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Anis
Hamadeh ist kein durchorganisiert-perfektionistischer
Typ. Seine Texte verfaßt er spontan und intuitiv
und von dieser Intuition läßt er sich auch
bei seinem ersten Soloabend im Kulturladen Leuchtturm
leiten. Der Lesung verleiht das einen ganz eigenen,
angenehm persönlichen Charme. Im obligatorischen
Intellektuellen-Schwarz steht der Arabisch-Dozent auf
der Bühne und liest leicht nu-schelnd selbstgeschriebene
Gedichte, Kurzgeschichten und Satiren. Oder er zückt
die Gitarre und singt mit sympathisch-warmer Stimme,
ein bisschen wie Cat Stevens, eigene Songs.
Wie
Alice durch die Traumwelten
Außergewöhnlich sind die in laxer Umgangssprache
verfaßten ,,Bambus Texte", Gereimtes, das leichtfüßig
im Rap-Rhythmus daherkommt. Von gefährlichen Franzosen
ist da die Rede, die ,,Rosen in Dosen" bringen und allerlei
anderem kurzweiligen Nonsens. Halbsätze, Gesprächsfetzen,
Fragen und Antworten, labyrinthisch verwoben, |
ergeben
komische Anekdoten. Doch diese
Spielereien der Phantasie verstellen Hamadeh nicht den
Blick für ernste Themen. Ins Fadenkreuz seiner Kritik
gerät Joschka
Fischers Rolle im Kosovo-Krieg und auch sozialkritische
Töne werden in bissigen Satiren hörbar. Die
Vielseitigkeit des zweimalig Zweiten des ,,Poetry-Slam
spiegelt sich nicht nur im Themenspektrum, sondern auch
in der Stilvielfalt wider. Phantastisch-märchenhaft
geht es in den, "Theo Fieberbrain"- Kurzgeschichten zu. Wie
bei, Alice im Wunderland verschwimmen hier
die Erzählebenen, wandert Theo von der Realität
in unterschiedliche Traumwelten. Der Phantasie etwas Nachhilfe
erteilen dabei die detailgenauen Skriptolzeichnungen von
Heinke Vollers, die wie in der Schule von Zuhörer
zu Zuhörer durchgereicht werden. Es ist nicht immer
einfach, Hamadeh zu folgen, da die assoziative Erzählform
ständige Konzentration erfordert. Aber statt einer
Pause verschaffen immer wieder eingestreute eigene Songs
oder die spontanen lyrischen oder musikalischen Beiträge
der Gäste Entspannung. Eine harmonisch-stimmige Lesung.
kla
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