: "'Die Diffamierung der Friedensdemonstranten - egal von welcher Seite - ist in dieser heiklen Situation ein Beitrag zur Kriegslogik.' Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik sei immer schon auch eine Bewegung gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus gewesen. Auch ein Sprecher des Friedensratschlag Kassel erklärte am Dienstag übereinstimmend: ‚Rechtsradikale sind Feinde der Friedensbewegung'. Für die Vorwürfe aus dem offenen Brief (Anis: von Ilka Schröder, Rosh, Giordano) gebe es ‚keinerlei Belege'."

19.02.03, Link zur Medienkritik (SE):
jW, Rainer Rupp: "Setzt Scharon auf "Transfer"?" / www.honestly-concerned.org + Ulrich W. Sahm

SZ 19.02.03, "Der Krieg und die Worte. Das Falschwörterbuch des Irakkonflikts" von Ivan Nagel, Schriftsteller, Publizist und Theaterleiter Kommentar Anis: Sehr gut

SZ 19.02.03, "Profil. Bahnbrecher der Muslime. Nadeem Elyas, Chef des Zentralrats der Muslime, will die Integration" von Robert Lücke Kommentar Anis: Gut

Tsp 19.02.03, Kultur: "Die Hoffnung der Verzweiflung. Israel sieht sich von Europa isoliert und erwartet den nächsten Golfkrieg als Befreiungsschlag. Ein Besuch in der Wagenburg" von Thomas Lackmann.
Darin: "Von einem Irakkrieg erwarten sich die Israelis, jenseits aller rationalen Risikoabwägung, den Befreiungsschlag. 'Nach dem Opferfest kommt der Moment der Wahrheit.' Sie hoffen, dass durch die Beseitigung des Diktators, der ihre Auslöschung propagiert und ausprobiert hat, die Karten in der Region neu gemischt werden. Sie begreifen, vom Stress der existenziellen 'Er oder Ich'-Erfahrung erschöpft, den Krieg als 'Schlüssel zum Übergang'. Die deutschen Besucher kennen existenzielle 'Er oder ich'-Erfahrungen nur vom Hörensagen." Anis: unseriös, jeder weiß, was Gewalt ist. Kein Verständnis für Gewalt, keine Gewalt-Romantik!

DIE WELT 19.02.03, "Amerika bedroht den Weltfrieden nicht" Interview mit dem französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy.
Darin: "Die Behauptung, Amerika bedrohe den Weltfrieden, entspringt einem Hass, der blind und taub macht für die Realität." Und: " Amerika steht für den Triumph des Rechts, nicht der Ethnizität oder der Gemeinschaft. (...) In Pakistan richtet sich der Hass auf Amerika nicht gegen die Todesstrafe. Nicht gegen die Waffengesetze. Sondern gegen Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung, Toleranz, Trennung von Staat und Religion, Modernität. Und gehasst wird all das im Namen der eigenen Reinheit. Osama bin Laden und Al Kaida, die Taliban und die pakistanischen Dschihadisten - sie sind nichts anderes als die Sorte Faschisten, die wir in Europa nur zu gut kennen." Lévy spricht auch von einer "starken faschistischen Strömung, die sich bereits hinter dem Antiamerikanismus verbirgt" und vom "islamischen Faschismus". Anis: Während ein berechtigter Begriff wie "gewalttätiger Islamismus" ausgelassen wird, werden Konzepte aus der europäischen Geschichte auf die Arabische Welt übertragen, die Europa "nur zu gut kennt". In Wirklichkeit spricht Lévy also von unbewältigter europäischer Geschichte, die er auf den Islam und die Araber projiziert. Allerdings distanziert sich Lévy von der Fallaci und anderen.

