Anis Hamadeh ist empört. Seit zweieinhalb Jahren
lehrt er in Vollzeit Arabisch an der Universität.
Jetzt wurde der Lehrauftrag des wissenschaftlichen Mitarbeiters
nicht mehr verlängert. Die Institutsleitung wirft
ihm vor; private Auseinandersetzungen in den Lehrbetrieb
zu tragen.
Hamadeh gehört mit Sicherheit zu den unkonventionellen
Dozenten der CAU. Denn er ist eine Art Allround-Künstler
Als Musiker tritt er ebenso in Erscheinung wie als Zeichner
oder eben Literat. Als solcher hat er schon einige Bücher
veröffentlicht, darunter auch die Bambuslyrik. Mit
Auszügen wie ,,Hitler" oder ,,Tausend Steine", die
er an der Uni als Flugblatt verteilte oder sie an die
Bürotür heftete, erregte er Unmut bei den Direktoren
der Orientalistik, Prof. Horst Brinkhaus und Prof. Anja
Pistor-Hatam. "Dabei ist der Hitler-Text völlig
harmlos", erzählt Hamadeh, der mit seinen Flugblättern
in erster Linie "wie jeder Literat die Resonanz sucht".
Und auch die drei Tage im vergangenen Jahr, an denen er
unentschuldigt gefehlt und eine Art Fastenmarathon gemacht
hatte, könnten es nicht sein, die das Fass zum Überlaufen
gebracht haben: "Ich habe bereits zugesagt, dass
ich die Stunden nachhole."
Brinkhaus und Pistor-Hatam hätten ihn sogar noch
gefragt, ob er wolle, dass der Vertrag verlängert
werde. Seine Antwort war zwar, wenn schon nicht eindeutig,
so doch ehrlich.
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"Ich
habe zu bedenken gegeben, dass ich schon innerhalb des
Jahres als Literat oder Musiker bekannter werden könnte."
Und: ",Ich will groß raus und habe Einiges
zu bieten."
Ja, sie hätten Hamadeh aufgefordert, die ,,Hitler"-Satire
von seiner Bürotür abzuhängen - im Gegensatz
zu früheren Blättern, die sie immer akzeptiert
hätten, schildert Brinkhaus seine Sicht der Dinge:
"Aber diese Satire hat er Institutsmitarbeitern gewidmet,
mit denen er Probleme hatte. Wir wollen nicht, dass er
persönliche Fehden im Institut austrägt."
Danach sei das bis dahin gute Gespräch umgekippt:
Hamadeh habe ihm und seiner Kollegin ein "Hitler-Svndrom"
vorgeworfen. Nach Hamadehs Drohung, Studierende aufzuwiegeln,
sehe man jetzt keine Basis mehr für eine vertrauensvollen
Zusammenarbeit.Hamadeh vermutet die Ursache für den
Zwist anderswo: Er habe die Erfahrung gemacht, dass "viele
sich von Kreativität bedroht fühlten". Vielleicht
würden die betreffenden Professoren deshalb nicht
mehr mit ihm reden. Kurzum: "Die Stimmung im Institut
ist momentan sehr gespannt."
Das sieht Brinkhaus ähnlich: Die Studierenden seien
in zwei Fraktionen gespalten, in Anhänger Hamadehs
und solchen, die ihm skeptisch gegenüber stünden.
Hamadehs Behauptung, man würde seine Lehrqualität
bezweifeln, weist der Professor zurück: Sein Unterricht
sei offenbar gut. |
Seine
Studenten habe man zu den Qualitäten seines Unterrichts
gar nicht gefragt, sagt dagegen der 34-Jährige.
Das kann auch Studentin Sabine Yacoub bestätigen.
Richtig wütend war Hamadeh, als ihm die Professorin
den Rat gab, "sich doch an den sozialen Dienst
der Universität zu wenden".
Ob er gerichtliche Schritte einleiten will, weiß
Hamadeh noch nicht, ,,darauf habe ich auch keinen Bock".
Jetzt geht es ihm darum, dass seine Ehre wiederhergestellt
wird. "Ich will den Punkt geklärt haben, durch
eine Entschuldigung oder wie auch immer" Denn immerhin
schade die Nichtverlängerung seines Vertrages auch
dem Lebenslauf. Kiel will Hamadeh treu bleiben, wenn
schon nicht mehr als Dozent, so doch als Künstler
und politisch engagierter Mensch. (PM/mad)

Unkonventioneller
Dozent:
Anis Hamadeh
Foto
pae
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