Rede von Angela Merkel, CDU (Aspen Institute Berlin 19.02.03) "Europa und die USA -Verantwortungsgemeinschaft für die Zukunft"
(Nicht mehr online 2006) www.cdu.de/ueber-uns/buvo/pv/19_02_03_merkel_rede_aspen.pdf Darin: "Der Irak-Konflikt ist Ausdruck nicht nur unterschiedlicher außenpolitischer Prioritäten sondern auch einer unterschiedlichen Wahrnehmung von Bedrohung. Ob es uns gefällt oder nicht, die Bereitschaft der Amerikaner, Risiken einzugehen, ist nach dem 11. September nicht mehr vorhanden." S.3, Kommentar: 1. Die nicht hinterfragbare Wahrnehmung der Amerikaner hat für Frau Merkel Priorität, 2. Die Amerikaner gehen derzeit im Gegenteil große Risiken ein, 3. Der Elfte September ist kein Freibrief zur Rechtfertigung von Gewalt.) Weiter: "Allein vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Verflechtungen ist das Interesse an freiem Welthandel und demzufolge an globaler Stabilität überwältigend groß." (S. 3, Kommentar: Die Wirtschaft steht also offiziell über der Moral?). Weiter: "Terroristische Netzwerke und Massenvernichtungswaffen in den Händen von Diktatoren bedrohen uns alle. Wenn Deutschland gerade nach 30 Jahren beginnt, sich wieder Pockenimpfschutz zuzulegen, dann zeigt das,..." (S. 3, Anis: ...dass die CDU mit den Ängsten der Menschen spielt, siehe Göring-Zitat 1946: "Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr.") Weiter: "Die Bedrohung eines Partners, die Bedrohung der USA ist spätestens am 11. September offenbar geworden." (S.6, Kommentar: Einseitig) Gesamtkommentar Anis: Klaus Kramer im Kommentar der KN vom 21.02., S.2, (und auch Heide Simonis' Einschätzung, s. Tagespresse) hat Recht damit, dass die CDU genau den Fehler begeht, den sie Schröder vorwirft, nämlich innenpolitische Motive für außenpolitische Politik zu missbrauchen. Auffällig die häufige Verwendung der Phrase "ob es uns gefällt oder nicht", die darauf hinweist, dass wir uns mit der US-Politik abfinden sollen / müssen und nicht eigenständig sind.


FAZ 18.02.03, S. 1, dpa-Meldung "El Baradei will in Iran Atomanlagen untersuchen".
Darin: "Washington wirft Iran vor, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten." Kommentar IS: Wann werden die israelischen Atomwaffen und Programme untersucht? Ein einziger US-Präsident, Kennedy kurz vor seiner Ermordung, forderte Israel in einem harschen Brief dazu auf. Johnson legte alles auf Eis.

NZZ 18.02.03, S. 5, "Selbstverteidigung als werdendes Völkergewohnheitsrecht. Das Vorgehen gegen den Irak im Spiegel rechtlicher Abwägungen." Von Prof. Karl M. Meessen, Uni Jena.
Darin: "Nach allgemeiner Auffassung müssen Angriffe im Sinne des Art. 51 der Uno-Charta von einem Staat ausgehen. Häufig wird dies auch bei terroristischen Angriffen der Fall sein. So ist eine Zurechnung der Terrorakte in Israel an den palästinensischen Staat, dessen formale Anerkennung letzthin wieder ein Stück näher gerückt ist, problemlos möglich." Anis: Palästinensische Gewalt ist also Staatsterror im Gegensatz zu israelischer Gewalt! Weiter geht es um "das werdende Völkergewohnheitsrecht der Selbstverteidigung gegen den internationalen Terrorismus". Angst wird zum möglichen Grund für Nuklearwaffeneinsatz: "Den Ausgangspunkt bildet das jedem Staat zuerkannte Recht auf Überleben. Darüber, ob hieraus ein Recht, sich notfalls unter Einsatz von Nuklearwaffen zur Wehr zu setzen, abgeleitet werden kann, war man sich im Internationalen Gerichtshof nicht einig. (...) Auf die Bekämpfung des internationalen Terrorismus bezogen wird man jedoch sagen können, dass kein Staat eine ständige Bedrohung durch Terroristen, denen A-, B- oder C-Waffen zugänglich gemacht werden, hinzunehmen braucht. (...) Ob sie allerdings berechtigt sind, zu diesem Zweck unter Verletzung von Art. 2 (4) der Uno-Charta militärische Massnahmen gegen einen ausländischen Staat zu ergreifen, ist eine Frage der Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit dieser Massnahmen." Meessen unterwandert hier das Gewaltmonopol der UNO. "Auch wenn bei der Verteidigung gegen terroristische Angriffe aus der Mitte der Gesellschaft von dem strikten Erfordernis eines bewaffneten Angriffs eines Staates abgesehen werden kann, so muss es doch ‚notwendig' und ‚verhältnismässig' sein, militärische Massnahmen gegen einen bestimmten Staat zu ergreifen." Anis: Es ist notwendig, sich zu wehren, aber nicht, militärisch vorzugehen. Hier wird nicht einmal das Feigenblatt des ‚letzten Mittels' hervorgeholt. Weiter: "Die Auswahl Afghanistans als Zielstaat war unter diesen Gesichtspunkten gerechtfertigt. Die Tolerierung von Trainingslagern und Kommandostrukturen von al-Kaida begründen die Notwendigkeit des Vorgehens, und die vergleichsweise geringen Verluste unter der Zivilbevölkerung entsprechen den Anforderungen der Verhältnismässigkeit." Anis: Meessen rechtfertigt den Mord an Zivilisten, ohne mit der Wimper zu zucken.


HAGALIL 17.02.03, "Juden im Iran: Fremd in der Heimat" (Auch: Jungle World 8, 12.02.2003) Interview mit dem Präsidenten der Central Organization of Iranian Immigrants Prof. David Menashri (auch Dayan Center der Uni Tel Aviv) über die Juden im Iran (Mit ihm sprach Wahied Wahdathagh)
Darin: "Religiöse Minderheiten (außer den Baha'i) konnten sich auf ein gewisses Maß an Toleranz und Schutz verlassen. Sie haben sogar Repräsentanten im Majless (Parlament; die Red.). Es gibt keine offizielle Aufstachelung gegen sie. Und die Freiheit der Religionsausübung wurde nicht substanziell eingeschränkt. Dennoch lässt man sie ihren unterlegenen Status als Minderheit spüren und sie fühlen sich unsicher. Dass drei von vier iranischen Juden seit der Revolution das Land verließen, spricht für sich. Während eine relativ tolerante Behandlung an der Oberfläche zu bemerken war, waren die Probleme auf einer tieferen Ebene komplexer." Anis: Nicht hinterfragbare Emotionslage von Juden als Argument. Dann: "Wie in der gesamten arabischen Welt ist die Unterscheidung zwischen den Juden auf der einen Seite und Israel und dem Zionismus auf der anderen Seite oft verschwommen." Anis: Hier lässt der Interviewte die Unterscheidung zwischen Israelkritik und Antisemitismus verschwimmen. Weiter: "Haben solche Feindseligkeiten ihre Wurzel am Ende doch im Islam?" Anis: Anti-islamische Suggestivfrage von Wahdathagh. Antwort: "Sowohl die antiisraelischen und antizionistischen Argumente als auch die religiösen Aspekte in der Behandlung der Frage von Palästina wurden mit Argumenten gegen die Juden verknüpft. Eine solche Haltung ist in der iranischen Geschichte verwurzelt und durch die politischen Realitäten in der Region verstärkt worden. (Anis: z.B. durch israelische Gewalt?) Zurückgegriffen wurde dabei sowohl auf eine islamische Tradition als auch auf den europäischen Antisemitismus." Anis: Islam ist also so ähnlich wie Antisemitismus. Weiter: "Hat die Unterstützung der Palästinenser eine antijüdische Haltung zur Folge?" Anis: Wieder eine Suggestivfrage von Wahdathagh. Dann: "Die Selbstmordattentate des Jahres 2001 unterstützte der Iran nicht öffentlich, obwohl er sie meist zu legitimieren schien. Für ihn waren das die süßen Aktionen von "Suchenden des Martyriums", was die einzige Sprache sei, die die Juden verstünden." Anis: Ohne irgendwelche Quellenangaben. Weiter (Wahdathagh): "Wird der Holocaust im Iran geleugnet?" Anis: Was hat der Iran mit dem Holocaust zu tun? Antwort Menashri: "(...) Vereinzelt betonen iranische Quellen auf faire, objektive Art das Unrecht, das den Juden in Nazideutschland angetan wurde, aber es dient immer dazu, vor allem einen Punkt herauszustellen: Wie die Europäer das Recht hatten, Hitler zu bekämpfen, haben die Palästinenser das Recht, die ‚zionistischen Invasoren' zu bekämpfen." Anis: Wie ungerecht von den Iranern! Weiter: "Khatamis Wahl und seine Reformforderungen führten zu einer Liberalisierung der Stellungnahmen bezüglich der Juden. Iranische Intellektuelle, die einen Dialog zwischen dem Islam und anderen Religionen befürworteten, verstärkten ihre Stimmen." Anis: Ach so. Und doch: "Am 24. Dezember 2000 prangerte der jüdische Vertreter Maurice Motamed im Majless die häufige Diskriminierung von Nichtmuslimen an." Schlusssatz: "Alles in allem werden die iranischen Juden, obwohl sie gelegentlich kritisiert werden, mit einer gewissen Toleranz behandelt. Während oft Hass erzeugt wurde, verhinderte die Regierung, dass er sich in Gewalt verwandelte. Die Juden sind konfrontiert mit einer Mischung aus Anstiftung und Zurückhaltung. Die Situation erlaubt es einer großen Anzahl von Juden, im Land zu bleiben. Ihre Sorgen sind jedoch noch immer gut begründet. Obwohl die Mehrheit der Juden das Land verlassen hat, leben immer noch mehr Juden im Iran als in irgendeinem anderen islamischen Land." Gesamtkommentar IS: Wie sind die Rechte der arabisch/muslimischen Bevölkerung im jüdischen Staat Israel?

17.02.03, Link zur Medienkritik (CK):
WWW.ILKA.DE, Offener brief an Ilka Schröder von Claudia Karas


Ernst Herbst: In der Erklärung des Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs der EU heißt es am 16.02.03:
"Besonders werden wir uns effektiv mit der Bedrohung befassen, die von der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ausgeht." Einige Tage zuvor war in einem Präsidial-Erlass Sadam Husseins zu lesen: "Personen und Unternehmen ist es untersagt, biologische, chemische oder nukleare Waffen oder Kampfstoffe einzuführen oder herzustellen." Nirgends fand ich die naheliegende Frage, wann die Präsidenten, Regierungen und / oder Parlamente Chinas, Großbritanniens, Frankreichs, Indiens, Israels, Koreas, Pakistans, Russlands, der USA gleiche Verbote erlassen werden. Das führt zu der prinzipiellen - und Ihnen bekannten - Feststellung der doppelten Standards in der Berichterstattung. Quod licet Ariel Sharon / Israel (Bush / USA, Blair / UK, Chirac / France) non licet Sadam Hussein / Irak. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf eine Untersuchung lenken, die unter
www.Mediamonitors.net/jamesbrooks2.html publiziert wird: The Israeli poison gas attacks. A preliminary investigation by James Brooks. Über israelische Massenvernichtungswaffen - und hier über ihren Einsatz gegen die palästinensische Zivilbevölkerung - findet man in den großen Medien NICHTS. Aber - und darin sehe ich ein Problem für unsereinen (nicht für Bush, Powell, Friedman, Spiegel, Merz, Merkel und ihresgleichen, für die nichtsexistierende Waffen einen Kriegsgrund liefern): wie kann man kritisieren, was NICHT VORHANDEN ist? Das ist halt Pressefreiheit - etwas zu bringen oder es nicht zu bringen.


15.02.03, Link zur Medienkritik (Ernst Herbst): WWW.ILKA.DE, zum Offenen Brief von Ilka Schröder an die FriedensdemonstrantInnen


14.02.03, Link zur Medienkritik: TAZ, Weingärtner: "Dialog wäre wichtiger"



08.02.03, Link zur Medienkritik: TV-Sendung 'ASPEKTE'


06.02.03, Link zur Medienkritik: DIE ZEIT, Bassam Tibi: "Der importierte Hass"
06.02.03, Link zu Leserbrief Dr. Metwalli Ali: DIE ZEIT, Bassam Tibi: "Der importierte Hass"


Jungle World 05.02.03, "Attacke auf Rädern: Friedenstour von Attac. Auf der Friedenstour von Attac wurde nicht nur gegen den Irakkrieg argumentiert. Es wurde auch erklärt, warum Israel der wahre Schurkenstaat sei." von Peter Bierl
http://www.nahost-politik.de/irak/attac.htm Anis: Bereits der Titel ist suggestiv: Israelkritik ist tabu. Es könnte ja so etwas passieren wie hier: "Bei der Veranstaltung in Köln kam es zu Protesten, als De Vito die Ereignisse im Warschauer Ghetto 1943 und die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila in Beirut im Jahre 1982 verglich. Einer der Zwischenrufer, der Journalist Marcus Meier, sagte der Jungle World: 'Die Grenze zum Antisemitismus war überschritten. Wir haben angekündigt, entweder gehen De Vito und Fry oder wir stören weiter.' Daraufhin habe man ihn und zwei andere angepöbelt und aus dem Saal gezerrt." Solche Vergleiche sind nicht sinnvoll, sie ändern aber gar nichts an der Grausamkeit der Israelis in Sabra und Shatila. Das hat auch nichts mit Antisemitismus zu tun. Aber auch gar nichts. Dann über Julie Fry von der Friedensgruppe Answer (Act Now to Stop War & End Racism) aus den USA: "Es war nicht die einzige größere Aktion ihrer Organisation, die sich gegen Israel richtete. Im Juni des Jahres 2002 organisierte Answer in Boston eine Demonstration gegen den so genannten Israel Day, den Jahrestag der Staatsgründung Israels. In einem Aufruf war von '54 Jahren zionistischem Rassismus und Genozid' sowie von einem 'halben Jahrhundert Besatzung' die Rede." Und? Wird irgendjemand aus dem Diskurs geworfen, wenn er vom faschistischen Islam spricht? Oder vom paranoiden? Der ihn eine Todeskultur nennt? Wird irgendjemand aus dem Diskurs geworfen, wenn er andere inflationär mit dem schweren Vorwurf des Antisemitismus belastet? Nein. Solange Israel nicht zur Rechenschaft gezogen wird, können sich Autoritäre aller Art dieser Technik bedienen, um Kritik aus dem Weg zu gehen. Insofern wird Attac hier gezeigt, wo es kritisch sein darf und wo nicht. Dass Attac darauf hereinfällt, ist bemerkenswert, denn es widerspricht seinem Anspruch auf soziale Gerechtigkeit.


DeutschlandRadio, 01.02.03 7.20 Uhr, Politisches Feuilleton, Alexander Schuller: "Wir sind alle Dialektiker. Der Westen und der Dschihad."
Darin: "Der Gesang des Sufi war genauso Dschihad wie der Meuchelmord der Assassinen und wie die Freitagspredigt des Mullah. Unklare aber interessante Verhältnisse. (...) Für viele Europäer wirkt diese schillernde Vielfalt an Verwendungen verwirrend und fremdartig. Dabei entstammt gar manches, verkleidet und verdeckt, unserer eigenen europäischen Tradition. Wir übersehen, wie sehr sich der Islam immer schon am Vorbild des Christentums orientiert hat. Ganze Textpassagen aus dem Koran stammen, wie der Islamwissenschaftler Christoph Luxenberg (Die syro-aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache. Das Arabische Buch, 2000, S. 275) nachgewiesen hat." Anis: 1. Ähnlich unklare aber interessante Verhältnisse gibt es beim Zionismus und sogar der Demokratie, 2. Der Islam ist keine Verballhornung des Christentums, auch wenn es die Mode will. Dass der Islam mit dem Christentum verwandt ist, ist seit 610 n.Chr. bekannt und im Koran festgehalten. Die Behauptung, dass Muslime nur verwaschene oder verirrte Christen seien, ist tendenziös. Weiter: "Was wir von Osama lernen können, ist diese Selbsterkenntnis. Osama bin Ladin, das sind auch wir. Auch wir wissen, daß es nicht nur Krieg oder Frieden gibt, sondern immer beides zugleich. Wenn wir von Liebe sprechen, wissen wir, daß es Haß gibt. (...) Was wir von Osama bin Ladin lernen können, wußten wir schon, wir hatten es nur verblödelt: es kann der beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Anis: Lernt lieber nichts von Osama bin Ladin und Alexander Schuller.


ADL 28.01.03 (http://www.adl.org/Israel/israel_protest_calendar.asp target=_blank) Erklärung.
Darin: "While ADL does not consider mere criticism of Israel to be anti-Semitic or illegitimate, large rallies opposing the Jewish state - spurred by events in the Middle East - repeatedly serve as forums supporting violence and terrorist organizations, and have been marred by anti-Semitic expression." Und: "In speeches, placards and chants Israel's actions to defend its citizens from terror have been regularly likened to the Nazis' systematic extermination of Jews. Unsurprisingly, these comparisons give way to calls for the destruction of Israel." Anis: Versuche, Kritik an Israel zu unterbinden auf der Grundlage, dass Juden 'noch immer' verfolgt werden und selbst nur passiv sind.


25.01.03, Link zur Parodie: FR: Zeruya-Shalev-Interview

DIE WELT, 25.01.03, "Auch in Berlin findet Jenin keine Ruhe (Bakri-Film)" von Igal Avidan
http://www.welt.de/data/2003/01/25/35911.html Sabine Yacoub: Avidan zitiert aus der Begründung, auf deren Grundlage der Film in Israel zensiert wurde: "Jenin, Jenin" ... sei ein Propagandafilm, "der einseitig die palästinensische Seite zur Zeit einer gewaltsamen Konfrontation vertritt. Die Darstellung der Ereignisse grenzt an Hetze und verleitet zum Gedanken, dass die israelischen Soldaten systematisch und absichtlich Kriegsverbrechen begangen hätten, was auch internationale Beobachter verneinten". SY: Ich stimme zu, dass der Film einseitig die palästinensische Seite zeigt. Aus diesem Grund scheint er gemacht zu sein. In offiziellen israelischen Darstellungen und in vielen Teilen der israelischen Öffentlichkeit kommt die palästinensische Sicht nicht vor. Die Berichte sind also einseitig israelisch. Es ist notwendig dem etwas entgegenzustellen. Palästinenser sind nicht nur Terroristen, sie sind Menschen mit Gefühlen, über die sie berichten können. Ob die Übergriffe in Jenin systematisch waren, mag ich nicht beurteilen, aber wenn z. B. einem alten Mann in den Fuss geschossen wird, scheint das Absicht zu sein. Diese Tat ist zu kritisieren und nicht, dass man sie öffentlich zeigt. In diesem Zusammenhang ist ein Artikel aus Ha'aretz interessant, in dem berichtet wird, dass Fälle, in denen israelische Soldaten palästinensische Zivilisten töten, nicht untersucht werden - systematisch und absichtlich (http://www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=317251&sw=Jirdath). // Weiterhin ist es zynisch auf Menschenrechtverletzungen mit dem Argument zu reagieren, dass diese nicht systematisch durchgeführt wurden. Wenn sich jemand mit Übergriffen einer Armee auf Zivilisten beschäftigt, erwarte ich, dass er diese verurteilt, erst recht, wenn es ein Anhänger des offiziellen Israels ist. Aus dieser Richtung wird ja auch von jedem Fürsprecher der Palästinenser die Verurteilung der palästinensischen Selbstmordattentate verlangt. // Avidan kritisiert weiterhin: Auch erfährt man nichts darüber, dass die Militäraktion die Reaktion auf Selbstmordanschläge war, bei denen 124 Israelis ermordet wurden. Die meisten Täter kamen aus dem Flüchtlingslager Jenin. SY: Rechtfertigt diese Tatsache das Töten oder Verletzen oder auch nur das unwürdige Behandeln von unbeteiligten Zivilisten - Alten und Kindern? - Diese Form der Kollektivstrafe ist mit den Menschenrechten nicht zu vereinbaren. Und: "Kein Wort verliert Bakri darüber, dass nach einem UN-Bericht in Jenin 52 Palästinenser, die Hälfte von ihnen Bewaffnete, sowie 23 Israelis ums Leben kamen." SY: Zum einen ist im UN-Bericht von mindestens 52 Palästinensern ("at least 52 Palestinians") die Rede. Weiterhin ist erwähnenswert, dass der Bericht erstellt wurde, ohne dass sich die UN-Berichterstatter ein eigenes Bild der Lage vor Ort machen konnten. Sie wurden von Israel nicht reingelassen. Außerdem empfehle ich Herrn Avidan, mal den ganzen Bericht zu lesen (http://www.un.org/peace/jenin/index.html oder die zusammenfassende Pressemitteilung http://www.uno.de/presse/2002/unic509.htm). Dort ist z. B. die Rede von 1.539 Toten Palästinensern und 441 toten Israelis zwischen September 2000 und Mai 2002. Vor seinen Hintergrund erscheint es eher seltsam, wenn zur Verteidigug Israels darauf verwiesen wird, dass in Jenin nur (!) 52 Menschen getötet wurden. Weiterhin kommt der Militärarzt David Zangen zu Wort, der Bakri "sieben Lügen" vorwirft, "die er anhand von Bildern beweisen will". Leider erfahren wir nicht, wann und in welcher Form er das machen will, und müssen uns erst mal mit dem, was Zangen sagt, begnügen. // Zu einer Filmvorführung in Berlin erfahren wir: ... die israelische Botschaft hatte "Freunde Israels" aufgerufen, mit Argumenten gegen den Film aufzutreten. Immerhin, in Kiel wollten Mitglieder von "Verteidigt Israel" die Filmvorführung verhindern, ohne dass sie den Film überhaupt gesehen hatten. // Weiter: "Zwei Zuschauer warfen ihm auch Gehirnwäsche und Verbreitung von Hass vor. Das erregte einige der meist arabischen Gäste, aber die Veranstalter vom deutsch-arabischen Kulturverein "Die Brücke" predigten Toleranz und ließen sogar Fragen auf Hebräisch zu." SY: Sie predigten also Toleranz. Etwas was Avidan offenbar nicht gefällt, sonst hätte er "sie warben für Toleranz" oder etwas ähnliches geschrieben. Vielleicht ist Avidan Toleranz suspekt, oder es passt nicht in sein Weltbild, dass ein deutsch-arabischer Kulturverein tolerant ist, wer weiß. // Im vorletzten Satz: "Die meisten Besucher schenkten Bakri lauten Beifall und glaubten anscheinend seinen Zeugen." SY: Hier wird ein Kernpunkt deutlich: Es geht um Glaubwürdigkeit. Für beide Seiten gibt es keine "handfesten" Beweise. Avidan glaubt offensichtlich dem israelischen Militärarzt (einem Angehörigen der Bestzungsmacht) und nicht dem palästinensischen alten Mann, der palästinensischen schwangeren Frau oder dem palästinensischen Arzt (den VertreterInnen der Besetzten).


21.01.03, Link zur Medienkritik: SZ, Thorsten Schmitz: "Der doppelte Scharon"


Jungle World, Nr. 4, 15.01.03, "Ideologie statt Wahn. Eine Abgrenzung nach rechts macht die Globalisierungskritik von Attac auch nicht emanzipatorischer" von Felix Kurz
http://www.jungle-world.com/seiten/2003/03/73.php Darin:"Die globalisierungskritische Bewegung hat nie mit Anlässen gegeizt, ihre offenen Flanken nach rechts nachzuweisen." Und: "Dabei ist viel vom Antisemitismus die Rede, der globalisierungsbewegte Schulterschluss mit dem palästinensischen Selbstmordterror hingegen wird beschwiegen. Attac-Deutschland hat sich dabei zwar zurückgehalten. Soweit die interne Nahostdebatte öffentlich nachvollziehbar ist, besteht sie aus einem Resolutionsentwurf, der eine Zwei-Staaten-Lösung fordert, sowie aus Ergänzungen, die sich gegen die verständnisvolle Rationalisierung des palästinensischen Terrors als Verzweiflungstat wenden. // Doch die ‚Grenzen der Offenheit' scheinen in Sachen Israel gelinde gesagt äußerst durchlässig. Bekanntlich tummeln sich bei Attac die notorischen Israelfresser vom trotzkistischen Linksruck, denen erklärtermaßen jeder Islamist ein willkommener Bündnispartner ist, wenn er nur wie die Hamas und der Islamische Jihad wacker kämpft, anstatt wie die Saudis ihren Frieden mit Amerika zu machen." Anis: Die Sprache dieses langen Artikels ist sehr aggressiv. Man muss solche Artikel zur Kenntnis nehmen, denn sie zirkulieren bei Attacies und bei der taz und bei den Freundinnen und Freunden bei Hagalil usw. Hier wird z.B. Islamismus und Faschismus verglichen, weil die Selbstmordanschläge das "vernünftige Selbsterhaltungsinteresse" missachten würden. Eine Art Witz. Es kommen Ausdrücke vor wie "faschistischer Affekt gegen das ‚raffende jüdische Kapital'". Sehr konfuse Dinge stehen da über Antisemitismus, z.B.: "Dass der moderne Antisemitismus davon lebt, die Totalität des Kapitalverhältnisses zu zerreißen und seine abstrakte Erscheinung dem (Schein-) Konkreten entgegenzusetzen, hat sich nach Moishe Postones viel zitiertem Essay über die ‚Logik des Antisemitismus' allgemein herumgesprochen." Anis: Jetzt werden schon Logikbücher darüber geschrieben, über diesen "Wahn, der die Wirklichkeit des Antisemitismus ausmacht", wie es auch im Text heißt. Von einem "Humus des antisemitischen Weltbildes" ist die Rede, und: "Geld regiert die Welt, diese Überzeugung muss nicht antisemitisch gewendet werden." Wenn man Humor hat, kann man dem schon etwas abgewinnen. Am Schluss heißt es: "Nicht erst durch ihre mögliche völkische, antisemitische oder antiamerikanische Aufladung ist Globalisierungskritik jedem Gedanken an Emanzipation entgegengesetzt, sondern indem sie diese Verhältnisse wieder herbeisehnt." Anis: Man kann das nur philosemitische Propaganda nennen, denn alles, was Juden stören könnte, wird tabuisiert und verunglimpft. Ein Wahn sei das, behauptet der Autor Felix Kurz. Er sieht diesen Wahn bei den Antisemiten und den Islamisten wie der Hamas, die auch alle Antisemiten seien. Er sieht ihn auch in den Selbstmordattentaten und versucht, die Irrationalität dieser Akte und dieser Menschen herauszustellen. Der (vermeindliche oder wirkliche) Feind wird entmenschlicht. Ein arroganter und philosemitischer Text.


www.klick-nach-rechts.de (unterstützt vom BM Renate Schmidt: IS)/hagalil.com 13.01.03 , "'Le Monde diplomatique' und das 'Einheitsdenken': Das Querfrontprojekt ATTAC" von Gudrun Eussner
www.klick-nach-rechts.de Darin: "Noam Chomsky, der sich in rechtsextremen Verlagen publizieren läßt, auf diesen Unterstützer der Holocaust-Leugner Robert Faurisson und Serge Thion (2). Er bezieht sich weiterhin auf den 'Reisenden in der Dritten Welt' William Blum, der die weltweiten machtpolitischen Aggressionen der USA seit den 40er Jahren dem Holocaust an sechs Millionen europäischer Juden gleichsetzt und damit beweist, daß er nichts begriffen hat. (3) Leider fehle diesen mutigen Werken ein konsequentes politisches Denken. Staaten, die gegen 'Schurkenstaaten' Krieg führen könnten, seien auf Grund des Machtmißbrauchs den sie trieben, selbst 'Schurkenstaaten'." Anis: Chomsky hat also auch nichts begriffen! Welche Arroganz, anderen Leuten erzählen zu wollen, dass sie nichts begriffen hätten. Auch Uri wird im Kontext mit Attac denunziert: "In seinem Beitrag beschimpft Uri Avnery nebenbei noch die unermüdlichen Machenschaften des Schimon Perez und die dumme Politik Golda Meirs. (12) Diese Äußerungen geben einen Eindruck, um wen es sich bei Henri Curiel gehandelt haben muß. Um wen es sich bei Uri Avnery handelt, wissen wir sowieso. Arbeiten die Leute um Henri Curiel mit Terroristen zusammen, die sich trotz ihres Wissens über die Verbrechen Hitlerdeutschlands an den europäischen Juden eher mit Nazideutschland verbünden wollen, als eine Pause im Kampf gegen die Briten einzulegen, so halten jüdische Menschen vom Schlage Uri Avnerys es heute für geboten, mit palästinensischen Homizid-Bombern gemeinsame Sache zu machen." Eine Frechheit sondergleichen! Oder dies: "Sohn Alain Gresh (tritt) in die Fußtapfen des Vaters und setzt sich in zahlreichen Artikeln im "Diplo" vehement für die Palästinenser ein, ebenso übrigens wie seine Kollegin, die Stellvertretende Chefredakteurin Dominique Vidal. Sein neuestes Buch heißt: "Israel-Palästina, Wahrheiten über einen Konflikt". Er behauptet darin, daß Israel eine aus einer Eroberung geborene koloniale Tatsache der Enteignung der Autochthonen sei. Sie bedürfe der Eingeborenen nicht, um zu überleben. Andererseits erklärt er, und das geht an die Adresse derjenigen, die Israel das Existenzrecht absprechen, Israel sei inzwischen ein international anerkannter Staat. Eine Ungerechtigkeit könne nicht durch eine andere repariert werden. Mögen die "Autochthonen und "Eingeborenen" sich das zu Herzen nehmen! Auf der Stichwortseite "Israelisch-arabischer Konflikt" des "Diplo" findet man im übrigen unter mehr als 60 Beiträgen keinen einzigen, in dem nicht einseitig Partei für die Palästinenser genommen wird. Bemerkenswert ist, daß es immer so herum heißt und niemals der "arabisch-israelische Konflikt". Es wird schon durch die Bezeichnung klargemacht, wen man für den Urheber des Konfliktes hält: Israel. (13)" Ja, und deshalb wird am besten gleich alles verboten, was kritisch gegen Israel oder die USA ist. Vorsichtshalber. Wenn sich Attac dem beugt, ist es am Ende.

Weiter 2002
 
hoch